#21

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 02.11.2009 23:25
von P3 | 357 Beiträge

[quote="maja64"]Ja P3 das waren schon tolle 14 Tage da oben.Und unten in Saalfeld - Aue am Berg noch dazu ein "Russe" abgehauen mit 100 Schuß Munition,und ich Wache im Komplexlager (hinten am Waldrand).Ich glaube ich muß Dir nicht erklären welcher Körperteil von mir da auf Grundeis ging.



Komplexlager, ja das kenne ich auch noch sehr gut. Alle vier Wochen mussten wir profilausgebildeten Hilfsköche in die W 50 mit den Kisten kriechen und die Komplekte wälzen. Montags war dann Komplektetag mit Atombrot und Zubehör
Übrigens, die Gebäude existieren noch, genau wie damals.

Gruß Ralf


Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


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#22

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 02.11.2009 23:43
von maja64 (gelöscht)
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Ralf, ich meinte das Komplexlager,aus dem Objekt raus,rechts an der Kaufhalle vorbei und dann hinter bis zum Waldrand.War wohl ein Lager für Muni,chem.Kampfstoffe und was weiß ich noch.Nicht das Komplektelager,ja in dem hätte ich auch mal gerne Wache gehalten.
Übrigends von Atombrot haben wir uns in den 14 Tagen da oben vorwiegend ernährt.
Mit den Gebäuden das weiß ich,war in den 90ern mal beruflich dort und habe im Kulturhaus Türen neu eingebaut.



