#61

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 17:21
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Zitat von manudave

Zitat von Rostocker
Man könnte sagen--jemand der zu seine Sache steht--ist OK--Warum? Weil er an was glaubt.
Jemand der zu allen amen und ja sagt---der sollte sich überlegen---was er glaubt.



Der letzte Adjutant von Hitler ist jetzt auch über den Jordan. Den bewunder ich genauso wenig, weil er zu seiner Meinung steht ("...der Führer war doch ein ganz lieber").

Nur weil jemand zu seiner Meinung steht, ist das (für mich) nicht bewundernswert.




Stimmt, das hat was mit Charakter zu tun.
Das muss ja nicht unbedingt ein guter sein.
Dazu stehen ist wichtig.
Ich hab lieber eine M.H. als irgend so einen Typen, der ständig seine Fahne nach den Wind dreht bzw. ständig neue bzw. alte Bücher über die gute alte Zeit schreibt und die auch noch verkauft bekommt.

Habe heute früh noch einen Bericht von Krenz gesehen.
Mamamia, der muss seine Bücher noch signieren.
Auch wenn die Anhänger in seinen Veranstaltungen nur Freigänger aus irgendwelchen Gruften zu sein scheinen - die kaufen die Bücher !!!
Verdammt, warum fragt mich nicht mal jemand, ob ich ein Buch schreiben will

Schon gut, nicht gleich alle zusammen.


Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#62

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 17:25
von manudave (gelöscht)
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Ey, Ossn ich würd es lesen.


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#63

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 17:25
von Mike59 | 7.938 Beiträge

Verdammt, warum fragt mich nicht mal jemand, ob ich ein Buch schreiben will

Schon gut, nicht gleich alle zusammen.


Oss`n
[/quote]
-----------------------
Hee Oss'n

fang einfach an es zu schreiben

Mike59


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#64

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 17:30
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Zitat von Mike59
Verdammt, warum fragt mich nicht mal jemand, ob ich ein Buch schreiben will

Schon gut, nicht gleich alle zusammen.


Oss`n


-----------------------
Hee Oss'n

fang einfach an es zu schreiben

Mike59[/quote]


Sind das jetzt die ersten verbindlichen 2 Bestellungen ?

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#65

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 17:50
von Mike59 | 7.938 Beiträge

Klar

nehme zwei, eins zum verschenken

Mike59


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#66

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 18:00
von Drewitz | 356 Beiträge

Noch eine Bestellung!
Drewitz


MfS,BV Potsdam,Abt.VI,PKE Drewitz 1.Zug,1.Gruppe 1988-1990 danach GR44 bis zum Ende


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#67

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 18:01
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo Oss'n,

nehme 3 Bücher. Eins für mich, die anderen versteigere ich bei mfs-insider....


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#68

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 18:02
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Hallo Torsten,
Mensch ich freu mich.
Lange nix mehr von dir gelesen !

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#69

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 18:07
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Zitat von Augenzeuge
Hallo Oss'n,

nehme 3 Bücher. Eins für mich, die anderen versteigere ich bei mfs-insider....




Hallo Augenzeuge,
ich schenke dir gern eines, aber die anderen bei den mfs - insidern zu versteigern (zu versuchen) das solltest du noch mal mit deinen für deine Lebensversicherung zuständigen Vertreter besprechen.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
zuletzt bearbeitet 01.11.2009 18:08 | nach oben springen
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#70

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 20:04
von Drewitz | 356 Beiträge

Laßt doch olle Margot in Ruhe...
Sitzt in Chile und tut keinem mehr was.Hat ihren Standpunkt und steht dazu.(Anders als Schabowski und Gorbatschow)
Wer hat schon die Kraft am Ende seines Lebens die Lebenslüge zu erkennen?
Gibt andere Themen die in der heutigen Zeit relevant wären.

Drewitz

Es war nicht alles gut in der DDR-und heute ist nicht alles schlecht!


MfS,BV Potsdam,Abt.VI,PKE Drewitz 1.Zug,1.Gruppe 1988-1990 danach GR44 bis zum Ende


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#71

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 20:17
von TOMMI | 1.984 Beiträge

Ich kommentiere hier mal bewusst in vulgärer Halbstarken-Sprache: "Die Alte ist einfach nur doof."


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#72

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 20:19
von Drewitz | 356 Beiträge

Und ich habe mich so verrenkt,um diese Worte zu umgehen...

