#61

RE: DDR Mythos?

in Mythos DDR und Grenze 25.02.2010 13:06
von Alfred | 6.841 Beiträge

Holtenauer,


die Hinweise kamen u.a. von Reisenden , die diese Personen wieder erkannt hatten.

Gehört aber wohl zu einen anderen Thema.


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#62

RE: DDR Mythos?

in Mythos DDR und Grenze 25.02.2010 13:15
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Alfred
Holtenauer,
die Hinweise kamen u.a. von Reisenden , die diese Personen wieder erkannt hatten.



Alfred, klingt weit hergeholt. Folgende Fragen sollte man sich mal beantworten......

Wer durfte denn reisen? Dann liefen ihm die Ex-RAFler mal über den Weg? Und dann hatte der Reisende auch noch die RAF-Bilder im Kopf? Dann erkannte der Reisende die veränderte Person sofort wieder?

Sind für mich sehr viele Zufälle.....

Ich denke, dass es hier andere Quellen gab.

AZ


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#63

RE: DDR Mythos?

in Mythos DDR und Grenze 25.02.2010 13:45
von Alfred | 6.841 Beiträge

AZ,

wer durfte reisen ?

Jedes Jahr reisten Millionen von Menschen von Ost nach West und umgekehrt.

Die Fahnungsbilder hingen in der BRD aus. Und wie es für dich klingt, ist mit egal.


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#64

RE: DDR Mythos?

in Mythos DDR und Grenze 25.02.2010 14:03
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Alfred
AZ,
wer durfte reisen ?
Jedes Jahr reisten Millionen von Menschen von Ost nach West und umgekehrt.
Die Fahnungsbilder hingen in der BRD aus. Und wie es für dich klingt, ist mit egal.



Alfred
Die meisten Reisenden fuhren mit der Bahn oder mit dem PKW. Und da konnte man keine Fahndungsbilder sehen! Komisch nicht?

Die Enttarnung der ehemaligen Terroristen als brave Bürger im Arbeiter- und Bauernstaat löste im Juni 1990 weltweit Verblüffung aus. Offiziell hieß es, die auffallend dünne Einbürgerungsakte habe das Zentrale Kriminalamt der DDR seinerzeit stutzig gemacht.
Quelle: focus

Neue Aktenfunde belegen, dass die Bundesregierung früh von Aussteigern wusste, die in der DDR lebten.
Hierüber gab es sogar Gespräche beim Honecker-Besuch in Bonn.
Spiegel


zuletzt bearbeitet 25.02.2010 14:04 | nach oben springen

#65

RE: DDR Mythos?

in Mythos DDR und Grenze 25.02.2010 14:20
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Augenzeuge

Zitat von Alfred
AZ,
wer durfte reisen ?
Jedes Jahr reisten Millionen von Menschen von Ost nach West und umgekehrt.
Die Fahnungsbilder hingen in der BRD aus. Und wie es für dich klingt, ist mit egal.



Alfred
Die meisten Reisenden fuhren mit der Bahn oder mit dem PKW. Und da konnte man keine Fahndungsbilder sehen! Komisch nicht?

Die Enttarnung der ehemaligen Terroristen als brave Bürger im Arbeiter- und Bauernstaat löste im Juni 1990 weltweit Verblüffung aus. Offiziell hieß es, die auffallend dünne Einbürgerungsakte habe das Zentrale Kriminalamt der DDR seinerzeit stutzig gemacht.
Quelle: focus

Neue Aktenfunde belegen, dass die Bundesregierung früh von Aussteigern wusste, die in der DDR lebten.
Hierüber gab es sogar Gespräche beim Honecker-Besuch in Bonn.
Spiegel





AZ,

wo hingen denn die Bilder aus ? Wir haben doch einige Personen hier, die können genau mitteilen, wo die Fahnungsbilder überall aushingen.

Eigentlich ist es mir auch egal was Du schreibst. Es war so, dass Personen erkannt worden. PUNKT !

Mit Honecker besprochen ? Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, wusste Honecker nichts von den RAF - Leuten. Nur weil es der Spiegel schreibt muss es nicht stimmen.