Grüße vom Rennsteig,maja


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#23

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 12:15
von Gelöschtes Mitglied
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Meine Einberufung in die "Knollenburg" des Grenzausbildungsregimentes Halberstadt fand im Herbst 81',also vor 28 Jahren statt.(Kinder wie die Zeit vergeht)
Ich war 19 Jahre jung und sagte mir,dann hast du es bald hinter dir!
Wir mußten uns vor dem Hauptbahnhof in Magdeburg einfinden und es war eine bedrückende Atmosphäre.Das Wetter war regnerisch und trüb.Es fing an dunkel zu werden,genau so wie unsere Gemütslage.Jedenfalls wurden wir nun aufgeteilt und für mich hieß mein neues "zu Hause" für ein halbes Jahr Halberstadt.Andere wurden nach Glöwen geschickt.
Vor der Armeezeit hab ich Halberstadt immer mit dem Harz verbunden (das Tor zum Harz),oder mit dem Dom und den lecker Halberstädter Würstchen die es oft nur unter dem Ladentisch gab.Heute kommen sie leider an den Geschmack von damals nicht ran.
Doch seit meiner Armeezeit dort verbinde ich Halberstadt nur noch mit Schliff und Drill.Hab an diese Stadt keine guten Erinnerungen mehr.Dort wurden die jungen Leute wie wir es damals waren,total manipuliert oder es wurde zumindest versucht.Bei den meisten klappte die "polit.Gehirnwäsche" nicht.Aber natürlich gab es auch immer Linientreue,die geil darauf waren,an den Zaun zu kommen.
Das einzig gute an Halberstadt war das es dort keine EK's + Bewegung gab.Wir waren alles Blasen im 1.Diensthalbjahr.Ein halbes Jahr dauerte allein die Grundausbildung,solange wie beim Bund heute die ganze Armeezeit.
Nach der Ankunft in Halberstadt wurden wir wieder aufgeteilt.Ich landete in der 1.KfZ-Kompanie.Mit 12 Mann wurde dann ein Zimmer im ersten Block gegenüber der Wache u.MHO bezogen.Natürlich war vorher "Kostümball" mit den hier allen bekannten Worten "es passt"!
Nun erinnere ich mich an eine Begebenheit,die ich wohl nie vergessen werde.Unser Kompaniechef ließ uns gleich alle antreten und fragte in die Runde,wer denn etwas von Zylindern versteht.(Durch eine vorherige Warnung von altgedienten Arbeitskollegen wußte ich das man(n)sich zu nichts freiwillig melden sollte).Es gingen einige Arme hoch.Jedenfalls wurden die "Zylinderspezialisten"jetzt vom KC aufgeklärt,zu was ihre Fähigkeiten und Kenntnisse gut wären.Sie bekamen gleich die Order,sämtliche Toiletten zu säubern.Der "Alte" amüsierte sich natürlich mit dem Spieß köstlich und wir noch nicht Betroffenen mußten auch schmunzeln,was aber in dieser Einrichtung nicht oft vorkam!
Denn ab jetz nahm unser vorläufiges Leben eine jähe Wende!Es stand Drill und "Rotlicht"auf der Tagesordnung und das Tagtäglich.Die Sturmbahn war ein sehr oft "besuchter" Ort.Exerzieren bis zum Umfallen und irgendwelche "Kampflieder"dazu singen,Z.B."Grün ist meine Waffenfarbe",so sah der Tag aus.Es stand ja die Vereidigung an,hier sollte ja alles klappen.
Jetzt wieder ein Vorkommnis.Nach Stundenlangen Exerzieren/Maschieren sollten wir immer wieder singen.Wie das jetzt kam,weiß ich nicht mehr,aber der KC rief immer "Ein Lied"!Dann kam Lied.....stimmt.....an!Und wir stimmten alle gemeinsam an;"Herzen haben keine Fenster",irgend ein Schlager.Der "Alte" ist total ausgerastet und hat uns noch ne Extrastunde Exerzieren "spendiert".Und wir merkten das wir gemeinsam stark waren,wenn wir wollten.
In den nächsten Tagen ging es immer in solch Übungsgelände raus.Ich glaube das hieß in den Spiegelsbergen/Tehkelbergen oder so ähnlich.Hier waren Grenzanlagen 1:1 nachgebaut.Es war langsam Winter und die Kapo's hatten ihre Freude uns dort zu schleifen.Z.B.Löcher liegend unter dem Schutzanzg buddeln,im gefrorenen Boden.Grenzdurchbrüche wurden nachgespielt etc. Halt das volle Programm solcher perversen Spiele.Es war echt ne harte Zeit,erst recht,wenn man den Mund aufmachte.Und das war mein Fehler.Mein Revier wurde "Haus 17",so hieß das glaube ich.Es war der Schuppen mit den Essenabfällen drin!Jetzt wollte ich auch "Zylinderspezialist" sein.
