#1

Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 06:23
von Angelo | 12.396 Beiträge

Ich würde gerne mal von den Grenzsoldaten wissen was man denn so im Nachtdienst im Wachturm gemacht hat,gab es feste Aufgaben Nacht Katalog ? Und was hat man gemacht in der Zeit wo nichts zu tun war ?


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#2

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 08:48
von Pille | 71 Beiträge

Bei uns,GK Erbenhausen (GR Dermbach),war es schon eine Belobigung,wenn man auf einen B-Turm klettern durfte.Nachts durften wir überhaupt nicht hoch,da man eh nichts sah und im Fall der Fälle doch eine nicht ganz geringe Zeit brauchte um wieder herunter zu klettern und z.B. zur Abrieglung zu gelangen.
Tagsüber brauchte man schon einen gut gelaunen KGSi,der einem die "Aussicht von oben" genehmigte.Natürlich gingen wir auch manchmal ohne Genehmigung hoch,um uns vor schlechtem Wetter zu schützen,die darin befindlichen sogenannten Bahnheizkörper zum Aufwärmen unserer Postenverpflegung zu verwenden,um besseren Radioempfang zu haben (natürlich Bayern 3 oder Antenne Bayern) oder um einfach um die Aussicht zu geniessen.Bei einem B-Turm (in Melpers) kletterte ich mal auf das Dach und schraubte die 1000 Watt-Glühlampe aus dem Scheinmwerfer.Das Teil nahm ich dann mit nach hause,arrangierte darin ein paar Kunstblumen und installierte eine kleine Lampe darin.Das "Schmuckstück" habe ich immer noch!


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#3

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 08:54
von rustenfelde | 676 Beiträge

Ja, es war zwar verboten, nachts auf einem BT aufzusitzen. Aber gerade das Verbotene ist ja gerade so
spannend!
Wo sollten wir denn sonst unsere Schaschliks auf den Bratspieß stecken und dann grillen?

Gruß RF


"Ich weiß nicht, dass ich jemals von der zauberhaften Schönheit eines Erdfleckens so innerlichst berührt worden wäre."
Theodor Storm über das Eichsfeld (1856)


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#4

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 08:59
von rustenfelde | 676 Beiträge

Übrigens, dass Bild links neben meinem Beitrag ist der besagte BT (10.Station), wo dann unsere "Grillabende" stattfanden.

Gruß RF


"Ich weiß nicht, dass ich jemals von der zauberhaften Schönheit eines Erdfleckens so innerlichst berührt worden wäre."
Theodor Storm über das Eichsfeld (1856)


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#5

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 09:47
von S51 | 3.733 Beiträge

Nachtdienst auf dem B-Turm hatte ich nur während meiner Zeit als Gruppenführer im Abschnitt Stapelburg. Eine Art Tätigkeitskatalog gab es nicht. Gucken, nichts übersehen und gegebenenfalls melden. Das war eigentlich der ganze Dienstauftrag. Dazwischen zur KS runter und auch wieder rauf. Wenn keine 501 auslöste war es die ganze Schicht ein nahezu unveränderlicher Anblick. Manchmal hat man sich mit dem Posten unterhalten, manchmal war man ruhig. Schließlich kann keiner ununterbrochen quasseln. Es ist ein absolut unbewiesenes Gerücht, dass der Posten am Morgen gut ausgeschlafen war.
Am Tage war ich auch später öfter auf dem B-Turm. Besonders oft im Abschnitt Schierke gegenüber dem Schanzenauslauf auf dem Winterberg gegenüber dem Wurmberg. Da ging es um Fotodokumentation und man hatte gut zu tun.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#6

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 11:11
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Pille
Natürlich gingen wir auch manchmal ohne Genehmigung hoch,




Waren die Türen nicht Kontakt gesichert? Hätte doch dann auffallen müssen oder täusch ich mich da jetzt?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#7

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 11:26
von Rostocker | 7.721 Beiträge

Zitat von Feliks D.

Zitat von Pille
Natürlich gingen wir auch manchmal ohne Genehmigung hoch,




Waren die Türen nicht Kontakt gesichert? Hätte doch dann auffallen müssen oder täusch ich mich da jetzt?



---------------------------------------------------------------------------------------
Zu meiner Zeit gab es keine Kontaktsicherung an den Türen der BT.Im Gegenteil manche ließen sich nicht mal richtig schließen.Mußte man von innen noch verkeilen damit es da oben nicht so zog.


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#8

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 11:27
von rustenfelde | 676 Beiträge

Man war ja lange genug dabei, und Not (Kälte) macht ja bekanntlich erfinderisch.

