Zitat von Berliner
Zitat von Feliks D.
ich vermisse die persönliche Meinung des Thread-Erstellers zu diesem Thema und auch zu seiner Intention dieses Thema bewußt zur Diskussion zu stellen.
Hallo Feliks D.,
danke fuer Deine PN und fuer die Zeit im Chat. Wie schon besprochen, ist es kein 'Muss' meine Meinung abzugeben.
Meine Intention ist immer eine sinnvolle Diskussion anzuregen, da das Forum davon lebt.
Hier ein paar Auszuege:
1: 00:40 - 00:44 "es war das hoechste einer Genossin Kundschafterin zu sein"
War es nicht immer das höchste seinem Staat und dessen Gesellschaft zu dienen? Heute gibt es dafür den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
1: 00:49 - 00:56 "das war meine Lieblingsliteratur, weil es immer Leute waren die irgendwie zum Anfang klein und schwach waren und dann waren sie die Helden."
War das nicht von uns allen die Lieblingsliteratur, Helden, Abenteuer und Spione?
1. 01:45 - 02:05 F: "Aber haette es nicht andersrum sein koennen? ... Du als Heldin der Opposition?" A: "Nee, denn haette ich anders erzogen sein muessen. Dann haette ich nicht diese Erziehung geniessen duerfen."
Sicher prägt die Erziehung, damals wie heute.
1. 02:55 - 03:06 "es ist eigentlich dieses 'nie gelernt haben fuer sich selbst zu entscheiden', 'nie gelernt haben fuer sich selbst Verantwortung zu tragen' und ich glaube das hat eigentlich ein ganzes Volk nicht mehr gemacht."
Dies ist ihre Einzelmeinung! Der Staat gab lediglich einen Rahmen vor, seine Entscheidungen in diesem mußte jeder selber trefffen.
1. 03:42 - 03:47 "Die Stasi hat gesagt wir haben jederzeit Zeit fuer Dich und sie hatten Tag und Nacht Zeit fuer mich."
Nicht nur für sie, sondern für jeden. Der IM bestimmte die Zeit des Treffens, egal wann, nicht der FO.
1. 05:11 - 05:35 "Du siehst Dich ja immer nur als ganz kleines Teil, als Mini-Teilchen. Du gehst ja nicht davon aus, dass genau Deine Beobachtung...Deine Spitzelei...das ist was die Leute ins Gefaengnis bringt."
Das ist wieder dieses klein klein denken, aber es gab IM die sich sehr wichtig nahmen und andere die ihrem Dienst an Staat und Gesellschaft ohne solche Denkweisen ausübten. Der zweite Satz wird ihr wohl erst nach der Wende als Rechtfertigung eingefallen sein.
2. 00:15 - 00:31 "wenn z.B. mein Fuehrungsoffizier oder sein Chef mir erzaehlt haben...'wenn es mal andersrum kommt...dann haengen wir...alle auf'. Ich habe es geglaubt."
Wieder eine Rechtfertigung und Behauptung... aber viel hätte ja '89 nicht gefehlt und sie hätten uns am liebsten alle aufgehangen.
2. 01:55 - 02:59 "...das war irgendwo so eine Befindlichkeit, diese Masse, dieses sich aufgehoben...fuehlen. Und ich muss auch sagen...ich haette auch wieder in die PDS gehen koennen...Aber irgendwo ging es einfach nicht mehr fuer mich...Ich will nicht mehr irgendeinem Fraktionszwang unterliegen, irgendwie sagen muessen, das ist meine persoenliche Meinung."
Der Mensch ist ein Herdentier. Das Menschen mit Heimerfahrung anderweitig versuchen sich sozial geborgen zu fühlen ist dann verständlich. Sie suchte eine starke Schulter und das MfS gab sie ihr, so war beiden Seiten gedient. Auch eine Form von Humanismus, wer gäbe dieser Frau heute Halt? Niemand, die Gesellschaft würde sie sich selbst überlassen!
2. 03:16 - 03:31 "Fuer mich war immer die Idee des Sozialismus, also des Humanen, des Menschlichen. Und ich habe einfach Dinge weggedrueckt, wo ich haette genau sehen muessen, dass sie alles andere als human sind, dass sie zutiefst unmenschlich sind."
Von welchen "unmenschlichen" Dingen will sie wohl wissen? Sie bleibt da doch sehr vage, gehen wir mal davon aus sie meint die Grenze.
2. 04:47 - 05:20 "Ich weiss auch, dass das nach und nach nachlassen wird...aber es bedrueckt mich auch zugleich, weil manchmal denke ich, ich kann eigentlich gar keinem mehr in die Augen gucken."
Warum niemand mehr in die Augen sehen, nur weil die Sache der sie aufrichtig gedient hat gescheitert ist? Hier zeigt sich wieder die Schwäche ihrer Persönlichkeit, sie hat den Halt und die Orientierung verloren und dies ist auch der Grund für diese peinliche Entschuldigung. Warum erklärt sie sich nicht nur und steht aufrecht, sondern rechtfertigt und entschuldigt sich die ganze Zeit?
2. 06:35 - 06:56 "...wenn man den Versuch unternimmt aufzuarbeiten, das gehoert ja dazu. Ich glaube letztendlich lebt man besser...ich laufe jetzt ziemlich gerade. Wenn ich bestimmten Leuten begegne, dann laufe ich doppelt gerade."
Sich erklären vielleicht, sich anzubiedern und krampfhaft versuchen sein Verhalten zu entschuldigen und u.a. der Erziehung und anderen die Schuld zu geben nicht! Dies ist wieder die Schwäche ihrer Persönlichkeit, dem neuen System zu Kreuze kriechen, sich entwürdigen und permanent entschuldigen um dann in diesem wieder gerade laufen zu könnnen. Sie braucht die soziale Bestätigung für sich und ihr Leben. Andere gehen auch aufrecht durch das Leben, gerade weil sie sich nicht bei den falschen für das Falsche entschuldigen sondern mit sich im Reinen sind. Nun geht sie doppelt gerade vor ihren alten Feinden für den Preis der Selbstaufgabe und öffentlichen Erniedrigung. Ihren alten Freunden, die sie ein Leben lang begleiteten, traut sie sich jedoch nicht mehr unter die Augen.
Der Beweis von Heldentum liegt nicht im Gewinnen einer Schlacht, sondern im Ertragen einer Niederlage (David Lloyd George)
Diese Signatur aus dem Forum paßt auch hier sehr gut, scheinbar kennt die Dame diesen Ausspruch nicht bzw. versteht unter Ertragen etwas anderes.
Mehr dazu hoffentlich morgen.
Duane
Alles in allem eine tragische Figur...