Das duschen war ne Massenabfertigung in einer riesigen Mannschaftsdusche bei lauwarmen Wasser.Natürlich wurde "Wasser gespart"und oft sehr schnell der Hahn zugedreht.So stand man dann noch eingeseift da.Für mich war das immer entwürdigend,so wie eigentlich die ganze Armeezeit in der DDR.Man sollte kein Individuum sein,sondern ein perfekter Befehlsempfänger der "Arbeiterklasse".Da wird es mir heute noch schlecht.Alles private individuelle war nicht geduldet.Persönliche Freizeit gab es faktisch nicht.Vom Urlaub und Ausgang konnte man nur träumen.In Halberstadt hatte ich in einem halben Jahr 3 x "Ausgang".Der ertse war mit meiner Familie am Tag der Vereidigung.Das 2.mal ging es in's Theater Halberstadt,aber mit dem ganzen Zug.Hier setzte ich mich mit ein paar Kameraden ab und zwar ins Theaterkaffee,dort lief ein interessanteres Programm.Hier gab es lecker Kaffee,veredelt mit Cognac.
Was danach passierte,muß ich sicherlich nicht schildern.Alle "Kaffeebesucher" bekamen ne "Sonderbehandlung".
Beim 3.mal ging ich dann mit einem Kameraden in die Disco,wo uns entweder alle schief ansahen,oder erst gar nicht.Die Mädels wollten auch nicht unbedingt mit Uniformen tanzen.Denn der Ausgang fand immer in Uniform statt.Man merkte förmlich,welchen Haß die Uniformen auf sich zogen und mir war immer sehr unwohl.Ich hasste diesen Filz!Denn nicht alle Menschen die diese Uniform tragen mußten,taten das freiwillig oder liefen mit dieser Politik konform!
Ich frage mich heute noch oft,ob es jemals Verantwortliche/Offiziere von damals gibt/gab,die sich für diese unmögliche Behandlung der Soldaten schämten oder ein schlechtes Gewissen haben.Denn mit dieser unerhörten Behandlung wurden die Soldaten doch nur noch unzufriedener!Hat das nie jemand bemerkt?Ich habe immer nur über den "Klassenfeind" gestaunt,der nach Dienstende zu seiner Familie fuhr und für den am Wochenende auch Wochenende war.In der NVA bzw.bei den Grenztruppen undenkbar.Damit hat sich schon ziemlich früh für mich offenbart,welche die offensivere/aggresivere Armee ist.Der BGS und Zoll im "Westen" hatte Wochenende und wir "schützten" unsere eigenen Bürger vor dem "Antifaschistischen Schutzwahl".
Und dann war da noch das Frühjahr 82'.Ich sage nur Solidarnocz/Polenkrise.Es war so ernst,das unser Kompaniechef sagte,"Dies ist keine Übung,es geht ab nach Polen"!Der "Warschauer Pakt" unterstützt die Polnische Regierung nach dessen Bitte um Hilfe bei der Niederschlagung der Konterrevolution".Wir saßen alle schon auf den laufenden W50-Lkw's und mir wurde schlecht.Einige (mit Verlaub)Idioten,freuten sich schon in Polen Streife zu laufen.Wer in Geschichte ein bisschen aufgepasst hatte,erkannte die Brisanz!Letztendlich konnten wir nach ewigem warten wieder absitzen und die Aktion wurde -Gott sei Dank-abgeblasen.Mich würde heute noch interessieren,wie es zu all den Entscheidungen und Situationen kam.Vielleicht ließt ja hier mal ein "Insider" von damals und kann uns aufklären.Ich würde mich freuen!Habe auch nie was im TV über die Rolle der NVA während der Polenkrise gesehen.Aber es wurde Mobil gemacht!!
Zum Urlaub wäre noch zu sagen das wir/ich damit auch gerade nicht reich gesegnet waren.Ganze 2 x KU hatte ich während meiner Zeit in Halberstadt.
Damit ging es uns aber immer noch besser als den armen Russen neben uns.Die Grundwehdienstleistenden mußten ja 3 Jahre dienen.Und wer von denen in der DDR war,hatte noch "Glück".Wie immer man Glück auch definiert.Die bekamen nicht mal individ.Ausgang,höchstens mit ihren Offizieren zu irgend welchen öffentl.Veranstaltungen.Alkohol war total unerreichbar für die Jungs.Als wir die Russen mal in ihrer Kaserene besuchen mußten,habe ich bei mir gedacht,oh man hast du es gut.Vor uns lag ein riesiger Schlafsaal.Jeder hatte ein kleines Schränkchen,so groß wie ein Schuhkarton.Das Essen war echt mieß,solch Kohlsuppe mit Fettaugen drin.Und da haben die sich schon angetrengt uns was zu bieten.Und die haben wirklich nur "Ballett" bekommen.Waren echt arm dran die Jungs.
Aber jetzt schweife ich ab.Das sind alles schon wieder andere Themen.
Will ja auch keinen Roman schreiben und hier Schluß machen bzw.aufhören,bevor noch jemand einschläft.

