#601

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.10.2014 03:56
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #598
Mir fällt da noch eine Story ein: Nicht jeder, der nach der Wende von sich behaupten konnte, " niemals Mitglied der SED gewesen zu sein", ist deswegen automatisch ein positiver Mitmensch.
Im VPKA Seelow gab es einen Polizisten, der unter den Kollegen (Genossen), als lebendes Vorkommnis galt. Faul, übergewichtig, ungepflegt und gegenüber den Bürgern ruppig. Mit anderen Worten : ein richtiger Volkspolizist.
Dieser Genosse war tatsächlich niemals auf die Idee gekommen, in die Reihen der SED einzutreten. Im Gegenzug wäre auch keiner auf die Idee gekommen, den Kollegen als Kandidaten zu werben!
Bis eines Tages der Parteisekretär des VPKA die Weisung erteilte, dass der noch immer parteilose Genosse L. unbedingt auch Mitglied der SED werden sollte. Den Grund blieb er uns schuldig. Vielleicht hatte er ja von höherer Stelle eine Auflage bekommen?
Jedenfalls bestimmte er sofort einen altgedienten ABV zum Bürgen für den zukünftigen SED-Genossen L. Der von seinem Glück noch nicht einmal etwas ahnte.
Jetzt geschah etwas ungeheuerliches. Der Abschnittsbevollmächigte zeigte dem Parteisekretär entrüstet einen Vogel. " Such dir gefälligst einen anderen Blöden", entrüstete sich der ABV. " Der Idiot baut eine Scheiße nach der anderen und ich bekomme als Bürge anschließend von Dir Prügel. Nee, nee mein Lieber!"
Entgeistert sprach der Parteisekretär noch drei weitere Genossen an. Jedes Mal erwartete ihm die gleiche Reaktion. Niemand zeigte sich bereit, für den unbeliebten Polizisten die Bürgschaft zu übernehmen. Er blieb, bis zur Wende, parteilos.
Nach der Wiedervereinigung konnte dieser Polizist genüssloch über die " Roten Socken" herziehen und auf seine, vermeintlich, " Weiße Weste" verweisen. Dabei wollte bloß keiner die Bürgschaft für den Dussel übernehmen..

Gruß an alle
Uwe


Es war nicht so,dass Uniformierte automatisch SED-Mitglieder wurden bzw. Bürgen verpasst bekamen
Ein aufgekohlter Bereitschaftspolizist OWM(3Jahre verpflichtet-SED- Kandidat) als HWM(10 Jahre) wurde von der Parteigruppe einer Kompanie als Genosse nicht bestätigt .
Er war parteilos bis zum Ende seiner Dienstzeit-dann als Obmstr. entlassen.

seaman


zuletzt bearbeitet 11.10.2014 04:07 | nach oben springen

#602

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 01:06
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #555
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #550
Zitat von Gert im Beitrag #545
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #536
Zitat von Gert im Beitrag #534
In der DDR war diese Diskriminierung bei der Ausbildung schulischer und beruflicher Art politisch motiviert. Die Qualität des Zeugnisses spielte eine untergeordnete Rolle.


Amen im Namen der Raute

LG von der Moskwitschka



das soll wohl so 'ne Art Zynismus darstellen was du hier postulierst. Daher meine Frage :
weisst du was in den 50er und 60er Jahren in der Zone abging ? Da warst du doch noch gar nicht dort, wenn ich mich recht erinnere an deine Biografie, oder ?


Lieber @Gert ,

ja ich bin ein Zonenkind. Nein, ich habe durch die Gnade meiner späten Geburt die 50-er Jahre nicht persönlich erlebt. Was ich aber erlebt habe ist, dass, wenn Leistung nachgewiesen wurde, man auch als nichtpolitischer Mensch, oder konfessionel gebunder Mensch an der Bildung in der DDR teilhaben konnte. Das beste Beispiel ist unsere Kanzlerin - daher die Raute.

Es werden immer die negativen Beispiele in den Vordergrund gerückt. Die, die Bildung trotz oppositioneller Einstellung zur DDR genossen haben, melden sich nicht zu Wort. Nicht zuletzt, weil sie dann wahrscheinlich sofort in die Ecke der Mitläufer oder Angepassten gerückt werden und in Erklärungsnot geraten. Die, die 1988/89 die Entwicklung in der DDR maßgeblich angestoßen haben, waren sehr gebildete Menschen. Und das waren nicht wenige.

