#1

Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 08:47
von Tine (gelöscht)
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Hallo und Guten Morgen!

Den Gedanken von EK 40 aus einem andern Thread möchte ich gern aufgreifen.

Zitat: EK40 :Ich bin ja immer noch der Meinung das,wer"abhauen"wollte,dies tun konnte,ohne seinen Kameraden zu töten.Aber dazu an anderer Stelle mal mehr.
Gruß ek40
Zitatende

Hat man überlegt ob man es macht und wenn man weiter grübelte, wie?

Mit Grüßen
Tine


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#2

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 09:09
von a1 otti | 188 Beiträge

Hmm Fluchtgedanken...

Naja, so wirkliche Fluchtgedanken gab es bei mir nicht. Aber ich muss zugeben, dass ich zumindest über die Möglichkeit nachgedacht habe, als ich an der GÜSt Marienborn/Helmstedt bei der Winterdienstabsicherung an der (unter dem Schnee nicht sichtbaren) weißen Linie auf der Autobahn stand. Ein Schritt, und ich wäre "drüben" gewesen... Hindern hätte einen daran niemand können.

Aber, und ich denke so war die Einstellung der überwiegenden Mehrheit der Grenzer (und im übrigen mit Sicherheit auch der Mehrheit derer, die die DDR auf "ungesetzlicher" Weise verlassen wollten bzw. haben), die Gesundheit oder gar den Tod eines Grenzers in Kauf zu nehmen oder gar einzuplanen, das ging gar nicht!!!
Auch wenn jetzt gleich wieder Argumente kommen sollten, dass ja der Tod des "Grenzverletzers" in Kauf genommen worden wäre: Ich bin froh, nie in die Verlegenheit gekommen zu sein, die Anwendung von Waffengewalt abwägen zu müssen. Man hat insgeheim immer gehofft, dass einem so was nicht passiert. Ich weiß auch nicht (auch wenn ich damals in gewisser weise "Systemtreu" war, weil so aufgewachsen und erzogen), wie ich in einer solchen Situation gehandelt hätte.

Selbst in meiner heutigen Tätigkeit als Pol.Beamter tue ich mich mit dem Gedanken schwer, was wohl wäre, wenn ich gezwungen sein sollte, die Schusswaffe anzuwenden, auch wenn die Grundlagen hierfür andere als damals wären.



