#1

Ablehnung als Reisekader

in Leben in der DDR 25.04.2010 10:44
von Skifahrer (gelöscht)
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Hallo forum,

ich war von einer großen Firma (Maschinenbau)in Dresden mal als Reisekader mit Familie für 5 Jahre nach Indien vorgesehen.
Abgelehnt von der Stasi.
Fand nach Akteneinsicht lerider nie den Grund, da der Aktenteil von dem Großbetrieb nicht in meiner Akte
zu finden war.
Frage an Eingweihte: was könnten aus folgenden die Gründe sein?
- ich war parteilos, Frau auch
-hatte Verwandten 2. Grades im Westen, war pesioniert, aber vorher bei der bundeswehr
-ein Schwager war beim Vermessungsamt und kannte angeblich geheim Koordinaten
-ein Bruder hatte mal eine Stasiverhaftung am Hals und saß 6 Monate, war aber 15 jahre her.

Gruss aus dem Harz
Skifahrer


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#2

Ablehnung als Reisekader

in Leben in der DDR 25.04.2010 12:48
von ABV | 4.202 Beiträge

Skifahrer, ich denke mal das der letztgenannte Grund der entscheidende war. Die DDR hatte ein langes Gedächtnis was eventuelle Vorstrafen, auch bei Verwandten, betraf. Das traf nicht nur auf Reisekader zu. So konnte man als Volkspolizist durchaus in berufliche Nöte, bis zur Entlassung, geraten, wenn ein naher Familienangehöriger beispielsweise wegen einer Republikflucht verhaftet oder gar verurteilt wurde. Aber auch geringere Delikte konnten sich durchaus negativ auswirken. Einem früheren Kollegen wurde in den achtziger Jahren die Teilnahme am Fachstudium versagt, weil dessen Bruder wegen Verkehrsgefährdung durch Trunkenheit, verurteilt wurde. Selbst eigene Sünden und wenn sie noch zu lange zurück lagen, konnten einen "aufs Bein fallen." Ein Bekannter von mir hatte sich vergeblich um eine Dienstaufnahme bei der VP bemüht. Der Grund war ein so genannter "K-Vermerk", mit dem jeder der egal warum, mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, in den Meldeunterlagen bedacht wurde. Seine Straftat lag lange zurück. Er hatte als Junge gemeinsam mit anderen einen Pausenwagen der LPG beschädigt und diese "Untat" längst vergessen.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


zuletzt bearbeitet 25.04.2010 12:48 | nach oben springen

#3

Ablehnung als Reisekader

in Leben in der DDR 25.04.2010 13:05
von Alfred | 6.841 Beiträge

ABV,

hör doch bitte mal mit Deinen wenn und aber auf.

Das hat doch nichts mit Objektivität zu schaffen.

Alles was Du schilderst kann Dir auch heute mehr oder weniger passieren. Ich empfehle das Buch "Doppelagent" von Herrn Gebauer.

Gebauer war bei IBM u.a. für Sicherheitsüberprüfungen zuständig und arbeitet für das MfS . Nach 1989 wurde gebauer zu 12 Jahren verurteilt.

Es gab auch den Fall, wo der Sohn eines sehr hohen Dienstgrades sich mit § 213 verabschiedete. Nichts passierte, sein Vater behielt seinen Dienstgrad etc.

Es gab alles, so oder so.


zuletzt bearbeitet 25.04.2010 13:06 | nach oben springen

#4

RE: Ablehnung als Reisekader

in Leben in der DDR 25.04.2010 13:52
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@skifahrer, normalerweise war am ende der sicherheitsüberprüfung vermerkt, ob dem einsatz zugestimmt oder warum er abgelehnt wurde. auch eine ablehnung, weil dein schwager eine sicherheitsrelevante tätigkeit ausübte, wäre im bereich des möglichen. bei deinem letzten beispiel mit der verhaftung deines bruders müsste man die hintergründe kennen. aber da der zeitpunkt 15 jahre zurücklag, wird man es nicht überbewertet haben. ich tippe eher auf deinen schwager als versagungsgrund...