Gruß RF


"Ich weiß nicht, dass ich jemals von der zauberhaften Schönheit eines Erdfleckens so innerlichst berührt worden wäre."
Theodor Storm über das Eichsfeld (1856)


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#9

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 11:29
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

danke @Rostocker, dann war dies also erst später so


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#10

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 11:42
von Rostocker | 7.721 Beiträge

Zitat von Feliks D.
danke @Rostocker, dann war dies also erst später so


------------------------------------------------------------------------------------
Naja war mitte der 70er Jahre,da gab es wo ich diente im Norden.Überwiegend die alten BT 11 die mit der runden Kanzel und ebend die Füst.


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#11

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 11:51
von werraglück | 679 Beiträge

Hi,

wir durften nicht auf den B-Turm im Nachtdienst...auf der Füst hätte sonst ein Arlarm ausgelöst...


"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Ge­genwart nicht verstehen und die Zukunft nicht ge­stalten"

ROMAN HERZOG
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#12

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 12:29
von dackel | 25 Beiträge

es gab kaum türme die nachts besetzt waren, höchstens die an der lichtertrasse.
dort hätte unten bleiben keinen sinn gehabt. ansonsten war man nachts lieber unten, ist rumgelaufen und hat sich stündl. mal gemeldet. da verging die zeit viel schneller.


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#13

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 12:45
von Rostocker | 7.721 Beiträge

Zitat von dackel
es gab kaum türme die nachts besetzt waren, höchstens die an der lichtertrasse.
dort hätte unten bleiben keinen sinn gehabt. ansonsten war man nachts lieber unten, ist rumgelaufen und hat sich stündl. mal gemeldet. da verging die zeit viel schneller.


.......................................................................................
Da geb ich Dir recht Dackel.Hab mir von der Füst auch immer Grenzstreife geben lassen,wenn das Wetter mit spielte,So hatte man sich mal mit den Nachbarposten getroffen,war natürlich vorher schon abgesprochen gewesen.Oh-wenn das so mal ein GV wüsste,die hätten mit einen ganzen Möbelwagen durchfahren können.


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#14

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 18:00
von Roland 87 | 215 Beiträge

Bei uns im Abschnitt gab es nur 3Wachtürme.Der auf der Winterliethe war nie besetzt, war in den ganzen Jahr nicht einmal oben.Man hätte auch nicht viel gesehen.Er war verschlossen genau wie der am Tor 11,gesichert mit Kontaktschalter.Der andere bei Tor 19 hatte keine Tür und somit jeder Zeit begehbar.
Nutzten ihn bei schlechten Wetter als Unterschlupf.
Übrigens der auf der Winterliethe steht jetzt noch.
Anders bei der A-Gruppe, dort wurde zum Abendbrot z.B.Karlsbaderschnitte gemacht.Man bestellte bei der
Küche Brötchen,Salami und Schnittkäse(ging nur wenn ein Uffz oder unser Zugführer Dienst in der Führungsstelle hatte).Man stellte die Alubemmbüchse auf den Eisenbahnheizkörper und überbackte somit
seine Brötchen.Nächsten Tag wunderten die sich in der Küche, warum die Bemmbüchsen von aussen schwarz
waren.Gutes essen ,viel Kaffee und gute Musik(B3 oder RIAS)da konnte man es aushalten.War natürlich nicht die Regel.
Gruß Roland



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#15

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 19:55
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Angelo
Ich würde gerne mal von den Grenzsoldaten wissen was man denn so im Nachtdienst im Wachturm gemacht hat,gab es feste Aufgaben Nacht Katalog ? Und was hat man gemacht in der Zeit wo nichts zu tun war ?

Also wir haben auch mit dem Cora viel Radio (NDR2) gehört,Schiffe versenken gespielt oder Offiziersskat.
Zum Radio hören hatten wir immer ein Mikroschalter zwischen GMN-Hörer und Dose.
Kennt das jemand von euch auch noch?
So war man immer auf Empfang,konnte aber in der Führungsstelle nicht gehört werden.
Wurde man von dieser nun angerufen,schaltete man das Radio aus,drückte den Taster am Mikroschalter und konnte sprechen.
Ließ man den Taster los,konnte man wieder hören.War nicht schlecht das Ding.
Oft wurde auch gegrillt bzw.gebrutzelt und zwar in den Blechbrotdosen,die auch alle künstlerisch verziert waren.
Dazu nutzten wir immer den Klappkocher mit den Spiritustabletten.
Den Geruch von den Tabletten habe ich heute noch in der Nase.
Das säubern in der Kompanie war dafür ne Strafe für das 2.Diensthalbjahr bzw.die "Patenkinder".
Denn die mußten immer für ihre "Patenonkel" die ganze Postentasche säubern.(Dose,Thermoskanne,etc.)
Natürlich wurde auch sehr viel "abgemattet",dazu hatten wir immer Sitzkissen mit im Grenzdienst,war ne Art Miniluftmatratze für den "Allerwertesten" und kam besonders gut im Winter.
Oder es wurden auch oft Postentreffen veranstaltet ( in beide Richtungen ).
Außerdem wurde viel gelesen oder gerätzelt.
Einige bastelten im Grenzdienst oder verzierten so manche Wurzel oder Baum.

Unsere Türme waren nie verschlossen und es gab auch keine Türkontaktschalter.
So was hörte bzw. lass ich heut zum ersten mal.
Was die sich aber auch alles einfallen ließen!
Aber unsere BT 11-Türme waren auch in einem desolatem Zustand.
Viele Fenster ließen sich nicht schließen oder öffnen,teilweise fehlte das Glas in den Fenstern und die Türen waren auch nicht die besten.
Die Heizungen waren auch immer außer Betrieb (Bahnheizkörper)
Aber man war froh,wenn man zum Grenzdienst an einem Turm eingeteilt wurde.
Natürlich waren wir auch Nachts oben.
War immer noch besser,als mit dem Regenumhang und einer Kerze unterm Arsch irgenwo in der Walachei rumzuhocken.
Unser BT-9 war dafür gut in Schuß,Fenster,Heizung,Türen,Scheinwerfer....alles i.O.

Gruß ek40


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#16

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 20:01
von manudave (gelöscht)
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Gab es da überhaupt mal ein wenig Abwechslung von außen?
Meinetwegen eine Streife des BGS oder sowas?
Ich stelle mir das unglaublich langweilig vor...


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#17

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 20:03
von Zermatt | 5.293 Beiträge

War bestimmt oft langweilig,so eine Nachtschicht im BT. Und hat man nichts zu tuen,vergeht
die Zeit im Schneckentempo.



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#18

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 20:16
von maja64 (gelöscht)
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EK 40,kenne das auch nicht mit dem Türenkontakt,kam erst nach meiner Zeit.
Aber das es eingeführt wurde genauso wie die Entriegelung des GSZ-Tores von der FÜST aus,daran waren wohl zwei ehem. Stedtlinger Soldaten auch mit Schuld,die sind mal kurz "rüber".






P.S. Ich habe das Sicherheitsschloß am GSZ-Tor öfters mit dem Taschenmesser geöffnet.


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#19

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 20:32
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von manudave
Gab es da überhaupt mal ein wenig Abwechslung von außen?
Meinetwegen eine Streife des BGS oder sowas?
Ich stelle mir das unglaublich langweilig vor...

Hallo manudave und zermatt,

es war in der Tat oft sehr langweilig und die Abwechslung hielt sich in Grenzen.
Wie gesagt,die Abwechslung bestand aus (verbotenen) Postentreffen,bei GSZ oder Minenauslösung K2 oder K6 ablaufen.
Manchmal kamen auch die Jungs von BGS oder Zoll.Da wurden dann Spielchen gespielt.
Wir mit unserer 3-Farben Taschenlampe und sie mit ihren Rückleuchten.
Es gab z.B.Rotlicht......
Aber diemeiste Zeit in der Nacht war öde und langweilig.
Deshalb wurde ja viel geschlafen...
Am Tage kamen wenigstens noch Zivilisten und oft die Britische Rheinarmee.
Das Geräusch von der Bell-UH-1D und der Alouette hab ich auch immer noch im Kopf.
Die Engländer standen oft bei der Güst Bergen/Dumme-Salzwedel.


ek40


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#20

RE: Nachtdienst im Wachturm an der Grenze

in Grenztruppen der DDR 14.01.2010 20:34
von Jens | 280 Beiträge

Hallo zusammen,
gut das ich an der Berliner Mauer war. Wenn ich Euch so höre,wie es an der grünen Grenze war.
Es wird ja gern geschrieben, das es in Berlin eine Lehrgrenze war. Gebe ich gern zu, denn ich kann es mir nicht richtig vorstellen, früher nur wenige Leute im Abschnitt zu haben.Wir hatten da bedeutend mehr Kräfte im Einsatz.
Nachtschicht war eine gute Schicht. Man hatte Ruhe von den Vorgesetzten, auch stellenweise seinen Schlaf gehabt.
Besonders nach Mitternacht war sowieso Ruhe zwecks Radio (Kantenbox).
Unsere Türme waren eigentlich Nachts immer besetzt, außer es war Nebel usw.
Wenn ich daran zurück denke, eigentlich waren das schöne Zeiten.
Gruß Jens


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