#121

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 12.02.2009 19:41
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Wolfgang und alle anderen da hatte ich ja den richtigen Riecher was Dien Bien Puh und deinen Vater betraf. Dazu noch einmal drei Sätze aus dem schon genannten Buch im Text vom 8.2.09 wo ich mir beim lesen die Frage "warum" gestellt habe, warum die letzte..... . Textauszug: Am ersten Januar 1954 wird die letzte Infantrie-Einheit der Franzosen in die Festung D.B.P. eingeflogen. Es ist das 5. Bataillion des 7. algerischen Schützenregiments. Die Maschine kann bei der Landung gerade noch mit Mühe dem Sperrfeuer der Fliegerabwehrkanonen entgehen. Beim lesen erinnerte ich mich an die Szene im Film siehe o.g. Text und zog ihn mir noch einmal rein. Und jetzt kam die Antwort die der französische Hausherr an der Abendtafel wie folg zitiert: Die Generale und die Obersten wollten nicht glauben das die Vietminh die Kanonen den Berg hinauf schleppen können, aber sie konnten. Und dann,dann haben sie gewartet, auf den Regen! Wenn Regen fällt können die Flugzeuge nicht mehr dort landen, und unsere Fallschirmjäger sprangen aus 90 Metern, nein 70 Metern Höhe ab, ich meine das ist verrückt, kein Mensch auf der Welt kann das! Da hatte ich meine Antwort, es war dieser Monßunregen mit seinen wechselnden Land und Seewinden, so wie es in Stalingrad die eisige Kälte, der viele Schnee, eben der russische Winter war. Deswegen dieser Vergleich mit Stalingrad über den du schon geschrieben hast. Denn schon große Armeen sind am Heimvorteil kleiner Völker gescheitert, ihrem Wissen um die Natur, das Gelände siehe dem Dschungel u.a. simple Gegebenheiten. Ein gutes Beispiel schon vorneweg in der Geschichte Napoleon und sein Russlandfeldzug. Und genau so sehe ich das in Afghanistan heute, der Amerikaner und seine Getreuen werden sich auch hier die Zähne ausbeisen obwohl ich kein Freund der Taliban bin. Wie hat der Franzose am Ende dieses emont. Abends zu Kapitän Villart gesagt: Aber ihr Amerikaner kämpft für das Abenteuerlichste Nichts auf dieser Erde. Eine kleine Ergänzung noch zu den Stützpunkten mit den schönen Frauennamen, denn über Beatrice, der fällt am 13. März, dem ersten Tag des Angriffs auf D.B.P. hattest du schon geschrieben, Gabriele fällt am 15. März 1954, ab 17. März Fla-Stellung der Vietminh, Annemarie ebenfalls am 15. März, über alle anderen, Dominique, Ellinane, Claudine, Francoise, Huguette, Junon ist nichts vermerkt. Und Isabelle war die letzte die fiel aber darüber hattest du schon geschrieben. Zu den bereits zitierten Fallschirmjägern steht noch Textauszug: Absprung des 6. Kolonielfallschirmjägerbataillions unter Major Bigeard am 16. März, des weiteren der Reserven unter Hauptmann Bizard am 24. März 1954. So hatte sich wohl das Weib über das ich im Text vom 8.2.09 gechrieben hatte am Ende den Vietminh geschenkt und er hatte es sich ehrlich verdient, denn die Zahl seiner Opfer in diesem Kampf ist nirgendwo vermerkt.

Gruß

Rainer-Maria


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#122

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 14.02.2009 15:44
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo alle zusammen eine kleine späte Berichtigung noch für das Zitat aus dem Satz des Franzosen gegenüber Capt. Willard im Film Apocalypse Now (Redux) von Francis Ford Copolla zum Text vom 12.2.09. Richtig muss es heisen: Während ihr Amerik., ihr kämpft für das Abenteuerlichste Nichts in der Geschichte. Ein kleiner Hinweis noch: der Film läuft heute Abend auf Kabel eins 22.35 Uhr. Wer den Anfang und das Ende übersteht, denn sie sind etwas langatmig wird den Rest um diese späte Sendezeit nicht bereuen. Und Männer, schöne nackte Frauen neben intelligenten Texten kommen auch darin vor, also nicht nur Mörsergranaten, lebensmüde Vorgesetzte, durchgedrehte Soldaten und den ganzen Schmutz des Vietnamkrieges! Aua..., entschuldigt, es war gerade meine Frau mit der Bratpfanne. Das ist für die nackten Frauen meinte sie und ich soll mir kein Beispiel an ehemaligen Scheidungskandidaten wie Rainman und Schwerenötern wie Peter mit den vielen Messemädchen in Leipzig nehmen. Dabei hatte ich im Thraid "Leben in der DDR/Scheidung und Adoption" überhaupt nichts geschrieben, aber ich hab meine Frau beruhigt wir borgen uns mal bei Susanne (Elbgrenze 24.9.08) diesen Erotikfilm über Pfeiffers Weinstuben aus.

Schön Samstag noch

Gruß

Rainer-Maria


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#123

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 14.02.2009 18:00
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Rainer-Maria,
Also mein Freund mit Deinem Beitrag zwingst Du mich ja fast zu reagieren! Mit den Messemädchen war das ja nicht nur zum Vergnügen! Es diente auch der der Ost-West Verständigung, brachte Devisen ins Land und kam daher der Volkswirtschaft zugute! Damit habe ich also meinen persönlichen Beitrag zum Wohle der Republik geleistet .Das verdient im Nachhinein noch eine Würdigung als Förderer zwischenmenschlicher Beziehungen DDR-BRD. Das es auch einer Entspannung diente muss ich nicht erst erwähnen,oder sehe ich das verkehrt?!
Zum Film „ Erotisches über dem Weinhaus Pfeiffer“ ist es immerhin Wert darüber nachzudenken diesen bei den nächsten Leipziger Kurzfilmwochen im Capitol zu zeigen. Deine Susanne könnte da das Programmheft verkaufen und vielleicht noch einiges über die Filmfirma „ Horch und Greif“ erzählen. Tschüss Dein Freund Peter(Turtle)


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#124

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 14.02.2009 19:14
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Einer ein schwererer Schwerenöter als der andere Schwererereschwerenöter Autsch, das war zuviel.

