#381

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.10.2013 10:30
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

Weiß jemand auf die Schnelle, wo und wie man die Akteneinsicht beantragen kann? Ich würde meine gern mal sehen wollen.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#382

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.10.2013 11:29
von terraformer1 | 193 Beiträge

Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #381
Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

Weiß jemand auf die Schnelle, wo und wie man die Akteneinsicht beantragen kann? Ich würde meine gern mal sehen wollen.


Na schnell geht das nicht. Habe meine 1991 beantragt und 1997 bekommen. Vor einem Jahr habe ich noch die Freischaltung der Tarnnamen beantragt und warte seitdem auf Nachricht.


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#383

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.10.2013 11:38
von Marbacher | 49 Beiträge

Hi,

hier ist der Link.

Meine hatten 2 Jahre gedauert.

Tarnnamen ca. 2. Monate

Mal schauen unter Formulare.

http://www.bstu.bund.de/DE/Home/home_node.html



4.Zug 4.Kompanie GAR-40 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#384

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.10.2013 11:50
von jens-66 | 188 Beiträge

Ich habe 2009 die Akteneinsicht beantragt.
Im Februar 2011 bekam ich die Nachricht das eine Akte über mich vorhanden ist.
Seit dem Tag warte ich nun .Es kann dauern
Den Antrag dazu gibt es im Internet über Google..........


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#385

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.10.2013 05:34
von student | 89 Beiträge

Da das Thema "Angst und Schrecken ..." geschlossen wurde, ich aber den etwas unverständlich verschnupften Beitrag von "Vierkrug" nicht so stehen lassen möchte, versuche ich es hier.

Er hat geschrieben, ich hätte ihn der Dämonisierung "bezichtigt", und er habe nie "dämonisiert" etc. Ich dachte, aus der Anlage des Beitrags geht hervor, daß ich mit der "Dämonisierung" den auch meiner Meinung nach ungerechtfertigten Hang mancher Leute meinte, das MfS unreflektiert und undifferenziert als "das Böse an sich" darzustellen, eben einen "Dämon" aus ihm zu machen. Was Vierkrug in den Schmollwinkel getrieben hat, war eigentlich ein Versuch, eine Lanze dafür zu brechen, nicht zu pauschalisieren, und ich glaube, an anderer Stelle habe ich deutlich zum Ausdruck gebracht, daß ich von solchen Pauschalisierungen und Dämonisierungen nichts halte.

Ich sage es also noch einmal ganz deutlich, auch in der Hoffnung, daß Vierkrug vielleicht doch noch undercover anwesend ist: Ich habe gemeint, daß man euch unzulässigerweise dämonisiert und euch damit verständlicherweise häufig zu solchen Reaktionen veranlaßt, wie sie gerade bei Dir zu beobachten war. Wenn man im MfS etwas Dämonisches sehen will, dann höchstens im Laplaceschen Sinne: Der Laplacesche Dämon wäre ja der, der alles weiß, vom Anfang der Welt bis zu deren Ende, und -renn nicht gleich wieder weg- : Ein bißchen wärt ihr doch gerne so gewesen, oder ? Vielleicht neige ich manchmal ein wenig zur Rigorosität, aber ich lege Wert darauf, Begriffe wie "geistige Tiefflieger" nicht zu verwenden, weil ich darin die Grenze von Ironie und Sarkasmus hin zur Arroganz deutlich überschritten sehe. Wir müssen damit leben, daß pauschalisiert wird, aber dann sollten wir es hier im Forum nicht genau so machen. Das schließt aber Offenheit untereinander ein, und man sollte nicht in jeder Äußerung gleich einen persönlichen Angriff sehen wollen, vor allem dann nicht, wenn eine andere Auslegung viel wahrscheinlicher ist.

