#1

Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.11.2008 08:15
von manudave (gelöscht)
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Mich würde mal interessieren, ob Ihr als Soldaten wußtet, dass die Stasi so massiv in der Truppe war.
Mir wurde von einem Prof. des Stolpe-Untersuchungsauschusses die sagenhafte Durchdringen von 1/8 mitgeteilt - sprich 1 IM auf 8 Soldaten.


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#2

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.12.2008 06:09
von js674 | 231 Beiträge

So schlimm war es nun nicht wie der Prof. schrieb. Es gab IM in der Kompanie und wieviel es waren wird keiner genau rausfinden. Außer die Leute selber die in einen Jahrgang dabei waren.

gruß Jens


"Sein Erbe hochzuhalten und gleichzeitig neue Wege zu beschreiten ist kein Widerspruch.
Tradition zu bewahren heißt nicht Asche aufzubewahren, sondern eine Flamme am Brennen zu halten"
(Hans-Josef Menke)

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#3

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.12.2008 09:05
von frühling-freiheit (gelöscht)
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Mein diensthalbjahr hat sich oft beim koch auf dem zimmer getroffen. Über was wir uns unterhalten haben, weiß ich nicht mehr so genau (außer das standartthema frau natürlich). Aber bei einem aus unseren dhj haben wir nie über politik gesprochen. Wir wußten nicht ob er als IM in der truppe diente, aber er wurde verdächtig, weil er für jeden kurzurlaub, den offz. überdurchschnittlich in den hintern gekrochen ist. Z.B. hat er nach dienst über mehrere tage den speiseraum von den offz. freiwillig renoviert. Das war schon seltsam. Bei den anderen Dhj. hat man sowieso den mund gehalten, weil man die nie genau kannte. Aber überhaupt zu erkennen wer IM gewesen ist, war verdammt schwer. Richtig muffensausen bekam die truppe immer, wenn einer von uns, ins büro "2000" gerufen wurde. Das wußten alle, das hier die stasi einem immer komische fragen stellte. Bei uns lief das immer gleich ab. Ein älterer herr mit kleinen dienstgrad kam mit seinem wartburg zur kompanie. Dann wurde irgend jemand (derjenige war natürlich von der stasi ausgesucht worden) vom GuVD befohlen den wagen zu waschen. Nach dem Waschen kam das eigentliche dilemma, man mußte den autoschlüssel "persönlich" wieder im büro "2000" abgeben. Danach hatte man zwar dienstfrei aber nur weil man aus diesem scheiß büro nicht unter zwei drei stunden rausgekommen ist. Jedenfalls war das immer eine beschissene situation dort zu sitzen und sich immer auf die zähne zu beissen. Da wurde dann die geschulte kumpelhaftigkeit der stasi voll ausgespielt. Der typ, der bei uns war, hatte immer irgend ein Feldwebel dienstgrad und das mit weit über 50. Wenn man vom Büro die tür aufmachte stand als sichtschutz immer ein riesen schrank im weg. Wenn dort, aus versehen einer die tür aufgerissen hat, hat man immer erst auf diese rückwand vom schrank geschaut. Und wie bei allen kompanien war neben der tür ein versiegelter briefkasten angebracht. Jeder der in die nähe dieses kastens kam war auch verdächtig. Aber wir haben immer einen großen bogen um das teil gemacht. hoffe bin nicht vom thema abgedrifftet !!


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#4

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.12.2008 09:43
von manudave (gelöscht)
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Na endlich bricht mal einer das Schweigen. Hab schon mit gar keiner Antwort mehr gerechnet.

Sehr interessant dein Bericht.


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#5

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.12.2008 13:18
von frühling-freiheit (gelöscht)
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Weiß nicht ob das hier schon mal geklärt wurde. Woher kam eigentlich der begriff "Abt.2000". M.Rohloff hat auch versucht das wort zu erklären, aber bei uns in der kompanie stand auf keinen fall die zimmer Nr. 2000 an deren tür. Aber bevor ich zur grenze kam kannte ich zwar die stasi (nicht nur durch die presse) aber nicht diesen begriff. Bei uns als aussenkompanie gab es nur dieses zimmer in dem sich einmal in der woche, ein offz eingefunden hat, und dort für uns nicht nachvollziehbare arbeiten erledigt hat. manchmal tauchte der auch auf dem zimmer auf (aber immer wenn man zufällig alleine war) , um sich mit einem zu unterhalten. für mich war das immer unangenehm. nur so dastehn und nichts sagen ging auch irgendwie nicht. An eine zusammenkunft kann ich mich jedenfalls bis heute erinnern. Einen tag nach der geburt meiner tochter wußte der typ das unser kind nicht geplant war. Jedenfalls fragte der stasioffz. aalglatt warum ich nicht vater werden wollte. Das hat mir den angstschweiß in den nacken getrieben, weil das keiner ausser mir wußte. Und da ich von natur aus nicht schwindel war das eine total beschissene situation. Ich habe mir wochen lang den kopf zerbrochen woher die typen das wussten. Vielleicht war das auch nur ein wink mit dem zaunpfahl "WIR WISSEN ALLES". Seid vorsichtig !! Man erzählte ja in der truppe das die briefe kontrolliert wurden. Meine damalige frau arbeitete in der werbung, und hat ihre briefe immer mit massenhaft schaufensterfolie zugeklebt. Ich habe mir die briefe immer sehr genau angeschaut aber es war nie zu sehen das irgend welche manipulationen stattgefunden haben. Trotzdem glaube ich bis heute, das die jungs an diesen total zugeklebten briefen dran waren. Aber bei meinen briefen, die ich bekam, da habe ich immer mit einer beschwerde von abt.2000 gerechnet. He, sag mal deiner frau die soll nicht soviel folie rumwickeln, das ist uns zu viel arbeit. Jedenfalls hatten wir alle immer ein wenig respekt vor dem typen und vor diesem zimmer.


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#6

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.12.2008 20:08
von EK89/1 | 832 Beiträge

Hi
Melde mich hier zu Wort,
zum Thema kann ich sagen, ich war ziemlich oft bei der 2000, Erst in Potsdam zur Ausbildung, 5mal.(wir hatten nur ein viertel Jahr Ausbildung) und dann in Schierke keine Ahnung wie viel mal. Der Grund dafür war das wir Bekannte in der BRD hatten und weil meine Mutter damals Reisen konnte.(Rentnerin)
Der Besuch dort lief immer im gleichen Strickmuster ab. Man wurde ins Bataillon bestellt(war gleich neben der GK) Erst wurden einen Zig. und Kaffee angeboten, dann belanglose Fragen gestellt (Gesundheit, Familie, wie war der letzte Ausgang, Frau u.s.w.) Dan kam aus heiteren Himmel z.B. "Ihre Mutter ist ja auch wieder da" ich hatte keine Ahnung das die im Westen gewesen war. Nun wusste ich auch warum ich 2Wochen an der Kaserne Wache stehen musste und nicht zum Grenzdienst eingesetzt wurde. Dan ging es weiter, wo wohnen die Bekannten, Adresse,Namen,welcher Partei gehörten sie an, warum sind die kurz vorm Mauerbau in den Westen gegangen u.s.w. Das wiederholte sich so aller 3-4Wochen bzw. wen Mutter mal wieder drüben war.
Wer IM bei uns in der GK war ist auch nicht bekannt Aber es gab welche. Nach den Erhalt meiner Stasiakte war es jemand aus meinen Zug aber wer weis ich nicht und will ich auch nicht wissen. Es wurde so gehandhabt, es gab eben Leute zu dehnen man eben keinen Draht hatte und andere mit dehnen man alles bequatschen konnte. Die Leute die sich so anbiedern waren eben mit Vorsicht zu geniesen, genauso wie die Leute die in der SED waren. Das heißt aber nicht das die alle IM`s waren.
In meiner Akte war nur eine Einschätzung meiner Persönlichkeit(Alle 1/4Jahre)und sonst nichts weiter.Das lässt für mich den Schluss zu, das meine Distanz zu einigen Leuten richtig war.
Tschüß
EK89/1


EK89/I
09/87-01/88 GAR5 Potsdam,GAK 7
01/88-04/89 7.GK "Lutz Meier" Schierke
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#7

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 03.12.2008 09:39
von manudave (gelöscht)
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Die Einschätzung eines jeden Grenzsoldaten wurde ja zur Zusammenstellung bei den Streifen genutzt - die sogenannte Einteilung in "Blutgruppen" seitens der Stasi.


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#8

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 03.12.2008 10:32
von GSZ-woru (gelöscht)
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Hallo,
ich mußte damals in der Zeit der Grenzkompanie so 3 oder 4-mal zum Gespräch mit der 2000, erst gab es Kaffee und Zigarette und es wurden belanglose Fragen gestellt, meistens ging es um Anwerbungsversuche für die Partei, die ich aber abgelehnt habe. An ein Gespräch kann ich mich noch genau erinnern: Mein Zimmerkollege lag in Scheidung und wurde damit zu einem für die Stasi nicht mehr kalkulierbaren Risiko, die hatten Angst, dass er abhaut, ich wurde befragt, wie es ihm geht und ob er irgendwelche Absichten hat, waren etwas undurchsichtige Fragen, also nicht direkt. Er wurde einige Zeit im Innendienst beschäftigt und ging dann mit mir ganz normal wieder in den Grenzabschnitt, wo wir tagsüber den Grenzsignalzaun instandsetzten bzw. die Einsatzfähigkeit überprüften und nachts bei Grenzalarmen die Ursache am GSZ feststellten und reparierten.

Natürlich gab es Leute in der Stasi, die bekannt waren, gerade von den Soldaten und Uffzen mit denen man täglich zu tun hatte. Es sprach sich schnell herum, wenn der Hauptmann von der 2000 im Objekt war und sich besonders oft bestimmte Leute zum Gespräch holte. Die bei der Stasi waren, durften auch mit auf das sogennate "Vorgelagerte", das ist das Gebiet, dass sich zwischen letzten Grenzzaun und den Grenzsäulen befand, ein Schritt genügte also und man war drüben. Dort gingen Sie nur zu dritt hin, ein Offizier, ein GAK und ein Soldat oder Uffz. Die Soldaten und Uffze die dorthin durften waren alle bei der Stasi.

Der angesprochene Schlüssel 1/8 könnte durchaus stimmen, wir waren insgesamt ja nur so ca. 60 Leute in der Kompanie.

Gruß


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#9

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 03.12.2008 11:46
von altgrenzer (gelöscht)
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Klar waren die Truppen von IMs durchsetzt, ich erinnere mich an einen Soldaten, der sah zwar sehr jung aus, war mit Sicherheit jedoch schon Ende 20. Er kam als Abkommandierter in meine Komp., hier war ich zuletzt in einer kleinen Sondereinheit zum Absichern der Minenräumarbeiten, freundwärts. Die Sperranlagen waren in der Zeit ziemlich offen und wurden nach einem Sprengtag nur provisorisch geschlossen.

Eine andere kleine Geschichte: Ein Gefr. baute eine kleines illegales Nachrichtennetz in der Komp., die Leitungen wurden über der Decke gezogen. So konnten sich die Stubenältesten schnell verständigen, wenn z.B. der Alte anrollte. Die Sache flog in wenigen Tagen auf und der Gefr. hatte ein unangenehmes (?) Gespräch mit 2000, was jedoch keine weiteren Konsequenzen hatte.


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#10

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 03.12.2008 13:25
von frühling-freiheit (gelöscht)
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Vielleicht hat ja jemand mal irgend wie in erfahrung gebracht, wie die briefe bei den GT von der satsi kontrolliert worden sind. Bei uns auf der kompanie gab es unter den soldaten nie eine beschwerde, das jemand sein brief manipuliert worden ist. Aber es wurde wohl in allen regimentern davon ausgegangen, das die post kontrolliert wurde. Nach meinen erinnerungen hat der schreiber oder der spieß die post immer abends verteilt. In dieser zeit, also von vormittag bis dienstschluss lag die post beim schreiber. Und die laufzeiten meiner briefe lagen immer zwischen 2 oder 3 tagen. Da müsste die stasi ziemlich schnell und vor allem sauber gearbeitet haben. Wer mal schön zu wissen, ob einer mal mitbekommen hat das briefe falsch zugeklebt wurden oder ob es hier einen ehem. schreiber gibt der weiß das die briefe irgend wo noch zwischengelagert wurden. Auf der post hätten die teile ja auch kontrolliert werden können. Wer weiß ???


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#11

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 03.12.2008 20:27
von manudave (gelöscht)
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Was sich wohl so ein Stasi-Männlein dabei gedacht hat, wenn er Liebesbriefe eines anderen gelesen hat.


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#12

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.01.2009 19:39
von Galaxy (gelöscht)
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Zitat von GSZ-woru
Hallo,
ich mußte damals in der Zeit der Grenzkompanie so 3 oder 4-mal zum Gespräch mit der 2000, erst gab es Kaffee und Zigarette und es wurden belanglose Fragen gestellt, meistens ging es um Anwerbungsversuche für die Partei, die ich aber abgelehnt habe. An ein Gespräch kann ich mich noch genau erinnern: Mein Zimmerkollege lag in Scheidung und wurde damit zu einem für die Stasi nicht mehr kalkulierbaren Risiko, die hatten Angst, dass er abhaut, ich wurde befragt, wie es ihm geht und ob er irgendwelche Absichten hat, waren etwas undurchsichtige Fragen, also nicht direkt. Er wurde einige Zeit im Innendienst beschäftigt und ging dann mit mir ganz normal wieder in den Grenzabschnitt, wo wir tagsüber den Grenzsignalzaun instandsetzten bzw. die Einsatzfähigkeit überprüften und nachts bei Grenzalarmen die Ursache am GSZ feststellten und reparierten.
Natürlich gab es Leute in der Stasi, die bekannt waren, gerade von den Soldaten und Uffzen mit denen man täglich zu tun hatte. Es sprach sich schnell herum, wenn der Hauptmann von der 2000 im Objekt war und sich besonders oft bestimmte Leute zum Gespräch holte. Die bei der Stasi waren, durften auch mit auf das sogennate "Vorgelagerte", das ist das Gebiet, dass sich zwischen letzten Grenzzaun und den Grenzsäulen befand, ein Schritt genügte also und man war drüben. Dort gingen Sie nur zu dritt hin, ein Offizier, ein GAK und ein Soldat oder Uffz. Die Soldaten und Uffze die dorthin durften waren alle bei der Stasi.
Der angesprochene Schlüssel 1/8 könnte durchaus stimmen, wir waren insgesamt ja nur so ca. 60 Leute in der Kompanie.
Gruß
Aber hallo! Du kannst doch nicht so meinfach alle Leute über einen Kamm scheren!wut] Ich war als einfacher Gefreiter oft auf dem vorgelagerten Gebiet wie man sagte.Dabei war ich weder in der SED oder IM oder sonstwas.Halt die Bälle flach.


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#13

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.01.2009 22:28
von manudave (gelöscht)
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@Galaxy

Auch diese Antwort verstehe ich nicht. Auf was beziehst du dich ? Was wir über welchen Kamm geschert ?


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#14

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.01.2009 22:40
von Galaxy (gelöscht)
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Na du schreibst doch das alle die auf dem vorgelagerten Gebiet waren oder durften bei der Stasi waren! Oder wie?


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#15

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.01.2009 22:49
von manudave (gelöscht)
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Äh, ich hab das eigentlich so nicht geschrieben. Wäre ja auch falsch. Auf dem Streifen vor dem Zaun waren natürlich auch "normale" Soldaten.
Wobei die mir bekannten Grenzer gesagt haben, in unserem Bereich nur ab Fähnrich aufwärts vor dem Zaun.


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#16

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.02.2009 19:02
von manudave (gelöscht)
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@Rainman

Was kannst du uns über die Verwaltung 2000 erzählen?


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#17

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.02.2009 20:46
von schecki72 (gelöscht)
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Hallo!
Zu dem Thema Briefe kann ich sagen das in meiner Post die ich dort erhalten habe immer ein kleiner Einriss von ca 0,5 cm länge war.Manchmal in der Mitte und manch,mal an den Ecken .


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#18

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.02.2009 23:28
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Hallo Schecki72,

die Risse in den Briefen stammten normalerweise von der Postsortierung. Die Briefe wurden nach Postfachnummern gebündelt und mit einer Schnur kreuzweise fest zusammengebunden. Waren die Briefe nicht ordentlich aufeinandergestapelt oder ragten einige Briefe heraus, dann entstanden diese typischen Einschnitte. Allerdings gab es auch Gerüchte, das damit auch die Untersuchung der Briefe getarnt wurde. Dazu kann ich nichts sagen. Da ich aber selbst häufig an der Offiziershochschule Briefe gebündelt habe, weiß ich, das eine Reihe von Einschnitten auf mein Konto gingen. Es musste ja schnell gehen.

Hallo manudave!

Tja, richtig viel kann ich dazu eigentlich nicht sagen. Ich habe auch nur wenige Tatsachen und viele Vermutungen. Die Tatsache, dass ich selbst nicht für die Stasi angeworben wurde, hatte ich immer darauf zurückgeführt, dass ich bereits zu oft bestraft worden war. Nach der Wende erst erfuhr ich, es hätte einen Befehl oder eine Weisung gegen, wonach Politoffiziere nicht von der Stasi angeworben werden durften.

Das Grenzregiment hatte eine eigene Verwaltung 2000, in der sowohl die Aufgaben der Aufklärung, als auch die Aufgaben der militärischen Abschirmung erledigt wurden. Gerade aus der zweiten Sicht, der militärischen Abschirmung, hatte ich selbst nur geringe Probleme mit deren Arbeit. Es war schon unangenehm, dass die Sachen wussten oder glaubten zu wissen, mit denen man irgendwie angreifbar wurde. Aber für einen Offizier gehörte deren Arbeit dazu. Im Rahmen des Befehls 44 des Chefs GT (Personalanalyse) war die Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit direkt vorprorammiert. Jeder Vorgesetze ab Zugführer aufwärts hatte für seine direkt Unterstellten monatlich eine Personalanalyse durchzuführen. Dazu musste er (Befehl) alle 14 Tage mindestens eine Beobachtung notieren. In die Personalanalyse flossen Dienstdurchführung, Disziplin, Verhalten im Politunterricht, auch Äußerungen, aber auch private Probleme mit ein. Alles, sozusagen, was man wissen sollte, wenn man jemanden mit Waffe für mehrere Stunden in den Wald schickt. Die Ergebnisse des Befehls 44 waren einmal im Monat dem jeweiligen unmittelbaren Vorgesetzten vorzutragen. Hierbei war in der Regel der "zuständige Mitarbeiter" der Verwaltung 2000 aus dem Bataillon anwesend. Somit hat jeder Vorgesetzte für die Stasi gearbeitet, das war ihm bekannt. Aber nochmal: Für uns stellten sich diese Dinge als normale Tätigkeiten im Rahmen einer militärischen Abschirmung dar. Der "zuständige Mitarbeiter" im Bataillon hatte einen Offiziersdienstgrad i.d.R. bis Hauptmann und fuhr Trabi (P601A). Ich hatte häufig Gespräche mit ihm. Ich nehme an, es wurden eigene Einschätzungen und Informationen mit meinen Informationen abgeglichen.

Aber wahr ist auch folgende Geschichte: Ich war in Stedtlingen Polit. Eines Tages kommt unser "zuständiger Mitarbeiter" in mein Dienstzimmer. Zunächst belangloses Gespräch, er wirkte aber anders, als sonst. Dann kam die Frage fast in einem verlegenen Ton: "Sag mal, da gibt es Gerüchte, Du seist homosexuell veranlagt." Ich fiel aus allen Wolken. Ich fragte ihn, ob er ein paar Namen und Adressen bräuchte, die ihm das Gegenteil bestätigen könnten. Er verneinte und beendete kurz darauf das Gespräch. 4 Wochen später die gleiche Ausgangssituation. Dann kommt die verlegen Frage: "Sag mal, es gibt da Gerüchte, Du gehst mit der Frau des Kompaniechefs fremd." Ich fragte ihn, ob sich seine Jungs mal auf ein Grundthema einigen könnten, klärte ihn über die Harmlosigkeit meiner "Beziehung" zur Frau des Kompaniechefs auf und dachte, das war es denn. Knapp ein viertel Jahr später, bei einem Konfliktgespräch mit dem Leiter der Politabteilung des Grenzkommandos Süd wurde ich von ebendiesem auch wieder gefragt, ob ich schwul wäre. Donnerwetter, was für ein Informationsfluss.

Zu den hier genannten Zahlen der Durchdringung der Truppe mit IM's kann ich nur Vermutungen beisteuern. Uns, selbst der Kompanieführung, war in der Regel nicht bekannt, wer dazu gehörte. Sicher gab es manchmal Befehle, die einen IM für uns enttarnten, aber ehrlich gesagt, habe an solchen Tagen kein Kreuz im Kalender gemacht. An der Offiziershochschule wussten wir, wer unsere "Ohren" waren. Die Zahl 1/8 scheint recht hoch, aber andererseits ist es für mich vorstellbar, dass in jeder der 8 Gruppen, in der KMS unter den Spezialisten und unter den Offizieren IM's waren. Rechne ich das nach, komme ich auch auf einen Wert von etwa 1/10. Es ist so denkbar, aber, wie gesagt, ich kann es nicht bestätigen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#19

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.02.2009 18:36
von buddy (gelöscht)
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Ich war von Okt.73 bis Sommer 74 in Schierke stationiert.Stasi war in unseren Objekt eher unauffällig.
Bis zu dem Zeitpunkt als innerhalb kürzester Zeit 3 Soldaten aus unserer Kompanie geflüchtet sind.(darunter auch 2 länger Dienende)
Alle 3 stammten aus Berlin.Da ich und noch 2 weitere auch aus Berlin stammten,wurden wir dann intensiv über mehrere Tage vernommen.
Unter anderem ob und wann wir denn flüchten wollten.
Ergebnis - Eines Morgens wurden wir alle zusammen auf einen LKW verladen und dann in Blankenburg/Harz abgeladen.
Dort blieb ich dann bis Ende meiner Dienstzeit Okt/74.


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#20

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.02.2009 18:52
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Typisch Stasi nach dem Motto: Jeder ist ein potenielles Sicherheitsrisiko,deshalb-
Sicherheit geht vor Recht.



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