#1

Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 22.12.2008 20:50
von Naddel (gelöscht)
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Hallo zusammen,
ich muss von der Schule aus ein Referat zum Thema "Alltagsleben in der DDR" vorbereiten und weil ich dort noch nie gelebt habe hätte ich da einige Fragen.
Ziehmlich viele sogar. Ich schätze fast sogar zu viele. Würde mich trotzdem freuen, wenn mir hier jemand weiterhelfen könnte. Danke schon mal im Vorraus!


Wie sah denn so ein typischer Tag in der DDR aus? Wie lange dauerte denn ein normaler Arbeitstag? Gab es geregelte Arbeitszeiten? Gab es Arbeitslosigkeit? Mussten Frauen auch arbeiten?
Wie wurden die Kinder versorgt? Es gab doch viele Kinderklappen. Wer bezahlte das? Kostete es was ein Kind dort abzugeben? Gab es sowas wie Kindergeld?

Wie sah es mit der Schule aus? Waren die Schulzeiten länger als heute um z.B. die Familien zu entlasten, also gab es sowas wie Ganztagesschule? Konnte jeder auch das Abi machen? Und nach dem Abi – konnte man studieren? Und wenn ja durfte man selbst entscheiden, was man studieren wollte?

Hatte man damals eigentlich genügend Freizeit? Was hat man denn in seiner Freizeit so gemacht? Gab es Vereine (also wie z.B. die Sportvereine heute)?

Waren so gut wie alle Kinder damals in der FDJ? Man musste doch einen Beitrag zahlen - War der hoch? Was passierte wenn man als Kind nicht in der FDJ war? Wurden die Kinder, durch die FDJ, wirklich dazu benutzt ihre eigenen Eltern auszuspähen?

Ich habe gelesen, dass es nur zwei Fernsehsender gab. Was lief dort gesendet (also mehr politisches oder eher Unterhaltung?)? Westdeutsches Fernsehen war ja verboten. Konnte man es bei sich trotzdem leicht empfangen? War das sehr gefährlich? Was passierte, wenn man dabei erwischt wurde?
Gab es verschiedene Zeitungen / Radiosender? Wie sah’s mit der Pressefreiheit aus?

Musste man als einfacher Bürger eigentlich Angst davor haben, von der Stasi verhaftet zu werden?
Hatte oft man Angst, dass z.B. der Nachbar als „informeller Mitarbeiter“ für die Stasi arbeitete? Wusste man noch wem man trauen konnte?

Es gab ja Lebensmittel die rationiert waren. Was waren das z.B. für welche? Waren die auch teurer?
Hatte man eigentlich genug Geld um zu leben? Wie groß waren in etwa die Wohnungen? Wie sah’s mit Urlaub aus - konnte man sich den leisten? In welche Länder durfte man überhaupt reisen?
Gab es trotz dem Sozialismus eigentlich wirklich reiche Leute?

Gab es für den Bürger Partizipationsmöglichkeiten? Also konnte der normale Bürger sich irgendwie am politischen Geschehen beteiligen? Gab es Interessensverbände, Parteien, …?
Gab es antisozialistischen Zusammenschlüsse? War es möglich so einer Organisation beizutreten? War so etwas sehr gefährlich? Was passierte wenn man da als Mitglied von der Stasi erwischt wurde?

Wie viele Parteien gab es denn so ungefähr? Gab es überhaupt Wahlen? Wenn ja, liefen diese denn korrekt ab (also gab es Wahlbetrug, oder wurde man z.B. dazu gezwungen eine bestimmte Partei zu wählen)?


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#2

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 28.12.2008 14:31
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Naddel,

vorweg muss ich Dir sagen, dass auch ich nie in der DDR gelebt habe.
Ich (1957) bin allerdings mit beiden Systemen aufgewachsen und habe zwangsläufig alles über die "bösen Nachbarn" aus den Medien, vorallem aber durch die Schule und später dem sogenannten "politischen Unterricht" bei der Bundeswehr hautnah erfahren dürfen.
Zahlen, Daten, Fakten findest Du, in dem Du die berühmte Suchmaschine "google" anwirfst. Wie das Leben für die Menschen in der DDR wirklich war, wirst Du allerdings so schnell nicht herausfinden können, auch hier nicht. Da hat eben JEDER seine eigenen Erfahrungen gemacht und dazu gibt es dann x Meinungen und Ansichten.


