#581

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.10.2015 09:15
von IM Kressin | 914 Beiträge

Zu meinem bei der " HA I/Aufklärung Grenzkommando Nord " geführten Sicherungsvorgang habe ich neue Informationen der BStU erhalten.

Die übersandte Karteikarte ist für mich nicht schlüssig, es ergeben sich neue Fragen, die eventuell von den Kennern der Materie beantwortet werden können.

Die Karteikarte wurde am 19.01.1989 angelegt.

Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits 14 Jahre und 4 Monate Angehöriger der Bundeszollverwaltung.

Meine Fragen:

Wurde zum maßgeblichen Zeitpunkt, 19.01.1989
tatsächlich „erstmalig“ ein Sicherungsvorgang angelegt oder der Sicherungsvorgang schlicht und einfach ergänzt?

Angaben zur beruflichen Tätigkeit fehlen.

Nach meinem Verständnis sollten ZGD-Beamter, GZD-Beamter, Zollbeamter oder Grenzbeamter protokolliert sein.

Die Anschriften sind unvollständig bzw. falsch.

Erfaßt ist die dienstliche Anschrift mit (unzutreffender) Hausnummer. Richtig wäre Hausnummer 72 mit ergänzender Bezeichnung „Zollkommissariat“ , zu erfassen gegebenenfalls mit Arbeitsstelle?

Dem berichtenden „IM“ sollten auf Grund seiner Vertrautheit die dienstliche Anschrift, wie auch meine beiden letzten, privaten Anschriften bekannt gewesen sein.

Gab es einen etwaigen, weiteren Grund oder Anlaß für das Anlegen der Kartei?

Die Paraphen des/der DE/Mitarbeiter fehlen ebenso oder wurden diese von der BStU unkenntlich gemacht?

Ich habe der Karteikarte „rote Pfeile“ und das Wort „Antragsteller“ hinzugefügt.

Es geht mir um reine Verständnisfragen bzw. deren Nachvollziehbarkeit: möglicherweise sind die Antworten auch für andere User von (geschichtlichem) Interesse.

Es grüßt Euch

Kressin






"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!
Fritze und Grenzläufer haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#582

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.10.2015 13:30
von 94 | 10.792 Beiträge

Wer ist(/war) Andreas M. ?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


nach oben springen

#583

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.10.2015 13:46
von IM Kressin | 914 Beiträge

Andreas M. war Berichterstatter der "Lübecker Nachrichten", zuständig für das Ressort Grenze.

"Berichterstatter" ist zweigesichtig zu verstehen. Er berichtete den "Lübecker Nachrichten" und
als "IM Wallis" der Staatssicherheit.

Es grüßt Dich

Kressin


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!
94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#584

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.10.2015 14:15
von 94 | 10.792 Beiträge

Jetzt macht auch die Reg.-Nr. .../71 Sinn?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#585

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.10.2015 15:28
von IM Kressin | 914 Beiträge

Steht die .../71 als Namenkürzel für den "IM"?

Wahrscheinlich können @andy , @Alfred oder @seaman weiterhelfen.

Was ist des Rätsels Lösung?

Es grüßt Euch

Kressin


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!
nach oben springen

#586

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.10.2015 15:47
von Alfred | 6.841 Beiträge

Die Zahlen hinter dem Strich stehen für das Jahr wo der "Vorgang" angelegt wurde.


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 30.10.2015 17:47 | nach oben springen

#587

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.10.2015 16:24
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von IM Kressin im Beitrag #585
Steht die .../71 als Namenkürzel für den "IM"?
Du bist ja erst '75 'Rentnerlehrling' geworden, ja während der IM bereits 1971 angeworben wurd ...
neues-forum.info/forum/viewtopic.php?t=2054

Das meinte ich mit Sinn. Als Zahl könnte IM vielleicht als 999 interpretiert werden, aber nicht ganz korrekt.
(oT: bei römische Zahlen darf I nur vor X oder V stehen)


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 30.10.2015 16:26 | nach oben springen

#588

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.10.2015 18:24
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von IM Kressin im Beitrag #581
Zu meinem bei der " HA I/Aufklärung Grenzkommando Nord " geführten Sicherungsvorgang habe ich neue Informationen der BStU erhalten.