Das Nichtwissen, das mich störte, war das, das mit Ignoranz gepaart war. Nicht wissen können ist das Normalste von der Welt, kein Mensch kann alles wissen, und jedem Menschen sind andere Dinge wichtig zu wissen. Nicht wissen wollen ist dagegen etwas, das schwer zu ertragen ist. Ich hatte einmal eine Diskussion mit einem Schulungsgruppenleiter in der GWW, und der wußte sich schließlich nicht mehr anders zu helfen als: "Seht ihr, Genossen, das ist genau die Methode, mit der der Gegner versucht, Zweifel an der Richtigkeit der Parteibeschlüsse in unsere Reihen zu tragen!" Damals hat mich das noch erbost, später nicht mehr. Es gab einige, darunter auch solche vom MfS, die in allem, was sie nicht wußten oder nicht verstehen konnten, sofort den Versuch sahen, sie herabzusetzen. Das war in Bezug auf die Mitarbeiter des MfS deshalb so beeindruckend, weil es bei den Kontakten zu denen für mich um mehr ging als darum, ob ich mal eine schlechte Note in der GWW bekomme. Da war man sensibler als sonst, und deswegen ist es auch so deutlich in Erinnerung geblieben. Ich kann mich aber ebenso daran erinnern, wie es einem Offiziersschüler, der später bei der HA I im Grenzkommando NORD gearbeitet hat, ergangen ist, als er im Seminar die Worte gebrauchte: "Das war jetzt ein lapsus linguae von mir ... ." Nicht viel besser.

Noch einmal: Ich wollte nichts pauschalisieren, aber wer sich -als "Organ" wohlgemerkt, nicht als der einzelne konkrete Mitarbeiter- dazu aufgeschwungen hat, gewissermaßen höchst- und letztrichterliche Instanz für ein ganzes Volk sein zu wollen, der muß auch akzeptieren, daß heute einzelne Kommentare bei ihnen nicht gerade runtergehen wie Öl. Vielleicht bekommt man dadurch aber einen Begriff davon, wie es war, wenn man dastand und nicht argumentieren durfte, sondern einfach nur zugeben sollte, was einem unterstellt wurde.


Jobnomade, Feliks D. und connies9 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#386

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 13:55
von 80er | 572 Beiträge

Da dieser Fred ab dem Beitrag #317 wiederbelebt wurde, möchte ich hier ebenfalls meine Erfahrungen wiedergeben.

Da ich während meiner Studienzeit in einer Studentengemeneinde aktiv war, u.a. auch gesellschaftlichen Aktivitäten mit meiner Seminargruppe penetrant aus dem Weg gegangen bin - meine politische und emotionale Heimat war die KSG (kath. Studentengemeinde)- ging ich davon aus, dass es über mich eine Akte geben müsste. Der Antrag wurde Anfang der 1990er Jahre noch recht schnell bearbeitet, wodurch ich kaum 6 Monate später einen Termin zur Einsicht erhielt.
Ich erinnere mich, dass mich diese Akte enttäuschte.
Befasste sich die Akte doch nicht - wie erwartet - mit der Zeit, in der ich "religiös gebunden" war, sondern wurde erst anlässlich
meiner Flucht 1982 angelegt. Dies erschien mir zwar mehr als plausibel, traf aber nicht meine Erwartungen.

Wie ich zwischenzeitlich erfahren habe, können immer wieder neue Unterlagen auftauchen, bzw. durch verbesserte Wiederherstellungstechnik zugänglich gemacht werden.
Also, neuen Antrag gestellt und - tatsächlich- ich wurde informiert, dass es in meinem Fall weitere Unterlagen gibt, ich mich aber bis zur Einsicht derselben gedulden müsste. Und , was soll ich euch schreiben? Ich freue mich diebisch auf meine neue (alte) Akte!

Was mich beim Lesen dieses Freds befremdet, ist die Tatsache, dass doch hier viele ehemalige Angehörige der GT, auch und gerade in ehemals höheren Positionen, sowie der auch zivil politisch Aktiven "ihre" Akte angefordert haben? Was veranlasst jemand, der dem System offensichtlich "treu gedient" hat, zu glauben, selbst er wäre interessant für den Verein gewesen?
Heisst das zuletzt sogar, dass jeder DDR Bürger(in) verdächtig gewesen ist, ein imperialistisches Komplott zu schmieden?
Einmal ganz abgesehen davon, dass sich die Angehörigen der "Schlapphüte" untereinander schon nicht trauten?

