#41

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 08.04.2009 20:21
von rapper19 (gelöscht)
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hallo Rainer-Maria
ich hatte die Verweise >Stimme a.d. Schweigelager und auf die Zeitzeugin Erika Pelke gelesen. Nun könnte ich sagen, das ich viele Biographien gelesen hatte die mit Konzentrationslager zu tun hatten.Jetzt habe ich für mich ein Problem: Seit ganz kurzer Zeit bin ich hier im Forum und dachte an die DDR von da an was ich früher gesehen habe und was ich heute gesehen habe.Bin über diese Artikel >Buchenwald nach 45< gestolpert und Zeile für Zeile arbeite ich mich durch. Mein altes Interesse an Geschichte ist wieder erweckt worden. Vor allem:

Ich hatte nie über so eine Zeit überhaupt nur im entferntesten nachgedacht. Für mich war logisch, das die Lager nach 45 geschlossen wurden und irgendwann wieder als Gedächtnisstütze aufgearbeitet worden sind.
Da habe ich immer gedacht ich könnte mitreden und stelle fest, das ich mich auf die Stufe nicht begeben darf.
Es ist für mich wie ein Schlag auf den Hinterkopf was ich hier dazugelernt habe, völlig neu.(Kinnlade runter,Mund auf)Ich lese also weiter und brauche Zeit zum Nachdenken, weil ich mit meinem politischen Leben abgeschlossen hatte und mehr an MV als Urlaubsziel gedacht hatte, als ich dieses Forum betrat. Ich wollte hier nur berichten über Urlaube, ganz belanglose Schreibereien und jetzt bin ich in der Geschichte bei Euch im Lager gelandet....und stelle fest das ich mich nicht entziehen kann. Ich komme mir vor wie ein Detektiv, schlage mir mit der flachen Hand vor die Stirn und sage: Wie konntest du denn diese Fragen und dieses Stückchen Zeit ausblenden?


ich grüße alle hier

Reinhold


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#42

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 09.04.2009 08:00
von Transitfahrer (gelöscht)
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Hallo Rainer-Maria,

wenn Du Material vom KZ Neungamme brauchst werde ich mal demnächst hinfahren und dies besorgen. Dann schicke ich Dir es. Wie wär´s?

Gruß
Peter


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#43

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 03.05.2009 09:41
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo alle zusammen die Geschichte aus Leipzig passt ganz gut zum „Ursache und Wirkungs“- Prinzip, zur Begründung der Speziallager nach 1945 in der SBZ ( Sowjetischen Besatzungszone) Wenn auch hier mehr Öffentlichkeitsarbeit geleistet wurde.

Aus dem Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik von Walter Fellmann / 1978 im Taschenbuch
„ Leipziger Pitaval“ der Kriminalfall „ Los, Mensch, beiß den Hund!“ in 4. Teilen


Am 15. November 1948, einem Montag, herrschte in Leipzig ein für den späten Nachmittag ungewöhnlicher Betrieb. Alle westwärts fahrenden Straßenbahnen waren hoffnungslos überfüllt. Wagemutige junge Leute klemmten sich noch auf’s Trittbrett, die Gefahr missachtend. Die besonnenen Bürger aber, die keinen Platz in der „ Blau- Gelben“ gefunden hatten, machten sich zu Fuß auf den Weg nach Plagwitz.
Der Speiseraum der Baumwollspinnerei fasste 1200 Personen, aber doppelt soviel hatten sich trotz des unfreundlichen Novembertages und schwieriger Verkehrsbedingungen eingefunden. Diejenigen, die umsonst gekommen waren, betrachteten etwas neidvoll die Journalisten und Vertreter der Militäremissionen, die reservierte Plätze hatten. Doch sie würden wiederkommen. Sie wussten: Der Prozess, an dem sie teilnehmen wollten, würde lange, sehr lange dauern.
Die erste Strafkammer des Landgerichtes Leipzig hatte ursprünglich im Plenarsaal des ehemaligen Reichsgerichts verhandeln wollen, war aber dann in Erwartung eines großen Zuschauerstroms in den weit größeren Saal der Baumwollspinnerei ausgewichen. Auf dem provisorisch aufgebautem Podium hatten Amtsgerichtsrat Hölzer , der den Vorsitz führte, die beisitzenden Richter und die Schöffen Platz genommen. Die Anklage Vertrat Sachsens Generalstaatsanwalt Dr. Rolf Helm
Auf der Anklagebank saßen 21 Männer und eine Frau, ehemalige Direktoren, Meister, Schichtführer und Wachmänner der Hasag. Die Anklageschrift, 170 Seiten zählend, warf ihnen „ Verbrechen gegen die Menschlichkeit nach Direktive38 in Verbindung mit Befehl 201 der SMA° vor, begangen 1940 bis 1944 im polnischen Kamienna Gora.
Die Hasag galt als Stadtbekanntes, traditionsreiches Unternehmens. Der Betrieb hatte sich 1863 mit einer unscheinbaren Annonce in der Lokalpresse der Öffentlichkeit zum erstenmal vorgestellt: „ Wir bitten um Ihr Vertrauen! Lampenfabrik Haeckel & Schneider.
Damals wurden solche Anzeigen noch gelesen. Später, in den Gründerjahren, las man selbst über ganzseitige Offerten hinweg.. Mit seinen 20 Mitarbeitern wurde das neue Unternehmen als Industriebetrieb registriert.
Haeckel & Schneider belieferten den Markt zuerst mit Gaslampen, dann mit elektrischen Lampen, und es fehlte nie an Abnehmern. Die“ Leuchten der Zivilisation“ waren in Mode gekommen, und die Lampen von Haeckel & Schneider erfreuten sich eines guten Rufs. Da der Betrieb für Qualitätsarbeit bekannt war, konnte er in den stürmischen Gründerjahren die lästige Konkurrenz abschütteln und auch die noch stürmischeren Jahre des Gründerkrachs überdauern.
Kurz vor der Jahrhundertwende brachte es der inzwischen 1000 Arbeiter beschäftigende Betrieb auf einen Jahresumsatz von 5 Millionen Mark. Um zusätzliche Mittel für Invest-
itionen freizubekommen, wurde er 1899 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, in die Hugo Schneider AG, kurz Hasag genannt. Inflation und Weltwirtschaftskrise konnten die Lampenfabrik nicht aus der Bahn werfen. Die Hasag brachte es auf einen Jahresumsatz von 22 Millionen Mark und durfte sich mit ihren 3700 Beschäftigten zu den halben Dutzend Leipziger Großbetrieben zählen. Den Aktionären aber genügte die Macht, die sie erlangt hatten, noch immer nicht, und als 1931 Paul Budin in den Vorstand gelangte, hatten sie „ ihren“ Mann gefunden.
Budin rannte bei den Aktionären offene Türen ein, als er sich für die Umprofilierung der Hasag verwandte. Lampen? Wann kaufen sich die Leute schon eine Lampe? Alle fünf, vielleicht sogar nur alle zehn Jahre! Munition müsste der Betrieb herstellen! Für Absatz garantierten die 1933 an die Macht gekommenen Nazis. Die Kriegsmaschinerie lief noch längst nicht auf Hochtouren, als sich die Hasag unter dem Einfluss Budins von der Lampenproduktion abwandte und der Munitionsherstellung widmete. Hergestellt wurden Infanteriemunition und Flakgeschosse, gegen Ausgang des Krieges auch Panzerfäuste. Die Hasag hatte sich dem Geschäft mit dem Tode verschrieben.
Als die Kriegsfurie durch Europa raste, konnte die Hasag gar nicht so viel Munition herstellen, wie die Nazis verschossen. Budin aber wusste sich zu helfen. Wenn das Rüstungsministerium mehr Munition haben wollte, sollte es der Hasag gefälligst zu neuen Produktionsstätten verhelfen, etwa im okkupierten Polen.
Konkret hatten es die Budinleute auf die Munitionsfabrik in Kamienna Gora abgesehen, und sie erreichten, was sie erreichen wollten: Zunächst einmal wurde die Hasag in Kamienna Gora als „ Treuhänder“ eingesetzt, dann kaufte sie vom faschistischen deutschen Staat das diesem nicht gehörende polnische Werk für lächerliche 20 Millionen Zloty. So entstand die Hasag- Metall- GmbH.
Unter der polnischen Regierung waren in Kamienna Gora je Schicht 1000 Granaten gedreht worden. Das genügte der Hasag nicht. Sie produzierte 5500 Granaten. An Arbeitskräften bestand kein Mangel: Von 1940 bis 1942 kamen zwangsverpflichtete polnische Arbeiter zum Einsatz, und als diese im März 1942 als „ Ostarbeiter“ ans „ Reich“ abgegeben werden mussten, setzte sich die Hasag mit dem SS- Kommando in Czestochowa in Verbindung, das gegen eine geringfügige „ Entschädigung“ zu zahlen an die Kasse der SS, jüdische Häftlinge „beschaffte“ .So entstand das betriebseigene KZ der Hasag in Kamienna Gora.

