#61

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.02.2010 07:47
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Pitti53
[
verletzte oder tote konnteste nu aber nicht vertuschen



Sollte man meinen, ging aber irgendwie doch.
- Im Winter 1982/83 ist in Glöwen bei der Ausbildung ein Uffz-Schüler tödlich verunglückt. Wir wurden alle vergattert, nichts zu sagen und nichts zu schreiben.
- In der GK Schierke hat sich zu meinen Zeiten ein Waffen-uffz erschossen, weil seine Freundin mit ihm Schluß gemacht hat. Vergatterung siehe wie oben. Das war dann nicht mal im Ort bekannt (bzw. mit den tollsten Gerüchten).


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


nach oben springen

#62

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.02.2010 09:26
von exgakl (gelöscht)
avatar

Zitat von S51

Zitat von Pitti53
[
verletzte oder tote konnteste nu aber nicht vertuschen



Sollte man meinen, ging aber irgendwie doch.
- Im Winter 1982/83 ist in Glöwen bei der Ausbildung ein Uffz-Schüler tödlich verunglückt. Wir wurden alle vergattert, nichts zu sagen und nichts zu schreiben.
- In der GK Schierke hat sich zu meinen Zeiten ein Waffen-uffz erschossen, weil seine Freundin mit ihm Schluß gemacht hat. Vergatterung siehe wie oben. Das war dann nicht mal im Ort bekannt (bzw. mit den tollsten Gerüchten).





Moin S51,

den Fall Glöwen kenne ich auch, ich glaube das ist ein Uffz.-Schüler durch ein defektes Handleuchtzeichen um's Leben gekommen. Allerdings wurde dieser Unfall auch nicht vertuscht, das wäre ja auch schlecht möglich. Man hat lediglich versucht es nicht weiter an die Öffentlichkeit gelingen zu lassen. Allerdings wurde dieser Unfall auch gern von den Vorgesetzten als Abschrenkendes Beispiel genutzt um die Auszubildenden zu einem sorgsameren Umgang mit der Bewaffnung und ausrüstung zu erziehen.

VG exgakl


nach oben springen

#63

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.02.2010 09:40
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von exgakl

Zitat von S51

Zitat von Pitti53
[
verletzte oder tote konnteste nu aber nicht vertuschen



Sollte man meinen, ging aber irgendwie doch.
- Im Winter 1982/83 ist in Glöwen bei der Ausbildung ein Uffz-Schüler tödlich verunglückt. Wir wurden alle vergattert, nichts zu sagen und nichts zu schreiben.
- In der GK Schierke hat sich zu meinen Zeiten ein Waffen-uffz erschossen, weil seine Freundin mit ihm Schluß gemacht hat. Vergatterung siehe wie oben. Das war dann nicht mal im Ort bekannt (bzw. mit den tollsten Gerüchten).





Moin S51,

den Fall Glöwen kenne ich auch, ich glaube das ist ein Uffz.-Schüler durch ein defektes Handleuchtzeichen um's Leben gekommen. Allerdings wurde dieser Unfall auch nicht vertuscht, das wäre ja auch schlecht möglich. Man hat lediglich versucht es nicht weiter an die Öffentlichkeit gelingen zu lassen. Allerdings wurde dieser Unfall auch gern von den Vorgesetzten als Abschrenkendes Beispiel genutzt um die Auszubildenden zu einem sorgsameren Umgang mit der Bewaffnung und ausrüstung zu erziehen.

