#1001

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 29.04.2016 21:11
von Zange | 392 Beiträge

Sorry, ich verstehe diese ganze Debatte leider nicht mehr.

M G hätte doch diese Sache auf sich beruhen lassen können. Er hatte doch schon eine oder zwei SM70 abgebaut. Reicht das nicht?

Zitat von Klaus Kinski: "Sowas kann doch nur jemand machen, der entweder vollkommen ahnungslos oder bösartig ist"


Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen (Helmut Schmidt)
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#1002

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 29.04.2016 21:19
von Hanum83 | 4.719 Beiträge

Viel neues wird man wohl auch nicht mehr rausarbeiten können vom MG, ich war ja 7 Jahre später am Schutzwall, da erzählte der Polit jedenfalls genüsslich schaurig immer von der Gartenschläger-Bande die einen Grenzsoldaten fangen möchte aus Rache, war wohl so gedacht wie bei den Hunden, "Pass gut auf Hasso!"


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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zuletzt bearbeitet 29.04.2016 21:20 | nach oben springen

#1003

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 29.04.2016 21:22
von bürger der ddr | 3.600 Beiträge

Zitat von IM Kressin im Beitrag #994
Zitat von bürger der ddr im Beitrag #987
Man sollte hier nicht zwei Dinge vermischen.



Da sind wir gleicher Meinung, und doch passiert es mit folgendem Beispiel

Zitat von bürger der ddr im Beitrag #987


Z.B. Meldung vom 13.08.2011 "israel verlegt an der Grenze zu den Golanhöhen neue Landminen" Grund: um Demonstranten das Eindringen zu verhindern
Wer die Meldung bezweifelt, Tante Go und andere Suchmaschinen werden Euch helfen....



Der Kriegsschauplatz der Golanhöhen, Sechstagekrieg, Jom-Kippur-Krieg,
Kampfhandlungen um Wasserrechte und Siedlungsgebiete der an Israel grenzenden Staaten sind ein eigener, bedeutsamer Themenbereich.

Ich bin heute noch froh, wie gewaltfrei die Wende verlaufen ist, dass Deutschland einen friedlichen, besonnenen Ablauf genommen hat.

An der innerdeutschen Grenze fühlte ich mich 15 Jahre sicher.

Ich würde mich nie freiwillig in ein Kriegsgebiet begeben!

Zitat von bürger der ddr im Beitrag #987


Wo blieb da Eure Entrüstung? Aber das waren ja "Kollegen mit dem gleichen Stallgeruch"......

Was wäre dort wohl geschehen wenn ein Typ so ein paar Dinger "sichergestellt" hätte, Stichwort- Leichensack.



Wie schon geschildert, ein Kriegsgebiet, in das ich mich nicht freiwillig begeben würde.

Ich war bedauerlicherweise noch nicht in Israel, bestimmt ein schönes Land.
Ich stehe mit niemandem in Verbindung, der dort seinen Wohnsitz hat.

Über den „Stallgeruch“ etwaiger Kollegen dort kann ich keine Aussage treffen, ich kenne diesen schlicht und einfach nicht.

Zitat von bürger der ddr im Beitrag #987


So nun könnt Ihr weiter das Spiel spielen "Wir basteln einen Helden", und viel Spaß


M.G. war leichtsinnig, handelte unverantwortlich, besessen und war geblendet von Hass. Seine Handlungen finde ich nicht richtig, kann demgegenüber, auf Grund seiner Lebensgeschichte, die Ursache für seine Taten nachvollziehen.

Zitat von bürger der ddr im Beitrag #987

Für mich war aus heutiger Sicht die Grenzsicherung durch Minen eine völlig falsche Lösung, moralisch gesehen verwerflich.



Da stimme ich mit Dir überein. Von der Maxime her sah es die DDR-Führung wahrscheinlich ähnlich, im geteilten Berlin,

auf internationalem Parkett, wäre ein Zwischenfall mit SM 70 Todesautomaten sofort in der Aufmerksamkeit
der Weltöffentlichkeit gewesen.

Das Ansehen der DDR und der für den Ostteil der geteilten Stadt verantwortlichen Sowjetunion hätte unmittelbar Schaden genommen.

Nur aus diesem Grund waren keine SM 70 an der Berliner Mauer installiert!

Zitat von bürger der ddr im Beitrag #987


M.G. hat aber nach nationalen Recht der DDR eine schwere Straftat verübt und auch nach internationalem Recht. Das Tragen und benutzen einer Waffe bei dieser Straftat rechtfertigt die Art der Verhinderung dieser Straftat.




Das Liquidieren des Michael Gartenschläger war gezielte Vollstreckung eines lange vorher getroffenen Todesurteils.

Die Vielfältigkeit der Technik, eingeschlossen der Einsatz taktischer Vorgehensweisen von DDR-Spezialeinheiten freund- und feindwärts mit Festnahme durch überraschenden Zugriff wäre möglich gewesen, jedoch laut Einsatzbefehl nicht vorgesehen.

Widerlegte, propagierte Unfehlbarkeit der politisch Verantwortlichen, die Gigantomanie des Grenzregimes, gepaart mit verletzter Ehre, dürsteten nach Rache.


Es grüßt Euch

Kressin




Leider habe ich heute abend nicht die Zeit mich wirklich mit Deinen Argumenten zu beschäftigen. Aber erst einmal ein Danke, dafür das Du Dir wirklich Gedanken machst und sachliche Argumentation findest.
Es ist nicht "schwarz" und es ist nicht "weiß", es gibt auch "grau"....



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#1004

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 29.04.2016 21:48
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #1002
Viel neues wird man wohl auch nicht mehr rausarbeiten können vom MG, ich war ja 7 Jahre später am Schutzwall, da erzählte der Polit jedenfalls genüsslich schaurig immer von der Gartenschläger-Bande die einen Grenzsoldaten fangen möchte aus Rache, war wohl so gedacht wie bei den Hunden, "Pass gut auf Hasso!"


