#21

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 22:42
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Nöö!

Schätze ich so ein.

Wäre dem MfS eine derartige Reaktion der Eltern des Fahnenflüchtigen bekannt geworden, hätte es unter Garantie Ermittlungen wegen des Verdachts der Mitwisserschaft gegeben.

Abgesehen davon hätten die Genossen festgestellt: na bei solchen Eltern ist diese "Tat"
kein Wunder...


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#22

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.10.2009 22:44
von Rostocker | 7.731 Beiträge

Wie soll ich das so sagen nach 35 Jahren,war damals 19 Jahre alt.Als ich bei den Grenztruppen diente und vorne am Kanten stande.Klar das erste mal da Vorne,kamen auch so die Gedanken und man fragte sich selber die paar Meter.Aber wofür,um Familie,Eltern,Geschwister u.s.w. zurück zu lassen,ist es das Wert.Ist der Westen es wert,damals sagte ich mir das isser nicht.Ich sagte mir da musste genauso arbeiten wie hier und geschenkt wird dir nichts wie hier und dort.
Wenn ich es heute so betrachte-sag ich mir Ok wir sind wieder ein Land-was mal geteilt war.Aber die Situation für den kleinen Mann hat sich verschlechter wie es mal war.Also ein Rückschlag--siehe Hartz4,siehe Kinderarmut und siehe,das Menschen von der Tafel leben müssen.Alo so rosig schaut es in dieser Gesellschaft nicht aus.Ich weiß der letzte Abschnitt past hier sicherlich nicht her-Bis denne-


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#23

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.10.2009 04:39
von grenzsoldat (gelöscht)
avatar

Desertation ist schon ein heißes Thema, merke ich hier und finde alle Meinungen dazu interessant. Ich habe mich oft mit dem Thema gedanklich auseinander gesetzt. Einmal, wie in meinen Beitrag, "Den Fischen nach !?" wo ich einige Aspekte meiner Vita beschrieben habe. In den Augen derer, die zum damaligen "real existierenden Sozialismus" standen, bin ich klar ein Verräter, alleine schon, dass ich diese defätistischen Ambitionen gehabt habe.

Nur, die DDR war halt nicht mein 100prozentiges Vaterland als Staat mit dieser für mich sehr sehr komischen Gesellschaftsordnung. Ein absoluter Gegner war ich aber damals auch nicht sehr! Ich habe mit gemacht, wie viele in dieser Zeit. Zugegebenermaßen nicht gerne. Sogar Nachwuchs für die NVA habe ich hundertfach besorgt. Ich war so 8 Jahre Berufsberater und zu meinem Job gehörte es Offiziersnachwuchs und Unteroffiziersnachwuchs zu besorgen. Fakt war, aus der Arbeiterklasse habe ich diesen Nachwuchs aber nicht besorgt. Ich jagte in meiner Heimat besonders in den Familien der Nomenklaturkader der SED nach der über hundertprozentigen geforderten Planerfüllung hinterher. Ich habe diesen Plan locker erfüllt.

Freilich, in dem Anspruch Arbeiter- und Bauernkindern ein Studium an einer Hochschule oder an einer Universität zu ermöglichen, war die DDR nach meiner unmaßgeblichen Meinung bis heute weltweit unschlagbar. Wer kennt heute noch den Begriff ABF (Arbeiter- und Bauern Fakulät), wo Kinder aus der Arbeiterklasse in den Fünfziger Jahren effizient gefördert wurden und entgegen den unvorstellbaren Vorstellungen ihrer bisher ungebildeten Eltern Arzt, Ingenieur, Architekt, Wissenschaftler werden konnten. Nur, so um Mitte 1970 hatte sich das fast erledigt. Der Nachwuchs für die künftige Intelligenz kam ab dieser Zeit vordergründig aus der Kaste der Machthaber fast einer einzigen Partei.