Edit: doppeltes Wort gelöscht


thomas 48 und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.10.2013 17:38 | nach oben springen

#387

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 14:03
von Sperrbrecher | 1.662 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #386
Heisst das zuletzt sogar, dass jeder DDR Bürger(in) verdächtig gewesen ist, ein imperialistisches Komplott zu schmieden?
Einmal ganz abgesehen davon, dass sich die Angehörigen der "Schlapphüte" untereinander schon nicht trauten?

Wie sagte Lenin so schön:
"Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser !"


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


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#388

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 14:05
von seaman | 3.487 Beiträge

Wenn ich das hier so mitverfolge müsste ich auch mal einen Antrag stellen.....
Ist sicher interessant.

seaman


zuletzt bearbeitet 24.10.2013 14:10 | nach oben springen

#389

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 14:05
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Ich werde demnächst meine Akteneinsicht einfordern, denn ich denke, zumindest jeder, der zu den Grenztruppen gezogen wurde und wie in meinem Fall Westverwandschft hatte, potentiell verdächtig war. Außerdem gab es in meiner Dienstzeit ein Vorkomniss, in dessen Zuge ich vom MfS vernommen wurde.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#390

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 14:09
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #387
Zitat von 80er im Beitrag #386
Heisst das zuletzt sogar, dass jeder DDR Bürger(in) verdächtig gewesen ist, ein imperialistisches Komplott zu schmieden?
Einmal ganz abgesehen davon, dass sich die Angehörigen der "Schlapphüte" untereinander schon nicht trauten?

Wie sagte Lenin so schön:
"Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser !"


Da sitzen so ein paar Hampels in Wandlitz herum und sobald die irgendwo auftauchen, fällt ein ganzes Volk in den kollektiven Orgasmus. Da würde ich mir auch Gedanken machen, stutzig werden und mich als Big Boss auch fragen, was die für Tabletten nehmen. Da haben die dann eben die Stasi mal losgeschickt , da mal nachzufragen , was da mit dem Volk los ist.


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#391

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 14:38
von passport | 2.640 Beiträge

Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #389
Ich werde demnächst meine Akteneinsicht einfordern, denn ich denke, zumindest jeder, der zu den Grenztruppen gezogen wurde und wie in meinem Fall Westverwandschft hatte, potentiell verdächtig war. Außerdem gab es in meiner Dienstzeit ein Vorkomniss, in dessen Zuge ich vom MfS vernommen wurde.



@4.Zug 4.Kompanie GAR-40

Du hast, wie alle Grenzer, die Akte "Grün".

passport


4.Zug 4.Kompanie GAR-40 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#392

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 14:42
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #389
Ich werde demnächst meine Akteneinsicht einfordern, denn ich denke, zumindest jeder, der zu den Grenztruppen gezogen wurde und wie in meinem Fall Westverwandschft hatte, potentiell verdächtig war. Außerdem gab es in meiner Dienstzeit ein Vorkomniss, in dessen Zuge ich vom MfS vernommen wurde.


Die Sachen von der V2000 waren eigenartigerweise irgendwie aus der Akte "ausgelagert", obwohl durch einen eigentlich Dummejungenstreich damals recht heftig ermittelt wurde, einigen, inklusive meiner Wenigkeit, wurde sogar ein Mordkomplott gegen einen Vorgesetzten unterstellt, es stellte sich dann aber unsere Unschuld heraus.
Der Schreiber trat aber wohl für diese Sache den Marsch nach Schwedt an, jedenfalls wurde in der Nachbehandlung, nachdem er entfernt worden war, ausgeführt das sich der Militärstaatsanwalt seiner angenommen hätte.


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#393

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 14:48
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #391
Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #389
Ich werde demnächst meine Akteneinsicht einfordern, denn ich denke, zumindest jeder, der zu den Grenztruppen gezogen wurde und wie in meinem Fall Westverwandschft hatte, potentiell verdächtig war. Außerdem gab es in meiner Dienstzeit ein Vorkomniss, in dessen Zuge ich vom MfS vernommen wurde.



@4.Zug 4.Kompanie GAR-40

Du hast, wie alle Grenzer, die Akte "Grün".

passport


Dann habe ich wohl sicher, wie alle Hauptamtlichen, auch noch eine Akte "Rot"?

;-)


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


zuletzt bearbeitet 24.10.2013 14:48 | nach oben springen

#394

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 16:23
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #386
Da dieser Fred ab dem Beitrag #317 wiederbelebt wurde, möchte ich hier ebenfalls meine Erfahrungen wiedergeben.

Da ich während meiner Studienzeit in einer Studentengemeneinde aktiv war, u.a. auch gesellschaftlichen Aktivitäten mit meiner Seminargruppe penetrant aus dem Weg gegangen bin - meine politische und emotionale Heimat war die KSG (kath. Studentengemeinde)- ging ich davon aus, dass es über mich eine Akte geben müsste. Der Antrag wurde Anfang der 1990er Jahre noch recht schnell bearbeitet, wodurch ich kaum 6 Monate später einen Termin zur Einsicht erhielt.
Ich erinnere ich mich, dass mich diese Akte enttäuschte.
Befasste sich die Akte doch nicht - wie erwartet - mit der Zeit, in der ich "religiös gebunden" war, sondern wurde erst anlässlich
meiner Flucht 1982 angelegt. Dies erschien mir zwar mehr als plausibel, traf aber nicht meine Erwartungen.

Wie ich zwischenzeitlich erfahren habe, können immer wieder neue Unterlagen auftauchen, bzw. durch verbesserte Wiederherstellungstechnik zugänglich gemacht werden.
Also, neuen Antrag gestellt und - tatsächlich- ich wurde informiert, dass es in meinem Fall weitere Unterlagen gibt, ich mich aber bis zur Einsicht derselben gedulden müsste. Und , was soll ich euch schreiben? Ich freue mich diebisch auf meine neue (alte) Akte!

Was mich beim Lesen dieses Freds befremdet, ist die Tatsache, dass doch hier viele ehemalige Angehörige der GT, auch und gerade in ehemals höheren Positionen, sowie der auch zivil politisch Aktiven "ihre" Akte angefordert haben? Was veranlasst jemand, der dem System offensichtlich "treu gedient" hat, zu glauben, selbst er wäre interessant für den Verein gewesen?
Heisst das zuletzt sogar, dass jeder DDR Bürger(in) verdächtig gewesen ist, ein imperialistisches Komplott zu schmieden?
Einmal ganz abgesehen davon, dass sich die Angehörigen der "Schlapphüte" untereinander schon nicht trauten?

.... die Herren von der weinroten Paspelierung haben morgens , wenn sie ihre Büros betraten, als erste Amtshandlung ihre Finger nachgezählt, ob sie noch alle haben, vermute ich mal


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#395

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 17:11
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.493 Beiträge

Seid gegrüßt, ich habe Einsicht in meine Stasiakte 1992 beantragt, es hat 18 Monate(!!!??) gedauert, bis ich einen unverbindlichen Zwischenbescheid bekam mit dem Hinweis, dass meine Akte unvollständig sei, und sich Teile dieser noch in Berlin und Magdeburg befänden.
Nach weiteren 6 Monaten wurde ich aufgefordert mich in Neubrandenburg einzufinden, wo ich die Gelegenheit dazu bekam, in MEINER
Akte lesen zu dürfen....
Ein Mitarbeiter der sich damals noch nennenden Gauck-Behörde bewachte mich und die Akte die ganze Zeit.
Ich habe nicht viel begriffen von dem ich las, hatte einfach zu viele Fragen, und der Mann hätte mir auch nicht helfen können, will sagen, dass das ganze Drumherum mir irgendwie improvisiert vorkam. Ne ne, ich war wie vorn Kopf geschlagen!!!

Es bestand die Möglichkeit meine Aktenblätter kopieren zu lassen, ich glaub für 25 Pfennige das Stück, außerdem beantragte ich sofort sämtliche Klarnamen.... Dies dauerte nochmal so um 10 Wochen, alle Klarnamen haben sie auch nicht herrausbekommen und ich sollte es in 2-3 Jahren erneut beantragen...Das habe ich seingelassen, es hat echt Monate gedauert bis man wieder in klaren Bildern denkt...