Also die Story höre ich heute das erste mal. Ihr habt wohl mit euren Polit im Ausgang, in der Kneipe, Märchenstunde gehabt.


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#1005

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 29.04.2016 21:49
von damals wars | 12.137 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #1002
Viel neues wird man wohl auch nicht mehr rausarbeiten können vom MG, ich war ja 7 Jahre später am Schutzwall, da erzählte der Polit jedenfalls genüsslich schaurig immer von der Gartenschläger-Bande die einen Grenzsoldaten fangen möchte aus Rache, war wohl so gedacht wie bei den Hunden, "Pass gut auf Hasso!"


Das ist doch mal ne ganz neue Geschichte!
Die Zeit der Entführungen war doch damals längst vorbei.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#1006

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 29.04.2016 21:52
von Hanum83 | 4.719 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #1005
Zitat von Hanum83 im Beitrag #1002
Viel neues wird man wohl auch nicht mehr rausarbeiten können vom MG, ich war ja 7 Jahre später am Schutzwall, da erzählte der Polit jedenfalls genüsslich schaurig immer von der Gartenschläger-Bande die einen Grenzsoldaten fangen möchte aus Rache, war wohl so gedacht wie bei den Hunden, "Pass gut auf Hasso!"


Das ist doch mal ne ganz neue Geschichte!
Die Zeit der Entführungen war doch damals längst vorbei.


Na du warst ja auch in Berlin, da hätte die Gartenschläger-Bande erst mal den Transit machen müssen um dich zu fangen.
Oh, ich muss aufhören sonst melden sich heute noch paar ab.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
zuletzt bearbeitet 29.04.2016 21:55 | nach oben springen

#1007

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 29.04.2016 22:31
von coff | 703 Beiträge

Zitat von IM Kressin im Beitrag #994


...Das Liquidieren des Michael Gartenschläger war gezielte Vollstreckung eines lange vorher getroffenen Todesurteils.

Die Vielfältigkeit der Technik, eingeschlossen der Einsatz taktischer Vorgehensweisen von DDR-Spezialeinheiten freund- und feindwärts mit Festnahme durch überraschenden Zugriff wäre möglich gewesen, jedoch laut Einsatzbefehl nicht vorgesehen...


Es grüßt Euch

Kressin





http://www.hrr-strafrecht.de/hrr/5/04/5-14-04.php?referer=db

...Generalleutnant Kl berichtete dem Minister Mielke und beauftragte den Oberstleutnant T, den Leiter des Bereichs Abwehr der Hauptabteilung I im Grenzkommando Nord, mit der Leitung des "Einsatzes SM-70". Hierbei gab Kl die von Mielke erteilte Weisung weiter, G bei einem neuerlichen Versuch, eine Mine abzubauen, unter allen Umständen möglichst festzunehmen und - wenn dies nicht gelingen sollte - ihn keinesfalls entkommen zu lassen, sondern ihn dann gegebenenfalls zu "vernichten"...

...Man rechnete mit zwei bis drei Begleitern G s und einer Bewaffnung aller Personen. Deshalb sollte "feindwärts" des Metallgitterzauns ein Hinterhalt gelegt werden, um G dort zu überraschen, festzunehmen und an einer eventuellen Flucht zurück auf das Territorium der Bundesrepublik Deutschland zu hindern, wobei als letzte Möglichkeit seine Tötung ins Auge gefaßt war. Sollte die Staatsgrenze der DDR durch "provokatorische Handlungen" an den "pioniertechnischen Anlagen" verletzt oder sollten diese sichtbar angegriffen werden, waren die Personen festzunehmen; die Schußwaffe war anzuwenden, wenn keine andere Möglichkeit zur Realisierung der vorgenannten Zielstellung vorhanden sein würde...

...G hatte zwei Helfer gewonnen... Alle drei waren mit scharfen Schußwaffen ausgerüstet, G und Lie jeweils mit einer geladenen Pistole, U mit einer geladenen abgesägten Schrotflinte...


zuletzt bearbeitet 29.04.2016 22:43 | nach oben springen

#1008

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 29.04.2016 23:17
von Pitti53 | 8.787 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #1002
Viel neues wird man wohl auch nicht mehr rausarbeiten können vom MG, ich war ja 7 Jahre später am Schutzwall, da erzählte der Polit jedenfalls genüsslich schaurig immer von der Gartenschläger-Bande die einen Grenzsoldaten fangen möchte aus Rache, war wohl so gedacht wie bei den Hunden, "Pass gut auf Hasso!"


Wie viel Biere hatte euer Polit da schon intus? Die Story höre ich zum erstenmal


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#1009

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 29.04.2016 23:40
von Hanum83 | 4.719 Beiträge

Zitat von Pitti53 im Beitrag #1008
Zitat von Hanum83 im Beitrag #1002
Viel neues wird man wohl auch nicht mehr rausarbeiten können vom MG, ich war ja 7 Jahre später am Schutzwall, da erzählte der Polit jedenfalls genüsslich schaurig immer von der Gartenschläger-Bande die einen Grenzsoldaten fangen möchte aus Rache, war wohl so gedacht wie bei den Hunden, "Pass gut auf Hasso!"


Wie viel Biere hatte euer Polit da schon intus? Die Story höre ich zum erstenmal



Nöö, der hat nicht so viel getrunken.
Wir waren ja räumlich in relativer Nähe zum Geschehen von vor 7 Jahren vorher und als der Jahrestag nahte holte er halt die Geschichte aus der Kiste.
Das Anschläge drohten zum Jahrestag, speziell auf die 501, wurde uns aber auch offiziell erzählt, erhöhte Wachsamkeit war angesagt und das Wort "Gartenschläger-Bande" wurde da wirklich benutzt.
Das mit dem Plan einen zu fangen und zu ermorden hielt ich aber auch für Quatsch, aber egal wie auch immer, irgendwie die Hose leicht voll hatte man schon in dieser Nacht.
Das welche im Finstern aus dem Westen kommen könnten um dir ans Leder zu wollen machte schon leicht nervös, der Klingelzaun war ja im Osten, westwärts hätte nichts geklingelt bei Einstieg und was hat man uns immer eingebleut, der Klassenfeind schreckt vor nichts zurück.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
zuletzt bearbeitet 30.04.2016 00:00 | nach oben springen

#1010

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 29.04.2016 23:46
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von bürger der ddr im Beitrag #987

Z.B. Meldung vom 13.08.2011 "israel verlegt an der Grenze zu den Golanhöhen neue Landminen" Grund: um Demonstranten das Eindringen zu verhindern


Wo ist das Problem, ich denke die Minen werden so in einem eingezäunten Bereich liegen daß dort versehentlich niemand zu Schaden kommen wird, ausser Militärs die ggf. irgendwann die wieder räumen sollen. Das Gebiet ist aber weder für Zivilisten noch syrische Militärs zugänglich.
Es dürften KEINE durch Flugzeuge verlegte Streuminen sein.



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#1011

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.04.2016 01:06
von B208 | 1.335 Beiträge

Zitat von Ari@D187 im Beitrag #999
Zitat von B208 im Beitrag #976
[...]Es gab zwei Punkte im Grenzabschnitt nördlich der Elbe , die als mögliche Abbauorte von SM70 durch M.G. vom MfS aufgeklärt waren .
Ein Ort war das Gartenschläger-Eck . Nach dem ersten erfolgreichen Abbau konnte von westlicher Seite beobachtet werden , dass zusätzliche bauliche/pioniertechnische Maßnahmen freundwärts des Zaunes errichtet wurden . Darunter auch Scheinwerfer . Ich behaupte , M.G. hätte bei einem ausgeleuchteten Grenzabschnitt sein Vorhaben nicht ausgeführt .
Die Führung der DDR hat sich aber bewusst zu einem anderen Szenarium entschieden und die Lichter blieben aus .
Angestrebt war eine finale Lösung .

B208

Wo lage denn der zweite aufgeklärte Ort?

Wenn durch die einfache Beleuchtung des Grenzknicks oder anderer aufgeklärter Orte
Gartenschläger davon abgehalten worden wäre weitere SM70 zu demontieren oder
zu zünden, dann hätte dies doch auch von westlicher Seite bewerkstelligt werden
können.

Ari


Das MfS hat den zweiten Ort aufgeklärt !
Den DDR Organen wäre es durchaus möglich gewesen die gewonnenen Erkenntnisse über den heißen Draht an der nächsten Güst an den BGS zu übermitteln .
Denn das genaue wann und wo war nicht bekannt . Den DDR Organen schon !!

B208


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#1012

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.04.2016 01:28
von B208 | 1.335 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #996
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #991
Gartenschläger ist für mich Opfer. Moskwitschka


Hallo,
wieso Opfer, ein Opfer kann nur jemand sein der aufgrund fremder Zwänge zu Schaden kommt. Herr G. dagegen drang ganz freiwillig und vorsätzlich wider besserem Wissen um die "Humorlosigkeit" der DDR-Organe im Bezug auf Grenzthemen und -anlagen.

Wenn Opfer, dann aufgrund seiner eigenen Überheblichkeit, Dummheit, Naivität, Unvernunft, Hass oder Geltungssucht.



Diese fremden Zwänge findest du in der Vorgeschichte des M.G. während seiner DDR Staatsbürgerschaft und seiner DDR Haftzeit .
Nur durch ein überfliegen einiger Google Vorschläge zum Thema Gartenschläger wird man die Zusammenhänge nicht verstehen .

Er ist Opfer seiner Zivilcourage geworden . Könnte auch sagen : er hatte ein Arsch in der Hose .

B208


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#1013

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.04.2016 01:43
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Ari@D187 im Beitrag #1000
Zitat von Ari@D187 im Beitrag #967
Zitat von B208 im Beitrag #961
[...][...]Es geht um die Verhältnismäßigkeit in den Abläufen .
Leichtsinn , Abenteuerlust , Vergeltung , alles möglich , aber ein Vernichtungskommando des MfS als Antwort ?? [...]

Die Untersuchungsbehörden stellten 2000 fest, daß Gartenschläger
sofort und als erster geschossen hatte. Wie, wenn nicht mit im VGH
abwartenden Kräften sollte die DDR denn sonst einem solchen Angriff
auf ihr Staatsgebiet und ihre Grenzsicherungsanlagen begegnen?

Ari


Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, daß nie gänzlich aufgeklärt wurde, auch
nicht durch die Untersuchungsbehörden in 2000 bzw. bei der Beweisaufnahme
durch das LG Schwerin, ob Gartenschläger zuerst geschossen hatte. Es wurde
auch nicht zweifelsfrei festgestellt, ob ein oder mehrere Schüsse seinerseits
überhaupt abgegeben wurden.
Besten Dank nochmals für den Hinweis. Mir war das zwar bewusst, aber ich hatte
versäumt es zu ergänzen.

Ari


Die Pistole, die er bei sich hatte, hatte bei Auffindung eine Ladehemmung, eine sogenannte Stovepipe bei der sich hier eine abgeschossene Patronenhülse zwischen Patronenlager und Auswurffenster verkeilte, und nur noch 7 Patronen im Magazin. Eine Pistole Star SI Echeverria im Kaliber 7,65 mm fasst 9 Patronen im Magazin...
Waffen dieses Typs waren bei niedersächsischen und hessischen Behörden bis 1965 im Gebrauch.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 30.04.2016 03:40 | nach oben springen

#1014

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.04.2016 05:01
von B208 | 1.335 Beiträge

Moin ,

das Fassungsvermögen eines Magazin sagt nichts über die Anzahl der sich im Magazin befindenden Patronen aus .

Ich kann ein Magazin mit einem Fassungsvermögen von 8 Patronen auch nur mit 5 Patronen laden .
Kann aber auch 9 Patronen hintereinander mit einem 8 Patronen fassendem Magazin abfeuern .

In der Zeit , in der ich regelmäßig mit einer Pistole schieße (49 Jahre ) , hatte ich nie !!! eine Ladehemmung . Auch bei meinen Kollegen auf den Nachbarständen gab es das nicht , hätte mit der Meldung " Ladehemmung " signalisiert werden müssen . Diese Meldung habe ich nie gehört .

Ich habe einmal eine Übung abbrechen müssen , da der Schlitten bei der P1 gebrochen war , sonst nie eine Hemmung .

Eine Patrone , die eine Hemmung verursacht , hat ganz markannte , unverwechselbare Spuren . Wurde diese Patrone gesichert ? Gibt es diese Patrone heute noch ? Oder Fotos ?

B208


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#1015

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.04.2016 09:58
von damals wars | 12.137 Beiträge

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, das ein Verbrecher mit einen halbvollem Magazin loszieht,
noch dazu einer, der mit so einer Umsicht handelt.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#1016

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.04.2016 10:02
von damals wars | 12.137 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #1013
[quote=Ari@D187|p539035][quote=Ari@D187|p538900][quote=B208|p538891][...][...]Es geht um die Verhältnismäßigkeit in den Abläufen .


Die Pistole, die er bei sich hatte, hatte bei Auffindung eine Ladehemmung, eine sogenannte Stovepipe bei der sich hier eine abgeschossene Patronenhülse zwischen Patronenlager und Auswurffenster verkeilte, und nur noch 7 Patronen im Magazin. Eine Pistole Star SI Echeverria im Kaliber 7,65 mm fasst 9 Patronen im Magazin...
Waffen dieses Typs waren bei niedersächsischen und hessischen Behörden bis 1965 im Gebrauch.


Kann man ne Waffe so präparieren?
Heute würde mann ne ceska pistole nehmen.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
zuletzt bearbeitet 30.04.2016 10:03 | nach oben springen

#1017

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.04.2016 10:26
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #1011
Zitat von Ari@D187 im Beitrag #999
Zitat von B208 im Beitrag #976
[...]Es gab zwei Punkte im Grenzabschnitt nördlich der Elbe , die als mögliche Abbauorte von SM70 durch M.G. vom MfS aufgeklärt waren .
Ein Ort war das Gartenschläger-Eck . Nach dem ersten erfolgreichen Abbau konnte von westlicher Seite beobachtet werden , dass zusätzliche bauliche/pioniertechnische Maßnahmen freundwärts des Zaunes errichtet wurden . Darunter auch Scheinwerfer . Ich behaupte , M.G. hätte bei einem ausgeleuchteten Grenzabschnitt sein Vorhaben nicht ausgeführt .
Die Führung der DDR hat sich aber bewusst zu einem anderen Szenarium entschieden und die Lichter blieben aus .
Angestrebt war eine finale Lösung .

B208

Wo lage denn der zweite aufgeklärte Ort?

Wenn durch die einfache Beleuchtung des Grenzknicks oder anderer aufgeklärter Orte
Gartenschläger davon abgehalten worden wäre weitere SM70 zu demontieren oder
zu zünden, dann hätte dies doch auch von westlicher Seite bewerkstelligt werden
können.

Ari


Das MfS hat den zweiten Ort aufgeklärt !
Den DDR Organen wäre es durchaus möglich gewesen die gewonnenen Erkenntnisse über den heißen Draht an der nächsten Güst an den BGS zu übermitteln .
Denn das genaue wann und wo war nicht bekannt
. Den DDR Organen schon !!

B208



Und was hätten die vom BGS; dann unternommen? Auf dem Staatsgebiet der DDR , hatten sie nichts zu melden gehabt. Denn die Straftat richtete sich nicht gegen die BRD--sondern der versuchte Anschlag galt der DDR.


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#1018

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.04.2016 10:33
von Kalubke | 2.294 Beiträge

Zum Vorfall Gartenschläger gibt es 2 Informationen der ZAIG und einen ZAIG-Bericht:

Info Nr. 276/76 vom 8.4.1976
8. April 1976
Ergänzungsinformation Nr. 276/76
über das Ergebnis der Untersuchung des illegalen Eindringens von zwei Bürgern der BRD in das Gebiet der DDR am 7. April 1976
Quelle: BStU, MfS, ZAIG 2496, Bl. 4–6 (5. Expl.).
Serie: Informationen.
Verteiler:
(Herbert) Krolikowski
– MfS: Leiter HA I,
Leiter HA IX,
Leiter BV Erfurt,
Ablage.
Vermerk: Im Dokumentenkopf (handschriftlich): »Gen[osse] Honecker wurde durch Min[ister] pers[önlich] üb[er] Tatbestand informiert«.
Verweis: Information 263/76.
Im Ergebnis der durch das MfS geführten Untersuchungen sowie der Rekonstruktion des Tatgeschehens beim illegalen Eindringen in das Gebiet der DDR und der Handlungen und Verhaltensweisen bis zur Festnahme ist festzustellen, dass den Bürgern der BRD [BRD-Bürger 1 und BRD-Bürger 2] eine feindliche Zielstellung oder provokatorische Absicht nicht nachzuweisen ist.
Die Untersuchungen des MfS ergaben, dass die Verletzung der Staatsgrenze der DDR und das illegale Eindringen in das Territorium der DDR aus Unkenntnis des Grenzverlaufes und angeblicher Unwissenheit über die Bedeutung der in diesem Grenzabschnitt deutlich sichtbaren und durch [BRD-Bürger 1 und BRD-Bürger 2] auch wahrgenommenen Grenzsäulen und -steine erfolgte.
Es wird eingeschätzt, dass die von [BRD-Bürger 1 und BRD-Bürger 2] angegebene Begründung für das Aufsuchen der Staatsgrenze, wonach [BRD-Bürger 2] den [BRD-Bürger 1] aufgrund dessen Interesses die Staatsgrenze und die Grenzsicherungsanlagen habe zeigen wollen, den Tatsache entspricht. Die Grenzverletzer kamen sofort und widerspruchslos der Aufforderung der Angehörigen der Grenztruppen der DDR zum Stehenbleiben nach und widersetzten sich der vorläufigen Festnahme nicht.
Die Untersuchungen zum Ablauf des Tatgeschehens ergaben, dass sich [BRD-Bürger 1] und [BRD-Bürger 2], die sich seit dem 5. April 1976 in Semesterferien befanden, am 6. April 1976 zu den Eltern des [BRD-Bürgers 2] nach Osterode begaben.
Am 7. April 1976, gegen 14.30 Uhr fuhren [BRD-Bürger 2] und [BRD-Bürger 1] mit dem Pkw, amtliches Kennzeichen […], über Brehmke zum Gut Vogelsang, stellten den Pkw ab und begaben sich auf den Mausberg. Danach bewegten sie sich feindwärts der Sperre ca. 1 800 m entlang eines Feldweges bis zum Festnahmeort. Während dieses Fußweges passierten sie mehrmals dort befindliche Grenzsäulen und Grenzsteine. Die Festgenommenen äußerten übereinstimmend, der Auffassung gewesen zu sein, dass man sich ungehindert zwischen den Grenzsäulen und den Grenzsicherungsanlagen bewegen und bis auf 20 m den Grenzsicherungsanlagen nähern könne und das Territorium der DDR erst freundwärts der Grenzsicherungsanlagen beginnt. Auf dem Weg bis zum Festnahmeort wurden durch [BRD-Bürger 1] mehrfach aus persönlichen Motiven heraus die Grenzsicherungsanlagen fotografiert.
Die Prüfung eines eventuellen Zusammenhangs mit der am 1. April 1976 im Raum des Grenzregimentes Schönberg erfolgten Entwendung eines Gerätes 501 bestätigte sich nicht.1 Der Grenzabschnitt, in dem sich die Grenzverletzer bewegten, ist durch einen Streckmetallzaun (ohne Geräte 501) gesichert.
In den Untersuchungen wurde bekannt, dass sich [beide] seit April 1974 durch den gemeinsam geleisteten Wehrdienst in der Bundeswehr (1. Fernmelderegiment 34 Aurich/Ostfriesland) kennen und ihre Freundschaft auch nach der Entlassung aus der Bundeswehr im Juni bzw. Dezember 1975 durch gegenseitige Besuche aufrechterhielten. Der Vater des [BRD-Bürgers 1] sei Mitglied der CDU und als Ingenieur in Bochum beschäftigt.
[Beide] sind nach eigenen Angaben politisch nicht organisiert. Durchgeführte Überprüfungen ergaben, dass beide noch keine Einreisen in die DDR durchgeführt haben.
Im Ergebnis der Untersuchungen wurden [beide] gemäß Anmerkung zum § 213 StGB (ungesetzlicher Grenzübertritt) in einem Ordnungsstrafverfahren mit einer Ordnungsstrafe in Höhe von je 50 DM belegt.
Die Rückführung von [beiden] nach der BRD erfolgt über die Grenzübergangsstelle Worbis.
Durch die Hauptabteilung Konsularische Angelegenheiten des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten wird über dieses Vorkommnis eine entsprechende Mitteilung an die Ständige Vertretung der BRD in der DDR gegeben, in der die zuständigen Organe der BRD erneut aufgefordert werden, die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen, um weitere Verletzungen der Staatsgrenze der DDR durch Bürger der BRD auszuschließen.

1 Hierbei handelte es sich um die zweite Demontage einer Selbstschussanlage vom Typ SM 70 durch Michael Gartenschläger. Vgl. Lienicke, Lothar; Bludau, Franz: Todesautomatik. Die Staatssicherheit und der Tod des Michael Gartenschläger. Frankfurt/M. 2003.

Info Nr. 328/76 vom 1.5.1976
1. Mai 1976
Information Nr. 328/76 über eine provokatorische Grenzverletzung an der Staatsgrenze der DDR
Quelle: BStU, MfS, ZAIG 2498, Bl. 1–3 (8. Expl.).
Serie: Informationen.
Verteiler:
Honecker,
(Heinz) Hoffmann,
KGB Berlin-Karlshorst (»AG«)
– MfS:
Beater,
Scholz,
Leiter HA I,
Leiter HA IX,
Ablage.
Anlage: Entwurf einer Pressemitteilung.
Verweis: Bericht O/24 vom 4.5.1976.
Am 30. April 1976 überschritt gegen 23.45 Uhr eine Person zwischen den Ortschaften Wendisch-Lieps und Bürgerhof, Kreis Hagenow, an der Grenzsäule 12.31 (GS 123 ?) aus der BRD kommend die Staatsgrenze der DDR und näherte sich der bereits 30 m auf dem Territorium der DDR befindlichen ersten pioniertechnischen Anlage, dem Streckmetallzaun.
Unmittelbar davor stieß er auf Grenzsicherungskräfte, auf die er das Feuer eröffnete.
Die Grenzsicherungskräfte machten zur Abwehr der Provokation von der Schusswaffe Gebrauch, wobei der Provokateur getroffen wurde und seinen Verletzungen erlag.1
Der tödlich verletzte Provokateur trug keine Personaldokumente bei sich, besaß aber eine Pistole, Kaliber 7,65 vom Typ »Espania/Star«, Nr. 1094483, mit der er auf die Grenzsicherungskräfte geschossen hatte. Die Waffe war gespannt und entsichert; im Magazin befanden sich noch sieben Patronen. Außerdem hatte er zwei Seitenschneider, einen Ringschlüssel und mehrere Meter Angelsehne bei sich.
Das Gesicht des Provokateurs war zur Tarnung geschwärzt, und er trug zu dem gleichen Zweck dunkle Bekleidung.
Die Identifizierung ergab jetzt, dass es sich um den vorbestraften und den Justizorganen der BRD wegen krimineller Delikte hinreichend bekannten BRD-Bürger Gartenschläger, Michael, geboren am [Tag] 1944 in Strausberg, wohnhaft: 2000 Hamburg 20, [Adresse], handelt.
Gartenschläger wurde am 19. August 1961 festgenommen und wegen Terrorhandlungen zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Am 4. Juni 1971 erfolgte seine Entlassung aus dem Strafvollzug der DDR und die Ausweisung in die BRD.
Gartenschläger hatte bereits in der Nacht vom 31. März 1976 zum 1. April 1976 und am 23. April 1976 im gleichen Grenzabschnitt schwere Anschläge auf die Staatsgrenze der DDR verübt.
Die Ermittlungen des MfS zur weiteren Klärung des Sachverhaltes werden fortgesetzt.
Anliegend ein Entwurf einer Pressemitteilung mit der Bitte um Entscheidung.

Anlage zur Information Nr. 328/76
Bewaffneter Angriff gegen Grenzsicherungskräfte der DDR
In der Nacht vom Freitag, den 30. April 1976, zum Sonnabend, den 1. Mai 1976, wurden von einem aus der BRD in das Territorium der DDR eingedrungenen Provokateur im Raum Hagenow/Bezirk Schwerin Grenzsicherungsanlagen zerstört und auf die Grenzsicherungskräfte der DDR ein bewaffneter Anschlag verübt.
Bei der Abwehr des Verbrechens wurde der Täter tödlich verletzt.
In seinem Besitz befanden sich eine Pistole 7,65 mm vom Typ »Espania/Star« mit zwei Patronenmagazinen und weitere Tatwerkzeuge.
Zur Tarnung seines Vorgehens trug er dunkle Kleidung und hatte sich sein Gesicht schwarz gefärbt.
Er hatte keinerlei Ausweispapiere bei sich und ist in dem Gebiet eingedrungen, in dem bereits mehrfach schwere Anschläge gegen die Staatsgrenze der DDR verübt worden sind.

1 Hier wird ein falscher Eindruck erweckt – Gartenschläger wurde von einem Kommando der so genannten MfS-Einsatzkompanie erwartet und quasi exekutiert. Vgl. Lienicke, Lothar; Bludau, Franz: Todesautomatik. Die Staatssicherheit und der Tod des Michael Gartenschläger. Frankfurt/M. 2003; zur juristischen Aufarbeitung in der Bundesrepublik Frost, Andreas: Michael Gartenschläger. Der Prozess. Mutmaßliches DDR-Unrecht vor einem bundesdeutschen Gericht. Schwerin 2002 und zur Berichterstattung in Westmedien Der Tagesspiegel v. 4.5.1976.