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#3

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 29.12.2008 19:27
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Naddel wie viel Zeit hast du denn noch für dein Referat, frage deswegen weil ich eventuell verschiedenes aus alten verlässlichen Quellen (60er/70er Jahre) über die DDR habe. Das Problem ist bloß das ich erst nach dem 5.01.09 die Möglichkeit habe diese Sachen zu Scannen und hier einzustellen.

Gruß

Rainer-Maria


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#4

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 01.01.2009 13:13
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Hallo,

bei unserer Naddel handelt es sich wohl um einen BND-Mitarbeiter, oder was meinst Du Rainer-Maria?

Erst einen ellenlangen Fragenkatalog zu erstellen, um sich dann nicht mehr zu melden ist zumindest UNHÖFLICH, liebe Naddel! Oder wolltest Du nur mal schauen was MAN hier so von sich gibt?


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#5

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 01.01.2009 19:21
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Wolfgang B. zu Anfang wünsche ich dir und der Familie Gesundheit für das Neue Jahr. Alles andere ergibt sich, ja es sieht fasst so aus als hat sich Naddels Interesse an der Verfolgung ihrer eingestellten vielfältigen Fragen so verflüchtigt wie die alte DDR. Aber da ich selbst nicht der zielstrebigste Schüler war und auch manchmal Aufgaben über die Kumpels vergessen habe denn sie zogen etwas mehr geb ich ihr noch ein paar Tage bzw. eine Chance. Aber vorne weg schon mal die Themenvielfalt über die etwas einstellen kann sollte jemand Interesse haben. Natürlich dauert es ein kleine Weile siehe Scannen etc. aber es sind wirklich interessante Beiträge aus alten Quellen (1962/1971) die für sich selber sprechen. Also los gehts ganz unkompliziert. Gleichberechtigung der Frau, Berufsausbildung, Schule/Hochschule, Was kostet ein Studium, Wahlen in der DDR, wieviele Gewerkschaften in der DDR, Wochenheime für Kleinstkinder, Presse in der DDR, Anzahl/Auflistung Parteien in der DDR, Vergleich Buchpreise-BRD-DDR, politechn. Unterricht/Fernstudium, Erzeugnisse einer Stunde (Produktivstunde), Familie/Einkommen/Lebenshaltungskosten an Hand eines Beispieles, Preissenkungen, Blockparteien, sozialistische Demokratie, Mädchen und Technik, Jüdische Bürger und ihr Leben in der DDR, Abgeordnete für die Volkskammer, Arbeiter über sich selbst, Übersiedler aus der BRD erzählen.
Natürlich ist das nicht alles was ich an Themen habe aber das erstmal für den Anfang.

Gruß

Rainer-Maria


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#6

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 02.01.2009 13:27
von Transitfahrer (gelöscht)
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Frohes neues Jahr und Gesundheit für alle,

hallo Handwerkerkollege Ost,

also die Beiträge würden mich auch interessieren. Ich hätte da auch noch ein paar Fragen wie z.B. Umweltdaten, Lebenserwartung Ost-West, med. Versorgung Land-Stadt, Kaufkraft, Produktivität und Effektivität des einzelnen Arbeiters, wöchentliche Arbeitszeit u.s.w.

Gruß
Peter


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#7

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 05.01.2009 08:46
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Hallo Rainer-Maria,

ich habe INTERESSE!
Bin schon gespannt, aber lass Dir Zeit , Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden!


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#8

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.01.2009 16:55
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Wolfgang du hattest wohl doch nicht so unrecht mit Naddel, evt. eine kleine IM vom BND aber sie kann uns ja noch eines besseren belehren falls sie sich wieder einbringt. Habe erst einmal ein Thema wie versprochen als Datei angehängt. Die Qualität ist noch nicht die beste aber ich arbeite daran denn es sind sehr dicke Wälzer die kopiert werden müssen und mein letzter Kopierer war nicht so optimal .

Gruß

Rainer-Maria


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#9

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.01.2009 17:55
von Transitfahrer (gelöscht)
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Hallo Rainer,

über die wirtschaftliche Situation der DDR 1989 habe einen interessanten Link gefunden.
http://www.bstu.bund.de/cln_030/nn_92565....html__nnn=true

wie ist Deine Meinung darüber?