Die letzten 19 Jahre habe ich diesen Ordner nicht mehr angefasst, bewahre ihn jedoch noch auf.

Meine Meinung ist, das man genau abwägen sollte, ob man seine Akte sehen will, es wühlt einen total auf, und man hat zu tun in der Bahn zu bleiben.

Möchte noch anmerken, ich war (bis Braunschweig) bestätigt, so mein Vorgesetzter.

Gruß h.


zuletzt bearbeitet 24.10.2013 17:12 | nach oben springen

#396

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 17:26
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Gert im Beitrag #394
Zitat von 80er im Beitrag #386
Da dieser Fred ab dem Beitrag #317 wiederbelebt wurde, möchte ich hier ebenfalls meine Erfahrungen wiedergeben.

Da ich während meiner Studienzeit in einer Studentengemeneinde aktiv war, u.a. auch gesellschaftlichen Aktivitäten mit meiner Seminargruppe penetrant aus dem Weg gegangen bin - meine politische und emotionale Heimat war die KSG (kath. Studentengemeinde)- ging ich davon aus, dass es über mich eine Akte geben müsste. Der Antrag wurde Anfang der 1990er Jahre noch recht schnell bearbeitet, wodurch ich kaum 6 Monate später einen Termin zur Einsicht erhielt.
Ich erinnere ich mich, dass mich diese Akte enttäuschte.
Befasste sich die Akte doch nicht - wie erwartet - mit der Zeit, in der ich "religiös gebunden" war, sondern wurde erst anlässlich
meiner Flucht 1982 angelegt. Dies erschien mir zwar mehr als plausibel, traf aber nicht meine Erwartungen.

Wie ich zwischenzeitlich erfahren habe, können immer wieder neue Unterlagen auftauchen, bzw. durch verbesserte Wiederherstellungstechnik zugänglich gemacht werden.
Also, neuen Antrag gestellt und - tatsächlich- ich wurde informiert, dass es in meinem Fall weitere Unterlagen gibt, ich mich aber bis zur Einsicht derselben gedulden müsste. Und , was soll ich euch schreiben? Ich freue mich diebisch auf meine neue (alte) Akte!

Was mich beim Lesen dieses Freds befremdet, ist die Tatsache, dass doch hier viele ehemalige Angehörige der GT, auch und gerade in ehemals höheren Positionen, sowie der auch zivil politisch Aktiven "ihre" Akte angefordert haben? Was veranlasst jemand, der dem System offensichtlich "treu gedient" hat, zu glauben, selbst er wäre interessant für den Verein gewesen?
Heisst das zuletzt sogar, dass jeder DDR Bürger(in) verdächtig gewesen ist, ein imperialistisches Komplott zu schmieden?
Einmal ganz abgesehen davon, dass sich die Angehörigen der "Schlapphüte" untereinander schon nicht trauten?

.... die Herren von der weinroten Paspelierung haben morgens , wenn sie ihre Büros betraten, als erste Amtshandlung ihre Finger nachgezählt, ob sie noch alle haben, vermute ich mal


Nee Gert, kann da nur für mich sprechen - Bei einer Tasse Kaffee und Zigarette den sogenannten "Lagefilm" analysiert, d.h. Produktionssituation um 0600 in allen Kombinatsbetrieben - aktuelle Fahrweise und sich in Betrieb befindliche Hauptanlagen - sich daraus ergebende Konsequenzen für die Tagesprodunktion wie auch die Auswertung der Tagesproduktion des Vortages (A 3 - Querformatausdruck per OKI - Nadeldrucker !!! vom Hauptdispatcher des Kombinates) - anschließend das tägliche Kombinatsrundgespräch !!!
Das war alles in der Zeitspanne von 0700 - 0830. Ist ja schon wieder OT.

Vierkrug


zuletzt bearbeitet 24.10.2013 17:27 | nach oben springen

#397

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 17:37
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

@ Grenzwolf, erzähl mal von dem Fall.........

@ Hundemuchtel: Was heißt bis Braunschweig bestätigt?

Mfg Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#398

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 17:38
von passport | 2.640 Beiträge

Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #393
Zitat von passport im Beitrag #391
[quote=4.Zug 4.Kompanie GAR-40|p298457]Ich werde demnächst meine Akteneinsicht einfordern, denn ich denke, zumindest jeder, der zu den Grenztruppen gezogen wurde und wie in meinem Fall Westverwandschft hatte, potentiell verdächtig war. Außerdem gab es in meiner Dienstzeit ein Vorkomniss, in dessen Zuge ich vom MfS vernommen wurde.



@4.Zug 4.Kompanie GAR-40

Du hast, wie alle Grenzer, die Akte "Grün".

passport


Dann habe ich wohl sicher, wie alle Hauptamtlichen, auch noch eine Akte "Rot"?


;-
@4.Zug 4.Kompanie GAR-40

Ihr hattet doch eure eigene Kaderabteilung, oder ?

Soweit mir bekannt ist, durfte durch das MfS Parteiorganisationen (KL, BL,ZK, PB und deren Organisationen) bei Geheimnislecks bzw Verrat nicht von "innen" ermitteln.


passport


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#399

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 17:50
von Gelöschtes Mitglied
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Nein @passport, die hatten einen Kaderinstrukteur/-in, der/die dem 2. Sekretär unterstand !!! Der 2. Sekretär der KL, der Abteilungsleiter Parteiorgane und der Kaderinstrukteur bildeten die sogenannte Kaderkommission der Kreisleitung.
Die Kaderakten der Mitarbeiter und Abteilungsleiter, wie auch der Leiter Kreissschule M/L und Bildungsstätte der Kreisleitungen, wurden in der VS-Stelle der Kreisleitung aufbewahrt.

Ermittelt werden durfte nur bei begründeten Straftatbeständen und auch nur mit Zustimmung der nächst höheren Parteiebene. Ermittlungsergebnisse wurden dem jeweiligem 1.Sekretär und Mitarbeiter für Sicherheitsfragen durch den Leiter der Dienststelle zur Kenntnis gegeben.

Vierkrug


passport hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.10.2013 17:54 | nach oben springen

#400

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2013 17:58
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Stimmt, wir hatten unseren eigenen Verbindungsoffizier, der gleichzeitig auch für Sicherheitsfragen zuständig war, wir waren für euch sozusagen "Persona non grata". Mich wollte mal einer im Privaten als IM anwerben, als ich ihm sagte, wo ich arbeite, ließ er es gleich wieder sein. Trotzdem bin ich bevor ich in die KL bin mit Sicherheit gecheckt worden, auch wegen meiner Kapriolen bei den GT bin ich mir sicher. Auch, weil ich Westverwandschaft hatte bis in die USA. Und, weil mein Vater nach einem Geburtstagsbesuch bei seinem Bruder in der BRD drüben geblieben ist und meine Mutter und mein kleiner Bruder ihm per Ausreise dann nachfolgten.

Da erinnere ich mich noch an eine Episode, ich war da zur Zeit am Industrieinstitut 1989 studieren. Ich bekam einen Brief von Verwandten aus den USA, was ungewöhnlich war, weil ich mit denen nix zu schaffen hatte, nur meine Mutter. Es war der obligatorische 5 $ Schein in der Osterglückwunschkarte. Ich bin natürlich gleich pflichtbewusst in die KL zum MfS und habe das gemeldet. Nach einer Erklärung meinerseits, dass ich damit nichts zu schaffen habe, war die Sache schnell erledigt. Dann schob mir der Genosse die 5 $ wieder rüber und sagte mir, die hat es nie gegeben. Behalte sie als Andenken oder geh in den Intershop was einkaufen. Ich dachte, ich falle vom Glauben ab. Da ich keine Lust hatte, das an die große Glocke zu hängen, ließ ich es dabei bewenden. Monate später habe ich es mit dem Begrüßungsgeld im Intershop umgesetzt.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


zuletzt bearbeitet 24.10.2013 18:00 | nach oben springen



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