#1

Familienserie über den Alltag in der SED-Diktatur: "Weißensee"

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 28.11.2009 12:13
von Sauerländer (gelöscht)
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TV-Vorschau
Wie die "Drombuschs" aus der Stasi-Zeit
(9) Von Peter Zander 27. November 2009, 11:07 Uhr
Die ARD dreht derzeit in Berlin die erste Familienserie über den Alltag in der SED-Diktatur: "Weißensee". Dabei trifft eine Täter-Familie um einen Stasi-Generalmajor auf die Opfer-Familie einer systemkritischen Liedermacherin. Als sich ihre Kinder ineinander verlieben, prallen Welten aufeinander.


In der sechsteiligen Serie "Weißensee" geht es um den DDR-Alltag zweier Familien in Ost-Berlin während der 80er-Jahre, die gegensätzlicher nicht sein können.

Uwe Kockisch ist nackt. Also nicht gänzlich nackt. Aber für seine jüngste TV-Produktion hat der Schauspieler doch sein Liebstes, sein Heiligstes, sein Markenzeichen geopfert: den Bart. Und plötzlich wirkt er viel schmaler, älter, zerbrechlicher. In der ARD-Serie „Weißensee“ spielt er die Hauptrolle des Stasi-Generalmajors Hans Kupfer.

Gedreht wird der Sechsteiler derzeit in Berlin, auch an Brennpunkten der DDR-Geschichte, unter anderem im ehemaligen Gefängnis Hohenschönhausen und in der einstigen Stasi-Zentrale, der heutigen Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße. Hier atmet noch jeder Quadratmeter den Schrecken der SED-Diktatur. Und hier, im vierten Stock, Zimmer 410, wurde das Büro des Stasi-Mannes Kupfer eingerichtet.

Heute steht auf dem Drehplan die Szene 2/61, in der sich der alte Kupfer einen Disput mit seinem Sohn Falk (Jörg Hartmann) liefert, ein Stasi-Mann wie er, der aber, um Karriere zu machen, noch viel kaltblütiger operiert. Und eine Liedermacherin observieren lässt, von der er nicht ahnen kann, dass sein Vater einst eine Affäre mit ihr hatte.

Im Hof ist ein riesiger Kamerakran aufgebaut, weil die Szene zum Teil von draußen durchs Fenster gedreht werden soll. Immer wieder stehen die Crewmitglieder am Fenster und gucken nach unten. Kockisch sitzt derweil an „seinem“ Schreibtisch, ordnet dort „seine“ Unterlagen, um sich auf die Rolle zu konzentrieren. Zwischendurch läuft er auch durch das Büro, mit dem Honecker-Bild gleich hinter dem Schreibtisch und den marxistischen, in Blei gegossenen Leitsprüchen an den Seitenwänden. Vor denen bleibt Kockisch stehen und schüttelt lesend den Kopf.

Der heute 65-Jährige hat selbst einmal mit der Stasi zu tun bekommen, als er, damals 17-jährig, versuchte, aus der DDR zu fliehen. Vergeblich. Ein Jahr saß er dafür in Cottbus im Gefängnis. Jetzt spielt er, welch Ironie, nach „Der Tunnel“ schon zum zweiten Mal einen Stasi-Mann. Darüber spricht der Schauspieler indes nicht gern. Er spricht überhaupt nicht gern über jene Jahre. Das, findet er, täten heute genug andere. Und: „Es haben damals nicht so viele aufbegehrt, wie es heute behaupten.“


Katrin Sass, die die observierte Sängerin Dunja Hausmann spielt, hat heute drehfrei. Auch sie hat Erfahrungen mit der Stasi machen müssen. Auch sie spricht nicht gerne darüber. Aber aus einem anderen Grund: weil sie schon so oft darüber gesprochen hat. In ihrer Autobiographie „Das Glück wird niemals alt“ hat sie geschildert, wie eine Freundin, nein, eine, die sich als Freundin ausgab und aufgedrängt hat, sie bespitzelt hat. Das hat sie erst herausgefunden, als sie später ihre Stasi-Akte einsah. „Ich möchte mich nicht mehr über diese Person äußern“, sagt die 53-Jährige heute. „Das will ich abhaken. Diese Widerlichkeit kann ich nicht vergessen, nie. Ich kann aber auch nicht mehr darüber sprechen.“