Gruß Rainer- Maria


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#44

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 03.05.2009 14:11
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Rainer-Maria, Es wäre ja auch fast unmöglich wenn Du uns Deinen Blickwinkel vorenthalten würdest. Du findest da in Deinem großen Archiv immer etwas was Deinem Verständnis zur Rechtfertigung entspricht! Das Du doch so einiges aus der DDR Vergangenheit anders siehst ist bestimmt aufgefallen. Inwieweit Du immer richtig liegst sei dahingestellt, da wird es hier im Forum unterschiedliche Meinungen geben. Die Tatsache das in der DDR die Weiternutzung des Lagers Buchenwald nach 45 von den Sowjets weitgehend verschwiegen wurde ist Fakt. Als Kind war ich mehrmals mit der Schulklasse in Buchenwald von der Weiternutzung nach 45 wurde uns nichts gesagt! Das gehörte mit zur Geschichte vom KZ Buchenwald! Selbstverständlich war es richtig Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuklagen, nur hätte man damit in der DDR ehrlicher umgehen müssen. Es wurde aber alles vermieden was ein negatives Licht auf die Sowjetunion werfen könnte. Das wollte ich noch zum Thema Buchenwald sagen. Gruß Dein Freund Peter(Turtle)


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#45

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 03.05.2009 17:05
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo zusammen,

nachdem ich dem Thread hier gelesen habe, kann ich dem Turtle (Peter) nur in allen Punkten zustimmen. Ich sehe es genauso.
Rainer-Maria, ich verstehe deine Beweggründe, diese für dich sicher unangenehmen Wahrheiten, aus deiner Sicht und Erfahrung hier zu erklären. Aber du wirst nicht Dinge, die in der DDR verschwiegen worden sind, mit Büchern des DDR-Bücherarchives erklären können.
Oder glaubst du wirklich, dass das zugelassen worden wäre? In der damaligen Sowjetunion wurde dieses Thema nur von Solschenizyn oder Kopelew aufgegriffen, für den Rest war es tabu. Selbst Mitgliedern der kommunistischen Partei, die Bedenken geäußert hatten, verbot Stalin, sich damit auseinanderzusetzen. Um dem noch eins draufzusetzen: Verschiedene Historiker sahen später sogar Parallelen zwischen dem Holocaust und der späteren Flucht und Vertreibung nach dem Zusammenbrechen der Ostfront (Buch von Hillgruber "Zweierlei Untergang").

Wir sind hier in der Lage beweisbare Fakten zu beleuchten, beim Warum und Wieso wird man nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen können.
Schon gar nicht bei unterschiedlichen Weltanschauungen. Aber akzepzieren müssen wir die Fakten. Tun wir das nicht, sind wir nicht besser als die letzten Betonköpfe der DDR, die die Fakten bis zuletzt nicht akzeptieren wollten.

Gruß, Augenzeuge


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#46

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 04.05.2009 19:05
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Peter ( turtle) und Augenzeuge so wie Rainman schon richtig schreibt habe ich momentan die Geduld, um Geschichten abzuschreiben, das beruhigt so herrlich aber mir fehlt irgendwie die Lust zum diskutieren. Nennt es“ Forumfrühjahrsmüdigkeit“. Es kommt vielleicht auch etwas falsch von mir rüber und ganz am Anfang hier im Thema hatte ich schon einmal geschrieben, das es ein großer Fehler der alten Sozialisten war, ich nenn sie mal mit Absicht nicht“ Kommunisten“, über diese Sache nicht rückhaltlos aufzuklären, in den Schulen aufzuklären. Den Lesestoff gab es schon über die Problematik siehe Erik Neutsch. Begreife ich bis heute nicht aber deswegen bekomme ich kein Magendrücken. Mir liegt eigentlich mehr daran, für junge Leute, sollten sie es den bis hier ins Forum schaffen, Geschichten oder Erzählungen einzustellen, weg von der Liebesschnulze, vom Horrorroman, vom Landserheft , Wildwestheft, den die passen nun einmal nicht in das sensible Thema Buchenwald und ich denke mir, um bloß einmal bei einem Beispiel zu bleiben „ Lokführer Steckel“, den haben oder hatten sie nicht irgendwo und irgendwie behandelt. Der war so wie der eigene Opa , ich verallgemeinere mal, das der Schüler sich das reinzieht und fragt: „Früh am Morgen hatte der die Juden nach Auschwitz , mit seinem Zug bis dorthin an die Rampe gebracht, dabei nachdenklich aus seinen Führerstand auf die großen Schornsteine geschaut und Nachmittag Zuhause mit der Oma Kaffee getrunken und Pfannkuchen gegessen, unbeschwert dabei über Gott und die Welt geplaudert, den jüngsten Sohn auf den Knien.“ Wie passte das zusammen? So wie einmal dieser ehemalige Grenzaufklärer hier in einem anderen Thema so schön geschrieben hatte: Früh fange ich“ Leute mit Dreck am Stecken“ und Nachmittag mähe ich meinen Rasen, das entspannt so wunderbar oder er hatte es so ähnlich formuliert. Der Mann sprach mir aus der Seele. Stell dir vor Peter, mein Freund, auch meiner Enkelin werde ich das später so vermitteln, wenn sie soweit ist, es zu begreifen und zu verarbeiten: Erst baute der Opa die Minen an den Zaun weil er dachte, wirklich dachte, der Feind steht vor diesem Zaun I und er stand ja auch dort, nicht im eigenen Hinterland und dann kam die Oma am Wochenende nach Boizenburg , ging mit ihrem Kurzurlauber ins Kino, anschließend Abendbrot essen und ein bisschen…..Aber für Letzteres wird sie wohl noch zu klein sein. Und natürlich wird sie auch die Frage nach deinesgleichen,“ nach dem Leben der Anderen“ stellen. Da werde ich sagen: Mädel, lies seine Texte und stelle mir danach deine Fragen wenn du damit nicht klar kommst! Oder ich bringe sie zum 17. Forum - Treffen mit, dann kann sie dich den ganzen Abend löchern .Entschuldige, aber das ist alles nicht sarkastisch gemeint.
Noch mal zum Anfang, ich habe natürlich nicht nur solche Literatur, nennt sie die „Antifaschistische“ im Bücherschrank, es war auch weiterhin nicht gedacht, das ich hier alleine schreibe und meine, es gibt im Forum genügend Leute mit sehr schönen Büchern aus vergangener Zeit. Bloß die Kaiserin Sissi, die absolute Schnulzenliteratur West, die habe ich nicht, dafür Heinrich Böll oder Günter Wallraff, Max von der Grün und viele Andere mehr aber leider nicht als Kurzerzählung. Auch noch mal zu Augenzeuge,. Wo sind sie hin, die ganzen „ Bürgerrechtler“ und „ Gutmenschen“ noch dazu mit ihrer Literatur, auch die früher starke russische Literatur, in Luft haben sie sich aufgelöst, in der Masse untergegangen , im Mühlstein des Kapitalismus sind sie zerrieben worden, zu Pulver das man auf die flache Hand legt und dann….Nein, ein „ Pöstchen“ haben sie sich gesucht, in diesem Wasserkopf von Staat, auf Lebenszeit in der Hängematte.
Junge, wir waren so weit und wo sind wir angekommen, im menschlichen Mittelalter, mit einem Brett vor dem Kopf wo Dummköpfe von einem „ neuen notwendigen Krieg faseln“ dürfen siehe so wie Manudave seine Landsleute aus der Rhön, ohne Angst vor Konsequenzen, bloß um diese zyklische Krise des Kapital ( aller paar Jahre neu in dem System, einmal mehr, einmal weniger, man könnte direkt davon müde werden) in den Griff zu bekommen. Damit solcher Schwachsinn erst gar nicht wieder auf fruchtbaren Boden fällt, dafür und nur dafür sind diese Geschichten da. Jeder sieht das anders, ich sehe das so.

