#81

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 12.12.2009 01:43
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Hallo wosch,

ich danke Dir, dass Du meine wilde Argumentiererei wieder in die ruhigen Fahrwasser einer vernünftigen Diskussion zurückgeführt hast. Ja, es gab viel "Fußvolk", viel Mitläufertum. Gerade unter den "Beschwatzten" waren viele, die einfach ihre Ruhe haben wollten, oder den Streit bzw. Nachteile fürchteten. Mit dem, was Du da geschrieben hast, kann ich leben. Danke.

Dennoch, jaja - der Kümmelspalter, eine kleine Geschichte noch am Rande, die mit den Parteaustritten zu tun hat. Meine Mitgliedskarte in der "Partei des Demokratischen Sozialismus" weist eine letzte Beitragszahlung zum Juni 1990 aus. Nun könnte man sagen, dass es mir um das Westgeld leid getan hätte, dass ich ab da hätte zahlen müssen. Klingt nett, wäre aber zu einfach und einfach zu falsch. Warum bin ich dieser Partei weggelaufen? Andere liefen weg, weil sie entäuscht waren, sich verraten fühlten, weil ihnen die Distanzierung der neuen Führung von der alten Geschichte nicht groß genug erschien, weil sie neue Möglichkeiten sahen, in der Gesellschaft gestaltend mitzuwirken, und auch, weil sie ja eh nur Mitläufer gewesen waren. Diese Geschichten müssten die Betreffenden selbst erzählen. Ich lief aus einem anderen Grund weg. Ich sah in der neuen Parteiführung eine Tendenz, die mir nicht gefiel. Ich hatte zu DDR-Zeiten Andre Brie in Veranstaltungen erlebt. Ein klarer Denker, sehr offen, sehr kritisch. Ich habe ihn sehr geschätzt. Nun brachte gerade er eine Tendenz in diese Partei, die auf eine Reformierung des Kapitalismus hinauslief. Das war und ist eine klare sozialdemokratische Richtung (zumindest aus der Zeit, wo die Sozialdemokratie noch nicht in die Mitte der Gesellschaft wollte). Nun mag dieses politische Herangehen seine Berechtigung haben. Es entsprach aber nicht meinem politischen Willen. Und somit trennten sich unsere Wege.

Anbei noch ein kleines Gedicht dazu ... manchmal sagen die Dinge, die uns berühren, mehr über uns, als wir selbst.


Grüße aus Berlin nach Kassel!
ciao Rainman


Dateianlage:

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 12.12.2009 01:49 | nach oben springen

#82

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 12.12.2009 12:07
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von wosch

Zitat von Affi976
Was sagt ihr denn zu folgendem:
Meine Tochter wollte 1998 den Beruf der Krankenschwester erlernen. Zuvor hatte sie schon ein Fachschulstudium als Sozialassistent abgeschlossen.
Die Ausbildungstätte, ein kirchliches Krankenhaus, hat sie mit Kusshand, auf Grund schon eines Berufs und wirklich dufter Noten, genommen.
Als sie dann aber verkündet hat, unsere Familie ist nicht kirchlich gebunden und sie würde auch nicht in die Kirche eintreten, wurde trotz guter Leistungen, der Ausbildungsvertrag nach einem halben Jahr gekündigt. Ihre Freundin hatte sogar "VIEREN", war aber kirchlich engagiert und durfte bleiben. Und das in einem freiheitlich demokratischen Staat!!!!
VG Affi



;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;,

Ja Affi, ich kann das gut nachvollziehen, denn ich könnte über die Heuchelei in den kirchlichen Institutionen auch so einiges zum Bestengeben, jedoch nicht in diesem Forum.
Schönen Gruß aus Kassel




Eine Bekannte von mir hatte in einer kirchlichen Einrichtung in Münster gearbeitet. Sie stammt aus NRW, war eine anerkannte Fachkraft und konnte schon auf einige Jahre in der Einrichtung zurückblicken. Ihre Scheidung von ihrem Mann wurde wohl noch toleriert. Aber als sie dann einen neuen Parter fand und mit diesem in "wilder Ehe" zusammenlebte, folgte die Kündigung auf dem Fuß. Übrigens hatte sie eine Kollegin, die vorher auch ihre Freundin war, bei der Leitung "angeschissen".
Ein Schelm der arges dabei denkt...

Gruß an alle
Uwe
http://www.Oderbruchfotograf.de


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#83

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 12.12.2009 14:59
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von Rainman2
Hallo wosch,

ich danke Dir, dass Du meine wilde Argumentiererei wieder in die ruhigen Fahrwasser einer vernünftigen Diskussion zurückgeführt hast. Ja, es gab viel "Fußvolk", viel Mitläufertum. Gerade unter den "Beschwatzten" waren viele, die einfach ihre Ruhe haben wollten, oder den Streit bzw. Nachteile fürchteten. Mit dem, was Du da geschrieben hast, kann ich leben. Danke.

Dennoch, jaja - der Kümmelspalter, eine kleine Geschichte noch am Rande, die mit den Parteaustritten zu tun hat. Meine Mitgliedskarte in der "Partei des Demokratischen Sozialismus" weist eine letzte Beitragszahlung zum Juni 1990 aus. Nun könnte man sagen, dass es mir um das Westgeld leid getan hätte, dass ich ab da hätte zahlen müssen. Klingt nett, wäre aber zu einfach und einfach zu falsch. Warum bin ich dieser Partei weggelaufen? Andere liefen weg, weil sie entäuscht waren, sich verraten fühlten, weil ihnen die Distanzierung der neuen Führung von der alten Geschichte nicht groß genug erschien, weil sie neue Möglichkeiten sahen, in der Gesellschaft gestaltend mitzuwirken, und auch, weil sie ja eh nur Mitläufer gewesen waren. Diese Geschichten müssten die Betreffenden selbst erzählen. Ich lief aus einem anderen Grund weg. Ich sah in der neuen Parteiführung eine Tendenz, die mir nicht gefiel. Ich hatte zu DDR-Zeiten Andre Brie in Veranstaltungen erlebt. Ein klarer Denker, sehr offen, sehr kritisch. Ich habe ihn sehr geschätzt. Nun brachte gerade er eine Tendenz in diese Partei, die auf eine Reformierung des Kapitalismus hinauslief. Das war und ist eine klare sozialdemokratische Richtung (zumindest aus der Zeit, wo die Sozialdemokratie noch nicht in die Mitte der Gesellschaft wollte). Nun mag dieses politische Herangehen seine Berechtigung haben. Es entsprach aber nicht meinem politischen Willen. Und somit trennten sich unsere Wege.

Anbei noch ein kleines Gedicht dazu ... manchmal sagen die Dinge, die uns berühren, mehr über uns, als wir selbst.


Grüße aus Berlin nach Kassel!
ciao Rainman




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Hallo Rainman!
Schönen Dank für Deine Antwort. Statt vieler Worte will ich Dir zum morgigen vorweihnachtlichen Sonntag Alles Gute im Kreise Deiner Lieben wünschen, in der Hoffnung, daß man ab und zu wieder voneinander hört!!
Schönen Gruß aus Kassel.
Wosch


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