LG von der Moskwitschka




ich habe nicht irgendwelche Beispiele zitiert, es war ein "Schwank" aus meinem Leben.Was andere erlebt haben, weiss ich nicht und warum du die Kanzlerin bei jeder Gelegenheit im Negativen zitierst, wird wohl dein Geheimnis bleiben. Aber ist egal, denke was du willst, für mich waren und sind SED Leute Drecksäcke und das werden sie bei mir auch immer bleiben



Hallo in die Runde,
ich denke da macht sich es Gert sehr leicht und wirft alle in einen Topf. Mein Vater kam 1948 aus der Gefangenschaft und musste als junger Mensch in Länder, die er sich lieber als Tourist im Frieden und mit seiner ebenfalls noch jungen Frau angesehen hätte. Als er zurück kam, hatte er die Sch... gestrichen voll. Ich denke in der Gefangenschaft hatte er genug Zeit über ein zukünftiges Leben nachzudenken, denn er hatte ja sogar noch Glück und hatte den sch... Krieg noch lebend und ohne größere Verletzungen überstanden.

Als er dann zu seiner Frau zurückkehren durfte, hat er sich freiwillig den, nach Deiner Meinung, Drecksäcken angeschlossen. Er wollte sein Land mit Aufbauen, denn das war gerade im vollen Gange. Er wollte die Welt verändern! Ja, und das wollte er mit den Drecksäcken gemeinsam! Sorry, das er dabei wohl die falsche Seite nach Deiner Meinung gewählt hatte. Aber war das damals wirklich die falsche Seite nach der Stunde Null?

Höre bitte einmal genau zu, meinem Vater hat mit vielen Drecksäcken gemeinsam, dafür sorgen wollen, dass das beginnende Leben seiner Kinder und deren Jugend, einmal einen anderen Verlauf nehmen sollte. Das ist den Drecksäcken auch gelungen!

Natürlich kannst Du denken was Du willst, aber was Du hier geschrieben hast, ist eine unüberlegte Beleidigung. Bitte denke darüber nach und ich hoffe Du hast es nicht wirklich so gemeint.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


seaman, furry, exgakl, Rainman2, Rothaut und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#603

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 08:09
von Gelöschtes Mitglied
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In der Anfangszeit haben ja viele noch an den Aufbruch in eine neue Zeit geglaubt und sich der neuen Partei angeschlossen. Wer dann gemerkt hat, dass er ebenfalls nur als Stimmvieh missbraucht wurde war dann so in dem Hamsterrad drin, dass ein Austritt oftmals berufliche Konsequenzen gehabt hätte. Viele die wegen dem Parteieintritt bearbeitet wurden, haben sich dann einer Blockpartei angeschlossen. Das waren aber nicht mehr als Unterabteilungen der Staatstragenden Partei. Ich kenne aber keinen der wirklich verfolgt wurde, nur weil er nicht in die Partei eingetreten ist. Nachteile in der beruflichen Entwicklung hat es aber gegeben.
Wer heute in einer großen Partei aufsteigen will, erlebt aber mit Sicherheit ähnliche Strukturen. Wer die Parteilinie kritisiert bekommt bei der nächsten Wahl einen schlechten Listenplatz und damit oftmals kein Mandat mehr im Bundestag oder Landtag. Somit gilt der alte Spruch: "Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe" wieder.

Der Hesselfuchs


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#604

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 08:27
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Als er dann zu seiner Frau zurückkehren durfte, hat er sich freiwillig den, nach Deiner Meinung, Drecksäcken angeschlossen. Er wollte sein Land mit Aufbauen, denn das war gerade im vollen Gange. Er wollte die Welt verändern! Ja, und das wollte er mit den Drecksäcken gemeinsam! Sorry, das er dabei wohl die falsche Seite nach Deiner Meinung gewählt hatte. Aber war das damals wirklich die falsche Seite nach der Stunde Null? ....der glatte

Bei der Stunde Null wie Du schreibst konnte man vieleicht noch nicht feststellen das es die falsche Seite war.Aber mit jedem Jahr was verging dann doch wohl schon.Spätestens ab den 60 Jahren.Oder hattet Ihr kein Radio,Fernsehen oder Verwandtschaft im guten Teil von Deutschland.


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#605

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 09:13
von Hans | 2.166 Beiträge

Morgen, Gemeinde,.....
.Oder hattet Ihr kein Radio,Fernsehen oder Verwandtschaft im guten Teil von Deutschland.
Auch wenn der Grinseball dahinter ist -
Eine etwas sehr einfache, simpele Einteilung der Welt - oder meinetwegen Deutschlands. Aber "Einfach " ist nicht "Absolute Wahrheit".
Ansonsten könnte man natürlich auf einem Kompass die Richtung West durch das Wort "Guuuuuut" und Ost durch "Böse,Böse Böse" ersetzen.
Na ja, bei manchem scheint das ja schon so zu sein.
73, Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
Damals87 und passport haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#606

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 09:28
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Ob der Grinseball dahinter ist oder nicht,so meinte ich es auch,und Hans Du musst mir nicht die DDR erklären,ich musste dort selber Leben, leider zu lange.