Gruß Peter, mein Freund und Augenzeuge
von Rainer- Maria

Haltet aus, jetzt folgt noch der…..


2. Teil der Geschichte „ Los, Mensch, beiß den Hund!“

Derart billige Arbeitskräfte hatten dem Unternehmen noch nie zur Verfügung gestanden. Obwohl die Arbeitszeit offiziell von fünf bis siebzehn Uhr währte und anschließend bis zu vier Überstunden absolviert werden mussten, erhielten die Häftlinge nicht eine Mark Lohn. Abgesehen davon, dass die SS „ bei Laune“ gehalten und „ geschmiert“ werden musste, entstanden der Hasag keine Lohnkosten. Auch der Bau der Unterkünfte war kaum mit Ausgaben verbunden, da die Häftlinge die Baracken selbst – außerhalb der Arbeitszeit- aufstellen mussten. Solange diese arbeiten währten, wurden 2000 Juden in einer einzigen alten Lagerhalle zusammengepfercht. Nur die Verpflegungskosten ließen sich nicht ganz aus der Welt schaffen. Aber die Hasag sparte, wo sie konnte. Sie bewilligte den Häftlingen nicht mehr als 150 Gramm Brot und zwei Teller dünner Wassersuppe pro Tag. Da weder Schüsseln noch Besteck zur Verfügung gestellt wurden, mussten die Häftlinge ihre Suppe aus alten Konservenbüchsen schlürfen.
Infolge der Unterernährung standen viele jüdische Zwangsarbeiter die schwere und für die meisten auch ungewohnte körperliche Arbeit nur kurze Zeit durch. In Abständen von zwei oder drei Wochen traf das Aufsichtspersonal regelmäßig eine „ Auslese“ .Auf dem nahe gelegenen Schießplatz wurden die Ausgesonderten ermordet. Für Nachschub sorgte die SS!
Unsichtbare Hauptangeklagte des Prozesses vor dem Landgericht Leipzig waren das faschistische Regime, das zu jedem Verbrechen bereite Monopolkapital und die intellektuellen Urheber der Massenmorde, NS- Wirtschaftsführer Budin vom Vorstand der Hasag und SS- Standartenführer Dalski, Direktor des „ Zweigbetriebes“ in Kamienna Gora. Beide hatten sich der Verantwortung entzogen. Budin nahm kurz vor dem Zusammenbruch des faschistischen Staates ein Bündel Panzerfäuste und jagte damit den Leipziger Betrieb und sich selbst in die Luft. Das Aufsichtspersonal von Kamienna Gora, das sich als willfähriges Werkzeug missbrauchen ließ, konnte dadurch nicht aus der Verantwortung enthoben werden. Die Vernehmung zur Person ergab, dass, wie das Gericht feststellte,“ die meisten Angeklagten politisch haltlos und ohne eigene Meinungsbildung der Nazipartei beigetreten waren. Ihre bösartigen Anlagen und Triebe wurden durch die Umwelt geweckt und gefördert.“
Da sich einige der Angeklagten während des ganzen Prozesses und alle Angeklagten an den ersten beiden Verhandlungstagen an „ nichts erinnern“ konnten, musste jedes einzelne Verbrechen vor Gericht nachgewiesen werden. Am 16. November 1948 wurden die ersten drei Angeklagten vernommen: Gustav Kuhn, ehemaliger kaufmännischer Direktor in Kamienna., Dr, Arthur Rost, ehemaliger Direktor des Werkes C, und Willi Seidel, ehemaliger Betriebsleiter des Werkzeugbaus. Kuhn bestritt, davon gewusst zu haben, dass es sich bei den 2000 jüdischen Arbeitern um Zwangsarbeiter gehandelt habe. Er wusste angeblich auch nichts von der katastrophalen Unterbringung der Häftlinge und der miserablen Verpflegung. Das sagte er, obwohl Quartier- und Versorgungsfragen in den Verantwortungsbereich des kaufmännischen Direktors fielen.
Dr. Rost, dem die Anklage Beteiligung an Selektionen vorwarf, gab sich als weltfremder Wissenschaftler, der in Kamienna nur als „ Fachkraft“ gewirkt habe. Zwar sei er hin und wieder bei der Auswahl arbeitsunfähiger Zwangsarbeiter zugegen gewesen, doch alle Ausgesonderten seien „ zur Erholung“ verschickt worden.
Zu diesem Zeitpunkt kannte die Angeklagten noch nicht die Umstände, die den Prozess ins Rollen gebracht hatten, und die Mitteilung der Anklagevertretung, es ständen ihr genügend Zeugen zur Verfügung hielten sie für einen Bluff.
Das Aufsichtspersonal von Kamienna Gora hatte Leipzig als sicheren Unterschlupf angesehen. Die Häftlinge waren hauptsächlich aus Polen und Süddeutschland gekommen, und wenn es wider Erwarten Überlebende gegeben haben sollte, würden sie ihren Wohnsitz in Polen oder Bayern , jenseits der Zonengrenze, genommen haben. In Leipzig gaben sich die Henker als „ Heimkehrer“. Einige erinnerten sich plötzlich daran, aus der Arbeiterklasse zu stammen. Auch Kuhn gab sich fortschrittlich. Eines Tages bestellte er ehemalige Hasag – Mitarbeiter zu sich, sprach vom Wiederaufbau des Werkes- Haushaltgeräte sollten hergestellt werden- und suchte sich so in die Rolle eines Pioniers neuer Verhältnisse hineinzumanövrieren. Einer der Geladenen, Karl Herold, jahrelang Meister in Kamienna Gora, lehnte es jedoch zur Überraschung Kuhns ab, auch“ nur noch einen Tag bei der Hasag“ zu arbeiten. Er sagte das öffentlich, ohne die Gründe deutlich darzulegen. Kuhn aber hatte verstanden. Er zog sich nun etwas zurück, nicht ohne Herold vorher darauf aufmerksam zu machen, das ihm, sollte er einen Prozess heraufbeschwören, auch einige Jahre Zuchthaus sicher seien. Herold schwieg. Zwei Jahre lang!
Im Sommer 1947 hielt sich Karl Herold besuchsweise in München auf, wo er zufällig einen Bekannten aus Kamienna Gora traf. Bei dieser Gelegenheit erfuhr er, das in Westdeutschland eine Jüdin ansässig sei, der er einst das Leben gerettet hatte. Die Jüdin hatte ihn 1942 in seiner Meisterstube aufgesucht und ihm mitgeteilt, das sie im dritten Monat schwanger sei. Schwangerschaft kam einem Todesurteil gleich. Herold verständigte sich mit einem gleich gesinnten Meister, forderte die Jüdin und deren ebenfalls in Kamienna Gora inhaftierten Ehemann unter einem Vorwand zu irgendeiner Arbeit an, und alle vier verließen heimlich das Lager, um sich im drei Kilometer entfernten Ort Kamienna Gora zu einem jüdischen Arzt zu begeben. Dieser Arzt nahm eine Abtreibung vor. Die Rückkehr ins Lager erwies sich als problematisch, da die geschwächte Frau nicht mehr laufen konnte. Kurz entschlossen mietete Herold eine Droschke. Das beobachtete einer der Wachleute, der sofort Dalski verständigte. Dalski drohte den beiden deutschen Meistern zehn Jahre KZ an, aber da beide als schwer ersetzbare Fachleute galten, blieb es bei der Drohung. Sie konnten in Kamienna Gora bleiben, galten aber als Ausgestoßene. Immerhin kamen sie mit einem blauen Auge davon. Ein anderer Meister, Rübesam, wurde aus weit geringfügigerem Anlass von Dalski wegen Judenfreundlichkeit einem Gericht ausgeliefert und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Gruß Rainer- Maria


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#47

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 05.05.2009 12:13
von turtle | 6.961 Beiträge
Hallo mein Freund Rainer-Maria,
Da habe ich Dir doch Unrecht getan, stimmt Du hattest es auch nicht gut gefunden das ein Teil der Geschichte von Buchenwald in der DDR totgeschwiegen wurde. Tut mir leid!!
Ich hatte fälschlicherweise den Verdacht jetzt kommt eine Erzählung um zu rechtfertigen welche Menschen nach 45 nach Buchenwald mussten , Dabei willst Du uns nur Deine Antifaschistische Literatur näher bringen. Manchmal denke ich so für mich, aha Rainer-Marias Politunterricht. Zum Glück gibt es heute Meinung und Presse Freiheit!
Soll doch jeder lesen was er möchte. Das war in der DDR nie so. Es bestand für fast alle Druckerzeugnisse Einfuhrverbot. Umgekehrt gab es kein Problem mit Literatur von Marx oder Lenin auszureisen! Dazu von mir zwei Geschichten.
Einmal wünschte sich von mir jemand das Buch über die Dallas Serie. Prompt wurde das Buch bei der Einreisekontrolle gefunden. Also sollte das Buch eingezogen werden! Ich reagierte verärgert, und sagte das kann ich nun überhaupt nicht verstehen, die DDR hat die Serie doch auch aufgekauft und wird demnächst im Fernsehen der DDR gesendet! Ich möchte daher einen Vorgesetzten sprechen. Er wurde unsicher, fragte woher ich den das wüsste. Na das stand doch letzte Woche groß in der Bildzeitung log ich. Er sagte Moment ging mit dem Buch im Gang zu einem Kollegen, kurzes Palaver und er gab mir das Buch zurück.
Ich sammelte Briefmarken. Es war verboten Briefmarken aus der DDR mitzunehmen. Erlaubt waren lediglich nur einige billigen Marken von der Post aus der aktuellen Serie. Den Sperrwert gab es da sowieso nicht ,da brauchte man einen Sammlerausweis. Ich hatte aber andere Marken im Sinn und die gab es nur im Briefmarkenladen. Also dachte ich mir an der Grenze musst Du die Zöllner etwas verblüffen damit die Dich nicht auf den Kopf stellen.
Ich kaufte Bücher welche ich nie lesen wollte ,wie „Honecker aus meinem Leben“
In der Zollerklärung schrieb ich dann Literatur ein Buch. Nun war nicht alles erlaubt aus der DDR auszuführen, wie Antiquariat. Natürlich fragte der Zöllner was für Literatur. Als ich aufzählte Honecker aus meinem L…,das ND, die LVZ, dachte der ich will ihn auf dem Arm nehmen. Barsch kam der Befehl zum öffnen des Koffers. Doch siehe da oben lag das Buch vom Genossen Honecker ,die LVZ, ND. usw. Er glotzte mich immer noch blöd an ,doch meine Kontrolle war vorbei. Zum Schluss noch die Frage:? Mein Freund Rainer-Maria ist es nicht besser einen Thread Literatur auszumachen? Gruß Dein Freund Peter

zuletzt bearbeitet 05.05.2009 12:14 | nach oben springen

#48

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 05.05.2009 17:03
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo turtle,

interessanter Beitrag aus der Praxis. Nun muß uns nur noch Rainer Maria beantworten, warum er heute bemängelt, das es so viele Bücher aus dem "Ostblock" nicht mehr gibt. Wo sind die denn hin? Honeckers Leben bekomme ich z.B. sofort. Fakt ist: Die sind nicht verbrannt worden! Viel schlimmer ist doch aber die Tatsache, das man als DDR-Bürger scheinbar so unmündig war, das einem ein großer Teil der Weltliteratur vorenthalten werden mußte. Eine Bekannte aus dem bösen Westen schickte mir, ohne das ich es vorab wußte, 1979 mal eine Bravo. D.h. sie hat es versucht. Ich bekam nur ein leeres Paket mit einem Zettel- 1 Zeitschrift konfisziert. Leider hat das nicht dazu geführt, das ich als Jugendlicher meinen Klassenstandpunkt festigen konnte.
Ich frage mich nur, was der DDR-Zoll damit gemacht hat....ach, die hatten sicher auch Kinder.
Rainer-Maria, irgendwann wird auch deine Enkeltochter die Bravo lesen wollen, und irgendwann hat sie auch wieder genug davon. Aber in einem bin ich mir sicher, schaden wird es ihr nicht!

Gruß Augenzeuge


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#49

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 05.05.2009 17:13
von nightforce (gelöscht)
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Hallo Augenzeuge,
ja, das verstehe ich, man hätte als Ersatz für die Bravo ein DDR-Magazin reinlegen sollen.
Gruß nf

zuletzt bearbeitet 05.05.2009 17:15 | nach oben springen

#50

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 05.05.2009 17:27
von Augenzeuge (gelöscht)
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Ja nightforce, das war auch sehr selten.


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#51

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 05.05.2009 18:09
von Rainman2 | 5.763 Beiträge
In Antwort auf:
Nun muß uns nur noch Rainer Maria beantworten, warum er heute bemängelt, das es so viele Bücher aus dem "Ostblock" nicht mehr gibt.


Hallo Augenzeuge,

weil die Rechte der deutschsprachigen Ausgaben dieser Literatur in der Regel DDR-Verlage hatten, die nach der Wende von der Treuhand in einem einzigen, riesigen und weder wirtschaftlich noch kulturell zu rechtfertigenden Akt für'n Appel und 'n Ei an renomierte Westverlage verscherbelt wurden, die Geschäfte machen wollen und nur in den seltensten Fällen wirklich kulturelle Leistungen bewahren, es sei denn, sie lassen sich gut verkaufen. Ich verweise dazu auf das neue Buch von Christoph Links "Das Schicksal der DDR-Verlage". Beispiel: In Leipzig ist die Anzahl der Beschäftigten in der Buchindustrie seit 1990 bis Anfang 2009 auf ein Zehntel gesunken, während sich im gleichen Zeitraum die Verkaufsfläche für Bücher verzehnfacht hat. Eine interessante Lektüre!

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 05.05.2009 18:10 | nach oben springen

#52

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 05.05.2009 19:03
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo Rainman,
danke für die Information, und auch für den Buchtip. Mir war das bisher nicht so klar, wie das mit den Rechten und Verlagen war.
Leider ist auch das, wie so vieles andere auch in der Hektik der Wiedervereinigung schlecht gelaufen. Vielleicht erscheint ja das eine oder andere Buch bei großer Nachfrage doch noch. Nämlich dann, wenn wieder Gewinne zu erzielen sind.

Gruß, Augenzeuge


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#53

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 07.05.2009 13:40
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo alle zusammen,
mir fehlt leider momentan die Zeit auf eure Texte einzugehen, später dann dazu (eventuell am Wochenende), hier wieder erstmal der
3. Teil der Geschichte „ Los, Mensch, beiß den Hund!“

Nach 1945 fürchtete Herold, Rost und Konsorten könnten ihm den Schwarzen Peter zuschieben, falls er die Zustände in Kamienna Gora vor einem Gericht darlegte. Diese Bedenken entfielen für ihn, als er sicher sein konnte, dass ihm eine Zeugin zur Seite stehen würde. Er begab sich zum „ Zentralkomitee der befreiten Juden der US- Zone“ in München und erstattete Anzeige gegen die Kamiennaleute.
Herold hatte während seiner Vorsprache keinen günstigen Eindruck vom Komitee gewonnen. Es erstickte in einem Berg von Anzeigen und erhielt von amtlicher Seite kaum Unterstützung. Eigentlich war man schon zufrieden, wenn die amerikanische Besatzungsmacht die Arbeit nicht sabotierte. Und dann wusste niemand etwas mit dem Namen Kamienna Gora anzufangen. Herolds Aussage lag tagelang im Büro herum, bis sich ein Sachbearbeiter des Protokolls annahm, um es in der Mappe mir unerledigten Fällen abzuheften. Dabei stieß er zufällig auf eine Kleine Aktennotiz: Es gab bereits den „ Fall Kamienna“, nur hatte niemand mehr daran gedacht.
Im Februar 1947 war im bayrischen Feldafing eine früh gealterte Frau zur Arbeit geeilt, müde und hungrig. Etwas wie Neid kam in ihr auf, als sie vor sich ein Auto erblickte, an das sich gelangweilt ein gut gekleideter und verhältnismäßig wohlgenährter Herr lehnte, offenbar ein Fahrer, der auf seinen Chef wartete. Als die Frau das Auto erreicht hatte, stockte ihr der Atem. Sie bekam einen Weinkrampf. Vor ihr stand Erich Espenhayn, einst Schichtführer in Kamienna Gora, ein Mann, dem nachgesagt wurde, er erfülle die Norm seiner Schicht mit dem Ochsenziemer. Die Frau aber gehörte zu den wenigen Häftlingen, die der Hölle von Kamienna Gora lebend entronnen waren. Hilfsbereite Passanten suchten die weinende Frau zu beruhigen, zogen dabei unbewusst einen Ring um Espenhayn, so daß es kein Entrinnen für ihn gab. Inzwischen trat der Besitzer des Autos hinzu, erkundigte sich nach dem Vorgefallenen und erfuhr so, wer sein Fahrer war. Der Mann, ein kleiner Unternehmer, der sich dienstlich in München aufgehalten und nur einen Abstecher nach Feldafing unternommen hatte, war dem Zusammenbruch nahe.
Er war selber Jude, hatte fast alle Verwandten durch die Nazibarbarei verloren und musste nun feststellen, dass er einen Fahrer beschäftigte, der sich an der Judenausrottung beteiligt hatte .Espenhayn wurde der Polizei übergeben und landete in der Haftanstalt München. Jeder war davon überzeugt, das nun die Gerechtigkeit ihren Lauf nehmen würde. Die amerikanischen Besatzungsbehörden setzten Espenhayn auf freien Fuß. Er verschwand. In München blieb nur ein Aktenvermerk zurück: Die Jüdin hatte sich, ungeduldig geworden, mit dem „ Zentralkomitee der befreiten Juden“ in Verbindung gesetzt. Doch was sollte das Komitee unternehmen? Den Wohnsitz des Unternehmers und seines Fahrers kannten nur die Münchner Polizei und die US- Behörden. Beide aber verweigerten jegliche Auskunft über den Verbleib Espenhayns.
Durch Herolds Aussage kam das Komitee endlich auf die richtige Spur: Sie führte nach Leipzig. Das Komitee umging den Behördenweg und setzte sich mit der jüdischen Gemeinde in Leipzig in Verbindung, und diese verständigte die Volkspolizei. In mühevoller und langwieriger Kleinarbeit ermittelten die Leipziger Kriminalisten die Anschriften ehemaliger Häftlinge von Kamienna Gora, und der Kreis um die Henker schloß sich.
Der Anklage standen viele Zeugen zur Verfügung. Die Leute um Dr. Rost hatten sich gründlich getäuscht. Auch die Verteidigung bot Zeugen auf. Insgesamt traten 73 Personen in den Zeugenstand, von denen allerdings zwei wegen Mitbeteiligung an Verbrechen im Gerichtssaal verhaftet und auf die Anklagebank gesetzt wurden. So blieben 71 Zeugen, von denen 47 in Kamienna Gora gewesen waren. Die ehemaligen Häftlinge kamen fast alle aus der westlichen Besatzungszone. Mit gültigen Papieren! Die Freilassung Espenhayns hatte 1947 in Bayern derart viel Staub aufgewirbelt, dass die US- Behörde es für ratsam hielten, die Zeugen nach Leipzig fahren zu lassen, um einen neuen Skandal zu vermeiden.
Als erster trat der ehemalige Häftling Friedmann Saul aus Mindelheim in den Zeugenstand. Er belastete vor allem den Angeklagten Rost. Zu Sauls Aufgaben hatte es gehört, die Leichen zu beerdigen. Als er eines Tages zum Bestattungsplatz kam, schickte ihn der Posten zur Seite, da gerade eine Massenerschießung im Gange war. Auf Lastkraftwagen wurden etwa 40 Juden gebracht. Friedmann Saul sagte dazu vor Gericht aus: „ Mann hatte befohlen, sie sollten sich hinlegen. Auf einmal kam Doktor Rost an….Doktor Rost sagte: Bitte aufstehen. Wir wollen nachsehen, wer gesund ist. Bitte ausziehen!“ Ein paar Leute haben geweint. Sie wurden mit der Schusswaffe bedroht. Sie haben sich dann ausgezogen….wurden mit MG in den Graben gejagt…auf einen Haufen geschossen. Dann war nichts mehr zu hören.
Zeuge um Zeuge wurden angehört. Für alle war das Wiedersehen mit ihren ehemaligen Peinigern schrecklich, und nicht jeder hatte sich in der Gewalt. Der vierunddreißigjährige Chaim Laas aus Dachau ohrfeigte den Angeklagten Rost, bevor die überraschten Polizisten eingreifen konnten. Das Gericht schloß sich dem Antrag der Verteidigung auf Ausschluß des Zeugen nicht an, da die Umstände in Rechnung gestellt werden mussten. So hatte Laas zusehen müssen, wie sein Bruder von Dr.Rost erschossen wurde. Amtsgerichtsrat Hölzer forderte Laas auf, sich zu beherrschen, und ließ ihn in den Zeugenstand treten. Laas schilderte, wie seine Abteilung nach Stunden angestrengter Tätigkeit aus der Arbeit herausgerissen wurde und zu einer Selektion antreten musste.
„Wir hatten uns in einer Reihe aufgestellt. Doktor Rost hat nun jeden einzelnen an sich vorbeigehen lassen und hat gesehen, wie er ausschaut. Wenn er ganz erschöpft war, ging er zum Werkschutz, wenn er kräftig war, konnte er zur Arbeit zurückkehren. Die Ausgemusterten sind gleich auf den Schießplatz geführt worden. Ich weiß davon, weil morgens gleich Leute zum Begraben genommen worden sind“
Der Zeuge Roman Czerny, Medizinstudent aus Westdeutschland, führte aus:“ Ich war an Typhus erkrankt. Man hat im Lager davon gesprochen, das Selektionen stattfinden. Da bin ich trotzdem raus zur Arbeit. Ich konnte nur ganz langsam gehen….Ich hatte mich an dem Wagen gestoßen und lehnte mich etwas an. Da hat Rost den Hund losgelassen, und der Hund hat mich gebissen. Er sagte zu dem Hund:, Los , Mensch, beiß den Hund!“

Gruß Rainer- Maria


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#54

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 08.05.2009 09:22
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo alle zusammen,
Hier der
4. und zugleich letzte Teil der Geschichte „ Los, Mensch, beiß den Hund!“
Rost war in Kamienna Gora der am meisten gefürchtete Mann. Die anderen Angeklagten standen ihm jedoch wenig nach. Jeder suchte den anderen beim Quälen der wehrlosen Gefangenen noch zu übertrumpfen. Einer der übelsten Schinder war Willi Seidel, ein ehemaliger Fremdenlegionär, der nach 1933 spornstreichs nach Deutschland geeilt war, weil er hier für Leute seinesgleichen den Weizen blühen sah. Seidel lief im Lager nie ohne Peitsche herum, und diese Peitsche war mit Bleikugeln versehen.
Gnadenlos drosch er mit diesem Mordinstrument auf die Häftlinge ein, wobei er gewöhnlich zu sagen pflegte: „Ihr werdet ein schönes Stück Seife.“ Nach einem so genannten Kameradschaftsabend ließ sich Seidel zehn weibliche Gefangene auf sein Zimmer kommen. Nur sieben von ihnen kehrten in die Unterkunft zurück. Drei Frauen hatte Seidel vergewaltigt und anschließend erschossen. Von einer anderen Begebenheit berichtete der Zeuge Miller aus Landsberg: „ Eines Tages, als wir von der Schicht kamen, begegnete uns Seidel in der Uniform mit Hakenkreuzbinde. In unserer Mitte befand sich eine hochschwangere Frau. Seidel lies uns alle halten, befahl der Frau, sich auszuziehen. Seidel hat dann die nackte Frau auf den vorderen Teil des Körpers so jämmerlich geschlagen, bis sie zusammenbrach. Dann wurde von Seidel angewiesen, dass die Frau auf einen schwarzen Wagen geladen werden musste, zu welchem Zweck, konnte uns allen nicht verborgen bleiben.“
Die einzige Frau unter den Angeklagten, Marianne Tietge, hatte mit den männlichen Schindern in jeder Beziehung Schritt gehalten. Die Zeugin Hubert aus München sagte: „ Bei der Tietge waren etwa 20 bis 30 Mädchen beschäftigt, die sie zum Teil selbst schlug, zum Teil auf die Wache schickte. Ich habe mit einem Mädchen namens Idka gearbeitet. Die Tietge schickte sie auf die Wache, wo sie fünfundzwanzig Schläge auf das nackte Gesäß bekam. Die Idka hat mir nachher das Gesäß gezeigt. Es sah schwarz aus…
Die Tietge hat verschiedenen Häftlingen Patronenkisten an den Kopf geworfen. Eine Frau…. ist daran gestorben.“ Auch an der Misshandlung männlicher Gefangener beteiligte sich die Angeklagte. Ihre“ Spezialität“ bestand darin, die armen Opfer mit der Stiefelspitze so lange in die Genitalien zu treten, bis sie bewusstlos zusammenbrachen.
Die Vernehmung der Zeugen und Angeklagten nahm fünfzehn Verhandlungstage in Anspruch, und eine Kette unmenschlicher Verbrechen wurde dabei sichtbar. Offensichtlich aber kam nur der kleinere Teil dessen zur Sprache, was sich tatsächlich in Kamienna Gora abgespielt hatte. Die Angeklagten reagierten unterschiedlich auf die Zeugenaussagen. Seidel gab mit dem Zynismus des Verbrechers zu, Häftlinge derart durchgepeitscht zu haben, bis sie „zum Verschleiß“ gerechnet werden konnten. Die meisten Angeklagten wollten an keiner Misshandlung von Häftlingen beteiligt gewesen sein, nichts von Erschießungen bemerkt haben .Der ehemalige Unteroffizier der Wehrmacht , der Zeuge Wolf aus Wasewitz bei Wurzen, hatte während eines dreitägigen Aufenthalts in Kamienna Gora mehr gesehen, als die jahrelang dort tätigen Angeklagten bemerkt haben wollten. Er war 1944 als Transportführer eingesetzt, und da sich die Zusammenstellung des Munitionszuges verzögerte, hielt er sich vorübergehend im Lager auf, wo er Zeuge einer Massenerschießung wurde.
Er führte aus: „ Der Leiter der Aktion, ein dunkelhaariger Mann mit Brille und hagerem Gesicht ( Rost , W.F.) rauchte eine Zigarette und sagte: „ Dann hereinspaziert, meine Herrschaften, es tut nicht weh“….Sie ( die Häftlinge, W. F. ) mussten dutzendweise einsteigen in die Grube und sich auf die vorher erschossene Reihe legen. Dann trat der Schießer mit seinen Gehilfen hinter die Reihe, und die gaben mit einer Pistole die Genickschüsse ab. Wenn einer zuckte, wurde nochmals hingehalten. Dann kam die nächste Reihe dran, die sich auf die vorher Erschossenen legen musste.“
Die Urteilsverkündung im Kamienna- Prozeß erfolgte am 22. Dezember 1948 in der Leipziger Kongresshalle. An der Stirnwand des damals größten Saales der Messestadt stand in großen Lettern: „ Jedes Unrecht fordert seine Sühne!“
Das Gericht verurteilte die Angeklagten Rost, Seidel, Wagner und Neumerkel zum Tode, die Angeklagten Krebs und Tietge zu lebenslänglich Zuchthaus und weitere siebzehn Angeklagte zu Strafen zwischen einem Jahr Gefängnis und fünfzehn Jahren Zuchthaus. Der angeklagte Krüger wurde freigesprochen.
In der Urteilsbegründung hieß es dazu: „ Die drei grundsätzlichen Fragen, ob die Angehörigen der Hasag- Werke gewusst haben, dass die Arbeitsunfähigen oder in der Arbeitsfähigkeit beschränkten Häftlinge der Vernichtung zugeführt wurden, zweitens, ob die angestellten Arbeiter der Hasag einen Teil der Besatzungsmacht in Polen darstellten und ob sie den völkerrechtlichen Gebräuchen und festgelegten Bestimmungen unterstanden und drittens, ob die demokratische Regierung zu einer grundsätzlichen Bejahung oder Verneinung der Todesstrafe kommen musste, wurden vom Gericht bejaht. Es wurde anerkannt, das die Arbeiter der Hasag uniformiert und bewaffnet waren und damit einen Teil der Besatzungsmacht darstellten.“
Wenige Prozesse haben die Leipziger mit größerer Aufmerksamkeit verfolgt als den Kamienna – Prozeß. Für viele trat die faschistische Rassenpolitik zum ersten mal aus der Anonymität heraus, vor allem für die Jugendlichen. Die Mörder hatten ein Gesicht. Nicht irgendwer hatte sich an Menschen vergangen, deren einziges Verbrechen darin bestand, Jude zu sein, sondern der Arbeitskollege, der Wohnungsnachbar, der Mitbürger. Tief beschämt standen die aufrechten Menschen vor ihren jüdischen Mitbürgern angesichts der Tatsache, dass Deutsche sich an ihnen so unmenschlich vergangen hatten. Für viele hat der Prozeß auch die Hintergründe der Verbrechen deutlich gemacht und das Vertrauen in die neue Ordnung gefestigt. Nicht umsonst ist aus der Rede des Generalstaatsanwaltes Dr. Helm wiederholt der gewichtige Satz zitiert worden:
„ Wir müssen…. heute gegenüber den kapitalistischen Handlungen hart sein, um nicht neues Unglück heraufzubeschwören.“

Gruß Rainer- Maria


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#55

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 08.05.2009 19:54
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Peter, Augenzeuge und die Anderen, ich musste so schmunzeln, wie Peter schrieb:“ das für fast alle Druckerzeugnisse in die DDR Einfuhrverbot bestand.“ Und dann noch Augenzeuge mit dem „ unmündigen DDR Bürger“ einen hinterher schob! Im Leseland DDR? Rainman halte mich fest, Bruder im Geist, wenn ich die ganzen Autoren und Schriftsteller der Weltliteratur hier einstelle, deren Bücher in Lizenzausgabe bei uns über den Ladentisch gingen, hätte ich eine volle Woche zu tun. Die Lizenzen, die wie du schon richtig geschrieben hast, als erste nach 1990 wegrationalisiert wurden.. Alleine die Jugendliteratur, eine Abendteuerfundgrube, ich glaube, ich bringe die Liste mal zum Treffen in E. mit. Logisch, das von der Bravo, Spiegel, stern, Western/ Landser- Heften, Pornos, das neue Wochenend, SUPER SEXY und Tausend anderen Zeitschriften, unser Erich und seine Freunde nannten sie die“ Schund und Schmutzliteratur“ so gut wie nichts, aber auch wirklich so gut wie nichts den Osten erreichte. Augenzeuge hatte schon Recht, die Zöllner waren auch bloß Menschen mit Schwächen, Versuchungen, so wie Erich Honecker, der die erste Frau sausen ließ und anschließend seine Margot nahm. Und so eine Entscheidung trifft man nicht, wenn der neue Partner nicht eine enorme Anziehungskraft besitzt .So wie die Hefte auf die Zöllner. Sein Buch, Peter habe ich aber trotzdem nicht gelesen, hole ich vielleicht einmal nach wenn mich der „ Moralische“ packt. Einiges von diesen Heften wäre bestimmt ganz interessant gewesen, gerade für die Jugend, ich liebte die Western und besaß auch einige, aber“ Vieles“ und ich sehe die Entwicklung heute so wie tausende andere Väter mit offenen Augen, da wäre es schon besser, ein Jugendlicher bekommt es gar nicht erst in die Hand! Die Pornos meinte ich natürlich nicht damit, ich zum Beispiel habe mir da als junger Kerl allerhand abgeschaut und ausprobiert, schon aus dem großen Stapel den mein Vater und der Onkel „versteckt“ hatten und gut das die Freundinnen und meine spätere Frau wunderbar durchtrainiert waren. Denn da gab es noch an den DDR- Berufsschulen das „ Pflichtfach Sport“ Heute, ein Trauerspiel, die Jungs schon mit 20 Jahren einen Bierbauch wie einer mit 40, kein Wunder wenn beim Deutschen die Chromosomen versauern, die Mädels ein Arsch …..Wie hieß das bei uns in Leipzig, Peter mein Freund ? Ein Arsch wie ein Riebeck- Pferd. Oh, nicht alle, Ihr Schönen, den was wären wir, das schwache Geschlecht ohne Euch. Meine Frau sagt manchmal zu mir:“ Zeige mir einen“ Gepflegten älteren Mann,“ nicht so einen jungen unreifen “ Hugo Boss -Schönling „der schon drei Meter gegen den Wind duftet, einen Älteren! Ich schau mich dann immer im Supermarkt um….. und sehe keinen, nur hübsche Verkäuferinnen. Die Serie Dallas Peter, da brauchte man doch kein Buch mehr, wenn wir so schon jede Woche an der Glotze hingen, da hätte ich doch schon mitspielen können!
Aber Spaß beiseite, Angelo wird schon zürnen und sagen: In diesem sensiblen Thema? Recht hätte er. Jetzt fällt mir doch noch ein Taschenbuch ein was ich damals nur über meine Cousins aus dem Ruhrgebiet bekommen habe:“ Der Schakal „von Frederic Forsyth. Es gab also schon einige Thriller und mehr, die auf der Verbotsliste standen, aber schöngeistige Literatur, die Sachen für den Geist ,dieses bezweifle ich hiermit.
Weil Peter am Ende fragte: Einen neuen Thread Literatur aufmachen? Und ob das nicht besser wäre muss ich sagen: Es existiert ja schon der für die Zeit zwischen 1949- 89 in Ost und West hier im Forum / Zeitgeschichtliche Literatur/ aber weiter bin ich der Meinung das bestimmte Geschichten wunderbar zu bestimmten Themen hier passen und da habe ich schon die Nächste für die -Weiterführung Diskussion BRD- DDR-. Weil ich einmal darin geschrieben habe:“ Wenn schon eine Aufarbeitung der deutschen Geschichte nach 1949 dann Ost / West in einen Topf, ordentlich umgerührt, den Finger West umgedreht und auf die eigene Nase gezeigt, „und dann wollen wir doch einmal sehen, was dabei heraus kommt“. Das ist Fairneß, alles Andere Humbug. Denn sonst steht die“ Mauer in den Köpfen“ noch hundert Jahre! Sie, diese autobiographische Geschichte ist ein wunderschönes Spiegelbild der westdeutschen Provinz nicht nur von 1949 - 1968, nein auch bis weit in die 80er Jahre.

Gruß Rainer- Maria


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#56

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 09.05.2009 01:01
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Hallo Rainer-Maria,

natürlich gab es Einfuhverbote, Zensur und Veröffentlichungsverbote. Aber ich stimme Dir sofort zu, dass wir auch in der DDR einen sehr breiten Zugang zur Weltliteratur hatten. Wenn ich mir allein das Wirken des Insel-Verlages Leipzig anschaue ... dort wurde das alte Programm des Insel-Begründers Kippenberg umgesetzt: Die Landschaft der Insel-Bücherei ist die Weltliteratur. In meiner Familie gibt es eine Sammlung von ca. 3000 dieser Bändchen - ein Vergleich der Auseinanderentwicklung der Inselverlage in Ost und West lohnt sich da und zeigt eine sehr deutliche Tendenz. Während im Osten preiswerte (nicht billige) Bändchen mit einem weltliterarischen Ansatz veröffentlicht wurden, kam der Westverlag mit immer teuerer werdenden Sachen, deren Inhalt sich immer mehr dem Massengeschmack anpasste. Das ist Ostalgie? Nein, ein simpler Vergleich der Verlagsprogramme. Anfang 2009 wurde Insel Leipzig endgültig dicht gemacht. Aber in Richtung Osten schimpft es sich immer gut, weil die Restriktionen vom Staat kamen. Welche sowjetische Literatur oder welcher sowjetische Film hat es denn in die westliche Medienlandschaft geschafft? Die Zensur war hier keine staatliche, aber auch hier spielten politische Gründe mit hinein. Und wer das Geld hat, hat die Macht und wer die Macht hat ...

Sorry, musste ich an der Stelle mal loswerden.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#57

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 09.05.2009 05:13
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Rainman2

Welche sowjetische Literatur oder welcher sowjetische Film hat es denn in die westliche Medienlandschaft geschafft?


Der Archipel Gulag von Alexander Solschenizyn, oder Krieg und Frieden von Bondartschuk waeren da mal was mir gerade einfaellt. Es gibt allerdings noch 'nen Haufen mehr.

Zitat von Rainman2

Die Zensur war hier keine staatliche, aber auch hier spielten politische Gründe mit hinein. Und wer das Geld hat, hat die Macht und wer die Macht hat ...

Das Problem ist hier halt das Zensur einfach nur vom Staat ausgehen kann, deshalb kann man "Ich bin zensiert worden" auch nur da sagen wo der Staat eine Veroeffentlichung unterbunden hat. Man kann einen Verleger nicht dazu zwingen ein Buch zu verlegen, wenn der das nicht will. Genauso kann Angelo in diesem unserem Forum zusammenstreichen was er will (oder eben auch die Deppen bei WKW in deren Forum), es ist dadurch keine Zensur. Wenn die Angie das tun wuerde, waers was anderes. Vielleicht haetts es sogar einige im Westen gegeben, die Honeckers' "Aus meinem Leben" nicht gern in den Buecherlaeden gesehen haetten. Nachdem der Honi allerdings recht gut Spez'l mit Maxwell war, hat es auch das Buch im Westen gegeben (war aber nicht der Brueller). Wie man hier sehen kann gibts das immer noch zum kaufen - ist nich mal billig, ich haette dann doch in den 80ern zuschlagen sollen.

Das mal im Gegensatz zu den Kalendern, Buechern, Zeitungen, Flugblaettern und so weiter, die man in der DDR nicht herstellen durfte, nicht mitnehmen durfte und nicht besitzen durfte, obwohl man die Mittel und Wege dazu besass.
-Th


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#58

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 09.05.2009 10:46
von turtle | 6.961 Beiträge
In der DDR wurde viel gelesen das ist richtig. Doch Bücher mit kritischen Inhalt gegenüber den Ansichten der Staatsführung gab es eben nicht zu kaufen. (Wolfgang Leonhard) z.B. Solschenizyn August Vierzehn ,oder Archipel Gulag hatte ich in Leipzig auch nicht im Bücherladen gefunden. Weltliteratur wie Rainer-Maria schreibt gab es in der DDR zu kaufen das ist klar. Aber eben nicht alles!! In die BRD konnte ich Literatur mitbringen was ich wollte, das hat niemanden interessiert . Die aufgezählte „Schundliteratur“ wie Jerry Cotton, Tarzan, Billy Jenkins, Der Landser, usw. war natürlich kein Verlust für die Bildung!
Trotzdem habe ich diese Literatur immer mit Kumpels getauscht, Ich glaube daran war mit Schuld das es eben in der DDR diese Literatur nicht zu kaufen gab oder verboten war!
Genügend sinnvolle Literatur war vorhanden! In Leipzig wurden auch Bücher gedruckt welche nicht in der DDR zu kaufen waren. Doch wer an der Quelle saß kam da auch ran!
Übrigens war die Einfuhr von Tonträgern in die DDR auch verboten, da konnte ja der Inhalt nicht der Richtige sein. Ich besitze Literatur von fast allen russischen Klassikern, die gehören unbedingt in die Bücherregale. Leider waren in der BRD nicht so viel Russische oder sowjetische Schriftsteller bekannt. Kaufen oder bestellen konnte man aber alles, wenn man wollte auch „Neuland unterm Pflug““ Wie der Stahl gehärtet wurde, usw. Doch wer kannte die schon in der BRD. Dabei hat mir „ Ein Menschenschicksal“ von Scholochow gefallen!
Hallo CaptnDelta wenn Du mir per Pers. Nachricht Deine Adr. Schreibst schicke ich Dir gern „ Aus meinem Leben“ und das Gratis! Zur Weltliteratur zählt es aber nicht!
Gruß Peter(Turtle)

zuletzt bearbeitet 09.05.2009 10:48 | nach oben springen

#59

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 09.05.2009 11:26
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von turtle
Doch Bücher mit kritischen Inhalt gegenüber den Ansichten der Staatsführung gab es eben nicht zu kaufen. (Wolfgang Leonhard) z.B. Solschenizyn August Vierzehn ,oder Archipel Gulag hatte ich in Leipzig auch nicht im Bücherladen gefunden.


Genau das wollte ich mit nicht erwerbbarer Welt-Literatur sagen. Danke turtle.

Über die Einfuhrverbote in die DDR könnte man auch ein Buch schreiben. Praktisch lief es so, das fast alles, was die Zöllner an Büchern nicht kannten, konfisziert wurde. Und die kannten viel nicht... Bei Tonträgern natürlich dto. Manchmal änderte sich die Einfuhrbestimmung, wenn ein Künstler in der DDR aufgetreten war. Trotzdem wurde z.B. Udo Lindenberg nicht erlaubt. Da half auch die Lederjacke für Honi nicht. Ich kann mich an eine Klassenfahrt in den 70er erinnern, wir hatten ein Radio dabei und plötzlich lief "Mädchen aus Ostberlin". Die Lehrerin ist fast in die Luft gegangen....So wurden wir eben erzogen.

@Captndelta: Toller Preis für Honi's in USA. 89,- Dollar. Nachfrage bestimmt doch den Preis- dann lesen das dort aber viele, haha.
Hier bekommst du das gebraucht für 1,99 EUR.
http://www.amazon.de/s/ref=nb_ss_w?__mk_...onecker&x=0&y=0

Gruß, Augenzeuge


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#60

RE: Buchenwald nach 1945

in Leben in der DDR 09.05.2009 11:32
von CaptnDelta (gelöscht)
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Hi Turtle,
danke fuer das Angebot, ich hab' das Buch schon, liegt warscheinlich bei meiner Mutter irgendwo auf dem Speicher. Ist schon klar das das Buch keinen umreisst. Der Kommentar war nur auf den momentanen Preis bei Amazon bezogen (klick mal auf den Link, und kuck mal auf den Preis, dann ueberlegst Du's Dir ob Du mir das Buch umsonst schickst ).

Irgendwie isses halt ironisch das der Kapitalismus es zulaesst das der 'Honi' neunzig Dollar oder so kostet, und das gleichzeitig Rainer-Maria's Geschichte vom Dampflokfuehrer so streng unter Zensur steht das man das Buch wirklich nirgends findet ausser hier. Zum Glueck haben wir diese geheime Kampfzelle und koennen hier subversiv solche Geschichten veroeffentlichen.

-Th



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