#1

Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2009 19:27
von Francis | 168 Beiträge

Wie lief das früher ab? Konnte man sich aussuchen welchen Beruf man erlernen möchte oder wurde das vorgeschrieben? Gab es für jeden Arbeit bzw. gab es Arbeitslose? Wie wurde mit diesen Verfahren? Gab es für diese Geld vom Staat in Form von Arbeitslosengeld usw.? Vielleicht klingen die Fragen doof, ich möchte damit auch nicht provozieren, sondern lernen!


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#2

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2009 19:41
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Francis
Wie lief das früher ab? Konnte man sich aussuchen welchen Beruf man erlernen möchte oder wurde das vorgeschrieben? Gab es für jeden Arbeit bzw. gab es Arbeitslose? Wie wurde mit diesen Verfahren? Gab es für diese Geld vom Staat in Form von Arbeitslosengeld usw.? Vielleicht klingen die Fragen doof, ich möchte damit auch nicht provozieren, sondern lernen!



Hallo.....wirklich ein interessantes Thema. In der Verfassung der DDR war das Recht auf Arbeit festgeschrieben. Heißt jeder hatte das Recht, entsprechend seinen Fähigkeiten und fertigkeiten zur Arbeit. Bereits in der 9.Klasse erfolgte im Rahmen des Deutschunterrichtes eine Unterweisung in Erstellung einer Bewerbung. Dass nicht jeder dass werden konnte was er sich erträumt hat, dürfte klar sein. Beliebteste Berufe bei den Jungen waren Kfz Schlosser und bei den Mädchen Krankenschwester/Kindergärtnerin.
Arbeitslose gab es so nicht.........durch die Abt. Inneres wurden Personen erfasst, welche keiner geregelten Arbeit nach gekommen sind. Wenn diese Personen nicht nach weisen konnten, woher diese ihren Lebensunterhalt bekommen oder besser bestreiten, wurden diese Personen mit Auflagen zu Arbeit belegt. Dies erfolgte dann z.B. im Bahnpostamt Berlin, wo die s.g. Zeithilfen gegen ein Entgeld, im Postdienst ausgeholfen haben. Tabu Bereiche im BPA waren: Zollbaracke, Wriezener Güterbahnhof (Zoll), ZKD und ab 23:00 Uhr die Zeitungsschicht im Postbahnhof. Gegen Bezahlung (so wie alle anderen Postler) konnte in der Kantine 22 Stunden lang eine Mahlzeit eingenommen werden. Bei weiteren Fragen zu dem Thema ,frage ruhig weiter.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#3

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2009 19:56
von Francis | 168 Beiträge

Hmm also hat quasi jeder gearbeitet, ob er wollte oder nicht? Und wenn, dann ist ihm eine Arbeit zugewiesen worden? Brachte es Vorteile, wenn die Eltern in der Partei waren, wenn man einen Beruf erlernen bzw. ausüben wollte?

Hat jetzt zwar nichts direkt mit Arbeiten zu tun, aber wie lief das mit dem Führerschein ab? Gab es Fahrschulen oder wie konnte eine Fahrerlaubnis gemacht werden?


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#4

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2009 20:05
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von Francis
Hmm also hat quasi jeder gearbeitet, ob er wollte oder nicht? Und wenn, dann ist ihm eine Arbeit zugewiesen worden? Brachte es Vorteile, wenn die Eltern in der Partei waren, wenn man einen Beruf erlernen bzw. ausüben wollte?
Hat jetzt zwar nichts direkt mit Arbeiten zu tun, aber wie lief das mit dem Führerschein ab? Gab es Fahrschulen oder wie konnte eine Fahrerlaubnis gemacht werden?




