#21

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 26.02.2010 19:21
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Rainman2
Hallo KID,

gut, dann nochmal ein klärender Satz zu meiner Position, da ich hier gleich mit der Akkumulation ins Haus gefallen bin. Die DDR war eine Wirtschaftsmacht, ohne Zweifel. Gerade in den 70-er Jahren war das noch der Fall. Aber nicht mehr zu der Zeit, da sie zusammenbrach.

ciao Rainman



So sehe ich das auch...

seaman


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#22

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 26.02.2010 19:24
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Alfred

Zitat von Augenzeuge
Wenn ich das so alles lese, so frage ich mich:

Warum fuhr Krenz zu Gorbi und berichtete von der bevorstehenden Pleite?
Hatte der keine Ahnung?

Warum war der Strauss-Kredit so wichtig, dass man dafür sogar die Selbstschussanlagen abbauen musste?

AZ,




AZ,

dass wirst Du SO nicht belegen können !!

Die Reise von E. Krenz hatte z.B. verschiedene Gründe.





Doch, Alfred, ich kann es belegen!

Krenz zu Gorbatschow am 01. November 1989:
„Wenn er (Krenz) jedoch die Wahrheit über die Volkswirtschaftslage vor dem ZK darlege, dann könne dies einen Schock mit schlimmen Folgen auslösen.

…Die ökonomische Situation der DDR sei dadurch gekennzeichnet, daß die Akkumulationsrate für produktive Investitionen stark zurückging, was sich auch in einem Absinken des Wirtschaftswachstums insgesamt ausdrückte. Der gegenwärtige Fünfjahrplan werde nicht erfüllt werden. In den Zeitungen wurde bis vor kurzem jedoch ständig von einer Erfüllung und Übererfüllung der Pläne berichtet.
Genosse Gorbatschow warf ein, in der Sowjetunion sei immer eingeschätzt worden, daß die veröffentlichten Zuwachsraten in der DDR um ca. 2 Prozent zu hoch seien.
Genosse Krenz stellte fest, da habe man noch gut gerechnet. Vieles sei in diesem Bereich durch die Industriepreisreform verdeckt worden. Durch höhere Industriepreise konnten zwar die Zuwachsraten ausgewiesen werden, die realen Waren waren aber nicht vorhanden.
Die Kosten der Erzeugnisse der Mikroelektronik betragen ein Mehrfaches des internationalen Standards. Ihr Einsatz in der Volkswirtschaft der DDR und im Export müsse gegenwärtig mit über 3 Milliarden Mark jährlich gestützt werden.

Es seien Gefahren für die Stabilität im Lande und für die weitere Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Ausland entstanden.
Zur Zahlungsbilanz der DDR gab Genosse Krenz folgende Information: Bis Ende des Jahres 1989 werde die Auslandsverschuldung auf 26,5 Milliarden US-Dollar, das heißt, 49 Milliarden Valutamark anwachsen. Die Bilanz in konvertierbaren Devisen sehe Ende 1989 folgendermaßen aus:
Einnahmen: 5,9 Milliarden US-Dollar , Ausgaben: 18 Milliarden US-Dollar.
Das Defizit betrage also 12,1 Milliarden US-Dollar. Dies bedeute, daß neue Kredite aufgenommen werden müssen. Es sei abzusehen, daß dieses Missverhältnis noch weiter anwachsen werde.
Genosse Gorbatschow fragte erstaunt, ob diese Zahlen korrekt seien. So prekär habe er sich die Lage nicht vorgestellt.

Genosse Krenz legte dar, man müsse jetzt Kredite aufnehmen, um alte Schulden zu begleichen. Gegenwärtig müßten allein für die Zinszahlungen 4,5 Milliarden US-Dollar aufgewendet werden, was 62 Prozent des jährlichen Exporterlöses der DDR in Devisen entspreche.“
www2plus4.de

AZ


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#23

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 26.02.2010 19:35
von Alfred | 6.853 Beiträge

AZ,

immer genau lesen. Ich schrieb : " Die Reise von E.Krenz hatte z.B. verschiedene Gründe".

Du legst dies so dar, als wäre Krenz nur wegen der "Schulden " in die SU gereist. Und dies ist definitiv falsch. Wenn Du mir nicht glaubst, frag ihn.