VG exgakl




Das dürfte die Sache gewesen sein. Ob das Handleuchtzeichen defekt war oder der Ausbilder das Ding mit Absicht knapp über die Stellung geschossen hat, kam nie so ganz eindeutig heraus. Die öffentliche Meinung tendierte auf das defekte HLZ. Die, die vor Ort waren, sahen das etwas anders.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


nach oben springen

#64

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.02.2010 10:13
von 2168 (gelöscht)
avatar

Ich bin leider schon in der U-Schule Perleberg 1987 mit 18Jahren schnell erwachsen geworden. Ein Zimmerkamerad hat den Kameraden im Bett unter mir beim Wachdienst mit einem Feuerstoß erschossen. Dannach musste ich mit zwei Offz. und noch 1 oder 2 U-Schülern nach Ruhla zur Beerdigung. Übernachtet haben wir in Eisennach. Die Beerdigung war nicht so schön. Und das mit 18. Der Pastor hat natürlich nicht gerade die GT schön geredet. Wir hatten noch die Anweisung, uns sein Wortlaut zu merken (wir hatten anderes im Kopf). Alles in allem taten mir beide sehr leid. Richtig, der Totesschütze genauso. Ich kannte Ihn gut, er war eigentlich ein feiner Kerl. Absicht war es jedenfalls nicht. Er muss nun sein ganzes Leben damit leben. Ich hab Ihn nur noch kurz nach der Wache gesehen. Dannach Schwedt denke ich mal. Wir wurden natürlich alle Befragt. Aber was schlechtes hat glaub ich keiner gesagt.

mfg. 2168


nach oben springen

#65

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.01.2011 16:01
von anamu (gelöscht)
avatar

Der Halbjahrgang 87/2 an der USchule in Perleberg hatte auch einen Selbstmord zu verzeichnen. Der Uschi hatte Wache auf´m StÜP. Und kam nich wieder. Sie haben länger nach ihm gesucht, in meiner Erinnerung bis zu drei Tagen. War ja ´ne heiße Kiste, immerhin war er bewaffnet. Kann mich noch gut an den Aufriss erinnern, wenn einer von den 50.000 AGSSD in meiner Geburtsstadt mit Waffe geflüchtet war ... Als sie ihn gefunden haben, muss es ein unschönes Bild abgegben haben. Sitzend an einen Baum gelehnt, Kaschi unterm Kinn bzw was davon noch übrig war und darüber ein großes Loch. Was ich so gehört hab, halt. Angeblich Liebeskummer.

Ach ja und draußen hatten wir natürlich auch zweimal, dass ein Posten nachts die Kompanie mit ´nem Schuss weckte.

Einmal lief ich als UvD durch´n Bau, als es rummste. Mir hat der WE nich mal gesagt, dass der Posten grad reinkommt. Ich flitzte runter, die beiden da unten noch ganz verdattert. Über mir ging ein Fenster auf, der StKC als diensthabener Offizier sah schweigend raus, sah mich an, sah den GSZUffz in Vertretung des Waffenuffz kommen, die Patrone wurde ersetzt, der StKC schloss das Fenster und ging wieder ins Bett. Hab nicht nochmal was von gehört.

Beim zweiten Mal hatten wir alle ziemlich Mühe unsere Blase von Waffenuffz - ´tschuldigung, ich steh sonst nich auf solche Kategorien aber wenn jemand nich Blase weil neu, sondern Blase im Geiste iss, dann isser ´ne Blase - davon zu überzeugen, das Richtige zu tun, statt nach DV zu handeln.

Grusels anamu


zuletzt bearbeitet 24.01.2011 16:12 | nach oben springen

#66

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.01.2011 17:43
von dremi (gelöscht)
avatar