gruß ek40


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#24

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 12:25
von glasi | 2.815 Beiträge

hallo ek 40. . wieder ein sehr guter bericht. ich traue mich garnicht zu schreiben wie es bei der bundeswehr war die ersten tage.. lg glasi



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#25

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 12:34
von SanGefr | 218 Beiträge

Hallo ek40
Echt wunderschön, Dein Bericht. Ich würde sehr gerne mehr davon erfahren. Wenn ich das so alles lese, begreife ich erst so richtig, was ich bei der Bundeswehr im 7./SanBtl. 11 und im 1./PzBtl. 334 für einen "Lenz" hatte. Ein Kamerad sagte damals zu mir: "Sein wir doch mal ehrlich, Jürgen. Für das was wir hier leisten, (Gefreiter/210,- DM) sind wir total überbezahlt."


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#26

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 12:40
von glasi | 2.815 Beiträge

du sagst es sanGefr. du sagst es.



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#27

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 12:44
von SanGefr | 218 Beiträge

Jo, glasi.
Der Kamerad hieß Michael Z. und kam aus Porta-Westfalica/Barkhausen.


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#28

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 13:52
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von SanGefr
Hallo ek40
Echt wunderschön, Dein Bericht. Ich würde sehr gerne mehr davon erfahren. Wenn ich das so alles lese, begreife ich erst so richtig, was ich bei der Bundeswehr im 7./SanBtl. 11 und im 1./PzBtl. 334 für einen "Lenz" hatte. Ein Kamerad sagte damals zu mir: "Sein wir doch mal ehrlich, Jürgen. Für das was wir hier leisten, (Gefreiter/210,- DM) sind wir total überbezahlt."



Hi @sanGefr&glasi,

man möchte ja das erlebte nur weitergeben bzw.mithelfen,einige wichtige Details hier niederzuschreiben,ehe einem das Gedächtnis eventuell seinen Dienst versagt.Z.B.weiß ich momentan nicht,wieviel Sold wir bekamen.Aber vielleicht kann ja jemand weiterhelfen?Das ihr einen "Lenz" gegenüber uns hattet,kann ich mir gut vorstellen und ich weiß das auch durch unsere Verwandschaft.Gut finde ich das es Leute wie euch gibt,die nicht gleich jeden und alles aus dem Osten verurteilen.Auch das sich hier soviele für die "Grenzgeschichte" interessieren ist Klasse.Wenn man sich Respektvoll behandelt,kann das nur gut sein und Vorurteile abbauen.Ich habe mir immer gesagt,der da drüben könnte mein Onkel oder Cousin sein.Ein sehr langes Jahr hab ich Tag für Tag am Zaun gegrübelt.
Achso,noch was,auch die Geschichten über das Extraessen an der Grenze stimmt so nicht.Ich meine in Bezug zur "Knollenburg"(wo es oft Komplektetage gab)hat sich das Essen am Zaun schon sehr verbessert.Aber die Märchen von den Südfrüchten im Überfluss sind schlicht nicht wahr!Jedenfalls in unserer Kompanie traf das nicht zu.Oder unser "Löffel" hat uns bes........
Es gab schon mal ne Apfelsine usw.Aber das hielt sich sehr in "Grenzen"
Schön das euch mein Bericht gefallen hat.So erfährt jeder über den anderen immer wieder neues.Man(n) ließt sich.
Eine Frage mal,noch.Wurdet ihr eigentlich auch so aufgehetzt wie wir es wurden?Waren wir die "Blutrünstigen Kommunisten" für euch?

Gruß ek40


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#29

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 14:14
von Luchs (gelöscht)
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Also ich muss sagen, dass sich hier einige sehr interessante Berichte befinden. Mann was hatten wir es gut bei der BW. Natürlich gab es den einen oder anderen Vorgesetzten, der doch recht schroff mit uns umging, aber alles in allem wurden wir sehr menschenwürdig behandelt.

Nun habe ich aber mal eine Frage zu der Behandlung der Soldaten der NVA und GT:

Nach der Öffnung der Grenzen, war ich sehr häufig in der Noch-DDR. Ich hörte derzeit, auch heute noch manchmal, dass die soldatische Erziehung - wie auch hier im Forum beschrieben - sehr viel strenger war, als bei der BW. Man sagte das recht stolz und fühlte sich - sinngemäß - als "der bessere Soldat".