Und auch die Sache mit dem Kredit war ein wenig anders, aber das werden die Experten ja sicher wissen .


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#24

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 26.02.2010 19:45
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Alfred
AZ,

Du legst dies so dar, als wäre Krenz nur wegen der "Schulden " in die SU gereist.



Na, dann solltest du auch mal genau lesen! Von "nur" habe ich nie etwas geschrieben.
Und wenn der Kredit und der Abbau der Automaten nicht zusammenhängen, solltest du das mal belegen,
ich bin schon gespannt.....
AZ


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#25

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 26.02.2010 19:46
von 94 | 10.792 Beiträge

Lustig war auch die 'Eigenentwicklung' Megabit-Chip.
Einen recht interessanter Link beschreibt diese Peinlichkeit einigermaßen. Ein Nachbar und Exkommilitone meiner Eltern war damals beim ZFTM und hat hinter vorgehaltener Hand oft 'gebruddelt'.
Weltspitze war die DDR und eigentlich der ganze RGW im Reverse Engineering. Als Beispiele sollten hier der U880 (Zilog Z80) und SCP (Digital Research CP/M) dienen. Sogar Klone wurden noch geklont. So nannte man eine 999,995‰ Kopie von M$_DOS DCP. War glaub ich grid-Version 3.21, weiß ich aber nicht mehr genau *verlegengrins*. Nur die (c)-strings wurden ersetzt und nicht mal alle. Das weiß ich aber noch genau *wissendgrins*
Auf dem Bereich der Software war aufgrund der Arbeitsteilung im RGW Bulgarien führend. Nicht ohne Grund kammen nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Ostblocks einige der besten Virenautoren vom Balkan. Dark Avenger ist heute noch eine Legende.

Anderseits geht das Konzept des heutigen PCs auf eine Entwicklung des Dresdners NJ Lehmann Anfang der 60ger zurück. In Zella/Mehlis wurde die D4a in Serie gebaut und sogar ins NSW exportiert.
Aber genau in den 60gern hat die DDR IMHO den Anschluß an die Weltspitze verpaßt. Es wurde halt überholt ohne einzuholen. (Zitat WUlbricht)
Ob da eine Paralelle zum Mauerbau besteht? Wär vllcht ein Thema für eine Dissertation in Wirtschaftsgeschichte?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 26.02.2010 21:44 | nach oben springen

#26

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 26.02.2010 19:47
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Zitat von Alfred
... Du legst dies so dar, als wäre Krenz nur wegen der "Schulden " in die SU gereist. Und dies ist definitiv falsch. Wenn Du mir nicht glaubst, frag ihn.


Finde ich nicht, sonst hätte er das Wort "nur" auch gebraucht. Hat er aber nicht. Die beiden wichtigen beeinflussenden Faktoren zwischen dem Informationsgehalt eines Aktes der Kommunikation beim Sender und dem beim Empfänger entstehenden Informationsgehalt sind
1. Missverständnisse (Einstreuungen)
2. Störungen (Verluste). *

Nur mal so, und nun zurück zur Wirtschaftskaft
ciao Rainman

*) Kommunikationsmodell von Howland


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#27

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 26.02.2010 20:08
von Alfred | 6.853 Beiträge

AZ,

der Abbau der SM 70 wäre ohne Zustimmung der UdSSR nicht möglich gewesen.

Der Milliardenkredit hat die überhaupt nicht interessiert.

Einiges findest Du im Schreiben vom MfNV der DDR Armeegeneral Hoffmann von Juni und Dez . 1984 an Herrn Honecker sowie im Befehl von Juni 1984 vom MfNV Hoffmann.

Habe ich alle vorliegen. Nur möchte ich die nicht einstellen, da die Regeln des Militärarchives zu ungenau sind und ich keine Lust habe denen Geld in den Rachen zu werfen.


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#28

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 26.02.2010 20:23
von 94 | 10.792 Beiträge

_Rainman2_>
Finde ich nicht, sonst hätte er das Wort "nur" auch gebraucht. Hat er aber nicht. Die beiden wichtigen beeinflussenden Faktoren zwischen dem Informationsgehalt eines Aktes der Kommunikation beim Sender und dem beim Empfänger entstehenden Informationsgehalt sind
1. Missverständnisse (Einstreuungen)
2. Störungen (Verluste). *

Nur mal so, und nun zurück zur Wirtschaftskaft
ciao Rainman

*) Kommunikationsmodell von Howland

@Regenmensch680 (ein bissel OT, geb ich ja zu)

Mann, Du verblüfts mich immer wieder. Ein Polit mit Ahnung von Nachrichtentechnik! Allerdings habt ihr 680er nur halbe Stunden gehabt? Das hier, also im Forum, ist asynchron. Da kommt doch noch die Laufzeitverschiebung zur Taktrückgewinnung hinzu. (siehe hier und hier)

Hoffe, nimmste mir net übel. Und nun wieder Wirtschaftskraft.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 26.02.2010 21:40 | nach oben springen

#29

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 26.02.2010 21:28
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Noch ganz kurz zur SM-70. Der Plan sah am 1.7.1983 folgendermassen aus:

Neubau von Sperranlagen mit Splitterminen in der Tiefe des Schutzstreifens (1983-1985): 40km

Stefan


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
zuletzt bearbeitet 02.05.2010 09:56 | nach oben springen

#30

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 26.02.2010 22:45
von Sonny (gelöscht)
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Zitat von Zermatt
Dazu noch einige Auszüge eines Briefes von Mittag an Honecker vom Mai 1989:

Der Sockel in der Zahlungsbilanz würde nach dem vorgelegten Planprojekt von 35,7 Milliarden
Valutamark Anfang 1989 auf 47,5 Milliarden Valutamark steigen...
Das bedeutet,das für die Bezahlung von Zinsen und anderer Valutakosten im Jahr 1990 etwa 36
Milliarden Mark des produzierten Nationaleinkommens der DDR eingesetzt werden müsste.

1995 würde der "Sockel" auf 65 Milliarden Valutamark anwachsen.Die Zinsen würden 1995
44 Milliarden Mark Nationaleinkommen der DDR erforden.
Das wären 13% des Nationaleinkommen.

Wie aus den vorgelegten Materialien hervorgeht,würde 1990 und in den Folgejahren ein " Sockel"
entstehen,der nicht mehr beherrschbar ist.



Ganz interessant dazu ein Spiegel-Artikel von 1991:

Honecker hatte nach seiner Machtübernahme ein ehrgeiziges Sozialprogramm aufgestellt: verstärkter Wohnungsbau, Arbeitszeitverkürzung und Subventionen. Die Propagandaformel: Die Wirtschaft sollte nicht Selbstzweck sein, sondern Mittel zum Zweck.

Schon Mitte der siebziger Jahre wußte niemand mehr, wie die von Jahr zu Jahr steigenden Kosten der Sozialpolitik beglichen werden sollten. Die DDR lebte alsbald auf Pump und von ungedeckten Schecks. Honecker, von Kenntnissen der Ökonomie unbelastet, wußte es nicht besser, sein Vertrauter Mittag dagegen schon.

Sein Stab klärte ihn darüber auf, daß die DDR über ihre Verhältnisse lebte. Er aber ließ sich lieber für die ruinösen "Errungenschaften der Sozialpolitik" feiern.

[...]

Um den technischen Fortschritt zu beschleunigen, verlangte der Zentralist Mittag, die Betriebe müßten mehr Roboter und Computer einsetzen. Das Resultat: Jeder Fahrstuhl wurde nun als Roboter ausgegeben, jeder Bildschirm in CAD/CAM-Arbeitsstation umbenannt.

Darüber hinaus sollte jedes Unternehmen, auf Mittags Order hin, mindestens fünf Prozent seiner Produktion auf Konsumgüter umstellen, damit die schlechte Versorgungslage verbessert würde - eine aberwitzige Idee. Daraufhin rechneten die Betriebe sogar ihr Werkküchenessen als "Versorgungsleistung für die Bevölkerung" ab und kamen folglich auf die erwünschte Norm.

[...]

Mittag mußte einsehen, daß seine Wirtschaft immer mehr an Konkurrenzfähigkeit verlor und daß Honeckers "Sozialkurs" die DDR in eine bedrohliche Außenverschuldung trieb. Die Kraft zu Konsequenzen besaß er nicht.

Als Ende der siebziger Jahre auf dem Weltmarkt die Rohstoffpreise explodierten und die Sowjetunion ihre jährlichen Erdöllieferungen um 2 Millionen auf 17,1 Millionen Tonnen reduzierte, war der Konkurs der DDR nur noch eine Frage der Zeit. Daß der Bankrott kurzfristig abgewendet werden konnte, verdankten Honecker, Mittag & Co. dem von SED-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski und CSU-Chef Franz Josef Strauß 1983 eingefädelten Milliardenkredit.

Für Mittag war das ein Signal, die DDR-Wirtschaft vorsichtig zu öffnen. Er hoffte darauf, daß sich die Dinge mit Hilfe der Westkooperation doch noch zum Guten wenden lassen würden. Da trafen sich seine ökonomischen Interessen mit Honeckers politischem Wunsch nach Anerkennung im kapitalistischen Ausland.

[...]

Hart traf Mittag das strenge High-Tech-Embargo, das die DDR vom lebenswichtigen Computermarkt abschnitt. Der Chefökonom versuchte einen Alleingang, um die Wirtschaft mit Hilfe moderner Technik endlich auf Effizienz zu trimmen. Mittags größte Stütze: der Allesbeschaffer Schalck.

Anfang der achtziger Jahre leitete Mittag das letzte Experiment ein: eine eigenständige mikroelektronische DDR-Industrie. 14 Milliarden Mark pumpte er in diese Verzweiflungs-Unternehmung - zuviel Geld für die kleine DDR, viel zu wenig aber, um mit dem Fortschritt in der Welt Schritt halten zu können.

Mittag wußte nur zu gut, daß eine moderne Wirtschaft ohne Mikroelektronik nicht zu haben sein würde. Und er ahnte, daß er die DDR-Wirtschaft mit diesem Abenteuer vollends ruinieren würde.

Aber für ihn war alles nur eine Frage des Berichts. So ließ er noch 1988 die Labormuster des 1-Megabit-Chips und der 32-Bit-Computer feiern und verschwieg dabei, daß die übrige Industrie mangels Investitionskraft immer weiter verkam.

Zuletzt hatte Mittag nur noch die Statistik im Griff. Am 17. Oktober 1989 mußte der oberste DDR-Ökonom das Große Haus neben dem Staatsratsgebäude räumen.


-----

Dazu noch ein Interview mit Mittag, aus derselben Spiegel-Printausgabe (37/1991).


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#31

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 26.02.2010 23:50
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von Sonny
Sein Stab klärte ihn darüber auf, daß die DDR über ihre Verhältnisse lebte. Er aber ließ sich lieber für die ruinösen "Errungenschaften der Sozialpolitik" feiern.


00:30 "...ich lass mir von Dir meine Politik nicht kaputtmachen."



Quelle: Damals in der DDR, Teil 4: Plan und Pleite


zuletzt bearbeitet 27.02.2010 20:01 | nach oben springen

#32

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 27.02.2010 00:01
von Augenzeuge (gelöscht)
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Ja, wie im Video gezeigt war es auch. Die Neubauten waren für viele die einzige Chance eine Wohnung zu bekommen. Und heute werden sie oft wieder abgerissen, weil sich keine Mieter finden.

Die sozialen Errungenschaften sollten erhalten bleiben- koste es was es wolle. Es kostete nicht zuletzt die DDR.....
AZ


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#33

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 27.02.2010 00:05
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von Sonny
Um den technischen Fortschritt zu beschleunigen, verlangte der Zentralist Mittag, die Betriebe müßten mehr Roboter und Computer einsetzen. Das Resultat: Jeder Fahrstuhl wurde nun als Roboter ausgegeben, jeder Bildschirm in CAD/CAM-Arbeitsstation umbenannt.



hier noch ein Beispiel, wo Mittag eigenhaendig Entscheidungen getroffen hat, die nicht im Sinne der DDR-Wirtschaft waren.

Duane




Quelle: Das war die DDR, Teil 3: Vom Plan zur Pleite


zuletzt bearbeitet 27.02.2010 00:07 | nach oben springen

#34

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 27.02.2010 09:57
von Alfred | 6.853 Beiträge

Zitat von Augenzeuge
Und heute werden sie oft wieder abgerissen, weil sich keine Mieter finden.

AZ



AZ, diesen Satz sollte man ergänzen.

Weil viele Menschen aus den neuen Bundesländrn abgewandert sind, weil sie hier keine Berufliche Perspektive haben.


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#35

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 27.02.2010 11:57
von CaptnDelta (gelöscht)
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Hi Jens,

Zitat von KID
Wenn Staatspleiten ein Zeichen fuer das Zusammenbrechen eines Systems sind, dann waere auch der Kapitalismus am Ende. Die Schulden einer Nation deuten ohne Frage auf auf Tendenzen einer nationalen Wirtschaft. Wenn heute in der EU oder in den USA mit dem gleichem Massstab gemnessen wird, wie frueher (oder heute in diesem Forum) der DDR gegenueber gemessen wurde, ...

Die USA stellen eine Ausnahme in dieser Hinsicht dar: Der Dollar ist "commodity currency" ('Weltwaehrung'), von daher hat man hier eine sehr grosse Kreditlinie. Man kann von daher nicht mit dem gleichen Massstab messen wie andere Staaten, allerdings verlangt dies auch von der Finanzpolitik eine entsprechende Verantwortung (die nicht immer gezeigt wird).

Zitat von KID
Die Interviewerin Barbara Walters fragte Fidel Castro Folgendes im Interview: "Ist es nicht wahr, dass Tausende menschen Ihr land verlassen, alles riskieren... Ist das nicht der Beweis, dass der Sozialismus fuer Kuba nicht funktioniert?" Castro konterte auchmit FAKTEN: "Ja, Barbara, es stimmt auch, dass MILLIONEN Mexikaner jedes Jahr IHR Land verlassen. Dann koennen wir sagen, das dort der Kapitalismus nicht funktioniert...?" Nun, wenn jeder so weiter macht, kommen wir eigentlich nicht weiter. Aufzaehlen, gleichstellen....aufzaehlen, geleichstellen. Und am Ende hat keiner was gelernt.

Ich glaube das eigentliche Problem ist das man verschiedene Staats- und Wirtschaftsordnungen immer in schon seit mehreren Dutzenden von Jahren ueberholte Schablonen wie *Sozialismus* oder *Kapitalismus* presst. Sowohl Barbara (ich hab das Interview uebrigens auch gesehen) als auch Fidel (der natuerlich wunderbar versteht, die amerikanischen Medien zu seinem Spielzeug zu machen) sind Relikte des kalten Krieges, von daher benutzen die natuerlich diese Schablonen besonders gern.

Das "Nicht-Funktionieren" des einen "Systems" schliesst nicht ein das das andere "System" unfehlbar ist. Es gibt "sozialistische" Staaten die wirtschaftlich "funktionieren" - z.B. China, oder Venezuela - wobei man sich dabei fragen muss ob diese wirklich eine lebenswuerdige Alternative zum "Kapitalismus" darstellen. Und dann gibt es "kapitalistische" Staaten, die (zeitweise) nicht funktionieren, wie z.B. momentan Griechenland, oder das schon genannte Argentinien, Mexico oder Island.

Wirtschaftliche Dysfunktionalitaet *kann* auch am "Markt" orientierte Volkswirtschaften betreffen, durch Filz, Inkompetenz, Korruption, etc. Eine Marktwirtschaft ist nicht frei von diesen Erscheinungen, nur sollten Mechanismen vorhanden sein, welche entsprechende Auswuechse, die die Wirtschaft selbst gefaerden, entdecken und verhindern. Das schliesst auch nicht aus, das diese Mechanismen von Zeit zu Zeit geaendert und ueberholt werden muuessen, nachdem entsprechenden "Taeter" ihre Methoden auch veraendern und verbessern.

Wirtschaftliche Dysfunktionalitaet *muss* in einer Diktatur (egal ob "sozialistisch" oder anders) auftreten - das Prinzip "Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut" trifft immer zu. Die Symptome wirtschaftlicher Dysfunktionalitaet koennen zeitweise kaschiert werden, z.B. durch entsprechende Resourcen (Venezuela: Erdoel; China: billige, rechtlose Arbeitskraefte). Sobald diese Resourcen aufgebraucht sind, wird sich - nachdem auch die Substanz aufgebraucht ist - das Wirtschaftssystem aendern muessen.

-Th


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#36

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 27.02.2010 12:22
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Ari@D187
Die DDR rangierte auf der Skala der stärksten Industrienationen der Welt auf Platz 10.


Zitat von Rainman2
... Die DDR war eine Wirtschaftsmacht, ohne Zweifel. Gerade in den 70-er Jahren war das noch der Fall. Aber nicht mehr zu der Zeit, da sie zusammenbrach.

Die DDR hatte zu der Zeit, als sie Mitte der 70er Jahre einmalig unter den 'Top-10' eines franzoesischen Wirtschaftsinstitutes auftauchte, unter anderem zwei einmalige Vorteile:
(1) die DDR war (temporaer) einer der groessten Gewinnler der Oelkrise: Aufgrund des Festpreises gegenueber der SU konnte mit Kraftstoff und Mineraloelerzeugnissen - aufgrund des exorbitanten Oelpreises - in diesem Bereich enorme Gewinne erwirtschaftet werden.
(2) die DDR gab praktisch die Souveraenitaet ihres Wirtschaftsgebietes auf: Wirtschaftlich galt die DDR, mit Einverständnis ihrer Führung, für Westdeutschland auch nach den Grundlagenvertraegen als Inland, und zaehlte somit ueber den innerdeutschen Handel zur EWG-Zone. Gegenueber dem restlichen Ostblock (und auch dem Rest der Welt) konnte man nun steuer- und abgabenfrei Produkte innerhalb der EWG absetzen. Fuer Agrarprodukte (z.B. Fleisch, Getreide, Zucker) galten sogar die EWG-gestuetzten Preise fuer westdeutsche Landwirte. So bezahlte man der DDR 1972 fuer die Tonne Zucker DM 950,00, wohingegen auf dem normalen 'Welt'markt nur DM 770,00 drin gewesen waeren.

-Th


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#37

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 27.02.2010 15:00
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von seaman
http://docs.google.com/viewer?a=v&q=cach...DDLMyvTtCxAVvkA

seaman



Wie Rainman schon sagte, "nettes Dokument", bezeichnend auch, das es anscheinend die Mentalitaet eines hohen Wirtschaftsfunktionaers der DDR widerspiegelt, der sich seine Welt schoenrechnet.

Hier ein paar Beispiele:
(1) Es werden Auslands- und Inlandsschulden durcheinandergeworfen.
(2) Der absolute Betrag der Auslandsschulden (welche im Dokument verglichen werden) ist nicht entscheidend, solange man die geforderten Zinsen zahlen kann (und vielleicht ab und zu sogar etwas Tilgung - welches die DDR nie vorhatte, nachdem der "Sozialismus gesetzmaessig siegte"). Die DDR war ab Ende der 70er Jahre laufend in der Klemme, zumindest die *Zinsen* aufzubringen. Die sog. Schuldendienstrate eines top-bonitaetswuerdigen Landes wurde zur damaligen Zeit mit nicht hoeher als 25% angesetzt. Fuer die DDR standen 150% an. Das heist es geht nicht darum, *ob* die DDR weiterhin Kredite erhalten konnte, jedoch um die Konditionen (und jeder der das DDR-Geschrei um die "Hochzinspolitik" so um 1982 noch im Ohr hat sollte das verstehen - zu dieser Zeit gabs eine aehnliche Krise). Die DDR konnte sich die gegebene Zinsbelastung kaum zu normalen Konditionen leisten, geschweige denn eine weitere Bonitaet-Rueckstufung.
(3) Die Gegenueberstellung des Schuerer-Saldo von 1989 ($26MM) mit dem Abschlussbericht der Bundesbank 1999 ($12MM) in diesem Dokument ist unserioes. Der Abschlussbericht BB gibt den Status wieder *nachdem* die DDR nicht mehr existierte. Als Beispiel sind darin:
(3a) die erloesten Gewinne der nicht mehr benoetigten 160 Botschafts-Immobilien und anderer auslaendischer Liegenschaften enthalten, die bei einem Fortbestand der DDR weiterhin behalten haetten werden muessen (und von daher nicht zur Disposition standen).
(3b) Gewinne aus dem operativen Geschaeft und der Aufloesung von Tarn/Scheinfirmen des Bereichs KK enthalten, welche diese Tarnung benoetigten, um weiter entsprechend taetig sein zu koennen. D.h. es werden Deckungswerte/Aktiva angenommen, welche bei Kreditverhandlungen nie eine Rolle spielen konnten. Waere aehnlich einem Mafiaboss gewesen, der zur Bank geht, um dort einen zukuenftigen Drogendeal mit Hinweis auf die in seinem Besitz befindlichen geklauten Autos finanziell abzusichern.
...
Man koennte diese Aufstellung fortsetzen.

Der Autor bemerkt zum Schluss das 'jemand "Pleite" ist, wenn er seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann'. Im Umkehrschluss ist also jemand kreditwuerdig der seinen Verpflichtungen nachkommt. Das ist grundsaetzlich richtig, allerdings kommt es auch darauf an *wie* man seinen Verpflichtungen nachkommt.
Nachdem die DDR u.a. ...
* Kredite zu weit schlechteren Konditionen aufnehmen musste, nur um Zinsen fuer besser konditionierte Kredite zu Zahlen, und
* die Schuldendienstrate eine Hoehe erreicht, welche eine Neueinstufung in eine geringere Bonitaetsgruppe warscheinlich machte
... wurde es hoechstwarscheinlich das sich die Zins-Verpflichtungen dramatisch erhoehen wuerden. Dies war IMHO der primaere Grund fuer den alamierenden Ton des Schuerer-Papiers.

-Th


zuletzt bearbeitet 27.02.2010 15:14 | nach oben springen

#38

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 27.02.2010 19:28
von X-X-X (gelöscht)
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Mal sehen, ob diese Leitlinien bei Spanien und Griechenland zutreffen. 19% Arbeitslosenzahl...Spanien ist aber Zahlungsfaehig! Solange ich bluten kann, bin ich noch am Leben. Bluten koennen heisst aber lange nicht gesund. Darum geht es, glaube ich. Bald heisst es in Spanien: "Euro! Hasta la vista!"


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#39

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 27.02.2010 19:29
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Ich würde nicht meinen, das ich von dem ganzen ökonomischen Kram, den Delta und Andere eingestellt haben..." Bahnhof verstehe", weil ich nur ein einfacher Arbeiter( in der DDR Werktätiger genannt) bin und war, aber ich würde meinen: Beschäftigt euch mal nicht so extrem mit den letzten Jahren der DDR, so sie in ihrem Überlebenskampf lag, nein, beschäftigt euch speziell was die Fragestellung betrifft, so diese Wirtschaftsmacht mit der Zeit ab der Mauerschliesung bis so Mitte der 80er Jahre.
Das würde ich als fair empfinden, und nicht die letzte bleierne Zeit. Gab es da nicht einen schönen Film von Fassbinder mit der bleiernen Zeit im Westen? Aber es kann auch von einem Anderen...

R-M-R


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#40

RE: Die DDR war eine große Wirtschaftsmacht ?!

in Mythos DDR und Grenze 27.02.2010 23:15
von Sonny (gelöscht)
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Beschäftigt euch mal nicht so extrem mit den letzten Jahren der DDR, so sie in ihrem Überlebenskampf lag, nein, beschäftigt euch speziell was die Fragestellung betrifft, so diese Wirtschaftsmacht mit der Zeit ab der Mauerschliesung bis so Mitte der 80er Jahre.

Das würde ich als fair empfinden, und nicht die letzte bleierne Zeit. Gab es da nicht einen schönen Film von Fassbinder mit der bleiernen Zeit im Westen?



Natürlich gab es auch in westlichen Ländern "bleierne Zeiten", und auch veritable Krisen (wie z.B. aktuell wieder in Griechenland) --- nur ist daran der Kapitalismus nicht kaputtgegangen.


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