Die BRD wusste lange, dass Aussteiger in der DDR lebten, dies ist allerdings richtig, aber längst nicht neu.

Für mich ist das Thema durch.


zuletzt bearbeitet 25.02.2010 14:22 | nach oben springen

#66

RE: DDR Mythos?

in Mythos DDR und Grenze 25.02.2010 15:40
von Alfred | 6.841 Beiträge

AZ,

kannst ja ein neues Thema aufmachen. ( RAF )

Vielleicht findet sich ein Schreibender !


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#67

RE: DDR Mythos? "Man durfte sich seinen Beruf nicht aussuchen“

in Mythos DDR und Grenze 25.02.2010 15:55
von küche69 | 428 Beiträge

Möchte mich entschuldigen, dass ich längere Zeit nichts von mir hören ließ (wurde aber wahrscheinlich garnicht vermisst), jedenfalls hatte ich ab dem 15.02.2010 kein Internet mehr, habe den Anbieter gewechselt und dieser hat mich erst heute Nacht zugeschaltet!

Aber nun zum Thema. Ich bin auch der Meinung, dass nicht jeder den Beruf erlernen durfte den er gewollt hätte, ich selber bin in diese Lage gekommen, den ich wollte Autoschlosser lernen, aber die Lehrstellen waren begrenzt und es wurden auch meistens die Schüler mit ausserordentlich guten Leistungen genommen, soweit diese nicht auf der EOS waren.

Habe deshalb auch den Beruf des Malers erlernt, bin aber nicht böse darüber!



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#68

RE: DDR Mythos?

in Mythos DDR und Grenze 25.02.2010 16:56
von X-X-X (gelöscht)
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Vielen Dank, meine Damen und Herren! Dass ich einen solchen 'brisanten' Beitrag schreiben sollte, hatte ich schon mit anderen abgesprochen. Mir ging es darum, das gleiche kalte Gericht zu servieren, wie man es tag fuer Tag im Forum serviert bekommt. Bitte nehmt mir es nicht uebel: ich lese gerne die aktuellsten Beitraege und gebe freilich zu, ich lerne auch was dabei. Die ganze Thematik "MYTHOS" ist an und fuer sich ein Art des 'draufhauens'. Ich wollte nur mit meinem gezielten Beitrag es den Forum-Mitgliedern beibringen, wie ICH es empfinde.

Alle Menschen besitzen die besondere Eigenschaft ihre Erinnerungen so zu pflegen, dass das Boese boeser wird und das Schoene schoener wird. Das ist biologisch bedingt und haengt mit dem Ueberlebensdrang zusammen. Unsere persoenliche Erfahrungen sind uns wichtig. Diese auch mit anderen sachlich - aber auch manchmal emotionell - teilen zu koennen, ist was Gutes, denke ich. Man kann immer Boeses finden, wenn man nur Boeses sucht. Genauso gilt das fuer Gutes. Kein Staat besteht nur aus Gutem oder Schlechtem. Ich persoenlich weiss sehr wenig uber die BRD und wage es keinem BRD-Buerger zu sagen, wie das ihm waehrend der letzten 20 Jahren im alltaeglichen Leben ging. Die Pauschalisierung des alltaeglichen Lebens in der DDR ist das, was bei mir auf Unverstaendnis stoesst. Eine gerechte Aufarbeitung der Geschichte beider deutschen Staaten bedarf keiner Verzerrung der persoenlichen Erfahrung deren Buerger. Dabei geht es auch nicht um Aufzaehlen und Gleichstellen.

Ich hoffe, Ihr habt dafuer Verstaendnis. Liebe Forumsmitglieder: Fuer mich bestand die DDR nicht aus MfS und Staatsapparat. Sie war fuer mich gute Nachbarn und Freunde. Sie war auch mein Zu Haus. Wenn ich 'meine' DDR verteidige, sind es diese Erinnerungen.

Ich entschuldige Mich fuer die Stoerung.

Jens


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#69

RE: DDR Mythos?

in Mythos DDR und Grenze 25.02.2010 17:00
von PF75 | 3.291 Beiträge

@ Kid
mich störst du nicht mit deinen Beiträgen,ansonstenmach weiter so.