Das kann ich nicht behaupten, weil bei uns niemand in der Partei war.
Beziehungen war damals das Zauberwort.
Die DDR war ein Tauschstaat.
Ich gebe dir - was hast du ?
Obwohl sich ja zu heute da nicht viel geändert hat - nur die Tauschobjekte.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#5

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2009 20:06
von S51 | 3.733 Beiträge

Es gab aber Umstände, da waren die Dinge komplizierter.
Einer meiner "Kunden" nach der Zeit am Kanten war ein Hehler in Berlin. Er hatte einen Ausreiseantrag gestellt. War vorher als Autor bei einem Berliner Verlag. Danach gab es für ihn keine Aufträge mehr. Somit auch keinen Verdienst. Zwar hatte man ihm eine Arbeit in einem Heizkraftwerk angeboten aber für die Tätigkeit fühlte er sich nicht geeignet. Vielleicht nicht ganz unbegründet, denn er war eine ähnlich halbe Portion wie seinerzeit ich auch.
Also hat er mit gestohlenen Sachen gehandelt. Keine Ahnung, wie oft ich oder andere seinen "Laden" in einer Karlshorster Kleingartenkolonie auseinander genommen habe/haben. Es war so etwas wie eine grundsätzliche Zeremonie. Immer mit Erfolg...
Trotzdem ist es uns schwer gefallen, ihm böse zu sein. Man konnte ihn irgendwie verstehen.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#6

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2009 20:19
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Francis
Hmm also hat quasi jeder gearbeitet, ob er wollte oder nicht? Und wenn, dann ist ihm eine Arbeit zugewiesen worden? Brachte es Vorteile, wenn die Eltern in der Partei waren, wenn man einen Beruf erlernen bzw. ausüben wollte?

Hat jetzt zwar nichts direkt mit Arbeiten zu tun, aber wie lief das mit dem Führerschein ab? Gab es Fahrschulen oder wie konnte eine Fahrerlaubnis gemacht werden?



Meine Eltern waren nicht in der Partei und als religiöse Menschen auch nicht die klassischen sozialistischen Persönlichkeiten.
Das Abitur konnten wir (mich gibt es zweimal) zwar abschminken aber in der Berufswahl hatte es keine Auswirkungen. Einziger Grummelpunkt bei den Bewerbungen war damals die Tatsache, dass wir zu dem Zeitpunkt nicht mal in der FDJ waren. Das haben wir dann selbst geändert. Und andere Probleme gab es nicht. Es hatte auch ein bischen mit Leistung zu tun.
Fahrschulen? Ja die gab es aber privat gab es auch ordentliche Wartezeiten. So habe ich den Mopedführerschein eben in der Schule gemacht, den Motorradführerschein in der Lehrausbildung und den Pkw-Schein (damals nannte sich das noch Fahrerlaubnis) halt bei der Polizei. Die Eigenbeiträge waren eher symbolisch, so um die 50 bis 150 Mark.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#7

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2009 22:27
von Augenzeuge (gelöscht)
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Fahrschulen? Ganz klar. Man konnte sich ohne Zwang für jeden Führerschein anmelden. Wartezeiten waren sehr lang, bis 1 Jahr max. Ich habe den LKW-Schein gemacht, ohne Verein o.ä., Kosten ca. 300 Mark.

Gruß, AZ


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#8

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 23.11.2009 23:18
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Francis
Hmm also hat quasi jeder gearbeitet, ob er wollte oder nicht? Und wenn, dann ist ihm eine Arbeit zugewiesen worden?

Hierzu der Artikel 24, Abschnitt 2 der Verfassung der DDR

Zitat von Verfassung der DDR, Art. 24

(2) Gesellschaftlich nützliche Tätigkeit ist eine ehrenvolle Pflicht für jeden arbeitsfähigen Bürger. Das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit bilden eine Einheit.

Das heisst also auch das man verpflichtet war, ein "geordnetes Arbeitsverhaeltniss" zu haben. Falls dem nicht so war, dann griff der Paragraph 249 des StGB der DDR:

Zitat von § 249, StGB der DDR
Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten.
(1) Wer das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung dadurch gefährdet, daß er sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit hartnäckig entzieht, obwohl er arbeitsfähig ist, oder wer der Prostitution nachgeht oder wer sich auf ändere unlautere Weise Mittel zum Unterhalt verschafft, wird mit Verurteilung auf Bewährung oder mit Haftstrafe, Arbeitserziehung oder mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft. Zusätzlich kann auf Aufenthaltsbeschränkung und auf staatliche Kontroll- und Erziehungsaufsicht erkannt werden.



Zitat von Francis
Brachte es Vorteile, wenn die Eltern in der Partei waren, wenn man einen Beruf erlernen bzw. ausüben wollte?