evtl. kannst du noch ein paar einzelheiten bringen


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#5

Ablehnung als Reisekader

in Leben in der DDR 25.04.2010 13:58
von VNRut | 1.483 Beiträge

Ganz unrecht hat ABV nicht. Einige Monate vor meiner Entlassung 1983 aus den Grundwehrdienst bei den Grenztruppen versuchte ein entfernter Angehöriger meiner Familie eine Republikflucht und wurde verhaftet. Ohne mein Wissen von diesen Vorfall wurde ich einige Tage in den Innendienst versetzt und kam später nur noch auf BT des KC, der ZF (strenge Dienstvorschrift/Doppelposten) oder außerhalb der Grenzlinie (z.B. KP Sacrow). Jetzt kann man sich fragen, was hat Reisekader mit Militär zu tun. Ich wollte nur andeuten, dass auch bei Verhaftungen sortiert wurde.

Ebenfalls kam diese Verhaftung Jahre später während meiner Tätigkeit auf dem Bau zur Sprache, als ich von meiner Firma nach Stendal ins KKW "delegiert" werden sollte. Man musste vorher Fragebogen ausfüllen und bekam erst nach einer gewissen Überprüfungszeit sein OK von der "Behörde".

@Skifahrer, ein Hauptgrund Eurer Reiseablehnung wird die Parteilosigkeit und Verwandte im NSA gewesen sein.

Gruß VNRut


GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle
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#6

Ablehnung als Reisekader

in Leben in der DDR 25.04.2010 14:05
von ABV | 4.202 Beiträge

Mensch Alfred du alter Erbsenzähler! Ich habe nur die Beispiele aufgeführt, von denen ich hundertprozentige Kenntnis habe. Das die Tätigkeit des Schwagers der Grund gewesen sein könnte, sollte man allerdings wirklich nicht außer Acht lassen. Verwandte mit sicherheitsempfindlichen Aufgaben stellten ja auch einen Versagungsgrund bei normalen Verwandtschaftsreisen in den "Westen" dar.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

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#7

Ablehnung als Reisekader

in Leben in der DDR 25.04.2010 14:18
von Altermaulwurf (gelöscht)
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In der konkreten Situation alles letztendlich Spekulation..........


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#8

Ablehnung als Reisekader

in Leben in der DDR 25.04.2010 17:03
von member (gelöscht)
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Hey Skifahrer im Prinzip haste dir deine Frage schon selbst beantwortet, alle der aufgefuehrten Gruende werden wohl zuteffen und sind auch sehr massgeblich gewesen. Ich war Reisekader und hatte zwar westverwandtschaft aber dies war 3. grades. Als sogenannter Reisekader war eine weisse Weste erforderlich, die man auch in Uebergroessen bestellen konnte, das heisst, Parteizugehoerigkeit waere eines gewesen.
Silvio


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#9

RE: Ablehnung als Reisekader

in Leben in der DDR 26.04.2010 11:31
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Skifahrer
Hallo forum,

ich war von einer großen Firma (Maschinenbau)in Dresden mal als Reisekader mit Familie für 5 Jahre nach Indien vorgesehen.
Abgelehnt von der Stasi.
Fand nach Akteneinsicht lerider nie den Grund, da der Aktenteil von dem Großbetrieb nicht in meiner Akte
zu finden war.
Frage an Eingweihte: was könnten aus folgenden die Gründe sein?
- ich war parteilos, Frau auch
-hatte Verwandten 2. Grades im Westen, war pesioniert, aber vorher bei der bundeswehr
-ein Schwager war beim Vermessungsamt und kannte angeblich geheim Koordinaten
-ein Bruder hatte mal eine Stasiverhaftung am Hals und saß 6 Monate, war aber 15 jahre her.

