#1

Winterschlacht in der DDR

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 26.02.2010 09:29
von kinski112 (gelöscht)
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Habe ich auf Phönix geschaut. Ich weiss da gibt es eine MDR Reihe die schon viel Beiträge gesendet haben über den Alltag in der DDR ! Aber ich habe es bei MDR-Mediathek nicht gefunden.
Auch im Thread hier wo es hingehört keine Angaben über diese Dokumentation !


Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind die Feinde der Braunkohleindustrie der DDR – witzelte man Jahr ein, Jahr aus ob der großen Schwierigkeiten, die Strom- und Wärmeversorgung des Landes auf sichere Füße zu stellen. Aber es war nicht nur ein Witz – der Hauptfeind der DDR war wirklich der Winter. Die Schlacht an der Kohlefront war existentiell für das ganze Land. Neben der minderwertigen Braunkohle gab es keine Alternative für die Energieversorgung des Landes. Und trotz ausgefeilter Katastrophenpläne kollabierte im Winter mit einer Regelmäßigkeit die Kohleförderung in den Tagebauen. Bereits im Frühjahr wurden die Erfahrungen des vergangenen Winters ausgewertet und Maßnahmen getroffen, dass es nicht wieder so katastrophal werden sollte. Im Sommer zogen die Arbeiter- und Bauern-Inspektionen los zur ersten Kontrolle der Vorbereitungen für den Winter. Im Herbst wurden Sonderschichten gefahren, um einen gewissen Planvorsprung für den Winter in Reserve zu haben. Am Tag X im Herbst begann dann die einwöchige so genannte “Winterbereitschaft”, die Überprüfung der Ausrüstung vor dem Einbruch der Kälte. Und wie jedes Jahr versammelte sich dann im Winter die halbe DDR in der Braunkohle. Neben den Kohlekumpels standen Bauern, Soldaten, Studenten im Schlamm oder Eis. Selbst politische Häftlinge mussten in der Kohle schinden – sozusagen als Erziehungsmaßnahme. Mit Magnesiumlauge, brennendem Altöl oder umgebauten Flugzeugtriebwerken versuchte man die eingefrorene Kohle dem Tagebau abzuringen – gefährliche Unternehmungen, die nicht immer gut gingen. Jedem, der hier arbeitete, wurde suggeriert, dass er persönlich dafür verantwortlich sei, dass bei den Menschen zuhause das Licht nicht ausgeht.

Angefügte Bilder:
F.K..png

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#2

RE: Winterschlacht in der DDR

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 26.02.2010 09:56
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Im Winter 1978/79 wurde die Ausbildung an der Offiziershochschule der Grenztruppen für einige Wochen eingestellt. Auch die Offiziersschüler wurden in die Kohle geschickt. Es gab einen Einspruch seitens der Ausbilder und Verantwortlichen in der Sektion Grenzoffiziere, aber der Kommandeur der Hochschule, Generalmajor Werner Ebertz, befahl den Einsatz und eine Überarbeitung des Studienplanes. Als ich 1979 im Juni an die Hochschule kam, waren die Geschichten aus der Kohle immer noch der Renner unter unseren "Ausbildern" (Offiziersschüler des 2. Studienjahres).

Ciao Rainman

Gerhard Gundermann

Ich war'n Bergmann, weiter hab ich nüscht gelernt.
Ich hab dieses Land in jedem Winter treu gewärmt.
Die Lunge ist wie'n Sack mit Kohlebrocken voll,
Im Herzen Asche in den Adern Alkohol.

Meine Grube Brigitta ist pleite
Und die letzte Schicht is lang schon verkauft.
Und mein Bagger, der stirbt in der Heide,
Und das Erdbeben hört endlich auf.


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#3

RE: Winterschlacht in der DDR

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 26.02.2010 10:16
von rustenfelde | 676 Beiträge

Zitat von kinski112
Habe ich auf Phönix geschaut. Ich weiss da gibt es eine MDR Reihe die schon viel Beiträge gesendet haben über den Alltag in der DDR ! Aber ich habe es bei MDR-Mediathek nicht gefunden.
Auch im Thread hier wo es hingehört keine Angaben über diese Dokumentation !


Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind die Feinde der Braunkohleindustrie der DDR – witzelte man Jahr ein, Jahr aus ob der großen Schwierigkeiten, die Strom- und Wärmeversorgung des Landes auf sichere Füße zu stellen. Aber es war nicht nur ein Witz – der Hauptfeind der DDR war wirklich der Winter. Die Schlacht an der Kohlefront war existentiell für das ganze Land. Neben der minderwertigen Braunkohle gab es keine Alternative für die Energieversorgung des Landes. Und trotz ausgefeilter Katastrophenpläne kollabierte im Winter mit einer Regelmäßigkeit die Kohleförderung in den Tagebauen. Bereits im Frühjahr wurden die Erfahrungen des vergangenen Winters ausgewertet und Maßnahmen getroffen, dass es nicht wieder so katastrophal werden sollte. Im Sommer zogen die Arbeiter- und Bauern-Inspektionen los zur ersten Kontrolle der Vorbereitungen für den Winter. Im Herbst wurden Sonderschichten gefahren, um einen gewissen Planvorsprung für den Winter in Reserve zu haben. Am Tag X im Herbst begann dann die einwöchige so genannte “Winterbereitschaft”, die Überprüfung der Ausrüstung vor dem Einbruch der Kälte. Und wie jedes Jahr versammelte sich dann im Winter die halbe DDR in der Braunkohle. Neben den Kohlekumpels standen Bauern, Soldaten, Studenten im Schlamm oder Eis. Selbst politische Häftlinge mussten in der Kohle schinden – sozusagen als Erziehungsmaßnahme. Mit Magnesiumlauge, brennendem Altöl oder umgebauten Flugzeugtriebwerken versuchte man die eingefrorene Kohle dem Tagebau abzuringen – gefährliche Unternehmungen, die nicht immer gut gingen. Jedem, der hier arbeitete, wurde suggeriert, dass er persönlich dafür verantwortlich sei, dass bei den Menschen zuhause das Licht nicht ausgeht.