Habe mir mal den ganzen Thread durchgesehen.
Scheint ja einige Hobbyschützen gegeben zu haben die DV nicht ganz ernst genommen haben.
Dann möchte ich euch mal auf die Sprünge helfen und helfen die fahlässigen Schußwaffengebräuche mal aus einer anderen Sicht
zu sehen.
Am 15.12. 1983, zu beginn des Grenzdienstes in der 9. GK/ GR-1 / Tor Serpentine wurde ein Postenpaar abgesetzt.
Der Postenführer übte als erstes den" Schnellschuß" ( langer Waffenriemen, Magazin einsetzen, unterladen und abdrücken).
Sein Posten stand ihm gegenüber. Der PF hatte vergessen zu sichern. Der Posten wurde durch 3 Schüsse getroffen.
Einer davon tötlich. Er starb 3 Stunden später. Ich habe damals die Erstversorgung des Postens in der GK übernommen.
Bevor er durch einen Krankenwagen nach Eisenach gebracht wurde sagte er mehrmals " Bestraft meinen Postenführer nicht".
Er hatte den tötlichen Schuß,der über dem Brustbein eintrat,an der Wirbelsäule nach links zu den Rippen abprallte und zurückgelenkt
unterhalb des rechten Schulterblattes wieder austrat, nicht gespürt. Erklagte nur über seinen Schulterdurchschuß, welcher nicht mal
blutete. Der Streifschuß an seinem Hals war nur auf den Bildern der Obduktion zu sehen.
Der PF wurde zu 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt.
Der Posten wurde nur 19 Jahre alt.
Jetzt könnt ihr weiter munter über eure Verletzungen der DV, Schwarzmunition usw diskutieren und vielleicht noch über die
"Schlampenhaufen"
Viel Spaß dremi


nach oben springen

#67

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.01.2011 18:07
von bendix | 2.642 Beiträge

@dremi,
auch bei uns gab es diese Spielereien mit den Waffen und das Imponiergehabe alla "Westernheld":
Ich habe diese Dinge verflucht und meine Posten dringlichst davor gewarnt solche "Spielchen" in meiner Gegenwart zu praktizieren,wurde dafür oft genug als Schleimer und sonstwas hingestellt.
Ich hätte aber nicht mit so einer Schuld leben können.Ich war heilfroh wenn ich die "Knalltüten" nicht aus dem Regal nehmen musste.
Auch heute noch möchte ich keinerlei Schußwaffen in meinem Hause sehen,da bin ich konsequent.

Gruß bendix


Das Zufriedene ist leise,das Unzufriedene ist laut.
Gefreiter der Grenztruppen -1980 GAR 40 Oranienburg/Falkensee-GR 34 Groß-Glienicke 1981-1982
nach oben springen

#68

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.01.2011 18:26
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von dremi
Habe mir mal den ganzen Thread durchgesehen.
Scheint ja einige Hobbyschützen gegeben zu haben die DV nicht ganz ernst genommen haben.
Dann möchte ich euch mal auf die Sprünge helfen und helfen die fahlässigen Schußwaffengebräuche mal aus einer anderen Sicht
zu sehen.
Am 15.12. 1983, zu beginn des Grenzdienstes in der 9. GK/ GR-1 / Tor Serpentine wurde ein Postenpaar abgesetzt.
Der Postenführer übte als erstes den" Schnellschuß" ( langer Waffenriemen, Magazin einsetzen, unterladen und abdrücken).
Sein Posten stand ihm gegenüber. Der PF hatte vergessen zu sichern. Der Posten wurde durch 3 Schüsse getroffen.
Einer davon tötlich. Er starb 3 Stunden später.
Ich habe damals die Erstversorgung des Postens in der GK übernommen.
Bevor er durch einen Krankenwagen nach Eisenach gebracht wurde sagte er mehrmals " Bestraft meinen Postenführer nicht".
Er hatte den tötlichen Schuß,der über dem Brustbein eintrat,an der Wirbelsäule nach links zu den Rippen abprallte und zurückgelenkt
unterhalb des rechten Schulterblattes wieder austrat, nicht gespürt. Erklagte nur über seinen Schulterdurchschuß, welcher nicht mal
blutete. Der Streifschuß an seinem Hals war nur auf den Bildern der Obduktion zu sehen.
Der PF wurde zu 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt.
Der Posten wurde nur 19 Jahre alt.
Jetzt könnt ihr weiter munter über eure Verletzungen der DV, Schwarzmunition usw diskutieren und vielleicht noch über die
"Schlampenhaufen"
Viel Spaß dremi


