#301

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 02.01.2016 18:21
von Hanum83 | 4.736 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #297
Zitat von Lutze im Beitrag #289
Es war nichts anderes als Mord !!!
Lutze


Juristisch gesehen handelt es sich nicht um Mord. Aber das haben andere vor mir schon geschrieben und erklärt. In dem Spiegel-TV-Beitrag kommt, anders als in der aktuellen Dokumentation zu den tödlichen Schüssen auf den Schüler Heiko Runge, explizit die zum Zeitpunkt des Geschehens vorherrschenden, erheblich eingeschränkte Sicht zum Ausdruck. Auf Grund des diesigen Wetters und der bereits eingetretenen Dämmerung konnten die Schützen die fliehenden Personen nur sehr schwer bis gar nicht als Jugendliche erkennen. Bei der aktuellen Doku konnte man den Eindruck bekommen, dass die Soldaten die flüchtenden Personen ganz klar als Minderjährige hätten erkennen müssen. Dem war aber nicht so, was ja auch von Zeitzeugen welche unmittelbar vor Ort waren, bestätigt wurde.

Die Frage der Sichtverhältnisse spielt bei der späteren juristischen Beurteilung der Tat, bei der sowohl belastende als auch entlastende Aspekte beachtet werden müssen, eine große Rolle.

Hier noch ein paar Worte zu den Schützen: Jürgen Albrecht erschien mir als ein physisches und psychisches Wrack!! Seine, unzweifelhaft befremdlich wirkende Aussage, " dass er von seinem neben ihm stehenden Vorgesetzten, im Fall einer Nichtanwendung der Schusswaffe, selbst erschossen worden wäre, ist für mich ein Ausdruck seines desolaten Zustandes. Meiner Meinung nach hat sich Albrecht, um nicht an der eigenen Schuld zu zerbrechen, in diese Lüge geflüchtet. Solange bis er letztendlich selbst daran glaubte!!

Man sollte nicht vergessen, dass den früheren Grenzsoldaten, nach einer Anwendung der Schusswaffe, keinerlei psychologische Hilfe zuteil wurde. Selbst dann nicht, wenn durch die Anwendung ein Mensch verletzt oder gar getötet wurde! Dem Staat kam es einzig und allein darauf an, das Geschehen möglichst geheim zu halten. Die DDR sollte vor politischen Schaden bewahrt werden. Punkt aus! Etwaige psychische Schäden der jungen Soldaten galten als " unvermeidbare Kollateralschäden".

In der aktuellen Dokumentation wird der psychische Ausnahmezustand in dem sich die beiden Soldaten nach den tödlichen Schüssen befanden, sehr gut dargestellt. Wem wundert es daher, dass Jürgen Albrecht viele Jahre nach der Tat, nur noch ein Schatten seiner selbst war.

Auch der andere Soldat hat das Geschehen dieses verhängnisvollen Nachmittags nicht wirklich verarbeitet. Man kann sich darüber aufregen, dass auch er sich letztendlich auf die geltende Befehlslage zurückzieht, die Aussage als bloße Ausrede diskreditieren. Letztendlich war es aber auch nichts weiter als der unmögliche Versuch, Unerklärliches erklären zu wollen. Beide Soldaten hätten nicht nur vor Gericht gestellt, sondern in psychologische Behandlung gehört!

Ein sehr aufschlussreiches Bild seiner Persönlichkeit bietet im Interview der ehemalige Major Piotrowski. Vordergründig erscheint er noch immer unbelehrbar, von der absoluten Richtigkeit seines damaligen Handelns überzeugt. Die Präsentation seiner Orden und Urkunden wirkt peinlich. Obwohl ich mir denken kann, dass Piotrowski von den Journalisten dazu überredet wurde. Um ihn den Zuschauer als " Ewig gestrigen" vorzuführen.

Trotzdem, auch ein Piotrowski hatte sich in eine Lebenslüge geflüchtet. Um sich selbst nicht nur die Sinnlosigkeit eines jahrzehntelangen Berufslebens, sondern die große Mitschuld eines anderen Lebens, dem des Schülers Heiko Runge, nicht einzugestehen. Letztendlich trifft den Ex-Major auch große moralische Mitschuld daran, dass zumindest teilweise, auch die Leben der beiden ihm unterstellten Schützen und des Freundes von Heiko Runge, zerstört wurden.

