#41

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 28.02.2010 21:43
von altgrenzer (gelöscht)
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Interessantes Thema,

wir dürfen nur Eines nicht vergessen, dass die Bauern in der DDR ausgebeutet wurden ohne Ende. Eine Enteignung fand zwar nicht statt, aber die Bauern durften über ihr Land nicht mehr frei verfügen, nach der "Kollektivierung". Das Land wurde als Genosenschaftsanteil in die LPG eingebracht, genauso wie weitere Immobilien wie Haus, Hof und Garten.

Der Witz ist der, dass jährlich eine bestimmte Anzahl von AE (Arbeitseinheiten) erbracht werden musste und das war von der Fläche abhängig! Es wurde nicht danach gefragt, ob der Bauer vielleicht im Krieg gefallen war oder wer sonst noch so im Haushalt lebte.

Meine Oma z.B. hätte diese AEs nie allein erbringen können, wenn mein Vater nicht mit geholfen hätte, obwohl er einen Full-Time-Job hatte.

Natürlich gab es da auch schöne Zeiten und ich habe viele schöne Erinnerungen an meine Kindheit, die sehr glücklich war aber auch sehr arbeitsreich. Am Wenigsten gabs ja im Winter zu tun, das war die Zeit der zweitlängsten Ferien (3 Wochen Winterferien, Halbes Schuljahr), Faschingszeit und Schlachtezeit. Die Viecher hat meine Oma gefüttert und mir wars z.T. dann sogar schon langweilig, weil sich meine Jobs auf Schneeschippen, Holzhacken und Feuermachen beschränkten ;-)

Ansonsten waren in den Orten, wo ich damals Ende der 60er in die Schule gegangen bin, die LPGs sozusagen Vorzeigeobjekte der Partei und Staatsführung. Es gab eine MAS (Maschinen Ausleih Station) später die MTS (Maschinen Traktoren Station), moderne Kuhställe und sogar eine Gülle-Anlage mit Becken und Beregnungstechnik, alles vom Feinsten. Ulbricht war oft zu Gast mit Studenten der Landwirtschaft auch aus Afrika...

Viele Grüße,
Rolf


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#42

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 28.02.2010 21:56
von Ahnenforscher (gelöscht)
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Ich mische mich in diese Diskussion noch einmal ein. Ich fange zu den Eigentumsverhältnisse mal etwas früher an.

Nach Abdankung des Kaisers und der Hoheiten einzelnen Länder im Deutschen Reich ging deren Eigentum auf die Weimarer Republik über. Auch das Land. Es wurde verkauft oder verpachtet. Städte, Bauern, Kleinbauern und die Ritterschaft behielten ihr Land und ihre Güter.
Nach 1933 verleibten sich die Nationalsozialisten diese Flächen ein und verkauften oder verpachteten ebenfalls.
Gegner der Nazis wurden auch enteignet.
Von 1945 bis 1953 war die schlimmste Zeit der damaligen Besatzungsmacht. Kriegsverbrecher, ob sie es nun wirklich waren oder nicht, wurden enteignet. Ich hatte gerade eine Akte in der Hand, wo die NSDAP 1935 Land von einem Bauern kaufte, es in Grundstücke teilte und ihren Mitgliedern auf Erbbaurecht zur Verfügung stellte. Die Bauherren errichteten darauf ihre Häuser und das Grundeigentum sollte spätestens 1962 an die Hausbesitzer übergehen. Trotzdem wurden alle Hauseigentümer 1946 von der sowjetischen Militärregierung enteignet. Es steht ausser Frage, dass nicht alle Hauseigentümer Kriegsverbrecher waren. Gleiches geschah mit Gütern oder Bauernhöfen. Viele verliessen begründet und auch unbegründet ihr Land. Die Angst war groß. Zu meiner völligen Überraschung musste ich 2009 feststellen, dass kein Deutsches Gericht und nichteinmal der Europäische Gerichtshof diese Enteignungen anzweifeln oder im Einzelfall revidieren.
Mit Beginn der Bodenreform wurden diese Flächen aufgesiedelt. Diese Neusiedler und vor allem die kleinbäuerlichen Betriebe haben die Hungersnot beseitigt. Nicht die LPG. Die in den Grundbüchern eingetragenen Eigentümer wurden niemals gelöscht. Die Bauern in den LPG erhielten jährlich Ausschüttungen (Geld) die auch von ihren eingebrachten Flächengrößen abhängig waren. Das muß manchen von euch doch richtig kapitalistisch vorkommen. Es erfolgten faktisch keine massenhaften Enteignungen im Bauernstand der ehemaligen DDR.

Jetzt kommen wir doch noch zu massiven Enteignungen, leider nach 1990. Nach der Wende haben einige Bauern ihre eigenen Flächen als "Wiedereinrichter" weiterbewirtschaftet und Andere verpachten Ihre Flächen an die Erzeugergemeinschaften für gutes Geld.
Was ist aber mit den Bodenreformflächen? Die Bodenreformflächen wurden nur überlassen wenn der ehemalige Eigentümer oder dessen Erben tatsächlich die Landwirtschaft weiterführt. Also unter Verwaltung der Treuhand und später den Bodenverwertungsgesellschaften des Bundes und der Länder. Diese Flächen werden heute an Energiekonzerne
verkauft damit sie ihre Biomassekraftwerke füttern und das zu horrenden Preisen.

Ich halte es für bedenklich, Forenmitgliedern die zu ihrer Vergangenheit stehen und sie aufarbeiten möchten, für Dinge moralisch verantwortlich zu machen, die 1946 SMAD- Befehle (heute noch international anerkannt) und durch die Bundesrepublick nach dem Beitritt der DDR getroffen wurden.

Mit den Medien habe ich nur sehr wenig am Hut und auch mit Medienberichten. Heute war ich eine Zeit offline. Ich musste einen Brief an eine Zeitungsredakteurin schreiben. Es ging um jüdisches Vereinsleben vor 1800. Sehr schlecht recherchiert, zusammenhanglos und haarsträubende Wertung. Durch mein Hobby ist mir bekannt, das vor dreihndert Jahren eine jüdische Familie zu meinen Ahnen zählt und demzufolge auch solches Blut in meinen Adern fließt. Mich von diesen Schmierfinken als Antisemit bezeichnen zu lassen, geht etwas zu weit.

Ich hoffe, ich langweile euch nicht. Beste Grüße der Ahnenforscher.


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#43

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 01.03.2010 00:22
von Berliner (gelöscht)
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Hier ein Clip zum Thema "Kollektivierung".

Berliner




Quelle: Damals in der DDR, Teil 1: Neubeginn auf Russisch


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#44

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 01.03.2010 01:56
von Sonny (gelöscht)
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Zitat von Ahnenforscher
Heute sagen die meisten Landwirtschaftsbetriebe,das die Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR, das Beste ist, was passieren konnte. Die Erzeugergemeinschaften bewirtschaften Flächen zwische 3000 und 7000 ha. Der Maschineneinzatz ist wesentlich effektiver und Subventionen fließen reichlich.



Rein ökonomisch betrachtet, ist das in der Tat so. Es haben ja auch viele erfahrene Landwirte aus Westdeutschland oder den Niederlanden ehem. LPGs übernommen und stehen heute wirtschaftlich gut da --- ganz anders als im industriellen Sektor, wo vieles "den Bach runtergegangen" ist.

Eines muß man allerdings auch noch ergänzen: Die heutigen Betriebe kommen mit viel weniger Beschäftigten aus als früher die LPG --- gerade im Nordteil der ehem. DDR sind viele Dörfer inzwischen völlig verödet, weil jüngere Leute dort keinerlei Berufsperspektive mehr sehen und wegziehen.

Anders ist die Situation in Polen, wo es eine derart grundlegende Kollektivierung der Landwirtschaft nicht gegeben hat. Dort gibt es auch heute noch viele Klein- und Kleinstbetriebe, die wirtschaftlich kaum über die Runden kommen --- und durch den EU-Beitritt ist deren Situation nochmals hoffnungsloser geworden.


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#45

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 01.03.2010 02:06
von Sonny (gelöscht)
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Zitat von SCORN
durch diese forum bin ich aber zu einem fehementen DDR verteidiger geworden, eben weil ich manudave, sonny und konsorten nicht die deutungshoheit über meine geschichte überlassen kann und will!



Deine Geschichte will dir niemand erklären --- es geht vielmehr um die größeren Zusammenhänge.

Den Begriff "Deutungshoheit" mag ich eigentlich auch nicht --- aber im Endeffekt geht es (weit über dieses Forum hinaus) in erster Linie darum, das stimmt wohl.

Und so gesehen, kann ich dieses Zitat von dir auch auf mich beziehen, wenngleich es von dir vermutlich nicht so gemeint war:

Zitat
ich bin mir ziemlich sicher das nicht wenige hier genau so denken!


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#46

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 01.03.2010 05:52
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Guten Morgen Ahnenforscher, ein guter und aussagekräftiger Text, dein Text.Du scheinst dich, wie dein Name schon aussagt, gründlich mit der Geschichtssache zu beschäftigen. Weiter so, kann ich da nur sagen. Nun habe ich ja auch die Juden in der Familie, so eingeheiratet, aber leider keinen Kontakt mahr zu ihnen. Den werd ich wohl mal wieder aufnehmen, um meinen Horizont auch in dieser Richtung zu erweitern.
Aber wie geschrieben, weiter so. Und ich wünsche allen einen guten Tag, denn meine Nachtschicht ist gerade zuende.

R-M-R


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#47

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 19.04.2013 15:55
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Angelo im Beitrag #1
Die Landwirtschaft war das Vorzeigekind des "Sozialismus in den Farben der DDR". Ausländischen Delegationen wurden die Legebatterien und Broilerfabriken, die Großanlagen für Milchvieh, Schweine- und Rinderzucht gern vorgeführt. Und wirklich, wenn in der DDR niemand Hunger litt, so war dies allein auf das Engagement der Genossenschaftsbauern zurückzuführen

Ist das war???


Wieder mal ein wertvolles Zeitdokument aus dem DDR- Alltag, passend zum Thema.
http://www.youtube.com/watch?v=10G_5uy1v-I
Bemerkenswert die Einlassung bei min 15:30, hier wäre der Originalton sehr hilfreich gewesen.
Neben der Propaganda, die hier wohltuend sparsam ausfällt, ist diese Organisation des Landlebens schon genial, der Hauptbetrieb des Ortes hat das Monopol auf den Schülertransport, den Eigenheimbau und sogar die Mittagstischversorgung.
Ob man in den Pausen wirklich so gerne Produktionsberatungen gemacht hat, stelle ich mal in Frage, eher wurde die Beratung an die Pause dran gehängt, so kenne ich das, muß aber nicht überall so gewesen sein.
Die LPG'en haben in der Tat viele Dörfer dominiert, in meiner Heimat war sie auch präsent, stand aber im Schatten des Braunkohlekombinates, wobei man bei all diesen Fürsorgemaßnahmen immer auch die extrem wertvollen Arbeitskräfte im Blick hatte, manchmal sah es so aus, als ob wirklich alle mitmachen, vom Kind am Sandhaufen der Baustelle bis zum 90 jährigen Großvater, der abends die Karnickelställe zu macht.
Ich kann mir gut vorstellen, daß man trotz aller visuellen Tristesse solche Zeiten manchmal wieder haben möchte, kann mich aber auch irren.



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#48

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 20.04.2013 11:54
von Ecki | 408 Beiträge

Meine Lieben,

was das Genossenschaftsbauernwesen betrifft kenne ich mich ein wenig aus.
Nun, die LPG-Mitglieder lebten wahrlich nicht schlecht. Geregelte Arbeitszeiten, relativer Wohlstand, gute Arbeitsbedingungen, feste Urlaubszeiten, einer hilft dem anderen ...
Ich wundere mich schon etwas, dass das alles so klang- und klanglos aufgegeben worden ist.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


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#49

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 20.04.2013 13:08
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Ecki das brauchen wir doch alles nicht mehr weil Global ist das Zauberwort. Die Kartoffeln kommen aus Spanien, die Erdberren aus China, der Kohl aus Israel...und so ließe sich das seitenlang fortsetzen.

Hunderttausende (auch übermüdete) Trucker, Binnenschiffer, Containerschiffe sind jeden Tag, auch an den Wochenenden global unterwegs um uns kaufwütigem Deutschen das ganze Zeugs in die Märkte zu schaffen. Also deutscher Bauer, was willst du denn noch mit deiner kleinen Scholle geh lieber zur Eu und beantrage bezahlte Flächenstilllegung oder wie man sowas nennt? Alles Schnee von DDR-Gestern oder besser dem Sozialismus.

Lebensläufer


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#50

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 20.04.2013 13:33
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Ecki im Beitrag #48
Meine Lieben,

was das Genossenschaftsbauernwesen betrifft kenne ich mich ein wenig aus.
Nun, die LPG-Mitglieder lebten wahrlich nicht schlecht. Geregelte Arbeitszeiten, relativer Wohlstand, gute Arbeitsbedingungen, feste Urlaubszeiten, einer hilft dem anderen ...
Ich wundere mich schon etwas, dass das alles so klang- und klanglos aufgegeben worden ist.

Liebe Grüße

Ecki

Hallo Ecki,

es wurde nicht sang- und klanglos aufgegeben. Es haben einige durchgehalten. Mein Lieblingsbeispiel ist die LPG Golzow (bekannt auch aus der Filmserie "Die Kinder von Golzow").

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#51

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 20.04.2013 13:52
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Ecki im Beitrag #48
Meine Lieben,

was das Genossenschaftsbauernwesen betrifft kenne ich mich ein wenig aus.
Nun, die LPG-Mitglieder lebten wahrlich nicht schlecht. Geregelte Arbeitszeiten, relativer Wohlstand, gute Arbeitsbedingungen, feste Urlaubszeiten, einer hilft dem anderen ...
Ich wundere mich schon etwas, dass das alles so klang- und klanglos aufgegeben worden ist.

Liebe Grüße

Ecki


Nun Ecki, komplett untergegangen ist das wohl nicht, Rudimente aus dieser Zeit sind noch da und die Preise an der Fleischtheke geben manchen Kleinlandwirten Recht, so weiterzumachen, wie viele nach der Wende aufgehört haben.
In einem Nachbardorf von meinem Heimatort ist noch ein Bauer der alten Schule unterwegs, der hat zur Erntezeit museumsreife Maschinen auf dem Acker, dort stehen die Halme nicht ganz so akkurat wie bei der Argrargenossenschaft mit ihrem High- Tech- Fuhrpark, aber er wirtschaftet mit der Natur.
Die Rinder sind wohl nahezu uneingeschränkt wintertauglich, zumindest kommen sie erst dann in die 4-5 km entfernten Stallungen, wenn eine längerfristige strenge Frostperiode droht, das Wasser wird aus dem kleinen Natursee gepumpt und das Grasland der Streuobstwiese reicht wohl fast als Hauptnahrung aus über die wärmere Jahreszeit hinweg.
Manche Kleingärtner sammeln sogar die Kuhfladen oft in Sichtweite dieser Viecher, ich selbst hatte das als seßhafter Arbeitnehmer auch noch getan.
Als dessen Kinder noch kleiner waren, sind die bis vor ca. 10 Jahren zur Erntezeit noch mit auf dem Acker gewesen, dort wurde richtig Picknick gemacht, und im Nachbardorf betreiben sie sogar eine kleine Fleischerei, eben ein Landwirt aus echtem Schrot und Korn, dessen Familie mit zieht, was bleibt ihnen denn sonst ?
Ähnlich verhält es sich auch mit einem ähnlichem Gewerbe, der Fischerei.
Das läuft allerdings weniger romantisch, da hier die reine Spaßgesellschaft mit den Existenznöten des Kleinbetriebes kollidiert, indem ein Fischer wohl an einem Ufer die Jungtiere einsetzt und Anlieger mit ihren schwarz auf dem Bootssteg ausgelegten Angelgeräten die am anderen wieder rausholen.
Weder ist dem Fischer eine Kontrolle an den verdächtigen Grundstücken erlaubt, noch kann die Polizei den Kofferraum von nimmersatten Kochtopfanglern so ohne weiteres öffnen.
Der Konflikt geht nun so weit, daß der Fischer seinen Pachtvertrag verlieren soll und die Hobbyangler über ihren Verband als alleinige Pächter auftreten wollen.
http://www.mz-web.de/eisleben/mansfeld-s...2,17118684.html
Das was die Treuhandgesellschaft nicht geschafft hat, bringt die Spaßgesellschaft zum Abschluß, so spitz kann man das formulieren, wenn der Fischer den Rückhalt des Wirtschaftsministeriums verliert.
Ihre Relevanz für das Dorfleben hat die Landwirtschaft wohl aber unwiederbringlich verloren, Landwirte bauen Mais für die Biokraftwerke an, produzieren Solarstrom auf ihren Scheunendächern und haben jeglichen Bezug zu den direkten Konsumenten im Prinzip verloren, wobei ich das für das eine oder andere Schwarzwalddorf nicht unbedingt behaupten kann.
Dort gibt es nach meinen Erkenntnissen noch durchaus erwähnenswerte Aktivitäten rund um Landwirtschaft und Ernte, die sind aber nicht mit dem Einfluß einer LPG auf die kleinen mecklenburger Nester der Vorwendezeit vergleichbar.
Beides ist/ wäre aber erhaltenswert gewesen und meine Hoffnung auf eine Renaissance solcher Strukturen zumindest in Ansätzen, scheint nicht unberechtigt zu sein.



Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#52

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 20.04.2013 14:08
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Es hat sich wohl inzwischen auch eine Zweiklassen- Geselschaft unter den Landwirten herauskristallisiert, Sieger sind wohl diejenigen mit hohen Bodenkapital, ertragsstarken Flächen, die seit der Nachwendezeit dramatisch im Wert gestiegen sind und den Pächtern als Verlierer, denen diese gestiegenen Richtwerte zum Existenzrisiko herangewachsen sind.
Übrigens hat ein anderer Bauer (ohne Viehhaltung) in der Umgebung seit einer Woche die weiße Flagge gehißt...."Kartoffeln sind aus", aber da ist ja immer noch Ägypten....
Zwar hat die Mangelwirtschaft der DDR auch diesen Sektor bedroht, ich glaube aber heute könnte denen Brüssel noch gefährlicher werden als eine Jahrhundertdürre und die Mangelwirtschaft zusammen.
Die oft überlebensnotwendige Hetze nach Subventionen, ohne die vieles nicht mehr gehen würde, was in der DDR gar keiner Diskussion bedurfte ist eine Störgröße, die reguläre Landwirtschaft schon längst untergepflügt hat, da denke ich, daß man alles wieder neu erfinden müßte, was einst so erfolgreich war.



Eisenacher hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#53

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 20.04.2013 15:23
von Pit 59 | 10.156 Beiträge

Also ich musste keinen Hunger leiden in der DDR,das kenne ich nicht,und das sage ich auch jeden,oder habe das die ersten Jahre nach der Wende getan.
Wir hatten im Betrieb auch viele vom Dorf.Wenn Du da mal einen gefragt hast wie es aussieht mal mit einem Karnickel oder ein paar Eiern,da haben die rumgeeiert ,die haben Ihren Mist doch zehn mal lieber zur VEAB gebracht,da gabs jede menge Kohle.
Wie hat mich das zur Wende gefreut,wo diese selben Leute dann Ihren Mist angeboten haben,und noch mehr hat es mich gefreut das es keiner gekauft hat.


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#54

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 20.04.2013 15:57
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Pit 59 im Beitrag #53
Also ich musste keinen Hunger leiden in der DDR,das kenne ich nicht,und das sage ich auch jeden,oder habe das die ersten Jahre nach der Wende getan.
Wir hatten im Betrieb auch viele vom Dorf.Wenn Du da mal einen gefragt hast wie es aussieht mal mit einem Karnickel oder ein paar Eiern,da haben die rumgeeiert ,die haben Ihren Mist doch zehn mal lieber zur VEAB gebracht,da gabs jede menge Kohle.
Wie hat mich das zur Wende gefreut,wo diese selben Leute dann Ihren Mist angeboten haben,und noch mehr hat es mich gefreut das es keiner gekauft hat.


Schadenfreude?

Ich war eher unangenehm berührt, als ich 1990/91 mit dem Auto in Meckpomm unterwegs war. Es gab nicht wenige, die nach der Wende versucht haben, als Bauer, und wenn es im Nebenerwerb war, Fuß zu fassen.

Das Bild, das sich damals eingeprägt hat, war ein Mann, der gebeugt hinter Pferd und Pflug lief. Es war wie eine Zeitreise, die mich in die Vergangenheit zurück versetzt hat.

Wenn ich heute diese Strecke nach Stralsund fahre, frage ich mich immer wieder, ob er es wohl geschafft hat.

LG von der grenzgeaengerin


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#55

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 20.04.2013 15:57
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

In der Tat konnte man gut damit leben, Viehzeug mit dem Deputat von der LPG großzufüttern und es dann meistbietend zu verscheuern, Deinen Zorn kann ich verstehen, ähnliches erlebte ich mit Vermietern von Ferienbungalows, die vor der Wende gerne mal Devisen für das Häuschen am See einforderten, das ist mir tatsächlich passiert.
Nach der Wende wollte alles nach Mallorca und man wäre froh über Anfragen aus der ferienplatzlosen Bevölkerung gewesen.
In der Gesamtbilanz haben sie aber die Versorgungslage doch eher entlastet, da der Direktkäufer der Karnickel beim Bauern dann beim Fleischer nicht mehr vor Dir stand in der Schlange.
Es war übrigens auch salonfähig, auf dem Acker Futter zu klauen für das private Vieh, auf der Bahn war das schon Alltag, daß einige einen Sack voller Maiskolben als erstes von der Lok warfen, wenn sie abstiegen.
Ich wollte eigentlich eher auf die Strukturen im Großen hinweisen, auf die Verantwortung, die LPG'en für das Dorf übernommen hatten.



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#56

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 20.04.2013 16:16
von Pit 59 | 10.156 Beiträge

Das Bild, das sich damals eingeprägt hat, war ein Mann, der gebeugt hinter Pferd und Pflug lief. Es war wie eine Zeitreise, die mich in die Vergangenheit zurück versetzt hat. @grenzgängerin

Also,bei aller Achtung vor der Arbeit,aber wer 1990/91 noch hinter dem Pflug und dem Pferd hergelaufen ist,hat es mit Sicherheit nicht geschafft.


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#57

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 20.04.2013 16:23
von damals wars | 12.205 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #56
Das Bild, das sich damals eingeprägt hat, war ein Mann, der gebeugt hinter Pferd und Pflug lief. Es war wie eine Zeitreise, die mich in die Vergangenheit zurück versetzt hat. @grenzgängerin

Also,bei aller Achtung vor der Arbeit,aber wer 1990/91 noch hinter dem Pflug und dem Pferd hergelaufen ist,hat es mit Sicherheit nicht geschafft.



Den sogenannten Wiedereinrichtern wurde doch soviel Geld in den ... geblasen, kaum vorstellbar, das er es nicht geschafft hat.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#58

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 20.04.2013 16:26
von Pit 59 | 10.156 Beiträge

Den sogenannten Wiedereinrichtern wurde doch soviel Geld in den ... geblasen, kaum vorstellbar, das er es nicht geschafft hat.@damals wars

Für ein zweites Pferd ?


zuletzt bearbeitet 20.04.2013 16:26 | nach oben springen

#59

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 20.04.2013 16:36
von schulzi | 1.764 Beiträge

irgent wie sind die LPG doch geblieben nur nennen sie sich meist LAG (landwirtschaftliche agrargenossenschaft) oder kooperative das selbe in grün nur unter marktwirtschaftlichen umständen


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#60

RE: Ohne Genossenschaftsbauern hätten viele gehungert in der DDR ?

in Leben in der DDR 20.04.2013 16:55
von PF75 | 3.294 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #53
Also ich musste keinen Hunger leiden in der DDR,das kenne ich nicht,und das sage ich auch jeden,oder habe das die ersten Jahre nach der Wende getan.
Wir hatten im Betrieb auch viele vom Dorf.Wenn Du da mal einen gefragt hast wie es aussieht mal mit einem Karnickel oder ein paar Eiern,da haben die rumgeeiert ,die haben Ihren Mist doch zehn mal lieber zur VEAB gebracht,da gabs jede menge Kohle.
Wie hat mich das zur Wende gefreut,wo diese selben Leute dann Ihren Mist angeboten haben,und noch mehr hat es mich gefreut das es keiner gekauft hat.



Wen das Mist war was die Leute produzierten warum haste denn nachgefragt,außerdem mußte man ein großen teil abliefern um an Bezugsscheine für Futter zu kommen.


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