#21

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 03.03.2010 15:38
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Feliks D.

Zitat von josy95

Milno? Das ist doch bestimmt ein Schreibfehler und soll Milzow (bei Greifswald/ Rheinberg) heißen?



Nein, das Milno soll Mielno heißen und ist eine schöne Ecke, zumindest damals so gewesen.





Alles klar, hatte vegessen, das der Greso damals an der polnischen Ostseeküste im Urlaub war.

Sowas kommt davon , wenn man älter wird und sich mit mehreren Sachen gleichzeitig beschäftigt...!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#22

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 03.03.2010 17:13
von dein1945 (gelöscht)
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Zitat GilbertWolzow

es gibt zwei mal das "mielno"(grossmöllen). einmal in den masuren und ist der nachbarort von tannenberg wo einmal der deutsche orden vernichtend geschlagen wurde und jahrhunderte später das hindenmausoleum stand.

der zweite ort "mielno" liegt in der nähe von darlowko (rügenwalde - jeder kennt die wurst ) und befindet sich an einem der schönsten strände.
an der strandpromenade bietet "tui" eines der zwei haupthäuser an.

sehr zu empfehlen die ecke...[/quote]

@GW,
nun melde ich mich schon wieder bei Dir, es handelt sich um das Tannenbergdenkmal und darin befand sich das "HINDENBURG MAUSOLEUM", nur mal als Richtigstellung,
Gruß aus Berlin

http://www.ostpreussen.net/index.php?sei...eis=22&stadt=20


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#23

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 03.03.2010 18:39
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

du hast recht @dein1945, bei mir hatte der computer das wortteil "burg" von hindenburgmausoleum gefressen.

es tut mir leid und ich hoffe du kannst mir verzeihen...


http://www.ostpreussen.net/index.php?sei...eis=22&stadt=20


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#24

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 03.03.2010 18:54
von dein1945 (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow
du hast recht @dein1945, bei mir hatte der computer das wortteil "burg" von hindenburgmausoleum gefressen.

es tut mir leid und ich hoffe du kannst mir verzeihen...


http://www.ostpreussen.net/index.php?sei...eis=22&stadt=20



Bin nicht nachtragend,
Schönen Abend und Gruß


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#25

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 03.03.2010 19:54
von Greso | 2.377 Beiträge

Zitat von Focking
@Greso,
in welchem Betriebsteil warst Du denn beschäftigt?


Hallo Focking,ich war in Dessau aber der Stempel ist doch zu erkennen,oder??
Gruß Greso


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#26

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 03.03.2010 19:58
von Greso | 2.377 Beiträge

Zitat von Feliks D.

Zitat von josy95

Milno? Das ist doch bestimmt ein Schreibfehler und soll Milzow (bei Greifswald/ Rheinberg) heißen?


Nein, das Milno soll Mielno heißen und ist eine schöne Ecke, zumindest damals so gewesen.


Ja Mielno,ich meinte ja ,,oder so,,War immer schöner sauberer Strand.
Greso


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#27

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 03.03.2010 20:06
von Greso | 2.377 Beiträge

Zitat von Focking
@Greso,
in welchem Betriebsteil warst Du denn beschäftigt?

Angefügte Bilder:
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#28

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 03.03.2010 20:49
von Greso | 2.377 Beiträge

Ich zeige mal wo Mielno (Großmöllen)liegt.
Greso

Angefügte Bilder:
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#29

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 03.03.2010 21:00
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@greso, das von mir bezeichnete "rügenwalde" liegt demnach nur im planquadrat 25 a


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#30

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 03.03.2010 21:15
von altgrenzer (gelöscht)
avatar

hi Focking, vielen Dank für Deinen Bericht!

Hab auch noch einen, kleiner Urlaub 1983, September. Ort: Hopfenmühle Hohenwartetalsperre. Objekt: Bungalow am Waldrand. Wasseranschluss ca. 50 m über die Wiese am Hang. Elektisch Licht: Keines. Klo im Wald, Häuschen mit Herz.

Es war so, dass am Tag unserer Ankunft alle Feriennachbarn dort abgereist sind, Nachsaison halt. Ich hab im Kiosk eine Flasche Doppelkorn gekauft, dazu eine halbe Kiste Bier und hab beim Licht einer Petroleumlampe die Romanzeitung gelesen. Am ersten Abend hab ich festgestellt, dass ich meinen Pullover vergessen hatte und es war schon etwas kühl. Hab dann im An- und Verkauf Schleiz einen gebrauchten Pullover gekauft für 20 Mark, der war Jahre später noch mein Lieblingspullover.

Es war einer der schönsten Urlaube in DDR Zeiten. Absolute Stille auch tagsüber. Ich hab allerdings manchmal versucht, mir vorzustellen, dass die Berge ringsum etwas höher sein könnten, so wie der Wilde Kaiser mindestens...

Die Gegend südlich der Hohenwartetalsperre war damals der Arsch der Welt. Die Straßenzustände erlaubten zum größten Teil nur Schrittgeschwindigkeit. Aber affengeile und wunderschöne Landschaft dort. Hab erst viele Jahre später erfahren, dass der Rennsteig bei Propstzella insgesamt 6x durch die D-D-Grenze ging.

Wenn Ihr mal dort sein solltet, besucht den Altvaterturm auf dem Wetzstein und das Schieferbergwerkmuseum Lehesten.

Viele Grüße an Alle,
Rolf


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#31

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 03.03.2010 23:06
von Greso | 2.377 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
@greso, das von mir bezeichnete "rügenwalde" liegt demnach nur im planquadrat 25 a


Hallo GilbertWolzow,nein liegt in der 11.Habe mal ne Mili Karte eingef.Greso

Angefügte Bilder:
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#32

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 07.03.2010 23:20
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von altgrenzer
hi Focking, vielen Dank für Deinen Bericht!

Hab auch noch einen, kleiner Urlaub 1983, September. Ort: Hopfenmühle Hohenwartetalsperre. Objekt: Bungalow am Waldrand. Wasseranschluss ca. 50 m über die Wiese am Hang. Elektisch Licht: Keines. Klo im Wald, Häuschen mit Herz.

Es war so, dass am Tag unserer Ankunft alle Feriennachbarn dort abgereist sind, Nachsaison halt. Ich hab im Kiosk eine Flasche Doppelkorn gekauft, dazu eine halbe Kiste Bier und hab beim Licht einer Petroleumlampe die Romanzeitung gelesen. Am ersten Abend hab ich festgestellt, dass ich meinen Pullover vergessen hatte und es war schon etwas kühl. Hab dann im An- und Verkauf Schleiz einen gebrauchten Pullover gekauft für 20 Mark, der war Jahre später noch mein Lieblingspullover.

Es war einer der schönsten Urlaube in DDR Zeiten. Absolute Stille auch tagsüber. Ich hab allerdings manchmal versucht, mir vorzustellen, dass die Berge ringsum etwas höher sein könnten, so wie der Wilde Kaiser mindestens...



Viele Grüße an Alle,
Rolf




Das wär doch heute der letzte Schrei! Abenteuerurlaub pur. Der letzte Schrei, besser gesagt Aufschrei wenn`s an`s bezahlen geht. Geschickt vermarktet kostet sowas richtig Geld heute..., damals hat man aus der Not ne Tugend gemacht und empfand es auch irgendwie schön. Sonst würde man sich heut auch nicht mehr dran erinnern. Was solls!?

