#101

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 05.04.2015 19:38
von Mike59 | 7.938 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #99
Zitat von Pit 59 im Beitrag #90
Und richtig, es gab auch Privilegien bei der Versorgung der Erntekapitäne, die eine enorme Hochachtung der politischen Führer vor diesen Ernteschlachtfeld- Arbeitern wiederspiegelte, was nicht immer die Akzeptanz der übrigen Arbeiterklasse vor Ort fand.@hackel39

Da haste Recht Hackel.Zur Erntezeit waren das ja die absoluten Helden,die Zeitungen waren voll damit,schon auf den Titelseiten. Das waren zu der Zeit wohl die einzigsten welche in der DDR gearbeitet haben.


@Pit 59
ja, jedes Regime braucht seine Helden, in der Nazizeit waren es die U Boot Fahrer, in der DDR die Combine Fahrer


Ein schöner Vergleich - spricht für sich.


Büdinger, 94 und damals wars haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#102

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 07:57
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Gert, bleib doch mal sachlich. Man muss doch nicht in jedem Thema solche Sachen ausgraben. Im Grunde stimmt deine Aussage schon, aber durch das ewige aufwärmen wirst du niemanden belehren oder gar bekehren. Viele sind doch blind für das was sie nicht sehen wollen.
Durch solche Beiträge wird jedes Thema sehr schnell zum Schlachtfeld für eine handvoll User und der Rest wendet sich anderen Themen zu.

Der Hesselfuchs


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#103

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 08:05
von Gelöschtes Mitglied
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Die Leistungen der Genossenschaftsbauern haben oft die Titelseiten der Zeitung gefüllt, aber auch in der DDR konnte man nicht einkaufen und mit einem Zeitungsartikel bezahlen.

Die Vergütung und die Arbeitsbedingungen waren in den meisten Genossenschaften erheblich schlechter als in vielen Industriebetrieben. Da wurde die Verbundenheit zur Scholle richtig ausgenutzt. Die immer wieder angeführte individuelle Produktion war mit viel zusätzlicher Arbeit in der eh schon knapp bemessenen Freizeit verbunden. Die damit erwirtschafteten Einkommen wurden in der Regel für den Unterhalt oder den Abriss alter Wirtschaftsgebäude auf dem eigenen Grundstück eingesetzt.

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zuletzt bearbeitet 06.04.2015 13:01 | nach oben springen

#104

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 08:21
von Pit 59 | 10.125 Beiträge

Ich habe ja nun auch mit einigen gearbeitet die vom Dorf kamen,in der Stadt war der "Offizielle" teil Ihrer Arbeit,richtig Geld wurde doch dann aber erst zu Hause verdient.

"Bringe mir doch mal einen Karnickel oder ein Paar Eier mit" Antwort ." Nee Du das wird nichts,ich bekomme wenn ich das Viehzeug Lebend abgebe soviel Geld,da wäre das zu teuer für Dich" Ja ist ja gut.

1990, der Bauer " Du wenn du mal einen Karnickel oder Eier brauchst sage ruhig bescheid" Antwort : "Nee Du, friss mal Deine Karnickel und Eier selber"

Klar haben die auch hart gearbeitet für Ihren "Wohlstand", aber es war schon vieles möglich,und durch Beziehungen oder Freundschaften noch viel mehr. Aber das war ja überall so.


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#105

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 08:31
von Mike59 | 7.938 Beiträge

Wer von den an der "Diskussion" beteiligten war oder ist eigentlich ein eingetragenes Mitglied in eine landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft bzw. einer Nachfolgeeinrichtung einer solchen?


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#106

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 08:38
von Pit 59 | 10.125 Beiträge

Und warum ist das jetzt wichtig ?


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#107

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 08:44
von furry | 3.562 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #105
Wer von den an der "Diskussion" beteiligten war oder ist eigentlich ein eingetragenes Mitglied in eine landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft bzw. einer Nachfolgeeinrichtung einer solchen?


Da wirst Du unter den hier schreibenden Experten nicht viele finden.
Ich war knapp 2 Jahre LPG-Mitglied (1989/90), davor war ich in einem VEG und danach im öffentlichen Dienst Niedersachsen in der Tierproduktion beschäftigt. Genau in dem Bereich der Landwirtschaft, in dem es stinkt. In dem es so stinkt, wie der Mensch stinken würde, wenn er sich nicht mit Schnuff und Puff eindieseln würde.
Und ich muss sagen, besonders in den letzten Jahren seit 1990 hatte ich für mich den schönsten Arbeitsplatz der Welt.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#108

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 08:46
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Pit, dass ist nicht unbedingt wichtig. Jemand der selber einige Jahre da gearbeitet hat und mit offenen Augen durchs Leben geht hat dann doch einen ganz andere Eindruck davon erhalten, wie jemand der es nur aus der Zeitung bzw. vom hören sagen kennt.

Ich war inclusive der Lehrausbildung und des GWD 18 Jahre in der LPG und das in unterschiedlichen Funktionen. Ich kenne das System aus beiden Richtungen.

Jetzt bin ich noch mit einem Genossenschaftsanteil "stiller Teilhaber" in der Agrargenossenschaft, obwohl ich mein Geld schon lange wo anders verdiene.

Der Hesselfuchs


zuletzt bearbeitet 06.04.2015 18:13 | nach oben springen

#109

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 09:50
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

Zitat von Merlini im Beitrag #108
Hallo Pit, dass ist nicht unbedingt wichtig. Jemand der selber einige Jahre da gearbeitet hat und mit offenen Augen durchs Leben geht hat dann doch einen ganz andere Eindruck davon erhalte, wie jemand der es nur aus der Zeitung bzw. vom hören sagen kennt.

Ich war inclusive der Lehrausbildung und des GWD 18 Jahre in der LPG und das in unterschiedlichen Funktionen. Ich kenne das System aus beiden Richtungen.

Jetzt bin ich noch mit einem Genossenschaftsanteil "stiller Teilhaber" in der Agrargenossenschaft, obwohl ich mein Geld schon lange wo anders verdiene.

Der Hesselfuchs


Grün: Lass das aber nur nicht einem bestimmten User hier lesen. Der beweist Dir gleich mit unschlagbaren Behauptungen, daß Du Dir hier Vergütungen eingestrichen hast, die Dir gar nicht mehr zustehen, da Du ja enteignet wurdest und das Land nun der Bundesrepublik gehört.



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#110

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 10:36
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

