#21

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 02:06
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hmm, ich hab immer meine Bauchschmerzen, wenn die Ergebnisse soziologischer oder auch anderer wissenschaftlicher Studien in die Hände von Journalisten gelangen. Das ist dann bisweilen so, als wollte man höhere Mathematik mit dem kleinen Einmaleins erklären. Ich erinnere mich da noch an soziologische Studien in deutschen Städten, in denen der Begriff "Überfremdung" vorkam. Was in der wissenschaftlichen Welt der Soziologie ein definierter Begriff ist, der eine Erscheinung modellhaft beschreibt, wird in der Zeitung zu einem Peitschenknall, da weder Zeit noch Raum ist, die verwendeten Begriffe exakt zu klären - was ja eigentlich die Wissenschaft irgendwie auch mit ausmacht, gelle?!

Huf, ich fürchte, was da veröffentlicht wurde, war nicht die Studie selbst, sondern der journalistische Extrakt derselben. Und da wäre ich zunächst immer misstrauisch. Aber auch die Soziologie fängt bestimmte Momente nicht ein. Wenn ich hier lese, man soll dem Vergangenen nicht nachtrauern, ist das schlicht und einfach Käse für mich. Jeder, der etwas verloren hat, und selbst die Jugend, ihre Plätze und ihre Lieben, stellt für nahezu jeden Menschen bereits einen Verlust dar, wird auch immer mit etwas Wehmut an das Verlorene zurückdenken oder besser gesagt zurückfühlen. Denn es ist dieses dumme Gefühl, was wir nicht mit der Ratio einfach abschalten können und wollen. Diese kleine Wahrheit ist von so vielen Politikern, Wissenschaftlern, Wirtschaftsführern, Journalisten etc.pp. im Bezug auf den Osten missachtet worden, dass inzwischen eine gute Portion Trotz in einem, auch in mir, hochkommt, wenn immer nur drauf rumgetrampelt wird auf Vergangenheit und Menschen. Wenn nicht mit den Menschen, sondern über sie gesprochen wird.

Wenn "Veritas Wittenberge" ein Weltmarktführer war und die Wittenberger heute noch stolz darauf sind, dann möge dem die Zunge verdorren, der ihnen mit Kommandowirtschaft und Regime ankommt. Zuerst haben die Menschen das Recht zu fühlen und zu erzählen. Alles andere kann warten.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 05.03.2010 02:08 | nach oben springen

#22

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 06:44
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Deswegen sind wir ja so bodenständig, mein Bruder Rainman, wir hängen an unserer Vergangenheit und wenn da Einer kommt, der uns die ausreden will, gibts eine mit der ostdeutschen Keule, mit der "Richtigstellkeule".
Und siehe, es wirkt immer besser. Und dein 1945, das mit der Freiheit war, so denke ich das falsche Wort, was ich gewählt hatte. Richtig musste es heißen, " das ist der Preis des Wohlstandes".
Denn habe ich auch nichts, so kein Siedlungshaus mit allen Rafinessen oder siehe meine alte Villa, dann brauch ich auch nicht tausende Kilometer fahren oder Nachts Zeitung austragen.
Dann bleibe ich im schönen warmen Bett und dreh mich noch mal herum. Aber so...Kredit von vielleicht 1300-1500 Euronen im Monat und die Bank will jeden Monat ihre Kohle, ja da muss ich mich schon strecken wie ein Esel, der goldene Dukaten sche....Der schöne Preis des Wohlstand!
Und wenn ich jung bin, da kann ich nur sagen...aber ab, dorthin wo ich Kohle machen kann und nicht Heimweh und Tränen und bla, bla. Und habe ich Kohle gemacht, dann such ich mir ein Fleckchen, wo ich bleibe.
Aber um das zu schaffen, muss ich zeitig anfangen, also Lehre mit 17 und möglichst mit Abschluss, das nicht noch Zeit für eine zweite Lehre verschwendet wird und dann ab. Wenn ich hier in Deutschland keine Arbeit finde, dann rumhorchen im Ausland, und da gibt es bestimmt etwas.
Nur, den Hintern muss ich hochbekommen und ich weiß, von was ich rede. Weil ich selbst in jungen Jahren jahrelang auf Montagebaustellen fern vom schönen Leipzig zugebracht habe. Aber ich habe mir immer gesagt...so innerlich, es sind nur Zeiträume, Zeitabschnitte und irgendwann bist du wieder Zuhause. Das im Hinterkopf, da sieht die Welt gleich ganz anders aus.
Ohne Moos nix los, das war schon zu tiefsten DDR-Zeiten nicht anders wie heute. Ich versteh bloß die nicht, die so ewig studieren immer in der Hoffnung, mal das ganz große Geld zu machen. So ein Quatsch, die Kohle ist wichtig, immer erst die Kohle. Mich weiterbilden, das kann ich auch später noch, wenn ich die Zeit habe, und nicht meinen Eltern bis 30 Jahre auf der Tasche liegen. Das ist der Krebsschaden der jungen Generation, den alt bin ich ruck zuck und was will ich mit 40 und Kinder, wo ich mit Riesenschritten auf die Rente zueile.
Aber genug der Romane, ich wünsche allen im Forum einen guten Tag.