Wir waren im Sommer 85 in Lobbe auf Rügen (erste gemeinsame Urlaub mit meiner Exfrau) zelten.
War zeitweise schweineheiß. Campingausrüstung war auf Grund des beschränkten Transportvolumens auf einem Motorad auch nicht so üppig. Als Kühlschrank für Lebensmittel diente ein in die Erde eingegrabener Plasteimer - natürlich mit Deckel, wegen der Krabbelviecher. Getränke wurden entweder im Netz in der Ostsee gekühlt oder auch im wassergefüllten Eimer. Gekocht wurde auf einem kleinen Brennspirituskocher oder das Heißwasser wurde im Waschraum mittels Tauchsieder heiß gemacht. Der Zeltplatz Lobbe verfügte damals als einer der Wenigen über eine massive Sanitäranlage mit(!) Dusche(!!!) Natürlich nur mit Kaltwasser... brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr!

Man hat`s mit Humor genommen und das beste draus gemacht!

Geblieben sind die schönen Erinnerungen, die heute für manche Storry, für manche Kamelle unter dem Motto: "Weißt Du noch..." herhalten müssen.

josy95


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 07.03.2010 23:21 | nach oben springen

#33

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 09.03.2010 03:04
von grenzsoldat (gelöscht)
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Urlaub in der DDR war genau so streßig, genau so erholsam für mich wie nach 1989. Durch den FDGB habe ich fast in jedem zweiten Jahr von 1963-1989 für mich und meine Familie einen Ferienplatz bekommen. Das wurde ja hier auch im Tread beschrieben. Fakt war, vor 1989 war das eine spottbillige Angelegenheit. Das Niveau der Quartiere und der Verpflegung war manchmal mieser als vor 1989, manchmal auch gleich, besser nie. Ein Problem für mich waren in der DDR die Grenzen. Ich hatte aber Glück im Unglück, ich hatte Verwandte in Ungarn und dann auch schnell Beziehungen nach Polen und in die CSSR. Wenn ich nicht mit dem FDGB unterwegs war, war ich außerhalb der DDR unterwegs. Ich war gerne weg, fuhr aber genau so gerne wieder nach Hause,nach Thüringen.

Ich beschreibe jetzt mal eine andere Urlaubsform, die hier nur bisher am Rande erwähnt wurde. Urlaub per Trampen: Die DDR konnte ich durch diese Reise- und Urlaubsform als Jugendlicher relativ umfassend kennen lernen.



HOTEL SAVARIA VOR UND NACH DEM KORSO und dann Szex!

Auf der Reise auch zum Hotel Savaria hatte ich schon zwei Kulturschocks hinter mir. Ich war 17 Jahre alt zu tiefster DDR-Zeit 1964 und per Anhalter zu Oma von Bad Salzungen in Thürngen nach Szombathely/Ungarn unterwegs. Ich war ein jugendlicher Tramp und war damals mit anderen langhaarigen Jungs in Osteuropa mit dem ausgestreckten erhobenen Daumen auf der Straße. (http://de.wikipedia.org/wiki/Trampen)

Dann der erste Schock in der Turi-Kneipe „U Fleku“ in Prag. Mir wurde dort die Geldbörse mit 120 Ostmark geklaut. Am Tisch gegenüber saß ein Typ, der sah noch gammeliger aus wie ich. Dieser hatte noch längere Haare und trug schon einen Bart, den verdächtigte ich lauthals. Dann griff er aber in seine Geldbörse und reichte mir einen Hunderter, einen Westhunderter. Wenige wissen heute noch was das bedeutet. Für mich war es sehr bedeutsam - die Ostmark stand zur Westmark eins zu zehn. Ich hatte dadurch plötzlich eintausend Ostmark in der Reisekasse.

Zwei Tage später stand ich am Grenzübergang in Komarno, der damaligen Tschechoslowakei in der heutigen Slowakei. Ein Langholzlaster hatte mich aus Bratislava mit genommen und der Fahrer meinte, ich müsste zu Fuß über Grenze nach Ungarn laufen.

Es war ein strahlender Sonnentag, ein Montag im Juni vormittags um elf Uhr, als ich mich auf den Weg machte. Die Zahradnicka Straße ging über die kleine und große Donaubrücke zur ungarischen Grenzstation nach Komarom. In der Mitte der Brücke ist die Grenze und da gab es nicht nur das Staatswappen Ungarns, sondern auch ein Straßenschild Igmandi Ut neben dem weißen Grenzstrich auf der Brücke.

Ich fühlte mich da wie der Liebe Gott persönlich und war ungeheuer stolz über 800 Km per Anhalter gekommen zu sein. Es war meine bisher weiteste Trampreise. Nun war ich ein erfahrener Weltreisender!

Neben dem Staatswappen auf der Brücke saßen zwei Typen. In Jesuslatschen mit zerfetzten Rucksäcken, dreckigen Füßen, braun gebrannt. Beide hatten blaue runde Sonnenbrillen auf der Nase, futterten ein großes ungarisches Weißbrot mit viel Käse und tranken aus einem Kanister Milch. Sie sprachen deutsch und erzählten so ganz nebenbei, als ich mich auch an dem Käse, der Milch und dem Brot gut tat, sie kommen aus dem Hotel Savaria in Szombathely und vorher kommen sie aus Indien per Anhalter.

"Indien per Anhalter? Wie geht denn so was?" dachte ich und lies mir erzählen, wie man per Anhalter von Hamburg aus da hin und zurück kommt. Das war eine total andere Welt für mich, wo junge Leute einfach so durch die Welt mit einem Paß für alle Länder von Land zu Land reisen können. Ich kam aus der DDR und hätte eventuell bis Rumänien oder Bulgarien reisen können. Danach war für mich die Welt zu Ende. Neben der Sache mit Indien fand ich irre, dass sie das Savaria in Szombathely, so wie ich auch, kannten. Sie hätten in Jaipur von einem Hessen gehört, wenn sie heimwärts über Wien reisen, sollten sie sich unbedingt den Korso in Szombathely ansehen und am Freitag Abend nach dem Korso, den Korsoabend im Savaria.

Wir quasselten bis zum Nachmittag über das Hotel Savaria und Indien und gegen Abend war ich bei meiner Oma in Szombathely. Der konnte ich nun das neuste aus Indien erzählen. Oma erzählte das neueste aus dem Hotel Savaria, das damals so was wie der Balkon von Szombathely war. Und Oma erzählte vom korzó. Der korzó ’Korso’ war damals kein Autokorso, sondern ein Zustand auf mehreren Straßen, der regelmäßig am Samstag statt fand. Da liefen praktisch alle jungen Leute langsam durch mehrere Straßen um das Stadtzentrum von Szombathely. Mit corso bezeichnete man früher vor dem 18. Jahrhundert ein Wettrennen reiterloser Pferde, wie sie vor allem in Italien auf Straßen und Plätzen stattfanden oder die Schaufahrt von oft geschmückten Wagen bei Hochzeiten oder Sportsiegen.

In Szombathely waren damals die reiterlosen Pferde die unverheirateten Mädchen und Jungs. Es war praktisch eine Art Heiratsmarkt, wo man die jugendlichen Kids schlicht und einfach am späten Samstagnachmittag auf die Straßen scheuchte, damit sie einen Lebenspartner finden. Das geschah aber nur indirekt. Äußerlich verfemten alle Eltern, die flügge Mädchen hatten, schon diese Institution, die sich vor langer Zeit entwickelt hatte und Mitte der Fünfziger Jahre wieder auf lebte. In der katholischen Kirche wetterte man von der Kanzel dagegen, die damals herrschende kommunistische Partei hatte den korzó oft als Parteiversammlungsthema im Sinne der Abwehr bürgerlicher Dekadenz auf dem Tisch. Das Problem der Genossen war aber, Szombathely heißt nichts anderes als Samstagmarktplatz. Der Korso war eine zähe Tradition, die man nicht leicht beseitigen konnte.

Ich kam damals mit der NATO, der NATO-Plane, NATO-Kutte. Eine Bezeichnung für in den 1960er Jahren gebräuchlichen modernen Nylon-Mantel, den es nur über West-Beziehungen gab. Meine NATO Beziehung war meine Tante Hilde in Melsungen bei Kassel. Das ist hier wichtig zu erwähnen für den Fortgang der Story um das Hotel Savaria. Ich sah nämlich in meiner NATO-Plane wie ein Bürger der BRD oder Österreicher aus und nicht wie ein DDR Bürger.

Meine Oma plante "finstere" Absichten mit mir. Weil es ihr seinerzeit nicht gelungen war, ihre Tochter, meine Mutter auf dem Korso zu vermitteln, hegte sie nun die Absicht mich zum Ausgleich in Szombathely zu verheiraten. Meine Mutter haute kurz vor dem zweiten Weltkrieg mit einer Freundin nach Wien ab und kam über Paris nach Guernsey, das dann im Krieg von deutschen Truppen besetzt wurde. Einer der Besatzer war mein künftiger Vater und seine Irma hatte es dann nicht mehr nötig wie ein reiterloses Pferd in Szombathely auf dem Korso herum zu laufen.

Nachdem ich dann geboren wurde und in der Lage war mir Geschichten zu merken, merkte ich mir, dass es im Hotel Savaria die dickste Doboschtorte gäbe, feinste Punschschnitten, schokoladigste Schokoladentorten. Eine Götterspeise wäre die "Gundel palacsinta", benannt nach einem berühmten Budapester Koch des Fin de siècle. Gefüllt mit Haselnusscreme, übergossen mit Schokoladensauce und garniert mit Schlagsahne, wäre sie ein Lobgesang an die ungarische Mehlspeisküche gewesen. Mama konnte mir das in der damaligen Mangel-DDR nicht bieten. Gab es Schokolade, gab es keine Schlagsahne. Haselnusscreme gab es nie!

Nagymama, also Oma hatte schon gut vor gesorgt und am Dienstagabend einen Tisch im Hotel Savaria für eine kleine Feier zu meinen Ehren bestellt. Der Tisch entpuppte sich als zehn zusammengestellte Tische zu einer Tafel in der Lobby. Vorher wurde ich aber am Nachmittag per Kleinbus nach Ják, einem Dorf in der Nähe von Szombathely zur entfernteren Verwandschaft gekarrt. Dort wurden zwei Mädels in meinem Alter und eine Anstandstante und zwei Onkel abgeholt. Es gab dann aber ein Problemchen mit den Mädels. In Szombathely sprach damals fast jeder und jede deutsch, in Ják bellten aber sogar die Hunde ungarisch. Die Mädels waren sprachlich drauf wie die Hunde. Ich kam dann mit der ganzen Gesellschaft gegen Neunzehn Uhr leicht angeschwipst im Hotel an, weil mich die Mädels auf der Rückfahrt mit Palinka abfüllten. Sie waren hübsch und ihre großen dunklen Augen wurden von Kilometer zu Kilometer immer größer.

Im Hotel Savaria war inzwischen die komplette Verwandschaft versammelt. Das waren verwandtschaftlich gesehen so um zwanzig Personen. Nur die Gesellschaft war doppelt so groß, weil Oma Maria noch irgendwelche Bekannte mit Töchtern heimtückisch dazu geladen hatte. Also die Hälfte der Lobby war voll. Nach kurzer Rede von Oma Maria, die offiziell einem entferntem Onkel galt, der vor 14 Tagen Geburtstag hatte, spielte eine Zigeunerkapelle auf. Um mal ein Klischee zu bedienen, wie die Ungarn so sind, war es so, wie manchmal in der Literatur beschrieben. Am Anfang spielten sie unsäglich traurige Weisen vom Mütterlein, das sein Töchterlein in ein fremdes
Land veriert und das Kind der Tochter ganz alleine wieder kehrt, um das alte arme Mütterlein zu pflegen. Nur, Oma Maria war zwar alt, arm war sie nicht. Oma Maria war sehr wohlhabend und Oma war sehr dominant und heimtückisch.

Dann bogen sich die Tische von der kompletten Küche des Hotel Savaria. Backhähnchen, Pörkölt konnte ich als halber Ungar identifizieren. Der Rest der Speisen war mir unbekannt. Mitten in der Heulerei kommt ein älterer Mann, der erst an der Rezeption stand heulend an unseren Tisch und entpuppt sich als ungarischer Jude, der das erste mal nach der Auswanderung in die USA, wieder in seiner ehemaligen Heimatstadt zu Besuch weilt. Nun ging das laute Weinen von allen eine Oktave höher und einige Dezibel lauter weiter. Man fiel sich in die Arme und wer sich noch nicht umarmend weinend verbrüdert hatte, der verbrüderte sich schulterklopfend heulend nochmals.

Dann langsam, aber sicher begann der lustige Teil des Abends. Es wurde getanzt und es flogen buchstäblich die Fetzen. Es ist so, wenn die Magyaren, die Ungarn in Stimmung kommen, dann haben sie Paprika im Arsch. Die Männer zogen alle ihre Jacken aus und tanzten wie in kitschigen UFA Ungarn-Filmen Csárdás, aber die jüngeren dann auch Rock and Roll und Twist. Sogar die Kellner des Hotels Savaria tanzten mit und die Köche auch, nachdem sie ein Spanferkel auf die Tafel gewuchtet hatten. Einige Männer der Verwandschaft kletterten dann mit der Zigeunerkapelle zu einem Balkon über der Lobby und fingen an ungarische Heldenballaden zu singen. Die
Lobby, die sich inzwischen um zusätzlich 100 Gäste addierte, sangen fleißig mit. Es war ein lustiger Abend, Oma Maria zahlte alles. Wie ich dann zu Oma nach Hause kam, weis ich auch heute nicht mehr.

Nur Oma wusste, das ich mich mit zwei Mädels verabredet hatte. Ildikó und Martha. Mit Ildikó traf ich mich am Mittwoch und mit Martha am Donnerstag. Am Freitag Vormittag sagte mir Ildikó aus Ják mit den großen runden Augen am Szombathelyer Bahnhof, dass es nix mit uns wird, weil ich mich am Donnerstag mit Martha getroffen hätte. Am Freitag Mittag kam per Eisenbahn meine Mutter aus Bad Salzungen in Szombathely an und beim Abholen vom Bahnhof sagte Oma Maria zu ihrer Tochter, dass es am Abend eventuell eine Verlobung mit Martha und mir zu feiern gäbe.

Meine Mutter nahm mich dann ins Gebet und flehte inständig mich nicht von meiner Großmutter austricksen zu lassen. Freilich wäre es ihre Mutter, die sie lieb hat und viel zu selten sähe, nur was ihre Kuppelverhalten anbelangt, wäre sie eine Hexe. "Die hat da absolut finstere Absichten! Wenn du das Mädchen nicht wirklich lieb hast, lass bitte die Finger davon! Und, was noch viel wichtiger ist, du kannst am Sonnabend nicht beim Korso mit laufen. Du kannst mit der Martha das dann nur noch vom Trottoire als Zuschauer betrachten!"

Freitag Abend hat dann meine ausgebuffte Oma bei den Eltern von Martha trotzdem ein Treffen arrangiert. Meine zwei verrückten ungarischen Cousinen Marika und Judith waren mit, sogar meine Mutter und meine Tante. Irgendwann saß ich dann sogar mit Martha im Schlafzimmer ihrer Eltern und Martha sagte, „wenn jetzt die Türe auf geht und wir beide sitzen beieinander zusammen und halten unsere Hände, sind wir so gut wie verheiratet. Meine Mutter will das so und deine Oma.“ Dabei heulte sie und sagte, sie hätte ja noch neben mir einen anderen Jungen gern, der sie aber eventuell nicht will. Heul, heul, heul. Ich bin dan aufgestanden und habe das Fenster auf gemacht.
Die Türe zum Schlafzimmer ging dann auf und ich konnte ohne schlechtes Gewissen ohne Martha am Samstag zum Korso.

Es ist viele Jahre her. Sicher sehe ich das alles heute ein wenig genau so verklärt und fast genau so wie in dem Film "Ich denke oft an Piroska" aus Hódmezovásárhelykutasipuszta."Ich denke oft an Piroschka" ist ein deutscher Film aus dem Jahr 1955 und basiert auf dem Roman "Ich denke oft an Piroschka" von Hugo Hartung. Den Ort gibt es wirklich, die deutsche Übersetzung des Namens lautet so viel wie Marktplatz auf dem Biberfeld. Die Stadt liegt etwa 25 km nordöstlich von Szeged.

Wikipediatext zum Film: "Andreas, ein in die Jahre gekommener Schriftsteller, erinnert sich bei einer Zugfahrt an seine Jugendliebe aus Ungarn: Als junger Mann fährt er 1925 als Austauschstudent auf der Donau nach Budapest. Er verliebt sich auf dem Schiff in die junge hübsche Greta. Mit ihr zieht er die Nacht lang durch Budapest. Am nächsten Tag aber muss er mit dem Zug zu seiner „Ferienfamilie“ in einen entlegenen Ort in der Puszta („Hódmezovásárhelykutasipuszta“) fahren, Greta dagegen zu einem Urlaubsaufenthalt nach Siofok am Balaton.Andreas lernt in der Puszta die fröhliche 17-jährige Piroschka kennen, die Tochter des Stationsvorstehers. Sie verlieben sich bei einem Tanzfest und verbringen romantische Tage - bis eine Karte von Greta eintrifft.Andreas beschließt, zu Greta an den Balaton zu fahren. Piroschka, die durch ihre Mutter vom Inhalt der Karte weiß, folgt Andreas und bringt ihn in eine prekäre Lage, als sie mit Greta und ihm zusammentrifft. Als Andreas endlich begreift, für wen sein Herz tatsächlich schlägt, ist es beinahe zu spät. Er kehrt zurück nach Hódmezovásárhelykutasipuszta, aber Piri will ihn zunächst nicht mehr sehen. Erst beim Maisrebel-Fest versöhnen sie sich wieder. Aber es bleibt ihnen nur noch ein Tag bis zu seiner geplanten Abfahrt. Beim abenteuerlichen Abschied - Piroschka hält zuletzt seinen Zug an - verspricht er, wieder zu kommen. Aber aus diesem Happy End
wird nichts, da er Piroschka "nie mehr wieder" sieht."

Eigentlich beginnt erst hier meine ungarische "Piroska" Geschichte, die mit den vorherigen Verwicklungen sehr wenig zu tun hat. Naja, der Nylonmantel spielt noch eine Rolle. Ich hoffe, sie sind von Abschnitt zu Abschnitt in diesem Text gehüpft, um zu erkunden, wie die Geschichte weiter geht.

Alleine, die Abläufe auf dem Korso zu beschreiben, müsste ich jetzt noch 4 Kapitel einfügen. Denke aber wenige Sätze reichen erst mal aus das zu beschreiben.

Ich bin mit meinen beiden Cousinen Marika und Judith am Sonnabend gegen 16.00 Uhr auf den Szombathelyer Korso gegangen. Es war einfach, sie wohnten direkt an einer Straße, die zum Korso gehörte. Marika war ein Jahr älter als ich, also 18 und Judka, Judith war 14 Jahre alt damals. Judka kicherte immer nur und Marika erklärte mir, was damals da so abging. Kaum waren wir auf der Straße, kamen mir zwei Mädchen, die sich eingehakt hatten entgegen und eine hielt mir ein blaues Schulheft unter die Nase und sprachen auf mich ein. Ich verstand kein Wort. Ich sprach ja kein ungarisch. Cousine Marika klärte mich auf. "Schreibe deinen Namen und Adresse in das Heft, nach ca. einer Stunde sehen wir sie wieder. Wieder? Es war praktisch so, dass die Mädels in Uhrzeigerrichtung
um den Korso liefen und die Jungen, die Männer entgegen der Uhrzeigerrichtung. In manchen Straßen wäre es auch umgekehrt. Fünfzig Meter weiter kommt eine kleine mollige Blonde auf mich zu gerannt und sagt laut fordernd "edj pussit!". Marika meint, "das heißt einen Kuss", also ich soll die kleine Dicke küssen. Na, und meinen Namen und Adresse in das Heft schreiben. Ich habe sie dann auf die Wange geküsst und die kleine Blonde hat einfach ihren spitzen Mund nochmal hin gehalten. Da hab ich sie auf den spitzen Mund halt geküsst und gedacht ihr Ungarinnen habt doch nicht mehr alle Tassen im Schrank. So um die zehn mal ging das dann noch so. Mit dem Heft und der Küsserei. Selber auf die Idee jemand aufzufordern, was in mein Heft zu schreiben bin ich nicht gekommen. Ich hatte ja kein Heft und kannte diese Rituale nicht und konnte damit absolut nichts anfangen. Merkwürdig fand ich nur, das eigentlich sonst die Jungen die Aktiven waren bei diesen komischen Zeremonien.

Cousine Marika klärte mich auf. "Es hat mit deinem Mantel zu tun. Der "NATO-Plane, NATO-Kutte", die mich als Österreicher, als Westler identifizierte. Besonders aus dem Burgenland um Eisenstadt schwärmten junge Männer damals oft nach Nordungarn zur Brautschau oder zur schnellen Nummer aus. Man sagte zwar allgemein damals , Ungarn wäre die lustigste Baracke im Sozialismus, doch seit dem Aufstand von 1956 galt die Regel für junge ungarische Frauen, die lustigste Baracke ist kein Vergleich zu einem stabilen wohlhabenden Haus aus roten Backsteinen im Burgenland Österreich. Die rote Baracke mochte in Ungarn fast niemand, außer den überzeugten Kommunisten. Viele Mädels wollten raus aus Ungarn in den Westen!

Trotzdem, was ich damals noch nicht so richtig wusste, das Phänomen Korso stand unter Auflösung. Weniger wegen dem Druck der Eltern, der Kirche oder der Kommunisten. Es hatte was mit Musikverstärkern zu tun. In Österreich entstanden damals die ersten Diskotheken, was relativ schnell nach Ungarn hinüber schwappte. Man brauchte nicht mehr mit blauen Heftern auf der Straße herum zu irren, man ging zur Partnersuche in die Diskothek.

Die ersten Diskotheken waren damals im Hotel Savaria oder im Kaffee Keringö oder in der Ruby-Bar. Sei es wie es sei, das Hotel Savaria war damals in Szombathely/Steinamanger die Nummer EINS. Auf dem Balkon über der Lobby konnte man die Röhrenvererstärkertechnik aufbauen und die Beats in die Lobby knallen.

Am Sonnabend Abend nach dem Korso flog ich wie eine Schwalbe dort ein. Das mit der Schwalbe ist fast wörtlich gemeint. Das damals irre modische Nylonmäntelchen wedelte bei jedem leichten Windzug nach allen Seiten. Marika und meiner Mutter erzählte ich damals nicht, das ich Westgeld in der Hosentasche hatte. Mit einer Westmark Eintritt kam ich locker an einen Sondertisch der Österreicher, die besonders am Samstag nach dem Korso dort ein flogen. Dann kannten mich die ja von der Forint verschlingenden Fete von Oma und der dortigen Erkenntnis, dass ich die Verrückten auch persönlich kannte, die vor wenigen Tagen direkt aus Indien dort Quartier nahmen.

Ich, der kleine harmlose Huzi aus der DDR war da im Haus Nummer eins von Szomathely zum außerordentlichem Star mutiert. Gegen zweiundzwanzig Uhr hing mir eine Ersibeth in einem dünnen Kunstseidenkleid am Hals. "Una lacrima sul viso" - "Du hast ja Tränen in den Augen" tönte Bobby Solo, ein italienischer Schlagersänger durch den Röhrenverstärker vom Balkon über der Lobby. (http://www.youtube.com/watch?v=YGlOyyZZLuc&feature=re...) Bobby hieß eigentlich Roberto Satti und war ein Jahr älter als ich.Ersibeth wippte beim Tanzen im Takt der Schnulze von Bobby Solo mit ihrem Becken gegen meinen Schritt und machte mich ganz schön scharf. Kurze Rede langer Sinn, gegen Ein Uhr bat mich Ersibeth um Begleitung nach
Hause. Es wäre nicht weit. Hab ich dann im Laufen knutschend mit gemacht. Vor ihrem Haus fragte mich Ersibeth aus. Woher ich den schönen Mantel hätte. Ich hab alles erzählt, von Tante und DDR. Bekam dann aber wegen DDR kurzes Küsschen auf Wange und Ersibeth war auf der Treppe nach oben verschwunden.

Ich trollte mich dann zu Oma und wollte nur schlafen, schlafen, schlafen. Neues Problem, ich hatte nicht den Haustürschlüssel von Oma. Ich wollte Oma nicht wecken und trollte mich zurück zum Hotel Savaria. Inzwischen war es gegen zwei Uhr. Ich komme in die Lobby und was sehe ich, höre ich? "Una lacrima sul viso" - "Du hast ja Tränen in den Augen" tönt es vom Verstärker des Balkons und Ersibeth war vor mir wieder da und tanzt in den Armen eines Österreichers und wippt ebenso mit ihrem Becken gegen seine Hose.

Mein Dusel aber war, der Österreicher war schon sehr voll mit Alkohol abgefüllt und zu keiner wichtigen Gegenregung mehr fähig. Ersibeth war auch nicht mehr ganz nüchtern und schleppte mich schließlich in ihre kleine Wohnung in der Nähe der Schuhfabrik.

Ersibeth war Schuhnäherin am Schuhfabrikfließband und beseitigte damals meine sogenannte Jungfräulichkeit bis die Sonne in Szombathely wieder auf ging. Ihr war es wohl nun scheißegal, was ich für einen Mantel an hatte. Ob ich aus der komischen DDR komme oder aus Österreich. Ich hatte das erste mal in meinem Leben Sex. Auch noch im einzigstem Land der Welt, wo man Sex, szex schreibt!

Oma grinste gönnerhaft, als ich mit einem mittelschweren Kater zum Frühstück erschien. Sie grinste dann nicht mehr, als ich erzählte, dass ich die Nacht bei einem Mädchen aus der Schuhfabrik verbracht hatte. Das wären doch alles Ribanc kurva, also Huren, die im Hotel Savaria verkehren, um sich einen Ausländer zu angeln. Meine Mutter beendete dann die Frühstückszeremonie mit einem handfesten Familienstreit. Drei Tage später war ich wieder in Thüringen ohne ungarische Verlobte. Brauchte nicht trampen. Oma zahlte die Rückreise über Budapest per Eisenbahn.

42 Jahre später im Jahr 2006 stehe ich wieder vor dem Hotel Savaria. Das Hotel hatte schon längere Zeit geschlossen. Ich drückte meine Digitalkamera an die halb blinden Fensterscheiben der Lobby. Es sah dort aus, wie vor 42 Jahren. Nichts hatte sich verändert. Die Wandtäfelung war noch da, die Rezeption und der Balkon, die Galerie. Ich vermeinte dann Bobby Solo zu hören mit "Una lacrima sul viso" - "Du hast ja Tränen in den Augen" .

Vorher war ich auf dem Friedhof, wo auf Omas Grab auf einen Zettel folgender Spruch stand: "Extra Hungariam non est vita: si est vita, non est ita" Außerhalb Ungarns gibt es kein Leben; und wenn doch, ist es ein anderes.

© 05.03.2010 Richard Hebstreit

PS: Tramper gibt es auch noch heute:
http://www.abgefahren-ev.de/


Na und dann gab es noch andere Urlaubsformen in der DDR. Z.B. Oma und Wohnung tauschen. Die Datsche da, wo ich die Arme hoch werfe, war eine Bruchbude am Balaton in Ungarn. Innen war es aber schick und wir wurden von einer ungarischen Oma gratis betreut inkl. Bekochen, die wir eigentlich gar nicht kannten. In der Zeit, wo wir am Balaton waren, war eine Ungarische Familie in unserem Haus in Thüringen. Die hatten da auch eine Oma, meine Mutter, die diese Leute betreut hat. Gibt es heute natürlich auch viel perfekter und ich mache da auch wieder mit: http://www.hospitalityclub.org/

Neben dem FDGB und Trampen gab es natürlich auch in der DDR Privatunterkünfte und Campingplätze. Einmal sind wir mit einem geborgten Wohnanhänger Queck Junior (http://trabiigunterfr.bplaced.net/unsere.../qek-junior.jpg) und meinen ollen Skoda S 100 an die Ostsee gefahren. Der Motor brauchte dan hinterher eine neue Zylinderkopfdichtung und das Getriebe eine neue Kupplung. Nicht witzig war, wenn wir mal auf einen Autobahnrastplatz übernachtetet hatten, hatten wir als Nachtwächter das Ministerium für Staatsicheheit dabei. Nett, wie ich war, habe ich denen einen Kaffee gekocht.

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 09.03.2010 04:39 | nach oben springen

#34

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 09.03.2010 11:51
von Peppe (gelöscht)
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Der Urlaub damals war; Jedes Jahr Ostsee bei meinen Onkel der direkt in Warnemünde wohnte. Es war ein sehr schöne Kindheit inkl. der Ferienlager die jedes Jahr an ein andern Ort war inkl. Ausland ;-) Polen und CSSR. Später dann sind wir anstatt der Ostsee auch öfter nach Ungarn gefahren.......aber eins muss ic schon sagen die Ostsee ist und bleibt " MEIN MEER"
War ja nach der Wende auch wieder paar mal da......das Wasser ist zwar das gleiche :-) aber die Lustigkeit der Urlauber ist irgend wie verloren gegangen. Früher machte doch jeder mit jeden einen Schwatz aber heute ........ ??? Auch meine Verwanden beklagen sich diesbezüglich die ja noch vermieten an Urlauber das die anforderung einfach zu hoch sind für einen Ferienwohnung....immer hat irgend jemand was zu meckern!! Früher war man froh, man hatte ein Bett an der Ostsee auch wenn es keine Dusche im Zimmer gab.........tja Zeiten ändern sich in diesem Fall nict zum positiven

Peppe
Ps: Na mit knapp 18 ;-) ging dann auch meine Tramperzeit los, war ne echt geile Sache und meine schönsten Ferien wenn ich so überlege im nachhinein......frei wie ein Vogel (naja fast:-) mit paar Hundert Mark ab nach Ungarn, CSSR und log. Quer durch die Zone!!Die Gastfreundlichkeit die wir damals erlebten an verschiedenen Orten habe ich nie mehr so erlebt auch in Ferne Reisen :-( !!


zuletzt bearbeitet 09.03.2010 12:02 | nach oben springen

#35

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 09.03.2010 13:08
von Enigzi (gelöscht)
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Hi, machts nicht schlimmer als es war.
Ich war Arbeiter im 3-Schicht -Betrieb. Ich hatte weder Beziehungen in die Gewerkschaftsleitung ( die haben ja die FDGB-Plätze vergeben über die "Vergabekomission"). Logisch habe ich nicht jedes Jahr einen Ostsee-Platz bekommen aber einen FePla eigentlich immer. Berücksichtigt wurde dabei sicher, dass ich Schichtarbeiter mit einem Kleinkind war. Begehrte Plätze waren an der Ostsee, sächsiche Schweiz und natürlich das Sozialistische Ausland, allen voran Ungarn. Das wir als Ossis dort natürlich keine Fürze lassen konnen, ist selbsterklärend. Max. Umtauschbetrag pro Tag von 5 oder 10 DDR-Mark - ich weiß es nicht mehr so genau, da bleibt einiges auf der Strecke. In Bulgarien war ich auch einmal allerdings mit "Interflug". Nie wieder!! sagte ich mir damals schon und habe es auch in die Tat umgesetzt. Wer einem DDR-Bürger seine Herkunft so spüren lässt das man vor peinlichste Situationen gestellt wird, dessen Haus werde ich nie wieder betreten. Schlüsselerlebnis : Meine Frau und ich hatten uns einige Lewa vom Munde abgespart um am letzten Tag in einer Gaststätte abends gemütlich eine Flasche Wein trinken zu können. Entweder hatten wir Hammer und Sichel auf der Stirn ?? jedenfalls wurden wir erst nach 30 Minuten bedient - ok, es war voll aber es sind auch 1000 Kellner rum gesprungen. Dann endlich hatten wir bestellt - den billigsten Rotwein - hatten aber unseren Wein noch nicht. Da kam plötzlich der Kellner und meinte das wir gehen müssten, die Plätze seien reserviert. Als wir nach einer kurzen aber energischen Diskussion beinahe raus geworfen wurden sahen wir, wie unser Tisch-Nachfolger dem Kellner - ganz offiziell einen 10-DM-Schein in die Hand drückten - Wessis und Bulgaren waren von da an nicht mehr meine Freunde - jetzt bin ich selbst Wessi obwohl ich Ossi bin.
Auslands-Urlaub habe ich zu Ost-Zeiten 4 mal gemacht. Polen, Ungarn, Korruptions-Bulgarien und in der CSSR.
Immer Selbstversorger also viel Nahrung in den Trabbi mitnehmen. Nach Bulgarien ging das aber nicht, war für den Flieger zu schwer. Ergo: in der DDR DDR-Mark gegen D-Mark tauschen und die dann nach BG schmuggeln. Da sind wir mit den 50 DM ( hatte Glück und konnte 1:5 tauschen also 250 DDR-Mark ) ganz schön weit gekommen aber nicht weit genug.
Aber warum denn in die Ferne schweifen... Auch in der DDR gabs schöne Ecken. Vor allem, es war finanzierbar ! Bitterer Beigeschmack. Wir sind irgend wann einmal für Bananen und Reisefreiheit auf die Straße gegangen. Das mit den Bananen hat ja geklappt aber wer heute keinen Job hat, der kann auch nicht reisen und das sind immerhin 4 Mio im erwerbsfähigen Alter, Kinder und Rentner nicht mitgezählt. Selbst Familien mit nur einem Verdiener können sich im Regelfall kaum einen UL leisten - im Regelfall betone ich. Wenn natürlich ein Anwalt, Banker, Politiker, Mediziner oder Versicheruns-Angestellter im gehobenen Dienst Alleinverdiener ist, sieht die Sache schon anders aus. Für die stellt sich die Frage : fahr ich mit dem Dienstwagen in UL oder flieg ich und rechne es als Dienstreise ab. Ich hab schon Verständnis dafür wenn o.g. Personenkreis den ganzen Tag jammern und weinen weil es ihnen so schlecht geht.
Die FDGB- Urlaubsplätze waren sehr begehrt. War ja quasi ( aus heutiger Sicht ) geschenkt. Was hat der Scheck für 14 Tage Ostsee mit Vollpension gekostet ? 150, vielleicht 250 DDR-Mark ?? Ich weiß es auch nicht mehr jedenfalls es war sehr billig. Die Heime waren von der Substanz und Qualität her sehr unterschiedlich. Werterhaltung wurde nur selten betrieben, die Heime waren auf "Massenabfertigung" getrimmt. Essen im Schichtbetrieb, genau nach Zeitplan. Die Zimmer waren halt einfach aber zweckmäßig ausgestaltet. Insgesamt war es aber ok wenn man keine gehobenen Ansprüche stellte. Hatte man keinen FDGB-Platz bekommen, gab es immer noch die Möglichkeit über Freunde oder Bekannte sich ein Zimmer zu organisieren oder auf einen Campingplatz zu gehen. Die Versorgung war in jedem Fall kein Problem. Ein gutes Mittagesen in der Gaststätte so um die 5 DDR-Mark war erschwinglich - zu erschwinglich vielleicht...
Na ja. Auch wenn hier etwas Wehmut mit schwinkt, ich genieße die Zeit die ich als Gesamt-Deutscher verleben darf. Mir geht es heute besser als je zu vor. Meine Frau und ich stehen in Lohn und Brot, wir haben unser Auskommen und können uns Wünsche erfüllen von denen wir vor 25 Jahren nicht mal zu träumen gewagt hätten. Zu diesen Wünschen zählen auch die kleinen Dinge des Lebens. Eine Kiwi kannte ich damals nicht, damals war Kiwi für mich Kirsch-Whiskey. Ein Auto kaufen auch wenn ich das Geld nicht habe. Die Pyramiden sehen oder in den Alpen wandern waren die unerfüllbaren Wünsche, die ich mir bereits mehrfach erfüllt habe. Dafür bin ich dankbar.


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#36

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 09.03.2010 14:25
von josy95 | 4.915 Beiträge

Hallo!

Als Einsteller dieses Thread`s vermisse ich eigentlich Beiträge unserer Experten. GT, BGS, MfS NVA ect., einfach aller "Längerdienenden", die von Berufswegen dadurch in den Genuß der für das gemeine Volk sonst nicht zugänglichen Ferieneinrichtungen, Ferienheime gekommen sind.

War es wirklich ein Genuß? Vielfach wurden da ja so einige Sachen erzählt, selbst der Urlaubsablauf war irgendwie so organisiert, das ein militärischer Hauch immer allgegenwärtig war. Man konnte dem Zimmernachbarn nicht trauen, Westfernseh, Westradio waren sowieso verpöhnt.

Wer hatte in der DDR überhaupt Anspruch auf einen Ferienplatz in einem Ferienheim von NVA, VP, GT, MfS, MdI. Hatte das was mit Familienstand (verheiratet, Kind) zu tun? Wie lange mußte man dabei sein, verpflichtet sein oder hatte das was mit dem Dienstgrad zu tun?

