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Grenzmuseum in Philippsthal

in Presse Artikel Grenze 03.11.2008 17:19
von Angelo | 12.397 Beiträge

Die Vorsitzende des Ortsvereins Philippsthal der Arbeiterwohlfahrt (Awo) führt ehrenamtlich Besucher durch das kleine Grenzmuseum der Marktgemeinde.
Die Ausstellung zur deutschen Teilung, die im Torbogenhaus des Schlosses untergebracht ist, erfährt auch 18 Jahre nach der Wiedervereinigung regen Zuspruch. Rund 1000 Besucher sehen sich jährlich die Präsentation an. Viele Schulkassen seien darunter, berichtet Elisabeth Herrmann. Aber auch Radfahrer, Wanderer und ganze Reisegruppen, die etwa auf dem Weg zum Erlebnisbergwerk in Merkers einen Zwischenstopp einlegen. Auch zahlreiche ausländische Gäste ziehe es in die Erinnerungsstätte.
So viel Zuspruch mag auf den ersten Blick verwundern. Denn anders als in den großen Gedenkstätten wie etwa auf Point Alpha bei Rasdorf gibt es im Torbogenhaus keine spektakulären Exponate wie Panzer oder Hubschrauber. Doch vermutlich ist gerade die fast schon familiäre Atmosphäre das Geheimnis der drei Zimmer und ein Treppenhaus umfassenden Schau. Jede Besuchergruppe bekommt eine individuelle Führung. Und dabei wird den Gästen eindrucksvoll vermittelt, was die Grenzziehung speziell für die Menschen im Werratal bedeutete: Filme schildern den Weg der Grenzbefestigungen vom Stacheldraht- zum Metallgitterzaun.

Geschenk eines Ex-Grenzers

Schautafeln, Zeitungsausschnitte und Fotos sowie Nachbauten von Wachtürmen, Grenzpfählen und einer Selbstschussanlage dokumentieren die unmenschliche Entwicklung an der Trennlinie. Uniformen und eine Bilderserie zur Grenzöffnung zwischen Philippsthal und Vacha ergänzen die Schau. Herzstück des gemeindeeigenen Museums, das einst eine Informationsstelle des Zolls war und heute von der Awo betreut wird, ist jedoch ein Sandkastenmodell, das Philippsthal und die thüringischen Nachbargemeinden vor der Grenzöffnung zeigt. Diese Modell-Landschaft helfe besonders der Nachwendegeneration, sich eine Vorstellung von der Grenzsituation zu machen, sagt Herrmann.
Die 60-jährige beklagt in diesem Zusammenhang, dass der Geschichtsunterricht heute in vielen Schulen beim zweiten Weltkrieg ende: „Die Teilung ist doch auch ein wichtiger Teil unserer Geschichte.“ Doch nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch bei Erwachsenen herrsche mittlerweile viel Unwissen über die deutsche Teilung. Besucher aus Baden-Württemberg hätten einmal gar nicht glauben wollen, dass solcher Aufwand von der DDR-Führung zur Grenzsicherung getrieben worden sei.
Einen Besuch hat die Philippsthalerin in besonderer Erinnerung behalten: Ein ehemaliger DDR-Grenzer, der in Vacha eingesetzt gewesen sei, habe die Ausstellung angesehen und als Geschenk einen Kalender der Nationalen Volksarmee der DDR von 1990, dem Jahr der Wiedervereinigung, übergeben. Der hat jetzt einen Platz in einer der Vitrinen bekommen.
Das Grenzmuseum kann nach Voranmeldung bei Elisabeth Herrmann, Telefon (0 66 20) 14 32, oder der Gemeindeverwaltung, (0 66 20) 92 100 besichtigt werden. Die Führung dauert etwa eine Stunde und ist kostenlos.


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