#81

RE: DDR Mythos ? "Es gab keine Arbeitslose in der DDR"

in Mythos DDR und Grenze 10.04.2013 18:37
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Zitat von Unner Gräzer im Beitrag #77
Hallo Leute !

Ich habe diesen Thread jetzt erst entdeckt, darum schreibe ich jetzt erst was dazu. Also, Anfang 1986 wurde mein Lehrverhältnis bei der zivilen Seefahrerei der DDR auf Grund einer "plötzlich festgestellten Seefahrtsuntauglichkeit" von einem Tag auf den anderen beendet. Ich wurde aufgefordert, am nächsten Tag das Lehrlingswohnheim zu verlassen und nach Hause zu fahren. Es erfolgte keine schriftliche Kündigung, es wurde auch kein Eintrag im grünen SV-Buch gemacht, gar nix. Theoretisch bin ich heute noch Betriebsangehöriger des damaligen Betriebes, da das Ende der Lehre nicht ausgetragen wurde (das fiel in der Kaderabteilung meines neuen Arbeitgebers dann auf). Nach einer Woche zu Hause in meinem Heimatort bekam ich eine Ladung ins Amt für Arbeit. Dort wurde mir eine Woche Frist gegeben, um mir eine Arbeitsstelle zu suchen, andernfalls würde man mich auf Grund des § 249 StGb der DDR nach Torgau einweisen (ich war noch nicht volljährig, deswegen Jugendwerkhof). Ich lag, ausser meinen Eltern, niemandem auf der Tasche. Das positive der Ladung war, daß ich eine damals sehr begehrte Lehrstelle als Autoschlosser für das kommende Lehrjahr 1986/87 bekam und in meinem zukünftigen Lehrbetrieb auch eine Arbeit. So wurde für mich der Beruf "Hilfsschlosser" erfunden. Es hat mir aber schon einen Einblick in meine spätere Lehre gegeben und ich konnte mir schon das Eine oder Andere aneignen, es war auf jeden Fall nützlich. Eine Unterstützung vom Staat gab es nicht. Also man konnte auch in der DDR kurz und schmerzlos abserviert werden, wenn man nicht das machte was der Staat wollte.


Was war der urplötzliche Grund der Untauglichkeit? Wem bist Du denn da so richtig kräftig auf den Schlips getreten?


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#82

RE: DDR Mythos ? "Es gab keine Arbeitslose in der DDR"

in Mythos DDR und Grenze 10.04.2013 19:02
von utkieker | 2.926 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #74
War es nicht so, dass im Sozialismus der Boden meist Volkseigentum und nicht veräusserbar war, die Gebäude und Gerätschaften hingegen den LPG's oder anderen juristischen Personen gehörten? Im Kapitalismus hingegen sind Boden und Gebäude meist eine Einheit. Nach der Wende gabs bei der "Zusammenführung" des bislang nicht handelbaren (und somit "wertlosen") Bodens und der darauf gebauten Gebäude grosse Probleme. Denn nun hatten die Böden wieder einen Geldwert und die Alteigentümer standen sofort "auf der Matte".
Theo


Ganz so einfach ist es nicht Theo der Boden, welcher zur landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung stand, war zumeist genossenschaftliches Eigentum und war der Regelfall. Es gab noch einige Volkseigene Güter (VEG) und wie im Falle meines Urgroßvaters auch privater Grundbesitz. Mein Urgroßvater wurde bei der Bildung der LPG nicht berücksichtigt, weil er schon das Rentenalter überschritten hatte, er starb im biblischen Alter von 89 Jahren. Ein Teil seines Landbesitzes verkaufte er aber später an die Gemeinde. Sein Grundbesitz von ca 40 ha viel nicht unter die Bodenreform.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#83

RE: DDR Mythos ? "Es gab keine Arbeitslose in der DDR"

in Mythos DDR und Grenze 10.04.2013 19:08
von Unner Gräzer | 399 Beiträge

Hallo Eisenacher, der grund war ganz einfach. Ziemlich bald kam der Onkel von der SED wegen eben Parteikandidatur. Ich bin von zu Hause aus eher parteilos und neutral erzogen. Keiner in unserer Familie war in einer Partei, schon meine Grosseltern nicht. Jedenfalls, als ich einen Parteiantrag ablehnte, sagte er zu mir daß es jedes Jahr in einer Vollmatrosenklasse 100 % Parteikandidaten gab und auch dieses Lehrjahr (1985/86) geben wird. Ich nahm dennoch meine "Chance" nach diesem Wink mit dem Zaunspfahl nicht wahr und verneinte. War ich mir doch meiner Sache sicher, da es nirgendwo eine Verpflichtung gab, in eine Partei einzutreten obwohl man berufsbedingt meistens in anderen Ländern ist. Zwei Tage später kam die Aufforderung, mich zu einer gewissen Uhrzeit in Strahlsund in der Augenklinik einzufinden. Dort untersuchte mich ein alter Professor, ein sehr sehr netter Mann. Als sein "Assistent" mal raus musste sagte er mir, daß ihm das Ergebnis dieser Untersuchung bereits vorgegeben wurde. es tat ihm selber leid. Genau da war mir klar, was der SED-Mensch gemeint hatte.



Eisenacher hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.04.2013 19:09 | nach oben springen

#84

RE: DDR Mythos ? "Es gab keine Arbeitslose in der DDR"

in Mythos DDR und Grenze 10.04.2013 19:14
von Mike59 | 7.979 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #82
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #74
War es nicht so, dass im Sozialismus der Boden meist Volkseigentum und nicht veräusserbar war, die Gebäude und Gerätschaften hingegen den LPG's oder anderen juristischen Personen gehörten? Im Kapitalismus hingegen sind Boden und Gebäude meist eine Einheit. Nach der Wende gabs bei der "Zusammenführung" des bislang nicht handelbaren (und somit "wertlosen") Bodens und der darauf gebauten Gebäude grosse Probleme. Denn nun hatten die Böden wieder einen Geldwert und die Alteigentümer standen sofort "auf der Matte".
Theo


Ganz so einfach ist es nicht Theo der Boden, welcher zur landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung stand, war zumeist genossenschaftliches Eigentum und war der Regelfall. Es gab noch einige Volkseigene Güter (VEG) und wie im Falle meines Urgroßvaters auch privater Grundbesitz. Mein Urgroßvater wurde bei der Bildung der LPG nicht berücksichtigt, weil er schon das Rentenalter überschritten hatte, er starb im biblischen Alter von 89 Jahren. Ein Teil seines Landbesitzes verkaufte er aber später an die Gemeinde. Sein Grundbesitz von ca 40 ha viel nicht unter die Bodenreform.

Gruß Hartmut!


Da ist was dran @ utkieker.
Da mag so sein @ ET

Zitat
Denn nun hatten die Böden wieder einen Geldwert und die Alteigentümer standen sofort "auf der Matte".

aber mehr auch nicht. Die Zahl der Neueinrichter ist dann doch zumindest in unserer Region eher Unbedeutend. Die, welche auf der Matte standen wollten eigentlich nur wissen was mit Ihrem Besitz los ist. Nach dem diese Fragen geklärt waren - ging es weiter (fast) wie gehabt.


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#85

RE: DDR Mythos ? "Es gab keine Arbeitslose in der DDR"

in Mythos DDR und Grenze 10.04.2013 19:42
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Siehe das Zitat von eisenringtheo im Beitrag #74

"War es nicht so, dass im Sozialismus der Boden meist Volkseigentum und nicht veräusserbar war, die Gebäude und Gerätschaften hingegen den LPG's oder anderen juristischen Personen gehörten? "

Mal abgesehen von den LPG-Liegenschaften gab es ne Unmenge an Privatem Grund und Boden in der DDR, wieder im Besitz von Einzelpersonen oder Erbengemeinschaften. Der Knackpunkt war wolltest du kaufen von einer Privatperson gab es soweit ich mich erinnere eine staatliche Beschränkung auf ca. 500qm Eigentumsland. Dazu war der QM selber offiziell nur Pfennige wert (über Notar) so das dann unter der Hand Kaufsummen von (so weit ich es kenne und getan habe ) ca. 9000,-Mark der DDR/ für 500qm per Handschlag ohne Unterschrift gezahlt wurden.

Wollte man mehr an Grund und Boden siehe die Nachbargrundstücke musste ein Strohmann her (er kaufte, du kauftest anschließend ohne Probleme von Ihm) was im Freundeskreis solange funktionierte bis der Freund dann dummerweise selber auf den Trichter kam, Grundstücksbesitzer zu werden.

Lebensläufer


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