Bericht O/24 vom 4.5.1976

4. Mai 1976
Zusammenfassung westlicher Agentur-, Rundfunk- und Pressemeldungen zur Grenzprovokation und zum Tod des Grenzprovokateurs Gartenschläger
[Bericht O/24]
Quelle: BStU, MfS, ZAIG 4102, Bl. 1–8.
Serie: Ablage O (Reaktion der Bevölkerung).
Verteiler (auf Vorblatt):
Mielke,
Beater,
Scholz,
Leiter HA I,
Leiter HA IX,
ZAIG.
Verweis: Information 328/76.
1. Hinweise auf Kenntnis Bonner und Schleswig-Holsteiner Behörden von der beabsichtigten Grenzprovokation des Gartenschläger
Der DLF verbreitete am 30. April 1976 in seinem Frühkommentar von Walter Fredericia, der sich mit »möglichen strafrechtlichen Folgen« befasst, »die der Abbau von Selbstschussanlagen in der BRD haben kann«, die Meldung, dass der ehemalige DDR-Bürger Michael Gartenschläger im Verdacht stehe, im Nordabschnitt der DDR-Grenze bei Büchen »einen zweiten Selbstschussautomaten demontiert und entwendet« zu haben. Er habe schon »in der Nacht zum 30. April 1976 den ersten Automaten beschafft und dem Nachrichtenmagazin ›Der Spiegel‹ zur Untersuchung übergeben«.
Gegen Gartenschläger sei von der Staatsanwaltschaft Lübeck deshalb »ein Ermittlungsverfahren eingeleitet« worden, in dem geprüft werde, »ob ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorliegt, das heißt, ob das Mitführen eines solchen Selbstschussgerätes mit unbefugtem Waffentragen verglichen werden kann. Außerdem ist zu fragen, ob es sich um Diebstahl handelt.«
Wie der Kommentator Fredericia berichtet, hat der von ihm zu den eingeleiteten strafrechtlichen Maßnahmen befragte Schleswig-Holsteiner Justizminister, Dr. Henning Schwarz, »vor weiteren Aktionen an der Grenze« gewarnt und sie »als lebensgefährlich« bezeichnet … »Da die DDR-Behörden die unbegrenzte Möglichkeit haben, entwendete Geräte durch neue zu ersetzen«, könnten »weitere tollkühne Unternehmen dieser Art im Schussfeld der Grenztruppen durchaus nicht mehr zur Entschärfung der widernatürlichen Grenze beitragen. Eine Mutprobe sollte jedenfalls aus der Möglichkeit, DDR-Automaten zu beseitigen, nicht gemacht werden.«
DPA berichtet am 1. Mai 1976 unter Berufung auf Angaben des Bundesministeriums für »innerdeutsche« Beziehungen, dass Gartenschläger von Grenzsicherungskräften der DDR erschossen worden sei, als »er offensichtlich erneut einen Selbstschussapparat aus den Grenzanlagen der DDR abmontieren wollte … An dem Zwischenfall«, der sich bereits am 30. April 1976, gegen 22.30 Uhr ereignet habe, seien »zwei Bekannte Gartenschlägers beteiligt« gewesen, »die aber auf Bundesgebiet geblieben seien und deshalb entkommen konnten«.
Gartenschläger hatte die »beiden Freunde … zur eigenen Sicherung mitgebracht«. Einer von ihnen trug eine »abgesägte Schrotflinte bei sich«, einer der »Freunde« habe »einen Schuss aus der Schrotflinte abgegeben, nachdem er in einen Scheinwerferkegel geraten sei«. (DPA 1.5.1976, FAZ 4.5.1976)
Bei den beiden »Freunden«, die Gartenschläger begleiteten, handelt es sich um die ebenfalls aus der DDR-Haft in die BRD entlassenen Lothar Lienicke und Dieter Uebe. Lienicke hat sich mit Gartenschläger nach dessen Vernehmung in Barsbüttel getroffen und nach eigenen Aussagen mit ihm den für »diesen Tag« vorgesehenen »neuen Einsatz« geplant. (Welt 4.5.1976)
Wie der Oberstaatsanwalt von Lübeck, Oswald Kleiner, erklärte, ist »Gartenschläger noch am Freitag (d. 30.4.), wenige Stunden vorher, in Lübeck wegen der beiden schon zuvor entwendeten Todesautomaten von der Staatsanwaltschaft verhört worden. In der Vernehmung habe Gartenschläger vage Andeutungen gemacht, er wolle noch einmal ›ein ganz großes Ding drehen‹«. Anschließend sei er von der Polizei gewarnt worden, an den Ort des Geschehens zurückzukehren. Die Grenzbefestigungen seien dort inzwischen erheblich verstärkt worden. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Kleiner habe »Gartenschläger zunächst wieder einen Selbstschussautomaten entwenden wollen. Dann habe er es sich anders überlegt und einen der Automaten lediglich ›hochgehen‹ lassen wollen.« (DPA 2.5.1976, Tagesspiegel 4.5.1976, FAZ 4.5.1976)
Lt. FAZ vom 4. Mai 1976 wurde Gartenschläger von der Kriminaldirektion Lübeck gewarnt und auf die »verschärfte Situation« an diesem Grenzpunkt hingewiesen.
Gartenschläger wurde vom Staatsanwalt Hans-Rudolf Wirsich in Barsbüttel vernommen, da er der Vorladung zur Vernehmung nach Lübeck nicht Folge geleistet hatte. Am Ende der Vernehmung habe Staatsanwalt Wirsich den Gartenschläger gewarnt, als dieser seine Absicht bekanntgegeben habe, »ein ganz großes Ding zu drehen«. (Welt 4.5.1976)
Aus der Meldung der »Tagesschau« des »Deutschen Fernsehens« vom 2. Mai 1976, 20.15 Uhr, dass »nach Beobachtungen des Bundesgrenzschutzes« Gartenschläger »offenkundig von DDR-Soldaten erwartet worden« sei, kann geschlussfolgert werden, dass auch der BGS von der Grenzprovokation Kenntnis hatte.
2. Hinweise zum Tathergang1
Nach Aussagen des Lienicke fuhren Gartenschläger, Uebe und Lienicke »etwa um 21.30 Uhr in einem BMW 2800 von Barsbüttel ostwärts«. Absicht sei es gewesen, »die bei dem letzten Tatort bei Büchen versteckte Leiter zu holen«. Als sie die Leiter geholt hatten, habe Gartenschläger erklärt, er »wolle noch einmal zur Grenze vor, an die Stelle, wo er schon zweimal einen Todesautomaten geklaut« hatte und noch einen holen. Gartenschläger habe daraufhin Lienicke und Uebe auf die Plätze eingewiesen, Uebe mit der von Gartenschläger erhaltenen Schrotflinte links vom Grenzstein, Lienicke einige Meter weiter zur Beobachtung der »Nordflanke des scharfen Knicks« im dortigen Grenzverlauf. Gegen 23.45 Uhr sei Gartenschläger in Richtung Osten gerobbt. Wenn eine Bewegung auf DDR-Seite erfolgen sollte, sollte er, Lienicke, rufen: »Halt, hier ist der Zoll, kommen Sie sofort zurück!« Dies sollte heißen: Bewaffnete Organe der BRD sind zur Stelle. Aber vom BGS und Zoll sei keine Spur gewesen.
Plötzlich seien »Salven aus mindestens vier MPi-K« abgefeuert worden. Sie hätten Gartenschläger getroffen, »als er sich erheben und mit einem 20 cm langen Drahthaken und einer Angelschnur den Metallgitterzaun« habe erreichen wollen.
Es sei ohne Anruf, ohne Warnung geschossen worden. Scheinwerfer seien plötzlich aufgeflammt. Als Lienicke versucht habe, Gartenschläger zu helfen, sei er auch beschossen worden und deshalb zurückgerannt. Uebe habe aus seiner Schrotflinte einen ungezielten Schuss abgegeben. Daraufhin seien sie beide auf dem Gebiet der BRD beschossen worden. Uebe sei sogar der Meinung, die DDR-Soldaten hätten Gebiet der BRD betreten. (DPA 2.5.1976, Welt 4.5.1976)
Gartenschläger habe sich »ein paar Meter auf ostdeutschem Gebiet« befunden, als »plötzlich Scheinwerfer die Szene erhellten und Soldaten aus dem Hinterhalt mit ihren automatischen Waffen das Feuer« eröffnet hätten. Nach Schätzungen des BGS seien zwischen »120 und 140 Kugeln abgefeuert« worden. Danach hätten »Grenzsoldaten den Zaun geöffnet und den Mann weggeschleppt«. (Daily Mail 3.5.1976, DPA 1. u. 2.5.1976)
Nach Angaben der beiden entkommenen Grenzprovokateure fielen 20 bis 30 Schüsse. (Bild 4.5.1976)
Nach Meinung des Lübecker Oberstaatsanwalts Kleiner hätten »die DDR-Soldaten Gartenschläger regelrecht in einen Hinterhalt gelockt«. BGS-Beamte hätten am Sonnabend früh beobachtet, wie DDR-Soldaten aus westlicher Sicht vor den Grenzzäunen liegende Schlafsäcke abtransportierten. Die Tag und Nacht wachenden DDR-Grenzsoldaten hätten vor den Grenzzäunen gelegen und auf Gartenschläger und seine beiden »Freunde« aus unmittelbarer Nähe und ohne jegliche Warnung geschossen. Kleiner ermittelt deshalb gegen die DDR-Soldaten wegen Mordes. (DPA 2.5.1976, Welt 4.5.1976, Tagesspiegel 4.5.1976, FAZ 4.5.1976)
Soldaten der Grenzbrigade 8 hätten in Schlafsäcken, mit Nachtgläsern, die MPi entsichert, schon seit Tagen auf Gartenschläger gelauert. (Bild 4.5.1976)
3. Reaktion Bonner und Schleswig-Holsteiner Regierungskreise sowie der Bonner Opposition auf die Verhinderung der Grenzprovokation2
Der Bundesminister für »innerdeutsche« Beziehungen, Franke, erklärte: »Auch wenn bei allen guten Beweggründen der Versuch, offensichtlich erneut einen Schussapparat aus den Sperranlagen der DDR zu entfernen, nur als unverantwortliches Risiko bezeichnet werden könne, müsse das völlig unangemessene Vorgehen der DDR-Grenzorgane aufs Schärfste verurteilt werden. Der Grund der Tragödie liege ganz und gar in der Existenz der Sperranlagen, mit denen sich niemand von uns abfinden kann.« (DPA 1.5.1976)
Der am 1. Mai 1976 von der Ständigen Vertretung der BRD in der DDR dem Außenministerium der DDR überreichte Protest der Bonner Regierung richte sich nach Erklärung eines Regierungssprechers »gegen den unangemessenen Gebrauch von Schusswaffen und die Grenzverletzung durch Schüsse«. (DPA 1.5.1976, Morgenpost 4.5.1976)
Der Regierungssprecher der Schleswig-Holsteiner Landesregierung, Rathke, erklärte, die Landesregierung gebe ihrer »tiefen Abscheu darüber Ausdruck, dass trotz des Grundlagenvertrages noch immer Lebensgefahr für alle Deutschen bestehe, die sich der Grenze näherten«. (DPA 1.5.1976)
Der Schleswig-Holsteiner Justizminister, Dr. Henning Schwarz, erklärte, das tiefe Bedauern über den Zwischenfall müsse sich »aber auch auf die Unbelehrbarkeit von einzelnen Menschen erstrecken, die einfach die schrecklichen Gefahren nicht sehen wollten«. (DPA 1.5.1976)
Der stellvertretende Bonner CDU-Sprecher, Karl-Hugo Pruys, erklärte, die Bonner »Regierung werde aufgefordert, es nicht bei verbalen Protesten gegen die Unmenschlichkeit der Absperrmechanismen mitten in Deutschland zu belassen, sondern endlich auf die DDR-Behörden politischen Druck auszuüben, um zu erträglichen Verhältnissen zu kommen«. (DPA 1.5.1976)
1 Vgl. Lienicke, Lothar; Bludau, Franz: Todesautomatik. Die Staatssicherheit und der Tod des Michael Gartenschläger. Frankfurt/M. 2003.
2 Vgl. Zu den Reaktionen der Bundesregierung auf diesen und ähnliche Grenzzwischenfälle gegenüber der DDR-Regierung Dokumente zur Deutschlandpolitik. Hg. v. Bundesministerium des Innern und Bundesarchiv. Bd. 4, München 2007, Dokumente 207–211, S. 736–749, hier 744.


