Über zwei Jahrzehnte hat sich eine Gruppe Wissenschaftler und Autoren mit der „Anatomie der Staatssicherheit“ befasst. Zwei Dutzend Handreichungen umfasst die gleichnamige Reihe, gegründet, um Struktur und Methoden des Machtapparates darzulegen – zum Verständnis für jene, die heute in ihre Akten einsehen. Nun ist das Projekt in der Endphase.
Historisch hat das letzte Jahrzehnt der sozialistischen Republik begonnen, die 80er. Der Konflikt zwischen Sowjetunion und USA erreicht einen neuen Höhepunkt, ein Wettrüsten hat eingesetzt. Weil amerikanische Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik stationiert werden, gerät die DDR unter Druck: Falls es zu einer militärischen Konfrontation der Supermächte kommt, ist klar, wen es als Erstes trifft. „Uns.“ Die SED-Führung sitzt zwischen den Stühlen: Sie muss den Schulterschluss mit der Sowjetunion üben und kann doch nicht ignorieren, dass die deutsch-deutschen Beziehungen seit Brandts „Wandel durch Annäherung“ auf anderer Basis stehen.Das Ministerium für Staatssicherheit reagiert, indem es die Personenüberwachung ausdehnt. Zwischen 1980 und 1986 verdoppelt sich die Zahl der Kontrollen auf 12,8 Millionen, auch bis dato „nicht erfasste“ Bürger werden geprüft. Gezielt analysiert das Handbuch das Handeln der Stasi infolge der sowjetischen Glasnost-Politik ab 1987: Bürgerrechtler werden attackiert, Reformhoffnungen „zersetzt“ und Fluchthilfe stärker be-straft. Ein Brevier, das nicht als Geschichtsbuch zu lesen ist, sondern als Quellensammlung.
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