Na ja, bei manchem scheint das ja schon so zu sein.

Absolut Richtig.


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#607

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 09:39
von Hans | 2.166 Beiträge

Ne, Pit - wie bekannt - Fraktionskeilerei mach ich nicht mit .
Daher - Deine Meinung - Bitte , sollst Du haben.
73 Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
Pit 59 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#608

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 09:59
von StabPL | 456 Beiträge

wer Interesse hat über das Leben in einem Dorf in der DDR-Zeit (um 1970 bis 1980) etwas zu erfahren. Das Dorf Vogelsang ist ein Teil von Vogelsang-Warsin in liegt bei Ueckermünde (im ehemaligen Altkreis Ueckermünde).

Meine Erinnerungen
Verlag: tredition
ISBN 978-3-7323-0127-0

Es gibt das Buch in Paperback und in Hardcover. Man kann es direkt beim Verlag tredition bestellen, dann hat auch der Autor etwas davon.
Natürlich kann man es auch beim örtlichen Buchhandel oder bei Amazon bestellen.
Auf 286 Seiten werden 76 Bilder (s/w), 36 Skizzen und 6 Postkarten gezeigt. Das Einwohnerregister von Vogelsang umfasst 98 Familien aus der Zeit um 1970. Es beschreibt alle Hofstellen, das ehemalige Balzersche Gut, einen Teil von Warsin, die Grafenfamilie derer von Enckevort, sowie Erlebnisse in Luckow, Bellin und Berndshof. Das damalige Leben der Jugend im Dorf wird in kleinen Episoden dargestellt.
Ich wünsche allen viel Spaß beim Lesen!
StabPL



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#609

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 10:33
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von der glatte im Beitrag #602
Zitat von Gert im Beitrag #555
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #550
Zitat von Gert im Beitrag #545
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #536
Zitat von Gert im Beitrag #534
In der DDR war diese Diskriminierung bei der Ausbildung schulischer und beruflicher Art politisch motiviert. Die Qualität des Zeugnisses spielte eine untergeordnete Rolle.


Amen im Namen der Raute

LG von der Moskwitschka



das soll wohl so 'ne Art Zynismus darstellen was du hier postulierst. Daher meine Frage :
weisst du was in den 50er und 60er Jahren in der Zone abging ? Da warst du doch noch gar nicht dort, wenn ich mich recht erinnere an deine Biografie, oder ?


Lieber @Gert ,

ja ich bin ein Zonenkind. Nein, ich habe durch die Gnade meiner späten Geburt die 50-er Jahre nicht persönlich erlebt. Was ich aber erlebt habe ist, dass, wenn Leistung nachgewiesen wurde, man auch als nichtpolitischer Mensch, oder konfessionel gebunder Mensch an der Bildung in der DDR teilhaben konnte. Das beste Beispiel ist unsere Kanzlerin - daher die Raute.

Es werden immer die negativen Beispiele in den Vordergrund gerückt. Die, die Bildung trotz oppositioneller Einstellung zur DDR genossen haben, melden sich nicht zu Wort. Nicht zuletzt, weil sie dann wahrscheinlich sofort in die Ecke der Mitläufer oder Angepassten gerückt werden und in Erklärungsnot geraten. Die, die 1988/89 die Entwicklung in der DDR maßgeblich angestoßen haben, waren sehr gebildete Menschen. Und das waren nicht wenige.

LG von der Moskwitschka




ich habe nicht irgendwelche Beispiele zitiert, es war ein "Schwank" aus meinem Leben.Was andere erlebt haben, weiss ich nicht und warum du die Kanzlerin bei jeder Gelegenheit im Negativen zitierst, wird wohl dein Geheimnis bleiben. Aber ist egal, denke was du willst, für mich waren und sind SED Leute Drecksäcke und das werden sie bei mir auch immer bleiben



Hallo in die Runde,
ich denke da macht sich es Gert sehr leicht und wirft alle in einen Topf. Mein Vater kam 1948 aus der Gefangenschaft und musste als junger Mensch in Länder, die er sich lieber als Tourist im Frieden und mit seiner ebenfalls noch jungen Frau angesehen hätte. Als er zurück kam, hatte er die Sch... gestrichen voll. Ich denke in der Gefangenschaft hatte er genug Zeit über ein zukünftiges Leben nachzudenken, denn er hatte ja sogar noch Glück und hatte den sch... Krieg noch lebend und ohne größere Verletzungen überstanden.