Drewitz


MfS,BV Potsdam,Abt.VI,PKE Drewitz 1.Zug,1.Gruppe 1988-1990 danach GR44 bis zum Ende


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#73

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 20:50
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Nun gab es aber auch andere Begebenheiten, die Frau Honecker in ein anderes Licht rücken, wie es die Medien gerne hätten.
Das blauhaarige Monster hat sich doch tatsächlich auf einem Flug ins Freundesland Angola von einer Stewardess bequatschen lassen und der kleinen Stefanie Aukongo mit ihrer Intervention gegen die Leitlinien des Solidaritätskommitees das Leben gerettet.
http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/...-Pionierin.html
Kein Mensch ist grundsätzlich schlecht, auch M. Honecker nicht.
Armseelig ist heute nur jeder, der es noch immer nötig hat gegen die Machthaber von gestern Gift und Galle zu spucken angesichts der aktuellen Schädlinge der Neuzeit, die über solche Berichterstattungen nur von den wirklichen Problemen und den wirklichen Schuldigen ablenken wollen.
Natürlich hat Frau Honecker Mitverantwortung für die Jugendwerkhöfe und daß es dort Menschenrechtsverletzungen gegeben hat, steht außer Frage, nur in der Kausalkette stehen die Eltern der Kinder die dort gelandet sind noch weiter vorn als die Volksbildungsministerin.
Die Analyse dieser tragischen Verkettung solcher Lebensläufe fördert die unbequeme Wahrheit ans Licht, nämlich das Versagen der Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder und so etwas wird es immer wieder geben.
Man hat Frau Honecker ebenso wie ihrem Mann pausenlos die heile Welt vorgespielt und in dieser Welt lebt sie offenbar auch heute noch, was zu dieser verzerrten Wahrnehmung auf das neue (klein geschrieben) Deutschland geführt haben muß.
Der Bericht selbst ist allerdings ziemlich armseelig und ohne Substanz, aber das nur nebenbei.
Es war aber im letzten Interview mit E. Honecker in Chile offensichtlich, daß dessen Frau zumindest am Ende seines Lebens bestimmte, wo es lang ging und vor allem was gesagt wurde.



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#74

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 20:53
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Sagen wir mal so:

Für M. Honecker ist die alte DDR immer noch real-lassen wir sie einfach in dem Glauben.



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#75

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 01.11.2009 22:48
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von Hackel39
Nun gab es aber auch andere Begebenheiten, die Frau Honecker in ein anderes Licht rücken, wie es die Medien gerne hätten.
Das blauhaarige Monster hat sich doch tatsächlich auf einem Flug ins Freundesland Angola von einer Stewardess bequatschen lassen und der kleinen Stefanie Aukongo mit ihrer Intervention gegen die Leitlinien des Solidaritätskommitees das Leben gerettet.
http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/...-Pionierin.html
Kein Mensch ist grundsätzlich schlecht, auch M. Honecker nicht.
Armseelig ist heute nur jeder, der es noch immer nötig hat gegen die Machthaber von gestern Gift und Galle zu spucken angesichts der aktuellen Schädlinge der Neuzeit, die über solche Berichterstattungen nur von den wirklichen Problemen und den wirklichen Schuldigen ablenken wollen.
Natürlich hat Frau Honecker Mitverantwortung für die Jugendwerkhöfe und daß es dort Menschenrechtsverletzungen gegeben hat, steht außer Frage, nur in der Kausalkette stehen die Eltern der Kinder die dort gelandet sind noch weiter vorn als die Volksbildungsministerin.
Die Analyse dieser tragischen Verkettung solcher Lebensläufe fördert die unbequeme Wahrheit ans Licht, nämlich das Versagen der Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder und so etwas wird es immer wieder geben.
Man hat Frau Honecker ebenso wie ihrem Mann pausenlos die heile Welt vorgespielt und in dieser Welt lebt sie offenbar auch heute noch, was zu dieser verzerrten Wahrnehmung auf das neue (klein geschrieben) Deutschland geführt haben muß.
Der Bericht selbst ist allerdings ziemlich armseelig und ohne Substanz, aber das nur nebenbei.
Es war aber im letzten Interview mit E. Honecker in Chile offensichtlich, daß dessen Frau zumindest am Ende seines Lebens bestimmte, wo es lang ging und vor allem was gesagt wurde.



Muss da noch etwas zu den Jugendwerkhöfen schreiben damit sich einige überhaupt ein Bild machen können von
was hier überhaupt die Rede ist! Und Frau Honecker ist daran nicht unschuldig.