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#70

RE: DDR Mythos?

in Mythos DDR und Grenze 25.02.2010 17:39
von Holtenauer | 1.158 Beiträge

mich auch nicht. Bin mit einer "ehemaligen" DDR Bürgerin zusammen und kann auch die andere Seite verstehen.


Gruß
Thomas
Zerstörer Lütjens - D185

Seit man begonnen hat, die einfachsten Behauptungen zu beweisen, erweisen sich viele von ihnen als falsch

Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast


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#71

RE: DDR Mythos?

in Mythos DDR und Grenze 25.02.2010 17:44
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von KID
Ich entschuldige Mich fuer die Stoerung.


Hallo Jens,

Deine Beitraege stoeren mich auch nicht, unabhaenging davon, dass wir oft nicht derselben Meinung sind.
Weiterso!

Duane


zuletzt bearbeitet 25.02.2010 18:17 | nach oben springen

#72

RE: DDR Mythos? "Man durfte sich seinen Beruf nicht aussuchen“

in Mythos DDR und Grenze 25.02.2010 18:12
von Sonne | 510 Beiträge

Berufswahl ging genau wie heute über Beziehungen und über gute Noten.


Gruß Sonne

05/66-10/67
18 Monate meiner Jugend
in Glowe, Rothesütte, Elend


Wer Stroh im Kopf hat, fürchtet den Funken der Wahrheit.
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#73

RE: DDR Mythos? "Man durfte sich seinen Beruf nicht aussuchen“

in Mythos DDR und Grenze 25.02.2010 18:16
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von Sonne
...ging genau wie heute über Beziehungen...


Hallo Sonne,

welche Beziehungen waeren das, wenn ich fragen darf?

Duane


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#74

RE: DDR Mythos? "Man durfte sich seinen Beruf nicht aussuchen“

in Mythos DDR und Grenze 17.03.2010 21:00
von Kesti | 32 Beiträge

Meine Mutter durfte sich ihren Beruf auch aussuchen, mein Vater nicht (da es als Radioelektroniker nicht genug Lehrstellen gab, und daß, obwohl beide keine guten Schüler waren und die Schule nach der 8. Klasse abgebrochen hatten. Ich habe einfach mal nachgefragt. Und ehrlich gesagt, auch hier kann nicht jeder seinen Traumberuf erlernen, wenn er nicht entsprechende Noten hat. Und im Gegensatz zu heutigen Zeiten hat angeblich jeder einen Beruf erlernen können. Jetzt habe ich dazu auch mal eine Frage: Gab es auch den Beruf der Hausfrau? und Was wurde aus denen, die keinen Beruf erlernen wollten oder konnten?



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#75

RE: DDR Mythos? "Man durfte sich seinen Beruf nicht aussuchen“

in Mythos DDR und Grenze 18.03.2010 09:31
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Kesti
Meine Mutter durfte sich ihren Beruf auch aussuchen, mein Vater nicht (da es als Radioelektroniker nicht genug Lehrstellen gab, und daß, obwohl beide keine guten Schüler waren und die Schule nach der 8. Klasse abgebrochen hatten. Ich habe einfach mal nachgefragt. Und ehrlich gesagt, auch hier kann nicht jeder seinen Traumberuf erlernen, wenn er nicht entsprechende Noten hat. Und im Gegensatz zu heutigen Zeiten hat angeblich jeder einen Beruf erlernen können. Jetzt habe ich dazu auch mal eine Frage: Gab es auch den Beruf der Hausfrau? und Was wurde aus denen, die keinen Beruf erlernen wollten oder konnten?



Hallo Kesti,

den direkten, die direkte Bezeichnung des Berufes der Hausfrau gab es meines Wissens nach nicht, aber eher den "Facharbeiter für Textilreinigung, ...für Hauswirtschaftstechnik, ...für Reinigungstechnik, um hier nur einige zu beim Namen zu benennen. Viele Berufsbezeichnungen endeten irgendwie auf ..."technik". Höhrt sich alles à bisserl scherzhaft an, ist aber so! Auch in der DDR war man da erfinderisch, teils kamen da hochanmutende Begriffe bei raus, die manchmal eher zum Schmunzeln verleiteten oder es entwickelten sich etwas ironisch gemeinte Parallelbegriffe. Wie z. Bsp. bei der Reichsbahn wurde der/ die "Facharbeiter(-in) für Reinigungstechnik" kurz "Besengeschwader" oder "Besenballett" genannt. Bitte nicht verkehrt verstehen, soll au´f keinen Fall diskriminierend rüberkommen - ich zieh vor solchen Menschen absolut den Hut, den teils ekelerregenden Dreck anderer wegräumen zu müssen, um sich damit oft einen minimalen Lebensunterhalt verdienen zu müssen!

Der (Berufs-) Stand "Hausfrau" wurde eher als ein Begriff in die Richtung/ Kombination sozialer Stellung angewendet, wenn z. Bsp. in Fragebögen in der Schule ect. die Nachfrage nach der beruflichen Tätigkeit der Eltern kam. Zu meiner Schulzeit (1966 - 1976) war es noch üblich, das viele Mütter zu Hause waren, glaube zwar eher, vermehrt in der Provinz. Aber es war halt so!

Und das soziale System der DDR sah auch ganz speziell für Jugendliche mit geringerer Schulbildung Berufe vor, die dementsprechend auf dieses Schulabgangsniveau zugeschnitten, vorgesehen waren. Für den 10.- Klassenschüler (heute Real- oder Sekundarschulabschluß) lag die durchschnittliche Lehrzeit mit Facharbeiterabschluß bei 2 Jahren, bei einige Spezialberufen oder bei der Nachholung des Abiturs bei 2 1/2 bzw. 3 Jahren. Bei 8- Klassenabgängern (heute Hauptschulabschluß) war die Lehrzeit generell 3 Jahre, Ziel der Ausbildung war hier ganz klar der Facharbeiterabschluß. Dann gab es eben besagte Berufe "...für Schüler, Jugendliche, die das Ziel der 8. Klasse nicht erreicht haben".
So war auch die offizielle Bezeichnung, der offizielle Sprachgebrauch dazu.
Die Berufsschule bei diesen Schulabgängern und auch bei denen der 8. Klasse war neben der berufsspezifischen Theorie auch noch auf die Grundlagenfächer wie Deutsch, Mathematik, Physik ect. erweitert.

Staatsbürgerkunde für alle und für den männlichen Part die vormilitärische Ausbildung über eine Art Zwangsmitgliedschaft in der GST (Gesellschaft für Sport und Technik), für den weiblichen Part die Zivilverteidigung, (Zwangs-) Mitgliedschaft glaub ich hier im DRK oder der ZV (Zivilverteidigung der DDR), da bin ich mir nicht sicher - hallo Experten! - war Bestandteil jeder Berufsausbildung in der DDR und wurde bei Abschluß des Lehrvertrages auch als dessen fester Bestandteil (vertraglich) festgeschrieben/ vereinbart. Diese Ausbildung fand glaub ich einmal je Monat für einen Tag statt. Zum Lehrjahresbeginn für jeweils 1 volle Woche, mit richtiger (!!!) Abschlußübung!

Männliche Jugendliche, die auf Grund irgendwelcher gesundheitlicher Einschränkungen oder auf Grund ihres kirchlichen Glaubens nicht an der vormilitärischen Ausbildung teilnehmen konnten/ wollten/ vom Elternhaus her nicht durften, mußten dann aber an der ´ZV- Ausbildung teilnehmen.

Diese Ausbildung endete mit einem s. g. Teilfacharbeiterabschluß. Sage mal salopp, wer dann aus diesem Klientel irgendwann den Knall höhrte, Ehrgeizig war, konnte über die s. g. Erwachsenenqualifizierung (Abendschule) später noch einen richtigen und vollwertigen Facharbeiterabschluß nachholen.