... bestimmt sitzt Ihr Beide heut abend "zeitgleich" (Synchrongieren) mit diesem Gesichtsausdruck vor der Glotze!


Schönes Wochenende noch ...


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#125

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 15.02.2009 11:48
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Peter (Turtle) als ich das letzte mal in Leipig war, es ist schon eine Weile her gab es das Capitol dieses Kultkino nicht mehr. Irgendein Konsumtempel hat dort innen neu gebaut natürlich unter Beachtung des Denkmalschutzes so das die Fassade und andere Teile noch vorhanden sind. Die Innenstadt ist aber noch schöner geworden, nur den Passagen fehlt das alte Flair durch die neumodischen Umbauten. Die Randgebiete, so der Leipziger Osten , da sieht es stellenweise schlimm aus! Das liegt aber jetzt nicht mehr am realexistierenden Sozialismus so wie Wolfgang mal die Bruchbuden in irgend einer Stadt der alten DDR beschrieben hatte sondern...., aber ich will das hier nicht näher erläutern. Sie bauen jetzt eine U-Bahn in der City für eine Strecke von drei Straßenbahnhaltestellen statt das Geld in die Vorstädte zu stecken so ein Wahnsinn. Susanne hat mich gefragt wer denn der junge Kerl in den Super 8-MM Film ist der die komischen Verenkungen macht, sie wollte schon ihre Nahbrille suchen fand sie aber nicht gleich. Ich meinte es ist ein Seemann, na so sieht er auch aus sagte sie so braun gebrannt und muskelös.... . Entschuldige Peter, vor lachen konnt ich nicht gleich weiter schreiben aber Thema abgelegt. Ich werd mich mal in diesem Thread "Zögern sie nicht auch nicht vor Frauen und Kinder" mit reinhängen und zwar die Rolle der Opfer ansprechen bzw. beleuchten. Ihre Verantwortung gegenüber den damaligen Gesetzen der DDR anfragen. So das nicht immer der kleine Grenzsoldat als der Dumme da steht, der dann ausbaden musste wo für Die, die mit den Kopf durch die Wand/den Zaun wollten keinerlei Gewissensbisse hatten. Es dauert aber noch eine kleine Weile, vielleicht bringt sich dann auch wieder Galaxy mit ein aber ich weis jetzt schon was von dir kommt: Lass Ihn bloß in ruhe!
Solltest du den Film gestern gesehen haben und da ich doch so gerne Filmfiguren annehme ich war der französische Gastgeber dieser Tafelrunde.

Einen schönen Sonntag dein Freund

Rainer-Maria


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#126

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 16.02.2009 14:13
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Rainer-Maria,
Ich glaube ich sollte bald einmal nach Leipzig fahren ,da muss sich vieles seit meinem letzten Besuch 1994 vieles verändert haben .Wie Du schreibst(Leipziger Osten) nicht alles zum Vorteil.
Über den U-Bahn Bau Hauptbahnhof-Bayericher Bahnhof habe ich gelesen Da denke ich wie Du, im Moment müsste man diese finanziellen Mittel anders einsetzen, da gibt es Wichtigeres.
Nun wieder zu ersthafteren.Wie ich Deinen Zeilen entnehme ist der eigentlich Böse der Flüchtling gewesen,welcher die DDR Gesetze missachtete und die lieben Grenzsoldaten in Gewissensnöte und in Gefahr brachte.Ich denke es liegt an meinem Altersstarrsinn das ich das immer noch anders sehe und das bei weitem höhere Risiko und die größere Gefahr auf Seiten des Flüchtlings sehe. Soll ich jetzt schreiben, lieber Grenzsoldat entschuldige dass ich Dich in diese Situation gebracht habe und Du mich erschießen musstest! Es tut mir Leid das Du armer Grenzsoldat nun eventuell seitdem psychische Probleme hast.Nein lieber Grenzsoldat mach Dir keine Vorwürfe alles war allein meine Schuld, ich habe gegen das Gesetz verstoßen und nicht Du!
Dein Handeln war so absolut in Ordnung.Wenn Du oben bei mir ankommst gebe ich Dir einen aus!
Ich habe Dir gegenüber viel gutzumachen.Nein Rainer-Maria da haben wir verschiedene Standpunkte. Aber Freunde dürfen sich ja die Meinung sagen auch wenn es nicht die des Anderen ist. Grüße Dein Freund Peter(Turtle)


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#127

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 16.02.2009 16:15
von Rainman2 | 5.763 Beiträge
Hallo Rainer-Maria! Hallo Peter (Turtle)!

In Eure Grenztruppenpolemik hänge ich mich nicht rein, macht das in der Form mal miteinander ab.