Gruss aus dem Harz
Skifahrer



Vielleicht keiner davon oder nur alle zusammen plus irgendein "Magengefühl" des Entscheiders.
Begründung:
- Ich war an der Grenze, später bei der Polizei. Hatte Kenntnis von mancherlei nicht so offensichtlichen Dingen,
- Unsere Eltern waren streng religiös gebunden.
- Wir haben zahlreiche Westverwandtschaft über den halben Erdball zwischen USA und BRD. Daraus nie ein Geheimnis gemacht.
- Ich war der Einzige in der Familie, der in der Partei war.
- "Trotzdem" war mein Bruder nach Ende meiner GT-Zeit als Reisekader bei der nicht so christlichen DDR-Schiffahrt eingesetzt.

Wenn es keine erkennbare Begründung gibt, wird es so eine "Bauchentscheidung" gewesen sein. Da die niemand begründet hat, gibt es einfach keine Begründung, die man irgendwo finden könnte.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#10

RE: Ablehnung als Reisekader

in Leben in der DDR 26.04.2010 12:24
von nolle (gelöscht)
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Ich denke da war auch sehr oft eine Sache im Spiel die man den "vorauseilenden Gehorsam" nannte. Da gab es ein Maschinenbaukombinat in (glaube) K.-M.-Stadt da Bestand die Pflicht in der Partei zu sein. In einem (Berliner) Maschinenbaukombinat war das nicht der Fall (zum Glück), sonst wäre ich nämlich auch nicht gefahren. War übrigens kein Einzelfall.
Tschüß


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#11

RE: Ablehnung als Reisekader

in Leben in der DDR 26.04.2010 15:44
von Ahnenforscher (gelöscht)
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Hallo Skifahrer,
wenn du deine Akte eingesehen hast und es war überhaupt nichts darin, passt einiges nicht zusammen.
Bei Reisekadern NSW gab das MfS die Zustimmung. Wenn, dann könnte nur der Bundeswehronkel eine Rolle spielen. Das sogenannte "Sicherheitspolitische Umfeld" spielte eine Rolle und war von der Aufgabe abhängig. Es ist ein Unterschied, ob man als Mitarbeiter in einem Bewässerungsprojekt oder als Oberbauleiter für den Botschaftsneubau in Tokio tätig war.
Eine intakte Ehe konnte höher gewichtet werden, wie die Parteimitgliedschaft oder ein Fehlverhalten eines entfernten Verwandten. Es war immer von den Einsatzbedingungen im Ausland abhängig.

In deinem Fall vermute ich etwas völlig anderes. In der Akte war nichts, nichteinmal ein Antrag auf Bestätigung als Reisekader. Es gab Fälle, dort sprachen die Kombinatsleiter einige Mitarbeiter auf die Bereitschaft zu Auslandseinsätzen an und versprachen, sie als Reisekader vorzuschlagen.
Der Kombinatsdirektor übergab dem zuständigen Mitarbeiter des MfS eine Liste mit 15 Personen. Für den Mitarbeiter bedeutete das viel Arbeit. Der Kombinatsdirektor erhielt die Anfrage, wieviel Personen er für diese Positionen, einschließlich Ersatzbedarf, benötigt. Konkret waren es nur 5 Mitarbeiter mit ihren Familien. Diese Mitarbeiter hatte der Kombinatsdirektor zu bestimmen und sie wurden überprüft und bestätigt. Für die restlichen 10 Mitarbeiter hatte der Verantwortliche eine banale Antwort:
"Die Stasi hat euch abgeleht!" Diese Praktiken waren keine Einzelfälle. In deinem Fall sieht es danach aus.

Grüße der Ahnenforscher


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#12

RE: Ablehnung als Reisekader

in Leben in der DDR 26.04.2010 17:07
von Altermaulwurf (gelöscht)
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Mögliches Szenario Ahnenforscher, aber in der konkreten Situation spekulativ.

Bindungsfaktoren, egal welcher Art waren ein wichtiges Kriterium und letztendlich zählten auch Erfordernisse aus der speziellen Situation


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