Bei allem Respekt @dremi,

meine Absicht war es nie,mein Erlebtes hier als Spass zu schildern oder darzustellen!
Wenn du den ersten Beitrag nochmal langsam durchliest,wirst du es bemerken.
Immer schön locker bleiben.
Ich wollte mit diesem Beitrag nichts beschönigen und wie gefährlich diese Sache war,brauche ich dir doch auch nicht zu schildern.
Ich war froh das es so glimpflich ablief!Stolz war ich beileibe nicht,im Gegenteil!
Wer macht so etwas auch absichtlich?
Es war ganz einfach der Tatsache geschuldet,dass sonst nie dieser offizielle Teil der Waffenkontrolle durchgeführt wurde.
Und das nannte man nun mal Schlamperei oder wie immer du es nennen willst.
Wenn bei dir/euch immer alles nach DV ablief,wart ihr sicherlich das Gegenteil von einem "Schlampenhaufen",dann sei doch stolz.
Nochmal,ich wollte das nie als Spass verstanden wissen.
Es ist wegen der genannte Umstände passiert. ( Hitze,langer Grenzdienst,Unwohlsein,Unkonzentriertheit,etc.)
Ich "spielte " ja auch nicht mit der Waffe!
Das taten wohl eher die Männer,welche die "Texasrolle übten", wobei es leider zu diesem von dir geschilderten tragischen Unfall durch Spielerei kam.
Ich gab meine Geschichte nur wieder,wie sie sich damals zu trug.
Nicht mehr und nicht weniger!

( PS: Ich antworte hier,weil ich den Thread eröffnete und zieh mir erst mal die Jacke an,falls ich etwas missverstanden haben sollte,so lass es mich wissen. )

Gruß ek40


nach oben springen

#69

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.01.2011 19:38
von dremi (gelöscht)
avatar

Hallo ek40
Ich verstehe auch was du meinst und auch alle anderen die ihre Erlebnisse mit fahrlässigen Schußwaffengebräuchen hatten.
Es kann jeden der mit einer Schußwaffe umgeht passieren,darf eigentlich nicht.
Auch die Erfahrungen der letzten Vergangenheit sollten uns wachrufen.
Wir die damals zwischen 18 und 25 Jahre waren und vieles locker gesehen haben sollten unseren Kindern aber erklären was
passieren kann, deshalb habe ich diesen Beitrag geschrieben.
Es ist nun mal etwas was mich mein ganzes Leben verfolgt, obwohl ich nicht der Schuldige war.
Ich hatte nur versucht dem Jungen das Leben zu retten, es ist mir nicht gelungen.
Er kam nicht aus meinem Zug, hätte aber auch aus meinem Zug sein können. Bis zu diesem Vorfall hatte ich gedacht,der
lange Waffenriemen gehört zum Grenzer,da dieses auch von meinen Vorgesetzten geduldet wurde.
Nach diesem Vorfall habe ich meinem Zug versprochen: " Wenn ich jemals noch einen mit langem Waffenriemen sehe, trete ich ihn
höchstpersönlich in den Arsch".
Das habe ich bis zum Ende meiner Dienstzeit als KC indieser Kompanie durchgehalten und ihr könnt mir glauben ich hätte es getan
und noch schlimmer.
Selbstverständlich gab es in meiner Dienstzeit noch mehrere"fahrlässige Schußwaffengebräuche" beim Entladen der Waffen.
Wir wissen alle welchem Streß man ausgesetzt war.
Aber " Die Toten mahnen uns", das wollte ich euch nur vermitteln.
Gruß dremi


nach oben springen

#70

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.01.2011 20:56
von Mike59 | 7.963 Beiträge