Als er dann zu seiner Frau zurückkehren durfte, hat er sich freiwillig den, nach Deiner Meinung, Drecksäcken angeschlossen. Er wollte sein Land mit Aufbauen, denn das war gerade im vollen Gange. Er wollte die Welt verändern! Ja, und das wollte er mit den Drecksäcken gemeinsam! Sorry, das er dabei wohl die falsche Seite nach Deiner Meinung gewählt hatte. Aber war das damals wirklich die falsche Seite nach der Stunde Null?

Höre bitte einmal genau zu, meinem Vater hat mit vielen Drecksäcken gemeinsam, dafür sorgen wollen, dass das beginnende Leben seiner Kinder und deren Jugend, einmal einen anderen Verlauf nehmen sollte. Das ist den Drecksäcken auch gelungen!

Natürlich kannst Du denken was Du willst, aber was Du hier geschrieben hast, ist eine unüberlegte Beleidigung. Bitte denke darüber nach und ich hoffe Du hast es nicht wirklich so gemeint.

Gruß Reiner




Reiner, ich werde mal versuchen, meinen Standort zu bestimmen, von dem aus ich das geschrieben habe. Das mache ich aber heute Abend oder morgen Vormittag, weil das Wetter in Düsseldorf im Moment wunderbar ist und gleich mein Sonnschein , (mein Enkel / 1 1/2 Jahre alt ) kommt, mit dem wir raus wollen an die frische Luft, spazieren bei diesem herrlich Herbsttag. Das ist kein Computerwetter.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#610

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 10:35
von damals wars | 12.204 Beiträge

Jetzt fehlt noch dir Geschichte vom Heldenmut: die ging bei uns immer so, dann bin ich in die Kreisparteileitung, und habe denen mein Parteibuch vor die Füße geschmissen.
Ich habe mir dann gedacht, wenn die alle rausgehen, kannst Du ja drinnen bleiben.
Alles andere wäre mir wie ein Verrat an meinen Idealen vorgekommen.
Gerettet hat die Partei die in den Wohnparteiorganisationen organisierten Genossen Rentner.
Die Zahl der Wendehälse unter Ihnen war marginal.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
zuletzt bearbeitet 12.10.2014 10:50 | nach oben springen

#611

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 10:41
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von damals wars im Beitrag #610
Jetzt fehlt noch dir Geschichte vom Heldenmut: die ging bei uns immer so, dann bin ich in die Kreisparteileitung, und habe denen mein Parteibuch vor die Füße geschmissen.
Ich habe mir dann gedacht, wenn die alle rausgehen, kannst Du ja drinnen bleiben.
Alles andere wäre mir wie ein Verrät an meinen Idealen vorgekommen.
Gerettet hat die Partei die in den Wohnparteiorganisationen organisierten Genossen Rentner.
Die Zahl der Wendehälse unter Ihnen war marginal.


Und welche waren das denn genau, die üblichen die man halt damals so haben sollte?


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#612

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 10:52
von damals wars | 12.204 Beiträge

Läßt sich kurz und knapp zusammenfassen: soziale Gerechtigkeit.
Darf man auch heute noch haben, wenn man einen A... in der Hose hat.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#613

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 12:36
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von damals wars im Beitrag #612
Läßt sich kurz und knapp zusammenfassen: soziale Gerechtigkeit.
Darf man auch heute noch haben, wenn man einen A... in der Hose hat.


Ja, ist ein gutes Ideal.


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#614

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 20:09
von Gert | 12.356 Beiträge

Lieber @Gert ,

Natürlich kannst Du denken was Du willst, aber was Du hier geschrieben hast, ist eine unüberlegte Beleidigung. Bitte denke darüber nach und ich hoffe Du hast es nicht wirklich so gemeint.

Gruß Reiner

[/quote]

Zitat



so, Reiner ich habe dir zugesagt, dass ich genauer darauf eingehe und den Hintgergrund erkläre
Warum sehe ich die SED so, wie ich es postulierte.

Diese Partei hat mir und meiner Familie nicht gut getan.
1) Ein naher Verwandter war selbständiger Goldschmiedemeister in der DDR. Schon Anfang der 50er Jahre wurde ihm das berufliche Leben sehr schwer gemacht. Man entzog ihm die Lebensmittelkarten, sodass keine Lebensmittel mehr eingekauft werden konnten und das mit Familie und Kindern! Die SED sagte höhnisch: kaufen sie doch in der HO ( damals gerade neu gegründet ). Dort waren aber die Preise um ein Mehrfaches höher. Nun hätte er ja einfach seine Preise für die Anfertigung von Schmuck erhöhen können. Pustekuchen, er durfte die Preise nicht selbst bestimmen, sondern sie wurden exakt von einer Behörde vorgegeben und zwar auf einem sehr niedrigen Niveau. Er kam in ziemliche Schwierigkeiten seine Familie zu ernähren und die materielle Basis für die Familie zu sichern. Zum Glück kam der Arbeiteraufstand vom 17.Juni 53 dazwischen. Danach wurde diese Schikane wieder zurückgenommen. So wurschtelte er sich weiter durch über die 50er, 60er und 70 er Jahre.
Die Existenz war ständig bedroht durch den paranoiden Hass des regierenden Proletenpacks in Ostberlin auf alle selbständigen Handwerker, Unternehmer und andere Selbstständige.
Im Falle dieses Mannes kam noch hinzu, dass die Materialversorgung mit Edelmetallen wie Gold, Silber, Platin extrem eingeschränkt war. Die Stelle, die in der DDR so etwas lieferte, war die staatliche Münze in Berlin. Die Zuteilungen (Einkäufe nach Wunsch waren utopisch)
an Material waren so gering, das er davon nicht existieren konnte. So arbeitet er sehr viel mit Altgold, dass er von Kunden bekam. Damit kam er einigermaßen über die Runden. Das einzige freie Gold, das er kaufen konnte ( wenn es ihm angeboten wurde ) waren kleine 10 gr Barren Zahngold, das man offiziell sich schicken lassen konnte oder bei Besuchsreisen mitbringen konnte. Der Staat schrieb eine genaue Kontrolle für alle Goldbewegungen vor, diese wurden in dem sogenannten Goldbuch niedergeschrieben, sodass eine lückenlose Doku darüber bestand. Die Thüringer Goldschmiede kannten sich alle sehr gut über die Handwerksinnung und arbeiteten auch zusammen. Eines Tages Anfang der 70er Jahre
bot ihm ein Kollege aus Nordthüringen Gold an. Natürlich war er misstrauisch und fragte nach der Herkunft. Zahngold von der Degussa, war die Antwort. Also kaufte er in seiner Materialnot das Gold. Im Sommer 1974 stehen morgens um 8 Uhr Polizei und Zoll in seiner Werkstatt. Er wird festgenommen, alles wird durchsucht, das Goldbuch geprüft und mit den Vorräten abgeglichen. Dieses freie Gold hatte er natürlich nicht in das Goldbuch eingetragen.
Nach Vernehmungen stellte sich heraus, dass das kein legal eingeführtes Gold war, sondern aus kriminellen Aktivitäten von Berliner Ingenieuren eines VEB Betriebes, die auch noch in der SED waren. Sie hatten schlichtweg gefälschte Goldmünzen hergestellt und nach Westberlin verschoben. Bei dem Prägevorgang von Münzen fallen natürlich Randstreifen an, die dann von diesen Kriminellen an Goldschmiede weiterverkauft wurden. Das wusste er aber nicht, sondern war in dem Glauben, es sauber. Am Schluss großer Prozess, 3 ½ Jahre Gefängnis, Vermögenseinzug Auto, 40.000 Mark Geldstrafe und Berufsverbot auf Lebenszeit.
Existenz vernichtet. Nach 2 Jahren kam er frei und arbeitete noch einige Jahre bis zur Rentengrenze in einer PGH Goldschmuck als Angestellter. Die eigentlichen Kriminellen in Berlin kamen vergleichsweise glimpflich davon , die Partei hatte einen guten Draht zu dem (Partei-) Richter.
Diese Geschichte hat mich sehr getroffen, weil sie so ungerecht und brutal abgehandelt wurde, weil sie ausschließlich auf die Vernichtung der beruflichen Existenz zielte. Es hat mich besonders geschmerzt, weil es eine sehr nahestehende Person war, die immer grundehrlich zu allen war.

2) Ich persönlich wurde in meiner Ausbildung so behindert, dass ich nicht im Entferntesten das werden konnte, was ich gern wollte. Man verweigerte mir die Hochschulreife zu erlangen, natürlich in der Folge auch ein Studium. Da nützte es selbst nichts, dass ich mit großer Energie in der Abendschule wenigsten die mittlere Reife, also 10. Klasse nachgeholt habe und das während einer Berufsausbildung. Mit 17 hatte ich das geschafft, Gesellenbrief und Zeugnis der 10 klassigen POS. Bewerbung an einer Ingenieurschule trotz guter Zeugnisse abgelehnt mit dem Hinweis, erst Volksarmee. Danach, nach der Entlassung aus den GT (wie ich dahin gekommen bin ist mir heute noch ein Rätsel, die Stasi muss im Tiefschlaf gelegen haben) erneute Bewerbung an der Ing. Schule, zu meiner großen Enttäuschung wieder abgelehnt ohne Angabe von Gründen. Danach war die DDR für mich gegessen und die Dreggsägge von der SED, die für dies alles verantwortlich waren, dazu. Ich begann mit ein paar Kumpels die Fluchtvorbereitungen nach WD, die wir im Frühjahr 65erfolgreich abschlossen. Verstehst du nun, was ich von der SED und ihren Mitläufern halte ?
Und ich halte jeden einzelnen dafür mitverantwortlich, denn jedes Mitglied hat diese Partei getragen mit seinem mehr oder weniger großen Engagement, mit seinen Beitragszahlungen. Für mich gibt es keine Mitläufer, denn keiner wurde gezwungen, in die SED einzutreten.

wie du lesen konntest, habe ich nicht unüberlegt geschrieben, dies sind wahre Begebenheiten aus meiner Erfahrung und meiner engen Umgebung aus dem Unrechtsstaat DDR und seiner kriminellen Führungsschicht. Man könnte noch hunderte solche Geschichten erzählen, z.B sah ich in diesen Tagen im MDR eine Frau die sucht zwangsadoptierte Kinder von Eltern die bei Fluchtaktionen festgenommen wurden aus den 70 er Jahren um sie mit ihren tatsächlichen Eltern zusammen zu bringen. Ein ungeheures Verbrechen, Haupakteure waren willfährige SED Richter, Jugendämter und natürlich wie immer Stasi an vorderster Front. Hauptverantwortlich dafür Margot Honecker, die meistgehasste Ministerin für Volksbildung. Da wurd tausendfaches Elend über Familien gebracht, die man zerriss. Auch hier hauptverantwortlich die SED. Das ist es, was ich meine und komme mir keiner , war ja nur in der SED, weil ich Abteilungsleiter werden wollte, oder Oberleutnant oder was auch immer-


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#615

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 20:14
von Rostocker | 7.731 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #614
Lieber @Gert ,

Natürlich kannst Du denken was Du willst, aber was Du hier geschrieben hast, ist eine unüberlegte Beleidigung. Bitte denke darüber nach und ich hoffe Du hast es nicht wirklich so gemeint.

Gruß Reiner


Zitat



so, Reiner ich habe dir zugesagt, dass ich genauer darauf eingehe und den Hintgergrund erkläre
Warum sehe ich die SED so, wie ich es postulierte.

Diese Partei hat mir und meiner Familie nicht gut getan.
1) Ein naher Verwandter war selbständiger Goldschmiedemeister in der DDR. Schon Anfang der 50er Jahre wurde ihm das berufliche Leben sehr schwer gemacht. Man entzog ihm die Lebensmittelkarten, sodass keine Lebensmittel mehr eingekauft werden konnten und das mit Familie und Kindern! Die SED sagte höhnisch: kaufen sie doch in der HO ( damals gerade neu gegründet ). Dort waren aber die Preise um ein Mehrfaches höher. Nun hätte er ja einfach seine Preise für die Anfertigung von Schmuck erhöhen können. Pustekuchen, er durfte die Preise nicht selbst bestimmen, sondern sie wurden exakt von einer Behörde vorgegeben und zwar auf einem sehr niedrigen Niveau. Er kam in ziemliche Schwierigkeiten seine Familie zu ernähren und die materielle Basis für die Familie zu sichern. Zum Glück kam der Arbeiteraufstand vom 17.Juni 53 dazwischen. Danach wurde diese Schikane wieder zurückgenommen. So wurschtelte er sich weiter durch über die 50er, 60er und 70 er Jahre.
Die Existenz war ständig bedroht durch den paranoiden Hass des regierenden Proletenpacks in Ostberlin auf alle selbständigen Handwerker, Unternehmer und andere Selbstständige.
Im Falle dieses Mannes kam noch hinzu, dass die Materialversorgung mit Edelmetallen wie Gold, Silber, Platin extrem eingeschränkt war. Die Stelle, die in der DDR so etwas lieferte, war die staatliche Münze in Berlin. Die Zuteilungen (Einkäufe nach Wunsch waren utopisch)
an Material waren so gering, das er davon nicht existieren konnte. So arbeitet er sehr viel mit Altgold, dass er von Kunden bekam. Damit kam er einigermaßen über die Runden. Das einzige freie Gold, das er kaufen konnte ( wenn es ihm angeboten wurde ) waren kleine 10 gr Barren Zahngold, das man offiziell sich schicken lassen konnte oder bei Besuchsreisen mitbringen konnte. Der Staat schrieb eine genaue Kontrolle für alle Goldbewegungen vor, diese wurden in dem sogenannten Goldbuch niedergeschrieben, sodass eine lückenlose Doku darüber bestand. Die Thüringer Goldschmiede kannten sich alle sehr gut über die Handwerksinnung und arbeiteten auch zusammen. Eines Tages Anfang der 70er Jahre
bot ihm ein Kollege aus Nordthüringen Gold an. Natürlich war er misstrauisch und fragte nach der Herkunft. Zahngold von der Degussa, war die Antwort. Also kaufte er in seiner Materialnot das Gold. Im Sommer 1974 stehen morgens um 8 Uhr Polizei und Zoll in seiner Werkstatt. Er wird festgenommen, alles wird durchsucht, das Goldbuch geprüft und mit den Vorräten abgeglichen. Dieses freie Gold hatte er natürlich nicht in das Goldbuch eingetragen.
Nach Vernehmungen stellte sich heraus, dass das kein legal eingeführtes Gold war, sondern aus kriminellen Aktivitäten von Berliner Ingenieuren eines VEB Betriebes, die auch noch in der SED waren. Sie hatten schlichtweg gefälschte Goldmünzen hergestellt und nach Westberlin verschoben. Bei dem Prägevorgang von Münzen fallen natürlich Randstreifen an, die dann von diesen Kriminellen an Goldschmiede weiterverkauft wurden. Das wusste er aber nicht, sondern war in dem Glauben, es sauber. Am Schluss großer Prozess, 3 ½ Jahre Gefängnis, Vermögenseinzug Auto, 40.000 Mark Geldstrafe und Berufsverbot auf Lebenszeit.
Existenz vernichtet. Nach 2 Jahren kam er frei und arbeitete noch einige Jahre bis zur Rentengrenze in einer PGH Goldschmuck als Angestellter. Die eigentlichen Kriminellen in Berlin kamen vergleichsweise glimpflich davon , die Partei hatte einen guten Draht zu dem (Partei-) Richter.
Diese Geschichte hat mich sehr getroffen, weil sie so ungerecht und brutal abgehandelt wurde, weil sie ausschließlich auf die Vernichtung der beruflichen Existenz zielte. Es hat mich besonders geschmerzt, weil es eine sehr nahestehende Person war, die immer grundehrlich zu allen war.

2) Ich persönlich wurde in meiner Ausbildung so behindert, dass ich nicht im Entferntesten das werden konnte, was ich gern wollte. Man verweigerte mir die Hochschulreife zu erlangen, natürlich in der Folge auch ein Studium. Da nützte es selbst nichts, dass ich mit großer Energie in der Abendschule wenigsten die mittlere Reife, also 10. Klasse nachgeholt habe und das während einer Berufsausbildung. Mit 17 hatte ich das geschafft, Gesellenbrief und Zeugnis der 10 klassigen POS. Bewerbung an einer Ingenieurschule trotz guter Zeugnisse abgelehnt mit dem Hinweis, erst Volksarmee. Danach, nach der Entlassung aus den GT (wie ich dahin gekommen bin ist mir heute noch ein Rätsel, die Stasi muss im Tiefschlaf gelegen haben) erneute Bewerbung an der Ing. Schule, zu meiner großen Enttäuschung wieder abgelehnt ohne Angabe von Gründen. Danach war die DDR für mich gegessen und die Dreggsägge von der SED, die für dies alles verantwortlich waren, dazu. Ich begann mit ein paar Kumpels die Fluchtvorbereitungen nach WD, die wir im Frühjahr 65erfolgreich abschlossen. Verstehst du nun, was ich von der SED und ihren Mitläufern halte ?
Und ich halte jeden einzelnen dafür mitverantwortlich, denn jedes Mitglied hat diese Partei getragen mit seinem mehr oder weniger großen Engagement, mit seinen Beitragszahlungen. Für mich gibt es keine Mitläufer, denn keiner wurde gezwungen, in die SED einzutreten.

wie du lesen konntest, habe ich nicht unüberlegt geschrieben, dies sind wahre Begebenheiten aus meiner Erfahrung und meiner engen Umgebung aus dem Unrechtsstaat DDR und seiner kriminellen Führungsschicht. Man könnte noch hunderte solche Geschichten erzählen, z.B sah ich in diesen Tagen im MDR eine Frau die sucht zwangsadoptierte Kinder von Eltern die bei Fluchtaktionen festgenommen wurden aus den 70 er Jahren um sie mit ihren tatsächlichen Eltern zusammen zu bringen. Ein ungeheures Verbrechen, Haupakteure waren willfährige SED Richter, Jugendämter und natürlich wie immer Stasi an vorderster Front. Hauptverantwortlich dafür Margot Honecker, die meistgehasste Ministerin für Volksbildung. Da wurd tausendfaches Elend über Familien gebracht, die man zerriss. Auch hier hauptverantwortlich die SED. Das ist es, was ich meine und komme mir keiner , war ja nur in der SED, weil ich Abteilungsleiter werden wollte, oder Oberleutnant oder was auch immer-

[/quote]

Gert mal ne Frage--ich war in der FDJ--waren das nun auch Drecksäcke


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#616

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 12.10.2014 23:57
von der glatte | 1.356 Beiträge

Hallo Gert, ich habe Deine Geschichte gelesen. Also auch Dir zugehört.