Ja durchaus, wobei dies nicht konsistent war. Z.B. konnte eine laengere Verpflichtung zur Armee oder eine Mitgliedschaft in der FDJ/Kandidat SED einem durchaus im Bezug auf die Zulassung zur EOS (Gymnasium) vorteile gegenueber anderen bringen (wurde hier im Forum auch schon oefters erwaehnt), auch konnten natuerlich Kinder von Parteisekretaeren oder BGL-Leitern schon aufgrund der Moeglichkeiten ihrer Eltern bei der Vergabe von Lehrstellen in den Betrieben bevorzugt werden. Ein Beispiel aus dem Betrieb meines Vaters: Der Sohn des Parteisekretaers ging in meine Klasse, hatte einen ziemlich schlechten Durchschnitt, musste aber nicht (wie alle anderen) zum Vorauswahlgespraech - er hatte zu diesem Zeitpunkt schon seine Lehrstelle (eine der begehrten BMSR/Elektroniker-Lehrplaetze)

Auf der anderen Seite muss man gerechterweise auch folgendes anmerken: Wir hatten zwei Mitschueler mit (schwerer) Diabetis, beide wurden bevorzugt bei der Lehrstellenauswahl (bekamen "first dibs", wie der landlaeufige Ami sagt). Auf diese Art sollte ein haerteres, nicht selbst verschuldetes Schicksal kompensiert werden. Von meiner Sicht aus ging der Grundsatz in Ordnung (allerdings wurde dies auch manchmal missbraucht).

Schlechter war's wenn die Eltern die Ausreise beantragt hatten, dann musste man (in meinem Fall) tatsaechlich das nehmen was von allen anderen uebrig gelassen wurde.
Fuer mich war das nur anfangs schlimm (zu diesem Zeitpunkt hatten wir unseren Ausreiseantrag schon fast 4 Jahre laufen, aber noch keine Genehmigung), kurz nach Antritt meiner Lehre wurde uns mitgeteilt das unser Antrag genehmigt wuerde (noch kein genaues Datum, aber Zeitraum), von daher war mir die Lehre im Osten dann relative wurscht (ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch schon eine Lehrstelle in Westdeutschland).
-Th


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#9

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2009 08:13
von Drewitz | 356 Beiträge

Beziehungen halfen da schon sehr.Besonders bei einigen begehrten Berufen.Kfz-Bereich,Frisör (verstehe ich bis heute nicht),Elektronik...
Am besten waren natürlich die entsprechenden Leistungen plus Beziehungen.Also alles wie heute.
Ich wollte Offizier werden,hatte auch den Durchschnitt-wollte aber keine EOS (Gymnasium).Also Berufsausbildung mit Abitur.Ohne Beziehung wäre es FA für Datenverarbeitung geworden.Mit Beziehungen war es dann Elektronikfacharbeiter.

Drewitz


MfS,BV Potsdam,Abt.VI,PKE Drewitz 1.Zug,1.Gruppe 1988-1990 danach GR44 bis zum Ende


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#10

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2009 08:53
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von S51

Zitat von Francis
Hmm also hat quasi jeder gearbeitet, ob er wollte oder nicht? Und wenn, dann ist ihm eine Arbeit zugewiesen worden? Brachte es Vorteile, wenn die Eltern in der Partei waren, wenn man einen Beruf erlernen bzw. ausüben wollte?

Hat jetzt zwar nichts direkt mit Arbeiten zu tun, aber wie lief das mit dem Führerschein ab? Gab es Fahrschulen oder wie konnte eine Fahrerlaubnis gemacht werden?



Meine Eltern waren nicht in der Partei und als religiöse Menschen auch nicht die klassischen sozialistischen Persönlichkeiten.
Das Abitur konnten wir (mich gibt es zweimal) zwar abschminken aber in der Berufswahl hatte es keine Auswirkungen. Einziger Grummelpunkt bei den Bewerbungen war damals die Tatsache, dass wir zu dem Zeitpunkt nicht mal in der FDJ waren. Das haben wir dann selbst geändert. Und andere Probleme gab es nicht. Es hatte auch ein bischen mit Leistung zu tun.
Fahrschulen? Ja die gab es aber privat gab es auch ordentliche Wartezeiten. So habe ich den Mopedführerschein eben in der Schule gemacht, den Motorradführerschein in der Lehrausbildung und den Pkw-Schein (damals nannte sich das noch Fahrerlaubnis) halt bei der Polizei. Die Eigenbeiträge waren eher symbolisch, so um die 50 bis 150 Mark.