R-M-R


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#23

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 07:31
von Huf (gelöscht)
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Hallo Rainman,

Es stimmt, dass wir bisher nur die Interpretation der Journalisten kennen. Und für die ist diese Studie ein willkommener Anlaß, die Unfähigkeit, Dummheit, Ausverschämtheit und zügellose Jammerei der Ostdeutschen zu betonen.
Deshalb kann man damit auch irgendwie Leben.
Übrigens hält bei uns der ICE Hamburg-Berlin.


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#24

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 07:44
von Udo (gelöscht)
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Hallo Huf,
ich bin ja auch gebürtiger Wittenberger (36 Jahre dort gelebt) und wohne jetzt in Nauen (Gruß an enrico) und ich muss sagen, die Städte unterscheiden sich nicht viel, obwohl Nauen schon fast zum Speckgürtel zählt.
Dieses Warten, welches die Studie beschreibt, erlebt man auch in Großstädten, nur ist es dort anonymer, da man ja nicht einmal die Nachbarn kennt.
Als falsch würde ich diese Studie aber nicht bezeichnen, nur, sie hätte auch in anderen Städten gemacht werden können.
Trotzdem kann ich Deinen Frust sehr gut verstehen.
Leider hat die Studie nicht gezeigt bzw war es nicht ihr Auftrag, was in Wittenberge lebenswert ist. Denn dann würde diese Stadt, obwohl sie von einer hohen Arbeitslosigkeit bedroht ist, wieder ne Menge Pluspunkte machen, denn, schaut man mit den Augen eines "Außenstehenden" alle zwei Monate auf Wittenberge, sieht man, dass sich da Einiges bewegt.
Freundliche Grüße in die Heimat.
Udo


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#25

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 07:58
von Huf (gelöscht)
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Danke, Udo!


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#26

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 08:54
von karl143 (gelöscht)
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@ Huf,
sicher kommt da Verbitterung hoch wenn man deinen Kommentar liest. Aber es war in der gesamten Geschichte der Menschheit so, das es Wanderungen gab, ein Auf- und Nieder von Städten, Handelsplätzen usw. Große Städte des Mittelalters verloren im Lauf der Zeit an Bedeutung. Um nichts anderes handelt es sich hier. Keine Stadt, keine Region hat das Privelig, dieses auf Dauer zu erhalten. Was jetzt deine Heimatstadt erreicht, gibt es in Niedersachsen seit ca. 20 Jahren (schaue dir mal die Bertelsmann Studien an, welche über einen längeren Zeitraum laufen). Das Gebiet Westharz, LK Holzminden, Hameln usw. verlieren Einwohner und soziale Einrichtunge, Behörden usw. in Massen. LK müssen zusammengelegt werden, jahrhundealte Kleinmetropolen verlieren ihre Grundlage. Zum anderen verzeichnen Gebiete wie der Großraum Oldenburg, Speckgürtel um Bremen usw. Zuzüge und einen Sprung nach oben in der Einwohnerstatistik. Nienburg, zwischen den Großräumen Bremen und Hannover mit über 30 Tsd. Einwohnern hat zum Beispiel keinen ICE Halt. Noch nie gehabt. Von hier fahren die Leute alle Stunde mit Regeinalexpress oder alle zwei Stunden mit IC. Und keiner beschwert sich. Das ihr mit einer Größe von 19 Td.Einwohner ICE Halt seid - entschuldige, das ist ein Witz. Die schöne Stadt Wittenberge wird auch weiter bestehen. Sie muß eben auch kämpfen und was anbieten. Dann ist das Leben dort auch lebenswert.


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#27

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 09:40
von Huf (gelöscht)
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Mein lieber Karl,

alles, was Du schreibst, ist wahr. Es muß auch niemand befürchten, dass alle Einwohner in kollektive Depression verfallen. Und wie Du berichtest, gibt es auch im Westen heftige derartige Probleme.
U.a. deshalb plädiere ich schon lange dafür, den Solizuschlag gesamtdeutsch zu verwenden.
Und, lieber Karl, gönne uns doch zweimal täglich den ICE-Halt!


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#28

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 10:03
von karl143 (gelöscht)
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@ Huf,
das er nur zweimal hält, hatte ich überlesen. Natürlich gönne ich diesen Wittenberge. Ich wollte mit dem Beitrag auch nur aufzeigen, wie schlimm es sein kann. Letzten Freitag war ich im Gebiet südl. Helmstedt bei mehrern Personen wegen Fotos und Geschichten im Zusammenhang mit der Grenze. Früher gab es dort die Zonenrandförderung die half über so manches hinweg, obwohl schon damals zu Zeiten der Grenze dort nicht viel (Gewerbemäßig, Angebot für Leute wie Supermärkte usw.) los war. Heute, zum Zeitpunkt leerer Kassen geht dort noch viel mehr den Bach hinunter. Ich muß aber zur Ehre dieser Leute sagen, obwohl es eigentlich keinen besser geht als in den 70er Jahren, es will keiner die Grenze wiederhaben. Und das ist doch auch eine gute Entwicklung.

Hier geht es übrigens zur Studie der Bertelsmann Stiftung. Sie wird von allen Kommunen und Ländern mittlerweile zur Zukunftsplanung herangezogen:
http://www.demographie-monitor.de/


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#29

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 10:16
von Svenni1980 | 672 Beiträge

Auch hier bei uns im Kreis Höxter findet eine Abwanderung junger Leute statt. Erst Schule, dann Ausbildung und dann evtl. noch das Studium das in die große weite Welt lockt. Hier in Bad Driburg merkt man das noch eher, viele Senioren, die jungen Leute ziehen weg.

Das Krankenhaus hat schon einige Stationen zu gemacht (darunter auch die Entbindungsstation, weil zu wenig Geburten stattfanden) und auch unsere Fussgängerzone wird leerer. Ab und zu beglückt nochmal ein Kramladen die Bevölkerung, meist ist der nach einem halben Jahr wieder verschwunden. Auch die hier praktizierenden Ärzte werden immer älter. Ein richtig junger hat den weg hierher seit langem nicht gefunden.

Aber ich halte es so wie Huf, hier bin ich aufgewachsen, zur Schule gegangen, ein paar Freunde sind hiergeblieben. Kurz und knapp es ist meine Heimat, und sie wirds auch bleiben!!


Weil die Klugen immer nachgeben regieren die Dummen die Welt!!

Affen die hoch hinaus wollen, entblößen Ihren ..... (Hintern)!!
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#30

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 10:19
von enrico (gelöscht)
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ich geb nun auch noch mal meinen senf dazu.ich lebte von 1999-2002 in wittenberge, bin beruflich dahin. als damals noch junger mensch fand ich die allgemeine stimmung da eher beklemmend und fast jeder 2. satz begann mit "früher".es war auch extrem schwierig überhaupt mit jemanden in ein vernünftiges gespräch zu kommen.kontakte erreichte ich dann erst über den sportverein.ich ging dann ebenfalls aus beruflichen gründen wieder weg und war so ziemlich in der ganzen republik unterwegs.nun fahre ich ab und an noch zu meinem alten sportverein und besuche meine ehemaligen mitspieler.in wittenberge bin ich da auch öfter, ich habe da den eindruck gewonnen das die stadt "vergreist".wenn man mal über den markt geht oder durch die fußgängerzone sieht man zu 90% nur leute jenseits der 50.ich muss sagen die prignitz und wittenberge allgemein hätten aus meiner sicht schon potential zumindest aus touristischer sicht etwas zu bewegen. ich habe aber den eindruck das dort jeder sein eigenes süppchen kocht und von einem tourismusverband oder ähnlichem ist mit da nix bekannt.zusammenfassend muss ich sagen das mir die landschaft da sehr gut gefällt, in den köpfen der leute liegt aber noch einiges im argen.man kann doch ruhig auf das vergangene stolz sein, sollte sich jedoch auch für neues öffnen und auch mal in die zukunft schauen.
vor 6 jahren musste ich dann nach nauen und hatte da erstmal etwas bammel, wegen meiner erfahrung mit den "brandenburgern". aber hier wurde ich gut aufgenommen, habe schnell anschluss gefunden und fühle mich wohl(liegt wohl auch an der nähe zu potsdam/berlin das die menschen hier vielleicht etwas lockerer sind)


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#31

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 11:17
von Holtenauer | 1.158 Beiträge

Zitat von Huf
Liebe Freunde,

die o.a. Studie ist exemplarisch für Deindustrialisierung in Europa erstellt worden. Zuvor gab es eine vergleichbare Studie etwa 1930 in Österreich.
Die Brisanz liegt darin, dass man der schrumpfenden Bevölkerung Verhaltensweisen unterstellt, die nur stadtspezifisch sein sollen, ohne zu bemerken, dass bundesweit derartig aufgeführte Entwicklungen, auch im Westen, vorkommen.
Und vor allem, es geht nicht um Ostalgie oder den Wunsch nach Wiedererrichtung der Grenze.

Wir sind ein Volk, und was für eins!

Euer Huf



Genau !!

Schrumpfende Bevölkerung gibt es nicht nur im Osten, wie einige hier gerne immer drauf rumreiten, sondern auch z.b. hier in S-H in der ländlichen Umgebung.
Ist kein spezielles "Ostdeutsches Problem """


Gruß
Thomas
Zerstörer Lütjens - D185

Seit man begonnen hat, die einfachsten Behauptungen zu beweisen, erweisen sich viele von ihnen als falsch

Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast


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#32

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 11:32
von karl143 (gelöscht)
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Ja, das ist das Problem. Wenn alle den Kopf in den Sand stecken und nur jammern. Und warten, bis irgendjemand kommt, der vielleicht hilft. Fremde die kommen, wollen meißtens nur Geld machen. Helfen muß sich jeder selber. Vor 20 Jahren war an der Mittelweser das Wort Tourismus ein Fremdwort. Bei uns gibt es den Weser-Radweg, der von mehr als 100 000 Menschen jedes Jahr befahren wird. Überall haben Bauern, Privatleute o. ä. Pensionen aufgemacht, Trockenräume für die Bekleidung eingerichtet und, und und. Unter Mittelweser-Touristik findet man die Region im Internet, Gemeinden haben sich zusammengeschlossen und entwickeln Konzepte. Ich will nicht sagen, das hier alles optimal ist. Aber man hat versucht, das Beste draus zu machen, und das war immerhin besser, als zuzuschauen. Und das ist mir auch im ehemaligen Grenzgebiet an vielen Stellen in S-A aufgefallen. Die Leute stecken den Kopf in den Sand. Andere hingegen gehen da mit einer Professionalität ran das man sich wundert.


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#33

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 11:57
von Huf (gelöscht)
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Hallo Enrico,

Deine Erfahrungen mit W. sind sicher interessant. Für das Vergreisen können wir aber nichts, wie woanders auch.
Wenn man vormittags in der Stadt ist, beobachtet man sehr regen Straßenverkehr. Du könntest denken, hier brummt aber die Wirtschaft. Weißt Du wer da fährt?
Achtung! Provokation! Vati mit Prinz-Heinrich-Mütze mit Mutti mit Blauspülung im Haar im Ford Fiesta, gedrosselt auf 25, kommen vom Arzt, fahren zur Apotheke, dann zum Markt und dann zum Kaufland Salzheringe kaufen.
Ich weiß, es klingt etwas verächtlich, ich meine es aber nicht so!
Früher sind beide in Wechselschicht zur Nähmaschinenfabrik mit dem Rad gefahren. Da konnten sie sich gar kein Auto leisten.


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#34

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 12:03
von Udo (gelöscht)
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Die fahren in Nauen auch. Nur die Straßen sind hier viel schlechter. Ärzte nehmen wegen Überlastung keine Patienten mehr auf (auch keine Privatpatienten). Kaufland wird hier durch Sky ersetzt.
Du siehst, es erinnert mich hier auch viel an meine Heimat.
Gruß in die Heimatstadt.
Udo
PS. Sitzt Du im neuen blauen Haus???


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#35

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 12:27
von Ahnenforscher (gelöscht)
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Volltreffer Holtenauer!!!

In den Neuen Bundesländern wird es nur stärker registriert da die Abwanderung real existiert. Mit demographischen Prognosen habe ich mich regelmäßig beschäftigt. Ich kenne keine Prognose die einigermassen zutreffend war.
Geschichtlich ist mir solch ein Exodus nicht bekannt. Karls Beitrag steht außer Frage. Den Auf- und Niedergang von Städten und Regionen hat es schon immer gegeben. Ja, Aufstieg war immer mit klugen und umsichtigen Handeln der Verantwortlichen verbunden. Bei Unfähigkeit dieser Leute oder Nachbarn waren gierig, folgte immer der Abstieg.
Das triff für die Prignitz und vielen anderen Regionen Deutschlands zu. Selbst die Auswanderungen nach Amerika von Prignitzern ist bei Betrachtung der heutigen Zustände, völlig zu vernachlässigen.

In der Prignitz gab es drei stürmische Entwicklunsperioden. Die Erste im Spätmittelalter bis zum 30-jahrigen Krieg.
Die Zweite mit der Industriealisierung von ca. 1880 bis 1905. Die Dritte nach 1945.
Ich kenne Wittenberge und war über den jetzigen Zustand ebenso erschrocken.

Ich denke wir leben gegenwärtig in einer Mangelwirtschaft. Den Städten mangelt es Sreusalz und Geld, Banken an Kreditfreudigkeit, Talkshows an Geist, dem Arbeitsmarkt an Stellen, Steuerprüfern an Nachsicht, redlichen Bürgern an Einkommen, Vordenkern an Visionen und uns an Heimatgefühl.

Um den Sprung zur Grenze zu bekommen. In der Vergangenheit verließen Prignitzer ihr Land auch ohne Genemigung.
Sie sind nicht geflüchtet sondern "böslich entwichen".

Grüße Ahnenforscher


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#36

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 12:27
von Huf (gelöscht)
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Nein, meine Praxis (gemeinsam mit meiner Frau) befindet sich am Elmshorner Platz.
Früher war ich als Chirurg im ehemaligen Krankenhaus Perleberger Str.


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#37

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 13:17
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Also das es in Ostdeutschland in vielen Gebieten einen Bevölkerungsrückgang gab und in Westdeutschland einen Zuwachs lernte der BRD-Schüler bereits in den 70er und 80er Jahren.

Ist also keine Erscheinung die neu oder erst nach 1989/90 aufgetaucht wäre.

Da die Bildung und das Schulsystem in der DDR um Zehnerpotenzen besser war, wie ich hier im Forum gelernt habe, wurde diese Entwicklung sicher auch in DDR-Schulen dargestellt und erklärt.

Gruß
Stefan


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
zuletzt bearbeitet 02.05.2010 10:05 | nach oben springen

#38

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 19:15
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Stefan, dieser von dir angesprochene "Bevölkerungsrückgang" in bestimmten Gebieten der DDR in den 70/80er Jahren bei gleichzeitig höherer Geburtenrate im Osten zum Westen leuchtet mir nicht ganz ein.
Aber ich möchte nicht mosern, nur weil ich die alte DDR so gemögt habe, nur, es ist irgendwie nicht logisch.

R-M-R


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#39

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 19:25
von Augenzeuge (gelöscht)
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DIE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN DER BRD NACH 1945

Seit Beginn der 1960er Jahre: Sinken der Geburtenrate, permanent unter Sterbezahl bzw. des Bestanderhaltungsniveaus (2,1 Kinder)  Bevölkerungsabnahme
1. Gleichzeitiges Steigen der Lebenserwartung  Alterung der Gesellschaft (Altersexplosion und Jungenimplosion).
2. Einwanderung seit den 60er Jahren  multi-ethnische Gesellschaft
 demografische Trends, die alle industriellen Dienstleistungsgesellschaften durchlaufen.
Die Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1949 und 1989 wird unterteilt:
1. Wachstumsphase bis 1974
Kontinuierlich Zunahme von 46 Mio. 1946 auf 62,1 Mio.; verantwortlich: drei Einwanderungswellen: - bis ca. 1950 8 Mio. Vertriebene und Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten des Dt. Reichs (Bev.anteil: 16%); - bis Mauerbau 1961: 2,6 Mio. aus DDR; - 1961 bis 1974: ca. 3,5 Mio. Gastarbeiter; bis 1972 sehr hohe Geburtenraten ( Geburtenüberschuss)
2. Stagnationsphase von 1974/75 bis 1984/86
Sinkende Geburten seit 1964  1,36; Anstieg der Geburten bis 1980, danach erneutes Abfallen unter Zahl der Sterbefälle; Abnahme von Einwanderungen (Ausgleich Zu- und Abwanderungen)  Mauerbau 1961; Gastarbeiter-Anwerbestopp 1973 nach der Ölkrise.
3. Erneute Wachstumsphase ab 1985/86
Ende des Sozialismus Ende der 80er Jahre  4. Welle von Einwanderungen (Massenflucht ehemaliger DDR-Bürger, osteuropäische Spätaussiedler); 1989: 62,6 Mio. Einw.

IV. DIE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN DER DDR
1. Wachstumsphase 1945 bis 1948
Flüchtlinge, Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten (Bev. Anteil: 22%)  Anstieg auf 19 Mio. Einw.
2. Bevölkerungsverluste nach 1948
Von Anfang an Auswanderungsland, stetige Verkleinerung der Bevölkerung  „Sonderfall“; Sinken zwischen 1948 und 1989 auf 16,4 Mio; ebenfalls merkliche Geburtendefizite Anfang 1970er Jahre; nur kurzes „Geburtenhoch“ Ende der 70er Jahre; Ausländeranteil „mit ca. 1% extrem niedrig“.

Quelle: Uni Erlangen
AZ


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#40

RE: Dolchstoss gegen eine ehemals grenznahe ostdeutsche Stadt

in Themen vom Tage 05.03.2010 19:33
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
avatar

Jörg, deine Quelle erinnert mich an ein Buch über deutsche Geschichte der Nachkriegszeit und jetzt mal stark überspitzt formuliert...50 Seiten Entwicklung der BRD und 3 Seiten DDR, so die Gründung und der Mauerfall.
Also klopp sie lieber gleich in die Tonne, diese herliche Studie der Uni Erlangen.
Note Fünf, kann ich da nur sagen, auf diese "Studie".Sie beantwortet nichts, nente, nichts.

R-M-R


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