Aber meinst Du nicht auch, dass Du hier mit einer verbalen Gesamtstrafe aburteilst? Du urteilst alle ab ohne sie zu kennen und das ist mir etwas zu einfach.

Das bedeutet, wenn man so pauschal denkt, dass mein Vater ein Nazi, Faschist und Drecksack gleichzeitig war!

Nee Gert, dass ist wirklich nicht so einfach.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


zuletzt bearbeitet 13.10.2014 00:00 | nach oben springen

#617

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 13.10.2014 15:34
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von der glatte im Beitrag #616
Hallo Gert, ich habe Deine Geschichte gelesen. Also auch Dir zugehört.

Aber meinst Du nicht auch, dass Du hier mit einer verbalen Gesamtstrafe aburteilst? Du urteilst alle ab ohne sie zu kennen und das ist mir etwas zu einfach.

Das bedeutet, wenn man so pauschal denkt, dass mein Vater ein Nazi, Faschist und Drecksack gleichzeitig war!

Nee Gert, dass ist wirklich nicht so einfach.

Gruß Reiner




was du hier versuchst an Interpretation hineinzubringen , ist deine Sache. Damit habe ich nichts zu tun.Ich habe dir lediglich meine Erfahrung und die aus meiner Familie mitgeteilt und die waren unterirdisch. Das war's , mehr möchte ich dazu nicht mehr sagen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
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#618

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 13.10.2014 16:37
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ich denke jeder hat in seinem Leben Zurückweisungen und Verletzungen der unterschiedlichen Art erlebt. Und bei vielen hat es manchmal Jahre gedauert, bis er oder sie den Weg gefunden haben damit umzugehen. Die einen verdrängen, andere setzen sich damit auseinander, nicht nur mit der Welt in der sie lebten und leben und treffen dabei in ihrer Familiengeschichte wiederum auf schmerzhafte Erfahrungen, wieder andere versuchen in dieser Auseinandersetzung aufeinander zu zu gehen. Nicht zuletzt um für sich Antworten auf noch nicht beantwortete Fragen zu bekommen, weil sie Familienangehörige nicht fragen können oder weil diese in einer ganz anderen sozialen Umgebung gelebt haben.

Das ist ja das spannende auch an diesem Forum und den vielen Geschichten, die hier erzählt werden. Die pauschale „Keule“ die Du ab und wann schwingst @Gert , bewirkt aber oft das Gegenteil bzw. verletzt viele noch einmal auf ihrem langen, manchmal nicht einfachen Weg.

Sei eher stolz auf das, was Du persönlich in Deinem Leben geleistet hast. Eine Wertung, wessen Lebensleistung höher zu bewerten ist, die die DDR verlassen haben oder die die in der DDR geblieben sind, wage ich nicht zu treffen. Was ich aber hoch anerkenne, dass sich viele hier mit ihren eigenen Erfahrungen der Geschichte Deutschlands stellen. Und das soll auch so bleiben.

LG von der Moskwitschka


Elch78, Rainman2 und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 13.10.2014 16:39 | nach oben springen

#619

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 13.10.2014 21:37
von Gelöschtes Mitglied
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Stolz haben für mich,die Menschen,die im Land geblieben sind um einen neuen Staat auf zu bauen,damit es allen besser wird.
Leider haben sich ,für viele der Traum,nicht erfüllt.
Reisefreiheit ja,alles schön,aber nur wenn man Geld hat.Viele Menschen kannten keine Arbeitslosigkeit,Hartz 4 und so weiter.
Viele Nachweise über Diplome,Facharbeiterbriefe usw. waren nichts mehr wert,weil wir hinter dem Mond gelebt haben und wurden nicht anerkannt.
Es kamen dann die Besserwisser,welche die Weisheit mit Löffeln gefressen haben ,nun wurden die Betriebe beseitigt und ruiniert,welche auf den Weltmarkt einen Namen hatten.Made in GDR,war ..........
So nun habe ich etwas Frust abgebaut.
MlG.Rei


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#620

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 13.10.2014 22:00
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von rei im Beitrag #619
Reisefreiheit ja,alles schön,aber nur wenn man Geld hat.Viele Menschen kannten keine Arbeitslosigkeit,Hartz 4 und so weiter.



Damals durften überspitzt gesagt 16 Millionen nicht reisen, heute beziehen aber nicht 16 Mio Hartz 4. Es werden also unterm Strich 1000x mehr Leutchen verreisen als früher. Einige haben sicher verloren, die Masse wird gewonnen haben.


Hapedi und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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