Das waren dann nicht mehr nur die Arbeiter und Bauernkinder (obwohl die auch weiterhin gefördert wurden). Ich hatte fast wie das Ministerium für Staatssicherheit Kerblochkarteikarten aller Schüler des Kreises mit kompletter Familiensoziologie, Gesundheitlichen Einschränkungen, Berufswünschen, Neigungen, Hobbys -egal ob Sport oder Kunst. Auch ein Motiv von mir war Menschen nicht unnötig in Gewissenskonflikte, so wie ich sie erlebt hatte zu bringen. Also dachte ich mir, der Sohn von einem Grenzkommandeur aus der thüringischen Rhön, der Zahnarzt werden wollte, den zieh ich mal den Zahn und lade ihn mit Papa und Mama zu einem netten individuellen Berufsberatungsgespräch ein. Bei dem Gespräch kam dann raus, das der Sohn auf seinen militärischen Grenzerpapa eigentlich ganz stolz war und das Zähne ziehen mehr die Idee der Mama war, die einen anderen andersartigen sozialen Aufstieg in die Intelligenzia organisieren wollte. Auch eventuell, weil die die total Schnauze voll hatte von ihrem Mann, der nie zu Hause war, sondern überdimensional vorschriftsmäßig Grenzdienst schrubbte. "Der Junge aber ist nicht so verseucht wie ich von den Vorteilen der eventuellen Entwicklungsmöglichkeiten in einer kapitalistischen Demokratie" dachte ich!

Klingt gemein, denkt da eventuell der eine oder andere. Ich hatte kein sehr schlechtes Gewissen mit meinen kleinen Manipulationen. Ich hab solche Jungs auch mehr in die technischen Offiziersrichtungen dirigiert. Die Ausbildung bei den Offiziershochschulen der DDR war top, da die neben ihren ersten Dienstgrad als Unterleutnant noch einen Ingenieursabschluss in der Tasche hatten. Fürs Gemeinwohl gesehen, hab ich wohl nichts mieses gemacht. Als dann die DDR zusammengekracht ist, hat der Junge, der dann so Anfang 20 war sicher um 1993 ein Autohaus auf gemacht (Hoffe heute nicht von Opel)und beschäftigte dann sicher seinen schwer sozial abgestürzten Oberstleutnantpapa als Buchhalter. Grenzoffiziere konnten organisieren und aus Scheiße Bonbon machen, alleine aus den selbsterlebten Erfahrungen des konstant militärischen Sauhaufens NVA.(Warum oberflächlich genannt Sauhaufen? Ganz einfach, seit dem 16. bis 19. Oktober 1813 hat jede deutsche Armee sinnlos Volksvermögen verballert. Nationales mühsam erarbeitetes Eigentum vernichtet, verschossen, verfressen, vergammelt. Deutsche Armeen waren seit der Völkerschlacht in Leipzig Schmarotzer als Systemstruktur. Nicht, die Soldaten, die Offiziere, die auf allene nachfolgenden Schlachtfeldern Europa krepierten verrotteten......das meine ich nicht unbedingt damit!)

Ich sehe das Problem Dersertation auch sehr viel komplexer schon aus der Geschichte meiner Familie. Meinen Papa gelang es sich aus der Wehrmacht ab zu seilen, weil er so um 1943 erkannte, der Krieg ist nicht zu gewinnen. Er dachte egoistisch an sich und scherte sich einen Scheißdreck um den Eid auf den "Führer". Über Beziehungen gelangte er wieder in die "Produktion" bei Focke Wulf Bremen. Meine Mama, die er in England kennen lernte, kam aus Ungarn und lebte in Österreich, Holland, Frankreich und letztendlich England, wo sie meinen Papa als "Besatzer" auf der Kanalinsel Guernsey kennen lernte. Ihr ging sowieso der Begriff Nation, Vaterland, Heimatland und Eid auf sowas sowieso total am Hut vorbei. Mit diesen "EUROPA" tangierten Einflüssen bin ich in der Nachkriegszeit aufgewachsen und habe dadurch einen anderen Blick auf solche Umstände entwickelt. Die DDR habe ich damals so ernst genommen wie unseren heutigen Außenminister.

Meine Heimat war Thüringen, Sachsen und jetzt ist meine Heimat Berlin. Ich bin froh in einem geeintem Deutschland zu leben und ich bin auch nicht sehr traurig in der größten DDR der Welt gelebt zu haben. Ein wenig stolz bin ich sogar, diesen DDR Sauhaufen fast unbeschadet erlebt zu haben. Auch die Existenz der NVA meiner Meinung nach ein Element den Frieden seine furchtbar lange Zeit mit zu gestalten. Das ist reale Deutsche Geschichte!

Gedanken zur Desertation aus Deutschland habe ich aber heute genau so, wie vor vielen Jahren. Je älter ich werde, um so kälter empfinde ich es hier. Weniger wegen den gesellschaftlichen Umständen. Eine Parlamentarische Demokratie, so wie jetzt empfinde ich als einen teiloptimierten Sauhaufen und wünsche nur, das das politische Überbausystem bei jeder Wahl möglichst komplett ausgetauscht wird. Nur, 10 Grad Tagestemperatur wie heute ist mir zu echt zu kalt. Egal, wer regiert.

In Marrakesch, in Marokko waren es vor 8 Minuten 22 Grad. Morgen Mittag sind es 32 Grad. Ein Brot kostet 10 Cent, die Fische dazu ein Euro. Das ist dort Luxus, wenn man selten 3 Euro am Tag verdient. Für einen Rentner aus Deutschland ist das aber ein Paradies. An der Spanisch-Marokkanische Grenze bei Melilla gibt es aber Zehn Tausende, die nach Europa in die Kälte wollen. Tausende aber aus Europa desertieren heute zeitweise aus der Kälte und überwintern dort! Entziehen ihre Euros dem europäischen Fiskus und Markt und geben das schöne Geld dort aus.

"Melilla verfügt heute über die modernste Grenzschutzanlage der Welt......Um sie zu überwinden müssen die Flüchtlinge zunächst einen sechs Meter hohen Zaun übersteigen, an dessen Ende sich hohe Klappen befinden. Wer oben ankommt, fällt metertief in ein Geflecht aus Drahtseilen, die tiefe Wunden reißen. Zusätzlich treten Tränengas und Pfefferspray aus. Der zweite Zaun ist ebenfalls entweder mit Klappen oder rasiermesserscharfem Natodraht ausgerüstet. Wer auch dieses Hindernis überwindet, steht vor einem weiteren sechs Meter hohen, mit Natodraht gesicherten Zaun. Tiefe Schnitte und schwere Verletzungen sind kaum vermeidbar."

Wer das dann geschafft hat, landet in sowas wie einem KZ in Spanien, in Italien. Dann geht es per Allitalia wieder zurück. In Mauretanien in der Südsahara verscheuern Grenzsoldaten ihre Kalaschnikows an irgendwelche Warlord Banden und setzen sich in einen Bus nach Tanger oder Casablanca. Die ehemals Grenzanlagen der DDR sind dagegen ein Scheißdreck. Es gibt Nachtsichtgeräte, die um die Ecke sehen können. Infrarotscanner, die 60 Km weit reichen. Unter GPS : N 21°19.816 + W 16°56.755 kann man sich den ganzen Grenzschwachsinn per googlemap bequem von der Couch ansehen.

Nur, die dort sehen umgekehrt auch, was hier wohlstandsmäßig los ist. Über das Internet. In Deutschland, wissen die da, bekommt man so viel Geld für ein Kind von seinem Staat, das ein komplettes Dorf einen Monat in Saus und Braus locker leben könnte. Die haben dort aber im Schnitt 6,5 Kinder auf eine Mutter. Das wären 6,5 Dörfer, wo gerade momentan aus unterschiedlichsten Gründen das Wasser aus geht.

Insofern tangieren mich heute meine Desertionsabsichten von vor einem viertel Jahrhundert nur sekundär. Unsere Nabelschau mit der DDR Grenze ist nett, und ich mach ja auch gerne mit. Nur, rundherum um die europäischen Grenzen tobt eine andere Qualität um das Problem, wie und wann und warum verlasse ich mein Heimatland auf den ich diesen oder jenen Eid geschworen habe.