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#3

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 10:19
von Patriot (gelöscht)
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Wer bei den GT gedient hat, war zumindestens im Grenzdienst oft mit dem Durchspielen eines Grenzdurchbruchs beschäftigt. Gründe waren zunächst der reine Selbstschutz, um auf deutsch den eigenen Arsch zu retten und erst dann kamen - wenn überhaupt - höhere politische oder gesellschaftliche Ziele wie Unverletzlichkeit der Staatsgrenze bla bla bla. Wer aber Tag für Tag auf die Anlagen sah, hat auch Gedankenspiele betrieben, wie er selbst türmen könnte.
Wenn allerdings wie bei mir im Harz oft geschehen die komplette Kompanie als Alarmeinheit das halbe Eckertal eine Nacht lang abriegelte und nur aller 150m ein Postenpaar gelegen hat, war es überhaupt kein Problem ("ich geh denn mal kurz Pin..") über die 5m entfernte Ecker zu springen und zu wissen, daß ein Hinterherschiessen auf seinerzeit ausländisches Territorium nicht möglich gewesen ist.
Anders sah es auf den Postenpunkten aus, wo eine Sicherungsanlage überwunden werden mußte. Aber da mindestens 2-3mal ein Toilettengang bei jedem pro achtstündiger Schicht anstand auch kein Problem. Die Grenzer sahen es nach meinem Eindruck in der Mehrzahl als übertragende Verantwortung an, selbst frei zu entscheiden, ob sie flüchten wollten oder nicht. Das wurde faktsich natürlich kaum so ausgesprochen. Und die Zahl derjenigen, dies gemacht haben, war ja bekanntermaßen verschwindend gering. Vergleichbare Erfahrungen haben unter anderem auch Seeleute von Handelfloote und Fiko oder Fernfahrer und viele im Ausland tätige Künstler aber auch Wissenschaftler gemacht. Die jedoch individuell nicht vorhandene freie Entscheidungsmöglichkeit hat bei vielen jungen Menschen in der DDR zunehmend zu nachvollziehbaren Aversionen gegen den Staat geführt.
Das die Masse der Grenzer nicht gestifet ist, war unter anderem ein Hauptgrund, warum sie neben den Angehörigen des MfS bis heute im medialen und juristischen Trommelfeuer liegen.
Wer an der Trennlinie gedient hat, war bis auf die eingezogenen Mannschaftsdienstgrade freiwillig dort und selbst ein zu 18 Monaten Grundwehrdienst eingezogener Soldat, konnte noch auf dem Wehrkreiskommando erklären, daß er sich der Wehrdienstverpflichtung stellt, aber nicht bereit ist bei den GT zu dienen, weil er es einfach mit seinem Gewissen nicht vereinbaren könnte in Extremsituationen auf Menschen schießen zu müssen. Folge: Dienst in anderen Einheiten der NVA und tausendfach so geschehen. Selbst jene, die während oder nach der Ausbildung in den Grenzausbildungsregimentern erst die mögliche Gefährdung erkannten, wurden praktisch dann meist in Grenzeinheiten der entfernt liegenden Stäbe oder maximal in der Küche einer Grenzkompanie eingesetzt. Im Suental hatten wir einen, der sich auch als bekennender Christ zeigte und vorzüglich kochen konnte. An der Offiziershochschule in Plauen habe ich ungezwungen Gespräche mit mehreren Bausoldaten führen können, die als Waffendienstverweigerer anerkannt waren und einen kleinen goldenen Spaten weithin sichtbar auf dem Schulterstück trugen.
Vieles war eben möglich, wobei es im heutigen System der BRD nicht als schick gilt bei den GT gewesen zu sein. Und so werden verständlicherweise dann auch die Denksteine für ermordete Grenzsoldaten, hier in Berlin gegenüber dem Springerhochhaus für Reinhold Huhn und Egon Schulz einfach nur geschändet.

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zuletzt bearbeitet 30.10.2009 10:43 | nach oben springen
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#4

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 14:39
von grenzsoldat (gelöscht)
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Den Fischen hinterher !?

