#21

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 02.12.2009 20:42
von Danny_1000 | 166 Beiträge

Hallo Berliner,
In allen Bereichen der Wirtschaft, in den bewaffneten Organen oder kurz: in nahezu allen Bereichen der Gesellschaft (ausgenommen die Kirchen) hatte die SED die eigentliche Macht. Ohne Zustimmung der jeweiligen SED- Parteileitung lief gar nichts.
Die Partei setzte u.a. die Führungskader ein oder manchmal auch ab.
Sie hatte praktisch die Richtlinienkompetenz und machte tagtäglich davon Gebrauch. Nahezu alle mittleren und höheren Führungskader waren Mitglieder der SED (mehr als 2 Millionen)

Zitat von Berliner
Welche Verpflichtungen nahm man dadurch auf sich?

U.a. die, monatlich etwa 1,5 % des Bruttoarbeitslohneslohnes als Parteibeitrag zu bezahlen. Einen halben Trabbi hat mich das im Laufe der Jahre wohl gekostet.

Zitat von Berliner
Wie wurde das vom "Publikum" angesehen?

Wenn ich unter „Publikum“ mal meine Arbeitskollegen verstehe, so geißelten die mich nicht wegen der SED- Mitgliedschaft. Sie erwarteten von mir als „kleiner Chef“ Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Fährnis im täglichen Umgang.
Die Führungsrolle der SED war bei der überwiegenden Mehrheit der Mitarbeiter in meinem Arbeitsbereich unumstritten, zumindest bis in die Mitte der achtziger Jahre.

Wenn ich als „kleiner Chef“ mal einen gravierenden Fehler in der Arbeit machte, so erwartete mich neben einer Disziplinarstrafe durch meinen „Arbeitsgeber“ auch noch eine Parteistrafe.

Vielleicht siehst du nach all den vielen Antworten hier nun ein wenig klarer.

Einen netten Gruß
Daniel


Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
(Voltaire frz. Philosoph 1694 - 1778)
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#22

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 02.12.2009 20:54
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Pitti53
ja es gab schon viele schauveranstaltungen abv.kenne ich auch so.sicher sind nach der wende sehr viele aus der sed ausgetreten.für einige hatte ich aber kein verständnis.die vorher immer die größte klappe hatte,waren die ersten die es taten.und die hatten nicht mal den mumm es offiziell zu machen.haben mir einfach abends das parteibuch unter der tür durchgeschoben.fand ich echt tollaber in der versenkung ist die ehemalige sed nicht verschwunden.die linke hat wohl doch sehr respaktable wahlergebnisse(teils besser als spd und cdu im osten)bin kein mitglied der linken,aber sympatisant.und das laß ich mir nicht nehmen



;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;

Na Pitti, jetzt gibst Du mir aber wieder ein Rätsel auf. Wieso haben diese Abtrünningen gerade Dir Ihre Mitgliedsbücher unter der Tür zugeschoben. Gehe ich Recht in der Annahme, daß Du seinerzeit eine Partei-Funktion inne hattest, die Dich berechtigte diese Ausweise entgegen zu nehmen? Wann hast Du denn Deine Mitgliedschaft aufgegeben, das wäre meine zweite Frage gewesen, denn da Du nicht Mitglied der "Linken" bist, muß ja irgendwann in der Verwandlung der SED zur PDS und zu der Linkspartei bei Dir der Knoten geplatzt sein!
Wie man sich doch unterscheiden kann, Du hattest für Einige kein Verständnis, weil sie ausgetreten sind, ich hatte noch weniger Verständnis für Einige, die drin geblieben sind. Allerdings hatte ich für Alle Diejenigen Verständnis, die zu DDR-Zeiten "Freiwillig Eintreten mußten", damit sie einigermaßen in Ruhe gelassen ihrer Arbeit nachgehen konnten!
Übrigens, es sind damals nicht nur "sehr viele" aus der SED ausgetreten, sondern die meisten!!!
Schönen Gruß aus Kassel.
Wie nanntest Du mich? Stänkerbolzen, oder so ähnlich


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#23

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 02.12.2009 20:54
von Sonny (gelöscht)
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Zitat von Pitti53
aber sie ist die einzige linke bedeutsame kraft



Womit wir bei der Frage wären, was heutzutage noch "links" (und "rechts") sein soll, d.h. ob es diese Kategorien in der globalisierten Welt überhaupt noch geben kann --- aber das führt hier wohl zu weit vom eigentlichen Thema weg.


