#1

Wie ich den Alarm für das GSZ-Tor abschaltete und es keiner merkte

in Mein Grenzer Tagebuch 25.04.2010 01:13
von TOMMI | 1.988 Beiträge

31.Mai 1986, ein Tag wie jeder andere.
Jedoch nicht für Sportbegeisterte. Denn an diesem Tag wurde die Fußball-WM in Mexico
eröffnet. Ich war seit einem Jahr bei den GT und seit einem halben Jahr in der GK Teistungen.
Wer konnte, saß pünktlich im Fernsehraum, um nichts zu verpassen, ich natürlich auch.
Als gerade die Eröffnungszeremonie lief, kam der WE (eine Art Laufjunge des UvD) in den
Fernsehraum und rief mich zum Telefon. Mir als Nachrichten-Uffz schwante nichts gutes.
Dies konnte nur bedeuten, dass irgendwo das GMN nicht funktionierte und ich es flicken sollte.
So war es dann auch. Am Telefon war "Matthew" (Spitzname eines Zugführers). Er sagte mir,
dass eine Sprechstelle am Tor "Bahndamm" (ein Tor in unmittelbarer Nähe, mein Glück) nicht
funktionierte. Dann fragte er: "Was heißt das?" Ohne meine Antwort abzuwarten, ssagte er:
"Dass Du dass Fussballspiel sausen lässt und hier her kommst und das ganze in Ordnung bringst.
Eröffnungsspiele taugen eh nichts, da fallen keine Tore." Er sollte sich irren.
Ich schnappte mir ein Funkgerät (GMN ging ja nicht), etwas Werkeug und ließ mich von einem
Gefreiten mit einer Tese (MZ-TS) zu diesen Tor fahren. Dort angekommen meldetete ich mich über Funk an.
Er wollte mich erst gar nicht hereinlassen, weil er meine, die Sprechstelle sei außen.
Es war nie einfach, einen technisch unbeleckten zu überzeugen. Auch diesmal nicht.
Schließlich kapierte er, dass das Kabel innen lag und die Außensprechstelle nur ein Parallelanschluss
der Innensprechstelle war. Und dies alles im Klartext über Funk.
Meinem Fahrer versprach ich noch, dass wir pünktlich zu Spielbeginn zurück sein werden.
Ich öffnente die Sprechstelle und siehe da, ein Draht war lose, genau der, der zur Außensprechstelle
führte. Ich schloss ihn an, machte die Klappe zu, raus aus dem Tor und machte eine Sprechprobe.
Diese war positiv. Nun nix wie zurück. Nicht viel mehr als eine Viertelstunde nach dem Telefonat
saßen wir wieder vorm Fernseher. Es dauerte nicht lange, da erschien der WE wieder.
"Bitte nicht schon wieder", dachte ich nur. Aber diesmal hatte ich Glück. Dagegen der GSZ-Trupp
umso weniger. Dieser schob fluchend los. Inzwischen begann das Eröffnungsspiel zwischen dem amtierenden
Weltmeister Italien und Bulgarien. Nach etwa der selben Zeit wie ich kam dann auch der GSZ-Trupp zurück,
so dass dieser dann auch die zwei Tore (das Spiel endete 1:1) noch mitbekam. Was war geschehen?
Das betreffende GSZ-Tor hatte keine Sicherheit mehr gehabt. Man hätte also ohne Auslösung es mit
mehr oder weniger Gewalt öffnen und durchmarschieren können. Als ich die GMN-Sprechstelle reparierte,
musste sich wohl der GSZ-Draht geköst haben. Der GSZ-Trupp fragte mich nich, ob ich das gewesen sei.
"Nö, wieso???", war nur meine Antwort.
So war dies alles erledigt und man konnte sich wichtigeren Dingen, wie zB dem Fußball zuwenden.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#2

RE: Wie ich den Alarm für das GSZ-Tor abschaltete und es keiner merkte

in Mein Grenzer Tagebuch 25.04.2010 10:10
von Theo85/2 | 1.199 Beiträge

was war denn da für eine Schlafmütze auf der Führungsstelle? Das Tor musste doch verriegelt werden und dann gabs erst die Freigabe Sicherheit oder?

Gruß
Theo 85/2


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#3

RE: Wie ich den Alarm für das GSZ-Tor abschaltete und es keiner merkte

in Mein Grenzer Tagebuch 25.04.2010 11:52
von Rüganer (gelöscht)
avatar

Zu lange her, um ein Datum zu wissen...
mein erster Tag an der Grenze, Fahrer des Kommandeurs, eines Oltn. Sch....
Irgendwann nach Mitternacht von der damaligen Kaserne in Berlin - Johannisthal, wo sich der Kommandeur Grenzsicherung damals auch während des Dienstes aufhalten durfte, fuhr der Chef mit mir an die Grenze, noch nie zuvor hatte ich so hohe Nessel und Unkrautpflanzen gesehen, wie in dem Abschnitt dort am Landwehrkanal. Der Trabbi wurde stehen gelassen und so ganz nebenbei fragte er mich: " Sagen sie mal, Genosse Soldat, schießen sie denn im Falle eines Falles?" Ich habe offensichtlich rumgeeiert und was geantwortet, wie: " wenn man mich angreift und im Falle der Verteidigung..."
Dann streiften wir los, ich immer vorneweg, behängt mit Leuchtpistole und Fernglas und der Kaschi, er hinter mir. Dann rief er mich leise an und zeigte mir, das am Westberliner Ufer ein VW Käfer hielt und Zöllner dort irgend etwas beobachteten. Eine ganze Weile später rief er mich wieder an und zeigte mir eine Regentonne, die an einer Laube stand. In dieser Regentonne schwamm ein Zigarettenkippen und er fragte mich, was ich denn da erkennen würde. Ich las aus dem ganzen nichts heraus, aber er wiederrum erklärte mir, dass der Kippen frisch sei, denn sonst wäre doch das Zigarettenpapier schon aufgeplatzt... Das leuchtete mir ein und als er dann den Zoll und die Kippe mit der möglichen Anwesenheit eines GV in Verbindung brachte, ging mir schon ganz leicht die Muffe...
Dann gingen wir weiter und als irgendwo im Gestrüpp entweder ein Igel oder eine Katze raschelte, habe ich vor lauter Angst erst einmal die Kaschi durchgezogen... Der Oltn. hat sich wahrscheinlich köstlich auf meine Kosten amüsiert, zu mir aber meinte er, dass die Frage des Schießens oder Nichtschießens geklärt sei. Kurz darauf sind wir auch wieder zurück zum Auto und aus dem Hinterland in Linie gefahren.
Ich denke mal, Suggestion durch den Vorgesetzten, die Flut der Eindrücke des Unbekannten, dazu die Nacht und das erste Mal Grenzdienst, hinzu dieser Muffengang - da kommt genug zusammen, um als 20ig-jähriger die Nerven zu verlieren.
Für mich war es jedenfalls ein bleibendes Erlebnis, dieser erste Dienst.


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#4

RE: Wie ich den Alarm für das GSZ-Tor abschaltete und es keiner merkte

in Mein Grenzer Tagebuch 25.04.2010 13:07
von TOMMI | 1.988 Beiträge

@ Theo: ja das frag ich mich auch, wie man das verpennen konnte. Immerhin wurde nach dem
Schließen des Tores gefragt: "Besteht Siegfried (Sicherheit)?" Solange diese Frage
nicht positiv beantwortet war, kam man nicht weg. Ich gehe davon aus, dass am GSZ-
Gerät auf der Führungsstelle aus Bequemlichkeit der Alarmton unterdrückt war.

@ Rüganer: Deine Geschichte hat was nachdenkliches und was heiteres. Das heitere ist, dass
sowohl beim Militär als auch in allen Bereichen der neue, das "Greenhorn" verarscht
wurde. Gut, dass in diesem Fall jemand mit Erfahrung dabei war. Denn da sind wir
schon beim nachdenklichen Teil. Es gab genug 20jährige, die die Nerven verloren hatten.
Dass zwei "Greenhörner" zusammen los geschickt wurden, war zwar selten, aber das gab es auch.

Mal eine Frage: Würdet Ihr heute bei dem bekannten Reifegrad einem 19- oder 20jährigen
Eine scharfe Waffe mit 60 Schuss zur eigenen Verantwortung in die Hand geben?


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#5

RE: Wie ich den Alarm für das GSZ-Tor abschaltete und es keiner merkte

in Mein Grenzer Tagebuch 25.04.2010 14:34
von bruno | 598 Beiträge

tommi, an diesem besagten 31.mai 1986
fand auch noch das fdgb-pokalendspiel
zwischen lok leipzig und union berlin
statt.
rainman du musst jetzt gaaanz tapfer sein,
lok gewann das endspiel mit 5:1.


nichts auf der welt ist so gerecht verteilt wie der verstand.
denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
rené descartes
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#6

RE: Wie ich den Alarm für das GSZ-Tor abschaltete und es keiner merkte

in Mein Grenzer Tagebuch 25.04.2010 15:24
von TOMMI | 1.988 Beiträge

Bruno, danke für den Hinweis. Pokalendspiele waren immer Samstags, aber Weltmeisterschaften
wurden bisher immer Freitags eröffnet. Daher habe ichin einen alten Kalender geschaut und
siehe da, der 31.Mai 86 war ein Samstag, der 30.Mai ein Freitag. Demzufolge hat die von
mir geschilderte Begebenheit am 30.Mai 1986 stattgefunden. War das Kicketheft, wo ich nachgeschaut
habe, nicht ganz korrekt.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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