#1

DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 16:28
von Augenzeuge (gelöscht)
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Anfang Juli wurden in Berlin am Set eines Dokumentarfilms über die Staatssicherheit der DDR echte Stasiakten gefunden. Das Verrückte war, dass sie einen der mitwirkenden Zeitzeugen betrafen, der sie zufällig selbst aus dem Regal mit den Requisiten zog. Seltsamer Zufall! Denn Mario Röllig hat in den achtziger Jahren wegen versuchter Republikflucht in Stasiuntersuchungshaft gesessen. Momentan ist er mit der Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld und dem Liedermacher Stephan Krawczyk für die Verfilmung des Dokudramas Staats Sicherheiten engagiert. Es handelt auch von den Einschüchterungs-methoden des MfS, zu denen immer subtilerer Psychoterror gehörte: Observiere so, dass das Opfer sich zwar verfolgt fühlt, aber nichts beweisen kann und denkt, es habe Paranoia!

Man muss sich vorstellen, wie Mario Röllig mitten im Dreh ein Bündel Akten greift, um es, wie im Drehbuch vorgesehen, auf den Boden zu werfen, aber plötzlich stutzt, weil er sein eigenes Haftfoto sieht. Er schaut, er blättert, er kann es nicht glauben. Lengsfeld und Krawczyk und der Rest des Teams stehen entgeistert, dann rennt Röllig auch schon wie von Furien gejagt aus dem Raum. Und dann?

Die Wirklichkeit hat sich in einen schlechten Agentenfilm verwandelt, und man kann gut verstehen, dass Röllig und der Verband der Opfer des Stalinismus erst einmal nicht an die Öffentlichkeit gegangen sind, sondern die Birthler-Behörde informierten. 30 von etwa 2000 Seiten Opferakte, mit Behördenstempel, mehrfach kopiert und unter die Requisiten gemischt, dazu noch ein paar NKWD-Blätter von 1938: Wie kommt das an den Set? Wo hat die Produktionsfirma, wo haben die Babelsberg-Studios solche Requisiten her? Und ist es üblich, Filme mit echten Akten auszustatten?

In Babelsberg und bei der Birthler-Behörde haben sie natürlich erst mal keine Erklärung, aber sie lassen durchblicken, dass Herr Röllig seine Akten vielleicht schlampig beaufsichtigt habe. Irgendwer könnte sie kopiert und an den Set geschmuggelt haben. Aber wer? Und warum erwähnt niemand die naheliegende Tatsache, dass die Birthler-Behörde immer noch mehrere Dutzend ehemalige hauptamtliche Stasimitarbeiter beschäftigt, unter anderem als »Wachpersonal«? Und dass Stasis die einstigen Häftlinge ständig einzuschüchtern versuchen durch Lügen, Verleumden, Prozessieren? Röllig hat kürzlich erst einen Prozess gegen einen Ex-Oberstleutnant gewonnen, der vor 1989 die Diversionsabteilung des MfS in Berlin leitete – zuständig unter anderem für Rufmord an Oppositionellen.

Falls es alte Stasileute waren, die Rölligs Akte in Umlauf brachten, dann haben sie ein Ziel schon erreicht: dass momentan niemand die naheliegende Vermutung laut auszusprechen wagt, entmachtete Geheimdienstler wollten womöglich einen Aufarbeitungsaktivisten erschrecken. Das Unwahrscheinliche ist aber im Falle der Stasi nur zu wahrscheinlich. Mit den Worten Ernst Blochs: »Die Fälschung unterscheidet sich vom Original dadurch, dass sie echter aussieht.« Die Wahrheit unterscheidet sich von der Lüge dadurch, dass sie unechter aussieht.
Quelle: zeit.de

Ein weiterer Bericht aus der taz zu Mario Röllig:

http://www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel...-der-wehrhafte/

Und hier noch ein Video von ihm:



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#2

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 16:33
von Merkur | 1.018 Beiträge

[quote="Augenzeuge"]
Röllig hat kürzlich erst einen Prozess gegen einen Ex-Oberstleutnant gewonnen, der vor 1989 die Diversionsabteilung des MfS in Berlin leitete – zuständig unter anderem für Rufmord an Oppositionellen.