Das kann ich so bestätigen, da der Braunkohleabbau faktisch vor meiner Haustür stattfand. Bis zum
Tagebau waren es knapp 500 m Luftlinie. Dort entsteht jetzt eine herrliche Seenlandschaft.Das Projekt
heist IBA, seht selbst: http://www.iba-see.de/de/
Ja die Braunkohlekraftwerke:http://commons.wikimedia.org/wiki/File:G...iktoria_001.jpg, die diesen schwarzen Dreck in unsere Luft pulverten sind nun auch Geschichte, somit aber auch die Arbeitsplätze.
Aber eins muß ich sagen, die Qualität der Exportbriketts:http://www.lausitzer-rekord.com/ war sehr gut!
Und tatsächlich saßen wir hier im Winter 1978-1979 ohne Licht

Gruß RF


"Ich weiß nicht, dass ich jemals von der zauberhaften Schönheit eines Erdfleckens so innerlichst berührt worden wäre."
Theodor Storm über das Eichsfeld (1856)


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#4

RE: Winterschlacht in der DDR

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 26.02.2010 10:52
von Svenni1980 | 672 Beiträge

Kleine Anmerkung,

die Lausitzer Rekord Briketts gibts bei uns im Penny! Für unschlagbare 1,99€ pro 10 kg Pack.

Zum Vergleich der halbe Zentner Union-Brikett kostet 6,49€. Und die rußen auch stärker als die Lausitzer.


Weil die Klugen immer nachgeben regieren die Dummen die Welt!!

Affen die hoch hinaus wollen, entblößen Ihren ..... (Hintern)!!
zuletzt bearbeitet 26.02.2010 10:52 | nach oben springen

#5

RE: Winterschlacht in der DDR

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 26.02.2010 11:29
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Svenni1980
Kleine Anmerkung,

die Lausitzer Rekord Briketts gibts bei uns im Penny! Für unschlagbare 1,99€ pro 10 kg Pack.

Zum Vergleich der halbe Zentner Union-Brikett kostet 6,49€. Und die rußen auch stärker als die Lausitzer.




Glückwunsch! Das Du (ihr) die guten Lausitzer bei Euch so günstig bekommt!

Weicht jetzt zwar etwas vom Thema ab, aber diese Briketts waren schon zu DDR- Zeiten beste Qualität!

Der Großraum Magdeburg/ Harz wurde bis Anfang der 80-er aus dem mitteldeutschen Revier, speziell Merseburg und Nachterstedt (dort wo jetzt der tragische Erdrutsch war) beliefert. Durch den hohen Salzgehalt der Rohbraunkohle waren diese Briketts für den Hausgebrauch in Öfen und Zentralheizungen kaum verwendbar. Neben der geringen Wärmeausbeute, des dadurch höheren Verbrauchs = höhere Umweltbelastung, teils entsetzlicher Gestank zerstörte dieser Brennstoff fast jeden Schornstein (Salzfraß). Durch regelrechte Krustenbildung in den Schornsteinen wurde nicht nur das Mauerwerk stark und relativ schnell geschädigt, es kam auch vermehrt zu Schornsteinbränden. Aber die DDR war nun mal auf Grund ihrer notorischen Rohstoffknappheit auch auf diese minderwertige Braunkohle angewiesen.
Nachdem mitte der 80-er fast jeder Schornstein ernsthaft geschädigt war, stellte man auch bei uns auf Lausitzer Briketts um. Das war schon allein von der Wärmeausbeute ein Unterschied wie Tag und Nacht! Geschweige von den anderen Begleitumständen wie Ascheanfall, Umweltbelastung ect.! Die salzhaltige und minderwertige Braunkohle verfeuerte man dann vorrangig in Großheizkraftwerken/ industriellen Großfeuerungsanlagen.

Speziell der Winter 1978/ 79 hat es ganz klar deutlich gemacht, wie die gesamte DDR- Wirtschaft an dem witterungsbedingt extrem störanfällig abzubauenden Rohstoff Braunkohle hing, krankte.
Als dann Anfang der 80-er die UdSSR noch den Ölhahn drosselte bzw. nur noch für harte Devisen das Öl sprudeln ließ, die Betonköpfe des Politbüros in dieser schon ausweglosen Situation vermehrt auf eben diesen störanfälligen Rohstoff Braunkohle setzten, da hätte noch so ein Winter wie 78/79 bzw. so ein Winter wie der gerade Aktuelle gereicht, die DDR- Wirtschaft vollends in die Knie zu zwingen. Will mal nicht übertreiben,aber es hätte bestimmt fast nordkoreanische oder nachkriegsähnliche Verhältnisse mit großflächigen Stromausfällen ect. gegeben.

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 26.02.2010 11:33 | nach oben springen

#6

RE: Winterschlacht in der DDR

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 26.02.2010 17:23
von Augenzeuge (gelöscht)
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Als Norddeutschland in Schnee und Eis versank:

http://www.welt.de/hamburg/article290341...is-versank.html

Video folgt umgehend!
AZ


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#7

RE: Winterschlacht in der DDR

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 26.02.2010 18:07
von Augenzeuge (gelöscht)
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Link: DDR Winter 1978 1979 1


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