Spielereien mit Waffen im Dienst oder Einsatz. Leider ein altes (immer aktuelles) Thema

http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...,741295,00.html

Mike59


nach oben springen

#71

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.01.2011 21:50
von Boelleronkel (gelöscht)
avatar

Zitat von Mike59
Ich kenne nur einen Fall vom Böller,

Die RPG 7 Schützen 1 hatten ja als Zweitbewaffnung eine Pistole M. Vor dem Schießen wurde dann an der Muniausgabe die Funktionsweise noch mal durchgesprochen. Leider war das Magazin gefüllt und noch in der Waffe. Es gab einen Oberschenkelschuss, durch oder nicht weiß ich nicht mehr, war selber nicht vor Ort. Die Worte des Getroffenen waren wohl ".... da schiesst du mir ins Bein?" und er viel um.

Mike59




Hallo Mike and Alle
alle die mit Ausbildung und ständig mit Waffen zu tun hatten,wissen um die Gefahr die davon ausgeht.
Vermeintliche Routine,die ständige Wiederholung der Abläufe für die Einen und doch immer wiederkehrend "Neue Leute"die bei "Null"anfangen,oft Stress,immer unter Spannung stehen....
Der junge Soldat der das erste Mal eine RDG 5 in der Hand hat(das Ding in den rückwertigen Raum schmeisst und in die Hose pullert) ,der RPG 7 Schütze,der des Nächtens falsch liegt,sich den Stiefel ansengt....oder beim Stellungswechsel vom rechten ins linke Grabensysthem ...sich umdreht, ohne die Granate vorher entnommen zu haben.
Der Wachsoldat,der immer und immer wieder ein entladen und sichern seiner Waffe vollzogen hat.
Dett allett iss Stress pur und Dremi hat meiner Meinung nach völlig Recht,Mancher kapiert erst nach einem richtigen Arschtritt,watt gemeint ist und dennoch passiert,was nie passieren darf.
Niemand soll vorverurteilt werden,aber aus meiner Zeit,so meine ich,dieser "Geikel"mit den Waffen,der ganze EK Blödsinn und Manches
mehr,haben manchmal Unheil angerichtet....von nicht gleich zu erkennenden Folgen mal ganz abgesehen.

Sei es gedankt all Denen die immer versuchten juut uffzupassen und dett kleene Loch inner Felddienst Jacke ist fast vergessen.
Gruss BO


nach oben springen

#72

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 06.08.2012 13:07
von erkoe | 301 Beiträge

Zitat von Stabsfähnrich im Beitrag #9
Die größeren Schäden waren jedoch nicht durch die Mpi zu verzeichnen, sondern durch die Pistole M. Falsche Entladetätigkeiten und leichtfertiger Umgang mit der Waffe waren die Ursachen. Ein dienstverrichtender UvD (WaffKZB) nahm eine Pistole entgegen, entfernte das Magazin, führte keine "Rohr frei" Kontrolle durch und schoß durch die Tür des der Waffenkammer gegenüberliegenden KC Zimmer. Zum Glück war der KC zu der Zeit nicht in seinem Dienstzimmer. Ein GAKl bescherte einem UvD eine vollgesch........ Hose, nachdem der GAKl unbedingt seine tollen "Schnellzieh" Haltungen demonstrieren mußte und die Waffe (Pistole M) durchgeladen hatte, ohne daran zu denken dass noch das Magazin in der Waffe war. Die Mumpel flog durch das UvD Zimmer, beim UvD zwischen die Beine und steckte dann in der Scheuerleiste. Zum Glück keine Verletzten.


Kann ich so unterschreiben, wenn wir vom Flugdienst kamen, war die Pistole abzugeben. Körperlich geschlaucht stand man erst mal in der Schlange und aus lauter Langeweile spielte der Eine oder Andere an seiner Waffe rum. Fiel die dann runter kam es schon mal vor, dass sich ein Schuss löste. Nach der Wende haben die Kollegen West die M sofort aus dem Dienst genommen, die hatten tierischen Schiss vor dem Teil und kannten wohl die Besonderheiten. Verletzungen oder gar schlimmeres sind mir Gott sei dank nie zu Ohren gekommen...