Wenn ich zu Hause im Urlaub war und bin am letzten Urlaubstag zum Bahnhof gelaufen, dann habe ich mich noch einmal umgesehen und gedacht, "Mein Zuhause sehe ich nie wieder, ich haue ab!" Nur, das System der Grenzsicherung war damals im Innenstadtbereich fast perfekt, das man sehr selten Gelegenheiten fand, ungesehen und ungefährdet zu verduften. Damals, 1966/67 wurden die alten Grenzanlagen in Berlin Mitte abgebaut und durch eine größere Mauer ersetzt und im Hinterland ging es auch fast täglich rund mit neuen technischen Anlagen. Aber ein paar Ecken gab es noch, wo man verschwinden konnte. So Mitte Sommer 1967 stand ich mit einem Kameraden am Lohmühlenplatz, der auch weg wollte. Um uns rum war die Grenzanlage vergammelt. Es gab Lücken im Drahtverhau, von anderen Postenbereichen konnte diese Lücke nicht eingesehen werden, nur wir beiden "Helden" verquatschten die ganze Schicht und hatten in letzter Konsequenz doch Schiß. Eine weitere Möglichkeit an dieser "tollen Ecke" zusammen zu stehen, gab es dann nicht mehr. Der Kamerad hatte wenige Tage später einen Grenzdurchbruch Ost-West, direkt neben dem Postenturm. Eine Kradstreife hatte das Hinterlandszauntor offen gelassen, was man von einer Kneipe aus sehen konnte. Da lief dann einer der Gäste, der wohl ein paar Bier zu viel getruken hatte zum Postenturm, zog sich in aller Ruhe eine Jacke aus und begann die alte Hohlblocksteinmauer hoch zu klettern. Mein Kamerad hatte die Stiefel ausgezogen, lag auf der Bank im Postenturm und las Zeitung. Sein Postenführer machte ein Nickerchen im Sitzen. Da begann der nächste Postenturm zu schießen. Nur die schossen unten in den Fuß der Mauer, nicht auf den Flüchtenden. Als der Kamerad vom Krach der Schüsse aufmerksam wurde, hockte sein Postenführer neben ihn. Er ging in Deckung, weil er dachte man schießt auf sie, weil die Splitter der Einschüsse auf die Mauer an die Glasscheibe flogen. Dann sahen sie noch den Flüchtling, wie der den Stacheldraht überwand. Als er hinter der Mauer verschwunden war, ballerten dan beide ein Magazin leer in Westrichtung und schossen in die Balkons eines Hochhauses. Von dort kamen dann Blumentöpfe geflogen, als er sich seine Stiefel wieder angezogen hatte. 1. Ergebnis er kam vor den Militärstaatsanwalt. 2. Ergebnis nur eine Strafversetzung auf den Schießplatz Streganz (Sein Papa war ein hohes Tier beim Außenhandel mit Fischverarbeitungsmaschinen). Ich war mit Frank bis voriges Jahr eng befreundet. Uns verband nicht nur die verückte Zeit an der Beliner Mauer. Wir haben zusammen studiert und später auch zusammen gearbeitet. Voriges Jahr ist Frank an einem Gehirnschlag gestorben.

Ich hatte noch einen Kameraden, der wollte auch weg. Nur so genau, wie bei Frank wusste ich es damals nicht. Der moserte nur immer rum, das er das, was er studieren wollte nicht in der DDR studieren konnte, und meckerte so wie ich auch und viele Kameraden herum. Im Oktober, 1967 lief ich Streife mit meinem Zugführer und komme so Nachts um Drei zum Postenpunkt Dresdner Straße. Da saß dann ein Kamerad da und weinte. Kamerad Kurt war weg, hatte die Kalaschnikow fein säuberlich mit Koppel und Teil 1 an den letzten Draht zu Westberlin aufgehangen. Also Fahnenflucht ohne Waffe.
Für mich wurde es langsam brenzlig, weil ja dann bei solchen Sachen die ganze Kompanie verhört wird. Das passierte nur oberflächlich, oder mich hat niemand verpfiffen. Ich war ja leichtsinnig genug das mehreren zu erzählen und habe bei manchen Postenstellen, wo es möglich wär gefragt "Los, wir hauen ab, kommst Du mit Bratfisch essen?" Die waren aber alle gebunden. Hatten Frau oder feste Freundin und wohl auch keinen Apettit auf Fisch.

Im letzten Urlaub hatte ich mich nicht mehr umgedreht und gedacht, ich haue ab. Ich dachte das Gegenteil. Hoffentlich bald bin ich wieder zu Hause! Ich hatte mich im Urlaub unsterblich verliebt und dachte nicht mal mehr im Traum daran zu desertieren. Ein halbes Jahr später hab ich geheiratet. Es war eine tolle Ehe in der DDR mit meiner Frau. 26 jahre waren wir zusammen glücklich und haben zwei Kinder. Sie ist 1994 an einem Hautkrebs gestorben. Sie lag zu viel in der Sonne.