Jugendwerkhof TorgauSchläge mit dem Schlüsselbund
"Wenn du nicht brav bist, kommst du nach Torgau!", drohten Eltern in der DDR unartigen Kindern. In dem Elbestädtchen lag der einzige "Geschlossene Jugendwerkhof" der DDR - eine Art sozialistisches "Boot Camp", in dem unangepasste, verhaltensauffällige und straffällig gewordene DDR-Teenager zu "sozialistischen Persönlichkeiten" geformt werden sollten. Von Stephan Orth

"In der Regel benötigen wir drei Tage, um die Jugendlichen auf unsere Forderungen einzustimmen", schrieb der langjährige Direktor des geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau, Horst Kretschmar, in seiner Diplomarbeit über die sehr spezielle Form der Kindeserziehung in seiner Anstalt. Euphemistischer hätte er es kaum formulieren können: Drei Tage - das war die Zeit, die Neuankömmlinge in der acht Quadratmeter großen, verdunkelten "Zuführungszelle" zubringen mussten. Ihre Einrichtung bestand lediglich aus einer harten Pritsche und einem Eimer.

Mehr als 4000 Jungen und Mädchen wurden in Torgau zwischen 1964 und 1989 hinter Hundelaufgräben, Stacheldraht und Wachtürmen einem brutalen Anstalts-Drill unterworfen. Aufstehen um 5.30 Uhr, dann Frühsport, waschen und Bettenbau, anschließend genau 15 Minuten Zeit für das Frühstück unter Aufsicht. Dann mussten die 14- bis 17-Jährigen zum Beispiel an veralteten Maschinen Lampen für die Volksmarine herstellen oder andere Metallarbeiten ausführen. Dazu gab es einmal pro Woche Unterricht in Fächern wie Staatsbürgerkunde, Mathe, Deutsch und Arbeitserziehung.

"Torgauer Dreier" bis zur totalen Erschöpfung

"Schikanen der Erzieher waren allgegenwärtig", erinnert sich der frühere Torgau-Insasse Stefan L.: "Allein der Druck, dass sie jederzeit willkürlich Strafen verhängen könnten, die ständigen Demütigungen und die ständige Demonstration der Macht, war Schikane genug." L. ist einer der wenigen, die über ihre Zeit in der Anstalt sprechen, die meisten schämen sich bis heute - und verzichten deshalb sogar auf Rehabilitierung und staatliche Entschädigungszahlungen. Die können sie beantragen, seit das Berliner Kammergericht die Einweisung nach Torgau als "grundsätzlich rechtsstaatswidrig" eingestuft hat. Egal, was ein Jugendlicher verbrochen habe - nichts rechtfertige die menschenunwürdige Behandlung im Geschlossenen Jugendwerkhof, entschied das Gericht.

Mit Spezialkinderheimen und Jugendwerkhöfen wollte DDR-Bildungsministerin Margot Honecker, Gattin des SED-Chefs, die "individuelle Gerichtetheit" von Problemkindern beseitigen - und dazu arbeiteten die Heimleiter mit militärisch strengen Disziplinierungsmaßnahmen. Wer in den regulären Jugendwerkhöfen durch allzu große Aufmüpfigkeit auffiel, kam nach Torgau. Wirkliche Verbrechen waren das selten, ein Gerichtsurteil war für die Einweisung auch gar nicht notwendig - es konnte schon reichen, dreimal beim heimlichen Zigarettenrauchen erwischt zu werden.

Im Umgang mit den Insassen erinnerte auch zu DDR-Zeiten vieles an die Vergangenheit der Torgauer Anstalt als ehemaliges Wehrmachts-Sondergefängnis. Machte etwa beim Sport jemand schlapp, musste seine ganze Gruppe Extrarunden drehen oder im Entengang die Treppen hoch und runter. Berüchtigt als Strafe war der "Torgauer Dreier" - eine Kombination aus Liegestütze, Hocke und Hockstrecksprung, der bis zur totalen Erschöpfung ausgeführt werden musste.

Kriminalität im klassenlosen System

Dazu kamen Schläge mit dem Schlüsselbund, Einzelarrest oder Putzdienste, bei denen die Zöglinge mit bloßen Händen und Kernseife den Boden blank zu scheuern hatten. Wer im Unterricht störte, musste seitenlange Aufsätze zu unsinnigen Themen wie "Der Schnürsenkel (Wie ich meinen Schnürsenkel auf und zu mache)" oder "Warum ich nicht genau weiß, wer die Zeitung zerrissen hat" verfassen.

