#101

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 04.07.2011 19:26
von glasi | 2.815 Beiträge

ich denke mal niemand hier im forum hatte lust auf denn dienst in der NVA ?oder?



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#102

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 04.07.2011 19:28
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von glasi
ich denke mal niemand hier im forum hatte lust auf denn dienst in der NVA ?oder?



Glasi es soll auch Personen gegeben haben die sich freiwillig verpflichtet haben!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#103

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 04.07.2011 19:34
von Commander | 1.059 Beiträge

Glasi
Da haste recht,allerdings war ich froh,daß nach der Ankündigung bei der Musterung:"Sie holen wir mit 26" ein Jahr danach die Einberufung kam.Mein Gedanke war,da hastes wenigstens hinter dir.War dann auch mit 20 wieder zu Hause u.wurde nie wieder belästigt.



zuletzt bearbeitet 04.07.2011 19:36 | nach oben springen

#104

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 04.07.2011 19:55
von Greso | 2.377 Beiträge

Zitat von glasi
ich denke mal niemand hier im forum hatte lust auf denn dienst in der NVA ?oder?



Also ich gebe dir Recht


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#105

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 04.07.2011 20:10
von exgakl | 7.238 Beiträge

Zitat von glasi
ich denke mal niemand hier im forum hatte lust auf denn dienst in der NVA ?oder?



Irrtum Glasi!!!

ich bin am 03.Mai 1989 freiwillig zur NVA nach Sachsen gewechselt, daß hatte aber ausschließlich familiere Gründe. Ich hatte geheiratet und meine damalige Frau konnte dort nicht wegziehen.
Man man man... dafür könnte ick mir heute noch in den Hintern beißen... so einen Laden hatte ich bis dato noch nicht erlebt.... also ich meine jetzt die NVA, nicht etwa meine damalige Angetraute

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#106

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 04.07.2011 20:16
von Alfred | 6.861 Beiträge

Glasi, Greso,

eingentlich müssten ja wenigstens die Offiziere freiwillig gegangen sein, oder ?


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#107

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.07.2011 03:57
von grenzsoldat (gelöscht)
avatar

In meinem Buch "Grenzsoldat" habe ich das im Kapitel "Alkohol" zum Teil behandelt:

"Meine Erinnerungen hier beginnen mit dem ersten Truppentransport als frisch gefasster Rekrut von Halle nach Berlin. In Halle am Clubhaus „Hermann Duncker“ war der Sammelort für die "Einberufung". Morgens um sieben Uhr (3.05.1966) hatte man sich dort einzufinden und es fiel auf, dass einige der Rekruten am Abend ordentlich Abschied gefeiert hatten. Eine Unteroffiziersstreife wuselte durch die dort angetretenen Massen und pickte sich die Kandidaten, welche hier auffielen, einfach raus und lies dieselben verschwinden. Dann im Zug, welcher an größeren Stationen bis Berlin noch zwei - drei mal hielt, um weiteres Rekrutenmaterial ein zu sammeln, war die selbige Streife weiter intensiv aktiv und sammelte Kandidaten, welche auch nur eine Bierflasche blitzen ließen, ebenfalls ein. Im großen ganzen ging die Aktion aber relativ ruhig vonstatten und lediglich kleine Taschenrutscher (Flachmänner) machten verstohlen die Runde und die relativ lange Reisezeit für die paar Kilometer von ungefähr acht Stunden erzeugte die Tatsache, dass fast alle Rekruten nüchtern ihre ersten Schritte in die Grenzausbildungskaserne 39 in Berlin - Wilhelmshagen lenken konnten." (Erst an diesem Tag bekam ich in Halle am Clubhaus mit, dass ich bei der Grenze gelandet war)
Es ging relativ ruhig zu. Keine Gebrülle, Kein Theater. In Berlin Wilhelmshagen blühten schon die Kastanien auf dem Weg zur Kaserne, die zum Teil ein altes Barackenlager war. Die Baracken rochen nach einer komischen Teerimprägnierung. Am gleichen Tag wurde man schon eingekleidet und beim Friseur zwei Finger breit über die Ohren kahl geschoren. Die Kameraden, die einen sogenannten "Rundschnitt" hatten, denen ging der schöne Rundschnitt verlustig. "Facon" war angesagt. Viele bekamen gebrauchte Stiefel und manche meinten, die wären noch vom Adolf. Ein Strich/keinStrich gab es noch nicht. Wir sahen aus wie die WaffenSS fürs Herbstmanöver. Grauslich war, wir waren nicht nur an der Grenze gelandet, sondern bei der Artillerie.