Wir, bei der Bundeswehr waren auch keine Weicheier. Was jedoch der wichtigste Punkt war, wir hatten zu unseren Vorgesetzten, ein überwiegend gutes Verhältnis. Bei Zug- oder Kompaniefeierlichkeiten wurde gemeinsam einer über den Durst getrunken. Am Ende meiner Dienstzeit gab es in der Kompanie nur 3 Vorgesetzte (KC, Spieß, Refü), die nicht geduzt wurden.

Mal abgesehen davon, was ich von der Behandlung halte, aber wie definiert man "einen besseren Soldaten", wenn man häufig schikaniert oder angebrüllt wird oder so gut wie keinen Ausgang bekommt.
Viele Grüße
Micha


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#30

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 14:23
von Luchs (gelöscht)
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Zitat von ek40
...
Eine Frage mal,noch.Wurdet ihr eigentlich auch so aufgehetzt wie wir es wurden?Waren wir die "Blutrünstigen Kommunisten" für euch?

Gruß ek40



Aufgehetzt wurden wir in gewissem Maße auch. Zwar hatten wir offiziell kein Feinbild, aber wenn wir z. B. Panzererkennung hatten, wurden als Feindpanzer immer die, der WP-Staaten gelehrt. Auf den Schießplätzen wurde natürlich nicht auf Grenadiere geschossen, sondern auf Mot-Schützen. Was meint ihr, wieviele T-72 ich mit meiner BMK 20 mm "erlegt" habe.
Viele Grüße
Micha


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#31

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 15:28
von SanGefr | 218 Beiträge

Hallo Tobi (ek40)
Also, wenn ich mich daran zurückerinnere wurde uns im Waffen- und Gerätekunde immer eingetrichtert, dass die Bundeswehr eine Verteidigungsarmee ist. Eine Verteidigungsarmee hat kein Feindbild und es gibt demnach keinen Feind für die Bundeswehr. Wenn, dann wurde immer von einem Gegner gesprochen. Ich will aber nicht verheimlichen, dass es bei den Untergruppenführern, die z. T. auch Wehrpflichtige waren, das eine oder andere mal das Wort "Feind" ungewollt herausgerutscht ist. Wer allerdings mit "Gegner" gemeint war, lag natürlich allgemein auf der Hand. Es sind natürlich die Warschauer-Pakt-Staaten, allen voran die ruhmreiche Rote Armee, genauso wie bei Euch es die Staaten des Nordatlantik-Pakts waren. Vllt. lag es bei uns Sanis auch daran, dass wir ein reines SanBtl waren und ca. 70% der Grundi mit dem Erlernen der Ersten Hilfe zugange waren. 10% waren Schießausbildung (aber nur auf Gewehr G 3 und Pistole P 1. Schießen mit der Pistole: Wie sagte man so schön? 8 Schuß, 8 Fahrkarten und dann einfach die Pistole ins "Schwarze" werfen- Treffer) 20% soldatische Ausbildung wie robben, kriechen, "Sprung auf Marsch marsch" "Volle Deckung" usw. und Formalausbildung. Ich kann mich wirklich nicht dran erinnern, dass es dabei hauptsächlich nur um die NVA der DDR gegangen ist. Zugegeben, es gab in der Nienburger Kaserne noch Hauptfelds und Offiziere, die noch im Weltkrieg II gedient haben und die das eine oder andere mal gerne an der innderdeutschen Grenze "aufgeräumt" hätten; jedoch war das die verschwindent geringe Minderheit und diese Leute sind heute längst in den Ruhestand gegangen.


zuletzt bearbeitet 03.11.2009 15:37 | nach oben springen

#32

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 17:14
von SanGefr | 218 Beiträge

