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Frank Lippmann- eine Recherche seiner Flucht

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 13.12.2009 21:28
von Augenzeuge (gelöscht)
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Krefeld, 19. März 1986.
Bayer Uerdingen ist Dresdens Gegner im Europacup. Das Hinspiel hat Lippmanns Elf in Dresden mit 3:1 gewonnen, so steht es auch zur Pause im Rückspiel am 19. März 1986. Doch Bayer gewinnt am Ende in einem dramatischen Spiel noch sensationell mit 7:3 – Dynamo Dresden ist raus und hat den Klassenkampf verloren. Nach der Rückkehr im Hotel trifft Lippmann einen ihm bekannten DJ aus Dresden. Der war Jahre zuvor in den Westen gegangen. Schon am Tag vor dem Spiel hatte er mit ihm gesprochen.

Lippmann vertraut ihm und sagt: „Ich will abhauen. Kannst du mir helfen?“ Der Bekannte zögert keine Sekunde. Lippmann solle jetzt gleich den Fahrstuhl in die Tiefgarage nehmen. Dort werde er mit dem Auto warten und ihn wegfahren. „Ich habe kurz vorher mit der Mannschaft gegessen und mir gedacht: Wenn du das jetzt nicht durchziehst, klappt das nie. Das war meine große Chance.“

Klaus Sammer als tragische Figur
Ohne Geld und Papiere, nur in Jeans und T-Shirt bekleidet springt Lippmann ins Auto des Diskjockeys. Der fährt mit ihm nach Nürnberg, wo er lebt. Auf der Fahrt reden die beiden kaum miteinander. Lippmann hat Angst, verfolgt zu werden, und schaut sich immer wieder um. Doch erst nachts bemerken die mitgereisten DDR-Funktionäre im Mannschaftshotel, dass ein Spieler fehlt. In großer Aufregung werden andere Spieler verhört. Zur tragischen Figur wird Trainer Klaus Sammer, der Vater des heutigen DFB-Sportdirektors Matthias Sammer. Die DDR-Führung gibt ihm die Schuld für Lippmanns Flucht. Sammer wird – offiziell wegen der hohen Niederlage – entlassen.

In Ost-Berlin, wo der Sitz der DDR-Nachrichtenagentur ADN ist, wird folgender Text verfasst und verbreitet: „Der Spieler Frank Lippmann hat für eine hohe Geldsumme, die ihm sportfeindliche Kreise boten, seine Kameraden verraten.“ Der sogenannte Verräter genießt derweil in Nürnberg seine ersten Stunden in Freiheit. Er meldet sich bei seiner Verlobten. In seinen Plan hatte er sie nicht eingeweiht. Lippmann verspricht, alles dafür zu tun, sie und das damals drei Monate alte Kind nachzuholen. Selbst Franz Josef Strauß, der damalige bayrische Ministerpräsident, schaltet sich ein. „Leider ohne Erfolg.

Mutter, Verlobte und beide Geschwister Lippmanns waren in den Tagen nach der Flucht intensiven Verhören des DDR-Staatssicherheitsdienstes ausgesetzt. In mehreren Telefonanrufen bemühten sie sich, Frank Lippmann zur Rückkehr nach Dresden zu bewegen.

Nach Auffassung der Funktionäre hatte ich das Land im Stich gelassen. Dafür sollte ich büßen“, sagt Lippmann, der drei Jahre auf ein Wiedersehen mit seinen Liebsten warten muss. Über einen Fluchthelfer und „für einen Freundschaftspreis von 1000 D-Mark“ holt er die Familie über Ungarn zu sich. Lippmann weiß, dass die zu Hause Gelassenen nach seiner Flucht leiden müssen. Stundenlang wurden Verwandte von der Stasi verhört. Die Wohnung seiner Verlobten – so erfährt sie es Jahre später aus den Stasiakten – hatte Mielkes Geheimdienst zur Überwachung nach Lippmanns Flucht verwanzen lassen.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat den Fußballer Frank Lippmann nach seiner Flucht aus der DDR im März 1986 vor dem Ministerium für Staatssicherheit beschützt. "Von Anfang an ist der BND auf mich zugekommen. Sie haben mich eindeutig darauf hingewiesen, dass es besser für mich wäre, mit ihnen Kontakt zu pflegen", sagte Lippmann in einem Interview mit dem "Deutschlandfunk". Die Sorgen des BND um Lippmann standen im Zusammenhang mit den mysteriösen Umständen beim Tod von Lutz Eigendorf, der ebenfalls aus der ehemaligen DDR geflüchtet und im März 1984 bei einem Autounfall unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen war.

Wie Eigendorf war auch Lippmann Angehöriger der Volkspolizei und galt damit als fahnenflüchtig. Der Fußballer, der nach seiner Flucht beim 1. FC Nürnberg und Waldhof Mannheim insgesamt 22 Bundesliga-Spiele bestritt, sollte nach Stasi-Plänen entführt werden. In der über 1200 Seiten umfassenden Stasi-Akte, die zwölf Mitarbeiter verfasst hatten, fand Lippmann Belege für eine geplante Entführung. "Die Akte sagt eindeutig aus, dass es eine Person gab, die sich angeboten und geplant hatte, mich gewaltsam über die Grenze zu bringen und in die DDR zurückzuführen", erklärte Lippmann. Diese Person kenne er mit Namen und Adresse. Gescheitert sei die Aktion nur, weil die Staatssicherheit den potenziellen Entführer für "halbseiden" hielt.

Heute lebt Lippmann wieder in Dresden, ist arbeitslos und wartet auf eine Anstellung als Fußball-Trainer.

Quellen: MDR, Focus, Spiegel, rp-online


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