#501

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 10.07.2014 21:48
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #461
Zitat von Harra318 im Beitrag #457
und was ist dein Fazit @ Nostalgiker, zu der Badekappen-pflicht in den Freibädern der DDR?


Mir ist keine Badekappenpflicht in Freibädern der DDR bekannt. Jedenfalls in ..............
ein Freibad ist für mich auch ein Baggersee, ein See an sich und wer sollte die Pflicht Einhaltung kontrolliert haben? Etwa die Stasi? Bla,bla.......
.....

Nostalgiker



1. Rot: für Glatzköpfe nicht

2. Rot: ein Baggersee, ist ein Naturbad


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#502

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 10.07.2014 22:14
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #499
In Leipzig bin ich gern in das Gastmahl des Meeres gegangen. Gibt es diese speziellen Fischgaststätten überhaupt noch? Erinnere mich an geräucherten Karpfen . Habe ich im Westen nie im Fischladen gesehen. Aal und Krabben suchte ich vergeblich. Im Spezialgeschäft Wild und Geflügel gab Nutria.

Lieber Peter,

Alter Anschieber schöner Kindheits- und Jugenderinnerungen! Das Gastmahl des Meeres ... Vom Ring aus gleich ganz vorn in der Dr.-Kurt-Fischer-Straße ... Ja, ich erinnere mich an die Gaststätte. Die hat aber schon zu DDR-Zeiten geschlossen, wenn ich mich recht erinnere. Die Gaststätte selbst war übrigens bei mir nicht die schöne Erinnerung. Ich war nie drin. Einer zu Kindergartenzeiten durchgemachten Fischvergiftung verdankte ich ein Trauma, das ich erst mit Mitte zwanzig zu überwinden begann. Aber der Weg von meinem Kindergarten in der Lortzingstraße zu meiner Lieblingseisdiele in der Dr.-Kurt-Fischer-Straße führte am Gastmahl des Meeres vorbei. Spätestens auf dieser Höhe fiel die Erschöpfung vom Quengeln, Betteln, auf den Fußweg werfen und Tränenverspritzen von mir ab und wandelte sich in Vorfreude. Die Fischgaststätte wirkte etwas exotisch von außen, weiß nicht mehr warum, und sie roch streng. Aber das war egal, ein paar Schritte weiter gab es Eis. Noch heute könntest Du an mir ein Grinsen im Gesicht und ein Leuchten in den Augen bemerken, gingen wir zusammen an dieser Ecke entlang.

Liebe Grüße!
Ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#503

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 10.07.2014 22:23
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #499
In Leipzig bin ich gern in das Gastmahl des Meeres gegangen. Gibt es diese speziellen Fischgaststätten überhaupt noch? Erinnere mich an geräucherten Karpfen . Habe ich im Westen nie im Fischladen gesehen. Aal und Krabben suchte ich vergeblich. Im Spezialgeschäft Wild und Geflügel gab es Nutria.


Karpfen in allen Varianten habe ich hauptsächlich in Polen kennengelernt.
Sauer eingelegt,in Dosen mit Tomatensauce,gebraten,geräuchert etc.
Varianten die westlich der Elbe nicht bekannt waren.

seaman


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#504

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.07.2014 09:53
von turtle | 6.961 Beiträge

Gastmahl des Meeres Auf Foto 1 Das waren Zeiten als man davor warten musste platziert zu werden. Davon träumen die Betreiber heute,
Wie ich sehen konnte ist das Gebäude jetzt renoviert. Das Nachfolge Restaurant Gastmahl des Meeres in der Käthe Kollwitz Str. ist auch Geschichte.Foto 5


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zuletzt bearbeitet 11.07.2014 09:54 | nach oben springen

#505

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.07.2014 11:52
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von seaman im Beitrag #503

Karpfen in allen Varianten habe ich hauptsächlich in Polen kennengelernt.
Sauer eingelegt,in Dosen mit Tomatensauce,gebraten,geräuchert etc.
Varianten die westlich der Elbe nicht bekannt waren.

seaman



Fast richtig. Karpfen in Dosen und/oder mit Tomatensauce ist mir tatsächlich nicht bekannt. Geräuchert habe ich ihn allerdings schon mal gegessen: In einem Fischrestaurant im Fränkischen. In bestimmten Regionen dort gibt es ja reichlich kleinere Seen oder größere Teiche und Karpfen ist dort recht weit verbreitet. Mag sein, dass es dort noch die eine oder andere "exotische" Variante gab und gibt: Ich war zwar oft in der Gegend, aber kenne beileibe nicht alle Restaurants.


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#506

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.07.2014 12:02
von Krepp | 534 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #499
In Leipzig bin ich gern in das Gastmahl des Meeres gegangen. Gibt es diese speziellen Fischgaststätten überhaupt noch? Erinnere mich an geräucherten Karpfen . Habe ich im Westen nie im Fischladen gesehen. Aal und Krabben suchte ich vergeblich. Im Spezialgeschäft Wild und Geflügel gab es Nutria.

Hallo @turtle

guckst Du alt
http://goo.gl/maps/6LFBr

und neu
http://goo.gl/maps/L5PRS

und auch noch Wild/Geflügel
http://goo.gl/maps/oUS0l



Gruß aus Leipzig
I/1979-II/1979 GAR05 GAK9
II/1979-II/1980 GR6 3.GB 10.GK Zarrentin
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#507

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.07.2014 12:28
von Heckenhaus | 5.158 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #499
In Leipzig bin ich gern in das Gastmahl des Meeres gegangen. Gibt es diese speziellen Fischgaststätten überhaupt noch? Erinnere mich an geräucherten Karpfen . Habe ich im Westen nie im Fischladen gesehen. Aal und Krabben suchte ich vergeblich. Im Spezialgeschäft Wild und Geflügel gab es Nutria.

Die ehem. Gastmahl des Mehres-Gaststätten sind oft von "Nordsee", dieser einfältigen Imbißkette, einverleibt wurden.
Kein Vergleich mehr zur damaligen Gaststättenkultur.
https://www.google.de/maps/place/Nordsee...b!6m1!1e1?hl=de

An Nutria kann ich mich noch gut erinnern, wie Hase, nur etwas mehr Wildgeschmack. Leckere Sache gewesen.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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zuletzt bearbeitet 11.07.2014 12:32 | nach oben springen

#508

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.07.2014 13:55
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von Krepp im Beitrag #506
Zitat von turtle im Beitrag #499
In Leipzig bin ich gern in das Gastmahl des Meeres gegangen. Gibt es diese speziellen Fischgaststätten überhaupt noch? Erinnere mich an geräucherten Karpfen . Habe ich im Westen nie im Fischladen gesehen. Aal und Krabben suchte ich vergeblich. Im Spezialgeschäft Wild und Geflügel gab es Nutria.

Hallo @turtle

guckst Du alt
http://goo.gl/maps/6LFBr

und neu
http://goo.gl/maps/L5PRS

und auch noch Wild/Geflügel
http://goo.gl/maps/oUS0l





Ach ist das schön, da kommen alte Erinnerungen zurück .Konradstr und Ernst-Thälmann Str. Die Taschentuchdiele gibt es noch ! !
Und beim betrachten der Dr.-Kurt-Fischer-Straße viel mir doch sofort die Nordstr .und das Nordkaffee ein. Da war doch was ,da war doch was ?
Verdammte Alzheimer ! Oder wisst ihr was ich vergessen habe ? War es der gute Muckefuck oder die Damen im Nordkaffee in den 60ern ?
Ja mein Leipzig lob ich mir. Ach so Wild und Geflügel war früher in der Jahnallee. Habe Nutria wie Kaninchen zubereitet.


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#509

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.07.2014 22:32
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #508
...
Und beim betrachten der Dr.-Kurt-Fischer-Straße viel mir doch sofort die Nordstr .und das Nordkaffee ein. Da war doch was ,da war doch was ?
Verdammte Alzheimer ! Oder wisst ihr was ich vergessen habe ? War es der gute Muckefuck oder die Damen im Nordkaffee in den 60ern ? ...


Tja, lieber turtle,

Was könntest Du da vergessen haben? Den Zoo? Die Kongresshalle? Das Wälzlagerwerk? Oder meinst Du es in der Nordstraße, was ich aufgrund chronischen Devisenmangels nicht kennenlernen konnte? Ach, weist Du was, wir machen einfach einen Strich drunter ...

Aber in dem ersten Deiner Bilder erkannte ich meine kleine Eisdiele wieder ... Mir wurde richtig kodderig im Sentimentalitätszentrum der Kleinhirnrinde. Sei geknuddelt, altes Schlachtross.

Liebe Grüße
Ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#510

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.07.2014 22:48
von Hapedi | 1.886 Beiträge

wenn ich hier lese daß es in der DDR immer frischen Fisch zu kaufen gab fällt mir nichts mehr ein . Moskwitsch hat sogar Silvester morgen ihren Karpfen gekauft Ich falle vom Glauben ab


gruß Hapedi



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#511

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.07.2014 23:02
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Hapedi im Beitrag #510
wenn ich hier lese daß es in der DDR immer frischen Fisch zu kaufen gab fällt mir nichts mehr ein . Moskwitsch hat sogar Silvester morgen ihren Karpfen gekauft Ich falle vom Glauben ab


gruß Hapedi

Peter, das mit den Karpfen zu Silvester ist nicht ganz falsch! Habe in einer privaten Fischerei mit Geschäft gearbeitet! Auch am Silvestermorgen gab es Karpfen, aber die Menschenschlange war mehr als schlimm,die standen Stunden in der Schlange um einen frischen Karpfen zu kaufen! Denn wir hatten große Hälterbecken, wo reichlich von den Fischen schwammen! Aber wie es bei VEB-Betrieben aus sah? Glaube wen die Masse von Fischen verkauft wurde, die sie hatten, war Schluss! Wo sollten sie sie her nehmen?
Grüsse steffen52


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#512

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.07.2014 23:17
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Na Dunnerschlach auch, Hapedi,


Wir zwei beide scheinen irgendwie über unterschiedliche Gaben im Rahmen des verstehenden Lesens zu verfügen. Aus den Beiträgen hier habe ich nicht entnommen, dass es immer frischen Fisch gab. Wobei, es gab bestimmt täglich frischen Fischer, aber halt nur nicht immer am selben Ort, es sei denn man pflegte dort gute Beziehungen unter dem Ladentisch oder mit Devisen. Was den Silvesterkarpfen betraf, kann ich mich durchaus noch an Zeiten in den 60ern erinnern, wo die lebend aus Aquarien in Fischgeschäften verkauft wurden. Während meiner Lehrzeit (1977-1979) war Karpfen Blau fester Bestandteil unseres Betriebsessens. Wenigstens einmal im Monat lagen die fettig wabbelnden Brocken auf unseren Tellern. Kein Genuss aber Karpfen ...

Ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#513

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.07.2014 23:26
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Zitat von Hapedi im Beitrag #510
wenn ich hier lese daß es in der DDR immer frischen Fisch zu kaufen gab fällt mir nichts mehr ein . Moskwitsch hat sogar Silvester morgen ihren Karpfen gekauft Ich falle vom Glauben ab


gruß Hapedi


Warum das.? Darf heute nicht wahr sein ,was damals der Wahrheit entsprach.


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#514

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.07.2014 23:37
von Hapedi | 1.886 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #512
Na Dunnerschlach auch, Hapedi,


Wir zwei beide scheinen irgendwie über unterschiedliche Gaben im Rahmen des verstehenden Lesens zu verfügen. Aus den Beiträgen hier habe ich nicht entnommen, dass es immer frischen Fisch gab. Wobei, es gab bestimmt täglich frischen Fischer, aber halt nur nicht immer am selben Ort, es sei denn man pflegte dort gute Beziehungen unter dem Ladentisch oder mit Devisen. Was den Silvesterkarpfen betraf, kann ich mich durchaus noch an Zeiten in den 60ern erinnern, wo die lebend aus Aquarien in Fischgeschäften verkauft wurden. Während meiner Lehrzeit (1977-1979) war Karpfen Blau fester Bestandteil unseres Betriebsessens. Wenigstens einmal im Monat lagen die fettig wabbelnden Brocken auf unseren Tellern. Kein Genuss aber Karpfen ...

Ciao Rainman



ich kann nur vom selbst erlebten schreiben . Es gab bei uns fast nur Karpfen wenn die Teiche gefischt wurden . Wenn du mal was von Plotener Seenplatte gehört hast oder die vielen Privaten in der Gegend . Die einigermaßen großen ( über 3 Pfund ) WURDEN GESONDERT AGGEHOLT WEIS NICHT MEHR VON WEM : und die kleineren kamen in die Fisch HO . Da wurde man klar gefragt willst doch bestimmt einen Großen Da ging der mit dem Netz ins Bassein und suchte , so bekam jeder immer den Größten den er hatte .Unter 3 Pfund waren viel zu viel Gräten

gruß Hapedi



zuletzt bearbeitet 11.07.2014 23:41 | nach oben springen

#515

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.07.2014 23:52
von Hapedi | 1.886 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #513
Zitat von Hapedi im Beitrag #510
wenn ich hier lese daß es in der DDR immer frischen Fisch zu kaufen gab fällt mir nichts mehr ein . Moskwitsch hat sogar Silvester morgen ihren Karpfen gekauft Ich falle vom Glauben ab


gruß Hapedi


Warum das.? Darf heute nicht wahr sein ,was damals der Wahrheit entsprach.






doch was wahr ist soll auch wahr bleiben , und so ist mein Beitrag auch wahr und soll wahr bleiben

gruß Hapedi



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#516

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 19.07.2014 16:04
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Hapedi im Beitrag #510
wenn ich hier lese daß es in der DDR immer frischen Fisch zu kaufen gab fällt mir nichts mehr ein . Moskwitsch hat sogar Silvester morgen ihren Karpfen gekauft Ich falle vom Glauben ab
gruß Hapedi


Nun @Hapedi den Glauben werde ich Dir nicht wieder geben können, aber meine Erinnerngen an den Silvetserkarpfen teile ich mit Dir und den anderen gerne.

Ich bin 1957 geboren und bei meinen Großeltern in Sachsen aufgewachsen. Mein Großvater war gebürtiger Leipziger, meine Großmutter aus Zwönitz im Erzgebirge. Jedenfalls gehörte es bei ihnen zur Tradition am Silvesterabend Karpfen zu essen. Danach gab es selbst gemachten Glühwein, der gen ganzen Abend am Rande der Kochmachine, die zugleich Wärmequelle war, und dimmte so vor sich hin und verbreitete den für mich damals typischen Silvestergeruch.

Als kleines Kind habe ich das nicht so mitbekmmen, aber ab 1968 bis 1972 habe ich jedes Jahr Silvester bei meinen Großeltern verbracht. Und da gab es am Silvestertag ein richtiges Ritual. Opa stand frühzeitig auf, klemmte sich die Kaffemühle unter den Arm, mahlte Kaffee und kochte dann auch eine große Kanne und dann gab ein kleines Silvesterfrühstück - Kaffe und Stollen - und Pfefferkuchreste. Un jedes mal empfing dabei mein Opa die Instruktionen von meiner Oma, die damals schon schwer krank war und das Haus schon lange nicht mehr verlassen konnte, wie den der Karpfen aussehen sollte, wie schwer er sein sollte, und am besten lebendig erworben werden sollte. Und min Opa stiefelte los - egal bei welchem Wetter. Und Du wirst es nicht glauben - er kam immer rechtzeitig zum Mittagessen mit einem Karpfen zurück. Nicht selten mit einem kleinen Schwips. Denn scheinbar muss er den Erfolg unterwegs begossen haben.

Am frühen Abend, begann dann der zweite Teil des Rituals. Oma schuppte den Karpfen und nahm ihn aus. Aber erst wenn er von Opa noch einen gehörigen Klaps auf den Kopf bekommen hat. Es waren übrigens einer der seltenen Augenblicke, das meine Großeltern gemeinsam in der Küche eine Mahlzeit vorbereitet haben. Bevor meine Oma den Karpfen noch einmal wusch rettete sie ein Schuppe und drückte sie mir in die Hand. Die sollte ich dann ganz schnell in meine Geldbörse tun - damit mir im neuen Jahr nicht das Taschengeld ausgeht. Opa musste auch seine Börse rauskramen. Aber er bekam keine Schuppe, sondern sollte mir 5 Mark geben, damit aus einem Glauben an einen alten Brauch auch ganz schnell Realität wird.

Und dann standen die beiden alten Leutchen am Herd. Opa rührte im Glühweintopf und Oma lies den Karpfen blau werden. Irgendwann saßen wir drei dann am Tisch und es zog eine unbeschreibliche Ruhe in die Stube. Wahrscheinlich nicht zuletzt weil jeder mit den Gräten zu tun hatte.

1973 starb meine Großmutter. Um mich in meiner Trauer zu trösten kam meine Mutter, die Karpfen hasste, auf die Idee, Silvester Karpfen zu essen. Im nachhinein gut gemeint, aber an diesem 31.12.1973 für mich der Horror. Erst mal wurde ich zum Karpfen kaufen geschickt - ins Berliner Hans - Loch - Viertel mit einer Passage mit Kaufhalle und großem Fischgeschäft. Man war mir das peinlich in der Reihe mit den ganzen Hausfrauen und Hausmännern zustehen. Peinlich deswegen, weil in besagter Passage auch immer der Jugentanz statt fand und ich die arge Befürchtung hatte, dass mich jemand in der langen Reihe alter Menschen jemand erkennt. Denn schon damals war es in meinem Freundeskreis nicht gerade cool, mit den Eltern und Karpfen Silvester zu feiern. In Leipzig bei meinen Großeltern war es was ganz anderes.

Und dann hat meine Mutter mit spitzen Fingern den Karpfen zubereitet. Es fiel keine Schuppe für mich ab und auch kein zusätzliches Taschengeld - der nächste Reinfall. Vom Essen ganz zu schweigen. Jedenfalls der Silvesterkarpfenzauber ist an diesem Silvesterabend endgültig verflogen.

Irgendwann hatte ich eine eigene Familie und ich wollte diesen Zauber wider einfangen. Das war genau 10 Jahre später. Wir hatten hier in Berlin - Niederschönhausen einen gut, da privat, geführten Fischladen. Wahrscheinlich war sein Angebot auch deswegen so gut und zuverlässig, weil sich im näheren Umkreis zahlreiche Botschaften und Residenzen von Botschaftern befanden. Jedenfalls erstand ich am Silvestermorgen einen Karpfen. Doch wie zubereiten? Und gezappelt hatte er auch noch nach Stunden. Jedenfalls war es für alle ein Heidenspaß. Für meine Kinder, meine Freundin und ihren Mann, mit denen wir gemeinsam Silvester gefeiert haben. Es war zwar nicht der Zauber, wie mit meinen Großeltern, aber auch ein Abend der in Erinnerung blieb.

Und nun lebe ich schon seit Jahren mit einem neuen Mann zusammen (für mich ein kleines Wunder nach dem Tod meines ersten Mannes), den ich sehr liebe und der mir sehr viel bedeutet, mit dem ich wenigstens einmal an einem Silvestertag diesen Zauber teilen wollte und schickte ihn los zum Karpfen kaufen. Du kannst Dir nicht meine Enttäuschung vorstellen, als er mit leeren Händen nach hause kam.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 19.07.2014 16:07 | nach oben springen

#517

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 19.07.2014 16:10
von Pit 59 | 10.164 Beiträge

Das mit dem Karpfen iss schon OK,die gab es nun wirklich,weil der eben auch in jedem verschlammten Dorfteich wächst.


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#518

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 19.07.2014 16:15
von damals wars | 12.213 Beiträge

Schöne Schilderung.
Bei meiner Oma gab es auch Karpfen blau. Brachte der schweriner Onkel mit.
Einmal durfte ich auch mitessen, die Schilderungen mit der steckengebliebenen Gräte hatte mir aber den Appetit vers... .

Die echten thüringer Klöse waren mir eh immer lieber. Und Oma kommte aus einen kleinen Stück Fleisch einen Liter Soße zaubern,
das war so lecker!
Und das Rotkraut! unerreicht!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#519

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 19.07.2014 16:35
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Und noch eine Geschichte zu den Fischen.

1968 kam ich in die 5.Klasse. Als neues Fach kam Biologie dazu. Nach der Einführung ins Fach Biologie war das erste große Thema oder Kapitel - der Fisch. Ich fand das Fach nicht zuletzt immer spannend, weil es recht anschaulich war. Wahrscheinlich auch wegen der ungewöhnlichen Hausaufgaben. Sollten wir doch zur nächsten Stunde alle eine Schwimmblase mitbringen. Und soweit ich mich erinnere hatte jeder eine dabei. Übrigens ein sehr empfindliches Teil. Der Transport war garnicht so einfach.

Also wenn ich davon ausgehe, dass im Frühherbst 1968 alle Schüler der DDR die Aufgabe mit der Schwimmblase erhalten haben - und davon kann man bei den Lehrplänen der DDR ausgehen - dann gab es genug Fischläden mit lebendigen Fischen Und vor allem nette Fischverkäufer, die sich Zeit genommen haben um uns für nen Groschen unversehrte Schwimmblasen zu überlassen.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 19.07.2014 17:43 | nach oben springen

#520

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 19.07.2014 21:13
von Hapedi | 1.886 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #516
Zitat von Hapedi im Beitrag #510
wenn ich hier lese daß es in der DDR immer frischen Fisch zu kaufen gab fällt mir nichts mehr ein . Moskwitsch hat sogar Silvester morgen ihren Karpfen gekauft Ich falle vom Glauben ab
gruß Hapedi


Nun @Hapedi den Glauben werde ich Dir nicht wieder geben können, aber meine Erinnerngen an den Silvetserkarpfen teile ich mit Dir und den anderen gerne.

Ich bin 1957 geboren und bei meinen Großeltern in Sachsen aufgewachsen. Mein Großvater war gebürtiger Leipziger, meine Großmutter aus Zwönitz im Erzgebirge. Jedenfalls gehörte es bei ihnen zur Tradition am Silvesterabend Karpfen zu essen. Danach gab es selbst gemachten Glühwein, der gen ganzen Abend am Rande der Kochmachine, die zugleich Wärmequelle war, und dimmte so vor sich hin und verbreitete den für mich damals typischen Silvestergeruch.

Als kleines Kind habe ich das nicht so mitbekmmen, aber ab 1968 bis 1972 habe ich jedes Jahr Silvester bei meinen Großeltern verbracht. Und da gab es am Silvestertag ein richtiges Ritual. Opa stand frühzeitig auf, klemmte sich die Kaffemühle unter den Arm, mahlte Kaffee und kochte dann auch eine große Kanne und dann gab ein kleines Silvesterfrühstück - Kaffe und Stollen - und Pfefferkuchreste. Un jedes mal empfing dabei mein Opa die Instruktionen von meiner Oma, die damals schon schwer krank war und das Haus schon lange nicht mehr verlassen konnte, wie den der Karpfen aussehen sollte, wie schwer er sein sollte, und am besten lebendig erworben werden sollte. Und min Opa stiefelte los - egal bei welchem Wetter. Und Du wirst es nicht glauben - er kam immer rechtzeitig zum Mittagessen mit einem Karpfen zurück. Nicht selten mit einem kleinen Schwips. Denn scheinbar muss er den Erfolg unterwegs begossen haben.

