#21

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 10:46
von CaptnDelta • ( Gast )
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Zitat von Feliks D.
..

Nochmal, ohne genannte Aufhaenger und Nebenschauplaetze. Vielleicht schaffst Du's sogar mal, auf das eigentliche einzugehen:

Zitat von Feliks D.
Wenn ich damals dem Staat sagte ich will bald gehen, dann hatte ich berufliche Nachteile.
Wen ich heute dem Chef sage ich will bald gehen, dann habe habe ich auch berufliche Nachteile.


Naja, im Gegensatz zu Dir kann ich da eben aus erster Hand berichten. Von daher redest Du eher wie Blinder ueber Farbe, etc...
Solltest mal die Erfahrung aus erster Hand gemacht haben, bevor Du dich hier zum 'Experten' aufschwingst

Die beruflichen Nachteile zwischen meinem Wechsel nach New York und dem Wechsel nach Untertuerkheim waren ungefaehr die gleichen - naemlich keine. Da reichte 1 Monat Kuendigungsfrist, und nach einem Monat war's vorbei.

Aus der DDR rauszukommen waren fuer uns 4 Jahre - ohne das wir jemals wussten oder bestimmen konnten wann diese Frist vorbei war, oder was als naechstes passiert.

Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.

-Th

PS: Uebrigens, wenn man schon Nachteile auf den "Haupt-Abtruennigen" loslassen muss, warum dann auf die 15 Jaehrige Tochter? Falls Du uns morgen mitteilst das Du Ende 2014 nach Nord Korea ziehst, und Dein Sohn wuerde dann deswegen von der Uni geschmissen oder koennte kein Abitur machen: Ich glaub wir wuerden das von Dir recht schnell erfahren...

... uebrigens, wir verpfeiffen Dich nicht. Plan mal in Ruhe deinen Umzug nach Nord-Korea, vielleicht kriegste das ja in den naechsten 2 Jahren hin, oder?


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#22

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 11:10
von Feliks D. | 8.887 Beiträge | 44576 Punkte

Zitat von CaptnDelta
Uebrigens, wenn man schon Nachteile auf den "Haupt-Abtruennigen" loslassen muss, warum dann auf die 15 Jaehrige Tochter? Falls Du uns morgen mitteilst das Du Ende 2014 nach Nord Korea ziehst, und Dein Sohn wuerde dann deswegen von der Uni geschmissen oder koennte kein Abitur machen: Ich glaub wir wuerden das von Dir recht schnell erfahren...

... uebrigens, wir verpfeiffen Dich nicht. Plan mal in Ruhe deinen Umzug nach Nord-Korea, vielleicht kriegste das ja in den naechsten 2 Jahren hin, oder?




Nein er würde sicher nicht die Uni verlassen müssen. Wenn jedoch mein AG dies erfahren würde, dann wären von Beförderungen und Gehaltserhöhungen die nächsten 2 Jahre nur Kollegen betroffen die in der Firma bleiben würden. Bei mir würde man dies dann als unnütze Investition sehen, genau wie die DDR damals bei Ausreisewilligen.

Warum sollte ich nach Korea? Ich hab es an anderer Stelle schon einmal geschrieben mein Koreanisch ist so schlecht und Kuba mir auf Dauer einfach zu warm. Außerdem will ich die Veränderung hier und nicht in anderen Ländern.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#23

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 11:30
von kein Name angegeben • ( Gast )
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Zitat von altgrenzer
O... geheizt wurde mit Möbelstücken, sofern die nicht verkauft wurden. Von den nervlichen Belastungen will ich gar nicht erst reden, d



Nun, zwei Jahre Heizen mit Teilen der Möbel stelle ich mir schwer vor, wenn ich nicht Besitzer eines Möbelhauses bin. Wenn ich alles Brennbare in meiner Wohnung zusammensuche, kann ich vieleicht 3 Tage heizen damit.


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#24

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 11:30
von Ernest | 200 Beiträge | 57 Punkte

Zitat von Feliks D.
LOL, Delta'sche Klugscheißerei

Wenn ich damals dem Staat sagte ich will bald gehen, dann hatte ich berufliche Nachteile.
Wen ich heute dem Chef sage ich will bald gehen, dann habe habe ich auch berufliche Nachteile.

Was dies mit "Ausreise aus der DDR" zu tun hat, sollte sich auch dir erschließen.
antwortet
-Feliks




Hallo Feliks

Im Ansatz magst du ja Recht haben, nur scheinbar kennst du keine persönlichen Schicksale von Leuten, die einen Ausreiseantrag gestellt haben.
Ich habe es im familiären Bereich miterlebt, als die Schwester meiner Frau mit der ganzen Familie ausreisen wollte.
Wenn du unter "beruflichen Nachteilen" verstehst, das zwei Existenzen systematisch kaputt gespielt werden, das am Ende nicht mal mehr klar ist, woher das Geld kommen soll, um sich und zwei Kinder zu ernähren.....wenn der eigentliche Antragsteller mit dem Gedanken spielt, den Strick zu nehmen, weil er merkt, er hat das Leben seiner ganzen Familie versaut und sie ohne ihm vielleicht noch eine Chance hätten, zu einem halbwegs normalen Leben zurückzukommen........ja, wenn du das lapidar als "berufliche Nachteile" bezeichnest, dann kann ich wahrlich kein Applaus geben.

Stück für Stück, Steinchen für Steinchen hat man ihr Leben demontiert, bis am Ende wirklich nicht mehr klar war, wie es weitergehen soll. Man hat sie existenziell kaputt gespielt, demoralisiert und nervlich an den "Rand des Wahnsinns" getrieben, weil sie nicht mehr wußten, wie sie weiterhin mit den Kindern klar kommen sollen, wie überhaupt ihr Leben weitergehen soll.
Mein Schwager wurde von Zweifeln und Selbstvorwürfen getrieben, weil er sah, in welche Krise er seine Familie mit dieser Antragstellung getrieben hat.
Selbst in dieser Zeit war immer noch nicht klar, ob überhaupt irgendwann eine Ausreise möglich ist.
Wie er sagte, hatte er bis zuletzt starke Zweifel, ob man alles genehmigt. Man zeigte ihm nur die "kalte Schulter", kanzelte ihn ab und machte ihm deutlich, das er im Grunde ein "Nichts" ist, der seine Chancen verspielt hat. Das seine Familie so nicht existieren kann, wurde weggewischt mit sinngemäßen Bemerkungen, wie : ""Das haben sie sich selbst zuzuschreiben"""

Wenn man sah, was ein Staat mit seinen Leuten anstellt, nur weil sie der Meinung sind, sie möchten bei dem Rest ihrer Familie (West) leben, dann bekam man doch das Grausen. Ihr ganzes bisheriges Leben haben sie für den Staat gearbeitet, haben ihr bestes gegeben, waren nie auffällig, nie aufmüpfig und dann werden sie mit einem mal behandelt wie Verbrecher, wie Verräter, als wären sie der größte Abschaum, den es in der DDR gab.
Wenn man selbst wohlwollend hinnimmt, das Kinder unter dieser Willkür leiden, dann endet irgendwie mein normales Denken.

Wenn man hier mitunter zu lesen bekam, keiner brauchte sich der Gefahr einer Flucht auszusetzen, man konnte ganz gefahrlos einen Antrag stellen, dann wird es mir bei diesen Erfahrungen ganz ein nur schlecht......

Wäre dem Staat ein Zacken aus der Krone gefallen oder wäre der Staat zu Grunde gegangen, wenn man sie ohne Represslien hätte ausreisen lassen ??
Mußte man immer nach dem Motto handeln : """ Wer nicht für uns (oder in dem Fall, "mit uns")ist, ist gegen uns und den werden wir erst einmal richtig bluten lassen""""" ??
Nein, das war auf keinem Fall nötig gewesen. So human und tolerant muß ein Staat schon sein, um zumindest menschlich mit solchen Fällen umzugehen. Wenn man ihm die Würde nimmt, das ist schon schlimm, nur wenn man ihm förmlich die Möglichkeit nimmt zu leben, dann ist das unmenschlich.

Sozusagen am Abgrund angekommen, kam dann die Meldung, innerhalb von "so und so viel" Stunden haben sie die DDR zu verlassen, im Grunde nur mit dem, was sie tragen konnten.
Nun soll sich keiner hinstellen und sagen.."" Na was willst du denn, sie durften doch ausreisen...ihr Antrag wurde doch genehmigt""""

Drei Kreuze, daß diese Zeit Vergangenheit ist. Nur selbst heute bekommt mein Schwager noch das Zittern, wenn man über diese Zeit spricht. Weil es ihn so aufwühlt, ist es auch irgendwie ein
"Tabu-Thema".

Gruß
Herbert


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#25

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 11:33
von 94 | 8.365 Beiträge | 59368 Punkte

_Feliks D._> Außerdem will ich die Veränderung hier und nicht in anderen Ländern.

Na jetzt aber Felix Edmundowitsch! Wie paßt denn nun diese Aussage zu Ihrer Signatur, hä?

*Hätte die Partei mir den Auftrag gegeben, dann gäbe es die DDR vielleicht noch heute. Darauf können sie sich verlassen. Erich Mielke*


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#26

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 11:37
von CaptnDelta • ( Gast )
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Zitat von Ernest

Hallo Feliks
...
Ich habe es im familiären Bereich miterlebt, als die Schwester meiner Frau mit der ganzen Familie ausreisen wollte.
Wenn du unter "beruflichen Nachteilen" verstehst, das zwei Existenzen systematisch kaputt gespielt werden, das am Ende nicht mal mehr klar ist, woher das Geld kommen soll, um sich und zwei Kinder zu ernähren.....wenn der eigentliche Antragsteller mit dem Gedanken spielt, den Strick zu nehmen, weil er merkt, er hat das Leben seiner ganzen Familie versaut und sie ohne ihm vielleicht noch eine Chance hätten, zu einem halbwegs normalen Leben zurückzukommen........ja, wenn du das lapidar als "berufliche Nachteile" bezeichnest, dann kann ich wahrlich kein Applaus geben.