Hallo S51,

willkommen im Club, könnt ich jetzt sagen, was das Elternhaus betrifft. Hatte ja schon mal ausführlich drüber berichtet.
Ich selbst war nicht der EOS- Typ. Was meine große Schwester anbelangt (Jahrg. 51), die durfte trotz ihres Super- Zensurendurchschnitts von 1,2 nicht zur EOS, eben wegen der fehlenden FDJ- Mitgliedschaft und der kirchlichen Ausrichtung des Elternhauses. Ihre Schulzeit viel eben auch mitten in die Hochzeit des kalten Krieges, auch gegen die eigene Bevölkerung. Wo man als Nicht- FDJ-ler schon fast als Klassenfeind hingestellt wurde, das hat sich dann aber nach und nach gelockert und wurde nicht mehr ganz so dramatisch gesehen. Auch spielten Westklamotten, die man auf dem Leib trug, sprich z. Bsp. Levis- Jeans eine Rolle, weil man auf der einen Seite (bei den Klassenkammeraden z. Bsp.) damit wer war, anderseits sich aber von einer nicht geringen Masse auch abhob, die eben nur irgendwelchen unmodernen geschnittenden Malimo- Scheiß, Igelittschuhe & Co trugen, tragen mußten, weil sie keine Westverwandtschaft hatten oder gar haben durften! Denke auch mal, da hat auch manchmal eine gehörige Portion Neid von handelnden Personen mit eine Rolle gespielt.

Was Führerschei anbelangt: Ja Moped hab ich mit 15 gemacht, kostete 15 DDR Mark, nannte sich damals "Berechtigungsschein zum Führen von Kleinkrafträdern", in der Lehre dann über die GST (Gesellschaft für Sport und Technik, eine vormilitärische Organisation mit einer Art Zwangsmitgliedschaft) Motoradführerschein (damals Klasse 1, war auf 150 ccm Hubraum bis zum 18. Lebensjahr beschränkt) für 65 DDR- Mark und LKW mit Anhängerberechtigung, kostete auch nur 65 DDR- Mark zuzüglich einer (Zwangs-) Solidaritätsspende von 5 Mark! Erscheint heute lächerlich, der Betrag, war aber für einen Lehrling im 2. Lehrjahr mit ca. 120 DDR- Mark Ausbildungsvergütung viel Geld. Ausbildung war trotz des militärischen Hintergrundes top- Qualität. Man fuhr mit LKW W 50 u. a. auch im Gelände, das ist Fahrpraxis pur! Muß dazu noch sagen, man bekam diese Ausbildung nur, wenn man bei der Musterung auch als Militärkraftfahrer oder für artverwandte Bereiche gemustert war. Das war auch ein Trick, bei dere Musterung die Leute zum Längerdienen (3 Jahre) zu ködern mit der Aussicht, den LKW- Führerschein machen zu können, eventuell dann auch nach der Einberufung zur NVA/ GT. Hab selbst viele kennengelernt, denen es so ging und die darauf reingefallen sind. Nach der Einberufung wollte davon natürlich keiner mehr was wissen, eine schriftliche Zusicherung hat es natürlich auch nie gegeben. Die Militärkraftfahrerausbildung oblag meines Wissens nach und zu meiner Zeit (Mitte 70-er) bis zur Wende nur noch der GST bzw. lief nur darüber. War eben auch begehrt, u. a. weil man als Militärkraftfahrer meißtens doch gewisse Vorteile und Freiheiten hatte, auch um z. Bsp. nicht bei den allseits unbeliebten Mot.- Schützen (heute Panzergrenadiere) oder der Ari (Attellerie) als s. g. "Mucker" oder "Sandlatscher" zu landen....
Auch nicht zu vergessen, mit einem LKW- Füherschein hatte man quasi auch zu DDR- Zeiten einen 2. Beruf, ein zweites Standbein, war auch in einigen Branchen mit dieser Art Zusatzqualifikation begeehrt, flexibel einsetzbar. Nicht anders wie heute.