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#24

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 02.12.2009 20:57
von Bergmensch (gelöscht)
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Zitat von ABV
Wir hatten in unserem VPKA auch ein paar Kollehgen, welche nicht in der Partei waren. Das waren dann die so genannten "Parteilosen Genossen". Bei einem scheiterte die Aufnahme übrigens weitestgehend daran, weil sich niemand als Bürge zur Verfügung stellen wollte. Nach der Wende konnte er damit angeben, nicht in der SED gewesen zu sein. So ist das manchmal im Leben.
Ich bin übrigens 1987 zweimal in die Partei eingetreten. Das erste Mal offiziell als Kandidat, mit Bürgen und obligatorischer Probezeit. Das zweite Mal, ebenfalls 1987, war inszeniertes Schmierentheater. Ich war damals noch beim Missionsschutz in Berlin. Eines Tages hatten wir eine FDJ-Veranstaltung in der auch der Generalleutnant der VP Reuther, seines Zeichen oberster Politoffizier der VP, auftrat. Reuther hielt eine Rede über die "schießwütige" Polizei der BRD und unterlegte dieses auch mit den entsprechenden Zahlen. Ich wurde vor der Veranstaltung zum Polit des WKM bestellt. Dieser beauftragte mich, dass ich nach der Rede des Generals, spontan um Aufnahme in die Reihen der SED bitten soll. Mein Text lautete in etwa: Genosse General, ihre Ausführungen lassen für mich keinen anderen Schluss zu , als um die Aufnahme in die SED zu bitten. Das ich zu diesem Zeitpunkt bereits seit über einem haben Jahr Kandidat der SED war, hatte den Polit nicht interessiert. Ich habe ihm den Gefallen getan, der General war gerührt und der Schein mal wieder gewahrt.
So war das damals in der DDR

Gruß an alle Uwe
http://www.Oderbruchfotograf.de



Hallo ABV Wie oft bist du denn nun ausgetreten?
Solltest du nur einmal ausgetreten sein dann bist du ja immer noch Mitglied einer Partei die es nicht mehr gibt.

Ist ja Lustig.


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#25

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 02.12.2009 21:01
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von Sonny

Zitat von Pitti53
aber sie ist die einzige linke bedeutsame kraft



Womit wir bei der Frage wären, was heutzutage noch "links" (und "rechts") sein soll, d.h. ob es diese Kategorien in der globalisierten Welt überhaupt noch geben kann --- aber das führt hier wohl zu weit vom eigentlichen Thema weg.



Eben,ich finde die 3 Fragen von Berliner sind schon beantwortet.Mal sehen was noch kommt.



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#26

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 02.12.2009 21:03
von Pitti53 | 8.787 Beiträge

Zitat von Zermatt

Zitat von Sonny

Zitat von Pitti53
aber sie ist die einzige linke bedeutsame kraft



Womit wir bei der Frage wären, was heutzutage noch "links" (und "rechts") sein soll, d.h. ob es diese Kategorien in der globalisierten Welt überhaupt noch geben kann --- aber das führt hier wohl zu weit vom eigentlichen Thema weg.



Eben,ich finde die 3 Fragen von Berliner sind schon beantwortet.Mal sehen was noch kommt.




stimmt zermatt.es ist alles gesagt,nur wieder mal nicht von allen


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#27

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 02.12.2009 21:11
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Ich weiß,ja wird zum Schmunzeln.
Aber kurz vor den Zusammenbruch der SED,wollte man das Parteiabzeichen noch ändern.Die beiden Hände sollten rausgenommen werden,statt dessen sollte eine Ziege und eine Taube rein.Was besagen sollte,wer meckert der fliegt.
Und viele haben gemeckert und einige sind geflogen


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#28

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 02.12.2009 23:55
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Bergmensch

Zitat von ABV
Wir hatten in unserem VPKA auch ein paar Kollehgen, welche nicht in der Partei waren. Das waren dann die so genannten "Parteilosen Genossen". Bei einem scheiterte die Aufnahme übrigens weitestgehend daran, weil sich niemand als Bürge zur Verfügung stellen wollte. Nach der Wende konnte er damit angeben, nicht in der SED gewesen zu sein. So ist das manchmal im Leben.
Ich bin übrigens 1987 zweimal in die Partei eingetreten. Das erste Mal offiziell als Kandidat, mit Bürgen und obligatorischer Probezeit. Das zweite Mal, ebenfalls 1987, war inszeniertes Schmierentheater. Ich war damals noch beim Missionsschutz in Berlin. Eines Tages hatten wir eine FDJ-Veranstaltung in der auch der Generalleutnant der VP Reuther, seines Zeichen oberster Politoffizier der VP, auftrat. Reuther hielt eine Rede über die "schießwütige" Polizei der BRD und unterlegte dieses auch mit den entsprechenden Zahlen. Ich wurde vor der Veranstaltung zum Polit des WKM bestellt. Dieser beauftragte mich, dass ich nach der Rede des Generals, spontan um Aufnahme in die Reihen der SED bitten soll. Mein Text lautete in etwa: Genosse General, ihre Ausführungen lassen für mich keinen anderen Schluss zu , als um die Aufnahme in die SED zu bitten. Das ich zu diesem Zeitpunkt bereits seit über einem haben Jahr Kandidat der SED war, hatte den Polit nicht interessiert. Ich habe ihm den Gefallen getan, der General war gerührt und der Schein mal wieder gewahrt.
So war das damals in der DDR

Gruß an alle Uwe
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Hallo ABV Wie oft bist du denn nun ausgetreten?
Solltest du nur einmal ausgetreten sein dann bist du ja immer noch Mitglied einer Partei die es nicht mehr gibt.