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


nach oben springen

#73

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 06.08.2012 17:19
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Wie war das mit dem "Spiel" aus Langeweile auf dem Turm?
Abzug gedrückt halten und kräftig durchladen das die Mumpeln nur so rausfliegen.
War auch so ein Blödsinn, wurde aber öfters gespielt.


nach oben springen

#74

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 06.08.2012 17:44
von erkoe | 301 Beiträge

@Grenzwolf: Bei dem Gedanken wird mir gleich ganz anders....


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


nach oben springen

#75

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 06.08.2012 19:27
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von erkoe im Beitrag #74
@Grenzwolf: Bei dem Gedanken wird mir gleich ganz anders....


War so.
Wer täglich mit scharfer Muni umgeht hat oft ein recht lockeres Verhältnis zur Gefahr die davon ausgeht, zumal wir seeehr jung waren.


Arnstädter hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#76

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 07.08.2012 00:58
von erkoe | 301 Beiträge

oha, da hast du seeeeeeehr recht. jung und manchmal vielleicht auch sehr dumm...


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


zuletzt bearbeitet 07.08.2012 11:00 | nach oben springen

#77

RE: Dauerfeuer in der Grenzkompanie

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 16.03.2013 21:56
von OlsenWeilrode | 191 Beiträge

Zitat von ek40 im Beitrag #1
Hallo liebe Leser,heute berichte ich von einem gefährlichen Vorfall,der sich so in unserer Kompanie zutrug und ich leider auch noch der "Hauptdarsteller" war.
Ich denke aber,dass solche Vorkommnisse auch in anderen Kompanien vorkamen.