Die übersandte Karteikarte ist für mich nicht schlüssig, es ergeben sich neue Fragen, die eventuell von den Kennern der Materie beantwortet werden können.

Die Karteikarte wurde am 19.01.1989 angelegt.

Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits 14 Jahre und 4 Monate Angehöriger der Bundeszollverwaltung.

Meine Fragen:

Wurde zum maßgeblichen Zeitpunkt, 19.01.1989
tatsächlich „erstmalig“ ein Sicherungsvorgang angelegt oder der Sicherungsvorgang schlicht und einfach ergänzt?

Angaben zur beruflichen Tätigkeit fehlen.

Nach meinem Verständnis sollten ZGD-Beamter, GZD-Beamter, Zollbeamter oder Grenzbeamter protokolliert sein.

Die Anschriften sind unvollständig bzw. falsch.

Erfaßt ist die dienstliche Anschrift mit (unzutreffender) Hausnummer. Richtig wäre Hausnummer 72 mit ergänzender Bezeichnung „Zollkommissariat“ , zu erfassen gegebenenfalls mit Arbeitsstelle?

Dem berichtenden „IM“ sollten auf Grund seiner Vertrautheit die dienstliche Anschrift, wie auch meine beiden letzten, privaten Anschriften bekannt gewesen sein.

Gab es einen etwaigen, weiteren Grund oder Anlaß für das Anlegen der Kartei?

Die Paraphen des/der DE/Mitarbeiter fehlen ebenso oder wurden diese von der BStU unkenntlich gemacht?

Ich habe der Karteikarte „rote Pfeile“ und das Wort „Antragsteller“ hinzugefügt.

Es geht mir um reine Verständnisfragen bzw. deren Nachvollziehbarkeit: möglicherweise sind die Antworten auch für andere User von (geschichtlichem) Interesse.

Es grüßt Euch

Kressin









Hallo Kressin,

Als in den 60er Jahren die einzelnen Dienststellen von Polizei/BGS und Zoll an der Grenze errichtet wurden, wurden diese Objekte den in den jeweiligen Grenzabschnitten tätigen UA'en Aufklärung der HA I/Aufklärung als sogenannte Schwerpunktobjekte für die operative Bearbeitung zugewiesen. Daraufhin wurden die Objekte in sog. Sicherungsvorgängen bei der Abt. XII des MfS mit allen dazu bekannten Informationen zu Personen usw. erfasst. Wurden z.B. durch den IM "Wallis", die Auswertung öffentlicher Puplikationen usw. die Daten von Angeh. von Zoll, Polizei usw. bekannt, wurden diese Personen in den jeweiligen Sicherungsvorgängen zu den Objekten erfasst. Dadurch war gesichert, dass alle bekannt werdenden Informationen zu diesen Personen bei der vorgangsführenden DE aufliefen.

Der Sicherungsvorgang zu dem Objekt/Dienststelle, dem/der Du zugeordnet wurdest, wurde offensichtlich erstmalig 1963 angelegt und erhielt dann 1971 aus welchem Grund auch immer eine neue Vorgangsnummer. Die Unterlagen zu dem Sicherungsvorgang lagen im Panzerschrank des jeweils zuständigen Sonderoffiziers Zoll. In Deinem Fall wird das der entspr. MA der UA Aufklärung des GR 6 im GKN gewesen sein.
Offensichtlich wurde Dein Name erst im Januar 1989 bekannt oder es hatte irgendwann mal einer gepennt. Du wurdest also im Rahmen des Sicherungsvorganges beim MfS erfasst, weil Du in der oder einer entsprechenden Dienststelle des Zolls gearbeitet hast. Dass die zuständige DE nicht auf der Karteikarte F16 vermerkt ist, liegt wohl an der BSTu. Das auf der KK teilweise falsche bzw. manche Daten gar nicht auftauchen, kann auch wieder zig Ursachen haben. und darüber kann heute nur gemutmaßt werden. Die fehlenden und die korrekten Daten waren dann, so sie bekannt waren in der Akte des Sicherungsvorganges drin und der ist 1989 wahrscheinlich im Ofen gelandet.