Ich war in einer Granatwerfer-Batterie gelandet und wunderte mich nicht wenig, was 120mm Granatwerfer mit Grenzausbildung zu tun hatten. Granatwerfer sind Steilfeuerwaffen der Infanterie, und dienten zur Bekämpfung von Zielen, welche sich hinter Deckungen, Bergen, Häusern befanden. Das man diese Waffen speziell im "Ernstfall" im Häusermeer Berlins besser einsetzen kann, als schwere Langrohr-Artilleriewaffen hat man uns während dieser Ausbildung klar und deutlich gesagt. Die Granatwerfer waren komische schwere und umständliche Geräte. Ich bekam es mit der blanken Angst zu tun, wen ich mit und an diesen Dingern herumhantieren musste. Schon beim Abprotzen, also das abkoppeln vom Zugfahrzeug war die Gefahr vorhanden, dass man sich nicht nur in der Hektik Daumen und Zeigefinger zerquetscht, sondern sich den Fuß, Arm oder Beine bricht. Beim Scharfschießen auf dem Truppenübungsplatz Streganz, zu dem man uns so drei mal in dem halben Jahr Ausbildungszeit delegierte, potenzierten sich die Gefahren. Die ersten Wochen wurde trocken mit Granatwerfer wie Handwagen ziehen ohne LKW (LO) trainiert, bis wir die Zeiten der Bedienung schafften. Diesen Juni/Juli 1966 habe ich in Erinnerung als ständig durchschwitzter Zustand. Laufschritt vom 3.Mai bis 3. August!


Fotos: Auf der einen Seite war man als Rekrut am Einberufungstag als Soldat ja relativ grün hinter den Ohren. Auf der anderen Seite hatte meine Generation (Nachkriegskinder) den Input der Eltern und der Großeltern aus ihrer Soldatenzeit im 1. und 2. WK. intus. Mein Großvater und Vater und die komplette männliche ältere Verwandschaft, die nicht im Krieg geblieben ist, impfte mich mit Tricks und Ratschlägen, wie ich als Soldat mit dem Arsch an die Wand kam. Das ging los mit der Finanzierung des Kleinkrams (57 Mark war quasi die Investition für mein Dasein als Wehrpflichtiger) zur Einberufung bis zum Taschenspiegel. Wie macht man sich als Soldat vom ersten Tag an unsichtbar? Wie kehrt man das Revier ohne den Besen auch nur in die Hand zu nehmen? Wie erschleiche ich mir als Soldat Vorteile und vermeide Nachteile. Selbst meine Mutter lieferte Informationen von ihrem verstorbenen Bruder, der bei der ungarischen Armee freiwillig die Wandzeitung übernahm. Man war am Einberufungstag dumm und schlau in gleicher Menge. "Aber ich wusste, wenn ich in amerikanische Kriegsgefangenschaft komme, dann winke ich nicht mit der Flinte, sondern mit einem Formular, auf dem man das Jahr der Gefangenschaft nicht vergisst an zu kreuzen, weil es später bei der Rentenversicherung nicht gleich anerkannt wird. (Bei meinem Großvater war 1916 nicht durch gekreuzt und er war 1919 in Gefangenschaft gekommen.)

Trotzdem, am Einberufungstag lag man am Abend wie alle anderen Rekruten fix und foxi in den "Buntkarierten". Der Spind war schon halbwegs eingeräumt, dann wurde wie seinerzeit im Kindergarten das Licht aus gemacht und irgend so ein durchgeknallter Typ brüllte draußen auf dem Flur der Kompaniebaracke "NACHTRUHE!".

Weil alles neu und aufregend war, habe ich diesen Tag noch in meiner Erinnerung, als wäre der vorige Woche gewesen.

Momentan ist das Buch "Grenzsoldat" für die 2. Auflage in Überarbeitung. (pdf und epub Version ist fertig und kann für 5,00 Euro bei mir bestellt werden). Die erste Auflage gibt es gedruckt derzeit nur antiquarisch. Aus mir unerklärlichen Gründen ist der VK auf über 60 Euro gestiegen. Die Homepage www.grenzsoldat.de wurde mit weiteren Fotos erweitert.

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 05.07.2011 05:55 | nach oben springen

#108

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.07.2011 11:44
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von Alfred
Glasi, Greso,

eingentlich müssten ja wenigstens die Offiziere freiwillig gegangen sein, oder ?


na klar alfred. ich rede aber von denn normalen jugenlichen. für die war das doch zeitverschwendung( wie bei uns). wurde iegentlich jeder jugendlicher versucht zu überreden länger zu machen? und warum wurden soviele fern der heimat eingesetz? gab es eine möglichkeit auf heimatnahe versetzung? bei uns gab es das. lg glasi



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#109

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.07.2011 14:05
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von glasi
... und warum wurden soviele fern der heimat eingesetz?
gab es eine möglichkeit auf heimatnahe versetzung?...



Vielleicht, weil die größere Entfernung den Vorlauf im Falle der Fälle vergrößerte? Und den Weg vergrößerte, den man im Falle der Fälle hätte überwinden müssen? So als Erfahrung aus früheren Zeiten?
Ich kenne einen ehemaligen GAK, der im Heimatort seine drei Jahre gedient hat. So etwas wie ein sozialistisches militärisches Weltwunder hatte es seine Ursache jedoch darin, das seine damalige Freundin die Tochter eines relativ hochrangigen Offiziers war. Frauenpower eben. Wer weiß, wie lange sie dafür Streß gemacht hat. Ob er darüber 1989 auch noch so glücklich war? Ich wage lieber keine Prognose. Sonst kriege ich womöglich noch Ärger.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#110

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.07.2011 16:32
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Heimatnah war eine Frage des Wohnorts, gewisse Möglichkeiten gab es da schon. Allerdings bedingte dies dann mehr als nur die GWD Zeit zu dienen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#111

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.07.2011 16:59
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von glasi
ich denke mal niemand hier im forum hatte lust auf denn dienst in der NVA ?oder?



Stimmt glasi,
die Meisten GWD`ler hatten echt keinen Bock - ich auch nicht.
Als ich aber hörte - Grenze -....................?
Hat sich auch nichts geändert.
Interesse - klar Marine - aber das ging erst ab 4 Jahre glaube ich.
Oder Grenze und das hat geklappt.
Man war jung, naiv und auch etwas Abenteuerlustig - da blieben nur die zwei Sachen übrig.
Ich sah keinen Sinn darin, 1 1/2 Jahre einem Panzer hinter her zu rennen.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#112

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 05.07.2011 17:07
von Ofw (gelöscht)
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Ich habe zwar auch mehr als den GWD gedient aber meinen Wunsch nach Abschluss in Perleberg dann in Berlin zu landen war nur ein Traum.
Kann mich noch genau erinnern als wir alle in Perleberg ein paar Wochen vor der Versetzung gefragt wurden was denn unser Wunschziel sei.
Ja, gefragt, aber wie viele es dann geschafft haben entzieht sich mir.
Ich kam jedenfalls nicht nach Berlin, wollte ich wegen der Heimat Brandenburg. Aber Salzwedel war auch super.
Ofw


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#113

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 10.07.2011 20:23
von GeMi | 556 Beiträge

Hallo,

der Tag der Einberufung war recht anstrengend.
So gegen 04.00 Uhr war der erste Sammelpunkt in Merseburg am alten Union-Kino. Von dort ging es zu Fuß zum Bahnhof. Wir waren ein kleiner Haufen von ca. 20 Leuten - geschoren wie die Schafe und mit Ringen um die Augen. Eine Woche wurde durchgesoffen und Abschied gefeiert.
Von Merseburg ging es mit der Bahn nach Halle/Saale. Dort wurde wieder sortiert und ab ging es Richtung Halberstadt. Im Zug gingen die wildesten Gerüchte über eine Spezialaufgabe um. Angeblich sollte ein Tagebau bewacht werden, der sich halb in den Westen hineinzog.
Am Bahnhof Halberstadt standen die W50 in Reih und Glied und ab ging es.
Auf dem Ex-Platz standen die Kompanieleitungen und es wurden die Neuankömmlinge zugeordnet.
Den Tag vergesse ich nie.
Es schien die Sonne und alle Vorgesetzten hatten die Stiefelhosen an, die Schirmmützen waren nochmal extrakrumm gebogen und alle waren extragut drauf. Da hat nur noch die Reitpeitsche gefehlt.
Den ganzen Tag wurde nur gebrüllt und angeschissen. Woher sollte man die vielen Dienstgrade kennen?
Einige Tage später war alle Routine und halbwegs gut. Mit unserem Gruppenführer, dem kleinen, krumbeinigen Feldwebel K..bert ( einem Traktoristen aus der Altmarkt) hatten wir noch Glück im Unglück gehabt. Der Mann war ein Schlitzohr und privat bestimmt ein Kumpeltyp.

Hat man sich eigentlich zu den GT verpflichtet, wurde man gefragt oder nicht gefragt?

Ich melde mich mal 1 Woche nach Berlin in Kurzurlaub ab.

Alla Tschüß


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#114

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 11.07.2011 17:48
von Ofw (gelöscht)
avatar

Zitat von GeMi


Hat man sich eigentlich zu den GT verpflichtet, wurde man gefragt oder nicht gefragt?






Also ich wurde gefragt,ob es einen Einfluss hatte weiß ich nicht.
Da ich ein Jahr zuvor (85) Perleberg besucht hatte, organisiert vom WKK, mit Übernachtung und Frühsport, war ich froh nicht so weit von der Heimat weg zu müssen. Hatte dann ja geklappt.

Der Tag der Einberufung...
Den Satz " hätte ich doch bloß nicht unterschrieben" habe ich an diesem Tag warscheinlich hundert mal gesagt. Allerdings nur für mich.
Morgens gg 03 Uhr noch ein Kaffee von Muttern, Essen war nicht möglich weil sich mein Magen drehte, und dann ab zum WKK.
Aufgeteilt in entsprechende Gruppen und dann mit dem Zug nach Perleberg.
Auf dem Perl. Bahnhof dann in Reih und Glied zur U-Schule. Viele waren so gut drauf als würde es ins FDGB Erholungsheim gehen.
Konnte ich nie nachvollziehen.
Wie es dann alles so genau abgelaufen ist weiß ich nicht mehr. Nur das alle zum Frisör mussten, vorne in der Wache standen jede menge Stühle und alle mussten ran.Selbst die schon kurz geschoren waren. Da hatte mein Lehrausbilder recht, lass deine langen Zotteln dran du musst sowieso zum schneiden. 5 Mark musste übrigens jeder Zahlen.
Anschließend alle auf die Kompanie und jeder musste frisch rasiert wieder erscheinen. Viel gabs damals bei mir noch nicht zum Rasieren.Dann einkleiden, den schweren Sack hochschleppen und in den Spint rein. Alle Uniformen mussten einmal angezogen und auf dem Flur vorgezeigt werden ob alles sitzt und da ist. Dieses ewige gebrülle "schneller, schneller..."
Das war der erste Tag und 3649 lagen noch vor mir.
Der Tag gehört auf alle Fälle zum unangenehmsten aller Tage bis dahin.
Ofw


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#115

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 20.07.2011 23:57
von TOMMI | 1.992 Beiträge

Hier im Thread fiel die Äußerung, dass "niemand hier Lust zum Dienst bei der NVA" hatte.
In meinem Fall war da tatsächlich etwas dran.
Es war 1983, als jemand aus meiner näheren Verwandtschaft zum Wehrdienst zu den GT eingezogen wurde.
Da das ganze mir noch bevorstand, riet er mir: "Sieh zu dass du zur Grenze und nicht zur NVA kommst!
Bei der NVA kriechst du die ganze Dienstzeit über durch den Dreck, bei den GT nur während der Grundausbildung.

Dieses Argument leuchtete mir ein. Man sagte, dass man sich als 3-jähriger aussuchen könne, wohin man eingezogen
wurde. So kam der Tag der Musterung. Tatsächlichstellte man mir auch die entsprechende Frage. Ohne zu zögern
antwortete ich: "Zu den Grenztruppen." Damals war ich jung und naiv. Aus heutiger Sicht wird mir klar, dass ich seinerzeit
mit einem solchen Wunsch Verdacht erregen musste, zumal ich Westverwandtschaft hatte. Aber als Durchschnitts-DDR-Bürger
war ich gelernter Opportunist und so verstand ich es, meine Gesprächspartner mit den von mir selber jahrelang gehörten
Phrasen bei laune zu halten. Zumindest war das mein Eindruck.

Ich gehe davon aus, dass ich von "gewissen" Stellen überprüft wurde. Jedenfalls hat man mich für gut genug für die GT befunden.
Im Jahr der Einberufung folgte eine zweite Musterung, die sogenannte Einberufungsüberprüfung. Ebenso der Einberufungsbefehl.
Welches zuerst da war, kann ich nicht mehr sagen. Der Einberufungsbefehl war für den 2.Mai 1985.
Welchen Inhalt der hatte und wie ich am Tag der Einberufung so gelenkt wurde, bis ich in meinem Unterkunftszimmer vor meinem Bett
und meinem Schrank stand, weiß ich nicht mehr.

Das wohl demütigenste Erlebnis im Vorfeld war das Scheren der Haare. Man sagte, man solle dies vorher tun, damit man nicht am ersten Tag unangenehm auffalle. Wie ich später erfuhr, war das ganze überflüssig.

Der 2.Mai war da, der Tag der Einberufung. Treffpunkt war morgens (7 oder 8 Uhr) das Wehrkreiskommando. Ein Offizier empfing uns, überprüfte die Anwesenheit und weiter ging es zum Bahnhof. Mit einem regulären Zug fuhren wir nach Erfurt HBf. Hier wimmelte es wieder
von Uniformen. Ich muss wohl keine Wette eingehen, dass Tage wie dieser die größte Sonderzugdichte auf dem Streckennetz der DR
hatten.So fuhr uns ein Sonderzug zunächst nach Halle HBf. Dort hieß es umsteigen. Zwei Bahnsteige weiter hielt ein Personenzug.
Dessen Passagiere deuteten den Zweck unseres Transportes richtig. Aus den Fenstern riefen sie: "Links zwo drei vier, links zwo drei
vier....!" Der nächste Zug fuhr uns dann nach Perleberg.

Als wir ausgestiegen waren, empfing uns schon Blasmusik. So ging es im Marsch vom Bahnhof zur Kaserne. Über den KDL II gelangten
wir auf das Kasernengelände. Zunächst traten wir auf dem Explatz an. Schließlich gelangten wir in unsere Einheiten. Ich wurde der 7.Kompanie (Nachrichetn-Uffze) zugewiesen. Sie befand sich im linken Block, rechter Eingang, 2 Stockwerk. Später zogen wir in
den Mittelblock um. So stand ich dannschließlich in meinem Zimmer. Mein Schrank und mein Bett waren beschriftet. Ich erinnere mich,
dass sich im Schrank schon eine braune Steinguttasse befand und zwei Bücher. Eines war das "Handbuch für militärisches Grundwissen",
ein recht interessantes Nachschlagewerk, ein anderes hierß "Vom Sinn des Soldatseins", ein langweiliges Sammelsurium voller Phrasen
und Propaganda. Das erste Uniformstück, was wir empfingen, war die Schwarzkombi. Die offizielle Einkleidung erfolgte in den nächsten Tagen. Irgendwann ging es zum Mittagessen. Es gab einen merkwürdig aussehenden Eintopf, der sich nicht besonderer beliebtheit erfreute, jedenfalls waren die Abfallkübel schnell gefüllt. Ich hingegen hatte Kohldampf und futterte alles auf.
Neben einigen Geplänkel, zum Beispiel durften wir uns an einer Klimmzugstange im Flur betätigen, hieß es antreten im Flur und dann
kam das Kommado "kehrt". Man kontrollierte unsere Nackenbehaarung. Dann durfte ich, wie 2/3 aller anderen nochmals dem Gang zum
Friseur antreten. Nochmals wurden wir geschoren. Beim Abendessen machten wir Bekanntschaft mir dem berühmten "Atombrot". Dieses
Produkt hätte bei einer Figur der Sesamstraße bestimmt gefallen gefunden.
So ging der tag der Einberufung zuende. Der erste der 1096 Tage (später wurde die Zahl geringfügig korrigiert) war vorrüber.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#116

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.07.2011 16:44
von VNRut | 1.486 Beiträge

Am 16. Februar 1982 war meine letzte Musterung im Wehrkreiskommando Staßfurt und sie endete mit den Worten, dass ich als Baupionier gemustert bin und vermutlich im Mai meinen Gwd antreten werde. Kurz danach empfahl mein Bereichsleiter meiner Firma meinen gesamten Urlaub zu nehmen, da er auch Informationen vom WKK erhielt. Er dürfe mir aber nichts genaues sagen. Also wartete ich auf den Einberufungsbefehl, der 14 Tage vorher erschien und nur das Datum/Uhrzeit (05.05.1982/8:00 Uhr) und den Aufstellort (Pionierhaus Staßfurt, Bodestraße) enthielt.
Am besagten Tag stand ich kurz vor 8 Uhr im Pionierhaus, doch weit und breit keine Rekruten zu sehen. Eine Hausangestellte wollte mich mit den Worten. „Ihre Leidensgenossen wurden schon vor zwei Tagen eingezogen“ wegschicken. – Das kann doch nicht sein!!! Ich wollte gerade das Pionierhaus verlassen, als die Chefin des Hauses mir nachrief: „Halt, da kommen heute noch fünf Personen“. Etwas verspätet kam auch unser Begleiter vom WKK. Er verglich die Personalien und durchsuchte unsere Taschen nach Alkohol. Jetzt erfuhren wir wohin es ging. Grenztruppen in Oranienburg! Wir begaben uns auf den Weg zum gegenüberliegenden Bahnhof.
Mit zwei Stunden Bahn-Verspätung trafen wir am Magdeburger Hauptbahnhof ein. Dort wurden wir am Gleis 5 von bewaffneter Militärpolizei empfangen. Die Zugfahrt endete für einige betrunkene Rekruten schon in Potsdam. Irgendwie hatten sie es doch geschafft Alkohol in den Zug zuschmuggeln.
Unsere Fahrt endete in Oranienburg. Mit unseren schweren Reisetaschen wurden wir wie KZ-Häftlinge vom Bahnhof durch das Stadtzentrum zum Schloss getrieben. Im Objekt begann die organisatorische Aufteilung der Rekruten, BA-Ausgabe, bei Bedarf Militärschnitt der Haare etc.

Mir fielen gerade die Sprüche von O-burg in die Hände.

„Was habe ich verbrochen, was habe ich getan, das ich ausgerechnet nach O-burg kam.“

„Kennst Du die Stadt, wo die Sonne nie lacht, wo man Menschen zu Idioten macht, wo der Wind über den Explatz fegt, wo man 40 Minuten zum Bahnhof geht, wo man unter der Schutzmaske nach Atem ringt, wo man sein Essen in 5 Minuten verschlingt, wo man statt Kohle Sand verbrennt und nur zweimal im Halbjahr zum Bahnhof rennt, wo man verliert Anstand und Tugend, dass ist Schloss Schleifenstein – Grab meiner Jugend!“

Gruß VN_Rut


GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle
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#117

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.07.2011 16:53
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Mit unseren schweren Reisetaschen wurden wir wie KZ-Häftlinge vom Bahnhof durch das Stadtzentrum zum Schloss getrieben.

Wolfram der Bericht ist super, aber findest Du obigen Vergleich nicht auch etwas daneben/unpassend/misslungen?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#118

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.07.2011 17:15
von Backe | 480 Beiträge

Auch ich wurde im Herbst 1982 so in Johanngeorgenstadt empfangen, wie es Gemi beschreibt.
Der Bahnsteig war voller Stiefelhosenbekleideter Vorgesetzter. Das gebrülle ging los und Hunde waren auch noch anwesend, die natürlich lauthals bellten. Mein erster Gedanke war, wie in so einem KZ-Film,bei Ankunft der Häftlinge. Die "normalen" Soldaten mußten vom Bahnhof zum Objekt marschieren. Wir/Ich als zukünftiger MKF wurden mit dem W50 transportiert.
Ich habe Verständniss für Wolfram seinen Eindruck, weil ich es genauso gesehen/erlebt habe.
VG


"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
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#119

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.07.2011 17:36
von Pitti63 | 39 Beiträge

03.11. 82 was für ein Tag Einberufung Knollenburg Halberstadt
Gleich nach der Ankunft am Bahnhof gabs nur noch schreierei. Aber das beeidruckenste war wieviele Personen nach einer kurzen Vollbremsung auf einen W50 passen.Nach dem pasieren des KDP war man ein anderer Mensch alles nur noch im Laufschritt. Aber ich dachte nur was mich nicht umbringt macht mich nur härter. Und zum Dank durfte ich auch alle 2Jahre zur Reserve antreten.
pitti63


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#120

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 21.07.2011 19:08
von Boelleronkel (gelöscht)
avatar

Wenn man die Schilderungen so liesst,dann war es ja bei Vielen ähnlich.
Irgendwann im Laufe des Tages zu Hause angekommen winkte doch ein Familienmitglied aus dem Fenster und "krähte"Eisenach...Eisenach..Eisenach....
Stand der Dienstort nicht bei Allen schon auf dem E- Befehl?
Wie jetzt,watt denn nu...haben die uffn WKK nicht gemeint,dann können Sie warten bisse schwarz werden.
Auf demPotsdamer Bahnhof wurden viele Flaschen Alkohol vor der in U Form versammelten Mannschaft in die Gullis gegossen.
den tag wird die "Unterwelt"sicher nicht so schnell vergessen.
Dann mit dem Zug nach ESA,von dort mit LKW ins GAR und spät wars auch schon.
Irgendwer meinte noch...."So jetzt kannst dein Gehirn ausschalten,die Tür hinter uns ist zu!"
Die "Tonlage"änderte sich "und ganz wichtige Leute treten in Dein Leben.
Armee hat schon ein "dolles Eigenleben"und der Schrei"EINER VOR DIE TÜR"hatte so etwas, wie stille Post verbreiten.
Nächsten Tag gings zum Päckchgen packen(Zivilklamotten),Friseur,Foto machen,mit "feschem Haarschnitt" und sportliches Wecken war auch noch angesagt...
Dann bekommt man noch so viele Dinge,die ganz wichtig waren,passte irgendwie auch meist...und denn ging dett los,mal mehr oder weniger am Anfang.
Sodann,Gruss BO


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