Krepiere ich, oder hau ich ab ist dann hier die Frage? Dagegen ist mein Desertations-Problem mit der DDR heute für mich KÄSEKUCHEN!

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 31.10.2009 05:30 | nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#24

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.10.2009 08:59
von tiroler (gelöscht)
avatar

hallo grenzsoldat,

großartig,alle achtung !

gruß tiroler


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#25

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.10.2009 09:23
von Patriot (gelöscht)
avatar

Seh ich ebenso. Grenzsoldat ist einen langen Weg und eben nicht meinen Weg gegangen. Er sieht als seinerzeitigem "Republikflüchtling" die Welt heute so wie sie ist. Das verrät unzweifelhaft eine dialektische Denkweise fernab von dumpfen Feindbildern, wie sie leider oft bei ehemaligen Staatsbediensteten der DDR und der BRD zu hören sind oder den nervösen Behauptungen einiger Bürgerbewegter, heute vielfach auf warmen Posten in der Freiheit sitzend oder auch "Erlebnisberichten" sonstiger Opfer und selbsternannter Widerstandskämpfer ... das Leben damals und auch heute ist eben nicht nur schwarz und weiß.


zuletzt bearbeitet 31.10.2009 09:24 | nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#26

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.10.2009 12:02
von dein1945 (gelöscht)
avatar

Zitat dein1945
Nur mal einige Zahlen vom 13.08.1961 bis 31.12.1961

NVA 16

Grenzpolizei/Grenztruppen 158

Wachregiment des MfS 1

Bereitschaftspolizei 165
( davon 1. und 2.Grenzbrigade Berlin ) (152)

Volkspolizei 7

Transportpolizei 10

Amt für Zoll 4

Insgesamt 361

Quelle: BStU, ZA, ZAIG 545, Bl.9 und 16

Bis zum Ende der DDR waren es weit über Tausend angefangen vom wehrpflichtigen Soldaten bis zum Regimentskommandeur, nur soviel zu gering.
Als Anmerkung noch zu Egon Schulz, er wurde von eigenen Leuten getötet, auch einer zuviel, wenn auch dieser Fall in der DDR anders dargestellt wurde, aber dies wurde ja hier schon besprochen,
Gruß aus Berlin

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Zitat Feliks D.
Schauen auf den ersten Blick nach viel aus deine Zahlen.

Aber nur auf den ersten Blick! Welcher Zeitraum??? Ach kurz nach dem Mauerbau, na klar, da sind noch viele weg. Wieviel waren es in den Jahren danach, wieviel insgesamt und wieviel % macht das dann von allen aus?

Wie viele Soldaten begehen denn bei der Bundeswehr jedes Jahr Fahnenflucht?

Nicht jede Fahnenflucht sollte auch gleich eine Republikflucht werden, oft sollte es bloß erstmal raus aus der Armee gehen. Aber wenn da ein Land ist, wo auch deutsch gesprochen wird, wo vom Hörensagen Milch und Honig fließt und ich dort nicht für meine Fahnenflucht gerade stehen muss... ja dann bietet sich das doch geradezu an.

Also nicht sehr aussagekräftig die Zahlen, besonders in Bezug auf andere Angehörige der bewaffneten Organe der DDR.

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Hallo Feliks D.