War zwar nie aktiver Landwirt, aber einiges habe ich nun doch mitbekommen. Bin auf dem Dorf geboren und habe regelmäßig meine Ferien dort verbracht. mein Onkel, erst Einzelbauer, später dann auch LPG-Mitglied, hatte mich oft mitgenommen, wenn er als Einzelbauer seine Schollen bearbeitete. Zu den Erfahrungen mit Kollektivierung und Betriebsgröße habe ich jetzt gerade mit meiner Cousine gesprochen, der Tochter meines Onkels. Sie erzählte mir, daß damals kein Bauer freiwillig in eine LPG eingetreten ist. Bei dem einem war der Widerstand nur gering, bei einem anderen wieder größer. Ihr Onkel wiederum war einer der letzten, die rein sind. Sie weiß zwar nicht im Einzelnen, wie die Bauern "überzeugt" wurden, aber mehr oder weniger Druck, man kann auch sagen, eine Art Erpressung, wird schon gewesen sein. Da wird es u.a. Bevorzugung bei der Verteilung von Düngemittel und Maschinenausleihe gegeben haben. Auch spielte es wohl eine zunehmende Rolle, da sich der Beitritt nicht gleichzeitig vollzog sondern sich über einen längeren Zeitraum hinzog, daß die Bewirtschaftung größerer zusammenhängender Flächen an ihre Grenzen stieß, wenn sich mittendrin noch ein privates Handtuch befand. Ich würde sagen, daß vielen Bauern damals nicht klar war, daß es nur in einer Genossenschaft eine Überlebenschange gab. In der alten BRD hat sich das auf andere Weise, die m.E. für den Einzelnen noch brutaler erscheinen mußte, von selbst erledigt: Pleite. Bauernsterben, dieses Wort war in den Medien präsent. Denen gehörte dann gar nichts mehr, nicht mal als genossenschaftliches Eigentum. Mein Onkel hatte eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 20 Morgen ( 1 Morgen = 25 x 100 m) = 5 ha. Der Boden war zum großen Teil nicht der Beste. Die Teile, die in der Talebene lagen, brachten gute Erträge, die Hanglagen (Buntsandtsein als Untergrund) deutlich weniger und die Abspülung der Humusschicht durch Niederschläge machte ihnen zu schaffen. Kann mich noch erinnern, was für eine gelbbraune Schlammbrühe sich bei stärkeren Gewittern auf der Straße entlangwälzte, mehrere Zentimeter Schlamm hinterlassend.
Lt. meiner Cousine wurde als LPG-Mitglied mit der Nebenwirtschaft verdient. Gänse, Kaninchen, Enten, Schwein und natürlich Obst und Gemüse. Auch bekamen sie dafür wieder Deputat für die Versorgung ihres privaten Viehs. Mein Onkel und Tante hatten dazu am Dorfrand auf einem Teil des Feldes ein etwa, wie ich mich erinnern kann, gut einen Morgen großes Grundstück, welches nicht in genossenschaftliches Eigentum überführt war und schon vorher als Gartenland galt. Kann mich noch an die Streuobstwiese mit vorrangig Süßkirschen, Sauerkirschen, Äpfel und Zwetschgen erinnern. Dafür wurde im staatlichen Aufkauf gut bezahlt. Kennen ja auch die Kleingärtner aus der Vorwendezeit.
Was die Gründe für die Kollektivierung betrifft, sollte man dabei die Zeit und damalige präkere Versorgungslage mit Nahrungsmitteln nicht außer Acht lassen. Nur durch Zusammenlegungen und Einsatz neuer, effektiverer Technik und nach damaligen Stand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse wurde sich eine spürbare Verbesserung und Erhöhung der Erträge erhofft, die ja dann auch eingetreten ist (Wegfall der Marken). Wenn ich mich so an die Bauern in meinem Dorf erinnere, wären es m.E. nicht mehr als drei oder vier Gehöfte gewesen, die auch unter bundesrepublikanischen Verhältnissen über die Runden gekommen wären. Alle anderen hätten verkauft, ein mehr oder weniger großes Stück für private Versorgung behalten und sich in der Stadt als Arbeiter verdingt. Wie wäre denen zu mute gewesen, wenn sie dabei täglich an ehemals ihnen gehörenden Feldern vorbeifuhren ?



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zuletzt bearbeitet 06.04.2015 12:52 | nach oben springen

#111

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 12:57
von Gelöschtes Mitglied
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Landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) welche man nicht selber bewirtschaftet kann man verpachten und muss sie nicht verkaufen. Diese Flächen sind oftmals seit mehreren hundert Jahren in Familienbesitz und von den Vorfahren unter schweren Bedingungen erarbeitet worden.

Ich werde mich hüten, davon etwas zu verkaufen. Meine Mitgliedschaft in der Agrargenossenschaft ist aber unabhängig von den Pachtverträgen.

Nicht alle Bauern, welche dem "Bauernsterben" zum Opfer gefallen sind waren danach verschuldet. Man muss nur wissen wann man aufhören muss. Das fällt naturgemäß einem Landwirt der 40 Jahre selbstständig war schwerer als einem Händler.
Auch in der Bundesrepublik wurden unter privatwirtschaftlichen Verhältnissen die Betriebe größer, die Erträge gesteigert und die Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln versorgt.

Bäuerliche Betriebe müssen eine Mindestgröße an Flächen bewirtschaften um lebensfähig zu sein. Das sind heute auch oftmals Pachtflächen, weil nicht jeder Bauer die Flächen im Besitz hat oder kaufen könnte.

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zuletzt bearbeitet 06.04.2015 13:09 | nach oben springen

#112

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 13:30
von Dandelion (gelöscht)
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Ich bin gewiss kein Agrarexperte - aber ein bißchen Einblick hatte ich schon: Insgesamt 7 Jahre habe ich im Münsterland mitten auf dem Land gelebt: Der nächste Nachbar wohnte 80 m entfernt, der dann folgende 500 m usw. Alles Bauern, von einer Ausnahme abgesehen alle Vollerwerbslandwirte. Zu vieren von ihnen entwickelte sich eine Freundschaft, die bis heute hält. Mindestens einmal im Monat trafen wir uns zu einer Doppelkopfrunde und auch ansonsten gab es häufige Kontakte: Geburtstage, Familienfeiern, Grillabende, gemeinsame Kneipenbesuche, Schützenverein - der Münsterländer an sich feiert schon recht gerne.

Von diesen vier Bauern haben drei im Laufe der 7 Jahre aufgegeben: Einer aus Altersgründen und weil keiner seiner drei Söhne bereit war, den Hof zu übernehmen, einer, weil es sich einfach nicht mehr lohnte und der Dritte fand eine deutlich einfachere und risikolosere Art, Geld zu verdienen: Sämtliche Gebäude wie Scheunen, Stallungen, Remisen und was es sonst noch so an Gebäuden auf dem Hof gab, wurden umgebaut und als Wohnraum vermietet. Selbst ein winziges, allein stehendes Backhaus wurde umgewandelt: In ein entzückendes kleines Häuschen mit vielleicht 40 qm Wohnfläche, das von einer allein stehenden Rentnerin gemietet wurde.

Das "Bauernsterben" ist somit werder neu noch abgeschlossen, es geht weiter. Ach ja - die vorher von diesen Dreien genutzten Flächen wurden an den verbleibenden Vierten verpachtet, der sein Heil in der Expansion sah. Und der mittlerweile der zweitgrößte Landwirt der an Bauern nicht gerade armen Region ist.

Das Kernproblem der LPGs sehe ich in der Motivation der ehemaligen freien Bauern: Klar, sie hatten relativ regelmäßige Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch, ein festes Einkommen und konnten auch sorgenfrei mal krank werden. Aber: Ein Angestellter wird seltenst den Einsatz zeigen, den ein Selbständiger bringt - oder zu bringen gezwungen ist. Klar, passieren kann ihm nicht viel - und wenn die Ernte auf dem Halm verfault: Finanziell kann ihm das ziemlich wurscht sein. Klar, Prämien etc. sind vielleicht weg, aber seine Existenz ist dadurch nicht gefährdet.

Jeder Mensch fragt sich doch: "Was bringt mir das? Nichts oder nicht viel? Und das soll ich dann auch noch mit den anderen teilen? Nö, da mache ich mir doch lieber einen ruhigen Tag". Vielleicht etwas übertrieben und gewiss nicht für alle zutreffend, aber der Kern dürfte schon wahr sein. Was übrigens nicht zuletzt dadurch bewiesen wird, dass die "Nebenwirtschaft" so erfolgreich war.


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#113

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 13:39
von Gelöschtes Mitglied
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Die erfolgreiche Nebenwirtschaft hatte aber auch ihre Schattenseiten. Manche Kollegen wurden erst kurz vor dem Feierabend richtig aktiv. Einige haben ihre Tiere auch mit dem Futter versorgt was ihnen nicht gehörte.

Da gab es so einen schönen Spruch: Da hat einer was gefunden, was noch niemand verloren hatte.

Aber schon Ulbricht hatte ja gesagt: Aus unseren Betrieben ist noch viel mehr raus zu holen.

Der Hesselfuchs


vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.04.2015 13:39 | nach oben springen

#114

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 14:03
von Commander | 1.039 Beiträge

Die individuelle Landwirtschaft wurde doch von den "Oberen" toleriert.Ob nun Viehhaltung,Obst u.Gemüse,es wurde doch bei der Versorgung der Bevölkerung mit eingerechnet.Ich erinnere an die unzähligen Aufkaufstellen des Handels,gerade bei Obst u.Gemüse oder auch Eiern.
Und die Tiere wurden durch die LPG mitversorgt.Wie war es denn,z.B.bei Grünfutter,Silage?Erst wurden die Ställe der genossenschaftl.Tierproduktion versorgt,was meist Mittags erledigt war.Und dann ging es zu den Privaten.Da ein halber Hänger,dort ein paar Gabeln Futter abgeladen.Alles mit Wissen der Chefs.
Ich kann mich an einen Brigadier erinnern,der war morgens zur Arbeitseinteilung kurz anwesend,dann den halben Tag verschwunden.Er mußte sich ja um sein eigenes Vieh kümmern.Auch der Transport von Schlachtvieh wurde organisiert.Oft ein kleiner Einachser angehängt u.ein o.zwei Sauen bei dem o.dem geholt und ab zum Schlachthof.Spritkosten o.Arbeitszeit,uninteressant.Und trotzdem hat die LPG nicht am Hungertuch nagen müssen.
Selbst bei dem sogenannten "Eierfutter" wurde gemauschelt.Von der Getreidewirtschaft an zentraler Stelle angeliefert,erfolgte die "Feinverteilung" nach dem Selbstbedarf der LPG an Klein-u.Kleinsterzeuger.
So war es damals bei uns u.es haben alle etwas abbekommen.Keiner hat diese Praktiken in Frage gestellt.Es war halt so.

Sonnigen Nachmittag,Gruß C.



Adam, Charly2 und vs1400 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.04.2015 14:04 | nach oben springen

#115

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 14:31
von rotrang (gelöscht)
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Aber schon Ulbricht hatte ja gesagt: Aus unseren Betrieben ist noch viel mehr raus zu holen.

Der Hesselfuchs
He Fuchs glaube Du bist auf der falschen Fährte ? war das nicht der Gen. Dachdecker der dies sagte?


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#116

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 15:14
von Gelöschtes Mitglied
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Kann sein, dass ich den Spruch dem falschen zugeordnet habe. Kann aber auch von beiden sein. Jedenfalls wurde er von vielen falsch interpretiert.

Der Hesselfuchs


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#117

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 16:43
von 94 | 10.792 Beiträge

Auch Mittag wurde dieser Spruch schon zugeschrieben ... Aus unseren Kombinaten ist noch viel mehr herauszuholen (4)


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#118

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:05
von StabsfeldKoenig | 2.618 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #112
Ich bin gewiss kein Agrarexperte - aber ein bißchen Einblick hatte ich schon: Insgesamt 7 Jahre habe ich im Münsterland mitten auf dem Land gelebt: Der nächste Nachbar wohnte 80 m entfernt, der dann folgende 500 m usw. Alles Bauern, von einer Ausnahme abgesehen alle Vollerwerbslandwirte. Zu vieren von ihnen entwickelte sich eine Freundschaft, die bis heute hält. Mindestens einmal im Monat trafen wir uns zu einer Doppelkopfrunde und auch ansonsten gab es häufige Kontakte: Geburtstage, Familienfeiern, Grillabende, gemeinsame Kneipenbesuche, Schützenverein - der Münsterländer an sich feiert schon recht gerne.

Von diesen vier Bauern haben drei im Laufe der 7 Jahre aufgegeben: Einer aus Altersgründen und weil keiner seiner drei Söhne bereit war, den Hof zu übernehmen, einer, weil es sich einfach nicht mehr lohnte und der Dritte fand eine deutlich einfachere und risikolosere Art, Geld zu verdienen: Sämtliche Gebäude wie Scheunen, Stallungen, Remisen und was es sonst noch so an Gebäuden auf dem Hof gab, wurden umgebaut und als Wohnraum vermietet. Selbst ein winziges, allein stehendes Backhaus wurde umgewandelt: In ein entzückendes kleines Häuschen mit vielleicht 40 qm Wohnfläche, das von einer allein stehenden Rentnerin gemietet wurde.

Das "Bauernsterben" ist somit werder neu noch abgeschlossen, es geht weiter. Ach ja - die vorher von diesen Dreien genutzten Flächen wurden an den verbleibenden Vierten verpachtet, der sein Heil in der Expansion sah. Und der mittlerweile der zweitgrößte Landwirt der an Bauern nicht gerade armen Region ist.

Das Kernproblem der LPGs sehe ich in der Motivation der ehemaligen freien Bauern: Klar, sie hatten relativ regelmäßige Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch, ein festes Einkommen und konnten auch sorgenfrei mal krank werden. Aber: Ein Angestellter wird seltenst den Einsatz zeigen, den ein Selbständiger bringt - oder zu bringen gezwungen ist. Klar, passieren kann ihm nicht viel - und wenn die Ernte auf dem Halm verfault: Finanziell kann ihm das ziemlich wurscht sein. Klar, Prämien etc. sind vielleicht weg, aber seine Existenz ist dadurch nicht gefährdet.

Jeder Mensch fragt sich doch: "Was bringt mir das? Nichts oder nicht viel? Und das soll ich dann auch noch mit den anderen teilen? Nö, da mache ich mir doch lieber einen ruhigen Tag". Vielleicht etwas übertrieben und gewiss nicht für alle zutreffend, aber der Kern dürfte schon wahr sein. Was übrigens nicht zuletzt dadurch bewiesen wird, dass die "Nebenwirtschaft" so erfolgreich war.


LPG-Bauern waren keine Angestellten, sondern Teilhaber. Auch nach dem BGB ist die eingetragene Genossenschaft eine mit der GmbH und AG gleichgestellte Form eines Unternehmens als juristische Person. Deshalb wurden manche LPG's nach der "Wende" in GmbH's umgewandelt.



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#119

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:08
von StabsfeldKoenig | 2.618 Beiträge

Zitat von Commander im Beitrag #114
Die individuelle Landwirtschaft wurde doch von den "Oberen" toleriert.Ob nun Viehhaltung,Obst u.Gemüse,es wurde doch bei der Versorgung der Bevölkerung mit eingerechnet.Ich erinnere an die unzähligen Aufkaufstellen des Handels,gerade bei Obst u.Gemüse oder auch Eiern.
Und die Tiere wurden durch die LPG mitversorgt.Wie war es denn,z.B.bei Grünfutter,Silage?Erst wurden die Ställe der genossenschaftl.Tierproduktion versorgt,was meist Mittags erledigt war.Und dann ging es zu den Privaten.Da ein halber Hänger,dort ein paar Gabeln Futter abgeladen.Alles mit Wissen der Chefs.
Ich kann mich an einen Brigadier erinnern,der war morgens zur Arbeitseinteilung kurz anwesend,dann den halben Tag verschwunden.Er mußte sich ja um sein eigenes Vieh kümmern.Auch der Transport von Schlachtvieh wurde organisiert.Oft ein kleiner Einachser angehängt u.ein o.zwei Sauen bei dem o.dem geholt und ab zum Schlachthof.Spritkosten o.Arbeitszeit,uninteressant.Und trotzdem hat die LPG nicht am Hungertuch nagen müssen.
Selbst bei dem sogenannten "Eierfutter" wurde gemauschelt.Von der Getreidewirtschaft an zentraler Stelle angeliefert,erfolgte die "Feinverteilung" nach dem Selbstbedarf der LPG an Klein-u.Kleinsterzeuger.
So war es damals bei uns u.es haben alle etwas abbekommen.Keiner hat diese Praktiken in Frage gestellt.Es war halt so.

Sonnigen Nachmittag,Gruß C.


Im Endeffekt haben die LPG-Bauern damit doppelt zur Versorgung der Bevölkerung beigetragen. Und wenn man einen Teil der Futtermittel für die Individual-Nebenwirtschaften austeilte, dann war das nichts anderes, als wenn man die Gewinne in Geld auszahlte.



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#120

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 06.04.2015 17:17
von Gelöschtes Mitglied
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Das sehe ich etwas anders, dass war keine Gewinnausschüttung sondern doppelte Ausbeutung. Wenn andere Feierabend hatten, sind wir noch mal los. Am 7. Oktober war meistens Großkampftag auf dem Rübenacker oder beim Kartoffel lesen. Die erzielte Erlöse sind zum großen Teil in die Höfe investiert worden.

Wenn die Bezahlung in der LW in etwa der in der Industrie entsprochen hätte, hätten sich das viele nicht mehr angetan.

Der Hesselfuchs


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