Quote]

Ist irgendwo näher bezeichnet, was mit "Diversionsabteilung" gemeint ist ?




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#3

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 16:47
von Luchs (gelöscht)
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@Merkur

Zitat von Augenzeuge
...
Röllig hat kürzlich erst einen Prozess gegen einen Ex-Oberstleutnant gewonnen, der vor 1989 die Diversionsabteilung des MfS in Berlin leitete – zuständig unter anderem für Rufmord an Oppositionellen...




Übrigens Jörg, alles Gute zum 1500 Beitrag

Viele Grüße
Micha


zuletzt bearbeitet 07.11.2009 16:54 | nach oben springen

#4

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 17:01
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@augenzeuge, einen bericht mit mario röllig hatten wir hier im forum schon einmal. meiner erinnerung nach ebenfalls von dir eingestellt. damals eskalierte hier die diskussion als ich die einzelnen filmsequenzen auseinandernahm.
wäre es nicht besser gewesen den erneuten filmbeitrag an das vorherige thema anzuschliessen ?

deinen beitrag kann ich nicht entnehmen, ob es eine fiktion ist, einem film entstammt o.ä. wer soll denn die akte besorgt haben??? hier immer noch angebliche stasi-seilschaften durchschimmern zulassen macht dies erneut schön gruselig...

die erlebnisse die mario röllig erzählt und welchen knacks seine psyche dabei bekam möchte ich nicht kommentieren, da keine u-haftanstalt der welt besonders angenehm ist und wohl jeder so reagieren würde wie er.

nur leider ist den filmemachern bei der sequenz 4,55 wieder ein fehler unterlaufen (gewollt? - da ich nicht mehr an zufälle glaube):

"Aus seinen Stasi- Akten erfährt er 1987, das er im geheimen "Untersuchungsgefängnis Nummer 1" in Berlin- Hohenschönhausen gefangen gehalten wurde."

dies ist falsch, denn dem untersuchungsgefangenen wurde mit beginn der vernehmung gesagt, wo er sich befindet und was ihm vorgeworfen wurde. anschliessend wurde ihm die stpo bzw. stgb der ddr vorgelegt und ihm erklärt, dass ein tonbandmitschnitt der vernehmung erfolgt.
das wurde anschliessend auf dem vernehmungsprotokoll vom betreffenden unterschrieben. hierbei musste jede seite einzeln unterschrieben werden. es gab genug fälle, wo untersuchungsgefangene streichungen vornahmen, das die zeilen nicht exakt ihren wortlaut, sondern nur den sinngemäßen, wiedergaben.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#5

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 17:49
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow
@augenzeuge, einen bericht mit mario röllig hatten wir hier im forum schon einmal. meiner erinnerung nach ebenfalls von dir eingestellt. damals eskalierte hier die diskussion als ich die einzelnen filmsequenzen auseinandernahm.



Hallo Gilbert,
jetzt hast du mich aber ins Grübeln gebracht, lieber Gilbert. Weil ich mich an keinen von mir eingestellten Beitrag über Röllig erinnern kann....und du bist ja eigentlich noch nach mir ins Forum gekommen....Kann das sein, dass du etwas verwechselst? Oder irre ich mich? Denn einen Artikel doppelt bringen, das möchte ich keinesfalls.

Die Suche jetzt ergab nur, dass der Name Mario Röllig in einem von Angelo erstellten Beitrag vorkommt (http://www.forum-ddr-grenze.de/topic-thr...47&message=1520) Allerdings ohne folgende Diskussion.

Um die Sache etwas objektiver sehen zu können, habe ich neben dem Zeit-Artikel auch den Artikel der taz gebracht. Das Video war vom Spiegel. Gut das du darin einen Fehler gefunden hast, der meines Erachtens aber keinesfalls den Gesamtbericht in Frage stellen kann. Wir wissen ja das nie alles 100%ig ist.

Gruß, Augenzeuge

P.S. @merkur: Auf deine Frage habe ich leider keine Antwort...
P.S @Luchs: Danke Micha, auf was du alles achtest, ich hätte es sicher nicht gemerkt.


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#6

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 17:59
von Danny_1000 | 166 Beiträge

Über das Schicksal des Mario Röllig hatten wir uns hier schon einmal auseinander gesetzt…..

http://www.forum-ddr-grenze.de/t1802f80-...n-erzaehlt.html

Gruß
Daniel


Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
(Voltaire frz. Philosoph 1694 - 1778)
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#7

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 18:02
von Augenzeuge (gelöscht)
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Ok, dann war es mein Fehler. Ok, der Beitrag war auch von Angelo, nicht von mir. Aber wir beide werden schon mal verwechselt.
Na gut, wir werden es überleben, und es wird garantiert nicht der Letzte gewesen sein....


zuletzt bearbeitet 07.11.2009 18:04 | nach oben springen

#8

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 18:19
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Ach Jörg bei der Masse an Beiträgen passiert so was,ist doch kein Thema,wird sich auch in Zukunft nicht vermeiden lassen.

Vieleicht brauchen wir bald schon so eine Art Buchhalter,der hier schön alles verwaltet und sortiert.



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#9

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 18:51
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von Luchs
@Merkur

Zitat von Augenzeuge
...
Röllig hat kürzlich erst einen Prozess gegen einen Ex-Oberstleutnant gewonnen, der vor 1989 die Diversionsabteilung des MfS in Berlin leitete – zuständig unter anderem für Rufmord an Oppositionellen...






Nun weiß ich immer noch nicht, welche Diensteinheit eigentlich gemeint ist. Die Bekämpfung der Politisch-Ideologischen Diversion und der Politischen Untergrundtätigkleit war Aufgabe aller operativen Diensteinnheiten des MfS.
Ich gehe mal davon aus, dass man die HA XX des MfS meint, deren Leiter allerdings nicht Oberstleutnant, sondern Generalleutnant war.



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#10

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 18:55
von Mongibella (gelöscht)
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Zitat von Merkur
Nun weiß ich immer noch nicht, welche Diensteinheit eigentlich gemeint ist.



Wie jetz....du weisst das nich mehr....tse-tse-tse.....


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#11

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 19:16
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von Mongibella

Zitat von Merkur
Nun weiß ich immer noch nicht, welche Diensteinheit eigentlich gemeint ist.



Wie jetz....du weisst das nich mehr....tse-tse-tse.....




Allerdings weiß ich, dass es keine "Diversionsabteilung" im MfS gab. Daher interessiert es mich, wen man denn meint.



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#12

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 19:29
von Mongibella (gelöscht)
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Zitat von Merkur
Allerdings weiß ich, dass es keine "Diversionsabteilung" im MfS gab. Daher interessiert es mich, wen man denn meint.



Du weisst aber schon wie es richtig heissen muss in MfS-allemannisch....dat is doch echt wieder Krümelkacken hier ob es echt so hiess oder wie ihr es genannt habt....du weisst doch was gemeint ist....

Zersetzen war doch euer Job....da wo ihr es nötig erachtet habt.....wie ihr es bezeichnet habt, tut da nich zu....

Mara


zuletzt bearbeitet 07.11.2009 19:30 | nach oben springen

#13

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 19:46
von Sauerländer (gelöscht)
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Buchbeschreibung: Duncker & Humblot, 1996. Broschur. Buchzustand: neu. Inhaltsübersicht: Vorbemerkung - Einführung: Der Griff der SED nach dem Denken der Menschen - I. Die Quellen - II. Der Begriff der politisch-ideologischen Diversion und sein Entstehen - III. Die Funktionen der politisch-ideologischen Diversion - IV. Entstehen und Entwicklung der politisch-ideologischen Diversion - V. Die Organisation der politisch-ideologischen Diversion aus der Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit im Jahre 1972 - VI. Die Organisation der politisch-ideologischen Diversion aus der Sicht des MfS in den Jahren 1987/1988 - VII. Formen, Mittel und Methoden der politisch-ideologischen Diversion - VIII. Bedingungen für die Auswirkungen der politisch-ideologischen Diversion - IX. Die DDR- und vergleichende Deutschlandforschung sowie die Ostforschung in der Sicht des MfS - X. Die angebliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten der ehemaligen DDR durch politisch-ideologische Diversion - XI. Die Verantwortung für die Bekämpfung der politisch-ideologischen Diversion - XII. Der Einsatz von Spitzeln (IM/GM) zur Bekämpfung der politisch-ideologischen Diversion - Schlußbetrachtung - Literaturverzeichnis - Sachregister - Zum Autor dieser Veröffentlichung. Buchnummer des Verkäufers 3-428-08606-6
--------