Hallo Tobi (ek40)
Ich kenne da noch ein Vorkommnis mit einem Angehörigen der Grenztruppen aus Oebisfelde, der mir heute noch in sehr angenehmer Erinnerung ist.
Es muß so im Sommer 1983, 1984 oder 1985 gewesen sein. (jedenfalls in der warmen Jahreszeit). Wir "karrten" wieder einmal einen D-Zug aus Hannover kommend durch den "großen Zaun", übergaben den Zug an die Kollegen/innen der DR und begaben uns zum Intershop. Anschließend gingen wir, mehr oder weniger die DDR-Organe grüßend, Richtung "Schleuse". Die Tür wurde mittels Türsummer geöffnet. Gleich nach dem Betreten der "Schleuse" schlossen wir die Tür wieder hinter uns. Rechts war ein Schalterfenster an dem wir unsere Personalausweise abgaben und den Schlüssel für unseren Aufenthaltsraum bekamen. Wir sagten, wie eigentlich immer, die Tageszeit an, der uns sonst immer mit einem mehr oder weniger (un)freundlichen Tagesgruß erwidert wurde. Da wir das schon wußten, nahmen wir selten Blickkontakt zu dem Uffz oder wie auch immer,auf. Diesmal war alles anders. Wir kamen rein in die Schleuse, sagten mürrisch "Guten Tag" oder auch "Tach" knallten unsere Ausweise vor das Schalterfenster und warteten auf den Schlüssel. Zu unserem Erstaunen schallte uns aus dem Schalterfenster ein freundliches und lautes "Guten Tag" heraus. Verblüfft sahen wir uns an und schauten dann durch das Schalterfenster, wer uns denn da so freundlich begrüßte. Da drin saß ein junger, strahlend lachender Grenzsoldat, gerade mal ca. 20 Jahre alt, schlank, gutaussehend, dunkelhaarig und lachte uns an (aus Freundlichkeit?) oder lachte er uns aus (weil wir so ein erstauntes Gescht machten?) vllt. sogar beides. Jedenfalls gab er uns mit einem freundlich "bitte" den Schlüssel. Wir waren echt platt. Die zweite Tür wurde von ihm per Türsummer freigegeben und wir gingen freundlich "tschüß" sagend Richtung Aufenthaltsraum. Kurz vor Einfahrt unseres Rück-Zuges mußten wir wieder durch diese Schleuse um den Schlüssel abzugeben und unsere Personalausweise zu empfangen. Ein Kollege sagte. "Den Jungen teste ich mal." Wir also rein in die Schleuse, Schlüssel hingelegt, Personalausweis in Empfang genommen. Der Kollege steckt sich eine Zigarette in den Mund und beugt sich nach vorn zur Öffnung des Schalterfensters und fragt: "Hast Du mal Feuer?" Der junge Soldat mußte wieder herzhaft lachen, griff aber zum Feuerzeug, welches links neben ihn auf dem Tisch lag und gab meinem Kollegen Feuer. Wir verabschiedenten uns freundlich und gingen durch die zweite Tür auf den Bahnsteig 1 West. Das war mal eine wunderschöne Erinnerung an einen Grenzsoldaten.
Ich gehe mal davon aus, daß dieser nette junge Mann ein Wehrpflichtiger war, dessen Heimgang schon fast unmittelbar bevorstand; denn nach dieser Begegnung haben ich ihn nicht mehr wiedergesehen. Sollte derjenige hier mit im Forum sein und sich evtl. wiedererkennen: Vielen Dank! Ein äußerst angenehme Begegnung auf einen sonst eher trüben, unfreundlichen Grenzbahnhof.


zuletzt bearbeitet 03.11.2009 17:15 | nach oben springen

#33

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 17:23
von Luchs (gelöscht)
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Zitat von SanGefr
...Anschließend gingen wir, mehr oder weniger die DDR-Organe grüßend, Richtung "Schleuse". Die Tür wurde mittels Türsummer geöffnet. Gleich nach dem Betreten der "Schleuse" schlossen wir die Tür wieder hinter uns. Rechts war ein Schalterfenster an dem wir unsere Personalausweise abgaben und den Schlüssel für unseren Aufenthaltsraum bekamen. ...


Musstet ihr immer diesen Aufenthaltsraum oder andere Möglichkeiten nutzen, oder konntet ihr auch mal "in die Stadt" gehen?
Viele Grüße
Micha


zuletzt bearbeitet 03.11.2009 17:24 | nach oben springen

#34

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 17:39
von SanGefr | 218 Beiträge

Hallo Micha!
Nein, in die Stadt konnten und durften wir nicht. Es war verboten. Außerdem konnten wir das Bahnhofsgebäude nicht verlassen, da am Ausgang ein Posten der Trapo saß, der uns nicht durchgelassen hätte. Wir haben es auch gar nicht erst versucht. Wir durften aber zum Essen in der Mitropa-Gaststätte uns unter die Reisenden und ganz selten auch unter Bahnhofsmitarbeitern mischen. Wurde nicht gerne von den Organen gesehen, aber wenn kein anderer Platz mehr frei war.....? Nette Bedienung, die uns auch ab und zu mal ein Bier oder ein Doppelkorn brachten, welches wir sofort mit einem zug austrinken mußten, da es ja für uns eigentlich verboten war. Mehr zum Thema Mitropa vllt. mal an anderer Stelle.


zuletzt bearbeitet 03.11.2009 17:40 | nach oben springen

#35

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 17:57
von Luchs (gelöscht)
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Hallo Jürgen,

bei uns auf dem Bf Helmstedt konnten die Lokführer der DR immer in die Stadt gehen und haben es auch zuhauf genutzt. Einige haben sogar ab und zu was eingekauft. Allerdings war es beinahe unmöglich, mal mit ihnen zu sprechen. Selbst bei dienstlichen Gesprächen hatten sie sich sehr zurückgehalten.
Viele Grüße
Micha


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#36

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 18:08
von SanGefr | 218 Beiträge

Hallo Micha
Stimmt. Wir haben auch Züge nach Helmstedt gekarrt und dort an die DR übergeben. Oft bin ich mit "Tute" Hergesell gefahren. Mit den DR-Zugbegleitern hatten wir außer Übergabe/Übernahme auch keinen Kontakt. Wir gingen noch nicht mal in deren Aufenthaltsraum, der unserem ja gleich 2 m gegenüber lag. Die kamen, gingen in ihren Raum, Tür hinter sich zugemacht - Ende und Aus! Keinerlei privaten Kontakt. Es sollen doch Reichsbahner mit Wohnsitz in Berlin (West) gewesen sein, die die Züge von Berlin nach Helmstedt begleiteten.


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#37

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 18:26
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Luchs
Also ich muss sagen, dass sich hier einige sehr interessante Berichte befinden. Mann was hatten wir es gut bei der BW. Natürlich gab es den einen oder anderen Vorgesetzten, der doch recht schroff mit uns umging, aber alles in allem wurden wir sehr menschenwürdig behandelt.

Nun habe ich aber mal eine Frage zu der Behandlung der Soldaten der NVA und GT:

Nach der Öffnung der Grenzen, war ich sehr häufig in der Noch-DDR. Ich hörte derzeit, auch heute noch manchmal, dass die soldatische Erziehung - wie auch hier im Forum beschrieben - sehr viel strenger war, als bei der BW. Man sagte das recht stolz und fühlte sich - sinngemäß - als "der bessere Soldat".

Wir, bei der Bundeswehr waren auch keine Weicheier. Was jedoch der wichtigste Punkt war, wir hatten zu unseren Vorgesetzten, ein überwiegend gutes Verhältnis. Bei Zug- oder Kompaniefeierlichkeiten wurde gemeinsam einer über den Durst getrunken. Am Ende meiner Dienstzeit gab es in der Kompanie nur 3 Vorgesetzte (KC, Spieß, Refü), die nicht geduzt wurden.

Mal abgesehen davon, was ich von der Behandlung halte, aber wie definiert man "einen besseren Soldaten", wenn man häufig schikaniert oder angebrüllt wird oder so gut wie keinen Ausgang bekommt.
Viele Grüße
Micha



Hallo Luchs,

wer behauptet das er der "bessere Soldat" war,hat dann wahrscheinlich den Sinn des Soldatseins bis heute nicht verstanden. Es gab einige die meinten das sie die "Härteren sind,bzw.wir eine "Härtere Armee" hätten.Zumindest zwischen NVA und Bundeswehr sahen das viele so.Und laut Ausbildung war das sicher auch nicht so abwegig,deswegen waren sie aber keinesfalls "bessere Soldaten".Es wird halt über die härtere Ausbildung geprahlt und darüber definiert sich bei einigen dann der "bessere Soldat".Unser KC sagte immer,"Wenn wir am Wochenende losmaschieren,liegt der "Klassenfeind" noch im Bett und wenn die wach werden und aufstehen,stehen wir am Rhein"!Das sagt so alles.Und auch bei uns wurde meistens vom "Gegner" gesprochen,wenn ein Feindbild aufgebaut wurde.Aber wer der Gegner sein sollte,wurde uns immer unmißverständlich klar gemacht.Und das stieß vielen Soldaten immer mächtig auf,kannste glauben.
Zum Thema Bier.Ging mit den Sackis gar nicht!Das waren alles Genossen und schon bei diesem Wort bekomme ich heute noch Ausschlag.Denn wir wurden ja von denen mit Genosse Soldat/Gefreiter angesprochen.Aber die meisten waren keine Genossen und nicht in der Partei!Ich habe meinen Polit (Leutnant) öfters in den Wahnsinn getrieben,weil ich ihn immer mit "Herr und dann seinen Namen angesprochen habe.Das hat den so geärgert das er mir immer Extra A-Gruppen besorgte.Er wollte eben immer mit Genosse Leutnant angesprochen werden.Es gab ein paar Uffze am Zaun mit denen man Quatsch machen konnte.Auch ein Unterleutnant war ok.Der diente 3 Jahre damit er studieren durfte.Mit dem habe ich mich dann ungeplant einmal "berollt".Eigentlich waren wir für diesen Tag die Militärstreife für den Ausgang im Dorf.
Wir gaben die Knarren dem Kneiper und tranken selber mit.Das werd ich auch nie vergessen.Es kam nie raus.
Wenn ich wieder etwas Zeit habe,werde ich noch einige Erlebnisse zum besten geben.2 x versuchter Grenzdurchbruch (Gnujagd genannt)und die Ankunft als Knollen am Zaun.Das scharfe schießen in der Kompanie wird auch nicht fehlen.

ek40


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#38

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 18:40
von Chris 65 (gelöscht)
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Hallo Leute
Ich habe da eine Frage an ex GT/NVA/BW Soldaten.
Was ist mit euren Zivilzeug passiert nachdem ihr eure Uniformen gehabt hat?

Chris65


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#39

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 18:45
von mannomann14 | 625 Beiträge

ab, ins Paket und nach Hause geschickt
mannomann


Etwas über mich zu schreiben, um sich dann daraus ein Bild von mir machen zu können , wäre ungefähr so, wie der Versuch Architektur zu tanzen...
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#40

RE: Einberufung zu den GT - wie habt ihr es erlebt

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.11.2009 18:46
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Chris 65
Hallo Leute
Ich habe da eine Frage an ex GT/NVA/BW Soldaten.
Was ist mit euren Zivilzeug passiert nachdem ihr eure Uniformen gehabt hat?

Chris65



.............wurde nach Hause geschickt. Zumindest bei NVA/GT.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
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