Dauerfeuer in der Grenzkompanie

Es war im Spätsommer 1982.Ich wurde dazu auserkoren, einen Postenführer als Posten unserer Kompanie bei einem Sondereinsatz zu begleiten.
Unsere Aufgabe sollte darin bestehen ,einen LPG-Bauern mit seinem Traktor,( einem russischen roten Belarus ),bei der Fahrt über den K6 zu bewachen bzw.auf diesem mitzufahren und aufzupassen.
Am besagtem Tag war es wirklich sehr sehr heiß und wir fuhren durch 3 Grenzabschnitte.
Die Arbeit des Bauern war es ,den K6 mit Unkrautex zu besprühen,um ihn so für die bessere Kontrolle zur Spurenfreiheit zu präparieren.
Am Traktor befand sich hinten ein kleiner Hänger dran,mit Tank und den Rohrdüsen zum verspritzen des Unkrautgiftes.
Hinten am Hänger,fast über den Rohren der Sprühdüsen ,war dann eine Doppelsitzbank montiert.
Auf dieser saßen wir die ganze Zeit drauf und zogen unsere Spur,immer parallel am Zaun entlang.
Die ganze Zeit waren wir der Hitze und der vollen Sonnenstrahlung ausgesetzt.Außerdem war die ganze Angelegenheit sehr staubig,da gleichzeitig auch wieder der K6 “geharkt” wurde,mit einer Art Rechen/Harke ,die sich auch am Traktor befand.
Schlimm war auch dieser beissende,ekelige Gestank von dem Unkrautgift.Man war fast schon benebelt.
Als wir rechts und links der GÜST Salzwedel/Bergen entlang fuhren,wurden wir von den Briten und vom BGS/GZD sehr oft fotografiert und gefilmt.Sie riefen uns auch alle zu bzw. machten irgendwelche Handzeichen.Es drang auch viel Gelächter über die Grenze…in unsere Ohren.
Muß schon bescheuert ausgesehen haben,wie zwei Grenzer auf solch Hänger am Russentraktor sitzen,durchgeschaukelt weden und dann noch vom Staub und Schweiß aussehen wie zwei Mohrenköpfe.Und dann kam immer wieder der Giftnebel.Unsere Klamotten stanken wie Upatz.
Wir kamen uns vor wie die 2 Typen von der Muppetshow auf’m Balkon.
Nun gut,als die Arbeit getan war ging es zurück in die Kompanie.
Zu unserem erstaunen und ohne das wir es wussten,war “hoher Besuch” aus dem Regiment und dem Battalion in unserer Kompanie (“Buttler“+Regimentsoffiziere).Eigentlich wurden wir vor solchen Besuchen immer gewarnt,aber diesmal wurde wohl auch unsere Kompanieleitung überrascht.
Zu diesem Zeitpunkt schliefen wir immer noch in Mannschaftszelten auf einer Wiese neben dem Kompaniegebäude.Von der Giebelseite aus gesehen (Kücheneingang), rechts neben dem Tankcontainer.
Der Kompaniehof vor den Garagen war voller “Sackis” und auch an den Zelten und am Tanklager tummelten sich die Soldaten und Offiziere.
Jedenfalls kam für mich nun eine schnelle kleine Ansprache meines Postenführers.
Er meinte:”XXXXXX,jetzt machen wir Waffe zur Durchsicht und zwar nach DV,wegen der Sackis”!
Diese interessierten sich seit unserer Ankunft in der Kompanie auch immer mehr für uns und ihre Aufmerksamkeit stieg immer mehr.
Nun passierte es.Was wir sonst nie nach dem Grenzdienst machten,ich meine eine Waffenkontrolle,wurde heute “Ausnahmsweise” mal durchgeführt.
Er sagte:“Soldat XXXXXX,Waffe zur Durchsicht” und wie das so alles hieß .
Ich machte alles was er sagte,auch auf den Abzug drücken usw.
Das dumme war nur,dass ich das volle Magazin noch in der Waffe hatte und der Hebel auch noch auf Dauerfeuer stand.Als er sagte durchladen und abdrücken,tat ich das auch.Was dann passierte,könnt ihr euch sicherlich vorstellen.Alles schmiss sich auf den Boden und lag in der Horizontalen.
Nur mein Postenführer und ich stand noch,er lief Kreidebleich an.Nach dem kurzen Feuerstoss ,die Schüsse waren verhallt,herrschte kurz eine “Totenruhe” in der Kompanie.
Mein Postenführer trat noch schnell an mich heran und flüsterte mir ins Ohr:“XXXX,wenn meine E-Balken fallen,wirst du nicht mehr froh.Wenn du hier bleibst,gibt es für dich erst mal Putz ohne Ende”.
Na ja,dachte ich mir noch schnell,wenn es doch nur das wäre oder dabei bliebe.
Ich war nur froh das ich wenigstens etwas bei diesem Vorgang richtig machte,nämlich die Waffe mit dem Lauf nach oben gehalten zu haben.
Jetzt ging ein wahnsinniges Geschrei los und ich wurde sofort umringt.
Mir wurde das Gewehr abgenommen und ich wurde gleich abgeführt, in irgend einem Raum im Keller gebracht und eingeschlossen.Das wars,dachte ich,Schwedt wird deine neue Adesse und mich überkam kein gutes Gefühl,denn dort wollte ich nicht hin.Ein Kumpel von mir saß dort ein und er war nach seiner Entlassung ein psychisches Wrack.Übrigens hat er sich von dieser Zeit bis heute nicht erholt!
Zur Wendezeit ist er über die CSSR geflüchtet und lebt seit dem in Niedersachsen.
Zurück zu meiner Geschichte.Nach einer Weile kam mein KC zu mir und fragte mich,was ich da für eine Scheiße verbockt habe und ich solle mir Gedanken machen,was ich den “Genossen” vom Stab,Regiment etc.erzähle.Ich antwortete ihm umgehend und sagte,ich erkläre das mit einem “Sonnenstich”……Sonnenmacke.Er werde für mich ein gutes Wort einlegen,lies er mich wissen.

Warum er das tat weiß ich bis heute nicht,aber ich war froh.Jedenfalls wurde ich dann irgendwann geholt und mir fremden Offizieren vorgeführt.(Stasi?)Die quetschten mich dann aus wie eine Zitrone.
Ich erzählte ihnen die Geschichte von der Hitze und der Sonne,vom Staub,Schweiß und Gift.
Ich sagte,dass ich mich nicht mehr richtig erinnere und ich wahrscheinlich einen Sonnenstich erlitten hatte.Das ich mich dafür entschuldige und wir sonst selbstverständlich nach dem Grenzdienst auch immer alles schön nach DV machen.Zum Schluss wurde mir die Geschichte geglaubt,die ja auch nicht mal so ganz erfunden war.Natürlich war für diesen Vorfall die Hauptschuld ganz einfach in der Tatsache zu sehen,dass wir nach dem Grenzdienst unsere Waffen immer gleich abgaben,ohne diese Vorschriften vornweg zu beachten.Wir waren halt ein wirklicher Lodderhaufen.
Nur mal nebenbei,in der Kompanie wurde kein Vorgesetzter gegrüßt,dass war so erwünscht.
An der Schwarzkombi gab es kein Koppel und keine Schulterstücke.(Ein EK hatte so’n Ding eh nie an).Ein Käppi wurde auch nicht getragen.
Wenn sich natürlich fremde in der Kompanie befanden,wurde gegrüßt etc.
Zum Schluss musste ich aber noch bestraft werden,denn ganz ohne Strafe konnte diese Begebenheit nicht abgehen.
1. Ich musste die verschossenen Patronen bezahlen ( Preis kenn ich nicht mehr )
2. Ich wurde erst im 16.Monat zum Gefreiten befördert (EK war ich da eh,also egal J )
3. Ich durfte nicht mehr mit zum Schießen nach Lübtheen ( Freu J )
4. Es gab von den Ek’s “Putz” ohne Ende
(Aber das ist eine andere Geschichte - EK Bewegung,darüber berichte ich ein anderes mal )
Da mußte ich dann die Grenz-Kompanie mit noch 3 Delinquenten bewachen,man war das gut.
Wir waren nur im Tee…..und da haben wir auch wieder einiges verbockt und vertuscht…..
Abschließend will ich noch sagen das ich froh war das nichts schlimmeres passiert ist.
Zum Postenführer wurde ich trotz des Vorfalls nach 12 Monaten Dienstzeit befördert.
Zu guter letzt kann ich noch berichten,dass ich nicht der erste “Scharfschütze” in Riebau war.
1 Jahr vor mir hat einer bei der Kompaniewache durchs Dach des Fahrradschuppens geschossen,der stand neben dem “Wachpilz” an der Kompanieeinfahrt.

Gruß ek40





...auch mal klugscheißern will:
Das klassische Unkrautex der DDR enthält als Haupt-Wirkstoff Natriumchlorat (http://de.wikipedia.org/wiki/UnkrautEx), ein Salz. Unter dem Name "Wegerein" war es frei verkäuflich. Eine derartige Salzlösung ist geruchlos.
Meiner Meinung nach war das für den K6 verwendete Mittel AZAPLANT COMBI (http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/w...-kahl-898431074)..., das obiger Beschreibung eher gerecht wird.
...den Rest könnt ihr selber lesen!

HG 82/I
Olsen


nach oben springen



Besucher
25 Mitglieder und 82 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: weber-thum@web.de
Besucherzähler
Heute waren 2890 Gäste und 154 Mitglieder, gestern 3611 Gäste und 206 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14367 Themen und 557829 Beiträge.

Heute waren 154 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen