#61

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.11.2009 09:52
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Reinman,
bei all deinem Stolz als Offizier stahst du sicher nicht alleine.Offizier zu sein war schon was und dann noch wie in unserer Kp.ein menschlicher zu den Untergebenen sein zollt meinen höchsten Respekt.
Ich glaube seitens der Offiziere und Uffz.durch ihr menschliches verhältnis zur Truppe war es möglich den Grenzdienst als Soldat gut auszuführen.Mit Schikanen wie ich sie bei meinem Reservistendienst in der NVA erlebte hätte es sicher viel mer Lagen gegeben,auch aus den eigenen Reihen.

Das sich aus heutiger Sicht vieles Fragwürdig darstellt ist ja wohl normal.

Andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#62

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.11.2009 12:25
von Gelöschtes Mitglied
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Mittag allerseits,
Es wirbelt ja richtig hier dass hatte ich nicht gedacht,ich mische mich mal ein als nicht Ossi.
Ich muss euch ehrlich gestehen das ich keine persönliche erfahrung habe als soldaat,mit 18 wohnte ich schon in die NL und
war zur derzeit noch staatsbürger der BRD und die wolten mich scheinbar auch nicht haben aber das zur seite.
Was ich so links u rechts gelesen habe war es nicht immer logisch grenzer zu werden,da wurde scheinbaar nicht lange rum gefakkelt.Das aber die familie da mit rein gezogen wurde ist doch aus meiner sicht also unverständlich und das man selber
als bürger keinen vernüftigen job,schule konnte kriegen is ja wirklich das allerletzte!!!wenn man nicht einstimmte zur GT( meine meinung zum zwangs-unterschreiben)
Und was mich befremdet is das ihr euch hier am kragen geht,ich persönlich finde es gut das hier pro u contra gibt aber immer mensch bleiben respektiert eure meinung.
Persönlich kan ich noch immer nicht verstehen wie ihr damals die grenze geschützt habt,um mit gewald eigene bürger verhindert habt die DDR zu verlassen.Ich glaube das man über dieses item nie eine genaue antwort kriegt.
Es is auch nicht meine absicht hier rum zu stechern und den ofen anmachen mit euch,aber bin doch eben von den stuhl gefallen was ich hier so gelesen habe diese tage.

alles gute aus die NL tschüss Klaus


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#63

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.11.2009 12:58
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von NL 63

... Was ich so links u rechts gelesen habe war es nicht immer logisch grenzer zu werden,da wurde scheinbaar nicht lange rum gefakkelt.Das aber die familie da mit rein gezogen wurde ist doch aus meiner sicht also unverständlich und das man selber als bürger keinen vernüftigen job,schule konnte kriegen is ja wirklich das allerletzte!!!wenn man nicht einstimmte zur GT( meine meinung zum zwangs-unterschreiben) ...


Hallo Klaus (NL 63),

ich habe keine Zweifel an der Geschichte von wosch, denn diese Art der "Agitationseinsätze" gab es durchaus in den 50-er und 60-er Jahren. Die Genossen glaubten sich auf der Überholspur der Geschichte und es erschien alles als Recht, was der Sache des Sozialismus und damit allgemein dem Fortschritt der Menschheit diente. In den 70-er und 80-er Jahren war das etwas anders. Ich weiß, dass seitens sehr dummer Offiziere bei Wehrkreiskommandos, und die gab es wie ich aus urpersönlicher Erfahrung sagen kann, Druck auf Leute ausgeübt wurde, um Quoten zu erfüllen. Das galt vor allem dem Bereich der Unteroffiziere auf Zeit. Da wurde schon Druck in Richtung Studienplatz und ähnlichem gemacht. Beispiele, dass Leute mit Zwang an die Grenze "gepresst wurden", sind mir aus dieser Zeit nicht bekannt. Es ergäbe auch keinen Sinn, jemanden dahin zu schicken, wo er sich am Nachhaltigsten solchem Zwang entziehen kann.

Eine interessante Szene dazu gibt es übrigens im Film "Sonnenallee". Dort sitzt der Hauptheld, Micha, allein vor einer Gruppe von Offizieren, Lehrern und der FDJ-Sekretärin und soll sich zur Frage äußern, ob er für drei Jahre zur Armee geht. "In solchen Momenten ist man furchtbar allein!" sagt Micha aus dem Off. Aber genauso hat es in den meisten Fällen funktioniert. Man hat an die Leute appelliert und wenn diese nichts falsch machen wollten, allein dastanden, ja, dann sagten sie auch Ja zu Dingen, die sie garnicht wollten. Theoretisch hätte in den 80-er Jahren (vorher kann ich es nicht sicher sagen) jeder Grenzer vor seinem ersten Grenzdienst gefragt werden müssen, ob er bereit ist, in Erfüllung seiner Dienstpflicht die Schusswaffe einzusetzen. Ob diese Forderung aus dem Befehl 44 (Personalanalyse) überall durchgesetzt wurde, weiß ich nicht. Sagte jemand Nein, durfte er nicht zum Grenzdienst eingesetzt werden. In diesem Fall wurde er von der Grenze abgezogen und kam in eine Stabseinheit. Aber wer hat den Schneid, nach einem halben Jahr Ausbildung, Drill und Gewöhnung an das Sielber von Litzen und das Gold von "Pickeln", vor einem Offizier dieses Nein auszusprechen? Das war eine forcierte Entscheidung, also letztlich Manipulation. Aber theoretisch hatte jeder die Möglichkeit Nein zu sagen.

Zitat von NL 63

... Persönlich kan ich noch immer nicht verstehen wie ihr damals die grenze geschützt habt,um mit gewald eigene bürger verhindert habt die DDR zu verlassen. ...


Weil niemand von uns sich gesagt hat: "Ich bin hier ein Gefängniswärter, der dafür sorgt, dass die Bürger eingesperrt bleiben und ich knall jeden ab, der aus dem Gefängnis DDR ausbrechen will." Die Einen waren da, weil sie mussten und die wollten so schnell wie möglich und mit sowenig Ärger wie möglich wieder fort. Die Anderen, wie ich, sahen sich als Beschützer des Friedens und der Souveränität unseres Vaterlandes. Wer die Grenze verletzte, verletzte zugleich diese beiden höheren Prinzipien. Und zur Souveränität gehörte, dass wir ein Land schützten, in dem die Menschen in Freiheit von der Ausbeutung und deren Folgen leben konnten. Das waren die ideologischen Säulen unserer Motivation. Man kann nicht mit den Wertungen von heute die Motavationen von damals verstehen. Man kann nur versuchen, die Zeit und die in ihr lebenden Menschen zu verstehen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 20.11.2009 13:02 | nach oben springen

#64

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.11.2009 22:46
von Katastrowski | 36 Beiträge

Da hat Rainman praktisch den Negel auf den Kopf getroffen.

Ich für meinen Teil kann verstehen, dass die Grenzer (zu denen ich unfreiwillig von 11/86 bis 04/88 gehörte) angegiftet wurden/werden. Und ich verstehe auch die Meinungen der (damals) Längerdienenden. Jetzt zumindest (c:

Damals war's für mich - wie für nahezu alle meiner "grundwehrdienenden Mitstreiter" einfach nur abartig. Aber das wäre es für mich (und die Anderen) auch bei den "normalen Sandlatschern" gewesen. Unfreiwillig von zu Hause weg ist einfach nur besch ... (c:

Nacht allerseits!


EK 88 I
zuletzt bearbeitet 20.11.2009 22:47 | nach oben springen

#65

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.11.2009 22:53
von Katastrowski | 36 Beiträge

P.S. An wirklich unmenschliche Offiziere habe ich übrigens keine bewusste Erinnerung. Unser Polit z.B. war ein armes Würstchen (aus heutiger Sicht - und eigentlich auch schon damals). Der hat Silvester mit mir auf der Bude in der Transportkompanie unfreiwillig 'ne halbe Stunde RIAS gehört und es nicht bemerkt - oder nicht bemerken wollen. Genosse "D.": viele Grüße von hier aus ((c: .... du warst im Prinzip ein netter Kerl.


EK 88 I
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#66

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.11.2009 08:18
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Rainman

ich habe keine Zweifel an der Geschichte von wosch, denn diese Art der "Agitationseinsätze" gab es durchaus in den 50-er und 60-er Jahren. Die Genossen glaubten sich auf der Überholspur der Geschichte und es erschien alles als Recht, was der Sache des Sozialismus und damit allgemein dem Fortschritt der Menschheit diente. In den 70-er und 80-er Jahren war das etwas anders. Ich weiß, dass seitens sehr dummer Offiziere bei Wehrkreiskommandos, und die gab es wie ich aus urpersönlicher Erfahrung sagen kann, Druck auf Leute ausgeübt wurde, um Quoten zu erfüllen. Das galt vor allem dem Bereich der Unteroffiziere auf Zeit. Da wurde schon Druck in Richtung Studienplatz und ähnlichem gemacht. Beispiele, dass Leute mit Zwang an die Grenze "gepresst wurden", sind mir aus dieser Zeit nicht bekannt. Es ergäbe auch keinen Sinn, jemanden dahin zu schicken, wo er sich am Nachhaltigsten solchem Zwang entziehen kann.

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Nach Einführung der Wehrpflicht in der DDR im Jahre 1962 brauchte man die Art und Weise des "Freiwilligen Zwanges" für den Wehrdienst logischer Weise nicht mehr. Die relevanten Jahrgänge wurden einfach eingezogen!! Meiner Generation wurde zum größten Teil noch die "freiwillige" Verpflichtung zum Dienst mit der Waffe abgezwungen. Aus meinem Jahrgang kannte ich nur zwei Schulkameraden, die sich wirklich freiwillig gemldet hatten, aber auch nur, weil Sie wußten, daß sie sonst auch keine Chance gehabt hätten, sich dem "freiwilligen Zwang" zu entziehen. Beide sind dann übrigens beim Wachregiment gelandet und sind sogar später in der Uniform rumgelaufen, als ob sie was Besonderes gewesen wären. Den späteren Werdegang konnte ich nicht mehr verfolgen, hätte gerne gewußt, was aus ihnen geworden ist. Wolfgang W. und Manfred K., solltet ihr zufällig diese Zeilen lesen, bitte melden!! (Ehemalige Berufsschule Lulu, Klassenlehrer Herr Bruckmann oder Brockmann)
Schönen Gruß aus Kassel


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#67

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.11.2009 10:04
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
also präzisiere ich das ganze mal: könnt ihr mit stolz auf eure vergangenheit blicken? habt ihr eure aufgabe u.a. die sicherung der grenze und des friedens an der nahtstelle zweier militärpakte und unterschiedlichen systeme erfüllt?




Schöne Provokation!
Aufgabe erfüllt? Ja, mir sind nur einmal zwei durch und da hatte ich keine vernünftige Chance, dies zu verhindern. Der Preis wäre zu hoch gewesen. Ansonsten ja. Doch, trifft man auf solche Leute, dann merkt man, dass dies in der Regel eben nicht die "gewissenlosen Verbrecher" waren, die unser "ganzer klassenkämpferischer Hass" so traf. Dann merkt man, dass es zumeist genauso Menschen wie ich waren, die ihre Problemchen eben so lösen wollten. So kommt zu diesem Stolz eben auch die Erleichterung, wenn gut ausging, was in nullkommanichts sehr böse hätte enden können. Und je öfter man seinem "Gegner" gegenübersteht, um so deutlicher merkt man dies. Um so mehr werden aus dem gesichtslosen Etwas "GV" Gesichter, Namen, Schicksale...
Aufgabe erfüllt, Frieden gesichert? Nun ja. Es hat nicht geknallt zu meiner Zeit zwischen uns, den Briten, den Amis, dem BGS und dem Zoll. Nicht mal dann, wenn wir kraft Befehl oder jugendlichem Übermut, das gab es auch, ein bischen Indianer gespielt haben miteinander. Der Respekt vor der anderen Seite war da, wie wir auch Respekt vor uns und unseren Möglichkeiten gespürt haben. Wäre es anders gekommen, wir hätten uns sicher wie Helden gefühlt - auf beiden Seiten.
Aber heute, nach über 20 Jahren? Schau, GW, wir haben den Wettkampf der Systeme schlicht und einfach verloren. Wir sind nicht die Sieger und müssen uns eingestehen, dass dies sogar verdient war.
Nach so langer Zeit bleibt zwar die Erinnerung an eine mitunter sogar sehr spannende Zeit, an gute Kollegen, gutes und (im Harz in der Mehrzahl) schlechtes Wetter. An ein im Verhältnis zur restlichen NVA sehr lockere Zeit verbunden mit viel Verantwortung vielleicht sogar für Krieg oder Frieden aber eben auch an die Tatsache, dass wir eigentlich "die Wächter" waren.
Stolz vielleicht, dass alles gut ausging.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 21.11.2009 10:05 | nach oben springen

#68

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.11.2009 10:49
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
also präzisiere ich das ganze mal: könnt ihr mit stolz auf eure vergangenheit blicken? habt ihr eure aufgabe u.a. die sicherung der grenze und des friedens an der nahtstelle zweier militärpakte und unterschiedlichen systeme erfüllt?



Zitat von S51
Schöne Provokation!


In Antwort auf:
Schau, GW, wir haben den Wettkampf der Systeme schlicht und einfach verloren.


In Antwort auf:
Stolz vielleicht, dass alles gut ausging



nein s51, ein provokation meinerseits war es mitnichten und ich wollte auch nicht hören, das wir verloren haben. ich wollte eigentlich nur wissen ob ihr mit stolz zurückblicken könnt. dieser stolz kommt bei dir erst in der letzten zeile und du relativierst ihn leider auch noch.

für mich hat am ehesten @rainman2 die frage beantwortet. vielleicht kann es auch keinen stolz eurerseits geben, da ihr angeblich dort alle nicht freiwillig gewesen seid und es verschenkte zeit war...

auch wenn die zeit körperlich sehr hart für euch war, gab es wirklich nichts auf was ihr im rückblick stolz gewesen seid???


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
zuletzt bearbeitet 21.11.2009 10:50 | nach oben springen

#69

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.11.2009 11:03
von CaptnDelta (gelöscht)
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Pssst, Gilbert, S51 sagt es in der letzten Zeile:

Zitat von S51
Stolz vielleicht, dass alles gut ausging.


-Th

PS: S51, mir hat Dein Beitrag sehr gefallen, hab' ihn mehrmals gelesen. Wollte nur sagen, das Dein Nick einer von wenigen (Rainman, sentry, Mike59, S51) ist, die ich im Forum sofort lese ohne auf zeitliche Reihenfolge (o.a.) zu achten.
-Th


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#70

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.11.2009 11:10
von skbw | 216 Beiträge

na klar GW, ich war stolz auf meine Zeitals Grenzer. Ich war es freiwillig und mit Überzeugung. Ich war stolz auf die Uniform, auf meine Einheit, meine Auszeichnungen und Beförderungen. Geschämt habe ich mich deshalb nie. Das gefühl, daß das alles nicht anerkannt wäre, hatte ich damals nie. Ich war stolz nicht bei der NVA, sondern bei den GT zu sein.

Bis bald, skbw


" Man kann nur zu einer eigenen Meinung gelangen, wenn man offen sein kann und sich auch irren darf. "

Maxie Wander
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#71

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.11.2009 11:17
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von Gilbert:
für mich hat am ehesten @rainman2 die frage beantwortet. vielleicht kann es auch keinen stolz eurerseits geben, da ihr angeblich dort alle nicht freiwillig gewesen seid und es verschenkte zeit war...

auch wenn die zeit körperlich sehr hart für euch war, gab es wirklich nichts auf was ihr im rückblick stolz gewesen seid???[/quote]
Zitat ende.

Die Ausbildung war hart,der Grenzdienst nervlich Anspannend,aber ich sagte es schon mehrmals.Ich war damals stolz diese Uniform 18 Monate(nicht freiwillig)getragen zu haben und bin heute noch auf mein erreichtes Stolz.
Mein Stolz bezieht sich auf damaliges denken im gewissen Sinne bei einer Fronteinheit gedient zu haben im gegensatz zu den Sandkastenspielen bei der NVA.Natürlich war ich wie alle anderen auch froh diese Uniform gesund wieder Auziehen zu dürfen.

Heute bin ich insofern noch Stolz das bei der damaligen Ausbildung heute viele BW-Soldaten meckern würden und entweder den Medpunkt wegen Blasen an den Füßen oder den Seelentröster wegen nervlicher Zerrissenheit aufsuchen würden.

Auf den Sinn dieser Grenze und deren Opfer kann ich heute wie damals keinen Stolz entwickeln.

MfG,Andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
zuletzt bearbeitet 21.11.2009 11:22 | nach oben springen

#72

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.11.2009 14:10
von Katastrowski | 36 Beiträge

Ach noch etwas ...

wenn ich schon nicht wirklich stolz war, so ich war aber immerhin recht verwundert, wieviel Verantwortung in die Hände von 19 und 20jährigen gelegt wurde.

Mit nun über 40 stelle ich mir die heutige Generation der 19 und 20jährigen vor ... oder lieber nicht ... (c:


EK 88 I
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#73

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.11.2009 14:14
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Rainman2,

danke für deine antwort ich habe dieses 2-3 gelesen,ich wil ja euch nicht die hosen runterziehen du stehts noch immer für die sache also ist für mich die sache deutlich.Verstehe bitte auch meine meinung darzu , leider bleibe ich noch skeptisch in diesen sachen!!!Habe auch keinen hass gegen dir o andere GT mitglieder wir müssen weiter mit unserem leben.

also tchüss u schöne gr aus NL Klaus


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#74

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.11.2009 14:47
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von EK 82/2
Zitat von Gilbert:
für mich hat am ehesten @rainman2 die frage beantwortet. vielleicht kann es auch keinen stolz eurerseits geben, da ihr angeblich dort alle nicht freiwillig gewesen seid und es verschenkte zeit war...

auch wenn die zeit körperlich sehr hart für euch war, gab es wirklich nichts auf was ihr im rückblick stolz gewesen seid???


Zitat ende.

Die Ausbildung war hart,der Grenzdienst nervlich Anspannend,aber ich sagte es schon mehrmals.Ich war damals stolz diese Uniform 18 Monate(nicht freiwillig)getragen zu haben und bin heute noch auf mein erreichtes Stolz.
Mein Stolz bezieht sich auf damaliges denken im gewissen Sinne bei einer Fronteinheit gedient zu haben im gegensatz zu den Sandkastenspielen bei der NVA.Natürlich war ich wie alle anderen auch froh diese Uniform gesund wieder Auziehen zu dürfen.

Heute bin ich insofern noch Stolz das bei der damaligen Ausbildung heute viele BW-Soldaten meckern würden und entweder den Medpunkt wegen Blasen an den Füßen oder den Seelentröster wegen nervlicher Zerrissenheit aufsuchen würden.


In Antwort auf:


hallo andy. klar kannst du stolz sein bei denn grenztruppen gewesen zu sein. aber glaub mir auch die ausbildung bei der bundeswehr ist kein zuckerschlecken.



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#75

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.11.2009 17:40
von Ludwig | 252 Beiträge

Die Sache mit der Ausbildung bei der BW muß man wie sicher alles auch von 2 Seiten sehen:
Aus meiner Verwandt- und Bekanntschaft dienen derzeit 3 junge Kerle. Wenn ich mich mit denen unterhalte,
könnte man zu der Meinung gelangen, die GT der DDR waren von der Ausbildung her eine Elitetruppe.
Alle 3 (in verschiedenen Einheiten ) setzen Überstunden ab, sind (fast) jedes Wochenende zu Hause,
haben pünktlich Feierabend usw. usf.Von der körperlichen Anstrengung mal abgesehen.
Ich bin sicher, es gibt auch tausende andere Beispiele, aber ich sage zu denen immer scherzhaft,
der Feind darf keinen Krieg am Freitag abend anfangen



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#76

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.11.2009 19:46
von Udo E. (gelöscht)
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Hallo Rostocker
Du hast mit Deinem Text an Nimmnix genau das gsagt,wie auch meine Einstellung
zu diesem Thema ist.
Gruß Udo E.


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#77

Stolz ein Grenzer zu sein?!

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 31.12.2009 01:44
von manne44 | 4 Beiträge

Das ist hier die Frage wo ich noch keine Antwort gefunden habe!
Gemustert wurde ich als Mot-Schütze,eingezogen wurde ich mit 23 als Grenzer,gehofft hat man das man ein vergisst,ja auch das gab es,warum wurde später bekannt!
Eingezogen nachdem man verheiratet war,Kind und somit Familie aufgebaut hatte.Wismut ja noch ein Plus in der DDR und ich war der perfekte Grenzer,Familie und ein Betrieb der an Aussendarstellung nur so glänzte.
Eisenach Ausbildung,was körperlich und sportlich war,war für mich ein Witz,sagen wir mal ne ErholungUmgangston ganz schwer ertragbar,von 18 jährigen Bürschlein mir Befehle erteilen zu lassen,na gut,man nahm es so gut wie es ging,auch hier sei bemerkt,in unseren Betrieb der Wismut war man als Kumpel mit Jedem per Du,selbst mit dem Generaldirektor.
Also war ich erstmal stolz als Kumpel bei der GT zu sein
Aber für mich war immer noch die Frage,was geht hier ab,warum bin ich hier?
Was soll ich denn schützen?In meinen Job habe ich ja doch laut Propaganda das Uranerz(Pechblende)
abgebaut für die so glorreiche SU,also hallo,wir hatten doch praktisch unseren großen Bruder,der uns beschützte.
Klar das der Politunterricht mir auch nicht viel gab,Klassenfeind BRD,wir das Bollwerk an der Grenze zwischen Warschauer Pakt und Nato,wie lange hätten wir sie aufhalten können bei einen Ausbruch des 3.Weltkrieges?Ich bekam da schon regelmäßig Lachkrämpfe.
Also lange Rede kurzer Sinn,uns war Allen klar warum wir an der grünen Grenze standen.
Nicht weil wir die Grenzbewegung von West nach Ost eindämmen sollten,nein,ich denke es war umgekehrt.
Aus der Keimschmiede in Eisenach raus und mit etwas unguten Gefühlen raus an die "Front"
Ich habe gewußt was ich beschützen muß,mich selbst und meine Familie!
Jeder von uns ist raus und hat gehofft das kein GV kommt,jetzt spreche ich von den Grenzern,die so wie ich eingezogen wurden sind,was haben wir uns für eine Waffel gemacht wenn es Grenzalarm gab und wie waren wir froh wenn es Entwarnung gab,paar längerdienende waren geil drauf mal einen GV zu fangen.
Aber auch ich habe das gelernt das ganze "Spiel" von einer anderen Seite aus zu betrachten.Jeder aber auch Jeder Keim der da an der Grenze auftauchte und dachte ich spaziere da mal leicht nüber,der wußte das da paar Jungs stehen die da nicht umsonst sind und auch mal geschossen wird,also soll niemand rumheulen,das System haben genau diese Leute mit getragen und das über Jahrzehnte.
Ich kann mich noch dran erinnern als in der Presse stand die Minen werden abgebaut,war 83,eh ich dachte die haben die Grenze aufgemacht,die Leute kamen mit der Schnapsflasche in der Hand anspaziertKein Witz.
Naja eh ich den Sinn hier verpass.
Auf alle Fälle war ich stolz ein Grenzer zu sein,das ganze Pack was sich in Armeeuniform in Richtung Heimatsurlaub befand und uns beklingelte und sich auch paar Schellen einfing,den konnten wir sagen,wir stehen vorn und wem dient denn Ihr?


Neu eroeffnetes Thema wurde mit gleichnamigen existierenden Thema verschmolzen. Bitte aufpassen ob ein gleichgelagertes Thema schon existiert, und dann bitte dort posten. Danke! CD



zuletzt bearbeitet 31.12.2009 02:02 | nach oben springen

#78

RE: Stolz ein Grenzer zu sein?!

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 31.12.2009 07:40
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von manne44
Das ist hier die Frage wo ich noch keine Antwort gefunden habe!...


Hallo manne44, guter Beitrag.

meiner Meinung nach ist das was man persoenlich empfunden hat das wichtigste ueberhaupt. Deswegen freue ich mich am meisten ueber solche Eigenerlebnisse!

Weiterso, nochmals willkommen im Forum!

Berliner


zuletzt bearbeitet 31.12.2009 07:41 | nach oben springen

#79

RE: Stolz ein Grenzer zu sein?!

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 31.12.2009 13:49
von Ernest | 210 Beiträge

Hallo zusammen,

die Frage , ob stolz oder nicht , läßt sich für mein Teil nicht so leicht beantworten, ohne dabei die Verhältnisse damals und heute zu beleuchten.

Der Gedanke, überhaupt zur Armee zu müssen, war schon blöd. Der Grundwehrdienst war nun mal Pflicht und irgendwie mußte man da durch, egal wie.
Ich wurde in Gotha zu den Pionieren gemustert. Der Gedanke daran hatte das mulmige Gefühl eher noch verstärkt, Pioniere klang irgendwie nicht gut.....sah nach Knochenjob und Quälerei aus. Ich sah mich Pontons schleppen und erwartete eine eher schlimme Zeit.
Bei der Einberufungsüberprüfung hieß es dann, ich komme zur Grenze.
In dem Moment dachte ich erst mal...................ein Glück, nicht zu den Pionieren, denn so schlimm wird es da bestimmt nicht. Andere Gedanken hatte ich eigentlich nicht.

Knapp zwei Monate später ( Mai `72) mußte ich dann ins 14 Kilometer entfernte Magdeburg zur Ausbildung.
Die Ausbildung war zwar auch nicht meine Welt, nur die heimatliche Nähe gab mir doch etwas Kraft, die Sache locker zu sehen, zumal ich dort mit einigen aus meiner Heimatstadt zusammen war.
Nach 3 Monaten (August `72) kam ich dann, bedingt durch die Olympischen Spiele, vorzeitig an die Grenze.
Im Vergleich zur Ausbildung und mit dem Gedanken, ich hätte auch bei den Pionieren landen können, hatte ich das Gefühl, ich lande im Schlaraffenland.

Mindestens 8 Stunden geruhsamer Schlaf, dann 8 Stunden Freizeit, die man so gestalten konnte, wie man wollte. Oft lag ich draußen auf den Rasen, las ein Buch, schrieb ellenlange Briefe, hörte Radio, schaute fern.
Dann kurze Dienstvorbereitung (anziehen, Waffenempfang, Vergatterung) und es ging entweder zu Fuß oder mit dem Fahrzeug für 8 Stunden in den Grenzdienst. Hatte man das Objekt verlassen, war man schlagartig wieder ein "freier Mensch".............jedenfalls rein gefühlsmäßig. Für die Zeit draußen dachte man sich unzählige Beschäftigungen aus, damit es nicht langweilig wird. Man war draußen in der Natur und fern von jeglicher Beobachtung.
Mal quatschte man volle 8 Stunden mit seinem "zweiten" Mann, mal schlief man und war man mit einem nicht so gesprächigen Partner draußen, sagte ich mir immer........."""" lieber eine wortkargere Schicht, als bei den Pionieren gelandet zu sein""""".

Würde ich an dieser Stelle das Wort "Stolz" ins Spiel bringen, so würde ich eher sagen, ich war froh das es so und nicht anders gekommen ist.

Nun wußte man natürlich auch, daß die Grenze kein Erholungsreservoir war, sondern auch eine gewisse Gefährlichkeit in sich barg.
Das war mir schon klar. Ich kannte jedoch nur unseren Abschnitt, in dem es mehr als ruhig zu ging. Das Thema Grenzverletzungen kannte ich also nur vom "Hören-Sagen". Selbst unsere alten EK`s, als ich zur Grenze rauskam, vermittelten uns das Gefühl """""hier passiert eh nichts""""".

Nur das der "Fall der Fälle" immer und zu jeder Zeit eintreten kann, wußte ich genau. Aus dem Grund hat man auch ganz privat für sich gewisse Entscheidungen getroffen, falls es wirklich einmal passieren sollte.
Das ich nie auf einen Menschen schießen werde, stand für mich 100%ig fest.
Es war nicht nur der humane Aspekt, die innere Hemmschwelle und innere Barriere so etwas zu tun, die ja bestand.
Manche würden sagen, ja, heute kann man viel erzählen, damals hast du bestimmt nicht so weit gedacht. Diesen Vorwurf mußte ich mir auch schon anhören.
Nein, es war auch ganz einfach, die Erziehung in meinem Elternhaus, die ganz und gar nicht sozialistisch verlief. Für mich gab es nichts, was ich an der Grenze hätte verteidigen müssen.
Ganz im Gegenteil.......................denn hätte mein Vater erfahren, daß ich auf irgendeine Art jemanden körperlich geschadet hätte, ganz im Sinne des Staates, dann hätte ich keinen Vater mehr gehabt.
Und hätte er es nicht erfahren, dann hätte ich zeitlebens mit einer Lüge leben müssen.

Viele führen an dieser Stelle immer das Schreckgespenst "Schwedt" an, daß ständig und überall lauerte.
Aber nur um Schwedt zu verhindern, hätte ich auch nicht über meinen Schatten springen können, dazu waren meine Hemmungen zu groß.
Ich sagte mir immer, ob ich nun einen Grenzdurchbruch mitbekomme oder nicht, denn um alles mitzubekommen, waren unsere Abschnitte ganz einfach zu groß...........der Versuch, dich zur Verantwortung zu ziehen, kommt so und so.

Was die Waffe an sich betrifft, so muß ich sagen, zum Selbstschutz empfand ich sie ok.

Da für mich klar war, wie ich bezüglich Grenzverletzer reagieren werde, wurde mir auch die Anspannung genommen, mich in Sekunden (wie man so oft liest) entscheiden zu müssen. Diese Entscheidung ist lange vorher gefallen.
Darum finde ich es auch verwunderlich, wenn man oft liest, jemand sieht einen Grenzverletzer laufen und er muß sich sekundenschnell entscheiden, wie er regiert. Ob ich schieße oder nicht, entscheide ich nicht in dem Moment, unabhängig vom existierenden Stress. Diese Entscheidung..........."ob oder ob nicht".....muß nur jemand fällen, der sich vorher nicht im Klaren war, wie er reagieren wird.

So gesehen bin ich eigentlich sehr unbeschwert in den Grenzdienst gegangen. Das Gespenst "Grenzverletzer" war kein Thema für mich und zu meinem eigenen Schutz hatte ich eine Waffe. Den Grenzdienst, abgesehen von einigen Wintertagen konnte ich mehr oder weniger "genießen". Man hat eben das Beste daraus gemacht und hatte auch insgesamt gesehen ein gutes Leben.

Stolz zu der Zeit ??????? hmmmmm..................ich hatte Glück gehabt, in einer ruhigen Kompanie gelandet zu sein und hatte, wie schon geschrieben, das riesige Glück, nicht bei den Pionieren sinnlos herumackern zu müssen.
Und irgendwie hatte ich auch ein Gefühl was sich schlecht beschreiben läßt, was man schlecht in Worte fassen kann. Sagen wir mal so....................da, wo ich stand, lag, schlief, wachte, gab es nicht diesen Hauch des Todes.
Neee, das klingt blöd und heroisch.

Ich war nur ein einfacher Soldat, der alles so schnell als möglich hinter sich bringen wollte. Der die 18 Monate schaffen wollte, um danach wieder ein ruhiges Leben, ohne Bevormundung, zu führen.

Stolz danach ??????...........meine Zeit nicht durch sinnlose Übungen in einer anderen Waffengattung vergammelt zu haben. Und vor allem, meinem Vater frei und unbelastet in die Augen schauen zu können. Ich bin meinem und auch seinem Grundsatz treu geblieben, auch wenn es nie Konfliktsituationen gab, die mich herausgefordert haben.

Gruß
Herbert


Ich verabschiede mich dann gleichzeitig....... Koffer packen und am Samstag für die nächsten zwei Wochen ab ins "Warme".


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#80

RE: Die Grenze

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 31.12.2009 14:50
von Klaus K (gelöscht)
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Zitat von Rostocker
Meine Dienstzeit bei den Grenztruppen ist 35 Jahre her-(Grundwehrdienst)Nun erwarte nicht,das ich Dir die Frage beantworte,ob ich Stolz darauf war,dort gedient zu haben.Ich werd mich auch nicht Rechtfertigen,aber eins weiß ich.Ich hatte Kameraden,auf die ich mich verlassen konnte.Und so was gibt es wohl in jeder Armee dieser Welt--Kameradschaft und wenn nicht,dann ist es ein Söldnerhaufen der nur das eigene ich Denken im Kopf hat.Und bevor einige wieder in die Presche hauen hier---wir waren keine schießwütigen Grenzer wir waren Soldaten eines Systems wie es vor uns schon unsere Väter und Großväter waren.Und wie es unsere Kinder sind --heute im Namen der Demokratie in fernen Afganistan.Und ich hoffe-das sie sich nicht eines Tages die Frage stellen müssen----war es Recht--was wir Taten.Aber eins ist doch klar--der Soldat ist ein Machtintrument der Regierenden heute des Monopols und nicht wie gesagt des Volkes.Er dient nur zum Machterhalt.





Super, Rostocker. Bin ganz deiner Meinung.


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