Aber als alter Leipziger seien mir noch ein paar Worte gestattet. Ein sehr schöner Satz zum Zustand Leipzigs könnte lauten: Ja, den Häusern geht es gut. Nachdem mir selbst zwei Wohnungen in Leipzig unterm Arsch weggefault sind, sehe ich dieses Kapitel der Überarbeitung Leipzigs durchaus mit Wohlwollen. Allerdings hat Leipzig jegliches Flair verloren, den es als Messestadt mal hatte. Vor ein paar Jahren fragte mich meine Mutter, ob ich mir vorstellen könnte, nach Leipzig zurückzukommen. Ich sagte, dass ich mir das eher nicht vorstellen kann, da Leipzig zu provinziell geworden ist. Da hat sie mich fast enterbt. Inzwischen war sie oft genug in Berlin, hat die Vergleiche anstellen können und gibt mir recht. Das Verlegen der Messe aus der Stadt heraus, war der Todesstoß für die Weltoffenheit Leipzigs. Ich sehe diese Entwicklung mit sehr viel Schmerz. Das alte Leipzig meiner Kindheit war hässlich und verfallen, aber es war in gewisser Hinsicht eine Weltstadt. Heute ist es nur eine deutscha Stadt unter vielen. Genug davon.

Zu dem Tunnelprojekt. Ganz blöd war die ursprüngliche Idee mal nicht. Es ging nicht nur um eine U-Bahn. Es sollte eine Nord-Süd-Achse für die Bahn entstehen, die das Umfahren Leipzigs bei der Einfahrt in den Bahnhof überflüssig macht. Das wäre durchaus sinnvoll gewesen, wenn die Bahn voll mitgezogen hätte. Hat sie aber nur anfangs. Dann stellte man fest, dass man das für die ICE's doch nicht braucht und so ging das weiter. Inzwischen sollen da ein paar Regionalbahnen und eben die U-Bahn fahren. Das Ganze schien nach dem Motto zu laufen: Rein muss er, auch wenn's weh tut, die Hochzeit war zu teuer. Inzwischen stehen Aufwand, Nutzen und vor allem Risiko in keinem Verhältnis zueinander. Leipzig ist eine schwimmende Stadt, sie wurde auf dem Sumpf und Morast einer Auenlandschaft gebaut. Legt man da Teile trocken, sackt der Boden weg. Und so geschah es ja bereits, als sich auf einer Straße urplötzlich ein größeres Loch auftat. Das Projekt wurde sowohl zu Adolfs Zeiten, als auch in der DDR geprüft, angefangen und wieder verworfen. Nun ist es Tiefensees letzte Rache.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 16.02.2009 16:17 | nach oben springen

#128

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 15.03.2009 13:13
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Peter (Turtle) ein Sonntag vor 14 Tagen in Elbgrenze hätte uns bei nahe die Freundschaft gekostet. Wie hattest du geschrieben: „Bevor zwischen uns der Kalte Krieg ausbricht“ da fiel mir die Elbbrücke bei Torgau ganz am Anfang unserer Korrespondenz ein denn die jungen Männer, dieser Sowjetsoldat und der Amerikaner von 1945 blieben Freunde bis hin ins hohe Alter, egal was da anschließend noch hinterher kam. Aber zum Thema, man findet relativ wenige selbstkritische Beiträge über das Westdeutschland vor 1990, hier ist einer vom ND 13.1.09 über deine jetzige Heimatstadt den ich unten angefügt habe. Ich musste so schmunzeln über die „maroden Häuser, Wohnungen ohne Bäder“ und dachte dabei an meine Altbauausbauwohnung in Leipzig mit Bad und Innentoilette für 50 DDR-Mark Monatsmiete. Aber denke nicht dein Freund sucht den Kümmel im Käse, es geht ihm eher um die Faire Betrachtungsweise wie ich es einmal in „Die Wende“ vom 21.2.09 geschrieben habe, diese Liste der Gegenüberstellungen die dort aufgeführt sind. Ein schönen Sonntag noch auch allen anderen im Forum dein Freund


Rainer-Maria


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#129

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 15.03.2009 14:00
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Rainer-Maria,
Ich staune immer wieder woher Du Material zu Deinen Beiträgen herzauberst! Respekt! Jede größere Stadt hat oder hatte Viertel welche nicht gerade eine Vorzeige Adr .war. Es gibt sie immer noch diese Bruchbuden ohne Bad und Innentoilette, wenn auch nicht in diesem Umfang wie damals in der DDR! Im Westen war auch nicht alles Gold was glänzt. Zum Glück konnte ich mir immer eine etwas bessere Wohnung leisten. Das Schanzenviertel ist wirklich heute sehr interessant man trifft tolle Typen zum unterhalten! Bei uns bricht nicht der kalte Krieg aus. Was uns bedrückt sagen wir. Wir akzeptieren auch die Einstellung des Anderen oder entschuldigen uns wenn wir es für richtig empfinden. Einen Wächter brauchen wir dafür nicht! In diesem Sinn auf nach Eisenach. Ich freue mich auf unserer erstes anstoßen in der Runde . Schönen Sonntag noch Dein Freund Peter(turtle)


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#130

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 16.03.2009 19:58
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Peter ( turtle) ich hatte es in einem Text bei Kyra schon einmal geschrieben , das mir ein guter Freund der an der Quelle sitzt überregionale Tageszeitungen kostenfrei überlässt .Die andere Seite ist die Zeit um sie durchzusehen um das interessanteste heraus zu filtern gerade hier für das Forum . Der Nachschub geht also für die nächste Zukunft erst einmal nicht aus. Unser geliebtes Leipzig hatte natürlich auch sein Szeneviertel nach 1990 bekommen, den Leipziger Süden besser bekannt unter Connewitz. Hausbesetzungen waren da am Anfang eine beliebte Alternative, um kostenfrei zu wohnen und der ältere Exnazi oder der Jude, ersterer nach 1945 und zweiter vor 1933 geflüchtet brauchten erst eine Weile, um ihre Besitzansprüche geltend zu machen. Welche Ironie der Geschichte Peter, anschließend wohnten die Enkel der oben genannten Fenster an Fenster wieder nebeneinander! Als sie dann die jungen Leute herausgeschmissen hatten gingen die anschließend zum Connewitzer Kreuz und bauten dort Barrikaden, der Dumme war der Staatsdiener Polizist oder er ist es noch der sich mit ihnen in schöner Regelmässigkeit herumschlagen muss. Wie hatte ich einmal, nein öfters dem anderen Peter geschrieben, dieses Land dreht sich im Kreis, wie die Brummkreisel mein Freund was habe ich diese Dinger geliebt und der Ton dabei klang angenehmer wie eine Polizeisirene. Mit Eisenach lass mich da erst einmal vor Ort fahren um aufzuklären wie Rainman so schön geschrieben hatte, es ist ja auch noch eine Weile hin und die Zimmerpreise werden sich doch im Krisenjahr 2009 nicht groß nach oben bewegen. Außer die zehn Millionen Arbeitslosen wollen ihre Thesen bzw. Petitionen auf einmal auf die Wartburg bringen, weil sie denken da oben sitzt ein neuer Martin! Angela bäckt ihn bestimmt gerade, jetzt muss ich schon wieder lachen Peter wenn das Leben nicht so Ernst wäre.
Dein Freund Rainer-Maria


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#131

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.03.2009 11:19
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Rainer-Maria,
Beim lesen von Connewitz dachte ich doch wieder zurück an meine Leipziger Zeit. Ich habe einmal 3 Jahre am Connewitzer Kreuz gewohnt! ( Anfang Fritz Austel Str.) Meine Schwester wohnte bis 91 in der Gustav Freitag Str. Es war eine ruhige Gegend. Na und im „Haus Connewitz“ (bei Schorchl) konnte man mich auch öfters antreffen! Leider konnten einige nach der „Wende“ mit ihrer neuen Freiheit nicht viel anfangen,und der Respekt vor der Obrigkeit war verloren! Ich konnte mir ein schmunzeln nicht verkneifen wegen Deiner Feststellung wer später wieder Tür an Tür wohnte! Aber es ist schon in Ordnung wenn in unserem Staat die Rückübereignung keinen Unterschied machte wessen Enkel die neuen Eigentümer waren! Was dem Einem……………….! Ja mein Freund mach mal den Aufklärer für unsere Truppe in Eisenach! Ich glaube aber nicht das die vielen deutschen Michels neue Petitionen oder Thesen zur Wartburg bringen. Luthers Zeit ist vorbei und so leer sind die Bäuche auch nicht! Ein neuer Messias wird’s schon richten, und alles wird gut in Deutschland. Leider findet er bisher nicht den Weg zu uns! Aber Träume sind nicht verboten! Machs gut und viele Grüße Dein Freund Peter(Turtle)


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#132

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 17.03.2009 11:52
von Rainman2 | 5.763 Beiträge
Hallo Rainer-Maria,

bei der Vorstellung, dass unsere Bundesangela einen neuen Martin L. bäckt, schießen mir aus irgendwelchen Gründen Tränen in die Augen. Ich bin noch dabei, das zugehörige Basisgefühl zu orten. Nur soviel: Ich weiß nicht, ob Du Dich erinnerst, dass Angela als Umweltministerin, nach möglichen radioaktiven Unfällen befragt, mit einem ziemlich "eingängigen" Vergleich kam. Das sei wie beim Backen, da könne auch mal was schief gehen. Bei ihrem nächsten Auftritt wurde sie prompt mit Backpulver beworfen. Damals dachte ich noch: Recht so! Heute, nach Deiner Bemerkung und Turtles Vertiefung ("Messias"), erkenne ich den Weitblick dieser Frau. Ich meine, Martin L. war ja kein Leichtgewicht. Da braucht es schon eine Menge Backpulver ...

Connewitz ... ach ja. Meine Eltern lebten eine ganze Zeit lang in der Fockestraße, direkt am Fuße des Fockeberges. Das Haus hatte im Krieg einen Bombentreffer erhalten. Man hatte nicht alles wieder original aufgebaut, sondern zum Teil neue Wände um die Bombenschäden gezogen. Noch nach einem Jahr habe ich mich im Labyrinth des Flures verlaufen. Die Rückübertragungen kann ich nicht ganz so mit sonnigem Gemüt betrachten, wobei mir die Enkel derer ... das kleinste Problem sind. Die Rückübertragung nach mehr als 40 Jahren bedeutete zum einen, dass Leuten etwas weggenommen wurde, und von denen kannte ich mehr, als von denen, die etwas zurück bekamen. Zum Anderen sorgte das Prinzip "Rückgabe vor Entschädigung", auf das sich der Einigungsvertrag gründete, für eine nachhaltige Destabilisierung eines ganzen Wirtschaftsraumes. Wie soll investiert und aufgebaut werden, wenn die Besitzverhältnisse zum Teil über ein Jahrzehnt lang unklar sind? Es waren nicht nur die maroden Betriebe, die diese Landstriche in "blühende" weil deindustrialisierte solche verwandelt haben. Als Kritiker des Westens, der ich bin, sage ich hier mal ganz pauschal: Da hat die Bundesregierung am falschen Ende gespart.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 17.03.2009 11:55 | nach oben springen

#133

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.04.2009 09:17
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo alle zusammen

Sonntag der ideale Tag um einmal so richtig zu faulenzen aber auch um zu lesen. Zwei gute Beiträge passend zum Thema Ost – West, die Quelle zu „ Die Vertriebenen traf blanker Hass“ ist Die Welt vom 19. Mai 2008. Zum anderen Thema „ Einem Tabu auf der Spur“ ist es eine kirchliche Zeitung Tage des Herren vom 8. Mai 2005. Welch ein Zufall mit diesem Wonnemonat Mai ! Es sollte aber nicht der Eindruck entstehen, das ich ein Anhänger der…….
Das Blatt steckte irgendwann in unserem Briefkasten den auch die Kirche muss doch um ihre Schäfchen werben.