Für mich sind diese Zahlen doch ein Beweis dafür, daß nicht alle die an der Grenze standen mit diesem System einverstanden waren, 361 geflüchtete der "Bewaffneten Organe der DDR" innerhalb von nicht einmal 5 Monaten entspricht ca. 3 Kompanien, also auch für die DDR ein empfindlicher Aderlass. Noch dazu es waren 361 weniger die auf Flüchtlinge schiessen konnten. Jeder der diesen Staat verließ hat auch bei seinen Kameraden das nachdenken angeregt. In den genannten Fällen war die Fahnenflucht auch gleichzeitig Republikflucht und nichts anderes.
Das der eine oder andere Annahm hier fließen Milch und Honig ist deine eigene Vorstellung. Die meisten von ihnen werden schon gewust haben, daß es nicht so ist. Jeder der hier her kam, war sich bestimmt bewust es geht auch im Westen nicht ohne fleissiges Arbeiten um zu einem gewissen Wohlstand zu kommen. Allerding gebe ich Dir Recht, die Zahlen sind in den folgenden Jahren rückläufig, meine Frage aber warum, erstmal wurde die Grenze immer mehr ausgebaut, die einzelnen Soldaten kamen nicht mehr so dicht ran. Ausnahmen gab es auch dort. Das MfS hat im Vorfeld immer mehr ausgesiebt, wenn auch bestimmt nicht alle Systemtreu waren und nicht hätten an die Grenze gedurft, aber das sind halt die Lücken die es trotz sorgfältiger Auslese gab. Nun kommen wir noch zu einigen Zahlen.
in den 70er und 80er Jahren sank die Zahl auf weit unter 100 pro Jahr was immer noch Kompaniestärke war, die Zahlen sanken mit -Festigung der DDR-, und erreichte 1974 ihren tiefsten Stand mit 24 gelungenen Fluchten.
Ich will hier keine weiteren Zahlenspiele von mir geben, wer sich damit befassen will kann das ja im Netz weiter verfolgen, es gibt genug Material darüber. Zur Bestrafung in der BRD hast Du natürlich Recht, hier wurde keiner dafür bestraft, wenn er von Ost nach West ging, bis auf einige Ausnahmen. Deserteure die man allerdinggs vorher aufgegriffen hat auch da gab es eine sehr hohe Anzahl wurden noch bis Ende 1989 von Militärgerichten zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt. Nur wie war es dann umgekehrt, wurden BW-Angehörige die den umgekehrten Weg machten in der DDR bestraft ? Nein sie wurden wie im Fall Winzer und v.Gliga im DDR-TV als Helden vorgeführt. Zum anderen kann ich nicht verstehen was BW-Fahnenflucht mit Grenze zu tun hat, dann greife doch eher auf Zoll-West oder BGS zurück, aber dazu kann karl ewtl. etwas sagen, kann ja auch diese Fälle gegeben haben, ist mir leider nicht bekannt.
Gruß aus Berlin


zuletzt bearbeitet 31.10.2009 12:12 | nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#27

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.10.2009 15:01
von Klaus K (gelöscht)
avatar

Ich denke auch das jeder Grenzer mal den gedanken hatte abzuhauen. Die möglichkeit war ja da. Besonders wenn man "vorgelagert" eigesetzt war. Ein Schritt und man wäre weggewesen. Der BGS stand uns ja direkt gegenüber. Einmal waren wir unfreiwillig drüben. Wir haben Grenzsteine im Schilf gesucht und so kam es das wir mit mal das Schild" Halt hier Grenze. Bundesgrenzschutz" lesen konnten. Man haben wir uns erschrocken.. Es wurden damals die Grenzsteine richtig freigelegt also,wohlgemerkt nur auf der DDR Seite, vom Unkraut befreit. War ne anstrengende Aktion. Besonders wenn es warm und der BGS direkt über unseren Köpfen war und uns zugesehen hat. Wie gesagt den Gedanken hatte ich auch aber wenn ich dann an meine Frau und Tochter gedacht habe war der Gedanke wieder weg. Nicht auszudenken was sie mit den beiden gemacht hätten.


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#28

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.10.2009 17:52
von Patriot (gelöscht)
avatar

Gab aber auch welche, denen das schiddegal gewesen ist und die sich heute noch als Helden der Geschichte feiern lassen. Das ist der feine menschliche Unterschied. Ob nun Kaiserzeit, Weimarer Republik, III.Reich, DDR oder Bundesrepublik damals oder heute, alle Systeme lieben den Verrat, aber nicht den Verräter. Die werden meist eingestuft als nützliche Idioten.


zuletzt bearbeitet 31.10.2009 17:56 | nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#29

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.10.2009 18:22
von dein1945 (gelöscht)
avatar

Zitat von Patriot
Gab aber auch welche, denen das schiddegal gewesen ist und die sich heute noch als Helden der Geschichte feiern lassen. Das ist der feine menschliche Unterschied. Ob nun Kaiserzeit, Weimarer Republik, III.Reich, DDR oder Bundesrepublik damals oder heute, alle Systeme lieben den Verrat, aber nicht den Verräter. Die werden meist eingestuft als nützliche Idioten.



Da hast Du ausnahmsweise einmal recht, wenn ich vor dieser Wahl gestanden hätte wäre es mir schidegal gewesen, lieber als nützlicher Idiot dastehen, als vor der Wahl zu stehen schiessen oder nicht. Wenn Du mein Vorgesetzter gewesen wärst, stellt sich noch die Frage wer dann der Idiot gewesen wär. Ich kann nur hoffen, das Dir mehr als ein Schützling abhanden gekommen ist, der Heute im Westen sitzt, sich über dein Grenzertreffen lustig macht und denkt, mensch was war das für ein Idiot. Noch ein kleiner Unterschied, bei Dir saßen die Verräter am Volk schon in der Spitze, aber bei euch gab es ja auch Kundschafter für den Frieden, nur von unserer Seite kamen die Agenten, Spione und Verräter, denk mal am Wochenend darüber nach,
Gruß aus dem damals schon freien Teil von Berlin


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#30

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.10.2009 18:44
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von grenzsoldat
Desertation ist schon ein heißes Thema, merke ich hier und finde alle Meinungen dazu interessant. Ich habe mich oft mit dem Thema gedanklich auseinander gesetzt. Einmal, wie in meinen Beitrag, "Den Fischen nach !?" wo ich einige Aspekte meiner Vita beschrieben habe. In den Augen derer, die zum damaligen "real existierenden Sozialismus" standen, bin ich klar ein Verräter, alleine schon, dass ich diese defätistischen Ambitionen gehabt habe.




Nein, denn die Gedanken sind (und waren) frei. Das ist nicht nur eine Zeile aus einen Volkslied. Wer sich nicht Gedanken über etwas macht, der kann nicht zu Ergebnissen kommen. Wer Möglichkeiten und ihre Folgen nicht in Gedanken abwägt und dann für sich entscheidet, ist leider bestenfalls gut zum Hinterherrennen.
Dass ich mit solchen Ansichten nicht in das Beuteschema "Parteisoldat" passe oder früher gepasst habe, ist mir schon klar. Oder, wie es unser Polit, Oltn S. sagte: "Sie kriegen wir nicht mehr groß".


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#31

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.10.2009 21:34
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von dein1945

Zitat von Patriot
Gab aber auch welche, denen das schiddegal gewesen ist und die sich heute noch als Helden der Geschichte feiern lassen. Das ist der feine menschliche Unterschied. Ob nun Kaiserzeit, Weimarer Republik, III.Reich, DDR oder Bundesrepublik damals oder heute, alle Systeme lieben den Verrat, aber nicht den Verräter. Die werden meist eingestuft als nützliche Idioten.



Da hast Du ausnahmsweise einmal recht, wenn ich vor dieser Wahl gestanden hätte wäre es mir schidegal gewesen, lieber als nützlicher Idiot dastehen, als vor der Wahl zu stehen schiessen oder nicht. Wenn Du mein Vorgesetzter gewesen wärst, stellt sich noch die Frage wer dann der Idiot gewesen wär. Ich kann nur hoffen, das Dir mehr als ein Schützling abhanden gekommen ist, der Heute im Westen sitzt, sich über dein Grenzertreffen lustig macht und denkt, mensch was war das für ein Idiot. Noch ein kleiner Unterschied, bei Dir saßen die Verräter am Volk schon in der Spitze, aber bei euch gab es ja auch Kundschafter für den Frieden, nur von unserer Seite kamen die Agenten, Spione und Verräter, denk mal am Wochenend darüber nach,
Gruß aus dem damals schon freien Teil von Berlin





Stellt sich die Frage wieviel Meter du geschafft hättest, bevor Patriot auf den Gedanken gekommen wäre die Flucht seines Unterstellten zu beenden.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#32

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 31.10.2009 22:53
von westsachse | 464 Beiträge

Spitzel und Veräter gab es hüben wie drüben. Das Problem ist: die einen wurden belobigt und die anderen verurteilt. Wobei ich mir relativ sicher bin, dass die fähigen Kräfte aus dem mittleren Management für eigene Interessen vereinamt wurden.

Gruß

westsachse


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#33

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.11.2009 00:08
von Rostocker | 7.731 Beiträge

Was wollen wir denn,in der heutigen Gesellschaftsortdnung interessiert es keine S...---warste Kommunist oder warste einer der aufmöpfig war.Für das Kapital zählt nur,was bringste mir was habe ich für ein Nutzen was du mitbringst.Demokratie hin oder her oder Sozialismus hin oder her--das Kapital und das Monopol gibt den Ton vor.Alles andere ordnet sich nur unter.


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#34

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.11.2009 00:13
von westsachse | 464 Beiträge

Richtig!!!

Gruß

westsachse


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#35

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.11.2009 00:13
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Fluchtgedanken bei Grenzern.....
Ich bekenne mich auch öffentlich dazu,mir öfters Gedanken über eine Flucht gemacht zu haben.
Einige Beiträge zu diesem Thema möchte ich hier aber lieber nicht kommentieren.
Es war eigentlich für jeden Grenzer ein leichtes,an der "Grünen Grenze" zu flüchten.Wie es an der "Berliner Mauer" war kann ich nicht beurteilen.
Selbst unser Polit stellte mal diese Frage zum Thema Fahnenflucht in den Raum und wir dachten wir hören nicht richtig.
Wenn man jeden Tag da draussen seinen Dienst tat,sind einem schon so manche Sachen durch den Kopf gegangen.
Wo und wann würdest du es machen?Welcher Kamerad sollte mit einem im Grenzdienst sein?Was passiert mit deiner Familie,den Eltern und Geschwistern?Warum bist du hier gelandet?Zur Frage 1:Im Minenfreien Abschnitt re./li. neben der GÜST Salzwedel/Bergen,oder nach der Minenräumung bei Volzendorf wäre es gut gegangen.Nach Internationalem Abkommen mußten je 3km nach rechts und links neben einer GÜST Minenfrei sein!In diesem Abschnitt war ich öfters mit dem Krad im Dienst.Frage 2:4-5 Kameraden kamen für den Fall der Fälle in Frage.Doch eins stand für mich immer fest,es durfte kein anderer zu Schaden kommen!Niemals würde ich meinen Posten oder Postenführer nach dem Leben trachten!Das Streckmetall hätte man untergraben,oder mit den Haken der Träger hätte man sich über den Zaun ziehen können.Am "Gartenzaun" bei Volzendorf wäre es noch einfacher gewesen,nur 2m Höhe und ziemlich marode.
Es war einfach wirklich nicht nötig einen Kameraden zu töten!Wer es dennoch tat,ist und bleibt für mich ein kaltblütiger Mörder!Bei dem Schlafpensum der Grenzer im Grenzdienst brauchte man nur dessen Waffe zu nehmen und das wäre es gewesen.Jedenfalls war das bei uns so.Mir hätte es ja genauso ergehen können.Frage 3:Einzig und allein meine Familie hielt mich letzendlich von dem Schritt ab es zu tun.Man hörte ja von den Sanktionen denen sie dann ausgesetzt wären.Das konnte oder wollte man dann einfach nicht riskieren.Zu Frage 4:Ich weiß bis heute nicht,wieso ich an die Grenze kam.Ich war nie in der Partei,nicht beim MfS,kein IM,nicht verheiratet und hatte etliche Verwandschaft im Westen.Bei der Musterung bat ich darum nicht an die Grenze zu müßen.Dies wurde mir auch zugesichert.Als die Einberufung kam stand da aber Grenztruppen der DDR drauf.Und dann ging es ja auch schon ab.Denjenigen,die hier pauschal behaupten man konnte sich dagegen wehren,möchte ich sagen das dies so nicht stimmt.Was ist denn mit unseren Großvätern passiert,wenn sie Befehle verweigert haben?Und wer hat denn verweigert?Alle befolgten doch nur irgendwie ihre Befehle ob sie wollten oder nicht!
Jedenfalls möchte ich sagen,auch auf die Gefahr hin das ich jetzt bei einigen als "Vaterlandsverräter gelte,ich bereute es damals,nicht gegangen zu sein.Wenn ich gewußt hätte das 89 die Mauer fällt,hätte ich es wahrscheinlich getan.Und so mußte halt jeder für sich entscheiden was er tut.Letztendlich war ich nur froh,heil von der Grenze nach Haus gekommen zu sein und das ich nicht in eine wirklich schlimme Sache verwickelt wurde.
Gruß ek40


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#36

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.11.2009 00:19
von Sonny (gelöscht)
avatar

Zitat von Patriot
Und so werden verständlicherweise dann auch die Denksteine für ermordete Grenzsoldaten, hier in Berlin gegenüber dem Springerhochhaus für Reinhold Huhn und Egon Schulz einfach nur geschändet.



Daß Gedenksteine geschändet werden, ist nicht schön.

Aber Schultz ist (wie bereits erwähnt) keineswegs ermordet worden, sondern durch Friendly Fire gestorben; Huhn ist in der Tat offiziell ermordet worden --- der Mörder wurde dann zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt...


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#37

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.11.2009 00:21
von westsachse | 464 Beiträge

will nicht unbedingt meine Anzahl an Beiträgen hochbringen

ABER

Richtig gut!!!

wesa


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#38

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.11.2009 00:38
von westsachse | 464 Beiträge

Das Wort MORD wird in der deutschen Sprache etwas inflationär behandelt. Es fängt schon damit an, dass ein Tötungsdelikt von einer MORDKOMISSION aufgeklärt wird. Es kann sich auch herausstellen, dass es ein Unfall oder eine fahrlässige Tötung war. Es ermittelt erst einmal die MORDKOMISSION. Im Zusammenhang mit der innerdeutschen Grenze, ist das Wort MORD sehr differenziert zu betrachten wenn es vor - ich hoffe doch mal - fairen Gerichten standhalten soll.

Jeder, der an dieser Grenze umgekommen ist war einer zuviel!

Gruß

westsachse


zuletzt bearbeitet 01.11.2009 00:39 | nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#39

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.11.2009 00:45
von Sonny (gelöscht)
avatar

Zitat von westsachse
Das Wort MORD wird in der deutschen Sprache etwas inflationär behandelt.



Das mag sein --- aber im StGB ist Mord sehr eindeutig definiert.

In Antwort auf:
Es fängt schon damit an, dass ein Tötungsdelikt von einer MORDKOMISSION aufgeklärt wird. Es kann sich auch herausstellen, dass es ein Unfall oder eine fahrlässige Tötung war.



Richtig: Das Ergebnis sollte stets am Ende der Ermittlungen stehen --- nicht am Anfang.

In Antwort auf:
Im Zusammenhang mit der innerdeutschen Grenze, ist das Wort MORD sehr differenziert zu betrachten wenn es vor - ich hoffe doch mal - fairen Gerichten standhalten soll.



Es ist in vielen Fällen von ordentlichen Gerichten festgestellt worden, ob es sich um Mord handelt oder nicht --- darauf kann man sich dann beziehen.

In Antwort auf:
Jeder, der an dieser Grenze umgekommen ist war einer zuviel!



Ja.


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.

#40

RE: Fluchtgedankenspiele bei Grenzern?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 01.11.2009 00:59
von westsachse | 464 Beiträge

Sind wir uns doch einig?

wesa


nach oben springen
lockDas Thema wurde geschlossen.



Besucher
3 Mitglieder und 20 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: TalSiar
Besucherzähler
Heute waren 180 Gäste und 21 Mitglieder, gestern 3638 Gäste und 176 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14373 Themen und 558537 Beiträge.

Heute waren 21 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen