#181

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 04.03.2010 21:23
von S51 | 3.733 Beiträge

Hm,
Harry Thürk hat nach der offiziellen Kapitulation der Wehrmacht die Kurve gekratzt? Wieso dann Fahnenflucht? Gab es denn in der bedingungslosen Kapitulation einen Passus, nach dem die Disziplinarbefugnis und Befehlsgewalt der Wehrmacht weiter bestand?
Filbinger hat nach der Kapitulation "Urteile" gesprochen und durchgesetzt. Da war er sachlich gar nicht mehr zuständig, sondern die Alliierten. Damit wüßte ich nicht, was an seinem Verhalten in Ordnung sein sollte.
In beiden Fällen würde ich nicht mal dann von einer Fahnenflucht bzw. einem Recht so etwas zu ahnden sprechen, wenn es noch eine entsprechende Disziplinarbefugnis der Wehrmacht gab. Denn der Krieg war verloren, die Wehrmacht als kriegführende Partei hatte kapituliert. Das Land zerstört genau wie die militärische und zivile Ordnung.
Und Maja: Das ist fast genauso. Hat dich jemand verurteilt? Ich meine richtig mit Anklage, Urteil und so? Nein? Also war es das. Kam es zu einer Anklage? Wurde eine Anklageschrift zugestellt? Nein? Dann auch kein Straftäter.
Aber, wie Feliks schon schreibt, ein "Fleck" bleibt, mehr jedoch nicht.
So wenig, wie ich einen verurteilten Fahnenflüchtigen eine Opferrolle zugestehe, so wenig halte ich aber davon, nach dem Ende der DDR noch nachträglich Leute zu verfolgen, die eben das Glück hatten davonzukommen. Und wenn sie nicht davongekommen sind, werde ich sie vielleicht nicht als Opfer akzeptieren aber trotzdem nicht deshalb runtermachen. Es ist einfach mal vorbei. Punkt.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#182

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.03.2010 02:25
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von S51
Filbinger hat nach der Kapitulation "Urteile" gesprochen und durchgesetzt. Da war er sachlich gar nicht mehr zuständig, sondern die Alliierten. Damit wüßte ich nicht, was an seinem Verhalten in Ordnung sein sollte.

S51,

Filbinger war von den Alliierten (Briten) nach Kriegsende bis 1946 bei seinem bisherigen Gericht eingesetzt, von daher war er schon zustaendig. Er hatte allerdings auch schon vor Kriegsende Urteile gegen Deserteure gefaellt.

Es ging aber in erster Linie darum, die Taten Filbingers waehrend seiner Zeit bei der Wehrmacht auf Feliks' Sicht bzgl. Desertation anzuwenden.
Feliks sagte:

Zitat von Feliks D.
Verbrecher ist so ein unschönes Wort, Straftäter paßt besser. Dabei wäre es mir auch vollkommen egal ob du nun bei der NVA Fahnenflüchtig warst oder ob es BW, US Army oder sonstwas gewesen wäre. Eine Straftat ist es in allen Ländern und der Begriff Straftäter daher, auch nach den Rechtsaufassungen und persönlichen Meinungen die in den Ländern vorherrscht, zulässig.

worauf ich fragte:

Zitat von CaptnDelta
... und somit waere auch z.B. Hans Filbingers handeln fuer dich in Ordnung? Und dein stellvertretender Minister Bruno Beater waere ein Straftaeter?



-Th


zuletzt bearbeitet 05.03.2010 02:27 | nach oben springen

#183

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.03.2010 06:08
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Guten Morgen Delta, kannst du das mal näher erläutern mit dem Marinerichter Filbinger und dieser Zuständigkeit, weil, das hört sich irgendwie so an wie "nahtloser Übergang".
Hatte der Mann schon vor Ende des dritten Reiches einen Arbeitsvertrag mit den Aliierten, oder versteh ich da irgendwas falsch in deinem Text?

R-M-R


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#184

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.03.2010 06:16
von manudave (gelöscht)
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Das du mir hier keinen Unfug machst, Rainer-Maria.


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#185

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.03.2010 06:36
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Guten Morgen Delta, kannst du das mal näher erläutern mit dem Marinerichter Filbinger und dieser Zuständigkeit, weil, das hört sich irgendwie so an wie "nahtloser Übergang".
Hatte der Mann schon vor Ende des dritten Reiches einen Arbeitsvertrag mit den Aliierten, oder versteh ich da irgendwas falsch in deinem Text?

"Der Krieg war vorbei, aber die Briten hatten in ihren Kriegsgefangenenlagern in Norwegen die Organisation der Wehrmacht aufrechterhalten. So waren Filbinger und seine Beisitzer noch monatelang nach der Kapitulation gehalten, im Status eines deutschen "Feldkriegsgerichts" und "auf Befehl des (deutschen) Gerichtsherrn und Kommandanten der Seeverteidigung Oslo-Fjord" im britischen Lager nach deutschem Militärrecht Recht zu sprechen. Nur der oberste Gerichtsherr hatte gewechselt. Jetzt war dies König Georg VI. von England."
Die Politische Meinung, Nr. 408 - S. 67-74 - November 2003

-Th


zuletzt bearbeitet 05.03.2010 06:42 | nach oben springen

#186

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.03.2010 06:50
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Danke Delta, das war eine echte Bildungslücke bei mir. Man lernt doch nie aus und David, hatte ich eventuell die falsche Frage gestellt? Oder sollte die Wahrheit, dank Delta nicht ans Licht....kommen?

R-M-R


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#187

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.03.2010 10:45
von turmwache (gelöscht)
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hallo,
gab es doch auch ähnliche verbrechen bei der seeflotte, ich erinnere da an den Film "Rottenknechte"


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#188

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.03.2010 13:00
von Wolle76 (gelöscht)
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Zitat von turmwache
hallo,
gab es doch auch ähnliche verbrechen bei der seeflotte, ich erinnere da an den Film "Rottenknechte"



Habe dazu folgendes Gefunden :

Der fünfteilige Fernsehfilm Rottenknechte (1971) handelt von jungen Marinesoldaten, die sich 1945 nach der deutschen Kapitulation einer weiteren Feindfahrt widersetzen und dafür von einer unnachgiebigen Marine-Justiz zum Tode verurteilt und hingerichtet werden.
(Ramona Fiedler)

Davon habe ich noch nichts gehört, die grobe geschichte erinnert mich an den matrosenaufstand anno 18.
Es gab U-Boote die sich nach Japan/südamerika abgesetzt haben. Die dann dort interneiert bzw gefasngen wurden.

Unter einer Feindfahrt verstehe ich das Ziel gegenerische Schiffe zu vernichten. NACH der kapitulaion wären die Matrosen in dem Fall von den SIEGERN Exekutiert wurden, da sie Verbrecher gewesen wären.

Im Fall Filbinger wie auch in anderen Fällen ging es den Siegermächten um die Aufrechterhaltung der Disziplin.


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#189

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 05.03.2010 13:29
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von Wolle76

Zitat von turmwache
hallo,
gab es doch auch ähnliche verbrechen bei der seeflotte, ich erinnere da an den Film "Rottenknechte"



Habe dazu folgendes Gefunden :

Der fünfteilige Fernsehfilm Rottenknechte (1971) handelt von jungen Marinesoldaten, die sich 1945 nach der deutschen Kapitulation einer weiteren Feindfahrt widersetzen und dafür von einer unnachgiebigen Marine-Justiz zum Tode verurteilt und hingerichtet werden.
(Ramona Fiedler)

Davon habe ich noch nichts gehört, die grobe geschichte erinnert mich an den matrosenaufstand anno 18.
Es gab U-Boote die sich nach Japan/südamerika abgesetzt haben. Die dann dort interneiert bzw gefasngen wurden.



Die Teile 1 bis 3 liefen mal auf dem MDR. Die Teile 4 und 5 wurden nicht gesendet, da von DDR-Propaganda geprägt und nicht der Realität entsprechend.

Gruß
Stefan


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#190

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.03.2010 07:04
von Hans-Walter (gelöscht)
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Ich bin eben über dieses Forum gestolpert und bin beeindruckt, wie ihr euch hier mit Dreck bewerft. Solange ihr das gegenseitig tut, alright. Aber dass jetzt noch der verstorbene Harry Thürk durch den Schmutz gezogen wird, ist schon ziemlich erbärmlich.

@dein1945: Wer Quellen zitiert, sollte sie auch lesen. Auf http://www.harrythuerk.de/biographie steht doch "nach Kriegsende". Steht übrigens auch in der Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Th%C3%BCrk). Als Thürk in seine Heimat (Schlesien) geflohen ist, war der Krieg zu Ende. Und als er aus Schlesien erneut geflohen ist, war der Krieg noch immer zu Ende. Deserteur und Straftäter passen also als Etiketten nicht. Und nur um auch die Frage "wo der gute Mann denn eigentlich hinwollte" noch zu beantworten: Irgendwohin, wo man ihn nicht töten oder ghettoisieren würde.

@Rainer-Maria-Rohloff: Thürk wurde leider des Öfteren mit Konsalik verglichen. Wer seine Bücher gelesen hat, weiß, dass das Quatsch ist. Wer aber stattdessen damit beschäftigt war, kernig polarisierende Artikel für Bildungsmagazine wie BILD oder SPIEGEL zu schreiben, hat es eben einfach kopiert. Ich glaube, wir müssen uns damit zufrieden geben, mit Arthur Schopenhauer festzustellen:
"Was man so die allgemeine Meinung nennt, ist, beim Lichte betrachtet, die Meinung Zweier oder Dreier Personen; und davon würden wir uns überzeugen, wenn wir der Entstehungsart so einer allgemeingültigen Meinung zusehn könnten. Wir würden dann finden, daß Zwei oder Drei Leute es sind, die solche zuerst annahmen oder aufstellten und behaupteten, und denen man so gütig war zuzutrauen, daß sie solche recht gründlich geprüft hätten: auf das Vorurteil der hinlänglichen Fähigkeit dieser nahmen zuerst einige Andre die Meinung ebenfalls an; diesen wiederum glaubten Viele andre, deren Trägheit ihnen anriet, lieber gleich zu glauben, als erst mühsam zu prüfen. So wuchs von Tag zu Tag die Zahl solcher trägen und leichtgläubigen Anhänger: denn hatte die Meinung erst eine gute Anzahl Stimmen für sich, so schrieben die Folgenden dies dem zu, daß sie solche nur durch die Triftigkeit ihrer Gründe hätte erlangen können. Die noch Übrigen waren jetzt genötigt gelten zu lassen, was allgemein galt, um nicht für unruhige Köpfe zu gelten, die sich gegen allgemeingültige Meinungen auflehnten, und naseweise Bursche, die klüger sein wollten als alle Welt. Jetzt wurde die Beistimmung zur Pflicht."


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#191

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.03.2010 07:25
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Guten Morgen Hans-Walter und das hast du gut geschrieben, das mit "der Entstehungsart der allgemeingültigen Meinung".
Ich musste es zweimal lesen, weil mir doch glatt die Hochschulbildung fehlt, aber Humor beiseite, wir bewerfen doch keinen mit Dreck und selbst bei meinem Lieblingsschriftsteller Harry Thürk wirst du festgestellt haben, das er doch sofort von Einigen in Schutz genommen wurde.
Dieser Konsalik konnte ihm nun einmal nicht das Wasser reichen...überhaupt den Mann ihm gegenüber zu vergleichen, ist schon eine Schande für sich aber ich sehe es locker, da ich Thürk seine Romane liebte und noch heute, wenn es mich mal packt, darin lese. Das ist wie ein Film, den ich mir öfters anschauen kann, so " Ich war Neunzehn".
Schön das du hier bist und bring dich mal öfters ein.

R-M-R


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#192

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.03.2010 07:56
von Hans-Walter (gelöscht)
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Hallo Rainer-Maria-Rohloff, mein Kommentar war auf Seite 12 der Diskussion bezogen - ich hatte gar nicht bemerkt, dass es auf Seite 13 noch zivilisiert weiterging. Was eine Seite vorher u.a. von dein1945 veranstaltet wurde, fand ich dagegen ganz schön hässlich.
Was Schopenhauer angeht: Der ist auch mit Hochschulbildung schwerstverständlich. Da bist du mit zweimal Lesen noch gut dabei!


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#193

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.03.2010 12:19
von Ernest | 210 Beiträge

Zitat von Mongibella
Okee, zum Thema zurück.....wagt es jemand mich wegen der Fahnenflucht als Verbrecher zu bezeichnen.....und jetzt mal nich mit Gesetzestexten....nee, schlicht und einfach aus seinem Empfinden heraus....sach ma ausm Bauch heraus geurteilt....

....na, wer traut sich..??

Übrigens, ich würd's jederzeit wieder tun....Armee is nu echt nich mein Ding, ich bin viel zu sehr eine Individualistin! Ich hätt's auch getan ohne den Vorfall im August 1989 in der Ferkeltaxe bei Arendsee....also, beachtet bevor ihr es tut meine eigene persönliche Entwicklung, die ja etwas anders war als man es allgemein kennt....

groetjes
Mara




Hallo Mara,

weißt du, Threads in denen nur gestritten wird und die innerhalb von etwa 3 Tagen auf 12/13 Seiten ansteigen, lese ich ungern. Ich schau da meist gar nicht mehr rein.
Durch den heutigen Beitrag von Hans-Walter hab ich es aber trotzdem gemacht und empfand deinen Beitrag förmlich als "Rettungsanker", weil es ein Beitrag ist, wo ich mein persönliches Empfinden mit einbringen kann und weil dein Denkanstoß auch zum Thema paßt.

Du fragst, ob man dich, wegen der Flucht als Verbrecher bezeichnen kann.

Ich stand ja nun selbst an der Grenze und schrieb schon einmal in einem anderen Thread, daß ich so gesehen nie die Absicht hatte zu flüchten (trotz Verwandschaft und so). Es war ganz einfach die Angst vor dem Ungewissen und auch die Endgültigkeit dieses Schrittes. Einmal getan konnte er nicht wieder rückgängig gemacht werden.

Nur kurioserweise gab es bei mir ständig gedankliche Planspiele, wie, wo und unter welchen Umständen man diesen Schritt trotzdem bewerkstelligen könnte. Instinktiv realisierte ich die ganzen 15 Monate auch jede kleinste Möglichkeit, wo ich mir sagte: """ Hier und jetzt hättest du es auch gefahrlos machen können"""". Das war in gewisser Hinsicht schon komisch.
Hätte ich diesen Schritt in die Tat umgesetzt, so wäre ich nie auf die Idee gekommen, mich als Fahnenflüchtigen oder gar Verbrecher zu bezeichnen. Ich hätte es nicht anders gesehen, wie bei jedem anderen Flüchtigen, der irgendwie seine Chance sieht und auch nutzt.

Ähnlich erging es mir, als mein Zugführer das Weite gesucht hatte. Unabhängig von dem "Warum", hatte er nur innerhalb seiner Möglichkeiten, die Chance, die uns allen geboten wurde, genutzt......nicht mehr und weniger.
Mir und auch den Jungs aus meinem Zug stieß es sauer auf, als man ihn bei der späteren Rotlichtbestrahlung, von extra angereisten Kadern, nur als den Verräter Kr... oder Verbrecher Kr... betitelte.
Erstens, weil es Leute waren, die ihn persönlich gar nicht kannten........
und Zweitens, weil wir ihn als nett, umgänglich und uns gegenüber mehr als menschlich handeld kannten.
Auch nach seiner Flucht hatten wir die gleiche Achtung vor ihm, wie vorher. Unabhängig von dem, was das Gesetzt aussagte, für uns war er weder Verräter, noch Verbrecher, und für mich schon gar nicht.

Als ich genau diese Meinung vor etwa einem Jahr in einem anderen Forum schrieb, gab es einen großen "Aufschrei". Man wollte ihn sogar zu einem potentiellen Postenmörder herabsetzen, nur weil ähnliches schon vorgekommen ist, sie jedoch weder Umstände, noch Ablauf von allem kannten.
Ich will damit nur sagen, wie unterschiedlich und vor allem auch, wie subjektiv so eine Einschätzung sein kann.
Wer sich persönlich und auch ideologisch voll mit dem Staat identifizierte, für dem war das, was ihm vermittelt wurde der Maßstab aller Dinge. Er hat daran gelaubt und auch nicht gezweifelt.

Darum finde ich die Antwort von Felix (auf deine Frage) auch sehr ehrlich.
Auch wenn sie sich nicht mit meiner Einstellung deckt, nur er stand zur DDR und war von allem überzeugt. Somit kann ich diese Auffassung verstehen und kann auch damit leben.


Zitat von Feliks

Verbrecher ist so ein unschönes Wort, Straftäter paßt besser....................
Eine Straftat ist es in allen Ländern und der Begriff Straftäter daher, auch nach den Rechtsaufassungen und persönlichen Meinungen die in den Ländern vorherrscht, zulässig.
So, wie krieg ich jetzt wieder die Kurve....?
Am besten so... nur weil du einmal eine Straftat begangen hast, schließt dich dies ja nicht für immer aus der Gesellschaft aus und macht dich nicht per se schon zum schlechten Menschen.
Es ist halt ein Fleck auf einer weißen Weste, nicht mehr...
...aber auch nicht weniger.
Feliks



Siehst du Mara, würde ich jetzt alles zusammenfassen, dann wäre ich nach Ansicht einiger ebenfalls ein "gedanklicher Fahnenflüchtiger, Desserteur, Verbrecher, Verräter oder gar potentieller Postenmörder".
Hätte ich meine "Planspiele" damals wirklich in die Tat umgesetzt, als das hätte ich mich jedenfalls nieeeee gesehen.
Ich glaube, das beantwortet auch deine Frage.

Viele Grüße
Herbert


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#194

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.03.2010 12:30
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Fahnenflucht sehe ich als verbrechen in jeder armee der welt.man läßt seine kameraden im stich die sich auf einen verlassen.man mus sich in beide situationen versetzen,der eidgeschworene verläßt sich auf den kameraden,den zug,die kompanie bis hin zum generalstab.der fahnenflüchtige bringt alle in gefahr,er sollte vorher sagen das er nicht gewillt ist zu dienen und seine pläne oder strafe alleine tragen.
mit verherlichung der fahnenflucht braucht die welt keine armee mehr,das wäre ja auch was.jeder geht zum gegner über,wechselt die uniform und hat schon wieder gegner.


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
nach oben springen

#195

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.03.2010 12:38
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von EK 82/2
mit verherlichung der fahnenflucht braucht die welt keine armee mehr,das wäre ja auch was.jeder geht zum gegner über,wechselt die uniform und hat schon wieder gegner.


Hallo EK82/2,

die Zeiten in denen fahnenflüchtig gewordene Überläufer verherrlicht wurden sind ja nun vorbei.

Gruß
Stefan


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#196

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.03.2010 12:54
von Ernest | 210 Beiträge

Zitat von EK 82/2
Fahnenflucht sehe ich als verbrechen in jeder armee der welt.man läßt seine kameraden im stich die sich auf einen verlassen.man mus sich in beide situationen versetzen,der eidgeschworene verläßt sich auf den kameraden,den zug,die kompanie bis hin zum generalstab.der fahnenflüchtige bringt alle in gefahr,er sollte vorher sagen das er nicht gewillt ist zu dienen und seine pläne oder strafe alleine tragen.
mit verherlichung der fahnenflucht braucht die welt keine armee mehr,das wäre ja auch was.jeder geht zum gegner über,wechselt die uniform und hat schon wieder gegner.



Tja, das ist eben alles Ansichtssache. Genau wie ich vorher schrieb. Und bei dem ging ich nur von meiner damligen Einstellung aus.

Du schreibst, "der Eidgeschworene"........für mich damals nur eine Pflichtkür, die man über sich ergehen lassen mußte und auch hat. Wollte man der Armee mit dem 18. Monat Tschüß sagen, dann war das halt ein Pflichtteil. Mehr Bedeutung hatte das für mich nicht.
Aber ich schrieb ja, jeder sieht das anders.

Ach, wollte auf einiges eingehen......
Nur so, wie es oben steht, hab ich es damals oft genug zu hören bekommen. Egal ob man da eine Querverbindung zu heute herstellen kann, weil es immer noch ist.
Für mein Teil war die ganze Armeezeit ne ungewollte Pflicht, die man schnell hinter sich bekommen wollte. Da hab ich weder auf Eid oder sonstwas gehört. Die meisten bei uns hatten die Einstellung: """Augen zu und durch""""
Wenn sich da jemand höhere Ziele an seine persönliche Fahne schreiben will, dann ist es seine Sache.
Meine Auffassung war es damals jedenfalls nicht.
Ich wurde trotzdem in Ehren entlassen, weil glücklicherweise niemand in der Lage war und ist, in die Köpfe zu schauen.

Gruß
Herbert

so, meine Spätschicht ruft.......


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#197

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.03.2010 13:01
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

ja ernest,ich dachte auch anders als ich handelte und was meinst du wie mich die reserve ankotzte als mein sohn 8 monate alt war,aber ich tat meine pflicht auch mit illegalem entfernen von der truppe am wochenende um mal schnell nach hause zu fahren.ich war auch nur pflichtwehrdienstleistender ohne überzeugung zum sinn. mir war bewust das dies schwere konsequenzen hätte bringen können,ich sehe dieses aber nicht als fahnenflucht.naja mich betrifft das thema eigentlich nicht mehr da ich für dieses land keine uniform mehr anziehe geschweige einen eid schwöre.da muss schon ein land kommen von dem ich respektvoll reden kann und kein ausbeuterstaat mit korupten managern und steuerhinterziehern die selber aber ihre arbeitskräfte wegen centbeträge aus firmeneigentum entlassen.der staat ist einfach nur eine jahrhundert alte mülltonne.


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
zuletzt bearbeitet 22.03.2010 13:11 | nach oben springen

#198

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 27.06.2015 22:24
von Gert1952 | 27 Beiträge

Fahnenflucht wäre für mich keine Option gewesen,obwohl ich mehre Male die Möglichkeit gehabt habe,oft wäre es nur ein Schritt gewesen.Was sollte ich dort,hier hatte ich meine Familie und die Freunde auf der andern Seite hatte ich niemand.Man hätte nicht ohne Strafe zurück kommen können.
Ich weiss aus eigener Erfahrung das Fahnenflüchtige nach 2-3 Jahren zurück gekommen sind, weil sie mit dem System nicht zurecht kamen.
Gert1952



DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#199

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 27.06.2015 22:29
von SiK90 (gelöscht)
avatar

Oh, noch ein altes (Fach) Thema. Finde ich gut!
Fahnenflucht war vor der DDR eine Straftat und ist es selbstredend heute noch.


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#200

RE: Ich bin kein Verbrecher - Die Deserteure der NVA

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 27.06.2015 22:51
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Fahnenflucht ist auf jeden Fall erst mal eine Straftat entsprechend den geltenden Gesetzen des jeweiligen Staates. Wie diese dann später, i.d.R. nach Regierungswechsel mit gleichzeitigen bedeutenden gesellschaftlichen Änderungen bewertet werden, ist eine andere Sache. Rehabilitieren würde ich nur, wenn die Motive der Fahnenflucht aus der Weigerung heraus geschah, nicht an einem Krieg teilzunehmen, der nach geltendem Völkerrecht eine klare Aggression, geführt mit ebenfalls geächteten Methoden, darstellt. In diesem Sinne ist Fahnenflucht von NVA-Soldaten auch im Nachhinein eine ebensolche Straftat, als wenn sie ein Soldat der BW, der Royal Army, der US-Armee, der russischen Armee u.v.a. begehen würde. Eine Fahnenflucht juristisch nicht mehr zu verfolgen oder den Flüchtigen zu rehabilitieren, sind zwei verschiedene, unabhängige Dinge. Egal, wie der Eine oder Ander heute zum Gesellschaftssystem DDR steht. Von der Gelegenheit her hätte ich ebenso völlig sichere Möglichkeiten gehabt für einen solchen Schritt. Hätte ich ihn getan, wäre mir die Verwerflichkeit meines Schrittes klar bewust gewesen. Für die Wehrmacht liegen die Dinge klar anders. Das war ein klarer Angriffs- Eroberungs- und Vernichtungskrieg, der sich nicht erst im Laufe der Kriegshandlungen so ergab, sondern der von Anfang an als Solcher geplant war.



LO-Wahnsinn, Damals87 und Fritze haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.06.2015 22:56 | nach oben springen


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