Einen schönen Sonntag allen von Rainer-Maria


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#134

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.04.2009 10:06
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Guten Morgen Rainer ,ich sehe schon,du bist um unsere Bildung bemüht,mal sehen was ich heute lese.

Hoffentlich nicht zu schwere Kost,ist ja schliesslich Sonntag..



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#135

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.04.2009 16:34
von Transitfahrer (gelöscht)
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Hallo Rainer-Maria,

also hatten es die Vertriebenen in beiden Staaten nicht leicht. Das lag aber auch daran, daß nach Kriegesende es an allen gefehlt hatte. Wie Nahrung, Unterkunft u.s.w. Bezeichnet aber finde ich, daß ca. 1 Mio Vertriebene die DDR wieder verlassen haben.

Gruß
Peter


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#136

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.04.2009 17:26
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Peter,
Das sehe ich genauso. Gruß Peter(Turtle)


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#137

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.04.2009 22:23
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Hallo zusammen,

ich denke, es gibt in der Politik Gebiete, die man mit Realismus betrachten und nicht künstlich zu Schuldfragen eines einzelnen Staates hochstilisieren sollte. Die Vertreibung aus den Ostgebieten war für die Sowjetunion eine politische Notwendigkeit um die staatliche Neuordnung ihrer zukünftigen Verbündeten zu erleichtern. Das am leichtesten zu lösende Problem aber ist nunmal das Problem anderer Leute. Hätte die DDR ernsthaft auch nur im Leisesten einen Zweifel an den neuen Ostgrenzen geäußert, wäre das stalinsche Donnerwetter dazwischen gefahren wie weiland Jupiters Blitze. Nein, hier konnte nichts anderes kommen, als die Anerkennung der neuen Grenzen und das war von den Alliierten spätestens mit Potsdam zumindest stillschweigend geduldet. Aber machen wir mal ein Gegenbeispiel auf, um die Sache zu verdeutlichen: Hätte es Vertreibungen aus Elsass-Lothringen gegeben, hätte die Bundesrepublik später ein Offenhalten der Anerkennung ihrer Westgrenzen daraus ableiten können? Ich glaube nicht. Auf die Reaktion der Amerikaner, Briten und Franzosen wäre ich gespannt gewesen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#138

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.04.2009 22:42
von nightforce (gelöscht)
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Hallo Rainman,
stimme dir in groben Zügen zu, aber da gab es noch die Reichshauptstadt Berlin, dort war kein Engländer, kein
Franzose und auch kein Ami einmarschiert.
Diese Stadt wurde durch Gemauschel und Handel zur 4-Zonen Stadt gemacht, um die Niederlage des deutschen Reiches zu perfektionieren.
Man wollte eben alle Siegermächte in dieser Stadt zusammenführen.
Rein kriegstechnisch hätte es nie ein Westberlin gegeben, es wurde im nachhinein geschaffen.
Eine Insel als Konstrukt des gemeinsamen Sieges über Deutschland, ein Freundschaftsangebot der beteiligten Streitkräfte sozusagen.
Die Freundschaft währte aber nicht sehr lang, und schnell war der Berlinüberlasser Sowjetunion wieder ein Feind geworden, und wir mußten das ausbaden.
Mit diesem Konstrukt von vier Siegermächten mußten wir nun fortan leben.
Schön, daß das nun seit fast 20 Jahren Geschichte ist.

Gruß nf

zuletzt bearbeitet 05.04.2009 23:00 | nach oben springen

#139

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 10.05.2009 09:31
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo alle zusammen, im Thema Buchenwald am 8.05.09 zum Ende meines Textes hatte ich es angesprochen, warum diese Geschichte so gut in dieses Thema passt doch entgegen allen Vorherigen entstammt sie der Literatur nach 1989. Aus dem Buch „ Belastet“ Meine Eltern im Dritten Reich, Gespräche mit den Kindern von Tätern, von Gerald Posner / Deutsch von Manfred Schmitz
Verlag Das Neue Berlin -1. Auflage 1994 –Kapitel 11 / Geschichte in 5. Teilen

Verrat


Einige der Söhne und Töchter, die in den vorangegangenen Kapiteln zu Wort kamen, wurden nur schwer mit den von ihren Vätern während des Krieges verübter Verbrechen fertig. Zwar wurde in den Familien selber nur selten in aller Aufrichtigkeit über die Rolle des Vaters im Dritten Reich gesprochen, doch hatten die meisten so berühmte Eltern, dass sie bald in der Schule oder aus den Büchern von ihnen erfuhren. Mit Ausnahme der Angehörigen von Rolf Mengele, die den Jungen sechzehn Jahre lang über die Identität des Vaters getäuscht hatten, vermochte man in den Familien die Nazivergangenheit eines Vaters nur schwer zu verbergen. Und im Mengele- Fall hatte Rolf eine so geringe gefühlsmäßige Beziehung zu seinem leiblichen Vater, dass sich die Wahrheit etwas leichter ertragen ließ.
Dieses Kapitel unterscheidet sich von den anderen. Es ist die einzige Geschichte, in der es um eine Tochter geht, die ein enges, liebevolles Verhältnis zu ihrem Vater hatte, bis sie viel später die Wahrheit über seine Kriegstaten erfuhr. Das sie sie selber herausfand, macht es wahrlich nicht leichter. Der Verrat wirkte sich verhängnisvoll aus. Marion Lesser ist die jüngste der für dieses Buch befragten Kinder. Als einzige wurde sie fast ein Jahrzehnt nach Kriegsende geboren. Ihr Vater lebt noch, und sie haben sich völlig entfremdet. Nur nach langem Zögern sprach sie mit mir und nur unter der Bedingung, dass ihre Geschichte zu Lebzeiten ihres Vaters in Deutschland nicht gedruckt würde.¹
Hans Lesser wurde als ältester von drei Brüdern am 2. Mai 1914 in B. geboren; die lutheranische Familie zählte zum Mittelstand. Der Vater war Polizeioffizier, der einen autoritären und politisch konservativen Haushalt vorstand.“ Aber den wirklich strengen Einfluss auf das Leben meines Vaters übte dessen Mutter aus“, sagte Marion, das jüngere der beiden Lesser- Kinder.“ Seine Mutter war äußerst streng, und zu Beginn der Ehe meiner Eltern hat sie sogar meiner Mutter Vorschriften gemacht.“
Die rechtskonservative Atmosphäre in der Familie veranlasst Lesser im Alter von neunzehn Jahren, also 1933, in di Nazipartei einzutreten. Er war ein ehrgeiziges, von der Ideologie überzeugtes Mitglied. Zur Wehrmacht meldet er sich als Freiwilliger, doch wurde er wegen einer Knieverletzung zurückgestellt. Statt dessen tat er seinen Dienst als Jungvolkführer. Ende 1936, nach der rituellen Durchforstung von vier Generationen seines Stammbaumes zur Feststellung einer makellosen arischen Herkunft, trat Lesser der elitärsten Gruppierung innerhalb der Partei bei, der SS. Der Einundzwanzigjährige wurde für die Totenkopfverbände ausgewählt und nach Stuttgart versetzt, wo er in Heydrichs Sicherheitshauptamt tätig wurde. In dieser Zeit durfte Lesser seinen Vorgesetzten auch beweisen, wie sehr er sich der Sache der Nazis verbunden fühlte. Die SS- Vorschriften sahen vor, das der Lebensgefährtin eines Mitgliedes die Rassenreinheit bestätigt werden musste, ehe die Heirat ihre Billigung fand. Während Lessers künftige Frau die Rassenprüfung bestand, fanden die Untersuchungsbehörden der Nazis heraus, das sein künftiger Schwiegervater Alkoholiker war. Zunächst lautete die Empfehlung: keine Eheschließung. Lesser bombardierte die Behörden mit Schreiben, in denen er seiner Verlobten Häuslichkeit, Kinderliebe und andere gut – arische Werte bescheinigte. Außerdem drängte er seinen künftigen Schwiegervater, eine Entziehungskur zu machen. Schließlich erklärte Lesser, das er, wenn sich die Trunksucht des Mannes nicht bessern sollte oder die SS eine genetisch bedingte Neigung zum Alkoholismus für wahrscheinlich hielte, von seinen Heiratsplänen Abstand nehmen wollte.
Jeder Soldat, der willens war, die nationalsozialistische Lehre über die wahre Liebe zu stellen, galt als der Typ Fanatiker, den sich Himmlers SS wünschte.
Diese Hingabe an die Sache belohnte man mit einer Versetzung nach Berlin, wo Lesser ein Jurastudium begann. Doch seine Ausbildung wurde im Jahre 1941 unterbrochen, als man ihn an die Ostfront zur „ Einsatzgruppe D“, einer dem Sicherheitsdienst ( SD) unterstellten mobilen Sondereinheit abkommandierte. Den Einsatzgruppen oblagen Massenliquidationen der Zivilbevölkerung, vor allem von Juden, kommunistischen Funktionären und Partisanen. Unter Anwendung brutaler Methoden bei Massenverhaftungen töteten diese Mordkommandos in nur anderthalb Jahren durch Einzelerschießungen und den Einsatz einiger weniger Gaswagen schätzungsweise zwei Millionen Zivilisten. In Schreiben an das Hauptamt in Berlin beklagten die Kommandeure der Einsatzgruppen den verschwenderischen Umgang mit scharfer Munition bei den Hinrichtungen sowie die Opfer unter den Soldaten, die die persönliche Beteiligung am Massenmord forderte .Solche Beschwerden führten schließlich zu unpersönlicheren Mitteln des Mordens: zu den großen Gaskammern der Vernichtungslager in Polen.
Als Lesser in den Osten versetzt wurde, war er Obersturmführer. Er bewarb sich um die Führung einer eigenen Kommandoeinheit und war vom Frühjahr bis zum Herbst 1941 in der Nähe von Simferopol, in der Ukraine, stationiert. Eines der schlimmsten bekannt gewordenen Blutbäder fand dort statt; Tausende Juden und Slawen wurden kurzerhand erschossen, .Die meisten Opfer hatten am Rand von Massengräbern Aufstellung zu nehmen und wurden durch Genickschuss getötet. Lesser, der seine Soldaten ständig antrieb, die Erschießungen zu beschleunigen, beobachtete das Abschlachten von einem nahe gelegenen Hügel aus. Ganze Familien wurden ausgelöscht. Um Munition zu sparen, befahl er den Müttern, ihre Babys so zu halten, dass beide mit einem einzigen Schuss getötet werden konnten.
Neben diesen Massenerschießungen ließ Lesser auch viele seiner Opfer erhängen. Das geschah aus eigenem Antrieb und entgegen den Praktiken der meisten anderen Einsatzgruppen.
Die SS wertete Lessers Dienste als beispielhaft, und so wurde er zum Hauptsturmführer befördert. Nach Erfüllung seiner Pflichten bei den mobilen Mordkommandos kehrte er nach Berlin zurück, wo er sein Jurastudium beendete. Nachdem er sich auch kurze Zeit in Frankreich aufgehalten hatte, belohnte die SS seinen Dienst an der Ostfront schließlich mit einem Ehrenauftrag; Man schickte ihn nach Bayreuth und teilte ihn der Leibwache Winifred Wagners zu, der Schwiegertochter des von den Nazis verehrten Komponisten Richard Wagner. Lesser hatte dem Dritten Reich in den mordenden Einsatzgruppen gedient, und so durfte er nun den Krieg im vornehmen Umfeld der jährlich abgehaltenen Bayreuther Festspiele mit der kulturellen Elite des nationalsozialistischen Deutschlands beenden.
„Mein Vater kam im Krieg auch öfters nach Hause“, erzählt Marion, „ und die Familie berichtet, er habe so stolz und angeberisch in seiner Uniform ausgeschaut. Aus der Familie war sonst niemand in die Partei eingetreten, von der man nicht viel hielt, aber mein Vater war ungemein stolz. Keiner wollte glauben , dass dieser lammfromme Lehrer plötzlich einen solchen hohen Rang innehatte, und zu den Ausrottern der Völker des Ostens zählte: Ich glaube, fast alle hielten seine Prahlereien für Lügen.
Niemand wusste eigentlich, was er tat, aber keiner traute ihm allzu schreckliche Dinge zu. Man dachte einfach, er wolle sich durch seine Geschichten wichtig machen.“

So, einen schönen geruhsamen Sonntag noch, ihr Exgrenzer- Grenzbrecher, Ex- BGSer- Zollisten, Zivilisten und Interessierte, habe ich einen vergessen…..
Und denkt heute einmal in aller Liebe an euer altes Mütterchen und ihren Ehrentag.

Gruß Rainer- Maria


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#140

RE: Weiterführung Diskussion BRD - DDR

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 11.05.2009 18:46
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Verrat, der Geschichte 2. Teil


Bei Kriegsende war sich Lesser dessen bewusst, dass sein Dienst in den Einsatzgruppen den Alliierten Anlass sein würde, ihn wegen Kriegsverbrechen anzuklagen. Der Verhaftung und der Entnazifizierung entging er, indem er bei seiner Festnahme den Namen eines gewöhnlichen Soldaten angab. Inmitten von Hunderttausenden Internierten und laufenden Fahndungen nach unauffindbaren prominenten Nazifunktionären fiel es Lesser nicht schwer, die Alliierten zu überlisten, und so wurde er freigelassen. Seine wahre Identität und seine Rolle im Krieg blieben verborgen. Nichtsdestotrotz floh er, da er sich auf den Fahndungslisten der Kriegsverbrecher wusste, in die Schwäbische Alp, eine spärlich besiedelte ländliche Region in Süddeutschland. Unter falschem Namen arbeitete er dort fünf Jahre lang als Landwirt. Der Verwalter auf dem Gehöft war sein Schwager. Während seiner Illegalität ließ er seine Frau und seinen einzigen, 1944 geborenen Sohn in der Nähe von Stuttgart zurück. Gelegentliche Besuche bildeten seinen einzigen Kontakt zur Familie.
Im Jahre 1950 fühlte sich Lesser schließlich sicher genug, zum normalen Leben in Deutschland zurückzukehren. Die meisten Kriegsverbrecherprozesse waren vorüber, und der Hochkommissar der Alliierten, John J. Mc Cloy, hatte erst kürzlich die Urteile gegen alle Industriellen und die meisten Angehörigen des medizinischen Personals umgewandelt. Das Kriegsverbrechen- Fieber war, zu Lessers großer Erleichterung abgeebbt. Er zog zu seiner Familie und unterrichtete wieder in der Grundschule. Niemand fragte, wo er sich fünf Jahre lang aufgehalten hatte, und natürlich sprach niemand über den Krieg. Das Thema war vergessen. Bald zog er nach H, eine Kleinstadt von fünftausend Einwohnern und verdiente sich seinen Lebensunterhalt wieder mit dem Unterrichten.
Marion wurde am 5. Februar 1953 geboren. Ihre Eltern hatten sich zu einem zweiten Kind entschlossen; ihr Sohn war zu jener Zeit zehn Jahre alt. Die Kinder wuchsen in einer gut situierten deutschen Familie auf, die Außenstehenden als sehr normal vorkam.
„ Meine frühesten Erinnerungen an meine Familie, vor allem an meinen Vater, sind eher positiv. Ich entsinne mich, dass er mich zum Sportplatz mitnahm und wir Fahrrad fuhren, und ich durfte in seinem Bett schlafen und sogar mit ihm baden. Im Unterschied zu meinem Bruder war mein Vater zu mir sehr nett. Auch meine Mutter kümmerte sich sehr um mich, aber es hat sich mir eingeprägt, dass sie damals sehr deprimiert war und oft vom Sterben sprach. Mein Vater nahm das nicht zur Kenntnis. Er tat auch nichts dagegen. Ihn störte, das sie sich nicht gesund fühlte. Sie entsprach nicht seinem Ideal von einer Ehefrau, und das lies er sie ohne Skrupel spüren .Er gab sich da sehr offen ihr gegenüber.
Marion bekam mit, dass ihre Eltern kein gutes Verhältnis zueinander hatten, auch wenn keiner der beiden seine Enttäuschung vor den Kindern zeigte. Einmal, 1959 , nahm die Mutter Marion zu einer Freundin mit. Marion erinnerte sich, dass die Mutter“ sich von der Freundin auf sehr seltsame Weise verabschiedete“ .Dann wollte sie sich einen Strick borgen. Als sie nach mehreren Stunden nicht zurück war, rief die Freundin Lesser an, der mit mehreren Kollegen die Suche nach seiner Frau aufnahm. Man fand sie erhängt im Wald.
„ Ich glaube, es gab einen Abschiedsbrief, aber ich habe ihn nie gesehen“, sagte Marion. „ Das schlechte Verhältnis zwischen ihnen war einer der Gründe für ihren Selbstmord. Wir durchlebten eine schlimme Zeit, aber ich war erst fünfeinhalb Jahre alt und erkannte nicht die wahre Bedeutung aller Geschehnisse. Aber in den ersten Monaten nach dem Tod meiner Mutter kümmerte sich mein Vater wirklich sehr um mich. Ich hatte ihn damals richtig lieb. Wenn ich heute an den Selbstmord meiner Mutter zurückdenke, scheint es mir unheimlich, dass sie sich gerade erhängte, wo doch mein Vater viele seiner Opfer erhängen ließ:“ Fast ein Jahr nach Frau Lessers Tod zog das Hausmädchen zu ihnen und lebte bei ihnen als Lessers Geliebte. „ In der Familie ging man einfach davon aus, dass sie schon vor dem Tod meiner Mutter eine Affäre miteinander hatten“, sagt Marion. „ Wir wohnten in solch einer kleinen Stadt, und die Leute redeten so viel, dass sie rasch heiraten mussten.“ Marions sechzehnjähriger Bruder wurde auf eine Internatsschule geschickt.
Lesser und seine Geliebte heirateten 1961. Das Verhältnis der neuen Frau zur achtjährigen Marion war“ sehr schlecht. Ich hatte mich nach einer neuen Mutter gesehnt, aber meine Stiefmutter war von sehr zweifelhafter Herkunft und konnte mit Kindern überhaupt nicht umgehen. Sie betete meinen Vater sklavisch an und war ihm zu Diensten, ohne je eine Frage zu stellen. Das reichte ihm aus.“
Während Marion sich bemühte, den Selbstmord ihrer Mutter zu begreifen und mit ihrer Stiefmutter auszukommen, geschah im folgenden Jahr etwas, das alles andere als unbedeutend erscheinen ließ. Im Jahr 1962 fuhr ihr Vater nach Stuttgart, um seinen Bruder zu beerdigen, der im Alter von zweiundvierzig Jahren an Krebs gestorben war.
Ohne jede Vorwarnung wurde der achtundvierzigjährige Lesser von der deutschen Polizei verhaftet und in ein Gefängnis im nahe gelegenen Schwäbisch- Gmünd gebracht.“ Noch am selben Tag kamen zwei Polizeibeamte zu meiner Stiefmutter und durchsuchten das ganze Haus“, erinnert sich Marion. „ Ich fand das sehr unangenehm. Als Kind machte es mir sehr zu schaffen, diese beiden Männer das gesamte Haus durchsuchen zu sehen. Meine Stiefmutter und Verwandte, die in der Nähe wohnten, waren außer sich.“
Die Verhaftung und die damit verbundenen Geschehnisse verwirrten Marion. „ Zumindest mir wurde die Bedeutung seiner Verhaftung damals überhaupt nicht klar, und man erzählte mir auch nichts. Als ich ihn im Zuchthaus besuchte, sagte er, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen, habe nichts getan, und ich würde sowieso nicht verstehen, warum man ihn anklagte. Er sagte nur, er würde bald zu uns nach Hause kommen, und alles würde wieder, wie es war. Mehr nicht.“
Das Leben mit ihrer Stiefmutter fand die neunjährige Marion bei weitem nicht ideal. Ihre zwei Tanten entschlossen sich, sie zu sich zu nehmen, solange sich Lesser im Gefängnis befand. Marion erinnert sich an den Tag, an dem sie Lesser den Vorschlag machten. „ Als ich ihn zum ersten Mal im Landsberger Gefängnis besuchte, begleiteten mich meine Stiefmutter und die beiden Tanten. Er war sehr niedergeschlagen und weinte und war ganz aufgelöst. Dann sagte eine meiner Tanten, er solle sich keine so großen Sorgen machen, sie würden sich um meinen Bruder und mich kümmern. „Keine Sorge, den Kindern wird es gut gehen,“ sagten sie. Darauf entgegnete mein Vater: „ Ich mache mir keine Sorgen um meine Kinder, das ist nicht die Frage- ich sorge mich um meine Frau, wir sind erst ein gutes Jahr verheiratet.“ Worauf meine beiden Tanten mich packten und wirklich aufgebracht aus dem Besucherraum stürzten. Damals konnte ich das Ausmaß des Geschehenen nicht wirklich begreifen.“
Bevor Marion zu ihren Tanten ziehen konnte, wurde der Vater gegen Kaution freigelassen. Er hatte fast fünf Monate im Gefängnis zugebracht. In seine kleine Stadt zurückgekehrt, stellte er fest, das sich durch seine Verhaftung nur sehr wenig verändert hatte.
„ Alle unsere Freunde und Verwandten wussten von seiner Verhaftung“, erinnert sich Marion. „ Aber niemand sprach mit mir darüber. Von den Anschuldigungen wusste ich absolut nichts. Mit Ausnahme der Familie wusste eigentlich niemand in der Stadt, was er getan hatte. Es war bekannt, das es etwas mit dem Krieg zu tun hatte, was sie aber für nicht so schlimm hielten. Viele wollten es nicht glauben. Niemand verstand das Ausmaß seiner Taten, oder man wollte nichts davon wissen. In der Oberschicht gab es einige, die nichts mehr mit ihm zu tun haben wollten. Aber das war wegen seiner zweiten Ehe. Seine zweite Frau entsprach nicht ihrem Niveau. Es hatte also überhaupt nichts mit seiner Nazivergangenheit zu tun.

Gruß Rainer- Maria


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