Stück für Stück, Steinchen für Steinchen hat man ihr Leben demontiert, bis am Ende wirklich nicht mehr klar war, wie es weitergehen soll. Man hat sie existenziell kaputt gespielt, demoralisiert und nervlich an den "Rand des Wahnsinns" getrieben, weil sie nicht mehr wußten, wie sie weiterhin mit den Kindern klar kommen sollen, wie überhaupt ihr Leben weitergehen soll.
Mein Schwager wurde von Zweifeln und Selbstvorwürfen getrieben, weil er sah, in welche Krise er seine Familie mit dieser Antragstellung getrieben hat.
Selbst in dieser Zeit war immer noch nicht klar, ob überhaupt irgendwann eine Ausreise möglich ist.
Wie er sagte, hatte er bis zuletzt starke Zweifel, ob man alles genehmigt. Man zeigte ihm nur die "kalte Schulter", kanzelte ihn ab und machte ihm deutlich, das er im Grunde ein "Nichts" ist, der seine Chancen verspielt hat. Das seine Familie so nicht existieren kann, wurde weggewischt mit sinngemäßen Bemerkungen, wie : ""Das haben sie sich selbst zuzuschreiben"""

Wenn man sah, was ein Staat mit seinen Leuten anstellt, nur weil sie der Meinung sind, sie möchten bei dem Rest ihrer Familie (West) leben, dann bekam man doch das Grausen. Ihr ganzes bisheriges Leben haben sie für den Staat gearbeitet, haben ihr bestes gegeben, waren nie auffällig, nie aufmüpfig und dann werden sie mit einem mal behandelt wie Verbrecher, wie Verräter, als wären sie der größte Abschaum, den es in der DDR gab.
Wenn man selbst wohlwollend hinnimmt, das Kinder unter dieser Willkür leiden, dann endet irgendwie mein normales Denken.

Wenn man hier mitunter zu lesen bekam, keiner brauchte sich der Gefahr einer Flucht auszusetzen, man konnte ganz gefahrlos einen Antrag stellen, dann wird es mir bei diesen Erfahrungen ganz ein nur schlecht......

Wäre dem Staat ein Zacken aus der Krone gefallen oder wäre der Staat zu Grunde gegangen, wenn man sie ohne Represslien hätte ausreisen lassen ??
Mußte man immer nach dem Motto handeln : """ Wer nicht für uns (oder in dem Fall, "mit uns")ist, ist gegen uns und den werden wir erst einmal richtig bluten lassen""""" ??
Nein, das war auf keinem Fall nötig gewesen. So human und tolerant muß ein Staat schon sein, um zumindest menschlich mit solchen Fällen umzugehen. Wenn man ihm die Würde nimmt, das ist schon schlimm, nur wenn man ihm förmlich die Möglichkeit nimmt zu leben, dann ist das unmenschlich.

Sozusagen am Abgrund angekommen, kam dann die Meldung, innerhalb von "so und so viel" Stunden haben sie die DDR zu verlassen, im Grunde nur mit dem, was sie tragen konnten.
Nun soll sich keiner hinstellen und sagen.."" Na was willst du denn, sie durften doch ausreisen...ihr Antrag wurde doch genehmigt""""

Drei Kreuze, daß diese Zeit Vergangenheit ist. Nur selbst heute bekommt mein Schwager noch das Zittern, wenn man über diese Zeit spricht. Weil es ihn so aufwühlt, ist es auch irgendwie ein
"Tabu-Thema".


Hallo Herbert,

danke fuer deinen Beitrag.

Woher sollte Feliks sowas auch wissen? Ist doch wie als wenn man Farbe 'nem Blinden erklaeren moechte...

Darf ich fragen in welchem Jahr der Ausreiseantrag gestellt wurde?
-Th


zuletzt bearbeitet 24.03.2010 11:43 | nach oben springen

#27

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 11:48
von Feliks D. | 8.887 Beiträge | 44576 Punkte

@Ernest

Ich war auch öfters mit Personen befasst die ein Übersiedlungsersuchen gestellt hatten. Dies war häufig der Fall wenn diese sich, im Laufe ihres Verfahrens, z.B. eines Vergehens nach den §§ 214, 219 oder auch 220 schuldig machten. Du hast jedoch Recht, die über die Aktenlage hinausgehenden Schicksale habe ich nicht erfahren.

@94

Veränderung weg vom System des Kapitalismus, von daher paßt die Signatur dann auch wieder!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 24.03.2010 11:53 | nach oben springen

#28

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 11:55
von Ernest | 200 Beiträge | 57 Punkte

Zitat von CaptnDelta
Herbert,

danke fuer deinen Beitrag.

Woher sollte Feliks sowas auch wissen? Ist doch wie als wenn man Farbe 'nem Blinden erklaeren moechte...

-Th



Weißt du Captn,
als ich die Zeilen geschrieben habe, zitterten mir die Finger und jetzt ist es mir irgendwie zum Heulen. Ich hab gesehen, wie sie gelitten haben, hatte Angst, das sich da eine familiäre Tragodie ereignen könnte. All das, wird mit einem mal wieder wach. Ich spüre wieder, wie meine Frau um ihre Schwester, ach eigentlich um alle, gebangt hat.
Über Umwegen hatten wir ihnen damals Geld geschickt, nur damit sie etwas zum Leben hatten. Es war einfach schlimm.

In den Momenten kann ich sehr gut nachvollziehen, daß Leute, die Repressalien, egal welcher Art, hinnehmen mußten, selbst nach so langer Zeit innerlich aufgewühlt und nervlich fertig sind.
So einfach zu verarbeiten ist das alles nicht.
Im normalen Alltag ist es ok, nur wehe die Gedanken an diese Zeit kommen auf, dann ist alles hellwach.

Dieses Gespür und dieses Mitfühlen fehlt vielen. Einfach nur kaltschnäußig oder mit Gesetzen zu kontern, ist billig.
Man muß den Menschen sehen und nur den Menschen alleine.......ein Staat besteht nun mal aus Menschen und das sind nicht irgendwelche Inventarnummern, die man bedienen kann, wie man will..........nein, das sind Wesen mit Gefühlen und Ansprüchen.

Gruß
Herbert


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#29

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 12:29
von turtle | 4.681 Beiträge | 34455 Punkte

ein Staat besteht nun mal aus Menschen und das sind nicht irgendwelche Inventarnummern, die man bedienen kann, wie man will..........nein, das sind Wesen mit Gefühlen und Ansprüchen.

Gruß
Herbert

Stimmt Herbert vieles kann man erst verstehen wenn man selber negatives in der DDR erlebt oder gesehen hat! Ich gehöre dazu. Soll man eigentlich mit Menschen bedauern haben die die jubelnde Menschenmenge vor Potemkinsche Dörfern als real ansahen? Dabei denke ich besonders an das Poltbüro.Vielleicht war die Brille so schlecht (ohne Fielmann) das sie überhaupt nicht weiter gucken konnten! Also auf zu Fielmann und Augen auf!
Gruß Peter(turtle)


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#30

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 12:53
von Ernest | 200 Beiträge | 57 Punkte

Zitat von Feliks D.
@Ernest

Ich war auch öfters mit Personen befasst die ein Übersiedlungsersuchen gestellt hatten. Dies war häufig der Fall wenn diese sich, im Laufe ihres Verfahrens, z.B. eines Vergehens nach den §§ 214, 219 oder auch 220 schuldig machten. Du hast jedoch Recht, die über die Aktenlage hinausgehenden Schicksale habe ich nicht erfahren.




Hallo Feliks,

ich will nicht als großer Ankläger auftreten, nein, das liegt mir fern. Auch Einzelverurteilungen wären Quatsch.
Schuld an allem ist nur der Druck der von oben kam. Vieles wurde in den unteren Etagen dann wohl auch bis auf`s Letzte ausgereizt. Nur hätte es klare Regelungen gegeben, die besagen, nach zwei Wochen Bearbeitungszeit ist dem Antragsteller klar, wie über sein Ersuchen entschieden wurde, dann wäre vieles einfacher gelaufen. Und vor allem, hätte alles ohne Zähneknirschen und Repressalien ablaufen müssen. Bei allem fehlte nur eins..........ein Maß an Menschlichkeit.

Und wie ich schon sagte, wenn schon jemand den rechtmäßigen Weg (und nicht den illegalen über die Grenze) wählt, also ganz offizell, was hätte der Staat schon verloren, wenn er die Leute gehen ließ.
Gestorben wäre er nicht, einen Imageschaden hätte er auch nicht erlitten. Im Gegenteil, man hätte ihm gutgeschrieben, daß er human und menschlich seinen Mitbürgern gegenübersteht.

Wer gehen will, sollte es können und wer wieder zurück möchte, dem sollte es auch möglich sein.
Man brauchte doch keine Angst zu haben, das die Rückkehrer die sozialistische Moral untergraben. Nur ich glaube, diese Angst bestand wohl auch. Denn nicht umsonst wurden bei uns auf Arbeit damals Monteure aus dem Westen total von uns abgeschirmt.

Aber das ist ja nun Geschichte.

So, meine Spätschicht ruft wieder.
Gruß
Herbert


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#31

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 12:55
von Ernest | 200 Beiträge | 57 Punkte

Zitat von turtle
ein Staat besteht nun mal aus Menschen und das sind nicht irgendwelche Inventarnummern, die man bedienen kann, wie man will..........nein, das sind Wesen mit Gefühlen und Ansprüchen.

Gruß
Herbert

Stimmt Herbert vieles kann man erst verstehen wenn man selber negatives in der DDR erlebt oder gesehen hat! Ich gehöre dazu. Soll man eigentlich mit Menschen bedauern haben die die jubelnde Menschenmenge vor Potemkinsche Dörfern als real ansahen? Dabei denke ich besonders an das Poltbüro.Vielleicht war die Brille so schlecht (ohne Fielmann) das sie überhaupt nicht weiter gucken konnten! Also auf zu Fielmann und Augen auf!
Gruß Peter(turtle)



Turtle.......und genau an dich hatte ich bei meinen Zeilen auch gedacht, als von Leuten schrieb, die so etwas erlebt haben
Ich kann dich zu gut verstehen.

Gruß
Herbert


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#32

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 12:56
von CaptnDelta • ( Gast )
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Zitat von Ernest

Zitat von CaptnDelta
Herbert,
danke fuer deinen Beitrag.
Woher sollte Feliks sowas auch wissen? Ist doch wie als wenn man Farbe 'nem Blinden erklaeren moechte...
-Th


Weißt du Captn,
als ich die Zeilen geschrieben habe, zitterten mir die Finger und jetzt ist es mir irgendwie zum Heulen. Ich hab gesehen, wie sie gelitten haben, hatte Angst, das sich da eine familiäre Tragodie ereignen könnte. All das, wird mit einem mal wieder wach. Ich spüre wieder, wie meine Frau um ihre Schwester, ach eigentlich um alle, gebangt hat.
Über Umwegen hatten wir ihnen damals Geld geschickt, nur damit sie etwas zum Leben hatten. Es war einfach schlimm.


Man, so'n Kack, fuer das scheiss Experiment das alles haette besser machen sollen... da waren noch einige mehr. Bloss gut das alles vorbei ist, nie wieder so'n Schmarren.
Ich hab auch noch Erinnerungen an diese Zeiten. All die bloeden Bemerkungen ad hominem im Geschichts- oder Stabue - Unterricht. Die (teilweise erfolgreichen) Bemuehungen, den Freundeskreis zu zerstoeren. Dann Arbeitslosigkeit fuer meinen Vater, und keinerlei Hilfe (nein, es gab kein Hartz) - sehr "sozial" (kotz)...

Zitat von Ernest
In den Momenten kann ich sehr gut nachvollziehen, daß Leute, die Repressalien, egal welcher Art, hinnehmen mußten, selbst nach so langer Zeit innerlich aufgewühlt und nervlich fertig sind.
So einfach zu verarbeiten ist das alles nicht.
Im normalen Alltag ist es ok, nur wehe die Gedanken an diese Zeit kommen auf, dann ist alles hellwach.

Und dummerweise, je laenger man davon weg ist, desto mehr beschaeftigt einen das alles. Geht mir (und meiner Schwester und Mutter) genauso. Wenn man sowas wie

Zitat
Was will er denn, 1986 Antrag gestellt und 1989 raus. 3 Jahre gewartet, keine Haft, keine angebliche "Zwangsadoption" und 1989 durften sie gehen.

liesst, dann merkt man der Schreiber hat schlichtweg keine Ahnung von was er redet. Jeder Furz waere eine intelligentere Aeusserung. Gleichzeitig laesst man sich aber ganz gerne ueber anderen Leuten's "angelesenes Wissen" aus.

Ab und zu was Lesen waere in dem Falle mal nicht schlecht...
Lesen bildet...

Zitat von Ernest
Dieses Gespür und dieses Mitfühlen fehlt vielen. Einfach nur kaltschnäußig oder mit Gesetzen zu kontern, ist billig.

Das einzige was Du denen Trampeln zugute halten kannst ist das die da einfach nicht wissen wovon sie reden. Es gibt ja heute noch sog. Juristen im Forum, die haben immer noch keinen blassen Schimmer wie ein Rechtsstaat funktioniert - man merkt das auch typischerweise an der Auswahl der Vergleiche oder Beispiele.

Was (fuer mich) am meisten nervt sind Leute die so tun als haette jederman jederzeit 'nen Ausreiseantrag stellen koennen. Wer sowas sagt war nie in der Situation, und hat von daher mal schlichtweg keine Ahnung.

Zitat von Ernest
Man muß den Menschen sehen und nur den Menschen alleine.......ein Staat besteht nun mal aus Menschen und das sind nicht irgendwelche Inventarnummern, die man bedienen kann, wie man will..........nein, das sind Wesen mit Gefühlen und Ansprüchen.

Ja, ja, das war mal der Anspruch des sog. 'Sozialismus'. Dummerweise war man da bei weitem schneller 'ne Inventarnummer als das im gabbiddalisdischen Teil der Welt jemals moeglich war. Wenn man die Gespraeche der sog. "Insider" hier im Forum ab und zu verfolgt, dann kann man diese De-Personalisierung recht gut nachvollziehen. Buerohengste brauchen eben Nummern...

Nochmal Danke fuer deinen Beitrag, Herbert, das sind so die authentischen Beitraege man hofft hier im Forum zu finden

-Th


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#33

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 13:43
von wosch • ( Gast )
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4 Jahre dauerte es nach seinen wiederholten Ausreiseanträgen bis man meinen Bruder kurz vor Ostern 1984 mitteilte, daß er innerhalb von 24 Stunden die DDR zu verlassen hatte. Ich bin sofort nach Ost-Berlin gefahren um ihn abzuholen und einige persönlichen Sachen von ihm über den Bahnhof Friedrichstraße raus zu schmuggeln. Bis dahin bin ich zwei Jahre lang jeden Monat für 2-3 Tage nach Ost-Berlin gefahren um ihm Geldmittel und andere Bedarfsgüter zum Überleben zu bringen, da er seine Beschäftigung als Ingenieur-Ökonom in einem Forschungszentrum durch seine Anträge verloren hatte!!
Man muß sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, 4 Jahre und dann geht es mit einmal in 24 Stunden.
Nicht mal ordentlich verabschieden sollte er sich von Freunden und Verwandten können!!
Schönen Gruß aus Kassel.


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#34

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 14:40
von dein1945 • ( Gast )
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Zitat von CaptnDelta

Zitat von Ernest

Herbert,
danke fuer deinen Beitrag.
Woher sollte Feliks sowas auch wissen? Ist doch wie als wenn man Farbe 'nem Blinden erklaeren moechte...
-Th


Nochmal Danke fuer deinen Beitrag, Herbert, das sind so die authentischen Beitraege man hofft hier im Forum zu finden

-Th




@Felixs,

ich will hier nicht mehr alles zitieren, was von Ernest, CP und turtle geschrieben wurde, lese Dir alles noch einmal in Ruhe durch und urteile dann, was Du hier zum Besten gibst ist einfach abscheulich, es wurde Dir ja schon der Rat gegeben nach Nord-Korea auszuwandern, lerne die Sprache, deine DDR §§ kannst Du gleich mitnehmen, ich kann sie eh nicht gebrauchen, wenn es doch Kuba sein soll, nimm Dir einfach einen Kühlschrank mit, sperr Dich darin ein und Du bekommst sicher wieder einen klaren Kopf,
Gruß aus Berlin


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#35

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 15:26
von 94 | 8.365 Beiträge | 59368 Punkte

_CaptnDelta_> Was (fuer mich) am meisten nervt sind Leute die so tun als haette jederman jederzeit 'nen Ausreiseantrag stellen koennen. Wer sowas sagt war nie in der Situation, und hat von daher mal schlichtweg keine Ahnung.

Jetzt vermisse ich doch den [Stimme zu]-Knopf. Also muß ich einen Beitrag schreiben.
Habe mich damals (Ende der 80iger) mit dem Thema nie richtig beschäftigt. Die einzige Berührung mit Antragstellern hatte ich auf der Urlaubsrückfahrt mit dem Interzonenzug Warschau-Frankfurt/Main. Von Dresden 22 Uhr irgendwas bis Eisenach gegen drei in der Früh. Denke mal den Zug kennen hier einige im Forum. Sonntag- oder Montagabend saßen in diesem Zug vor allem Grundwehrdiener und Ausreisende. Ich mittendrin als OaZ natürlich in zivil und mit einer ordentlichen Grenzermatte (fast VoKuHiLa *grins*). Auf den Bahnsteigen spielten sich oft Abschieds-Szenen ab, in Erinnerung ist mir besonders noch das Zertrümmern der Sektflasche auf den Geleisen. Oft saß ich allein im Abteil, voll wurde dieser Zug immer erst ab Leipzig. Manchmal gesellte sich ein Ausreisender zu mir. Der hielt mich wohl für alles, nicht aber für einen GT-Ultn. [Ironie] ich weiß, das war kein richtiger Offizier [einorI]. Kaum rollte der Zug an den Radebeulern Weinhängen lang, begann er dann, mir seine Lebens- und Leidensgeschichte zu erzählen. Unreif, wie ich damals mit 19 halt war, hörte ich selten richtig zu, sondern wollte nach einem Party-Wochenende (LiGa, Ziege und Parkhotel) halt meine Ruhe haben. Ich A'loch habe das am besten damit erreicht, das ich ihm im irgendwann, wenn mir das Gespräch zuviel wurde, den Dienststellenausweis unter die Nase gehalten habe. War vielleicht auch ein Selbstschutzinstinkt. Das da in Staate TäTäRä was faul war, habe ich in jungen Jahren schon irgendwie gefühlt. War halt aus heutiger Sicht doch recht unreif.
(Achtung! KEINE Ironie)
Doch langer Rede kurzer Sinn: Schon damals hatte ich vor den Antragstellern einen wesentlich höheren Respekt als wie vor dem gemeinem Spekku (Grenzer-Deutsch für Grenzverletzer). Der mit dem weißen Bändel an der Antenne harrt eine ungewisse Zeitdauer unter ständigen von ihm so empfunden Schikanen tapfer aus, in Schnitt vier Jahre wie jetzt weiß. Der 213er geht für 2 Jahre in den Bau, wir oft vorher freigekauft, gefährdet Menschenleben (zumindest sein Eigenes) und verheizt mittelbar die Nachtruhe von mindesten einem Grenzbattalion.
Die Meinung hab ich mal so ähnlich in GWA an der OHS geäußert, na da war Polen offen. Hatte dann im Abschlußzeugniss auch nur eine 3 in Gesellschaftwissenschaftlicher Ausbildung, hat mir glaub ich ein 'Sehr Gut' versaut. Heut bin ich fast stolz auf die Note.
Um jetzt nochmal auf den Herren S*schmidt zurückzukommen, um den es in diesem Fred mal ursächsich, ähm ursächlich ging. Armer Kerl, ernsthaft. (Ironie ist immer noch aus!) Darf ½Jahr vor Ultimo raus, verliert seine Frau an den Spätfolgen des Mobbings seitens der zuständigen Organe, nicht jeder ist halt zum Kämpfen geboren. Arbeit sein Trauma in einer HP auf und wird dafür von dem Sohn eines damaligen Gegenüber professionell zur finaziellen Ader gelassen. (So jetzt Ironie endlich wieder an) Wenn das mal keine aktive Geschichtaufarbeitung ist. Geschichte, wie das Leben sie schreibt.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 24.03.2010 15:42 | nach oben springen

#36

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 15:59
von Sonny • ( Gast )
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@ Turtle, CD, Ernest, Wosch

Ich kann hier nur das wiederholen, was ich an anderer Stelle (bezogen auf diesen Thread) geschrieben habe:

Wenn ich so etwas lese, dann läuft es mir immer kalt den Rücken herunter, und ich kann nur allergrößten Respekt empfinden vor den Menschen, die solche Dinge durchgemacht haben


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#37

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 17:37
von Mongibella • ( Gast )
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Ich habe auch 'nen haiden Respekt vor jedem, der einen Antrag gestellt hat....das war sehr sehr mutig, zumal diejenigen wußten was Feliks & Co so drauf haben und in was für'n Abseits sie dadurch geraten würden....ja, das war ja allgemein bekannt....

....Feliks kann man aber zu Gute halten, das ohne ihn und seine Kollegen die Zone viel eher wieder ein Teil der BRD geworden wäre....jedes und noch so kleine Nachgeben des Staates hätte die Lawine, wie wir sie aus 1989 kennen, schön eher losgetreten....nach KSZE hat man es ja schon gemerkt....

....soviel hab ich mir merken können....meine These steht aber noch....man hätte die Leute doch gehen lassen können, die weg wollten....mit ein bischen vernünftiger Politik hätt man eh genug im Land halten können und wenn es halt so wäre, das die DDR ausgeblutet wäre, naja, dann hätte man doch was tun müssen um es den Leuten attraktiver zu machen da zu bleiben....desnots hätte man doch Gastarbeiter oder Asylanten zu Hauf aufnehmen können...es gab ja genug Länder wo man sie herholen hätte können....RMRs Vietnam zB....RMR hätte sich sicher auch mal auf was Exotisches gefreut, der (alte) Schwerenöter....aber nein, es wurden nur billige Arbeitskräfte auf Zeit hergeholt, sie bekamen zB ne spottbillige Ausbildung zum Chemiefacharbeiter und lebten und arbeiteten eigendlich in der DDR nich grad unter den besten Bedingungen....oder Chinesen hätte man holen können zur Kompensation, sie sind fleissig wie Deutsche, kennen stellenweise die selben klimatischen Verhältnisse und es gibt in China eh genug davon....die paar hätten sich doch leicht finden lassen können um den Weglauf aus der DDR auszugleichen....das hätte die DDR auch was bunter werden lassen in einer Zeit in der die BRD schon längst multikultie war....

....ich mein ja nur, die Grenze war ja nu nich echt eine militäre Sperre....wir wissen alle und wußten das auch schon im zarten Kinderalter, das dat ganze Grenzregime nur zum kollektivem Bevölkerungseinschluß diente....stellt euch nun mal vor, man hätte ohne Zaun und Mauer auskommen können, keiner wollte wohl eh beim *Gegner* eindringen und sein Land erobern....wie wär's gewesen mit ner vernünftigen friedlichen Koexistenz und nem gegenseitig profitabelen Handel gewesen....mein Gott, beide Seiten hätten soviel Geld sparen können und jeder hätte sich einfach seine Seite frei wählen können....Neuansiedler hätte man doch auf beiden Seiten vernünftig locken können, sie aber auch genauso einfach wieder gehen lassen können, wenn's ihnen nicht gefällt....

....hey, mir wurden die Ohren blutig geschwätzt in der Schule mit der Überlegenheit des Sozialismus und so.....da mag ja auch echt sehr viel Wahrheit drin liegen, Marx und Engels sei dank, wurden solche Ideen ja auch mal abgedruckt....is alles schön und gut, da sag ich echt nichts gegen....klingt alles sehr logisch....ich find's auch schade, das es kaum noch ein Land gibt, in dem per Gesetz der Sozialismus herrscht....aber kucken wir uns mal um in der Geschichte, so wie er geherrscht hat, war ja echt daneben....

....und nun klage ich die Russen an....wat hätten se doch mit vernünftigen Konferenzen erreichen können damals....ich mein, wär man auf einander zu gegangen anstatt sich in den kalten Krieg zu stürzen, hätt man doch wat anderes draus machen können oder etwa nich....aber Stalin der Idi und sein angeblicher Kommunismus wurden verehrt wie in Rom der liebe Gott....als man sich davon abwendete, hätte man einen etwas anderen Weg einschlagen können....oder sind meine Ideen nur dumme Fantasie....

....ich mein ja nur, so hätte Feliks und RMR vielleicht immernoch ihr A&B-Paradis und die, die sich damit nich arrangieren hätte können, wären doch unproblematisch ne Alternative geblieben ohne den ganzen Zersetzungsscheiß und Hohenschönhausen und so.....

...naja, ich träum wahrscheinlich grad nur.....

Ich leg mich jetz ma hin....muß nachher abend's umkoppeln und darf dann die Nacht durchheizen....vielleicht träum ich dann ja mal wieder von realen Dingen....

Grüße an alle von irgendwo unterwex....

Mara....


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#38

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 18:08
von Rainer-Maria-Rohloff • ( Gast )
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94, du gefällst mir und so spielt das Leben, so wie in deinem letzten Text mit der Zugfahrt. Ich hatte immer nur die Mädels im Kopf, auf meinen Heimreisen ins schöne Sachsen, und Eine hätte mich fast geheiratet...aber ich war schon verheiratet.
Heute muss ich immer wieder sagen, jeder, aber auch jeder ist seines Glückes Schmied, und sollte ihn, durch seine eigene Dummheit das Glück damals verfehlt haben, dann fehlt mir heute jegliches Mitleid.
Ich will nicht falsch verstanden werden und bis zu einer gewissen Zeit gab es die Möglichkeit der Ausreise in der DDR nicht, da gehe ich mit. aber ich gefährde nicht durch meinen persönlichen Egoismus das Leben meiner Familie und stelle mich anschließend als " Opfer" hin.
Schlechte Träume, das haben wir alle einmal und jeder muss sein ganz persönliches Leben bewältigen, nur anschließend ständig auf der " Verliererolle" zu reiten, da fehlt mir jegliches Verständnis.

R-M-R


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#39

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 18:30
von Mongibella • ( Gast )
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Ich hatte immer nur die Mädels im Kopf, auf meinen Heimreisen ins schöne Sachsen, und Eine hätte mich fast geheiratet...aber ich war schon verheiratet.



Mal so als Frau nachgefragt RMR....bist du stolz darauf, deine Frau betrügt zu haben....oder hast du das garnich und erzählst nur wilde Lovestorys....weil für mich klingt es oft so alsob du die halbe Republik flachgelegt hast....die andere Hälfte laß ich mal außen vor, weil von Männern redest du nie....

Mara....


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#40

RE: Dokumentation einer Ausreise

in Leben in der DDR 24.03.2010 18:31
von Augenzeuge • ( Gast )
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Zum Thema mal noch etwas von mir.

Ich habe diesen Thread eröffnet, da ich diese Seite der Familie Schaarschmidt fand und als ich darin las, sagte ich zu mir an vielen Stellen: Ja, genau so war es. Klar, die einen erlebten mehr Schikane als die anderen, wie immer hing es auch hier von den Menschen ab.

Nichtbetroffene können gerne ihre Meinung hier loswerden, aber sich hinzustellen und sofort die möglichen Ungereimtheiten, die damals sicher ihre Gründe hatten, herauszusuchen, anstatt das jeweilige Schicksal anzuerkennen und die Verfahrensweise des Staates als unwürdig zu bezeichnen, lässt schon tief blicken.

Ja, Ernest, auch du, wie einige andere auch, haben es gut beschrieben. Aber der Staat konnte sich nur so verhalten. Wer ein Grenzsystem installiert und ausbaut, welches jährlich zig Millionen verschlingt, kann Ausreisewillige nicht so einfach gehen lassen. Hier mussten Nachahmer abgehalten bzw abgeschreckt werden.
Auch wenn die DDR auf dem Weg der gewünschten Anerkennung die Schlussakte von Helsinki unterschreiben musste, so sah sie es dennoch keinesfalls als rechtmäßig an, wenn man einen Ausreiseantrag stellte.

Meistens teilten die Behörden dem Antragsteller schon nach 4-8 Wochen mit, dass dem Antrag auf "Übersiedlungsersuchen" (erfundene DDR-Bezeichnung) nicht entsprochen wird. Gründe wurden meist nicht genannt. Gleichzeitig verlangte man jedoch umgehend die Rücknahme dieses Antrages. Oft geschah dies nicht, es folgte nur ein erneuter Antrag.....

Für die "Rückdrängung" war jedes Mittel recht. Die Einigkeit der Familie (in meinem Fall) musste gebrochen oder besser zersetzt werden. Hierzu wurden heimlich Befragungen der Nachbarn durchgeführt. Freunde wurden gern als IM geworben, separate Gespräche mit den Antragstellern permanent geführt.

Das gesamte Leben wurde durchleuchtet, um Eingriffsmöglichkeiten auszuloten.
Ich kann mich heute noch sehr gut an die ständigen Gespräche im Betrieb erinnern. Ein Plenum von 5-6 Leuten (Kaderleitung, Vorgesetzte, MdI u.a.) saß im Halbkreis um mich herum. 2h dauerte die Prozedur. Meist waren diese Leute dem Antragsteller überlegen, sie waren genauestens vorbereitet, argumentierten professionell und sie nutzten das Nichtwissen des Anderen super aus. Danach war man psychisch fertig, zumindest als junger Mensch völlig hin- und hergerissen. Das passierte alle paar Monate.
Und regelmäßig kamen die Sprüche:"Sie werden das nie schaffen....."
AZ


zuletzt bearbeitet 24.03.2010 18:36 | nach oben springen



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