Gruß
Peter


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#10

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.01.2009 18:37
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Hallo Rainer-Maria,

Familie "Neumann" lebte wirklich nicht schlecht in der DDR.

Was halt immer wieder auffällt und somit tasächlich irgendwie ins forcierte Bild des "Klassenfeindes" passt ist, dass bei uns (West) bis heute "Luxusgüter" immer vorhanden und einigermaßen erschwinglich waren, gleichzeitig aber die elementaren Dinge wie Miete, Heizung, Strom - teilweise Nahrung, öffentliche Verkehrsmittel, Kindergärten oder -krippen und all das Gedöns das zum "normalen" Leben gehört, im Verleich zur DDR die eigentlichen "Luxusartikel" darstellten.

Meine Meinung seit jeher: In der DDR ließ sich der normale Alltag weit besser finanzieren, als in der BRD. Vor Arbeitslosikeit und den Folgen brauchte sich der "normale" DDR zudem nicht zu fürchten?


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#11

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.01.2009 11:37
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Wolfgang, der Link von Transitfahrer dürfte für Dich interessant sein,beantwortet er doch einiges zu Deiner Vorstellung vom Leben in der DDR.Die Subventionen für Grundnachungsmittel,Öffentlicher Verkehr,Mieten,Kinderkleidung,Ärtzliche Versorgung,Kindergärten war zwar toll aber nicht wirtschaftlich und hat auch mit zu Defiziten geführt!Es stimmt offiziell gab es keine Arbeitslosen.Im Gegenteil wer nicht arbeiten wollte und sich asozial verhielt,mußte eventuell zur Arbeitserziehung in den Jugendwerkhof oder ähnliches.Die Kehrseite war aber teilweise Unrentabilität,im Vergleich Effizient-Leistung da Posten doppelt besetzt waren.Da alles staatlich war,war es doch besser wenn man damit glänzte bei uns gibt es keine Arbeitslosigkeit.Ob Geld aus Topf 1 oder 2 beide Töpfe gehörten dem Staat!Es stimmt aber durch diese DDR Politik gab es keine Existensängste,jeder hatte das Recht auf Arbeit.Dazu möchte ich noch etwas pers.schreiben wie das auch geregelt wurde.Ich hatte Bäcker gelernt.1964 misslang eine Republikflucht ich bekam 18 Monate Zuchthaus.Danach musste ich mich bei der Abt.Inneres melden und bekam neue Arbeit zugewiesen.Im Rahmen der sozialistischen Erziehung im VEB Leipziger Eisen und Stahlwerk.Brot musste ich da nicht backen!
Noch zu billigen Mieten,prima Sozialleistung wenn man davon absieht das viele Häuser seit 1945 nicht renoviert wurden,ohne Bad oder Dusche waren und die Toilette außerhalb der Wohnung eine halbe Treppe tiefer war.Da freute man sich riesig über eine Wohnung im Plattenbau.Dafür musste man aber eine gewisse Eigenleistung aufbringen soviel mir bekannt ist.Alles hat zwei Seiten! Sicherlich waren die Sozialen Leistungen in der DDR für den Einen hervorragend,der Andere macht sie auf Grund der Unrentabilät mit für das Scheitern der DDR Politik verantwortlich! Zum Verständnis,ich habe nur bis 1968 in der DDR gelebt danach gelang mir die 2.Flucht in die BRD.
Meine Erfahrungen, Ansichten, usw.betrifft hauptsächlich die Zeit bis 68.


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#12

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.01.2009 13:33
von Wolfgang B. (gelöscht)
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@turtle,

ist mir alles bekannt was Du schreibst. Dass das System letztendlich "wirtschaftlich" scheiterte, auch aus den von Dir genannten Gründen daran kann es keine Zweifel geben, da stimm ich Dir voll und ganz zu.

Ich habe aber nur die reinen Fakten angesprochen, ohne Hintergrundforschung zu betreiben und da steht für mich nach wie vor fest, dass es dem "normalen" DDR Bürger, was die angesprochenen Dinge angeht, einfach "besser" oder sagen wir mal "Stressfreier" ging.

Apropos Wohnungen, ich habe kurz nach der Wende mit eigenen Augen den Zustand vieler Häuser und Wohnungen sehen können. In Gera beispielsweise haben wir uns von unserer Gruppe (DGB) abgesetzt um mal hinter die "angebotene" Fassade zu blicken. Mein lieber Mann, das was ich da sah kann ich eigentlich bis heute noch nicht glauben. Man konnte es sehen, an den Häusern wurde wirklich seit 1945 (oder davor) nichts gemacht. Da standen beispielsweise vierstöckige Hütten wo nur noch das erste Stockwerk bewohnt werden konnte. Man konnte den stückweiten Verfall wie ein Geologe nachvollziehen. Das Dach war bei vielen Häusern schon fast komplett eingefallen, das darunter liegende Stockwerk war dann allem Anschein nach schon seit Jahrzehnten nicht mehr bewohnbar. Eine Etage tiefer konnte man sehen, dass dort das Leben noch eine Zeit länger gedauert haben muss und so ging das dann weiter.
Hätte die DDR noch einige Jahre existiert, wären die Innenstädte (was ich so sah) bestimmt komplett unbewohnbar gewesen.


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#13

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.01.2009 15:29
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich stimme Dir zu, unter diesem Aspekt magst Du Recht haben.Viele hatten sich mit der DDR angagiert und lebten totz allem Nagativen recht gut.Der Staat hatte einige "Westsorgen,,
abgenommen!


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#14

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 13.01.2009 08:34
von Wolfgang B. (gelöscht)
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miteinander,

zum "angerissenen" Thema (Frau und Familie) würde mich interessieren:

Üblicherwise stand doch die DDR-Frau im Berufsleben?!
Wie lief das dann im Fall einer Schwangerschaft (Geburt) ab?

Schwangerschaftsurlaub vor und nach der Geburt?
Freihaltung des Arbeitsplatzes?
Wann konnte (musste) die Mutter wieder zur Arbeit?
Gab es dann so etwas wie Teilzeit- oder Halbtagsarbeit?
Ab wann kamen die Kinder in die Krippe, mussten sie zwingend dorthin?

Meim Lesen bzw. Schreiben zu diesem Thema fiel mir auf, dass ich gar "keine Ahnung" habe.


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#15

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 13.01.2009 10:10
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Wolfgang werde mich später zu den einzelnen Beiträgen äußern hier erstmal der nächste Artikel.

Gruß

Rainer-Maria


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#16

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 13.01.2009 13:51
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Rainer-Maria,

Deinem Dateianhang entnahm ich, dass die "Möglichkeit" bestand sein Kind schon im Säuglingsalter in die Krippe zu geben!?

Im "DDR Revue" Artikel: Haben sie eine Zukunft in der DDR?", hätte einige Jahre früher auch die Geschichte meines Onkels Helmut B. stehen können, etwa so:

Helmut B., 24 Jahre,
Kraftfahrer in der LPG Boecke(?)

Als 16jähriger folgte ich meinem älteren Bruder nach Westdeutschland. Während er von der französischen Fremdenlegion angeheuert wurde, blieb ich bis zu seiner Rückkehr alleine am Niederrhein.
Zunächst wurde ich in ein Heim für Jugendliche eingewiesen. Dort konnte ich keine Ausbildung beginnen oder zur Schule gehen um etwas für meine Zukunft zu tun. Weil ich ganz alleine auf mich gestellt war, konnte ich auch nach dem Heimaufenthalt keine Ausbildung machen, sondern musste mich jahrelang gegen Kost und Logis und einem geringen "Taschengeld" als Melker bei verschiedenen Großbauern durchschlagen.
Ich wohnte, nach dessen Rückkehr, noch einige Zeit bei meinem Bruder, an meiner Situation änderte sich dabei nichts.
Anfang 1957 kehrte ich "reumütig" in die DDR zurück.
Hier fand ich sofort private wie auch berufliche Perspektiven. Ich habe geheiratet, habe eine Tochter und war in der LPG in Boecke zunächst als Melker beschäftigt. Mittlerweile übe ich dort den Beruf des Kraftfahrers aus.
Heute kann ich nicht mehr verstehen warum ich als junger Mensch die Heimat verließ.



Kurzbiografie:
Mein Onkel Helmut B., Jahrgang 1932, flüchtete 1949/50 mit bzw. nach meinem Vater bei Morsleben in den Westen.
Willi B. war von September 1950 - Oktober 1954 in der französischen Fremdenlegion (Algerien, Indochina).
Helmut B. war zunächst in einem Heim für elternlose und kriegsvertriebene Jugendliche in Straelen-Paemühle, ab September 1950 schlug er sich bis Oktober 1954 als "Landwirtschaftlicher Arbeiter" bei etwa zehn verschiedenen Bauern am Niederrhein, einige Monate auch im Raum Hannover (Stemmen) durch.
Willi B. bekam im Oktober 1954 in Freiburg eine Wohnung (Zimmer) und Arbeit als Heizer beim französischen Militär. Helmut B. zog zu seinem Bruder nach Freiburg.
Im Januar 1957 ging Helmut zurück in die DDR. Genau 15 Tage später heirateten meine Eltern in Freiburg und weitere drei Tage später kam ich dann zur Welt. Übrigens erhielt ich die Vornamen Wolfgang Helmut.
Noch 1957 heiratete auch Onkel Helmut und zwar Helga R. aus Boecke. Die Eltern von Tante Helga hatten in Boecke, zu der Zeit noch eine kleine Landwirtschaft. Boecke liegt übrigens nur wenige Kilometer vom Wohnort der Familie B. entfernt.
Onkel Helmut arbeitete später in der LPG in Boecke. Zwischen 1958 und 1963 bekamen Helmut und Helga drei Kinder, dann wurde die Ehe geschieden.
Mit einer anderen Frau zog es Onkel Helmut nach Brandenburg/Berlin. Dort war er dann "Taxifahrer" und soll angeblich "Verbindungen" zur "Stasi" gehabt haben?!
In den 1970er Jahren fand man ihn "mit Gas vergiftet"?! Ob in seiner Wohnung, oder im Auto kann niemand sagen!

Mein Vater starb übrigens, geschieden von meiner Mutter, 1985 in seiner Wohnung im südbadischen Schopfheim auf nie sicher geklärte Weise. Die Leiche lag im Hochsommer für etwa drei Wochen unbemerkt in der kleinen Wohnung.


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#17

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 13.01.2009 16:37
von addyson (gelöscht)
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Wie sah denn so ein typischer Tag in der DDR aus? Wie lange dauerte denn ein normaler Arbeitstag? Gab es geregelte Arbeitszeiten? Gab es Arbeitslosigkeit? Mussten Frauen auch arbeiten?

Ein normaler Tag, fast so wie hier! Früh aufstehen, Zähne Putzen und Waschen(Duschen wer hatte)(ich hatte),Kaffee kochen und diesen bei einer Zigarette und dem Soldatensender/RIAS/Deutschlandfunk gemühtlich schlürfen. Dann schleunigst los zur Staßenbahn(Bus ect.)(Wer nen Trabi hatte mit diesen oder auch mit den Fahrad) und ab auf Arbeit.
Ich war in einem Betrieb, in dem rollende Woche (4-Schichtsystem/ 3 Schichten(Früh 6-14/Spät14-22/Nacht 22- 6)und einer Freischicht) gearbeitet wurde. Arbeitszeit an Wochentagen genau 8 Stunden(inkl. Pausen) und an jedem zweiten Wochenende Tag- bzw. Nachtschicht 12 Stunden (dafür aber 11 bis 13 Tage frei) Also sehr geregelte Arbeitszeiten und man wusste im Januar schon wie man im Dezember zu arbeiten hatte(durch genau gestallte Schichpläne, die man immer im Dezember für das neue Jahr bekam). Die Arbeit verlief wie in jedem anderen Industriebetrie Tag ein, Tag aus gleichmäßig bis eintönig, es war immer das gleiche. Da ich einen modernen Beruf hatte (in meinem Lehrjahr wurde zum mal Computergesteuerte Maschinen und Robotertechnik gelehrt),wurde ich am besten bezahlt wenn ich körperlich garnichts zu tun hatte. Denn wenn ich ran musste war die kacke am Dampfen (sprich Produktionsstillstand durch technischen defekt). Unser Produktionstakt war damals 6min.,23sec. und in dieser Zeit war ein Warenausstoß von mehren 1000 Mark. Und wenn da die Produktion zum erliegen kam, kannst Du Dir ja vorstellen, daß dann Stress und Hektik an der Tagesordnung war, bis die Reperaturen abgeschlossen waren. Wir wurden Leistungsmäßig bezahlt, also jeder Produktionsausfall war bares Geld weniger in der Lohntüte. Also eigentlich genau wie hier(zu den entscheidenten Unterschied komm ich später).
Dann hatte man Haushalt(wir Männer mssten mit rann, da ja die Frauen meistens auch gearbeitet haben), Freizeit, Kinder, Abendbrot, Fernsehen und ab ins Bett. Das verschob sich natürlich bei mir je nach dem wie ich Schicht hatte( das ist bei Schichtarbeitern hier auch so).
Frauen mussten nicht arbeiten, es gab genau wie hier die Hausfrau. Meine Mutter z.B. war ab dem dritten Kind imer zu Hause. Man konnte auch Hausman sein, man musste nur nachweisen wie und woher das Geld für den Lebensbedarf herkam. Also wenn ich sagen konnte meine Frau ist der Familienversorger, dann wäre das auch gegangen.
Arbeitslosigkeit gab es am Ende der DDR-Zeit, dafür gibt es aber politische Gründe, die meistens verschwiegen worden und werden.
Als die DDR in die UNO wollte, gab es von einigen Staaten(westliches Ausland, insbesondere die damaligen BRD)Einsprüche dagegen. Man monierte z.B. in unserer Verfassung den Satz: "Jeder Bürger hat das Recht und die Pflicht auf Arbeit". Man monierte den Teil "und die Pflicht". Nur diese kleine Änderung entzog aber den Staat, seine Bürger Verfassungsmäßig habhaftig zu werden, wenn Sie als Parasitten und Schmarozer einer Gesellschaft leben wollten, die jeden, aber auch jeden mit durchzog (Wohnung, Subventionierte Mieten(fast ein zweites Gehalt),Subventionierte Lebensmittel (Preise seit 1962 eingefroren),stark Subventionierte Verkehrsmittel, Subventionierte Kindergrippen-, Kindergärten- und Schulhortplätze, Sehr geringe Beiträge(im Pfennigbereich) für Mitgliedschaften in Clubs und Sportvereinen (Stellung der Materialien und Kleidung durch die Vereine).
Ganz nebenbei die DDR hatte nicht von irgendwoher so viele gute Sportler, denn Talente wurden schon im Kindergarten und Schule gesucht. Und die Förderung dieser Talente war nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig (und es war kein Zwang,denn ich habe mehrmals die Clubs gewechselt).
Soweit aus eigener Erfahrung zu Deinen ersten Fragenabschnitt.
Wenn ich demnächst wieder Zeit habe beantworte ich Stück für Stück alle Deine Fragen(soweit es meine 33-jährige Lebenserfahrung als gelernter und gelebter DDR-Bürger zuläst).


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#18

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 13.01.2009 18:47
von manudave (gelöscht)
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Die besagte Talentförderung war aber nur gut für den Staat. Wer einmal versagte, wurde zumeist gnadenlos ausgesiebt und fallen gelassen. Wer es später zu Ruhm und Erfolg brachte...- na diese Leidensgeschichten der Sportler kennen wir ja zu Hauf...

Sicher profitiert heute noch die Bundesrepublik von diesem System und den daraus resultierenden Spitzensportlern, doch um welchen Preis ist die Frage.


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#19

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 13.01.2009 19:24
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Wahlen sahen wohl so aus:

Man kam ins Lokal,nahm den Wahlschein,faltete ihn und warf ihn
in die Wahlurne. Es wurde also nichts angekreuxt und auch die Wahlecke
wurde nicht benutzt,alles offen. Die SED wurde bestätigt.

Wer anders vorging,also ein Kreux machte,war verdächtigt und machte sich
nicht gerade beliebt,denn es gab noch mehr Parteien.



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#20

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.01.2009 00:22
von addyson (gelöscht)
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Ich war einer von diesen besagten Sportlern, wenn man fertig war, war man fertig und das ist noch Heute so. Übrigens in den USA ist das nicht anderst, wers nicht mehr bringt ist raus. Bei uns hatte zumindestens noch eine normale Arbeit. Ich kann Dir Beispiele bringen aus der sogenannten freien Welt, da kraust es einen (Obdachlos und dann ohne Ausweg im Drogenrausch von uns gegangen). Also mach aus einer Normalität kein düsteres Monster.


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