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
Fritze und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 30.10.2015 19:40 | nach oben springen

#589

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.10.2015 19:45
von IM Kressin | 914 Beiträge

Besten Dank für die Erläuterungen. Eventuell könnt ihr noch einen Kommentar abgeben zu meinen Fragen im Thread:

Einsatz von Angehörigen des MfS in Uniform der Grenztruppen, Grenzaufklärer und Zivilisten im Grenzbezirk zur DDR (5)

Bin soeben beim Schmökern auf die gelungenen Fotos von Kalubke,
im Thread

Agentenschleuse bei Asbach-Sickenberg (4)



gestoßen. Ich schreibe weiter im Thread

Einsatz von Angehörigen des MfS in Uniform der Grenztruppen, Grenzaufklärer und Zivilisten im Grenzbezirk zur DDR (5)

Es grüßt Euch

Kressin


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!
nach oben springen

#590

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2015 01:49
von Hanum83 | 4.732 Beiträge

Meine persönliche "Schwarte" war nicht besonders dick, nur so 10 Seiten, bin ja nur relativ leicht in Kollission geraten weil ich so eine Art DDR-Grüner war außerhalb des Kulturbundes, der typische Querulant halt.
Also mal ganz ehrlich, nach den ersten 4 Seiten Studium im Leseraum hab ich 2006 das Ding zugeklappt und wieder abgegeben weil mir der Brechreiz hochkam, seit dem hab ich abgeschlossen mit dem Thema.
Meine Frau als SED-Aufbaukader hat ja unter der Sache mehr gelitten als ich weil sie durch meinen naiven Glauben ans Gute im Menschen entkadert wurde.
Alles alter Kram von anno dunnemals, die Akten-Pinsler und Einflussnehmer kamen verdient auf die geschichtliche Entsorgungshalde und gut ist.
Für mich jedenfalls.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
IM Kressin und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 31.10.2015 01:55 | nach oben springen

#591

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2015 02:20
von Gelöschtes Mitglied
avatar

@Hanum83, ich habe gar keinen Antrag zur Akteneinsicht gestellt und werde es auch nicht tun. Ich war unter ständiger Beobachtung und hatte ständig
Kontakt zu den Brüdern. Also kann ich mir so im Groben vorstellen was da drin steht.
Meine Schwester hat Einsicht genommen in die Akte vom Vati. Das war ein echter Problemfall für das MfS.
So ist vermerkt, das mein Vater 1972 ein Verhältnis mit meiner Klassenlehrerin hatte, bei einer Klassenfahrt kam es zu intimen Kontakten.
Der Berichterstatter ist mir bekannt. Wat solln dat?
Micha


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#592

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2015 02:27
von Hanum83 | 4.732 Beiträge

Zitat von G.Michael im Beitrag #591
@Hanum83, ich habe gar keinen Antrag zur Akteneinsicht gestellt und werde es auch nicht tun. Ich war unter ständiger Beobachtung und hatte ständig
Kontakt zu den Brüdern. Also kann ich mir so im Groben vorstellen was da drin steht.
Meine Schwester hat Einsicht genommen in die Akte vom Vati. Das war ein echter Problemfall für das MfS.
So ist vermerkt, das mein Vater 1972 ein Verhältnis mit meiner Klassenlehrerin hatte, bei einer Klassenfahrt kam es zu intimen Kontakten.
Der Berichterstatter ist mir bekannt. Wat solln dat?
Micha


Da ging es wohl um die sozialistische Moral.
In meiner neuen Familie gab es damals recht hohe provinziale Vertreter der Staatsmacht, in Uniform und auch ohne.
Da wurde z.B. bei internen Popp-Fehlleitungen unter den Genossen selber auch mal der Dudu-Finger von den Überprüf-Genossen geschüttelt, man überwachte sich wohl auch intensiv selbst und so richtig privat gab es wahrscheinlich ab einer gewissen Stufe auch nicht mehr, man gehörte dann faktisch mit Haut und Haar dem Sozialismus, quasi Doktor Faust und Mephisto modern.
Halt einfach ein menschlich recht krudes Gebilde dieser DDR-Sozialismus in vielerlei Hinsicht.
Meiner damaligen Frau wurde ja von den Gaunern, anders kann ich sie leider nicht betitulieren, auch nahegelegt, um beruflichen Konsequenzen aus dem Wege zu gehen, sich von mir zu distanzieren, also zu trennen, sie stand aber zu mir.
Trotzdem hat der Vorgang später unsere Beziehung belastet und in der Endkonsequenz ist sie wohl auch daran zerbrochen.
Wir haben hier so ein "Wer möchte Sie wiederhaben"-Thema, also ich glaube nicht das man ein System was so agiert sich zurückwünschen sollte, egal wie sicher auch der Arbeitsplatz gewesen sein mochte.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 31.10.2015 03:07 | nach oben springen

#593

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2015 03:48
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Hanum83 im Beitrag #592
Zitat von G.Michael im Beitrag #591
@Hanum83, ich habe gar keinen Antrag zur Akteneinsicht gestellt und werde es auch nicht tun. Ich war unter ständiger Beobachtung und hatte ständig
Kontakt zu den Brüdern. Also kann ich mir so im Groben vorstellen was da drin steht.
Meine Schwester hat Einsicht genommen in die Akte vom Vati. Das war ein echter Problemfall für das MfS.
So ist vermerkt, das mein Vater 1972 ein Verhältnis mit meiner Klassenlehrerin hatte, bei einer Klassenfahrt kam es zu intimen Kontakten.
Der Berichterstatter ist mir bekannt. Wat solln dat?
Micha


Da ging es wohl um die sozialistische Moral.
In meiner neuen Familie gab es damals recht hohe provinziale Vertreter der Staatsmacht, in Uniform und auch ohne.
Da wurde z.B. bei internen Popp-Fehlleitungen unter den Genossen selber auch mal der Dudu-Finger von den Überprüf-Genossen geschüttelt, man überwachte sich wohl auch intensiv selbst und so richtig privat gab es wahrscheinlich ab einer gewissen Stufe auch nicht mehr, man gehörte dann faktisch mit Haut und Haar dem Sozialismus, quasi Doktor Faust und Mephisto modern.
Halt einfach ein menschlich recht krudes Gebilde dieser DDR-Sozialismus in vielerlei Hinsicht.
Meiner damaligen Frau wurde ja von den Gaunern, anders kann ich sie leider nicht betitulieren, auch nahegelegt, um beruflichen Konsequenzen aus dem Wege zu gehen, sich von mir zu distanzieren, also zu trennen, sie stand aber zu mir.
Trotzdem hat der Vorgang später unsere Beziehung belastet und in der Endkonsequenz ist sie wohl auch daran zerbrochen.
Wir haben hier so ein "Wer möchte Sie wiederhaben"-Thema, also ich glaube nicht das man ein System was so agiert sich zurückwünschen sollte, egal wie sicher auch der Arbeitsplatz gewesen sein mochte.



Ein einfaches Danke wäre zu wenig. Ich wollte nach dem Wehrdienst (10 Jahre GT) zur VP wechseln. Ging nicht.
"Genosse Jahr bringen Sie erstmal ihre familiären Verhältnisse in Ordnung"
hierbei ging es um Verwandschaft im NSW.
Verstehen kann ich das nicht, 10 Jahre GT, Alles schick und bei der VP führt kein weg rein. Aus heutiger Sicht, Danke Hr. Lenk (Verstorben).
Micha


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#594

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2015 18:55
von ek40 | 393 Beiträge

Zitat von katerjohn im Beitrag #573
Meine Frau und ich haben aus verschiedensten Gründen keine Akteneinsicht beantragt.
Aber eine Frage bewegt mich ; Weihnachten 1971 hatten meine Grosseltern Goldene Hochzeit. Ich habe natürlich diese Feierlichkeit besucht und das obwohl ich wusste ,das die Geschwister meines Vaters aus Wien und aus Hannover da sein werden .
Ich war zu dieser Zeit noch strammer Grenzer und es würde mich schon interessieren ,ob Horch und Guck das mitbekommen hat .
....

Hallo @katerjohn,auch ich hatte wissentlich Westbesuch,bei einem meiner wenigen Urlaube.
In meiner Akte stand darüber aber kein Wort.
Dafür anderer belangloser Schwachsinn.....

