#61

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 11:11
von damals wars | 12.180 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #59
In Berlin gab es zu jeder Jahreszeit ausreichend Getränke, die Kaufhallen waren voll mit Radeberger, Wernersgrüner (natürlich in braunen Flaschen!), H-Milch, Club und Vita Cola, Bitter Lemon und Orange..... von Mineralwasser welches damals noch Selter hieß ganz zu schweigen.

Soviel zur weiteren Legendenbildung das es in Berlin(Ost) zu jeder Zeit immer alles gab.

Gruß
Nostalgiker


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#62

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 11:27
von Rostocker | 7.725 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #59
In Berlin gab es zu jeder Jahreszeit ausreichend Getränke, die Kaufhallen waren voll mit Radeberger, Wernersgrüner (natürlich in braunen Flaschen!), H-Milch, Club und Vita Cola, Bitter Lemon und Orange..... von Mineralwasser welches damals noch Selter hieß ganz zu schweigen.

Soviel zur weiteren Legendenbildung das es in Berlin(Ost) zu jeder Zeit immer alles gab.

Was das Bier betrifft.
Letztens bei einer Brauereibesichtigung einer im Osten liegenden regionalen Brauerei kam auch das Thema auf warum verdammt nochmal war das Bier zu DDR Zeiten nach einigen Tagen trübe war und/oder ausflockte.
Die Erklärung war ziemlich simpel und es waren im wesentlichen zwei Gründe dafür verantwortlich.
In vielen Brauerein waren die Abfüllanlagen nicht auf dem technischen Stand wie heute was nachvollziehbar ist. Durch schlechte Abfülltechnik gelangte Sauerstoff in die Flasche und falsche Lagerung; im Hellen und ungekühlt, förderten durch Licht die dadurch beginnende Eiweißausfällung im Getränk welche sich in den beliebten Flocken darbot.
Heutzutage werden bereits die Ausgangstoffe für Bier vielfältig "behandelt" um ihre Haltbarkeit zu erhöhen und bei der Bierherstellung durchläuft das Bier eine Reihe von Filterungen so zum Beispiel Kieselgel und Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP). Außerdem wird jedes! Bier heutzutage pasteurisiert. Das war in der DDR nicht so und ist auch für Bier, Wein, Mineralwasser inzwischen EU Vorschrift.
Limonaden und Säfte werden aus pasteurisierten Bestandteilen hergestellt, zusätzlich pasteurisiert und sind damit ungekühlt ziemlich lange haltbar.

Ebenso gelangt Heute in der Regel nur noch pasteurisierte Milch in den Handel, auch das war in der DDR nicht flächendeckend so.
Sogenannte Rohmilch durfte auch damals nicht verkauft werden.
Das was verkauft wurde ist Heute unter der Bezeichnung "Vorzugsmilch"(analog Rohmilch) bekannt und wird verpackt im Handel angeboten (wenn dann in Bio-Läden) und ist gekühlt 2 bis 3 Tage haltbar.
Die Heute meist angebotene Milch ist sogenannte ESL-Milch (Pasteurisierung bei 123–127 °C und dabei separater Behandlung von Rahm und Magermilch) und hält ungeöffnet gut 3 Wochen und hat einen Vitaminverlust von 30%.
Dann gibt es noch die beliebte H-Milch.......

Probleme in der DDR bei Getränken gab es mehr in einer technologisch einwandfreien Herstellung, lückenlosen Kühlkette und bedarfsgerechten Bereitstellung und nicht so sehr in einer angeblich miserablen Qualität.

Wer kann sich noch daran Erinnern das sich auf der Flaschenmilch, so in den 70ern, oben der Rahm absetze? Ein natürlicher Prozess welcher Heutzutage nicht mehr stattfindet.
Auch aus der Milch, welche es ab den späten 70ern und in den 80ern gab, konnte auch in der DDR keine Dickmilch mehr selber gemacht werden.
Behandelte Milch geöffnet hinstellen und nach ein paar Tagen hat man eine stinkende undefinierbare Masse........

In den 50er Jahren wurde sogar noch Rohmilch lose verkauft welche Zuhause abgekocht wurde........

Überhaupt überlebte man in der DDR trinktechnisch durchaus mit Leitungswasser und es mußten weder überzuckerte Softdrinks noch mit zweifelhaften Mitteln haltbar gemachtes Mineralwasser sein. Oder glaubt etwa jemand ernsthaft das Wasser in einer Flasche verschlossen unbehandelt über ein Jahr haltbar ist?

Wer kein Leitungswasser pur trinken wollte, dafür gab es den Sirup wovon ein wenig ins Glas kam und schon schmeckte das Wasser nach etwas......

@Rainmann, in welcher Ecke von Leipzig hast du denn gewohnt? Da wo ich wohnte (ebenfalls Leipzig) "reichte es" kurz nach 6 Uhr loszugehen um sich in die Schlange beim Bäcker einzureihen .....

@Rostocker, eine Biersorte hast Du vergessen: "Rostocker Hafenbräu". Da ging das Gerücht dass das für Bier notwendige Wasser direkt aus dem Hafenbecken des Rostocker Hafens stammen würde.....

Gruß
Nostalgiker

Das hatte ich mit angeführt--Das Hafenbräu ging doch überwiegend an die Reederei,zumindestens in der Anfangszeit wo es auf den Markt kam.In der Filmserie--Zu See---haben die Brüder schon damit angestoßen.


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#63

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 11:31
von Udo | 1.267 Beiträge

Also Radeberger und Wernesgrüner mag es in Berlin gegeben haben, in der Provinz gabs nur Wittenberger Hell. Furchtbare Brühe!!!


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#64

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 11:35
von katerjohn | 559 Beiträge

Ich habe 39 Jahre in der DDR überlebt,ich bin weder verhungert,noch verdurstet auch bin ich im Winter nicht erfroren,da ich immer eine Wohnung hatte.Arbeitslos war ich auch nie..........mehr möchte ich zu dem Thema nicht sagen !


Nimm dir Zeit für deine Freunde,sonst nimmt die Zeit dir deine Freunde !
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#65

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 11:40
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Rostocker, kann es sein das die Brauerei damals so hieß? "Rostocker Hafenbräu"
Denn das Gesöff welches ich damit versuchte zu klassifizieren war schlicht nicht genießbar.....

@Udo, auch ich lebte lange in der Provinz und Wittenberger Hell habe ich da nie gesehen.
Mag vielleicht daran liegen das es damals Usus war das eine Brauerei in der Region auch nur die unmittelbare Region belieferte.

Ansonsten war mein erster Satz reine Ironie.
Es soll, aber selbst gesehen oder gar gekauft habe ich es in einer gewöhnlichen Kaufhalle nie. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#66

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 11:43
von westsachse | 464 Beiträge

In Zwickau hat wirklich jeder gefragt, wenn einer zu einer Gartenparty o. ä. einlud "Gibt es Sterbehilfe oder etwas Anständiges?" Ich bin immer nach Lichtenstein gefahren und habe mir Gersdorfer heute "Glück Auf" geholt. Oder nach Reichenbach " Sternquell" übrigens noch heute mein Faforit oder nach Greiz "Schlosspilz". Getoppt wurde die "Zwickauer Sterbehilfe" im negativen Sinne jedoch noch von dem hier http://www.bierdeckelboerse.de/de/Eisenacher_Bier:01292.htm welches ich zu meiner Zeit am Kanten konsumieren musste.

Gruß

westsachse


zuletzt bearbeitet 26.07.2012 11:44 | nach oben springen

#67

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 11:44
von Pit 59 | 10.152 Beiträge

Meine Eltern hatten Ender 60-70er eine Kneipe.ich habe einige male den Bestellkatalog zur GHG gebracht.Kreuze über Kreuze musste man machen,denn man wollte ja auch viel bekommen.Was dann aber kam war schon traurig.Hier ging es nicht um Getränke,das wurde in der Brauerei extra bestellt.Fleisch,Wurstwaren oder Ziggaretten,einfach alles wurde gekürzt.
Ich kann mich an die Fassbrause erinnern,war sehr leckerRot/Grün oder Gelb,ich glaube 0,20 Pfennig das Glas.Bier 0,40 Pfennig.
Ja da konnte man schon mit 5 Mark zum Frühschoppen gehen.
Jetzt schreibe ich aber alles nur gutes,Moment muss mal Überlegen....


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#68

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 11:52
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #59
... @Rainmann, in welcher Ecke von Leipzig hast du denn gewohnt? Da wo ich wohnte (ebenfalls Leipzig) "reichte es" kurz nach 6 Uhr loszugehen um sich in die Schlange beim Bäcker einzureihen ..... ...


Hallo Nostalgiker!

Wir wohnten im Zentrum (Thomasiusstraße 21 - am Nikischplatz). Neenee - Oma hat da nüscht anbrennen lassen. Sie hatte je nach Messe 5 bis 8 Messegäste zu versorgen (30 Jahre lang von der selben Firma aus Steinach/Thür.). Sie musste unter den ersten in der Schlange sein. Frische Brötchen und ein guter "Leibzscher Gaffee" zum Frühstück wurden immer gewährleistet. Das war eine Frage der Ehre! Es kann übrigens auch ein Stück nach 5 Uhr gewesen sein, aber um 6 wäre für sie definitiv zu spät gewesen.

ciao Rainman2


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#69

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 12:03
von Pit 59 | 10.152 Beiträge

Ich habe 39 Jahre in der DDR überlebt,ich bin weder verhungert,noch verdurstet auch bin ich im Winter nicht erfroren,da ich immer eine Wohnung hatte.Arbeitslos war ich auch nie...@katerjohn

Das hat ja auch Niemand behauptet,und darum geht es ja gar nicht.Ein paar Jahre nach der Wende war ich in Düsseldorf zum Studium.Gewohnt haben wir im Stadion bei den Wirtsleuten.Da sagten eines Abends auch ein paar Leute zu uns "Jetzt könnt Ihr Euch aber mal Richtig Satt Essen" Ich dachte ich Spinne. Die haben gedacht wir Nagen am Hungertuch.So schnell geht das,da erzählt einer was,der andere macht was dazu,und bei dem dritten Hungerte eben die ganze DDR.Aber nach einer Ordentlichen Aufklärung waren wir für den Rest sehr gute Freunde.


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#70

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 12:21
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #68

Sie musste unter den ersten in der Schlange sein.


Kam sie nicht in den Genuss des Privilegs vom "dritten Nagel"?

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#71

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 12:23
von turtle | 6.961 Beiträge

Sicherlich waren Waren nicht regelmäßig überall gleich verteilt. Da gab es schon Ausnahmen. Besonders die Hauptstadt,Leipzig zur Messe und Touristencentren wurden da bevorzugt.Trotz Engpässe mit einigem ,wie Südfrüchte oder meinem geliebten Aal (den sah ich fast nie in Leipzig) konnte man mit den subventionierten Lebensmitteln gut Leben.An schlechtes Bier erinnere ich mich nicht,ich trank immer echt Ullrich oder Sternburg. Besonders mochte ich das Porter von Sternburg. Überhaupt die Waren des täglichen Bedarfs konnte sich jeder leisten. Das man da auf gewisse sogenannte Luxusgüter einen gehörigen Aufschlag hatte wunderte mich nicht. Irgentwie musste auch etwas verdient werden. An den Freundschaftspreisen zur Sowjetunion, verdiente man bestimmt nicht die Masse. Abhängigkeit auch bedingt durch Rohstoffmangel hat eben seinen Preis. Allerdings wenn selber dringent benötigtes gegen Devisen in das Ausland verschleudert wurde? Das ist wieder ein extra Thema wert. Denn verschleutert wurde alles ,auch der Mensch,und Kunst. Die Ko Ko war schon was besonderes.


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#72

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 12:25
von Udo | 1.267 Beiträge


Unten links das berühmtberüchtigte Logo des Wittenberger Hells.
Die anderen drei Sorten sind meines Wissens nie in den Handel gelangt.