Die Schicksale der Kinder von Torgau stehen beispielhaft für die enorme Strenge des Umgangs der DDR mit abweichendem Verhalten. Unangepasstheit, Kriminalität gar, durfte es laut herrschender Ideologie im Sozialismus eigentlich nicht geben, weil es in einer Gesellschaft ohne Privateigentum und Klassenunterschiede keinen Grund gab zur Unzufriedenheit oder gar zum Klauen, Rauben, Stehlen. Trat so etwas doch auf, wurde es von der SED-Propaganda als Überbleibsel des Klassenkampfes aus vorsozialistischen Zeiten gebrandmarkt, korrigiert werden sollte die "asoziale Lebensweise" in den Jugendwerkhöfen.

Jeder in der DDR wusste, dass ein Torgau-Aufenthalt kein Vergnügen war - dennoch glaubten viele Mütter und Väter den eigenen Kindern nicht, wenn sie später von den Zuständen im Jugendwerkhof berichteten. Und Einfluss nehmen hätten sie auch ohnehin nicht können - den Eltern der Torgau-Insassen war das Sorgerecht entzogen worden, ihre Sprösslinge der staatlichen Jugendhilfe unterstellt.

Bald zwanzig Jahre nach der Schließung der Torgauer Quälanstalt und dem Ende der DDR gehört die Forderung, auffällige Jugendliche hart anzupacken, auch bei demokratischen Politikern zum Standardrepertoire. Torgau allerdings lehrt, wohin von Ideologie und Gewalt geprägte Erziehung führen kann - heute beherbergt der ehemalige Jugendwerkhof in dem sächsischen Städtchen zur Mahnung ein Dokumentationszentrum.



Habe ich in gefunden in eines Tages Zeitgeschichten!


Klar in der BRD speziell in den katholischen Heimen war es früher auch schlimm! aber hier war es staatlich!! Gruß Peter(turtle)
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zuletzt bearbeitet 01.11.2009 22:49 | nach oben springen
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#76

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 02.11.2009 08:11
von Danny_1000 | 166 Beiträge

Zitat von turtle
...Muss da noch etwas zu den Jugendwerkhöfen schreiben damit sich einige überhaupt ein Bild machen können von was hier überhaupt die Rede ist! Und Frau Honecker ist daran nicht unschuldig.

Jugendwerkhof TorgauSchläge mit dem Schlüsselbund
"Wenn du nicht brav bist, kommst du nach Torgau!", drohten Eltern in der DDR unartigen Kindern. In dem Elbestädtchen lag der einzige "Geschlossene Jugendwerkhof" der DDR - eine Art sozialistisches "Boot Camp", in dem unangepasste, verhaltensauffällige und straffällig gewordene DDR-Teenager zu "sozialistischen Persönlichkeiten" geformt werden sollten. Von Stephan Orth

"In der Regel benötigen wir drei Tage, um die Jugendlichen auf unsere Forderungen einzustimmen", schrieb der langjährige Direktor des geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau, Horst Kretschmar, in seiner Diplomarbeit über die sehr spezielle Form der Kindeserziehung in seiner Anstalt. Euphemistischer hätte er es kaum formulieren können: Drei Tage - das war die Zeit, die Neuankömmlinge in der acht Quadratmeter großen, verdunkelten "Zuführungszelle" zubringen mussten. Ihre Einrichtung bestand lediglich aus einer harten Pritsche und einem Eimer.

Mehr als 4000 Jungen und Mädchen wurden in Torgau zwischen 1964 und 1989 hinter Hundelaufgräben, Stacheldraht und Wachtürmen einem brutalen Anstalts-Drill unterworfen. Aufstehen um 5.30 Uhr, dann Frühsport, waschen und Bettenbau, anschließend genau 15 Minuten Zeit für das Frühstück unter Aufsicht. Dann mussten die 14- bis 17-Jährigen zum Beispiel an veralteten Maschinen Lampen für die Volksmarine herstellen oder andere Metallarbeiten ausführen. Dazu gab es einmal pro Woche Unterricht in Fächern wie Staatsbürgerkunde, Mathe, Deutsch und Arbeitserziehung.