Ich glaube die 3. SM-70 wäre für die DDR besonders heikel geworden, weil laut L. Lienicke Gartenschläger vor hatte, sie in Bonn am Eingang der ständigen Vertretung der DDR wieder anzuschrauben und in Funktion zu setzten. Der damit verbundene absolute außenpolitische Gesichtsverlust der DDR sollte m. E. unbedingt vermieden werden.

Gruß Kalubke



Moskwitschka hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 30.04.2016 10:41 | nach oben springen

#1019

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.04.2016 11:07
von hanseatin | 145 Beiträge

Der Schleswig-Holsteiner Justizminister, Dr. Henning Schwarz, erklärte, das tiefe Bedauern über den Zwischenfall müsse sich »aber auch auf die Unbelehrbarkeit von einzelnen Menschen erstrecken, die einfach die schrecklichen Gefahren nicht sehen wollten«. (DPA 1.5.1976)


Recht hat der Mann !



Zange, Fritze und Wahlhausener haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 30.04.2016 11:08 | nach oben springen

#1020

RE: Michael Gartenschläger

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.04.2016 12:45
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #1013
Die Pistole, die er bei sich hatte, hatte bei Auffindung eine Ladehemmung, eine sogenannte Stovepipe bei der sich hier eine abgeschossene Patronenhülse zwischen Patronenlager und Auswurffenster verkeilte, und nur noch 7 Patronen im Magazin. Eine Pistole Star SI Echeverria im Kaliber 7,65 mm fasst 9 Patronen im Magazin...
Waffen dieses Typs waren bei niedersächsischen und hessischen Behörden bis 1965 im Gebrauch.

Ist dann wohl auf Verschmutzungen durch mangelhafte Pflege zurückzuführen.
Kennst Du die Quelle, in welcher die Ladehemmung erwähnt wird?

Die Waffe war laut Sachverständigem H. in einwandfreiem Zustand.
Gartenschläger soll zwei Magazine mitgeführt haben.

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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