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#76

RE: DDR Mythos? "Man durfte sich seinen Beruf nicht aussuchen“

in Mythos DDR und Grenze 18.03.2010 15:07
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Kesti oder besser Antje, schau mal in meinen Text vom 23.02, da steht so ein 7.Klässler drin und das was er später geworden ist. Also dieser "Teilfacharbeiter" war ja nicht das Ende der Fahnenstange und was im Anschluss jeder aus sich machte, war seinem Fleiß,Ehrgeiz, seiner Intelligenz überlassen.
Es hieß dann halt im Beruf erstmal "Helfer", heute würde man sagen, ein " Ungelernter", was eben damals nicht so war, denn er hatte ja fast die selbe Ausbildung wie wir Facharbeiter.
Dein Vater übrigens, mit seiner 8.Klasse und raus, frag ihm mal, da waren seine Träume aber hoch angesiedelt, was seinen Radioelektroniker anging? Also da musste ein 10, Klassen POS ( Polytechnische Oberschule) schon gute Noten vorweisen, um in diesem Beruf sich bewerben zu können.
Viel Erfolg in der Schule....ach nein, du bist ja fast der Jahrgang einer meiner Töchter, wenn ich richtig gelesen habe,also machs gut.

R-M-R


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#77

RE: DDR Mythos? "Man durfte sich seinen Beruf nicht aussuchen“

in Mythos DDR und Grenze 18.03.2010 15:14
von Eddy1364 (gelöscht)
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Hey jeder in der DDR konnte werden, was er wollte. Es gab schon einige Sparten ", wo man nicht ohne "Gute Zensuren", rein gekommen ist, aber wer sich etwas angestrengt hat und hatte einigermaßen gute Noten, konnte doch seinen gewählten Beruf, ausführen !!!


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#78

RE: DDR Mythos? "Man durfte sich seinen Beruf nicht aussuchen“

in Mythos DDR und Grenze 18.03.2010 15:53
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von Kesti
... Jetzt habe ich dazu auch mal eine Frage: Gab es auch den Beruf der Hausfrau? und Was wurde aus denen, die keinen Beruf erlernen wollten oder konnten?


Hallo Kesti,

zum ersten Teil Deiner Frage: Soweit ich mich zurückerinnere gab es die offizielle Bezeichnung "Hausfrau" nicht. Der Begriff galt, mit seiner bürgerlichen Färbung, als politisch nicht korrekt. War eine Frau Hausfrau, so galt sie offiziell als "nicht berufstätig". Das unterlag staatlicherseits gesehen einer Art Duldung, wenn sie eine Familie zu versorgen hatte und das Einkommen geklärt war. Ansonsten gab es ja sogar Rechtsvorschriften bis hin ins Strafgesetzbuch, die es erlaubten, sogenanntes asoziales Verhalten, und nicht arbeiten galt in der DDR als asoziales Verhalten, zu unterbinden oder zu bestrafen.

Damit bin ich schon beim zweiten Teil Deiner Frage. Im Rahmen der Berufsberatung an den Schulen gab es durchaus verschiedene Ebenen, auf denen auch Druck gemacht wurde. Mit der 8. Klasse abzugehen oder die Prüfung der 10. Klasse abzulegen, ohne einen Lehrvertrag in der Tasche zu haben, oder adäquate Möglichkeiten vorzuweisen, rief rechtzeitig eine ganze Korona von Lehrern und Berufsberatern auf den Plan. Bei mir war es der Fall, dass ich Mitte der 10. Klasse noch keinen unterschriebenen Lehrvertrag hatte. Mir gegenüber ging das ja noch. Meine Mutter hat mir Jahre später mal erzählt, wer da alles mit ihr Gespräche geführt hat: Klassenleiter, Schuldirektor, auch der Heini vom Wehrkreiskommando - denn eigentlich wollte ich ja Offizier werden. Ein Beruf war für mich sekundär. Der Druck wurde hier meiner Mutter gegenüber gemacht, dass ich mich langsam mal entscheide. Sich offen zu weigern, einen Lehrvertrag oder ähnliches abzuschließen, hätte da bestimmt noch mehr Konsequenzen gehabt. Dazu kann ich allerdings nichts sagen, da ich einen solchen Fall nicht erlebt habe.