"Torgauer Dreier" bis zur totalen Erschöpfung

"Schikanen der Erzieher waren allgegenwärtig", erinnert sich der frühere Torgau-Insasse Stefan L.: "Allein der Druck, dass sie jederzeit willkürlich Strafen verhängen könnten, die ständigen Demütigungen und die ständige Demonstration der Macht, war Schikane genug." L. ist einer der wenigen, die über ihre Zeit in der Anstalt sprechen, die meisten schämen sich bis heute - und verzichten deshalb sogar auf Rehabilitierung und staatliche Entschädigungszahlungen. Die können sie beantragen, seit das Berliner Kammergericht die Einweisung nach Torgau als "grundsätzlich rechtsstaatswidrig" eingestuft hat. Egal, was ein Jugendlicher verbrochen habe - nichts rechtfertige die menschenunwürdige Behandlung im Geschlossenen Jugendwerkhof, entschied das Gericht.

Mit Spezialkinderheimen und Jugendwerkhöfen wollte DDR-Bildungsministerin Margot Honecker, Gattin des SED-Chefs, die "individuelle Gerichtetheit" von Problemkindern beseitigen - und dazu arbeiteten die Heimleiter mit militärisch strengen Disziplinierungsmaßnahmen. Wer in den regulären Jugendwerkhöfen durch allzu große Aufmüpfigkeit auffiel, kam nach Torgau. Wirkliche Verbrechen waren das selten, ein Gerichtsurteil war für die Einweisung auch gar nicht notwendig - es konnte schon reichen, dreimal beim heimlichen Zigarettenrauchen erwischt zu werden.

Im Umgang mit den Insassen erinnerte auch zu DDR-Zeiten vieles an die Vergangenheit der Torgauer Anstalt als ehemaliges Wehrmachts-Sondergefängnis. Machte etwa beim Sport jemand schlapp, musste seine ganze Gruppe Extrarunden drehen oder im Entengang die Treppen hoch und runter. Berüchtigt als Strafe war der "Torgauer Dreier" - eine Kombination aus Liegestütze, Hocke und Hockstrecksprung, der bis zur totalen Erschöpfung ausgeführt werden musste.

Kriminalität im klassenlosen System

Dazu kamen Schläge mit dem Schlüsselbund, Einzelarrest oder Putzdienste, bei denen die Zöglinge mit bloßen Händen und Kernseife den Boden blank zu scheuern hatten. Wer im Unterricht störte, musste seitenlange Aufsätze zu unsinnigen Themen wie "Der Schnürsenkel (Wie ich meinen Schnürsenkel auf und zu mache)" oder "Warum ich nicht genau weiß, wer die Zeitung zerrissen hat" verfassen.

Die Schicksale der Kinder von Torgau stehen beispielhaft für die enorme Strenge des Umgangs der DDR mit abweichendem Verhalten. Unangepasstheit, Kriminalität gar, durfte es laut herrschender Ideologie im Sozialismus eigentlich nicht geben, weil es in einer Gesellschaft ohne Privateigentum und Klassenunterschiede keinen Grund gab zur Unzufriedenheit oder gar zum Klauen, Rauben, Stehlen. Trat so etwas doch auf, wurde es von der SED-Propaganda als Überbleibsel des Klassenkampfes aus vorsozialistischen Zeiten gebrandmarkt, korrigiert werden sollte die "asoziale Lebensweise" in den Jugendwerkhöfen.

Jeder in der DDR wusste, dass ein Torgau-Aufenthalt kein Vergnügen war - dennoch glaubten viele Mütter und Väter den eigenen Kindern nicht, wenn sie später von den Zuständen im Jugendwerkhof berichteten. Und Einfluss nehmen hätten sie auch ohnehin nicht können - den Eltern der Torgau-Insassen war das Sorgerecht entzogen worden, ihre Sprösslinge der staatlichen Jugendhilfe unterstellt.

Bald zwanzig Jahre nach der Schließung der Torgauer Quälanstalt und dem Ende der DDR gehört die Forderung, auffällige Jugendliche hart anzupacken, auch bei demokratischen Politikern zum Standardrepertoire. Torgau allerdings lehrt, wohin von Ideologie und Gewalt geprägte Erziehung führen kann - heute beherbergt der ehemalige Jugendwerkhof in dem sächsischen Städtchen zur Mahnung ein Dokumentationszentrum.



Habe ich in gefunden in eines Tages Zeitgeschichten!


Klar in der BRD speziell in den katholischen Heimen war es früher auch schlimm! aber hier war es staatlich!! Gruß Peter(turtle)
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Hallo Peter,

Ich danke dir ausdrücklich für diesen Bericht, welchen ich gerade einem guten Bekannten von mir zum Lesen gab.
Seine erste Reaktion: „Genau so war’s ! Manche „Sonderbehandlung“ hat der Schreiber dieses Berichtes gar nicht erwähnt….und all das verdanke ich dieser Lila Hexe !“

Wir zwei sitzen schon seit einigen Abenden hier zusammen und schreiben seine Erlebnisse in diesem Jugendknast auf. Das benötigt mein Bekannter zur Beantragung einer kleinen „Entschädigungsrente“.

Was mich heute als „Nichtbetroffener“ daran beeindruckt ist, wie tief die Wunden sind, die dieser Aufenthalt in Torgau noch heute bei ihm hinterlassen hat.

Gruß
Daniel


Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
(Voltaire frz. Philosoph 1694 - 1778)
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#77

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 02.11.2009 08:28
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo Daniel,

war zwar schon mal drin, aber es hilft deinem Bekannten sicher auch...

http://www.n24.de/news/newsitem_4879823.html

Gruß, Augenzeuge


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#78

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 02.11.2009 08:38
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Hallo Daniel,

jetzt mal ohne etwas werten zu wollen eine Frage. Was war der Grund, dass dein Bekannter nach Torgau mußte?
Dort kam ja nicht jeder so einfach ohne Grund hin. Dies rechtfertigt natürlich nicht seine Erlebnisse dort, jedoch würde mich der Grund schon interessieren. Schließlich hatte eigentlich auch jeder der dort war, seinen eigenen Anteil daran.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#79

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 02.11.2009 09:39
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Luchs

Zitat von ef99092
...
Ich gönne der M. H. das relativ gute Leben im milden Chilenischen Klima nicht, zumal sie unter geleich gesinnten sich feiern lässt.
Gruß Gerald


Hallo Gerald,
was sollte man mit ihr denn sonst machen? Hier in Deutschland würde sie vermutlich nicht in Ruhe leben können. Und wenn ich mir anhöre, was sie von sich gibt, frage ich mich, ob sie überhaupt was begriffen hat.

Viele Grüße
Micha





Luchs, um Deine Frage zu beantworten, was man mit ihr sonst machen sollte:

Nach Sibierien schicken, in einen Gulak.
Das haben doch das "Lila- Hexchen" und ihre Mitkämpfer von Politbüro mit unbequemen Leuten bis in die 60-er auch gemacht, vielleicht auch noch danach...

Kann mich noch an eine Schote erinnern, was die Honeckersche anbelangt. Irgendwann in den 80-er wars glaub ich, da hat doch eine Frau Volkskammerabgeordnete Inge Lange es "gewagt" sich ihre Haarpracht zu irgendeiner Politbürofeier oder weiß der Geyer was für einer SED- Huldigungsveranstaltung, ebenfalls lila tönen zu lassen. Da muß es einen Zickenalarm vom Feinsten gegeben haben und der Frau Lange wurde nahegelegt, nie wieder im "My Lady- Honnecker- Lilaluck" aufzutauchen.
Das sagt doch über diese Frau (fast) alles...!

Und wenn ich das alte Foto noch als Margot Feist sehe, wo sie den Wilhelm Pieck anhimmelt, dann weiß doch jeder, welchen Geistes Kind diese Frau war und ist.
Für mich war diese Person schon immer die allgegenwärtige und ausgekochte Strippenzieherin im Hintergrund, von der Erich seine "Befehle" empfangen hat. Es ist nur schade, das man diese Frau nicht zur Rechenschaft gezogen hat, sie hätte es allen voran am Meißten verdient.

Und für die Herren von Margots Fanclub: Das hat nichts mit Siegerjustitz zu tun, das wär und ist einfache, gerechte Strafverfolgung nach den Gesetzen und dem Stafgesetzbuch der DDR, wogegen dies Person massenhaft verstoßen hat.
In diesem Punkt Schade, das die deutsche Einheit so schnell gekommen ist und man sich dieser (Un-) Person auf relativ einfache und schnelle Art und Weise entledigt hat..., entledigen konnte...!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 02.11.2009 09:40 | nach oben springen
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#80

RE: Margot Honecker: "Der Sozialismus kommt!"

in Leben in der DDR 02.11.2009 09:49
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@danny_1000. evtl. hilft auch diese seite weiter ---->http://veh-ev.info/


ansonsten finde ich fast den gesamten tread etwas daneben. man setzt sich nicht mit der sache auseinander, sondern wie immer, mit der person. was aus dem namen hier gemacht wurde... zeigt schon auf welchem niveau uns wir hier begeben...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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