Nur, Mitte 1989 hatten wir beide auch die Schnauze voll und dachten als Familie aus der DDR zu verschwinden. Viele Freunde und Bekannte, waren diesen Weg inzwischen legal und illegal gegangen. Beim MFS war ich inwischen ein "OV" geworden, ein operativer Vorgang, weil ich die Leistungsfähigkeit der DDR Versorgungswirtschaft verhöhnte. Im "Freien Wort", dem Suhler Zentralorgan der SED standen damals Artikel von der Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung z.B. mit "Frischem Fisch". Doch in der Kreisstadt Bad Salzungen gab es kein Fischgeschäft mehr, weil der Fisch total alle war. Den Artikel habe ich damals ans Fischgeschäft an die Scheibe geklebt. Dann bin ich nach Hause gegangen und habe darüber und über anderen Blösinn der Versorgungsorganisation und der gesellschaftlichen Realitäten Freunden in Westdeutschland geschrieben. Ich habe kolportiert, das ich den Fischen hinterher muß, denn die wurden aus Sassnitz nicht mehr nach Thüringen geliefert, sondern in den Westen, weil die DDR dringend Devisen benötigt. (Kann man bei Fänger und Gefangene von Landolf Scherzer nachlesen)
So August/September wurde dann entschieden, "Wir bleiben da!". Es wäre für uns eigentlich leicht gewesen, weil ich einige Verwandte in Ungarn hatte.

Ich merkte ja aber viele auch, die DDR wird weich mit der Abschottung. Ich bekam Einladungen aus Italien, Bundesrepublik und Frankreichund und dachte irgendwann lassen die Genossen mich legal hin, weil ich mit meiner Arbeit Devisen reinholen konnte. Ab den 9. November brauchte ich keine Genehmigung mehr, um die ich fast zwei Jahre gebettelt hatte. Ich habe mich am 10. November vormittag in den ollen Trabbi gesetzt und bin mit meiner Familie Richtung Oberfranken gefahren. Im Radio kam, das von der GüSt in der Nähe von Meiningen Meiningen bis Suhl die Straßen schon verstopft sind.Also bin ich in der Rhön gemütlich durchs Sperrgebiet gefahren, weil da auch schon Straßen nicht mehr abgesperrt waren. So gegen 14.00 Uhr waren wir in Neustadt. In der Fußgängerzone neben einem Fischgeschäft saß ein Bettler mit einer Flasche Schnaps. "Papa, was macht der Mann denn da?" fragte meine Tochter. Was ich geantwortet habe, weis ich nicht mehr. Ich bin da rein Fisch essen. "Frisch Gebacken panniert....in ener watteartigen Semmel!" (Heute kann ich die Dinger nicht mehr leiden und bin auf Körnerbrötchen umgestiegen und DDR Semmeln/Schrippen, die es hier in Berlin manchmal noch gibt

Ich futterte selbstgebruzzelten Fisch in Afrika am Atlantik, an der Adria die Kroatische Küste rauf und runter, saß in San Franzisco am Dock mit fetten Lobsterfleisch im Mund, maufelte in England Fish and Chips, in Frankreich futterte ich Fisch mit feinen Soßen und hab ich Italien sicher auch manchem Fischer einen kleinen Teil seines Einkommens kurzzeitig ermöglicht. In Istanbul war mancher Straßenfischkoch vor mir nicht sicher.

Trotzdem,
so ein dicker fetter Karpfen aus dem Salzunger Burgsee mit Merettich, Kartoffen und Butter ist für mich immer noch das Feinste!





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#5

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 15:02
von dein1945 (gelöscht)
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Zitat von Patriot
Wer bei den GT gedient hat, war zumindestens im Grenzdienst oft mit dem Durchspielen eines Grenzdurchbruchs beschäftigt. Gründe waren zunächst der reine Selbstschutz, um auf deutsch den eigenen Arsch zu retten und erst dann kamen - wenn überhaupt - höhere politische oder gesellschaftliche Ziele wie Unverletzlichkeit der Staatsgrenze bla bla bla. Wer aber Tag für Tag auf die Anlagen sah, hat auch Gedankenspiele betrieben, wie er selbst türmen könnte.
Wenn allerdings wie bei mir im Harz oft geschehen die komplette Kompanie als Alarmeinheit das halbe Eckertal eine Nacht lang abriegelte und nur aller 150m ein Postenpaar gelegen hat, war es überhaupt kein Problem ("ich geh denn mal kurz Pin..") über die 5m entfernte Ecker zu springen und zu wissen, daß ein Hinterherschiessen auf seinerzeit ausländisches Territorium nicht möglich gewesen ist.
Anders sah es auf den Postenpunkten aus, wo eine Sicherungsanlage überwunden werden mußte. Aber da mindestens 2-3mal ein Toilettengang bei jedem pro achtstündiger Schicht anstand auch kein Problem. Die Grenzer sahen es nach meinem Eindruck in der Mehrzahl als übertragende Verantwortung an, selbst frei zu entscheiden, ob sie flüchten wollten oder nicht. Das wurde faktsich natürlich kaum so ausgesprochen. Und die Zahl derjenigen, dies gemacht haben, war ja bekanntermaßen verschwindend gering. Vergleichbare Erfahrungen haben unter anderem auch Seeleute von Handelfloote und Fiko oder Fernfahrer und viele im Ausland tätige Künstler aber auch Wissenschaftler gemacht. Die jedoch individuell nicht vorhandene freie Entscheidungsmöglichkeit hat bei vielen jungen Menschen in der DDR zunehmend zu nachvollziehbaren Aversionen gegen den Staat geführt.
Das die Masse der Grenzer nicht gestifet ist, war unter anderem ein Hauptgrund, warum sie neben den Angehörigen des MfS bis heute im medialen und juristischen Trommelfeuer liegen.
Wer an der Trennlinie gedient hat, war bis auf die eingezogenen Mannschaftsdienstgrade freiwillig dort und selbst ein zu 18 Monaten Grundwehrdienst eingezogener Soldat, konnte noch auf dem Wehrkreiskommando erklären, daß er sich der Wehrdienstverpflichtung stellt, aber nicht bereit ist bei den GT zu dienen, weil er es einfach mit seinem Gewissen nicht vereinbaren könnte in Extremsituationen auf Menschen schießen zu müssen. Folge: Dienst in anderen Einheiten der NVA und tausendfach so geschehen. Selbst jene, die während oder nach der Ausbildung in den Grenzausbildungsregimentern erst die mögliche Gefährdung erkannten, wurden praktisch dann meist in Grenzeinheiten der entfernt liegenden Stäbe oder maximal in der Küche einer Grenzkompanie eingesetzt. Im Suental hatten wir einen, der sich auch als bekennender Christ zeigte und vorzüglich kochen konnte. An der Offiziershochschule in Plauen habe ich ungezwungen Gespräche mit mehreren Bausoldaten führen können, die als Waffendienstverweigerer anerkannt waren und einen kleinen goldenen Spaten weithin sichtbar auf dem Schulterstück trugen.
Vieles war eben möglich, wobei es im heutigen System der BRD nicht als schick gilt bei den GT gewesen zu sein. Und so werden verständlicherweise dann auch die Denksteine für ermordete Grenzsoldaten, hier in Berlin gegenüber dem Springerhochhaus für Reinhold Huhn und Egon Schulz einfach nur geschändet.



Nur mal einige Zahlen vom 13.08.1961 bis 31.12.1961

NVA 16

Grenzpolizei/Grenztruppen 158

Wachregiment des MfS 1

Bereitschaftspolizei 165
( davon 1. und 2.Grenzbrigade Berlin ) (152)

Volkspolizei 7

Transportpolizei 10

Amt für Zoll 4

Insgesamt 361

Quelle: BStU, ZA, ZAIG 545, Bl.9 und 16

Bis zum Ende der DDR waren es weit über Tausend angefangen vom wehrpflichtigen Soldaten bis zum Regimentskommandeur, nur soviel zu gering.
Als Anmerkung noch zu Egon Schulz, er wurde von eigenen Leuten getötet, auch einer zuviel, wenn auch dieser Fall in der DDR anders dargestellt wurde, aber dies wurde ja hier schon besprochen,
Gruß aus Berlin


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#6

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 15:29
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Schauen auf den ersten Blick nach viel aus deine Zahlen.

Aber nur auf den ersten Blick! Welcher Zeitraum??? Ach kurz nach dem Mauerbau, na klar, da sind noch viele weg. Wieviel waren es in den Jahren danach, wieviel insgesamt und wieviel % macht das dann von allen aus?

Wie viele Soldaten begehen denn bei der Bundeswehr jedes Jahr Fahnenflucht?

Nicht jede Fahnenflucht sollte auch gleich eine Republikflucht werden, oft sollte es bloß erstmal raus aus der Armee gehen. Aber wenn da ein Land ist, wo auch deutsch gesprochen wird, wo vom Hörensagen Milch und Honig fließt und ich dort nicht für meine Fahnenflucht gerade stehen muss... ja dann bietet sich das doch geradezu an.

Also nicht sehr aussagekräftig die Zahlen, besonders in Bezug auf andere Angehörige der bewaffneten Organe der DDR.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 30.10.2009 15:32 | nach oben springen
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#7

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 15:36
von tiroler (gelöscht)
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@ patriot,
da hast du einen guten und auch ehrlichen beitrag geschrieben.
das gleiche will ich auch dem grenzsoldat mit seinem
beitrag "den fischen hinterher" sagen.klasse! weiter so!

tiroler


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#8

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 16:20
von Patriot (gelöscht)
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@tiroler, Pst!!!!! Bitte keine offenen Bekundungen!


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#9

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 18:34
von westsachse | 464 Beiträge

1984 neu an der Grenze und als Kradfahrer mit einem Uffz. als Postenführer zum "absichern" von Arbeiten im Gerstunger Forst ( Waldarbeiter 6-8Mann zum Teil auch zwei Frauen). Wie das auf Arbeit nun mal so ist wollte oder musste einer der Forstarbeiter ein oder zwei Stunden eher nach hause und hat uns gefragt, ob das möglich wäre. Mein PF - der Uffz. - sagte nehm ihn auf den Rücksitz und fahr ihn vor. Ich warte hier. Ich habe den Forstarbeiter bis 500m vor die FÜST gefahren, dass es keiner mitbekommt und ihn den Rest laufen lassen. Fahrstrecke ca. 2km. In der Zwischenzeit hätte der Uffz. stiften gehen können und ich hätte auch einen anderen Weg zurück nehmen können und mir die beste Stelle am Zaun aussuchen können (die Geländekenntnis hatte ich). Die Postentrennung alleine war schon strafbar. Wir waren sicher beide froh als wir uns an verabredeter Stelle wieder getroffen haben. Es währe mir auch nicht eingefallen, auf Kosten anderer abzuhauen. Hätte ich meinen PF nicht wieder angetroffen währe mir nichts anderes übrig geblieben als selber diesen Weg zu nehmen oder hohe Strafen in Kauf zu nehmen. Mit dem Gedanken ging man aber aus den unterschiedlichsten Situationen immer schwanger.

Gruß

westsachse


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#10

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 18:54
von S51 | 3.733 Beiträge

Natürlich wäre es seinerzeit möglich gewesen. Natürlich hat man diese Möglichkeit bedacht. Aber nicht alles, was ich tun kann, mache ich auch.
Da gab es einen Eid, den ich geschworen hatte. Mancher mag lachen jedoch ich komme aus einer Familie, wo man selten schwört und diesen Eid dann hält um fast jeden Preis.
Da gab es eine Familie und so weltfremd war man nicht, um nicht zu ahnen, dass diese den Preis würde zahlen müssen.
Da gab es das Wörtchen "Verrat" und so einer zu werden, das war es nicht wert.
Da gab es, anders als bei vielen DDR-Bürgern, die doch sehr freie Möglichkeit, sich selbst zu entscheiden.
Und nicht zuletzt hätte es sein können, dass der dumme Zufall es will, das nur der Weg am Leben eines anderen vorbei den Weg frei gemacht hätte. Das durfte nicht sein, nicht um einer Laune willen.
Es hat sicherlich viele Grenzer gegeben, die dies anders sahen. Doch bei der Gesamtzahl von Leuten und Jahren war es nur ein Promillewert, die einen Fluchtgedanken zur Wirklichkeit gemacht haben.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#11

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 19:01
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Mit dem Thema Flucht hat sich bestimmt jeder Grenzer beschäftigt,der eine mehr,der andere weniger,na ja
liegt ja auch auf der Hand wenn man in der vordersten Linie steht.



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#12

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 20:10
von TOMMI | 1.987 Beiträge

Naja, so Phantasien hat wohl jeder gehabt, seien wir mal ehrlich. Für unsereins wäre
es absolut einfach gewesen. Einzig nötiges Werkzeug: 17er Schlüssel zum Abmontieren
der Streckmetallplatten.
In trauter Runde flachsten wir mal herum, in etwa wie folgt:

"Man müsste mal 'feindwärts' gehen mit einer kleinen
Schaufel und einem Glas. Dann könnte man Original
West-Erde holen."
"Ganz genau. Und wenn Dir jemand hier ans Leder will, brauchst
Du das Glas nur auszuschütten, Dich auf diese ausgeschüttete Erde
zu stellen und zu sagen: 'Ich stehe auf dem Boden der Bundesrepublik
Deutschland. Rühren Sie mich nicht an!'"


Es gab da nie ein Echo. Wohl ein Beweis dafür, dass bei diesem Gespräch
kein IM zugegen war. Denn ganz ungefährlich waren solche Sprüche nicht.
Im Februar 1988 war ein junger Fähnrich mit einem ebenso jungen Soldaten
im Abschnitt. Aus Jux sagte der Fähnrich: "Komm, wir gehen mal über den 6er
bis zum Zaun!"
Arglos berichtete der Soldat dann später in der Kompanie seinen Kameraden
davon. Und in dieser Runde muss offenbar ein solcher IM dabei gewesen sein.
Denn der Fähnrich wurde in den Regimentsarrest gesteckt. Aber damit noch nicht
genug. Offenbar rekonstruierte da jemand eine versuchte Fahnenflucht und erließ
Haftbefehl. Ich war Zeuge, als dieses arme Schwein in einer gewissen
Einrichtung am Erfurter Domplatz abgeliefert wurde.
Was aus ihm wurde, ist mir nicht bekannt geworden.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#13

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 21:42
von Mike59 | 7.969 Beiträge

[ was man von einer Kneipe aus sehen konnte. Da lief dann einer der Gäste, der wohl ein paar Bier zu viel getruken hatte zum Postenturm, zog sich in aller Ruhe eine Jacke aus und begann die alte Hohlblocksteinmauer hoch zu klettern. Mein Kamerad hatte die Stiefel ausgezogen, lag auf der Bank im Postenturm und las Zeitung. Sein Postenführer machte ein Nickerchen im Sitzen. Da begann der nächste Postenturm zu schießen. Nur die schossen unten in den Fuß der Mauer, nicht auf den Flüchtenden. Als der Kamerad vom Krach der Schüsse aufmerksam wurde, hockte sein Postenführer neben ihn. Er ging in Deckung, weil er dachte man schießt auf sie, weil die Splitter der Einschüsse auf die Mauer an die Glasscheibe flogen. Dann sahen sie noch den Flüchtling, wie der den Stacheldraht überwand. Als er hinter der Mauer verschwunden war, ballerten dan beide ein Magazin leer in Westrichtung und schossen in die Balkons eines Hochhauses. Von dort kamen dann Blumentöpfe geflogen, als er sich seine Stiefel wieder angezogen hatte. 1. Ergebnis er kam vor den Militärstaatsanwalt. 2. Ergebnis nur eine Strafversetzung auf den Schießplatz Streganz (Sein Papa war ein hohes Tier beim Außenhandel mit Fischverarbeitungsmaschinen). Ich war mit Frank bis voriges Jahr eng befreundet. Uns verband nicht nur die verückte Zeit

Hallo alter Grenzer,

die Geschichten die du mir zum Lesen gibst - sind lesenswert - keine Frage.

Die Häufigkeit der Ereignisse setzt mich in echtes Erstauen. Das habe ich in 10 Dienstjahren Grenze West nicht annähernd erlebt und ich habe etliches erlebt. Und ich war nach Aussage meiner Frau viel zu oft im Dienst.

Aber was mich etwas verwirrt ist die Aussage das am Draht irgendwo ein Teil 1 hing - bin kein Krümelkacker, aber das verwirrt mich. Und Karpfen aus dem Burgsee in BaSa möchte ich nicht essen, dann lieber jetzt aus der Werra.
Mike59


zuletzt bearbeitet 30.10.2009 21:49 | nach oben springen
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#14

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 21:51
von chucky | 1.213 Beiträge

Hallo,

habt ihr ,als Grenzer jemals den gedanken gehabt wirklich abzuhauen,dann
war die Grenze um sonst


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#15

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 22:02
von Mike59 | 7.969 Beiträge

Zitat von chucky
Hallo,

habt ihr ,als Grenzer jemals den gedanken gehabt wirklich abzuhauen,dann
war die Grenze um sonst


--------------------
jeder hat in seinem Job den Gedanken zu kündigen. Die einen haben diese Gedanken stetig und andere haben diese Gedanken sporadisch.
Ich hatte diese Gedanken auch, haben sich aber erledigt.

Frage?

Wie denkt ein Mensch der vor der Schalttafel eines Kernkraftwerkes sitzt, und dessen Familie unter Krebs leidet?

Mike59


zuletzt bearbeitet 30.10.2009 22:03 | nach oben springen
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#16

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 22:12
von chucky | 1.213 Beiträge

Jeder Grenzer wird wohl gewusst haben,das es auch um was geht kann man sehen wie man will.

ein Sachse


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#17

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 22:24
von Mike59 | 7.969 Beiträge

Zitat von chucky
Jeder Grenzer wird wohl gewusst haben,das es auch um was geht kann man sehen wie man will.

ein Sachse




Sehe ich auch so.

Mike59


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#18

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 22:25
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Vor allem wird jeder Grenzer aber gewußt haben, was er Kollegen: aber vor allem auch seinen Angehörigen für Ärger machen könnte. Abgesehen von dem Druck, der auf ihnen lastete, wenn man staatlicherseits erwartete, diesem Vaterlandsverräter über die Verwandtschaft die Abscheulichkeit dieser frevelhaften Tat bewußt zu machen.

Hätten Mami und Papi am Telefon gesagt: "Junge! Haste gut gemacht! Wir freuen uns für Dich..."
....wären die Ärmsten in der Zone ihres Lebens nicht mehr froh geworden.

Dann hätten sich die "Ermittlungsbehörden"
an ihnen richtig ausgetobt!

Hätten se dann ja doch noch ihre "Ersatzschuldigen" gefunden...


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#19

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 22:35
von chucky | 1.213 Beiträge

darf ich dich fragen warum du von Vaterlandsveräter sprichts


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#20

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 22:36
von Mike59 | 7.969 Beiträge

Zitat von FSK-Veteran
... wenn man staatlicherseits erwartete, diesem Vaterlandsverräter über die Verwandtschaft die Abscheulichkeit dieser frevelhaften Tat bewußt zu machen.

Hätten Mami und Papi am Telefon gesagt: "Junge! Haste gut gemacht! Wir freuen uns für Dich..."
....wären die Ärmsten in der Zone ihres Lebens nicht mehr froh geworden.

Dann hätten sich die "Ermittlungsbehörden"
an ihnen richtig ausgetobt!

Jooo.

Hätten se dann ja doch noch ihre "Ersatzschuldigen" gefunden...


---------------------
Mal ne Frage, ließt du gerade den "Hexenhammer"?

mach mal ruhig



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