Am frühen Abend, begann dann der zweite Teil des Rituals. Oma schuppte den Karpfen und nahm ihn aus. Aber erst wenn er von Opa noch einen gehörigen Klaps auf den Kopf bekommen hat. Es waren übrigens einer der seltenen Augenblicke, das meine Großeltern gemeinsam in der Küche eine Mahlzeit vorbereitet haben. Bevor meine Oma den Karpfen noch einmal wusch rettete sie ein Schuppe und drückte sie mir in die Hand. Die sollte ich dann ganz schnell in meine Geldbörse tun - damit mir im neuen Jahr nicht das Taschengeld ausgeht. Opa musste auch seine Börse rauskramen. Aber er bekam keine Schuppe, sondern sollte mir 5 Mark geben, damit aus einem Glauben an einen alten Brauch auch ganz schnell Realität wird.

Und dann standen die beiden alten Leutchen am Herd. Opa rührte im Glühweintopf und Oma lies den Karpfen blau werden. Irgendwann saßen wir drei dann am Tisch und es zog eine unbeschreibliche Ruhe in die Stube. Wahrscheinlich nicht zuletzt weil jeder mit den Gräten zu tun hatte.

1973 starb meine Großmutter. Um mich in meiner Trauer zu trösten kam meine Mutter, die Karpfen hasste, auf die Idee, Silvester Karpfen zu essen. Im nachhinein gut gemeint, aber an diesem 31.12.1973 für mich der Horror. Erst mal wurde ich zum Karpfen kaufen geschickt - ins Berliner Hans - Loch - Viertel mit einer Passage mit Kaufhalle und großem Fischgeschäft. Man war mir das peinlich in der Reihe mit den ganzen Hausfrauen und Hausmännern zustehen. Peinlich deswegen, weil in besagter Passage auch immer der Jugentanz statt fand und ich die arge Befürchtung hatte, dass mich jemand in der langen Reihe alter Menschen jemand erkennt. Denn schon damals war es in meinem Freundeskreis nicht gerade cool, mit den Eltern und Karpfen Silvester zu feiern. In Leipzig bei meinen Großeltern war es was ganz anderes.

Und dann hat meine Mutter mit spitzen Fingern den Karpfen zubereitet. Es fiel keine Schuppe für mich ab und auch kein zusätzliches Taschengeld - der nächste Reinfall. Vom Essen ganz zu schweigen. Jedenfalls der Silvesterkarpfenzauber ist an diesem Silvesterabend endgültig verflogen.

Irgendwann hatte ich eine eigene Familie und ich wollte diesen Zauber wider einfangen. Das war genau 10 Jahre später. Wir hatten hier in Berlin - Niederschönhausen einen gut, da privat, geführten Fischladen. Wahrscheinlich war sein Angebot auch deswegen so gut und zuverlässig, weil sich im näheren Umkreis zahlreiche Botschaften und Residenzen von Botschaftern befanden. Jedenfalls erstand ich am Silvestermorgen einen Karpfen. Doch wie zubereiten? Und gezappelt hatte er auch noch nach Stunden. Jedenfalls war es für alle ein Heidenspaß. Für meine Kinder, meine Freundin und ihren Mann, mit denen wir gemeinsam Silvester gefeiert haben. Es war zwar nicht der Zauber, wie mit meinen Großeltern, aber auch ein Abend der in Erinnerung blieb.

Und nun lebe ich schon seit Jahren mit einem neuen Mann zusammen (für mich ein kleines Wunder nach dem Tod meines ersten Mannes), den ich sehr liebe und der mir sehr viel bedeutet, mit dem ich wenigstens einmal an einem Silvestertag diesen Zauber teilen wollte und schickte ihn los zum Karpfen kaufen. Du kannst Dir nicht meine Enttäuschung vorstellen, als er mit leeren Händen nach hause kam.

LG von der Moskwitschka




Danke Moskwitschka für deinen ergreifenden Bericht . Wirklich echt toll geschrieben . Für sowas habe ich vieleicht auch nicht die richtige Tastatur Aber mit dem Silvesterkarpfen war es bei uns so das der schon paar Tage vorher lebend geholt wurde und noch die Zeit in einer großen Waschwanne schwimmen konnte . Mehrmals neues Wasser , es war erstaunlich was da für Flocken im Wasser schwammen .

gruß Hapedi



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