Fortsetzung folgt!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 24.11.2009 09:00 | nach oben springen

#11

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2009 09:55
von Spider (gelöscht)
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Hallo zusammen, wie ist das bei mir gelaufen: bin in der 8. Klasse gefragt worden,
ob ich Offizier der NVA werden möchte. Hab mit 14 Jahren dann eine Verpflichtungserklärung für NVA unterschrieben. War also Offiziersbewerber und wurde in eine sog. Bewerberkollektiv eingegliedert. Ab da lief alles staatlich gelenkt. Damals hat mich manches in der Hinsicht angek..., heute bin ich froh, das die soviel für mich gemacht haben. Heute sehe ich an meinen Kindern, um wieviel man sich heute selbst kümmern muss, um nicht hinten runter zu fallen. Bin nach meinem Zehnklassenabschluss in die NVA-Waffengattung Fernmelder eingeordnet worden, mir wurde der Beruf "Facharbeiter für Nachrichtentechnik" zugeordnet, hab ne zivile Ausbildung gemacht, hab aufgrund meiner Bewerbung bei der Polizei meinen LKW-Führerschein
machen können (für 60,-M der DDR), das war 1983, den hab ich heute noch, bin dann doch nicht Offz geworden, sondern nur Uffz, und bin heute Berufssoldat in der Bw. So bescheuert vieles manchmal damals war, bin ich für meinen Teil froh, dass alles so gekommen ist.

Gruss Spider


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#12

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2009 10:52
von Drewitz | 356 Beiträge

Den Führerschein habe ich während der Lehre bei der GST gemacht.Erst Motorrad,dann gleich LKW.Oh Mann haben wir da Blut und Wasser geschwitzt,wenn uns da in den engen Gassen Teltows und Kleinmachnows der Kollege auf dem anderen Fahrschul-LKW entgegenkam.

Drewitz


MfS,BV Potsdam,Abt.VI,PKE Drewitz 1.Zug,1.Gruppe 1988-1990 danach GR44 bis zum Ende


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#13

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2009 10:54
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Das kenn ich @Drewitz, dem ersten LKW der mir entgegenkam wäre ich am liebsten in den Graben ausgewichen


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#14

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2009 11:25
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von CaptnDelta
Hierzu der Artikel 24, Abschnitt 2 der Verfassung der DDR

Zitat von Verfassung der DDR, Art. 24

(2) Gesellschaftlich nützliche Tätigkeit ist eine ehrenvolle Pflicht für jeden arbeitsfähigen Bürger. Das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit bilden eine Einheit.

Das heisst also auch das man verpflichtet war, ein "geordnetes Arbeitsverhaeltniss" zu haben. Falls dem nicht so war, dann griff der Paragraph 249 des StGB der DDR:

Zitat von § 249, StGB der DDR
Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten.
(1) Wer das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung dadurch gefährdet, daß er sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit hartnäckig entzieht, obwohl er arbeitsfähig ist, oder wer der Prostitution nachgeht oder wer sich auf ändere unlautere Weise Mittel zum Unterhalt verschafft, wird mit Verurteilung auf Bewährung oder mit Haftstrafe, Arbeitserziehung oder mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft. Zusätzlich kann auf Aufenthaltsbeschränkung und auf staatliche Kontroll- und Erziehungsaufsicht erkannt werden.


-Th




Also ich denke mal einen §249 könnten wir heute auch wieder gebrauchen, zumindest eine "light" Version.
Mir sind Personen bekannt, die arbeiten könnten und auch eine Tätigkeit finden würden, jedoch keinerlei Lust dazu haben und der Meinung sind sie leben doch so ganz gut.
Leider würde der §249 heute gegen das Verbot der Zwangsarbeit gemäß Art. 4 MRK und gegen das aus Art. 12 Abs. 1 GG folgende negative Freiheitsrecht, einen Beruf nur in selbst gewolltem Umfang auszuüben, verstoßen.
Warum wir trotzdem für den Lebensunterhalt dieses Personenkreises aufkommen müssen erschließt sich mir dann nicht, soweit hat der Gesetzgeber hier jedoch nicht gedacht. Leider läßt sich auch nicht so einfach sagen wer wirklich will und nichts findet und wer gar nicht arbeiten will. Beim Amt ist ja dann angeblich wieder jeder um Arbeit bemüht.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 24.11.2009 11:29 | nach oben springen

#15

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2009 11:56
von Spider (gelöscht)
avatar

Hallo Drewitz, haste auch auf dem W50 gelernt? Damals 1983 war im Sommer brütende Hitze,
das Ding hatte keine Servolenkung. Zum Glück hatte ich nicht die Ausbildung zum Militärkraftfahrer machen müssen bei der GST. Mein Fahrlehrer war ein Hauptmann der Vopo.