Für beide Schauspieler ist es befremdlich, in „Weißensee“ mitzuwirken. Wieder zu sehen, wie die DDR bis in kleinste Requisiten zurückgeholt wird, wie in „Good Bye, Lenin!“, bloß ohne Koma. Und die DDR wird hier nicht rekonstruiert, um einen Schock zu verhindern, sondern um den Schock zu zeigen. Wie es war.

„Weißensee“ ist die erste Fernsehserie, die Familiengeschichten im real existierenden Sozialismus erzählt. Mit all seinen Lausch-, Überwachungs- und Unterdrückungsmethoden. Es geht um eine „Täter“-Familie, die des Herrn Kupfer, und eine „Opfer“-Familie, die der Sängerin Dunja Hausmann. Beide sind schicksalhaft verbunden. Nicht nur durch die alte Affäre. Der jüngste Spross von Kupfer (Florian Lukas), ein Volkspolizist, verliebt sich auch noch in die Tochter der Opponentin (Hannah Herzsprung), die womöglich seine Halbschwester ist.

Produziert wird „Weißensee“ von Regina Ziegler, die auch die Idee zu der Serie hatte. Ziegler – die gerade in New York einen Emmy für ihre TV-Produktion „Die Wölfe“ entgegen nehmen durfte – hat immer gern „Diese Drombuschs“ gesehen und sich immer gefragt, warum man nie eine solche Familiensaga über die DDR gemacht hat. So was wie die Drombuschs in der Stasi-Zeit. Sie hat das Konzept mit der Drehbuchautorin Annette Hess („Die Frau am Checkpoint Charlie“) erarbeitet – und auch den MDR dafür begeistert. Als Regisseur konnte sie wieder Friedemann Fromm gewinnen, mit dem sie schon mehrfach erfolgreich zusammengearbeitet hat, bei den „Wölfen“ etwa und bei „Jenseits der Mauer“. Fromm blieb erst einmal zurückhaltend, wollte nicht schon wieder einen Stoff mit Ost-West-Problematik verfilmen. Aber als er das erste Drehbuch gelesen hatte, sagte er zu. Wie die Schauspieler übrigens auch.

Dass die, bis auf Herzsprung, wirklich fast alle aus dem Osten kommen, war Ziegler ganz wichtig. „Zumindest bei der älteren Generation. Diese Schauspieler haben ja die Realität kennengelernt. Die wissen, wie es war.“ Bei den Jüngeren ist das schon nicht mehr immer so. Das kann Katrin Sass bei Florian Lukas feststellen, mit dem sie ja schon bei „Good Bye, Lenin!“ zusammengearbeitet hat. „Aber noch einmal zehn Jahre mehr“, so Sass, „und es spielt keine Rolle mehr, wer das spielt.“

Regina Ziegler legt Wert auf absolute Authentizität, beschäftigt dafür auch historische Berater und ließ in die Drehbücher Fälle mit einarbeiten, die wirklich passiert sind. Gedreht werden noch bis 17. Dezember sechs Folgen à 50 Minuten, die im Herbst 2010 ausgestrahlt werden. Aber der Produzentin schwebt noch mehr vor. „Wenn es uns gelingt, das Interesse der Zuschauer zu haben, werden wir die Schicksale unserer Protagonisten weitererzählen.“ Sie könne sich durchaus mehrere Staffeln vorstellen. Die jetzt produzierten Folgen spielten im Jahr 1980, da wäre noch viel Potenzial bis zum Fall der Mauer. Und man könnte die Geschichte auch noch viel weiter erzählen, bis in die heutigen Tage hinein.

Kommt die Serie, nach den ganzen Gedenkfeiern zu 20 Jahre Mauerfall, nicht womöglich zu spät? Diesen Einwand lässt Ziegler nicht gelten: „Im Gegenteil“, sagt sie, „die deutsch-deutsche Geschichte wird eine never-ending story sein.“ Das habe man am Erfolg von Uwe Tellkamps Buch „Der Turm“ beobachten können, der ja auch einen kritischen Blick auf den DDR-Alltag geboten habe – und bestimmt ebenfalls bald als Fernseh-Mehrteiler verfilmt wird. Frau Ziegler bereitet als nächstes zudem einen Film vor über Fälle, die in der Birthler-Behörde recherchiert wurden. „Da gibt es“, ist sie sich sicher, „noch viele Geschichten zu erzählen.“

Dass „Weißensee“ am Dienstagabend ausgestrahlt wird, dem wichtigsten Serienabend der ARD, findet Ziegler selber mutig. Aber das, propagiert sie, „ist die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens: solche Stoffe aufzugreifen und zur besten Sendezeit auszustrahlen.“

http://www.welt.de/fernsehen/article5344...Stasi-Zeit.html


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#2

RE: Familienserie über den Alltag in der SED-Diktatur: "Weißensee"

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 28.11.2009 16:57
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo zusammen, mir gefallen diese Sätze nicht, so aus dem vorhergehenden Text:

" Und die DDR wird hier nicht rekonstruiert, um einen Schock zu verhindern, sondern um den Schock zu zeigen. Wie es war."

Meine Meinung, es ist völlig falsches Kino, einseitig mit System, falsch in seinem gesamten Anliegen vermittelt es ein Bild von einem Staat, wie er es nicht verdient hat.Gerade für junge Menschen und ihr Weltbild vom Sozialismus und seinem Gegenspieler Kapitalismus.

Gruß Rainer- Maria


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#3

RE: Familienserie über den Alltag in der SED-Diktatur: "Weißensee"

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 28.11.2009 18:03
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Hallo zusammen, mir gefallen diese Sätze nicht, so aus dem vorhergehenden Text:
" Und die DDR wird hier nicht rekonstruiert, um einen Schock zu verhindern, sondern um den Schock zu zeigen. Wie es war."
Meine Meinung, es ist völlig falsches Kino, einseitig mit System, falsch in seinem gesamten Anliegen vermittelt es ein Bild von einem Staat, wie er es nicht verdient hat.Gerade für junge Menschen und ihr Weltbild vom Sozialismus und seinem Gegenspieler Kapitalismus.
Gruß Rainer- Maria


Hallo,na wie soll denn nun die "Republik" ,dieser Arbeiter und Bauernstaat dargestellt werden?
Wie hat er es denn verdient?
Sicherlich so,wie er in deiner Wahrnehmung vorhanden ist und du es gerne hättest,aber viele andere Ostdeutsche sehen die Geschichte eben anders!
Zum Glück dürfen wir ja heute eine andere Meinung haben,sie wird uns nicht mehr aufgezwungen.
Klär uns doch bitte mit deinem Verständnis mal wieder auf.
Ein Tipp:Sieh dir einfach diesen Schund nicht an,kennst ja die Geschichte schon.
Ich werd erst über den Film urteilen,wenn ich ihn gesehen habe.

Gruß ek40


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#4

RE: Familienserie über den Alltag in der SED-Diktatur: "Weißensee"

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 28.11.2009 18:32
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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ek 40, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich eine aufzwingen zu lassen, du gehörtest wahrscheinlich zu den Letzteren. Es soll auch nicht sein," wie ich es gerne hätte", den ich habe es erlebt, wie du richtig schreibst, nein, es soll fair sein und nicht unfair.
Kann auch sein, das du etwas abseits von den großen Städten aufgewachsen bist.

Gruß Rainer- Maria


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#5

RE: Familienserie über den Alltag in der SED-Diktatur: "Weißensee"

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 29.11.2009 20:13
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
ek 40, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich eine aufzwingen zu lassen, du gehörtest wahrscheinlich zu den Letzteren. Es soll auch nicht sein," wie ich es gerne hätte", den ich habe es erlebt, wie du richtig schreibst, nein, es soll fair sein und nicht unfair.
Kann auch sein, das du etwas abseits von den großen Städten aufgewachsen bist.
Gruß Rainer- Maria


Hallo mein Experte Rainer-Maria,
um ein Missverständnis deinerseits aus dem Weg zu räumen möchte,ich dir versichern das ich nicht zu den "Letzteren" gehöre.
Z.B.hab ich mich nie in die SED zwingen lassen und bin auch deren Ideologie nicht gefolgt.
Das hatte für mich unangenehme Konsequenzen.
Dies war so und ich lass es mir eben nicht in Abrede stellen,hab ich es doch selbst erlebt.
So wie du deine Erlebnisse zweifelsfrei hattest.
Nur sehen wir einiges oft aus verschiedenen Perspektiven.
Ich lebe nun schon 47 Jahre im heutigen Sachsen-Anhalt.Dieser Umstand müßte dir eigentlich genügen,um mir zumindest etwas Wissen über das Leben in der ehem.DDR und ein wenig Lebenserfahrung zuzugestehen.
Zu diesem Thema hatte ich mich aber schon in einem anderen Beitrag geäußert.
Mit der eigenen Meinung verhält sich das heute noch genau so,da besitz ich doch wirklich die Frechheit und bilde mir immer noch eine eigene.
Und glaub mir bitte,diese läuft nicht immer mit diversen Vorgängen der heutigen Politik konform.
Dennoch ist mein Demokratieverständnis durch die heutige Bundesrepublik besser umgesetzt als es damals in der DDR der Fall war.Wir haben sicherlich in vielen Punkten eine unterschiedlichen Standpunkt,aber ich respektiere den deinen,auch wenn ich manchmal total anderer Meinung bin.
Und so werden wir uns hier sicherlich noch öfters,nicht immer im Einklang,treffen.


Einen schönen ersten (Rest)-Advent wünscht dir ek40.


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#6

RE: Familienserie über den Alltag in der SED-Diktatur: "Weißensee"

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 29.11.2009 20:31
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Lass den " Experten" weg, ek40, den hatte mir Angelone hier am Anfang im Forum aufgezwungen und denke, ich habe mich nicht gewehrt.
Da sind wir schon einmal Zwei, die sich nicht haben "zwingen lassen", nicht in die Jungpioniere, nicht in die FDJ und nicht in die SED.
Aber sieh es locker, heute ist Sonntag, ja, und wir werden und bestimmt später bei anderen Themen hier im Forum...schreiben.

Gruß Rainer- Maria


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#7

RE: Familienserie über den Alltag in der SED-Diktatur: "Weißensee"

in Videos aus dem Alltag und Leben der DDR 29.11.2009 21:23
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Lass den " Experten" weg, ek40, den hatte mir Angelone hier am Anfang im Forum aufgezwungen und denke, ich habe mich nicht gewehrt.
Da sind wir schon einmal Zwei, die sich nicht haben "zwingen lassen", nicht in die Jungpioniere, nicht in die FDJ und nicht in die SED.
Aber sieh es locker, heute ist Sonntag, ja, und wir werden und bestimmt später bei anderen Themen hier im Forum...schreiben.
Gruß Rainer- Maria

Na ja,Rainer-Maria,ich bin locker und das nicht nur Sonntags.
Doch eins muß ich noch klarstellen.
Ich war sehr wohl ein Pionier und FDJler.
Diese Tatsache ist halt dem damaligem Alter geschuldet.
Denn als Pionier und FDJler habe ich noch nicht wirklich über die Systeme und die große Weltpolitik nachgedacht.
Das kam erst so in der 9.Klasse.Im Staatsbürgerkundeunterricht stellte ich für den Lehrer unangenehme Fragen.
Das drückte sich dann auch in der Note aus und ebenfalls als Textform im Zeugnis.
Da stand in etwa drin:"Tobi sollte von Mitschülern,Lehrern und Eltern auf den richtigen Weg gebracht werden,um nicht falschen Idealen nachzustreben."Da mir unmißverständlich klar gemacht wurde,dass es mit meiner Meinung nichts mit der von mir angestrebten Lehrstelle wird,hatte ich bald eine bessere Note.Ja,so war das bis zur Lehre.

Gruß ek40


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