Eine weitere Ebene, auf der Druck gemacht wurde, war die Richtung der Berufswahl. Da wurde viel Wert auf die Berufe gelegt, die regional verfügbar waren. Die Kombinate gingen da richtig mit konzertierten Aktionen los. Wer noch keine klaren Vorstellungen von seinem Berufsbild hatte, konnte da schonmal breitgeschlagen werden. Und diese Aktionen begannen in der Regel ab der 8. Klasse. Bei mir in Leipzig wurden über das Wehrkreiskommando von vornherein nur drei Berufe angeboten: Chemieanlagenbauer in Böhlen, Kfz.-Schlosser und Facharbeiter für Nachrichtentechnik. Zu allen drei Berufen wurde ich grob informiert. Als ich mich dann für die Nachrichtentechnik entschieden hatte, erlebte ich ein böse Überraschung. Statt zum Fernmeldeamt wurde ich zum Fernmeldebauamt geschickt, wo ich meine Lehrzeit mit Kabelgräbenziehen verbringen sollte. Das entsprach überhaupt nicht der Berufsberatung. Ich zeigte denen einen Vogel und erklärte, sowas ließe ich nicht mit mir machen. Dadurch kam es zur oben geschilderten Verzögerung mit dem Druck auf meine Mutter. Schließlich wurde ich Kfz.-Schlosser, da ich als Chemieanlagenbauer hätte nach Böhlen fahren müssen, wozu ich keine Lust hatte. Ich hatte wenig Interesse an meinem Lehrberuf und hielt die Zeit nur durch, weil ich als Offizier nunmal einen Berufsabschluss brauchte. Ich fahre noch heute kein Auto ... allein die Vorstellung, dass da so ein Typ wie ich dran schraubt ...

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 18.03.2010 15:55 | nach oben springen

#79

RE: DDR Mythos?

in Mythos DDR und Grenze 23.09.2010 21:41
von matloh | 1.203 Beiträge

Zitat von
...ist fuer mich eigentlich der groesste Fehler des praktizierten Sozialismus/Sozialfeudalismus. Wer gab vor das es spaeter keine "Verwendung" gab? Waren diese Leute sowas wie Gott?


Sie waren eben nicht Gott, daher sind auch viele Staaten der Welt in denen es früher eine zentrale Planwirtschaft gab zusammen gebrochen. Bei allen anderen ist es aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit bzw. eine Frage wie sehr das Volk unterdrückt wird.

Das Problem an der zentralen Planwirtschaft (im Vergleich zur freien Marktwirtschaft) ist, dass in der zentralen Steuerung unglaublich viele Informationen (in kurzer Zeit) verarbeitet werden müssten um die (Austausch-)Bedürfnisse der einzelnen Wirtschaftsteilnehmer zu befriedigen (da es in der Marktwirtschaft keine "Zentrale" gibt erfolgt die Verarbeitung dieser Informationen dezentral und ist dadurch ungleich einfacher).
Da die "Zentrale" einerseits gar nicht alle Informationen bekommt und andererseits nur beschränkte Kapazität hat diese Informationen zu verarbeiten, kann sie niemals optimale Entscheidungen treffen.

cheers matloh


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
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#80

RE: DDR Mythos?

in Mythos DDR und Grenze 23.09.2010 22:18
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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matloh..." kann sie niemals optimale Entscheidungen treffen"...das hast du sehr treffend geschrieben und "Bruno Kasunke", er ist für mich der Proletarier, der "Vorzeigeproletarier im System des Kapital", also Bruno merkt das sofort, entweder in der Lohntüte, oder wenn er entlassen wird, oder wenn sein Lohn auf Hungerlohnniveau heruntergestuft wird...gutes Beispiel derzeit der Osten Deutschlands.
Dann, mein schlauer Freund schon lieber Planwirtschaft und es war diese himmlische Ruhe in der Zeit der Planwirtschaft....Zermatt wird jetzt meinen...bitte nicht schon wieder, also ich schrieb so sinngemäß: Nicht einen Tag, nicht eine Nacht Existenzangst, das war fast unbezahlbar, das war göttlich und nein, ich möchte die Kirche nicht mit ins Boot holen.
Marktwirtschaft ist einfach unvollkommen, so gut sie auch meint, zu sein. Aber halt, vielleicht gibts da noch was Besseres? Wir müssten nur mal richtig den Kopf anstrengen und werden eine noch bessere Lösung finden, bestimmt, ich bin mir sicher.

Rainer-Maria


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