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 09.03.2010 14:27 | nach oben springen

#37

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 09.03.2010 14:48
von grenzsoldat (gelöscht)
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In einem "Bruderland" als DDR Bürger als letzter Dreck wegen der fehlenden Devisen behandelt zu werden war Gang und Gäbe. Am Balaton, also am Plattensee waren viele Hotels und Restaurants für uns DDR Bürger sowieso absolut tabu. Man konnte sich da nicht mal ein Mineralwasser leisten. Also, was hat man gemacht, man ist in Restaurants oder Straßenfreßbuden gegangen, wo auch die Ungarn ihren Urlaub verbrachten. Da war es immer prima! Das Essen hat geschmeckt, der Wein floß in Strömen und die Kinder konnten sich Kinkerlitzchen kaufen, die es in der DDR nicht gab. Manchmal verirrten sich Westdeutsche in diese Wirtschaften und Deutsch - Deutsche Diskussionen gingen dann bei Literweise "Grauer Mönch oder Blaustengler" bis zum frühen Morgen. Mein Job war damals "Industriespionage". Nicht beim MfS, sondern in einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Kombinates Wohnkultur in Thüringen. Das hab ich aber völlig legal gemacht, wie man es heute auch noch jeden Tag macht und machen kann. Ich habe Wettbewerber oder zukünftige Wettbewerber im Patentamt in der Mohrenstraße in Berlin wie eine Weihnachtsgans auseinander genommen. Nämlich, der fast komplette Aktienbestand des Münchner Patentamtes wurde mit dem Patentamt der DDR seit 1948 jedes Jahr zentnerweise ausgetauscht. Am Stand, der Entwicklung der Gebrauchsmusterschutzanmeldungen wußten wir, was z.B. auf der nächsten Spielwarenmesse neu sein wird, oder was im nächsten Otto Katalog stand. Der Kick war, die Ungarn waren schneller, als wir in der DDR und haben innerhalb von ein Paar Wochen Produkte rabiat kopiert, wie es heute auch die Chinesen und Inder machen. Ich bin dann im Urlaub oft mit der Kamera auf den Mätkten am Balaton herum gestromert und habe T-shirts, Taschen und alle möglichen Klamotten fotografiert. Da blieb es nicht aus, das man per Zufall mit Kollegen aus Ungarn und Westdeutschland ins Gespräch kam. Da prognostizierte mir ein Kollege aus München, dass dieser Zustand der Abkupferei der Waren, die in Deutschland her gestellt werden aufhört und die alle besser werden als wir. Mit dem damaligen Entwicklungsstand der japanischen Automobilindustrie hat er das begründet. Lustig war damals, einen ungarischen "Industriespion" habe ich da kennen gelernt, der das gleiche in den USA gemacht hat. Das mit den Patent- und Musterakten hin und her schicken, hat ja immer eine Weile gedauert. Da war es pfiffiger, wenn man dort ins Patentamt fährt und die neusten Anmeldungen durchwühlt. Das Fazit mit dem westdeutschen Kollegen war dann, "Wenn wir gemeinsam in Deutschland arbeiten könnten, hätten wir viele Vorteile!" Irgend wie ging das damals auch los. Als ich von diesem Urlaub wieder zu Hause war, habe ich dem Kollegen Teile vom ZAK besorgt. Der "Zentrale Artikel Katalog" der DDR. Das Besorgen war einfach und nicht illegal. Der stand in Leipzig in einer speziellen Buchhandlung einfach so herum. Man mußte nur wissen wo der steht. Hier ist mal ein Beispiel von dem Ding von 1976. http://www.mikroskop-online.de/Mikroskop...gabe%201976.pdf

Umgekehrt bekam ich dann besonders auf der Leipziger Messe von Kollegen aus Westdeutschland die Aktentaschen voll gemacht mit Informationen. Fazit dieser Sache war, der westdeutsche Kollege, der sich im Urlaub mit solchen Sachen beschäftigte, verdiente mit diesen Informationen Zehntausende und konnte mit seiner Familie feine Weltreisen machen, sogar mit einer eigenen Jacht. Ich dagegen bekam auf der Leipziger Messe mal mehrere Designauszeichnungen auf einen Schlag, die ich persönlich nicht in Empfang nehmen durfte. Das hat der Kombinatsdirektor gemacht. Irgendwann stand es dann auch in der Zeitung und ich bekam 200 Mark Prämie. Damit bin ich dann mit meiner Frau nach Pilsen für 4 Tage in Urlaub gefahren. Es war ein schöner Urlaub!


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#38

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 09.03.2010 16:46
von grenzsoldat (gelöscht)
avatar

Zitat von josy95
Hallo!

Als Einsteller dieses Thread`s vermisse ich eigentlich Beiträge unserer Experten. GT, BGS, MfS NVA ect., einfach aller "Längerdienenden", die von Berufswegen dadurch in den Genuß der für das gemeine Volk sonst nicht zugänglichen Ferieneinrichtungen, Ferienheime gekommen sind.

War es wirklich ein Genuß? Vielfach wurden da ja so einige Sachen erzählt, selbst der Urlaubsablauf war irgendwie so organisiert, das ein militärischer Hauch immer allgegenwärtig war. Man konnte dem Zimmernachbarn nicht trauen, Westfernseh, Westradio waren sowieso verpöhnt.

Wer hatte in der DDR überhaupt Anspruch auf einen Ferienplatz in einem Ferienheim von NVA, VP, GT, MfS, MdI. Hatte das was mit Familienstand (verheiratet, Kind) zu tun? Wie lange mußte man dabei sein, verpflichtet sein oder hatte das was mit dem Dienstgrad zu tun?

josy95




Hallo josy95,

Zweimal hatte ich in solchen "Sonderobjekten" Urlaubserlebnisse. Das erste mal 1974 in Weischlitz bei Plauen. Da gab es über mehrere Jahre ein Kinderferienlager des Ministerium für Verarbeitungsmaschinen- und Fahrzeugbau. Ich war da als Ingenieurpädagogikstudent Stellvertretender Lagerleiter für 4 Wochen. Das war schon ein total ganz anderes Ferienlager als die Ferienlager, die ich bsher kannte. Für mich auch fast ein Kulturschock war, Fahnenapell und ideologische Berieselung der Kinder war verboten! Wöchentlich kam ein Tatra aus Berlin mit Südfrüchten und Südgemüse, die ich nicht kannte. Die Kinder aus Berlin haben mir dann erklärt, das man eine Avocado besser in die Pfanne haut und nicht roh verspeist. Wir hatten einen Reisebus, der vom örtlichen Volkseigenen Kraftverkehrsbetrieb für unser Lager abgestellt war. Sowie regnerisches Wetter war, wurde der Bus geordert und wir sind im Erzgebirge und der sächsischen Schweiz herum gekutscht. Von Berlin aus wurden Plätze in den Restaurants bestellt. Da staunten manche DDR Urlauber im HO Restaurant auf dem Fichtelberg nicht schlecht, als wir dann mit unserer Kinderhorde ein Dreigängemenue verputzten. Die standen schon 2 Stunden vor der Tür und kamen wegen uns nicht rein. Die Ministeriumskinderchen waren schon was besonderes. Da entdeckte ich, das es innerhalb der DDR noch eine andere DDR gab. Eine DDR mit bestimmten Privilegien, was für mich schon mal abgefahren war. Bisher kannte ich das nur von den Gerüchten her. Hier erkannte ich, das gab es wirklich! In einem normalen Kinderferienlager der staatlichen Organe, der Betriebe und der Produktionsgenossenschaften war die Haushaltsplanung pro Kind manchmal ziemlich schmal. Die Haushaltsplanung dieses Ferienlagers war eine OpenEnd Planung. Wir konnten für den Bedarf des Ferienlagers kaufen was wir wollten und wo wir wollten. Primat war, den Kids sollte es prächtig gehen. Sehr prächtig! Am Nachmittag gab es für die Kids Eis und Torten, am Abend wurde gegrillt und die Fleischerrechnung war vollkommen egal. Waren Brettspiele kaputt oder es fehlte mal ein Steinchen für Dama oder Mühle, wurden gleich 10 neue Brettspiele gekauft. Wischlappen zum Reinigen der Fußböden durften nur einmal benutzt werden. Am Ende eines Durchganges hatte die Reinugungsfrau 40 Wischlappen zu Hause. Die Kinder von Weischlitz saßen oft auf dem Zaun des Ferienlagers und bekamen große Augen, was diese Ministeriums-Kinder für feines Spielzeug hatten. Tretautos, Karussels, tolle Sportgeräte.



Um 1987 bekommt meine Frau eine Einladung für ein Urlaubs-Wochenende in eine sogenannte Schulungsstätte der SED Kreisleitung Bad Salzungen. Den Bau der Schulungstätte hatte der 1. Sekretärs der SED-Kreisleitung Hans-Dieter Fritschler organisiert. Es gibt auch ein interessantes Buch aus dieser Zeit über HDF - (Hans-Dieter Fritschler): "Der Erste" von Landolf Scherzer:
http://de.wikipedia.org/wiki/Landolf_Scherzer

Ich sollte da erst nicht mit, meinte meine Frau "Das ist nur was für obere Genossen!" Doch dann bin ich doch mit gefahren. Die "Schulungsstätte", so mein damaliger Eindruck, war ein Ferienobjekt das für die höheren Ränge des MFS, der NVA, der SED, MDI am Wochenende genutzt wurde. Haushaltmäßig haben da wohl alle Institutionen für die "Wochenenden" was reingebuttert. HDF war damals berühmt dafür, sich für die Verbesserung der Arbeits-und Lebensbedingungen aller Menschen im Kreisgebiet einzusetzen. Das hat er dann natürlich aber auch für seine Genossen der oberen Ränge gemacht. Man organisierte das immer so, das man da unter sich war. Meine Frau gehörte am Rande auch dazu, sie war damals Kindergartenleiterin und in der SED. Ich bin dann an diesem Wochenende als bekenndender Antikommunist zufällig mit rein gerutscht. Der finanzielle Beitrag, den man da für das Wochenende bezahlen musste, bewegte sich um 15,00 Mark. Das war nichts üngewöhnliches. Ungewöhnlich für mich war die Erkenntnis, das die "Genossen" dort nicht Weinbrand Verschnitt tranken sondern Cognak Hennessy, den ich bilsang nur aus dem Westfernsehen kannte. Es gab Serviererinnen aber es gab keine Abrechnung. In den 15 Mark war das mit drin. Also all inclusive würde man heute sagen. Essen konnte man was man wollte. Es war alles da. Verschiedene Wildgerichte, Lamm, Schweine- und Rinderlende, Pilzgerichte, Fisch......alles vom Feinsten, was sonst nur mühselig in Bad Salzungen zu organisieren war. Der letzte Fischladen in Bad Salzungen hatte schon ein Jahr vorher geschlossen. Dort konnte ich wählen. Aal, Dorsch frisch, Dorsch geräuchert, Forelle oder Karpfen blau. Was heute dort völlig normal ist, war da entsprechendder damaligen Versorgungslage völlig unnormal. "Wasser predigen und Wein saufen!" waren meine damaligen Gedankengänge, als ich mit feinen alkoholischen Wässerchen mit am Abend am Kamin saß und erst mal die Klappe hielt. So gegen Mitternacht, als ich genug pro Mille intus hatte, zog ich dann vom Leder und betitulierte die ganze Bande dort als Arbeiterverräter. Zum Glück waren die da dann auch so besoffen wie ich und man hat es wohl nicht weiter ernst genommen,.....dachte ich. Jahre danach bekomme ich meine Stasiakte. Ich war ein sogenannter "Operativer Vorgang" mit "polit.- neg. Einstellung". Die, welche die politisch positive Einstellung hatten, hatten aber damals die Einstellung persönlich die 15 Mark nicht zu berappen, sie konnten Kraft ihrer Dienststellung die "Schulungsstätte" gratis besonders nach der Jagd in den Rhönwäldern benutzen und einige klauten sehr regelmäßig am Wochenende pro Person Fünfzehn Ostmark Volksvermögen. Sie meldeten sich mit Frau Kind und Hund einfach an und hatten ein schönes Wochenende. Die 15 Mark zahlte dann irgend eine Haushaltstelle ihre Institution für ein "Schulungswochenende". Denn Ordnung mußte sein!

Pointe zu dieser Geschichte. Ich bestellte mir damals bei einen Bekannten eine Diamant Trennscheibe. Was schließt das MFS in einem operatven Vorgang vom 10.12.19987 daraus? Ich hätte die Absicht gehabt, mit der "Diamant Trennscheibe" Diamanten zu trennen! (KD Bad Salzungen Leiter über 1. Stellvertreter des Leiters der BV an Genossen Oberst Storch, Einzelinformation 612/87) Falls hier einer meiner damaligen Vorgangsbearbeiter unterwegs sein sollte, möchte ich hiermit nachträglich darüber informieren, dass ich im Thüringer Wald bei meinen Urlaubsreisen leider keine Diamanten gefunden habe um diese dann mit einer Diamant Trennscheibe zu trennen. Ich habe dann die Diamanttrennscheibe mißbräuchlich benutzt, um die Fliesen meiner Toilette fein säuberlich zu trennen!"

PS: Das zweite Buch zum Thema Bad Salzungen hat dann Landolf Scherzer unter dem Titel "Der Zweite" über einen Bundeswehroffizier, der im Kreis Bad Salzungen Landrat wurde, geschrieben.
http://www.zeit.de/1998/25/Spruenge_ueber_tiefe_Graeben
Da sind dann die paar Privilegien, die sich die damaligen "Genossen" in ihrem Urlaub leisteten, Peanats, gegen die Millionen, die nach der Wende unter der Kreisregierung von Landrat Baldus in Korruptonskanäle mit Hilfe der Treuhand sang- und klanglos fast ungehindert wöchentlich verschwanden.

Trotzdem, von den Insidern Infos von den Spezialheimen der oberen Ränge zu erhalten wird schwierig sein. Die halten lieber die Klappe. Einmal, weil sie sich ein bissel schämen, weil es ihnen manchmal ein bissel besser ging für ihren nicht nur manchmal Vierundzwanzig Stunden Dienst. Zum anderen wäre es Wasser auf die Mühlen derer, die die DDR in Bausch und Bogen in all ihren Erscheinungsformen verteufeln. In der Relation zu dem Urlaubsverhalten der heutigen Oberschicht sind die Privilegien der DDR Nomenklatura Kleckermannskram. Ein ungelernter Arbeiter aus dem Ruhrpott hatte oft einen höheren Lebensstandard als ein Oberst der nationalen Volksarmee.


zuletzt bearbeitet 09.03.2010 17:32 | nach oben springen

#39

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 09.03.2010 18:00
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo Richard,

ich wollte dir nur mitteilen, ich habe deinen Urlaubsbericht sehr genossen.
Danke, AZ


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#40

RE: Urlaub! Wie war`s in der DDR und BRD früher?

in Mythos DDR und Grenze 09.03.2010 18:03
von Peppe (gelöscht)
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Was die Ungarn Urlaube anging und den kleinen Betrag den man umtauschen konnte wo man nie und nimmmer sich Ferien machen konnte. War die Devise; Dumm kann man sein nur zu Helfen muss man sich Wissen ;-)!
Wir haben jedes mal 2 Klappfahrräder von mifa mitgenommen und die schwarz verkauft. Da waren die Ungarn ganz Scharf drauf und unser Urlaub war gerettet :-)!!
FDGB Ferienheim habe ich nie erlebt; Weiss nur das man in 3 Schichten essen gehen musste inkl Bettwäsche und Essbesteck musste alles selbst mitgebracht werden! Ich vergesse nie das Theater mit den Brötchen holen am Morgen beim Bäcker nach 8.00 Uhr gab es nichts mehr :-(
Die Gewinner zu der Zeit waren die, die was an der Ostsee zu vermieten hatten. Die brauchte für nichts anstehen, das brachten alles ihre Urlauber mit :-) ob es die Tiefkühltruhe oder die Thüringerwurst war, egal sogar teils mit Devisen wurde gezahlt hauptsache man hatte ein Bette an der Ostsee!!!
Peppe


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