Ist es richtig, daß eine direkt Mielke unterstellte Diensteinheit war:
Arbeitsgruppe des Ministers (A.G.M.) 5,
Spezialkräfte (Ranger, Diversanten, Scharfschützen) für Sondereinsätze Mielkes.
Leitung: Oberst Stöcker




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#14

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 19:57
von Sauerländer (gelöscht)
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Geschichte der Spezialkampfführung (Abteilung IV des MfS) – Aufgaben, Struktur, Personal, Überlieferung
Von Doreen Hartwich und Bernd-Helge Mascher
■I. Aufgaben
■II. Struktur und Personal
■III. Überlieferungslage


Die MfS-Abteilung für Spezialkampfführung sollte mittels Diversion, Spionage und Sabotage in Spannungsperioden oder im Kriegsfall eine militärische Besetzung des „Operationsgebietes“ [1] vorbereiten.

Solche Elite-Kämpfer des MfS waren 1953 zuerst der „Abteilung zur besonderen Verwendung“ (Abteilung z. b. V.) zugeordnet. Aus ihr entstand nach der Zuordnung zur HV A als Abteilung III im Jahre 1959 die selbständige Abteilung IV im Anleitungsbereich der späteren Arbeitsgruppe des Ministers (AGM). Im August 1962 gingen aus der Abteilung IV zwei Unterstrukturen hervor: die Abteilung IV/1, zuständig für die Aufklärung im „Operationsgebiet“ und die Abteilung IV/2, deren Zuständigkeit in der Ausbildung der Einsatzgruppen lag. In diese Unterstrukturen ging die im Jahre 1962 aufgelöste 15. Verwaltung des Ministeriums für Nationale Verteidigung (MfNV) mit ihren Aufgaben und Mitarbeitern auf. [2] Die Unterstrukturen waren der AGM/S zugeordnet. Das „S“ steht für „Sonderaufgaben“ bzw. für Heinz Stöcker, den späteren Leiter der AGM/S. Eine weitere Veränderung fand im Jahre 1988 statt, als die AGM/S in Abteilung XXIII umbenannt und schließlich 1989 noch mit der Abteilung XXII zur Hauptabteilung XXII vereinigt wurde.

Die Abteilung IV im Anleitungsbereich der AGM ging 1987 als Abteilung XVIII (Aufklärung und Bearbeitung strategisch wichtiger Objekte in der BRD, Aufklärung von Maßnahmen zum Zivilschutz vor allem in der BRD und der Schweiz sowie Sabotagevorbereitung [3]) in die HV A ein.

Unterlagen der Abteilung IV sind in mehreren Teilbeständen überliefert. Die meisten Dokumente lassen sich im Teilbestand HA XXII, einer Teilfolgestruktur der Abteilung IV nachweisen.



I. Aufgaben

Die Elite-Kämpfer waren zunächst als militärische Organisation von „Schläfern“ ohne Kontakte untereinander in der MfS-Abteilung zur besonderen Verwendung (z. b. V.) organisiert. [4] Als „Schläfer“ werden für spezielle terroristische Zwecke ausgebildete Kämpfer bezeichnet, die ideologisch gefestigt sind, auf ihre Aktivierung warten bzw. hinarbeiten und bei Bedarf jederzeit eingesetzt werden können. Dieser Gedanke ist nicht neu, wie ein Blick in die Geschichte zeigt. [5]

Die MfS-Abteilung z. b. V. begann im Jahre 1953 mit ersten Überlegungen zu Sabotagevorbereitungen im Bundesgebiet und wurde 1955 dem Leiter der HV A unterstellt, ab 1956 als Abteilung III der HV A weitergeführt und verselbständigte sich 1959 zur MfS-Abteilung IV. [6]

Die Aufklärung, Auswahl und Nutzung von „progressiven Kräften“ (IM-Kuriere und IM–Instrukteure) aus der DDR und der BRD/Westberlin bildete in allen Phasen des Kalten Krieges, also auch während der Entspannungspolitik, den Arbeitsgegenstand des operativen Bereiches der Abteilung IV. Die Abteilung IV/1 befasste sich mit der operativen Aufklärung, Werbung und Steuerung von IM-Diversanten im und nach dem „Operationsgebiet“ BRD/Westberlin, Aufklärung von „Feindpersonen“ und „Feindobjekten“ sowie der Regimeverhältnisse. Zuständig für die Ausbildung der einzusetzenden Gruppen war die Abteilung IV/2.

Das MfS formulierte seine Zielstellung eindeutig: „unter normalen Bedingungen, wie auch im Falle bewaffneter Auseinandersetzungen, bereit (…) sein, zum Schutze der Deutschen Demokratischen Republik aktive Aktionen gegen den Feind und sein Hinterland erfolgreich durchführen zu können“ [7]. Dabei lag der Schwerpunkt der durchzuführenden Aktionen auf politischen, militärischen und wirtschaftlichen Objekten des „Feindes“. Dies bezog sich insbesondere auf Objekte der Rüstungsindustrie, des Fernmeldewesens, der Energieversorgung, des Transportwesens sowie der Wasserversorgung. Die Maßnahmen sollten dazu geeignet sein, die Kriegsvorbereitungen des Gegners zu behindern oder im Falle bewaffneter Auseinandersetzungen dessen Kampfkraft zu beeinträchtigen. Dazu gehörten:

■Ausspähen mittels Erkundung und Ermittlung,
■aktive Kampfführung durch Zerstörung, Beschädigung, Unterbrechung
aber auch
■Sicherung und Schutz von verschiedenen Schwerpunktobjekten innerhalb des „Feindgebietes im Interesse der eigenen Führung“ [8].


Die als „Geheime Kommandosache“ gekennzeichneten „Grundsätze zur Durchführung besonderer Qualifizierungsmaßnahmen für Teilkräfte des Ministeriums für Staatssicherheit“ [9] vom 20. April 1963 legen die Aufgaben, inhaltliche Anforderungen, Methodik, den Kreis der Teilnehmer sowie die Zuständigkeiten zur Qualifizierung ausgewählter operativer Mitarbeiter fest.

Als Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einsatz galten danach nicht allein der „Glaube an die Sieghaftigkeit des Sozialismus“ [10] und Opferbereitschaft, sondern zum Beispiel auch Kenntnisse in der operativen Arbeit mit inoffiziellen Mitarbeitern „im feindlichen Hinterland“ [11], Waffenkenntnisse, Treffsicherheit beim Schießen, Nachrichtenübermittlung und Verbindungswesen [12], aber auch die Fähigkeit zum Nahkampf, Fallschirmspringen aus Flugzeugen und Hubschraubern sowie Fertigkeiten im Umgang mit verschiedenen Fahrzeugen. Für Teilkräfte kamen Spezialkenntnisse als Funker, Wissen auf medizinischem Gebiet, Fremdsprachen sowie die Ausbildung zum Einsatz als Kampfschwimmer und Taucher hinzu. Ein Blick in das Teilgebiet „Spezialtaktik“ verdeutlicht, was den Mitarbeitern unter anderem gelehrt werden sollte:


■Möglichkeiten und Methoden des Eindringens in das „Feindgebiet“ auf dem Land-, Luft- und Seeweg,
■Organisation der Unterbringung,
■Verhalten vor feindlichen Sicherheitsorganen bei Verhören und in Haftanstalten,
■Ausbrechen, Flucht,
■Grundsätze für die Kampfweise bei Zerstörung, Beschädigung, Unterbrechung,
■Verminung, Sabotage, Sprengung, Überfälle auf Einzelfahrzeuge und Kolonnen,
■Erkennen und Anlegen von Hinterhalten, Sperren und Fallen,
■Mittel und Möglichkeiten der Ausschaltung feindlicher Posten und Einzelpersonen,
■Überfälle auf militärische Stäbe und andere Einrichtungen,
■Zuführen und Verhören von Gefangenen.


Die Lehrgänge sollten in konspirativen Objekten stattfinden. Eine Ausbildung als Führungskader kam für operative Mitarbeiter der verschiedenen Hauptabteilungen, einschließlich der HV A, sowie der Bezirksverwaltungen in Frage. Als vorteilhaft galt eine militärische Vorbildung. Die Ausbildung als Einzelkämpfer sollte auch geeigneten Mitarbeitern der Kreisdienststellen und Angehörigen des Wachregiments "Feliks E. Dzierzynski" offen stehen.


Das Ergebnis einer erfolgreichen Qualifizierung waren spezialisierte Mitarbeiter, die fähig waren, militärische und technische Aufgaben als Einzelkämpfer und in kleinen Gruppen zu lösen. Gemäß Geheimbefehl 107/64 von Erich Mielke [13] basierte die gesamte Ausbildung auf diesen im Grundsatzdokument vom 20. April 1963 festgelegten und von Mielke bestätigten Maßnahmen. Das Ausbildungsprogramm für die Lehrgänge sollte so abgestimmt werden, dass für Teilnehmer außerhalb der Abteilung IV kein Bezug zum MfS erkennbar ist.

Nach Aufnahme des Ausbildungsbetriebes am 1. Februar 1964 waren die Schulen sukzessive als Ausbildungsbasen auf- und auszubauen. Mit der Umsetzung des Befehls wurde Heinz Stöcker betraut. Bereits 1962 bescheinigte ihm sein Vorgesetzter, dass er viele neue Formen der Kampfausbildung entwickelt hat. In seiner Zuständigkeit für die militärische Ausbildung in der AGM trug er zur Anerziehung von Härte, Mut und Einsatzbereitschaft bei. Deshalb wurde er im Februar 1964 zum Leiter des Arbeitsgebietes für „Sonderaufgaben“ (AG S) innerhalb der AGM ernannt [14]. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Anleitung und Kontrolle der künftig für die Diversantenausbildung zuständigen Abteilung IV/2 [15]. Allmählich bürgerte sich die Bezeichnung AG S bzw. AGM/S ein.


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#15

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 20:00
von Sauerländer (gelöscht)
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[quote="MerkurNun weiß ich immer noch nicht, welche Diensteinheit eigentlich gemeint ist.[/quote]

Jetzt klar ?

Vielleicht war es nicht bekannt, man hat sich zumindest bemüht dies zu verschleiern.



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#16

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 20:02
von Merkur | 1.018 Beiträge

Von der HA XX zur AGM/S. Ich denke, jetzt geht einiges durcheinander.



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#17

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 20:08
von Mongibella (gelöscht)
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Zitat von Merkur
Von der HA XX zur AGM/S. Ich denke, jetzt geht einiges durcheinander.



Ach....du weisst doch bestens Bescheid....verlang das bitte nich von uns......


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#18

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 20:11
von Sauerländer (gelöscht)
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Zitat von Merkur
Allerdings weiß ich, dass es keine "Diversionsabteilung" im MfS gab./ Von der HA XX zur AGM/S. Ich denke, jetzt geht einiges durcheinander.



Was nicht sein kann was nicht sein darf ?
Wie denn nun ?


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#19

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 20:19
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von Sauerländer

Zitat von Merkur
Allerdings weiß ich, dass es keine "Diversionsabteilung" im MfS gab./ Von der HA XX zur AGM/S. Ich denke, jetzt geht einiges durcheinander.



Was nicht sein kann was nicht sein darf ?
Wie denn nun ?




Es gab die Linie XX, die federführend (neben allen operativen Diensteinheiten) für die Bekämpfung der Politisch-Ideologischen Diversion und der Politischen Untergrundtätigkeit verantwortlich war.
Die AGM/S und deren Vorläufer waren Diensteinheiten zur Spezialkampfführung (militärisch-operative Terrorabwehr, Kampf im Hinterland des Gegners etc.) Das die AGM/S in irgendeiner Art und Weise mit Röllig zu tun hatte, schließe ich aus.
Die Linie XX und die AGM/S hatten völlig unterschiedliche Aufgabenstellungen. Dahingehend meinte ich, dass hier etwas durcheinander läuft.
Vielleicht sollten wir die Begriffe PID, Diversion und Spezialkampfführung näher betrachten ?



zuletzt bearbeitet 07.11.2009 20:21 | nach oben springen

#20

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.11.2009 20:32
von Sauerländer (gelöscht)
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