Ist ja Lustig.




Hi Bergmensch!
Du meinst also ich wäre so etwas wie das letzte lebende Mitglied der SED? Nee, mein zweiter "Parteibeitritt", war ja nur ein Fake. Extra inszeniert für den General Reuther, der nach der Veranstaltung ganz gerührt von dannen zog. Ohne zu ahnen das man ihn gerade mächtig verscheissert hatte. Mein Parteiaustritt erfolgte im Dezember 1989. Ich weiß noch das mich der Parteisekretär fragte, ob ich etwa jetzt Beamter werden wolle. Und wie ich voller Empörung seine Frage verneinte.
Vieleicht hatte ich ja auch nur die Absicht,mich mit einem Parteiaustritt aus der Verantwortung zu stehlen? Das war aber nur einer meiner vielen damaligen Irrtümer.

Gruß an alle
Uwe
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zuletzt bearbeitet 02.12.2009 23:57 | nach oben springen

#29

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 03.12.2009 01:11
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Wer ist denn heute die Partei?
Banken,Konzerne,Firmen alle die sich aus dem Staub ins Ausland machen wenn das Land Abgegrast ist.

Glaubt man heute wirklich das Strohpuppen wie die Regierung(welche in Vorständsräten solcher Firmen sitzen)eine Politik der Arbeiter machen?

Glauben kann man ja viel,doch wissen ist macht.

Gewonnen hat das heutige System nicht,eher zeigt es nun seine wirklichen Schwächen ohne die Hilfe von außen.

-1 € Jobs
-400 € Jobs
-Umschulungen auf Nullbasis
usw.,alles Zahlen die nicht als Arbeitslose zählen,aber dem Staat unzählige Gelder an Aufstockung kosten.Ein Selbstbetrug erster Klasse mit Zahlen.
Keine und immer weniger Steuern einnehmen,mehr Geld Zahlen als Zuschüße und von sinkenden Arbeitslosenzahlen reden.

Damit werden Firmen gradezu gereitzt nur 400€ Kräfte einzustellen.Zumindest gab es sowas im Osten nicht.

Sagt jetzt jemand das daran der Osten Pleite ging,sage ich das in 10 Jahre der Westen mit Kriminalität am ende ist,aber dann schweigen wieder die Lämmer.

Andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#30

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 03.12.2009 01:23
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von ABV

Zitat von Bergmensch

Zitat von ABV
Wir hatten in unserem VPKA auch ein paar Kollehgen, welche nicht in der Partei waren. Das waren dann die so genannten "Parteilosen Genossen". Bei einem scheiterte die Aufnahme übrigens weitestgehend daran, weil sich niemand als Bürge zur Verfügung stellen wollte. Nach der Wende konnte er damit angeben, nicht in der SED gewesen zu sein. So ist das manchmal im Leben.
Ich bin übrigens 1987 zweimal in die Partei eingetreten. Das erste Mal offiziell als Kandidat, mit Bürgen und obligatorischer Probezeit. Das zweite Mal, ebenfalls 1987, war inszeniertes Schmierentheater. Ich war damals noch beim Missionsschutz in Berlin. Eines Tages hatten wir eine FDJ-Veranstaltung in der auch der Generalleutnant der VP Reuther, seines Zeichen oberster Politoffizier der VP, auftrat. Reuther hielt eine Rede über die "schießwütige" Polizei der BRD und unterlegte dieses auch mit den entsprechenden Zahlen. Ich wurde vor der Veranstaltung zum Polit des WKM bestellt. Dieser beauftragte mich, dass ich nach der Rede des Generals, spontan um Aufnahme in die Reihen der SED bitten soll. Mein Text lautete in etwa: Genosse General, ihre Ausführungen lassen für mich keinen anderen Schluss zu , als um die Aufnahme in die SED zu bitten. Das ich zu diesem Zeitpunkt bereits seit über einem haben Jahr Kandidat der SED war, hatte den Polit nicht interessiert. Ich habe ihm den Gefallen getan, der General war gerührt und der Schein mal wieder gewahrt.
So war das damals in der DDR

Gruß an alle Uwe
http://www.Oderbruchfotograf.de



Hallo ABV Wie oft bist du denn nun ausgetreten?
Solltest du nur einmal ausgetreten sein dann bist du ja immer noch Mitglied einer Partei die es nicht mehr gibt.

Ist ja Lustig.