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#73

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 13:03
von GeMi | 556 Beiträge

Zitat von westsachse im Beitrag #66
In Zwickau hat wirklich jeder gefragt, wenn einer zu einer Gartenparty o. ä. einlud "Gibt es Sterbehilfe oder etwas Anständiges?"
westsachse



Hallo,

an jedes getrunkene Zwickauer Bier kann ich mich nicht erinnern, aber das Bockbier war Klasse. Das gab es auf dem Marktplatz in einem Tante Emma-Laden (schräg gegenüber vom Theater). Man reichte seine Leerflaschen im Einkaufsnetz rüber und bekam es gefüllt zurück. So was gibt es heute auch nicht mehr. Die Verkäuferinnen waren supernett.
Zu DDR-Zeiten gab es halt Biere, die sollte man lieber nicht trinken. Das Markranstädter war ganz gut - die Hallenser Biere dagegen mittelmäßig. Man hat es überlebt.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#74

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 13:13
von damals wars | 12.180 Beiträge

Das beste Bier gab es in Zittau.
Wirklich süffiges Schwarzbier.
Die Studenten holten es in den "Senfeimern" aus Plaste.

Durfte ich beim Kernkraftpraktikum am Versuchsreaktor (2-3 Watt) in Zittau genießen.
Unvergesslich auch die Studentenheime. Plasteversuchsbauten.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#75

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 13:23
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #70
... Kam sie nicht in den Genuss des Privilegs vom "dritten Nagel"? ...

Hallo Nostalgiker,

das mit diesem Privileg musst Du mir, und wahrscheinlich nicht nur mir, mal kurz erklären.

Übrigens: Meine Oma hätte sich lieber den Fuß abgehackt, statt um irgend etwas zu bitten. Das steckt nun irgendwie allen aus meiner Familie in den Knochen. Mit so einer Haltung hatte man nie Beziehungen oder Privilegien. Aber, wie schrieb ein anderer hier schon so richtig, wir haben es überlebt. Und ich ergänze: Und uns ging es ohne solche Sachen auch gut.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#76

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 13:42
von grenzergold | 187 Beiträge

Man hat auch Pils getrunken und kein Helles und jeder der im Harz gedient hat, trank sicher Hasseröder.

Es gab auch Kaufhallen , die öffneten um 6 Uhr.


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#77

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 13:59
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #75
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #70
... Kam sie nicht in den Genuss des Privilegs vom "dritten Nagel"? ...

Hallo Nostalgiker,

das mit diesem Privileg musst Du mir, und wahrscheinlich nicht nur mir, mal kurz erklären.

Übrigens: Meine Oma hätte sich lieber den Fuß abgehackt, statt um irgend etwas zu bitten. Das steckt nun irgendwie allen aus meiner Familie in den Knochen. Mit so einer Haltung hatte man nie Beziehungen oder Privilegien. Aber, wie schrieb ein anderer hier schon so richtig, wir haben es überlebt. Und ich ergänze: Und uns ging es ohne solche Sachen auch gut.

ciao Rainman


Ha! Erwischt! Bildungslücke

Im Ernst.
Im Jahr 1981 veröffentlichte Hermann Kant einen Band mit Erzählungen und dieser hieß "Der dritte Nagel".
Der Inhalt der Titelgebenden Geschichte ist kurz erzählt:
Der Ich-Erzähler (Kant selber?) versucht in einer privaten Bäckerei deren Erzeugnisse durchaus einen sehr guten Ruf ob ihrer Qualität haben auch ein bevorzugter Kunde des Bäckers zu werden.
Er entdeckte nämlich im rückwärtigen Verkaufsraum zwei Nägel an denen wohlgefüllte Leinenbeutel hängen und eines Tages wird der Erzähler Zeuge wie ein Kunde einen Beutel davon überreicht bekommt.
Auf Nachfrage wie dieser Kunde zu diesem Privileg kam deutete die Bäckersfrau an das es viele Dinge nur sehr selten oder nur über Beziehungen gäbe......
Nun muß der Erzähler eine ganze Kette von Beziehungen spielen lassen, neue anbahnen um für andere Leute schwer erhältliche Sachen zu besorgen.
Nachdem alles zur Zufriedenheit des Bäckers ausfällt, bekommt der Erzähler das Privileg des 'dritten Nagels' und er braucht zukünftig nur noch seine Bestellungen beim Bäcker abzugeben.......
Der einmal begonnene Tauschhandel mit raren Dingen bleibt selbstverständlich weiter bestehen....

Soweit die Erzählung.


Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

Hackel39 und Rainman2 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#78

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 19:06
von furry | 3.576 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #69
...."Jetzt könnt Ihr Euch aber mal Richtig Satt Essen" Ich dachte ich Spinne. Die haben gedacht wir Nagen am Hungertuch.So schnell geht das,da erzählt einer was,der andere macht was dazu,und bei dem dritten Hungerte eben die ganze DDR.Aber nach einer Ordentlichen Aufklärung waren wir für den Rest sehr gute Freunde.



Was die lieben Altbundesgermanen sicher nicht wussten, einiges von dem Fleisch auf ihren Tellern stammte aus der DDR. Bevorzugt gehandelt über die Firmen Berger, Maroks und Mokksel (hoffentlich habe ich die Namen richtig geschrieben).
Ab dem Bau der industriemäßigen Tierproduktionsanlagen (seit etwa Anfang der 70er) konnte die DDR Fleisch wie auch Lebendvieh exportieren. Auch wenn einige Zeitgenossen heute meinen, das war Massentierhaltung. Die Tiere lebten unter besseren Bedingungen, als so manche Kreatur in den heutigen sogenannten Familienbetrieben.
Natürlich soll dieser Export meines Wissens nach auch einen besonderen Grund gehabt haben. Die Lieferungen von Fleisch und Lebendvieh ( nicht nur in die Alt-BRD) wurden vor Lieferung in Cash bezahlt, das waren keine Kompensationsgeschäfte.
Und warum weiß ich das, erstens konnte ich auf einem Schlachthof erleben, wie sich Aufkäufer die besten Kotelettstränge aus den Schweinen haben schneiden lassen und zum zweiten saß ich mal mit einem Viehhändler in einem Büro und konnte seine Telefonate mithören.
Nur mal soviel, um außer dem Thema Bier auch mal einen anderen Bereich zu beleuchten.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
zuletzt bearbeitet 26.07.2012 19:24 | nach oben springen

#79

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 19:35
von Rostocker | 7.725 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #78
Zitat von Pit 59 im Beitrag #69
...."Jetzt könnt Ihr Euch aber mal Richtig Satt Essen" Ich dachte ich Spinne. Die haben gedacht wir Nagen am Hungertuch.So schnell geht das,da erzählt einer was,der andere macht was dazu,und bei dem dritten Hungerte eben die ganze DDR.Aber nach einer Ordentlichen Aufklärung waren wir für den Rest sehr gute Freunde.



Was die lieben Altbundesgermanen sicher nicht wussten, einiges von dem Fleisch auf ihren Tellern stammte aus der DDR. Bevorzugt gehandelt über die Firmen Berger, Maroks und Mokksel (hoffentlich habe ich die Namen richtig geschrieben).
Ab dem Bau der industriemäßigen Tierproduktionsanlagen (seit etwa Anfang der 70er) konnte die DDR Fleisch wie auch Lebendvieh exportieren. Auch wenn einige Zeitgenossen heute meinen, das war Massentierhaltung. Die Tiere lebten unter besseren Bedingungen, als so manche Kreatur in den heutigen sogenannten Familienbetrieben.
Natürlich soll dieser Export meines Wissens nach auch einen besonderen Grund gehabt haben. Die Lieferungen von Fleisch und Lebendvieh ( nicht nur in die Alt-BRD) wurden vor Lieferung in Cash bezahlt, das waren keine Kompensationsgeschäfte.
Und warum weiß ich das, erstens konnte ich auf einem Schlachthof erleben, wie sich Aufkäufer die besten Kotelettstränge aus den Schweinen haben schneiden lassen und zum zweiten saß ich mal mit einem Viehhändler in einem Büro und konnte seine Telefonate mithören.
Nur mal soviel, um außer dem Thema Bier auch mal einen anderen Bereich zu beleuchten.


Das sag ich doch immer---das Schweinefleisch ging in den Westen,die Knochen nach Polen und die Scheiße bieb hier. (Witz)


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#80

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 19:46
von RalphT | 878 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #74
Das beste Bier gab es in Zittau.
Wirklich süffiges Schwarzbier.
Die Studenten holten es in den "Senfeimern" aus Plaste.

Durfte ich beim Kernkraftpraktikum am Versuchsreaktor (2-3 Watt) in Zittau genießen.
Unvergesslich auch die Studentenheime. Plasteversuchsbauten.


Hallo damals wars:

ich bin in gut einer Woche in Zittau. Weißt Du noch welches Bier das war? Gibt es das heute noch?


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