Wer also das Handeln der beiden Grenzsoldaten pauschal als Mord abtut, macht es sich sehr einfach. Genauso einfach wie jene, welche die Tat mit der vorherrschenden Befehlslage erklären, oder gar entschuldigen wollen. Beide Varianten gehen Meilenweit am Kern der Sache vorbei.
Solche Vorfälle kann man heute nur objektiv und sachlich betrachten. Und zwar von allen Seiten!! Alles andere führt nicht zum Ziel. Gerade der Fall Heiko Runge ist nicht zuletzt ein Beispiel dafür, wie sich bestimmte Leute, die weder mit dem eigentlichen Geschehen noch mit den Beteiligten Personen in irgend einem Zusammenhang stehen, diese schlimmen Geschehnisse zur eigenen Profilierung missbrauchen.

Gruß an alle
Uwe




Mir kam dieser Piot...was weiß ich, vor wie eine mächtige Schnapsnase.
Gab es ja nicht zu knapp bei der Arbeiter u. Bauernstreitmacht.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#302

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 02.01.2016 20:18
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #286
[...]
Ich würde mich eher mit dem seltsamen Freund beschäftigen, der nochmal zurückfährt, um einen "Freund" zu holen, um den dann voran zu schicken.

Worauf beziehst Du Dich mit dieser Aussage?

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#303

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 02.01.2016 20:45
von mibau83 | 821 Beiträge

ich denke er bezieht sich auf uwe fleischhauer, der seinen ersten fluchtversuch abbrach und wieder zurück nach halle-neustadt fuhr.


vs1400 und damals wars haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#304

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 02.01.2016 22:31
von Rainer-Maria Rohloff | 1.359 Beiträge

Was lese ich da ....zweiter Versuch? Ich denke das Ganze war richtig vermasselten Zensuren geschuldet? Jetzt völlig neuer Blickwinkel? Oder habe ich da was falsch verstanden?

Rainer-Maria



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#305

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 02.01.2016 22:34
von Hanum83 | 4.736 Beiträge

Das waren unreife Kinder, ob die nun einmal oder zweimal abhauen wollten, was tut denn das zur Sache?


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#306

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 02.01.2016 22:34
von mibau83 | 821 Beiträge

schon richtig gelesen rmr, uwe fleischhauer war beim ersten versuch alleine in richtung harz unterwegs.


vs1400 und damals wars haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#307

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 02.01.2016 23:01
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Ich hab mir den Film auch angesehn den ABV rein stellte und hab passend zum Thema in der Menüleiste auf YT einen weiteren Film gefunden, der auch ganz interessant war und wo es zum Teil auch um Schusswaffen geht, um Flucht usw., sowie zum Schluss auch die Frage gestellt wird, ob man geschossen hätte und ob es Mord war.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
utkieker hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#308

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 02.01.2016 23:50
von Rainer-Maria Rohloff | 1.359 Beiträge

Entschuldige mal Hanum, ich denke absolut nicht das der neue "Blickwinkel" alles im Alten lässt.Denn wenn Kumpels recht naiv und ohne Erstversuch so Fleischhauer losgezogen wären....eröffnet das völlig neue Ansichten...Aussichten, Beurteilungen.Sag mal mibau, wie oder woher weißt du überhaupt das Ganze neue ....diese Sichtweise?

Rainer-Maria



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#309

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.01.2016 01:23
von vs1400 | 2.389 Beiträge

Zitat von Cambrino im Beitrag #280


Hallo vs1400, du schreibst hier " der getötete wurde in die Schulter getroffen " . Wenn der nur in die Schulter getroffen wurde, warum ist der Junge dann tot ? . Ist der Junge vor Schreck gestorben, weil er in die Schulter getroffen wurde ? Das müßtest du uns aber etwas näher erklären.

Gruß CAMBRINO


hm cambrino,
dieses 'nur' wurde von mir nicht erwähnt, ganz bewusst
und somit wurde dir, indirekt, erklärt,
dass ein derartiges projektil, unter diesen gegebenen umständen wohl eher nicht abrupt an geschwindigkeit verliert.
es verlässt dann schlichtweg diese imaginäre flugbahn und findet irgend nen weg ... welcher dann auch tödlich enden kann.

deine waffe, bei der dgb, hätte vergleichbar funktioniert ... bitte ...

gruß vs ... der junge ist nicht vor schreck gestorben, gewiss nicht, doch dass er animiert wurde sollte nicht unerwähnt und beachtet bleiben.


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#310

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.01.2016 01:37
von vs1400 | 2.389 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #277
Das habe ich in den Tiefen des Internets gefunden:




Gruß an alle
Uwe


interessieren würde mich eher, Uwe,
warum du diesen link eingestellt hast?

informativ fand ich ihn jedoch trotzdem.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#311

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.01.2016 02:20
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Torsten, Du bist niedlich (#309)
Ich stell mir das gerade bildlich vor. Das Projektil 7,62 mm kommt angeschwirtt, triff einen menschlichen Körper, jetzt das große Grübeln.
Wohin lass ich mich blos ablenken, Sch...., bin ja schon gerade durch.
Sagt Dir Schußbruch etwas, danach flattert das Projektil munter weiter.
Wirkungsschießen, schon mal dran teilgenommen?
Entfernung 100 Meter
Stahlplatte 10 mm
hölzerne Eisenbahnschwelle
Seitentür des SPW PSH
Da kamen den Projektilen keine solchen Gedanken, glatt durch.
Gerd


zuletzt bearbeitet 03.01.2016 03:30 | nach oben springen

#312

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.01.2016 13:15
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #310
Zitat von ABV im Beitrag #277
Das habe ich in den Tiefen des Internets gefunden:




Gruß an alle
Uwe


interessieren würde mich eher, Uwe,
warum du diesen link eingestellt hast?

informativ fand ich ihn jedoch trotzdem.

gruß vs



Warum? Weil der Beitrag eine sehr gute Ergänzung zu dem im September 2015 gesendeten Beitrag ist. Anders als dort, kamen in dem alten Beitrag auch die Schützen selbst und Major Piotrowski zu Wort. Das ist schon etwas anderes, wenn die betreffenden Personen ihre Sicht der Dinge darlegen, als wenn immer nur über die betreffenden Personen gesprochen wird.

Viele Grüße aus dem eisigen Oderbruch

Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


damals wars und vs1400 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#313

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.01.2016 13:17
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von Ari@D187 im Beitrag #302
Zitat von damals wars im Beitrag #286
[...]
Ich würde mich eher mit dem seltsamen Freund beschäftigen, der nochmal zurückfährt, um einen "Freund" zu holen, um den dann voran zu schicken.

Worauf beziehst Du Dich mit dieser Aussage?

Ari



Zitat von mibau83 im Beitrag #303
ich denke er bezieht sich auf uwe fleischhauer, der seinen ersten fluchtversuch abbrach und wieder zurück nach halle-neustadt fuhr.

Hmm, er versuchte also bereits eine Woche vorher nach Benneckenstein
zu gelangen. In Nordhausen angekommen, stellte er jedoch fest, daß kein
Zug mehr nach Benneckenstein fuhr und kehrte um.

Inwiefern diente nun diese Umkehr dazu den Freund zu "holen" und
"voranzuschicken"?
@damals wars: Ist das durch Quellen belegt oder persönliches Bauchgefühl?

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#314

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.01.2016 13:22
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von Rainer-Maria Rohloff im Beitrag #308
Entschuldige mal Hanum, ich denke absolut nicht das der neue "Blickwinkel" alles im Alten lässt.Denn wenn Kumpels recht naiv und ohne Erstversuch so Fleischhauer losgezogen wären....eröffnet das völlig neue Ansichten...Aussichten, Beurteilungen.Sag mal mibau, wie oder woher weißt du überhaupt das Ganze neue ....diese Sichtweise?

Rainer-Maria

Hier gibt es Einsicht in die Akten:
http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Bildun...us-der-DDR.html

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#315

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.01.2016 14:17
von damals wars | 12.150 Beiträge

Natürlich schlug der Fall des verunglückten Jungen der BGL Vorsitzenden damals in BUNA hohe Wellen, der Junge wurde als ziehlich naiv geschildert.
Und so waren dann seine Handlungen an der Grenze auch.
Im Gegensatz zu den seines "Freundes".
Ob die GV bereits eine zweite Stelle für einen Grenzdurchbruch ausgekundschaftet hatten, konnten die eingesetzten Posten nicht wissen, auch wie groß die Gruppe war, nicht.
Bei den Sichtverhältnissen haben sie entsprechend den Vorschriften gehandelt.
Natürlich gibt es heute welche, die ihn als Kind identifiziert hätten,
bei den damaligen Sichtverhältnissen war es aber schlicht unmöglich.

Einfach früh mal ausprobieren, sind genug Hundehalter unterwegs.
Und die Rennen nicht zwischen Bäumen entlang.

Mir tun die Posten leid.
In diese Zwangslage wollte niemand von uns kommen.
Und wie froh ich war, ohne Schusswaffenanwendung den Dienst zu beenden,
wissen meine Familienangehörige heute noch!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#316

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.01.2016 15:15
von ABV | 4.202 Beiträge

Die beiden Schützen standen zum Zeitpunkt der Schussabgabe, unter höchster emotionaler Belastung. Der dadurch einsetzende Stress kann durchaus die eigene Steuerungsfähigkeit herabsetzen. Sprich: Man handelt automatisch, ohne nachzudenken.

Das so etwas zuweilen auch Profis passiert, zeigt dieses Beispiel:

http://www.morgenpost.de/brandenburg-akt...Polizisten.html

Der vom Gericht zu zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilte Kriminalhauptkommissar, hatte am Sylvesterabend des Jahres 2009, im brandenburgischen Schönfließ, einen per Haftbefehl gesuchten Kriminellen erschossen. Aber nicht aus Notwehr oder Nothilfe, wie eingangs von dem Polizisten behauptet, sondern um diesen an der Flucht zu hindern.

Seitens des zuständigen Dienstgruppenleiters welcher zuerst am Tatort eintraf, wurde später berichtet, dass sich der Kriminalist erschrocken darüber zeigte, dass er das gesamte Magazin seiner Pistole auf den mittels eines PKW flüchtenden Kriminellen verschossen hatte. Ohne sich diesem überhaupt bewusst gewesen zu sein!!!!

Im Klartext: selbst der erfahrene, gut ausgebildete Kriminalist, handelte unter dem Einfluss von höchstem Stress, ohne nachzudenken, wie eine Maschine. Mit fatalen Folgen!

Der Kriminalist war derart erregt, möglicherweise auch von dem unbedingten Verlangen dem Kriminellen habhaft zu werden beeinflusst, dass ihm die Folgen seiner Handlung nicht mehr bewusst waren. Ihm, einem Kriminalhauptkommissar!!!, schien nicht einmal das unrechtmäßige des Schusswaffengebrauchs bewusst gewesen zu sein.

Was hat das ganze mit den tödlichen Schüssen auf Heiko Runge zu tun? Nun ja: In beiden Fällen standen die Schützen unter höchstem Stress. Auch wenn die jeweilige Ursache des Stresses nicht vergleichbar ist. In beiden Fällen handelten die Schützen, scheinbar, in Tötungsabsicht. Und nicht zuletzt-in beiden Fällen wollten die Schützen lediglich die Flucht beenden.

Wer die die beiden ehemaligen Grenzsoldaten heute als " Schießwütig" oder als " Mörder" bezeichnet, sollte den emotionalen Ausnahmezustand in dem sie sich, verhängnisvolle Sekundenbruchteile lang, befanden, keinesfalls außer acht lassen. Das Beispiel des Kriminalisten zeigt, dass selbst Profis im emotionalen Ausnahmezustand, versagen können. Man sollte sich vor allzu schnellen Vorverurteilungen solcher Handlungen zurückhalten. Oder kann jeder von uns mit ruhigen Gewissen von sich behaupten, in ähnlichen Situationen völlig rationell zu handeln?

Uwe Fleischhauer soll sich später enttäuscht über das gegen die Schützen verhängte Urteil gezeigt haben. Aus seiner Sicht ist diese Enttäuschung völlig verständlich. Aber Recht ist nun einmal kein Instrument der Rache! Jeder Richter hat die Pflicht jeden einzelnen Umstand welcher zu der Tat geführt hat, inklusive der Persönlichkeit des Täters, unbedingt zu berücksichtigen. Ansonsten wäre ein objektives Urteil nicht möglich. Ich gebe aber auch zu, dass man dieses als Betroffener völlig anders sieht!

Aber was hätte es gebracht, die angeklagten Grenzsoldaten, pauschal, ohne Prüfung aller Umstände, zu gemeinen Mördern zu machen?Die, völlig eiskalt, einen fünfzehnjährigen Schüler wie einen Hasen abgeknallt hatten.

Heiko Runge wäre auch nach einem knallharten Urteil gegen die Grenzsoldaten,nicht wieder lebendig geworden. Dem Unrecht seines Todes, wäre ein weiteres Unrecht, diesmal durch die Justiz der Bundesrepublik Deutschland, hinzugefügt worden. Blinde Rache statt faire Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte??




Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


Damals87, RudiEK89, vs1400 und 02_24 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.01.2016 15:34 | nach oben springen

#317

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.01.2016 15:37
von linamax | 2.019 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #301
Zitat von ABV im Beitrag #297
Zitat von Lutze im Beitrag #289
Es war nichts anderes als Mord !!!
Lutze


Juristisch gesehen handelt es sich nicht um Mord. Aber das haben andere vor mir schon geschrieben und erklärt. In dem Spiegel-TV-Beitrag kommt, anders als in der aktuellen Dokumentation zu den tödlichen Schüssen auf den Schüler Heiko Runge, explizit die zum Zeitpunkt des Geschehens vorherrschenden, erheblich eingeschränkte Sicht zum Ausdruck. Auf Grund des diesigen Wetters und der bereits eingetretenen Dämmerung konnten die Schützen die fliehenden Personen nur sehr schwer bis gar nicht als Jugendliche erkennen. Bei der aktuellen Doku konnte man den Eindruck bekommen, dass die Soldaten die flüchtenden Personen ganz klar als Minderjährige hätten erkennen müssen. Dem war aber nicht so, was ja auch von Zeitzeugen welche unmittelbar vor Ort waren, bestätigt wurde.

Die Frage der Sichtverhältnisse spielt bei der späteren juristischen Beurteilung der Tat, bei der sowohl belastende als auch entlastende Aspekte beachtet werden müssen, eine große Rolle.

Hier noch ein paar Worte zu den Schützen: Jürgen Albrecht erschien mir als ein physisches und psychisches Wrack!! Seine, unzweifelhaft befremdlich wirkende Aussage, " dass er von seinem neben ihm stehenden Vorgesetzten, im Fall einer Nichtanwendung der Schusswaffe, selbst erschossen worden wäre, ist für mich ein Ausdruck seines desolaten Zustandes. Meiner Meinung nach hat sich Albrecht, um nicht an der eigenen Schuld zu zerbrechen, in diese Lüge geflüchtet. Solange bis er letztendlich selbst daran glaubte!!

Man sollte nicht vergessen, dass den früheren Grenzsoldaten, nach einer Anwendung der Schusswaffe, keinerlei psychologische Hilfe zuteil wurde. Selbst dann nicht, wenn durch die Anwendung ein Mensch verletzt oder gar getötet wurde! Dem Staat kam es einzig und allein darauf an, das Geschehen möglichst geheim zu halten. Die DDR sollte vor politischen Schaden bewahrt werden. Punkt aus! Etwaige psychische Schäden der jungen Soldaten galten als " unvermeidbare Kollateralschäden".

In der aktuellen Dokumentation wird der psychische Ausnahmezustand in dem sich die beiden Soldaten nach den tödlichen Schüssen befanden, sehr gut dargestellt. Wem wundert es daher, dass Jürgen Albrecht viele Jahre nach der Tat, nur noch ein Schatten seiner selbst war.

Auch der andere Soldat hat das Geschehen dieses verhängnisvollen Nachmittags nicht wirklich verarbeitet. Man kann sich darüber aufregen, dass auch er sich letztendlich auf die geltende Befehlslage zurückzieht, die Aussage als bloße Ausrede diskreditieren. Letztendlich war es aber auch nichts weiter als der unmögliche Versuch, Unerklärliches erklären zu wollen. Beide Soldaten hätten nicht nur vor Gericht gestellt, sondern in psychologische Behandlung gehört!

Ein sehr aufschlussreiches Bild seiner Persönlichkeit bietet im Interview der ehemalige Major Piotrowski. Vordergründig erscheint er noch immer unbelehrbar, von der absoluten Richtigkeit seines damaligen Handelns überzeugt. Die Präsentation seiner Orden und Urkunden wirkt peinlich. Obwohl ich mir denken kann, dass Piotrowski von den Journalisten dazu überredet wurde. Um ihn den Zuschauer als " Ewig gestrigen" vorzuführen.

Trotzdem, auch ein Piotrowski hatte sich in eine Lebenslüge geflüchtet. Um sich selbst nicht nur die Sinnlosigkeit eines jahrzehntelangen Berufslebens, sondern die große Mitschuld eines anderen Lebens, dem des Schülers Heiko Runge, nicht einzugestehen. Letztendlich trifft den Ex-Major auch große moralische Mitschuld daran, dass zumindest teilweise, auch die Leben der beiden ihm unterstellten Schützen und des Freundes von Heiko Runge, zerstört wurden.

Wer also das Handeln der beiden Grenzsoldaten pauschal als Mord abtut, macht es sich sehr einfach. Genauso einfach wie jene, welche die Tat mit der vorherrschenden Befehlslage erklären, oder gar entschuldigen wollen. Beide Varianten gehen Meilenweit am Kern der Sache vorbei.
Solche Vorfälle kann man heute nur objektiv und sachlich betrachten. Und zwar von allen Seiten!! Alles andere führt nicht zum Ziel. Gerade der Fall Heiko Runge ist nicht zuletzt ein Beispiel dafür, wie sich bestimmte Leute, die weder mit dem eigentlichen Geschehen noch mit den Beteiligten Personen in irgend einem Zusammenhang stehen, diese schlimmen Geschehnisse zur eigenen Profilierung missbrauchen.

Gruß an alle
Uwe




Mir kam dieser Piot...was weiß ich, vor wie eine mächtige Schnapsnase.
Gab es ja nicht zu knapp bei der Arbeiter u. Bauernstreitmacht.

Solche Offiziere wie dieser bescheuerte Piot...da muß sich jeder andere Offizier einfach schämen .


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#318

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 04.01.2016 04:06
von Cambrino | 201 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #309
Zitat von Cambrino im Beitrag #280


Hallo vs1400, du schreibst hier " der getötete wurde in die Schulter getroffen " . Wenn der nur in die Schulter getroffen wurde, warum ist der Junge dann tot ? . Ist der Junge vor Schreck gestorben, weil er in die Schulter getroffen wurde ? Das müßtest du uns aber etwas näher erklären.

Gruß CAMBRINO


hm cambrino,
dieses 'nur' wurde von mir nicht erwähnt, ganz bewusst
und somit wurde dir, indirekt, erklärt,
dass ein derartiges projektil, unter diesen gegebenen umständen wohl eher nicht abrupt an geschwindigkeit verliert.
es verlässt dann schlichtweg diese imaginäre flugbahn und findet irgend nen weg ... welcher dann auch tödlich enden kann.

deine waffe, bei der dgb, hätte vergleichbar funktioniert ... bitte ...

gruß vs ... der junge ist nicht vor schreck gestorben, gewiss nicht, doch dass er animiert wurde sollte nicht unerwähnt und beachtet bleiben.










Hallo vs1400, ich muß mir doch noch mal melden. Deine Aussage habe ich in Anführungsstriche gesetzt, das "nur" habe ich in meiner Frage benutzt. Also in Waffenkunde brauche ich keinen Nachhilfeunterricht. Und bei der dgb war ich auch nicht, dgb heißt doch deutscher Gewerkschaftsbund. Ich war bei der DGP. Nach deiner jetzigen Antwort verstehe ich es so, das Projektil trifft in die Schulter, wird abgelenkt und sucht sich die Einschußstelle im Rücken rechte untere Seite Brustkorb, sucht sich den Weg durch den Brustkorb und kommt dann vorne rechte Seite Brustkorb oben heraus. ?
Warum hast Du nicht geschrieben, dem Jungen wurde von hinten durch den Brustkorb geschossen und der Schuß war tötlich. Nach Aktenlage ist dieses die Wahrheit, da brauch auch keiner drum herum reden.
In den Akten wurde in diesem Fall die Anwendung der Schußwaffe auch von O B E N lobend für richtig gehalten weil es angeblich keine andere Möglichkeit für eine Festnahme der Personen gegeben habe. Dieses ist aber nach meiner Meinung falsch, die Festnahme der Personen ohne gezielte Anwendung der Schußwaffen wäre sehr wohl möglich gewesen, wenn man es auch gewollt hätte. Bei der Flucht in Richtung Hinterland konnte man die Verfolgung aufnehmen. Was war denn mit der Hinterlandsicherung ? Die beiden Personen mußten doch dann wohl auch wieder durch den Signalzaun wo sie vorher auch durch sind und den Alarm aus gelöst haben. Die Fußspuren waren schon gesichert, hier konnte ein Fährtenhund sofort eingesetzt werden. Oder gab es an der Grenze keinen Fährtenhund ? So viele Hunde an den Laufanlagen und kein Fährtenhund, kann ich mich eigendlich nicht vorstellen. Nach meiner Meinung waren hier nicht alle anderen Maßnahmen für eine Festnahme erschöpft, das eigene Leben und das Leben anderer Bürger war nicht in unmittelbare Lebensgefahr. Wo war denn hier ein organisatorischer Ablauf des Einsatzes zu erkennen ? Mir ist auch aufgefallen, in der schriftlichen Erklärung des Postenführers steht, er habe die Personen angerufen, dann einen Warnschuß abgegeben. Als die aber weiter liefen, habe er gezieltes Feuer befohlen. In der schriftlichen Erklärung des Grenzaufklärer der am Signalzaun an der Durchschlupfstelle war und dort auch die Fußspuren gesichert hat, schreibt er aber, er habe gegen 16 Uhr mehrere Feuerstöße gehört. Das er auch den Warnschuß gehört hat, hat er nicht geschrieben. Wer sagt hier die Wahrheit ? Die Festnahme dieser beiden Jungen hätte ohne Blutvergießen erfolgen können.
Ich gebe aber den Schützen nicht die alleinige Schuld, die Hauptschuldigen saßen in den höheren Etagen.
In meiner 6,5 Jahren Grenzdienstzeit habe ich so einen Fall nicht erlebt und ist mir auch nicht bekannt geworden. Es war ein sinnloser Tot eines jungen Menschen.

Gruß CAMBRINO


Lutze, DoreHolm, Hanum83 und vs1400 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.01.2016 05:12 | nach oben springen

#319

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 04.01.2016 06:31
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Moin Cambrino,

ja, so kann man das sehen. Der Tod war sinnlos.

Danke für Deine Einschätzung.

Aber zum Abschluß wäre zu sagen: Einige wollen das so nicht sehen .

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#320

RE: Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 04.01.2016 10:31
von Harzwald | 92 Beiträge

Ich erlaube mir mal einen Link zu setzen der dieses Ereignis beleuchtet.

Allerdings wurde 1996 in der Gerichtsverhandlung nachgewiesen das eben kein Anruf und Warnschuß erfolgte.
Es wurde sofort ohne Vorwarnung geschossen worauf hier In diesen Link)noch nicht eingegangen wurde.


Somit wird es eben der Threadüberschrift, "Bei Anruf erfolgt Magazinwechsel" gerecht.

http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-D...eiko/index.html


Gruß von ganz oben aus dem Harzwald.
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