Hi Bergmensch!
Du meinst also ich wäre so etwas wie das letzte lebende Mitglied der SED? Nee, mein zweiter "Parteibeitritt", war ja nur ein Fake. Extra inszeniert für den General Reuther, der nach der Veranstaltung ganz gerührt von dannen zog. Ohne zu ahnen das man ihn gerade mächtig verscheissert hatte. Mein Parteiaustritt erfolgte im Dezember 1989. Ich weiß noch das mich der Parteisekretär fragte, ob ich etwa jetzt Beamter werden wolle. Und wie ich voller Empörung seine Frage verneinte.
Vieleicht hatte ich ja auch nur die Absicht,mich mit einem Parteiaustritt aus der Verantwortung zu stehlen? Das war aber nur einer meiner vielen damaligen Irrtümer.

Gruß an alle
Uwe
http://www.Oderbruchfotograf.de




Zum erstaunen einiger,ich war auch mal in der Partei(SED)nicht freiwillig,eher durch einen dummen Fehler reingeraten.Egal,lange Geschichte,glaubt eh keiner.
1987 bin ich ausgetreten mit stichhaltigen Argumenten(glaubt hier sicher auch keiner)und ich hatte dadurch keine Konsequenzen als Repressalien erfahren ausser viele Fragen zu beantworten.Aber da gab es ja die Wirtschaftslage und mir wurde im Sinn,nicht offiziell,recht gegeben.

Damit war ich raus,nur mal weil viele es mit besessene Machtgier der SED ohne Austrittmöglichkeit verwechseln.Ohne ein System zu kenne kann man drüber reden aber nie urteilen.

Andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#31

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 03.12.2009 03:03
von westsachse | 464 Beiträge

Es gab genug Leute, die sich bei einem potentiellen Arbeitgeber dafür verantworten mussten, nicht in der Partei gewesen zu sein - und trotzdem studieren durften ...
Man hat halt in beiden Gesellschaftsordnungen gern Leute, mit denen man machen kann, was man will!!!

mit internationalem Gruß

westsachse


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#32

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 03.12.2009 03:19
von Nomex | 254 Beiträge

Jo da kamm ja kaum vorbei,

Ich habe auch mal drüber nach gedacht,

Aber da war ich so eine Gefechtsschlampe das selbst der Parteinik und sein Stellvertreter nicht als Paten dazu stehen wollten. Es gab aber damals schon Leute die das nicht so verbisssen gesehen haben. Sonst hätte ich ja Maja und Rainmain nie kennen lerne können.

Ich hab meine Akte gesehen. ;-)


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Günther Zieschong: "Mir hätten das System erst mal leasen solln...."
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#33

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 03.12.2009 05:52
von Berliner (gelöscht)
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Hallo @alle,

zunaechstmal vielen Dank. Mit einer so grossen Resonanz hatte ich nicht gerechnet. Schon am Nachmittag wollte ich etwas dazuschreiben, aber es kamen immer mehr Antworten von der tollen Community hier.

Zitat von Onkel Hu
Das fand der Chef GT sehr "clever", wie er es formulierte und fragte mich promt nach meiner Parteimitgliedschaft. Die musste ich verneinen. Daraufhin deutete er an, dass solche kritischen Genossen in die Partei gehören. Da hatte ich wohl keine Wahl mehr. Eine Buchprämie habe ich auch bekommen. Einzig mein KC war für einige Augenblicke etwas nervös.


Hallo Onkel Hu,

ich gratuliere Dir erst zu Deiner Befoederung und gleich ein paar Anmerkungen:

Ich finde es gut, dass Baumgartner das ernstgenommen hat (Parteimitglied zu sein). Die Partei war aber bekannt dafuer, Kreativitaet und andere Ideen im Keim zu ersticken, oder?
Was ist eine Buchpraemie (im Sinne der DDR)?

Zitat von josy95
Weiter Karrierebeschleunigend wirkte noch die Delegation zur Kreis- oder gar Bezirksparteischule...


Hallo Thomas (der Lokfuehrer),

was fuer eine Rolle haben diese Parteischulen in der DDR gespielt?

Zitat von Bunkerkommandant
Aber das war mir egal, ich habe es für mich und für mein sozialistisches Vaterland getan, dem ich verpflichtet war.


Hallo Thomas (Bunkerkommandant),

so kenne ich Dich und finde ich ganz i.O..

Zitat von MajorTom
Habe ich bei mir in den Zügen an der Fähnrich- wie auch an der Offiziershochschule auch betrieben, allerdings nicht mit der Holzhammermethode, sondern einfach in persönlichen Gesprächen. Ohne speziellen Parteiauftrag.


Hallo MajorTom,

Danke, dass Du zu Deiner damiligen Taetigkeit stehst.
Dafuer erntest Du gleich eine Frage: Was Du oben beschrieben hast, wie ging das vor sich hin? Was hast Du so gesagt, wie hast Du die Situation so hingefaedelt, dass es um die Partei gehen konnte?

Zitat von wosch
Was es hieß in der Partei zu sein, läßt sich am besten daran ersehen, wie schnell in der Wendezeit ca 2000000 (in Worten: Zwei Millionen) Parteigenossen die SED verlassen hatten.


Hallo Wolfgang,

weil Du es angesprochen hast, frage ich Dich jetzt "zurueck".
Wieso aus der Partei austreten ueberhaupt, wenn man davon ueberzeugt war? Wieso nicht auf eine andere oder "neue" Partei umsteigen?

Diese Statistik finde ich ehrlich gesagt, schlicht unglaublich.

Zitat von ABV
Reuther hielt eine Rede über die "schießwütige" Polizei der BRD und unterlegte dieses auch mit den entsprechenden Zahlen. Ich wurde vor der Veranstaltung zum Polit des WKM bestellt. Dieser beauftragte mich, dass ich nach der Rede des Generals, spontan um Aufnahme in die Reihen der SED bitten soll. Mein Text lautete in etwa: Genosse General, ihre Ausführungen lassen für mich keinen anderen Schluss zu , als um die Aufnahme in die SED zu bitten. Das ich zu diesem Zeitpunkt bereits seit über einem haben Jahr Kandidat der SED war, hatte den Polit nicht interessiert. Ich habe ihm den Gefallen getan, der General war gerührt und der Schein mal wieder gewahrt.


Hallo Uwe,

Wahnsinn...haben die "Betonkoepfe" (hoffentlich darf ich mal den Begriff anwenden, zumal andere "Ueberzeugten" es hier bereits getan haben) nie spitzgekriegt, dass sie total auf den Arm genommen wurden?
Ich stelle mir vor irgendein Pfiffi waehren einer solchen Aktion anfaengt zu lachen, haelt es nicht mehr aus...hat es sowas gegeben?

Naja, danke, dass Du davon erzaehlst. Dass man zu dem steht was er getan hat definiert fuer mich viel mehr die Person jetzt, als was war. Naja, anders gesagt, zumindest hast Du noch ein paar in der Hose.

Zitat von Danny_1000
Hallo Berliner,
In allen Bereichen der Wirtschaft, in den bewaffneten Organen oder kurz: in nahezu allen Bereichen der Gesellschaft (ausgenommen die Kirchen) hatte die SED die eigentliche Macht. Ohne Zustimmung der jeweiligen SED- Parteileitung lief gar nichts.
Die Partei setzte u.a. die Führungskader ein oder manchmal auch ab.
Sie hatte praktisch die Richtlinienkompetenz und machte tagtäglich davon Gebrauch. Nahezu alle mittleren und höheren Führungskader waren Mitglieder der SED (mehr als 2 Millionen)

Zitat von Berliner
Welche Verpflichtungen nahm man dadurch auf sich?

U.a. die, monatlich etwa 1,5 % des Bruttoarbeitslohneslohnes als Parteibeitrag zu bezahlen. Einen halben Trabbi hat mich das im Laufe der Jahre wohl gekostet.

Zitat von Berliner
Wie wurde das vom "Publikum" angesehen?

Wenn ich unter „Publikum“ mal meine Arbeitskollegen verstehe, so geißelten die mich nicht wegen der SED- Mitgliedschaft. Sie erwarteten von mir als „kleiner Chef“ Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Fährnis im täglichen Umgang.
Die Führungsrolle der SED war bei der überwiegenden Mehrheit der Mitarbeiter in meinem Arbeitsbereich unumstritten, zumindest bis in die Mitte der achtziger Jahre.

Wenn ich als „kleiner Chef“ mal einen gravierenden Fehler in der Arbeit machte, so erwartete mich neben einer Disziplinarstrafe durch meinen „Arbeitsgeber“ auch noch eine Parteistrafe.

Vielleicht siehst du nach all den vielen Antworten hier nun ein wenig klarer.



das tue ich tatsaechlich Daniel, vielen Dank.

Frage: was gab es normalerweise fuer eine Parteistrafe?
Was das eine Geldstrafe? Wurde man oeffentlich "gedemuetigt"?

Danke, auch einen netten Gruss zurueck.

Zitat von Bergmensch
Hallo ABV Wie oft bist du denn nun ausgetreten?


Wie ging das, aus der Partei auszutreten? Was gab es da fuer Grunde?

Liebe Gruesse @alle ueber den Teich,
Berliner


zuletzt bearbeitet 03.12.2009 05:58 | nach oben springen

#34

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 03.12.2009 07:42
von CaptnDelta (gelöscht)
avatar

Hab' die Beitraege auch mit Interesse gelesen, nur mal ein paar Antworten von meiner Seite,

Zitat von Berliner

Zitat von ABV
Reuther hielt eine Rede über die "schießwütige" Polizei der BRD und unterlegte dieses auch mit den entsprechenden Zahlen. Ich wurde vor der Veranstaltung zum Polit des WKM bestellt. Dieser beauftragte mich, dass ich nach der Rede des Generals, spontan um Aufnahme in die Reihen der SED bitten soll. Mein Text lautete in etwa: Genosse General, ihre Ausführungen lassen für mich keinen anderen Schluss zu , als um die Aufnahme in die SED zu bitten. Das ich zu diesem Zeitpunkt bereits seit über einem haben Jahr Kandidat der SED war, hatte den Polit nicht interessiert. Ich habe ihm den Gefallen getan, der General war gerührt und der Schein mal wieder gewahrt.

Hallo Uwe,
Wahnsinn...haben die "Betonkoepfe" (hoffentlich darf ich mal den Begriff anwenden, zumal andere "Ueberzeugten" es hier bereits getan haben) nie spitzgekriegt, dass sie total auf den Arm genommen wurden?
Ich stelle mir vor irgendein Pfiffi waehren einer solchen Aktion anfaengt zu lachen, haelt es nicht mehr aus...hat es sowas gegeben?
Naja, danke, dass Du davon erzaehlst. Dass man zu dem steht was er getan hat definiert fuer mich viel mehr die Person jetzt, als was war. Naja, anders gesagt, zumindest hast Du noch ein paar in der Hose.



Ja, Berliner, in der DDR lernte man von kleinauf, solche 'Lachreize' zu unterdruecken, ansonsten war es recht warscheinlich das schon die Eltern mal die eine oder andere 'Citation' bekamen, und dann war Schluss mit lustig. Je aelter man wurde, desto mehr lernte man da zur richtigen Zeit das richtige Gesicht zu machen. Die bewaffneten Organe waren da -nach ABV's Beispiel- keine Aussnahme. Uebrigens, die Geschichte hat mich an sich nicht so sehr ueberrascht, eher Uwe's gutes Erinnerungsvermoegen.

Zitat von Berliner

Zitat von Bergmensch
Hallo ABV Wie oft bist du denn nun ausgetreten?


Wie ging das, aus der Partei auszutreten? Was gab es da fuer Grunde?



Es kommt da warscheinlich immer auf die Epoche 'drauf an. In den 70er Jahren, oder auch noch Anfang der 80er war 'aus der Partei austreten' praktisch das Sakrileg ueberhaupt. Es gab ja Ende der 70er etliche die im Verlauf der Biermann-Ausbuergerung ausgetreten sind, und da rotierten die Genossen schon recht gut alle bei der Stange zu halten. Allerdings hat einer der EK/??'s in einem anderen Thread einen Beitrag geschrieben, bei welchem er anscheinend ohne Probleme ausgetreten ist (das war aber anscheinend schon Mitte/Ende der 80er). Nichts war unmoeglich, in der DDR.

Was auf jeden Fall sicher war in der DDR war das die staatlichen Organe in allen Belangen einen recht weiten Spielraum hatten, und diesen auch weidlich nutzten. Man hatte auch keine Moeglichkeiten, seine Rechte ueber Verwaltungsgerichte (oder gar Verfassungsbeschwerden) einzuklagen - es gab nur den Weg (aehnlich eines Almosenbettlers) einen Brief an den Landesfuersten zu schreiben, das nannte sich "Eingabe".

-Th


zuletzt bearbeitet 03.12.2009 07:46 | nach oben springen

#35

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 03.12.2009 08:34
von FriWe89 (gelöscht)
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Noch einer, der seinen Senf dazu gibt,

Ja - Die Partei, die Partei hat immer recht. Denkste.

Ich wurde mit 19 angeworben durch den Betriebsparteisekretär meines Arbeitgebers (damals KONSUM).
Es wurde in diesem "Gespräch" klar gestellt, das meine Aufstiegschancen damit weitaus höher sind, ich mehr Möglichkeiten habe, etc. p.p. Wie gesagt - ich war ein Bockerer. Ein klares Nöö von meiner Seite.

Ein weiter Versuch erfolgte knapp ein Jahr später, da ich auf der VHS mein Abitur "nachholen wollte". Diesmal auf dem Wehrkreiskommando und im Doppelpack mit "3 Jahren". Keine 3 Jahre und kein "Oval" => "... dann werden wir Dich während der Abendschule ziehen." Und da man diese nicht unterbrechen darf, wäre sie für die Katz gewesen. Fatal... In diesem Gespräch liess ich das Wort "Erpressung" fallen.

Es brachte mir ein, das ich fortan alle 3 Monate mein Klappkarte bekam und zum Stützpunkt traben durfte. Denn man "versprach" mir, das einige Jahre ins Land gehen werden, bis ich meinen Dienst antreten darf. So war es auch. Das es GT wurde und auch noch Berlin. Und dann '89... Tja...

Aber so umging ich trotz allem mit Spaß die "Partei". ;-)


PS. Meinen Personalausweis habe ich schon kurz nach diesem Termin verloren. Was mehr als gut war, denn der spätere Standort Berlin war gross und im Ausgang mit WDA... Nochmal... Nöö.... ;-)


zuletzt bearbeitet 03.12.2009 08:39 | nach oben springen

#36

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 03.12.2009 09:37
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

in meiner lehre fragte mich plötzlich einer der lehrmeister ob ich mir nicht schon mal gedanken über die parteimitgliedschaft gemacht hätte. "mensch junge... du hast das zeug dazu... du siehst die probleme, sprichst sie offen an und lässt dich nie verbiegen (worte die mir jahre später generalleutnant schwanitz unbewusst noch einmal sagte...).
"komm mit uns, sieh es dir an, ob das deine heimat werden kann..." sagte der lehrmeister, dem ich sehr vertraute und ich ging mit. ich sah es mir dreimal an und sah sehr heftige diskussionen über missstände im betrieb etc. ich sah aber auch dort lehrmeister sitzen die ich menschlich ablehnte. was mich aber überzeugte, war die offene und kritische gesprächskultur. ich stellte daher den antrag als kandidat, welcher von den anwesenden genossen, auch von denen die mich persönlich ablehnten, beführwortet wurde. hierbei wurde ich das erste mal stutzig...

nach genau einem halben jahr versuchte ausgerechnet einer dieser lehrmeister, den ich menschlich ablehnte und der mit mir absolut nicht konnte und wollte und der auch bei der aufnahme mit dafür gestimmt hatte, mir die lkw- fahrerlaubnis bei der gst streitig zu machen. er behauptete, ich hätte ihm bei der gst- ausbildung im betrunkenen zustand als "sachsen-schwein" tituliert (indem zusammenhang sollte man wissen, das bei der beginnenden gst- ausbildung im 2 lehrjahr fast die gesamte lehrgruppe total besoffen im betrieb erschien. da ich keinen alkohol getrunken hatte, war mir klar, das hier eine absichtliche verwechselung stattfand. abends gab es noch eine prügelei zwischen betrunkenen lehrlingen und betrunkenen lehrmeistern... ).
meine praktische ausbildung am lkw wurde tatsächlich gekippt.
noch während der ausbildung musste ich in gst-klamotten nach glauchau zum wkk. unterwegs hielt plötzlich ein blauer trabant neben mir, sprach mich mit meinem vornamen an und erklärte, dass er von der dortigen kreisdienststelle des mfs sei und ich möchte mal einsteigen, was ich auch tat.
während der fahrt wurde ich zu den vorgängen befragt. über meine angeblichen verfehlungen war man auch bereits im bilde...
nachdem man sich alles seelenruhig angehört hatte und mich immer wieder fragte, ob die aussage des lehrmeisters bzgl. meines verhaltens denn nun stimmt, wurde ich am wkk abgesetzt mit der aussage, das man nochmals erkundigungen darüber einholt und ich dann alles weitere dann schon bemerke...
tatsächlich wurde ich 2 monate später wieder zur praktischen fahrausbildung schriftlich vom betrieb eingeladen.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#37

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 03.12.2009 09:53
von CaptnDelta (gelöscht)
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Yo!, Gilbert,
jetzt hoerste da mittendrin auf...
Mich haette da der weitere Werdegang bis zur Aufnahme in die 'Firma' interessiert - nachdem man da anscheinend schon eher auf Dich aufmerksam geworden war.

Ich hatte so aehnliche Erlebnisse in meinem Lehrbetrieb (RAW in KMS),
allerdings ein blauer Trabi ist mir nie zu Hilfe gekommen .
Die Meister da waren so ziemlich vom gleichen Schlag - da haben sogar mal die Eltern im Elternabend gegen die Sitten rebelliert .

Erzaehl mal zu Ende, bitte
-Th


zuletzt bearbeitet 03.12.2009 09:54 | nach oben springen

#38

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 03.12.2009 09:59
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

teil II

warum erläutere ich so ausführlich den teil mit diesem lehrmeister? weil hier schon das karriere- und duckmäusertum einzelner offensichtlich wurde.
anschliessend kam ich als kandidat auf der grossbaustelle jänschwalde in eine andere parteigruppe. auch hier erlebte ich, wie offen und kritisch man probleme ansprach, was mich erneut erstaunte.
nach meiner einberufung ins mfs wurde ich dort, noch während meiner grundausbildung, nach meiner abgelaufenen kandidatenzeit zum genossen gwählt bzw. bestätigt. aber genau in diesem organ erlebte ich es, das man auf parteiversammlungen nicht mehr über vorhandene mängel sprach sondern nur noch über die weltlage und man die arbeit mit der fdj und politinformation vermengte bzw. verquirlte. ich war enttäuscht.
jahre später erlebte ich, das man einen jungen genossen "öffentlich schlachten" wollte(in der parteiversammlung). hier der kurze hintergrund: er hatte im grenzgebiet in einem haus gewohnt welches regelmässig hausfeste durchführte. sein nachbar war der zuständige abv. bei einer dieser feiern bat ihn die nachbarin mal schnell mit in ihre wohnung zu kommen. dort angekommen entkleidete sie sich und wollte geliebt werden. da mein kollege über die situation zu erstaunt war, glotze er lange, schob vor aufregung seinen finger in seinen mund und haute fluchtartig ab.
tage später gingen von genau dieser genossin (frau des abv) beschwerden im mfs ein, das mein kollege ruhestörenden lärm zu den unterschiedlichsten zeiten verursacht. dies sollte dann auch gegenstand dieser parteiversammlung werden. im vorfeld ermittelten wir, das zu allen zeiten wo er ruhestörenden lärm verursacht haben sollte, er im dienst und auf der dienststelle war.
die parteiversammlung begann und man verlas die vorwürfe. toten stille. plötzlich sprachen die jungen genossen und verteidigten ihn. der stellvertretende parteisekretär, ein jüngerer genosse, versuchte den anderen jungen genossen klar zu machen, das sie hier nicht in dieser art ihn verteidigen müsse. daraufhin stand ich auf, wiederholte das vorher gesagte. daraufhin erklärte er mir, das ich wohl was nicht verstanden hätte. doch sagte ich ihm, ich wiederhole es gerne erneut und belegte anhand von unterlagen verfehlungen von sprechern, die meinen kollegen gerne an den pranger haben wollten.
daraufhin eskalierte fast die situation.
am nächsten morgen holte der leiter der diensteinheit die von mir bezeichneten unterlagen. unter der hand tuschelte man schon: "na jetzt... wirst du geschlachtet". am abend suchte mich der leiter der diensteinheit auf und suchte das gespräch und druckste. "hmmmm, deine aussagen kann ich zwar bestätigen was mich erstaunt, das du so gut vorbereitet gewesen bist, aber man kann das doch nicht so sagen, indem man die älteren vor den kopf stösst...." damit gab er mir recht.

nach kurzer zeit erlebte ich wie wie die partei im ganzen versagte und ging nach meiner entlassung aus dem mfs nie wieder zu einer versammlung der sed, pds oder ähnliches.

an dem tag, wo in dieser partei kritik nicht mehr bis oben hin möglich war, begann sie zu sterben...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#39

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 03.12.2009 10:27
von CaptnDelta (gelöscht)
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Danke, Gilbert,
'insightful' ist gerade das Wort das mir einfaellt. Allerdings, wie bist Du dann trotz alledem zur Firma gekommen?
Gibts da 'nen Teil III (oder besser I 1/2)? Waere interessiert dran, mehr als an den Maerchen und Geschichten die hier 'rumgeistern.

Servus,
-Th


zuletzt bearbeitet 03.12.2009 10:33 | nach oben springen

#40

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 03.12.2009 11:05
von wosch (gelöscht)
avatar



Zitat von wosch
Was es hieß in der Partei zu sein, läßt sich am besten daran ersehen, wie schnell in der Wendezeit ca 2000000 (in Worten: Zwei Millionen) Parteigenossen die SED verlassen hatten.



Hallo Wolfgang,

weil Du es angesprochen hast, frage ich Dich jetzt "zurueck".
Wieso aus der Partei austreten ueberhaupt, wenn man davon ueberzeugt war? Wieso nicht auf eine andere oder "neue" Partei umsteigen?

Diese Statistik finde ich ehrlich gesagt, schlicht unglaublich.


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Nun Duane, wer sagt dann, daß Diejenigen, welche ihre Parteibücher zurück gegeben hatten Alle überzeugte "Genossen" waren, die es allerdings auch gegeben hatte. Letztere traten aus, weil ihnen in der Wendezeit die Augen geöffnet wurden, über den wahren Zustand der DDR, der ihnen bis dahin von ihrer Führung immer verschwiegen wurde. Sie fühlten sich von ihrer Führung zum großen Teil "Belogen und Betrogen" und jeden Tag gab es neue Enthüllungen, die im Gegensatz zu der ofiziellen Parteilinie standen und ein "Weiter so" wollten sie nicht mehr gutheißen!!
Ein Großteil Derjenigen welche aus der SED austraten, hatten erkannt daß die Allmacht der SED zu Ende ging und sie hatten einfach keine Angst mehr vor ihr und ihrem "Schwert und Schild" und traten nun "freiwillig" aus der Partei aus, in die man sie durch "Freiwilligem Zwang", bzw. erforderlichen Opportunismus reingepreßt hatte.
Zur Wendezeit war es sicher nicht ganz einfach für die ehemaligen Genossen sich parteilich sofort anders zu organisieren, denn 1. war die Parteienvielfalt erst im Aufbau, 2. wurde man schnell als "Wendehals" eingestuft und 3. sehr viele der Ehemaligen Parteimitglieder hatten auf Deutsch gesagt, erst mal die Schnauze voll von Parteien und die in PDS umbenannte SED war auch keine Alternative.
Schlicht unglaublich, aber wahr, wie die Partei die vorgab eine Partei des Volkes gewesen zu sein, sich innerhalb von so kurzer Zeit in Nichts aufgelöst hatte, wenn auch Teile von ihr unter neuer Führung ein Großteil des SED-Vermögens beiseite schaffen konnten.
Schönen Gruß nach El Paso aus Kassel.
Wosch


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