Gruss Spider

Hab heute noch den "Lappen" der DDR!


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#16

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2009 12:11
von Drewitz | 356 Beiträge

Yepp-W50.
Ohne Servo...
Nach dem 5.Mal Wenden in x-Zügen konnte man kaum noch auf die Ladefläche krabbeln.Waren das Zeiten!
Höchstgeschwindigkeit noch knappe 70km/h.Und gefühlte 2km Bremsweg!
Fahrlehrer war unser GST Boß (Betrieb).

Drewitz


MfS,BV Potsdam,Abt.VI,PKE Drewitz 1.Zug,1.Gruppe 1988-1990 danach GR44 bis zum Ende


zuletzt bearbeitet 24.11.2009 12:12 | nach oben springen

#17

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2009 12:24
von TOMMI | 1.988 Beiträge

Rein offiziell gab es Arbeitslosigkeit in der DDR nicht.
Allerdings galt im Arbeitsleben der DDR vielerorts das
olympische Prinzip "Dabeisein ist alles". Das heißt, zwar
so gut wie jeder hatte einen Arbeitsplatz, aber nicht unbedingt
jeder Arbeit. In unserem Betrieb gab es da sehr große Unterschiede.
Wenn zum einen man froh war, in einer klassichen Arbeitswoche mal
3 von 5 Tagen so richtig zu tun zu haben (was schon eine gute Woche war),
wusste man in anderen Bereichen nicht, wo einem der Kopf stand.
Großen Stellenwert während der Arbeitszeit nahm das sogenannte
gesellschaftliche ein. Zun einen Versammlungen meist politischen Charakters.
Diese waren oftmals so langweilig, dass diese viele zu einem erholsamen
Schlaf nutzten.
Wie war es in der Berufsausbildung?
Jedem stand grundsätzlich ein Ausbildungsberuf zu. Das heißt aber nicht,
dass jeder seinen Wunschberuf erlernen konnte.
Eine Rolle spielten hier die schulischen Leistungen. Allerdings ist dies nur
die halbe Wahrheit. Wer nicht 100%ig auf Linie lag, konnte sich selbst bei
Spitzenleistungen attraktive Berufe abschminken.
So hatte ich mich für eine Berufsausbildung mit gleichzeitigen Abitur beworben.
Diese wurde abgelehnt, mit der Begründung, meine Leistungen reichen nicht aus.
Übrigens, die 10.Klasse schloss ich mit 1 ab, und auf dem für die Bewerbung
relevanten Zeugnis der 9.Klasse stand ich auf 2 mit Tendenz zur 1.
Jemand aus einer Parallelklasse mit Abschluss 3 erhielt diese Ausbildungsstelle.
Er war BO-Bewerber. Ich dagegen hatte es im sogenannten gesellschaftlichen Bereich
schleifen lassen. Man hatte mich in die FDJ-GOL lanciert. Dort zeigte ich aber
wenig Engagement. Auch eine aus Jux vorgenommene Unterschriftensammlung nahm man
mir wohl übel.
Bei all dem wird wohl ein Schuss Vitamin-B im Spiel gewesen sein.
Immerhin, ich erlernte trotzdem einen passablen Beruf und studierte auch
in einem Abendstudium zum Ingenieur, was mir allerdings wenig einbrachte,
aber das steht auf einem anderen Blatt.
Zu meinem Vorredner Felx D.

Sicher wäre eine Light-Version des Assozialen- Paragraphes notwendig.
Nur ist das eine heikle Sache. Wer ist einer, wer ist keiner.
Von der öffentlichen Meinung werden heutzutage oft Hartz IV-Empfänger
mit Asozialen gleichgesetzt. Dass sich darunter aber mehrheitlich anständige
Leute verbergen, die unverschuldet in Not geraten sind (wem knann dies in
dieser wirtschaftlichen Situation nicht passieren), bedenkt man nicht.
Man setzt Leute, die durch unmenschliche Maßnahmen in sklavereiähnliche
Arbeitsverhältnisse gezwungen werden sollen und sich wehren, mit echten
Faulpelzen und Schmarotzern gleich.
Und wie sollen solche leute in Arbeit gebracht werden, wenn kein Arbeitsüberschuss,
sondern ein Arbeitsmangel besteht. Fragen über Fragen.
Unsere Politiker, die für das Finden von Antworten darauf bezahlt werden, haben
jedenfalls jämmerlich versagt.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#18

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2009 12:24
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

meine lkw-fahrerlaubnis habe ich in glauchau/ sachsen bei der gst absolviert. mein fahrlehrer bohrte mich während der fahrt permanent, ob ich denn als berliner auch die mauer sehen kann etc.

folgende episode ist mir im gedächtnis geblieben: wir tuckelten mit dem lkw über einsame dorfstrassen und ich saß hinten auf der pritsche. plötzlich bremste der w 50 und der fahrende fahrschüler rannte plötzlich die strecke zurück.
nach einer weile kam er hächelnd zurück und stieg wieder ein und fuhr los. als wir wechselten, ich sollte dann fahren, fragte ich ihn was los war. er erzählte mir, dass der fahrlehrer ihn während der fahrt nebenbei fragte, welches denn das letzte verkehrsschild gewesen sei. da er dies nicht wusste, lies der fahrlehrer halten und sagte: "na dann laufen sie mal zurück und schauen nach...."
das letzte schild war 2 km vorher....


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#19

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2009 12:37
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von Feliks D.:
Also ich denke mal einen §249 könnten wir heute auch wieder gebrauchen, zumindest eine "light" Version.
Mir sind Personen bekannt, die arbeiten könnten und auch eine Tätigkeit finden würden, jedoch keinerlei Lust dazu haben und der Meinung sind sie leben doch so ganz gut.
Leider würde der §249 heute gegen das Verbot der Zwangsarbeit gemäß Art. 4 MRK und gegen das aus Art. 12 Abs. 1 GG folgende negative Freiheitsrecht, einen Beruf nur in selbst gewolltem Umfang auszuüben, verstoßen.
Warum wir trotzdem für den Lebensunterhalt dieses Personenkreises aufkommen müssen erschließt sich mir dann nicht, soweit hat der Gesetzgeber hier jedoch nicht gedacht. Leider läßt sich auch nicht so einfach sagen wer wirklich will und nichts findet und wer gar nicht arbeiten will. Beim Amt ist ja dann angeblich wieder jeder um Arbeit bemüht.[/quote]


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Hallo Feliks, Nachdem Du jahrelang von der arbeitenden Klasse in der DDR ausgehalten wurdest, kannst auch Du ruhig mal Dein Scherflein in Form von Steuern dazu beitragen, anstatt wie in Deinen Zeilen, dem "Assi-Paragraphen" der DDR nach zu jammern. Der Begriff "Asiozales Verhalten" wurde doch gerade vom MfS in der DDR zu Zwecken mißbraucht, die wir hier in der BRD nicht wieder haben möchten. Wenn ich an die "Hundertschaft" von "Zivilisten" denke, die in Berlin rund um die Ecke Friedrichstraße / Hannoversche Straße rumlungerten, könnten mir Vergleiche einfallen, aber so weit will ich nicht gehen! Immerhin lungerten sie ja bezahlter Weise auf der Straße rum, also festangestellt. Kann man also nicht vergleichen!! Sich von Denen bezahlen lassen, Denen man dann als Dank für diese monatlichen Geldzuwendungen elementärste Menschenrechte beschneidet, bzw zumindestens dabei hilft....., aber das gehört hier wahrscheinlich gar nicht rein. T´schuldigung Felix, ich hatte auch nur mal gedacht.
Schönen Gruß aus Kassel


zuletzt bearbeitet 24.11.2009 12:38 | nach oben springen

#20

RE: Arbeiten in der DDR

in Leben in der DDR 24.11.2009 13:22
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Ach Wosch, mach nur deshalb sind wir ja hier. Ich fand es schon immer interessant die Gedanken und Beweggründe auch von anderen zu erfahren.


P.S. Nächste mal lass ich dich allein mit der Schlange


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 24.11.2009 13:22 | nach oben springen



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