Gruß ek40


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#595

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.11.2015 08:31
von IM Kressin | 914 Beiträge

Wer hat Angst vor der Schnipselmaschine?

Ein Automat könnte die geschredderten Akten in der Stasi-Unterlagen-Behörde zusammensetzen, aber die Politik blockt.

Die Säcke beinhalten Papierschnipsel mit Informationen der Hauptabteilungen III, VI und XX.

Die HA III überwachte Funknetze und Nachrichtenverbindungen mit einer halben Million Telefonanschlüssen, darunter die des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl.

In seinen Erinnerungen 1990 bis 1994 gab Kohl 2007 zu Protokoll:

Er hätte es besser gefunden, diese Unterlage zu vernichten oder unter Verschluß zu halten!

Ausgeforscht wurde als durchgängige Zielperson Kohls Schatzmeister Uwe Lüthje, der zwischen 1971 und 1988 diverse dubiose Millionen für die CDU beschaffte.

Das Frauenhofer Institut in Berlin Charlottenburg (Erfindungen wie das MP 3 Format zum Komprimieren von Musikdateien traten von hier ihren Siegeszug an) könnte die 600 Millionen geschredderten Teilchen lesbar machen, wenn die Politik es nicht verhinderte.

Es könnte sich ein völlig neues Bild vom Geheimdienst der DDR ergeben.

Die vom Bundestag bewilligten Millionen fließen nicht.

Seit Januar 2014 wird kein Schnipsel mehr eingescannt.

Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Beatrix Philipp (1994-2013) der CDU:

„Meine Parteifreunde im Forschungsministerium haben mir versprochen, endlich die bewilligten Gelder freizugeben.
Beim letzten Mal hieß es, man habe die Zahlungsanweisung einfach vergessen. VERGESSEN, das mag ich nicht mehr glauben.

Mächtige Personen in Ost und West wollen nicht, dass bestimmte Dinge an die Öffentlichkeit gelangen. In ihrer langen politischen Arbeit ist sie noch nie so belogen worden wie bei dem Thema virtuelle Rekonstruktion!“

Diese Ansicht vertritt auch Projektleiter Bertram Nickolay:

„Mächtige Leute wollen offenbar nicht, dass wir weiterarbeiten.

Wenn der Haushaltsausschuß des Bundestages das Geld heute am Donnerstag, 12. November 2015 nicht freigibt, ist das Projekt am Ende!“

Auch bei der SPD hält sich das Interesse in Grenzen. Die gepflegten, engen Kontakte der Spitzengenossen zu SED-Funktionären sollen nicht publik werden.

Die Grünen, seit Ende der Siebzigerjahre als „Chaostruppe im Westen“ durch die Stasi unterstützt und gefördert, wie auch einige „andere, fortschrittliche linke Kräfte der BRD“ äußern sich nicht.

Der Bundesrechnungshof, zuständig für zweifelhafte Finanzgebaren, hat sich im vergangenen Juli eingeschaltet.

Er prüfte nicht die Finanzen von Union oder der Grünen sondern das Frauenhofer-Institut.

„Die Experten sind zu teuer und zu langsam!“

Stehen das Projekt des Instituts und damit die Untersuchungen mit Automaten zur Rekonstruktion der Stasi-Unterlagen vor dem Aus?


Quelle: LN vom 12. November 2015


Es grüßt Euch

Kressin


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!
Fritze, exgakl, Grenzläufer und bürger der ddr haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#596

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.03.2016 18:20
von Grenzerhans | 274 Beiträge

Ich bin der Meinung, dass jeder alleine für sich entscheiden muss, stelle ich einen Antrag auf Einsicht in "meine" sogenannte Stasi-Akte?
Bisher habe ich keinen Grund für mich gefunden, diesen Antrag zu stellen.
Was soll schon in "meiner" Akte stehen? Das meine Vorgesetzten jährlich, bei besonderen Fällen sofort, einen Bericht geschrieben haben und wer
den bekommen hat war/ist mir bekannt. Denn meine Einschätzungen sind ja auch über die Kaderleitung des VPKA/Präsidium zum MfS gelangt.
Privat brauche ich auch nichts zu fürchten. Mit meiner Ehefrau und Kindern hatte ich ein normalen Umgang, ich war kein "Kneipen-Gänger"
Und das ich am Tag bis zu 40 Zigaretten geraucht habe, dass wußte auch Jeder
Dienstlich habe ich versucht meine Aufgaben DV-mäßig. zu erledigen.
Also was soll in meiner Akte stehen?

Gruß Grenzerhans


VNRut hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#597

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.03.2016 19:50
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von Grenzerhans im Beitrag #596
Ich bin der Meinung, dass jeder alleine für sich entscheiden muss, stelle ich einen Antrag auf Einsicht in "meine" sogenannte Stasi-Akte?
Bisher habe ich keinen Grund für mich gefunden, diesen Antrag zu stellen.
Was soll schon in "meiner" Akte stehen?
Privat brauche ich auch nichts zu fürchten.
Also was soll in meiner Akte stehen?

Gruß Grenzerhans





Was soll schon in "meiner" Akte stehen?

Das habe ich mich auch gefragt.
Meine Neugier hat mich eines besseren belehrt, # 99.
Im Anhang kam noch dieses Schreiben.
( natürlich gekürzt, wegen den netten ........ )


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#598

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.03.2016 08:40
von BautznerSenf | 57 Beiträge

Hallo!

Es gibt sicher gute Gruende fuer und gegen eine Einsichtnahme.

Meine Frau wollte erst auch nicht den Antrag stellen, weil sie Angst hatte, schwer enttaeuscht zu warden.
Wir haben Ihr dann zugeraten, den Antrag erst einmal zu stellen - schliesslich sei ja gar nicht sicher, ob ueberhaupt etwas vorhanden ist.
Hinzu kommt, dass sie das uebermittelte Material ja nicht ansehen muss, sondern sich im Umschlag an die Seite legen kann.

Sie stellte den Antrag - und es passierte lange gar nichts.

Spaeter teilte man ihr mit, dass es zwar im Prinzip Unterlagen gaebe, diese zu der Zeit aber noch nicht aufgefunden waren, sie moege sich spaeter wieder melden.

Es war immer klar: Mit einem Vater bei der VP, einem Bruder bei Feliks, einem Mann im Cockpit eines NVA-Flugzeuges und einer Stelle bei der NVA zaehlte die Familie zum ueberwachten Personenkreis.
Und sie hat mehrfach ihre Arbeit verloren, nachdem sie sich kritsch geaeussert hatte (wusste also, dass jemand im engsten Umfeld zeitnah berichtet hat). Aber: Das hat ihr nach der "Wende" auch den Job gesichert, weil sie eine der wenigen Unbelasteten war (gerade weil sie mehrfach die Arbeitsstelle verloren hatte - Schreibstube der NVA fuer VS, Sekretaerin des Buergermeisters, Arbeit im Gericht.

Kurz vor ihrem Tod erhoielt sie dann ganz unerwartet einen Bericht. Es war nur ein kurzer Bericht und es wurde mitgeteilt, dass es mehr geben muesste, doch sie hat sich sehr gefreut: Es war der Untersuchungsbericht ueber den Absturz ihres ersten Mannes.
Diese Untersuchung war ergebnisoffen in alle Richtungen gefuehrt worden und beinhaltete u. a. eine Aussage, dass "die Eheleute ein in jeder Hinsicht vorbildliches Eheleben fuehren".
Unfallursache war ein Konstruktionsfehler (was man ihr damals nicht gesagt hatte und was immer Restzweifel liess).
Jetzt war klar, dass es unvermeidbar war und dass er vermutlich in Sekunden tot war, also hoffentlich auch nicht leiden musste (was natuerlich auch fuer den Co-Piloten gilt).
Sie hat also nicht nur endlich Gewissheit, sondern weiss auch, wer sachlich berichtet hat und bekam Vermutungen bestaetigt (sie hatte schon Jahre zuvor zwei Nachbarn im Verdacht, die sich dann bestaetigt haben).

Wir haben uns mehrfach unterhalten und festgestellt, dass es einen wesentlichen Unterschied macht, WARUM jemand spitzelt:
a.) aus Glauben an die "gute Sache" (verstaendlich)
b.) aus Sorge um sein Kind (etwa: "Ihr Kind koennte einen Studienplatz erhalten, wenn sie mit uns kooperieren...") (verstaendlich)
c.) aus Gehorsam ("Sie berichten gefaelligst, was ihr Kollege waehrend der Reise...!")
d.) aus niederen Beweggruenden ("Wenn der Weg ist, bekomme ich den Job/die Wohnung/...") (verachtenswert)
e.) aus Geltungssucht ("Herr Lehrer, ich weiss was: Auf'm Scheisshaus brennt Licht...") (verachtenswert)

Ein Bekannter hat mir seine Gerichtsakte zur Verfuegung gestellt. Er ist aus dem oeffentlichen Dienst entfernt worden, weil er ueber Kollegen berichtet hatte (vgl. c.). Verachten kann ich ihn nicht - er ist einfach ein Mensch, der getan hat, was man ihm auftrug.

Insofern kann die Einsicht in die Akten heute auch klaeren helfen, wer warum was berichtet hat:
Auf Befehl, aus eigenem Antrieb, ob sachlich oder spekulativ, ob wohlwollend oder widersetzend.

Auf das Ergebnis der Akte des Schwiegervaters, des ersten Mannes meiner Frau sowie weiterer Erkenntnisse aus den Akten meiner Frau wartet die Familie bis heute vergebens - es hiess, wir sollten alle paar Jahre mal nachfragen, weil es immer wieder neue Erkenntnisse gaebe.


Lutze, Moskwitschka, IM Kressin und polsam haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#599

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.03.2016 23:09
von Grenzerhans | 274 Beiträge

Zum Beitrag #598 von BautznerSenf.

Ich finde die Gliederung von a - e zu den Beweggründen als IM für das MfS zu arbeiten nicht für unitressant. Aber wie und in welche Kategorie
steckst Du z.B die Kaderleiter in den Betrieben, die Abt.-Leiter in öffentliche Einrichtungen, Vorgesetzte in der Volkspolizei, NVA und anderen
bewaffneten Einheiten der DDR?
Diese Personen haben Berichte geschrieben, es mag machen nicht bewußt gewesen sein, wo sein Bericht letztendlich wo und auf welchem
Schreibtisch gelandet ist.
Mir war persönlich klar, dass mein Bericht, den ich auf Befehl meines Vorgesetzten geschrieben habe, zumindest in einer Kopie, bei der nächsten
MfS-Dienststelle angekommen ist.
Und wer denkt, dass er nicht durch das MfS überwacht wurde und das womöglich als Offizier, hat in einer Traumwelt gelebt.
Ich kannte persönlich den zuständigen Offizier des MfS, der dafür verantwortlich war.


nach oben springen

#600

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.03.2016 23:45
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Grenzerhans im Beitrag #599
Zum Beitrag #598 von BautznerSenf.

Ich finde die Gliederung von a - e zu den Beweggründen als IM für das MfS zu arbeiten nicht für unitressant. Aber wie und in welche Kategorie
steckst Du z.B die Kaderleiter in den Betrieben, die Abt.-Leiter in öffentliche Einrichtungen, Vorgesetzte in der Volkspolizei, NVA und anderen
bewaffneten Einheiten der DDR?
Diese Personen haben Berichte geschrieben, es mag machen nicht bewußt gewesen sein, wo sein Bericht letztendlich wo und auf welchem
Schreibtisch gelandet ist.
Mir war persönlich klar, dass mein Bericht, den ich auf Befehl meines Vorgesetzten geschrieben habe, zumindest in einer Kopie, bei der nächsten
MfS-Dienststelle angekommen ist.
Und wer denkt, dass er nicht durch das MfS überwacht wurde und das womöglich als Offizier, hat in einer Traumwelt gelebt.
Ich kannte persönlich den zuständigen Offizier des MfS, der dafür verantwortlich war.



Guggsde noch ma drüber? Es ist etwas unverständlich.
Gerd


nach oben springen



Besucher
20 Mitglieder und 49 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Erinnerung
Besucherzähler
Heute waren 1357 Gäste und 92 Mitglieder, gestern 3611 Gäste und 206 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14366 Themen und 557750 Beiträge.

Heute waren 92 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen