#1

Die Berliner Mauer im Bezirk Kreuzberg

in Leben an der Berliner Mauer 16.02.2008 11:54
von Angelo | 12.394 Beiträge

Vieleicht finden sich ja Bürger aus Berlin die bis 1989 in Kreuzberg gewohnt haben? Gerne würde ich erfahren wie das Leben im Bezirk Berlin Kreuzberg gewesen ist


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#2

RE: Die Berliner Mauer im Bezirk Kreuzberg

in Leben an der Berliner Mauer 05.04.2008 00:04
von Riddick (gelöscht)
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Ich denke, das Alle froh sind, dass dieser Wahnsinn vorbei ist
Würde mich freuen, wenn Du vielleicht mal ein postives Thema eröffnen könntest

Ich z.B. bin Wessi und habe meine grosse Liebe in Meck/Pom gefunden


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#3

RE: Die Berliner Mauer im Bezirk Kreuzberg

in Leben an der Berliner Mauer 07.03.2009 00:30
von Achim511 (gelöscht)
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Nicht Kreuzberg...andere Seite --> Treptow!

Sonnabend, 11.11.1989, 05.50 Uhr

Arbeitsbeginn der Frühschicht des Entstörungsdienstes Elektroenergieversorgung Berlin (Ost). Die Kollegen sind vollzählig erschienen, ich hätte nichts anderes erwartet, konnte mich eigentlich immer auf meine Schicht verlassen Einige waren nicht ganz ausgeschlafen, kein Wunder in dieser Zeit.

Gegen 9 Uhr klingelt das Telefon. Jemand Wichtiges will uns am Schlesischen Busch sehen... Einweisung vor Ort. Na schön, fahren wir mal hin...Ruck -ZUK- (polnischer Kleintransporter) es war ja nicht weit von der Thaerstr. im Prenzlauer Berg. Nur fliegen ist schöner...

Man hatte über Nacht im Zuge der Puschkinallee ein paar Mauerteile demontiert, die zugeschüttete Straße wieder hervorgeholt und links und rechts der Straße, zwischen erster und zweiter Mauer, einen stabilen Maschendrahtzaun gebaut. Damit alles seine sozialistische Ordnung hat, wurden für das Personal der neuen GüSt ein paar Bürocontainer (Raumzellen !!) aufgestellt.

Der Wunsch des Genossen OSL: Wir hätten gerne Strom. Am besten viel und sofort...vor allem für Bahnheizkörper und Kaffeemaschinen. Früher dachte ich das sind GT-Angehörige, heute weiß ich es besser. PKE. Die dachten wohl, daß es allen so gut geht wie ihnen. Rein ausstattungtechnisch...Traumtänzer... Angebotene Unterstützung: Ein Elektriker der GT, zwei Stehleitern, mitleidige Blicke und die unausgesprochene Frage: Wie lange noch?

Direkt an der Mauer gab es kein Netz mehr. Die Kabel waren lange ausgeschaltet, abgehackt, defekt, vielleicht gar nicht mehr vorhanden. Auf unseren Plänen war jedenfalls nichts zu sehen.

Also machten wir das, was wir am besten konnten: Aus Knete Bonbon.

Die Erkundungen für eine provisorische Versorgung ergaben ein trauriges Bild. Der nächste Anschlußpunkt war weit weg, Straßen dazwischen. Auch das GT-Netz war nicht so recht zu gebrauchen. Ein Verteiler stand am Turm (Führungsstelle Schlesischer Busch) auf der anderen Seite der Puschkinallee. Ging also nicht. Wir konnten ja schlecht Kabel direkt auf die Straße legen. Kabelbrücken, dicke Gummimatten und was es sonst heute alles so gibt, damals bei uns Fehlanzeige.

Der GT-Elektriker wussten auch nicht so recht weiter. Dann fiel uns ein weiterer Verteiler auf der richtigen Straßenseite auf. Der stand aber, genau wie die FüSt, natürlich hinter dem neuen Maschendrahtzaun. So haben wir uns mit zwei Stehleitern beholfen und sind immer wieder rechts und links über die Zäune gestiegen. Wenn man dran dachte...zwei Tage vorher war alles noch ganz anders. Da hatten wir immer erhebliche Probleme wenn wir mal hinter die erste (Hinterland-) Mauer mussten.

Zwischen den beiden Verteilern lag ein Kabel mit knapp ausreichendem Querschnitt. Nur leider hatte ein schlauer Mensch die für die installierte Sicherungsanlage (?) nicht benötigten 2 von 4 Adern ordentlich kurz weggeschnitten ...beiderseits...prima! Wir haben trotzdem angeklemmt und sind in der Folgezeit täglich mehrmals zum Sicherungswechsel erschienen...Und immer diese Frage...

In den Containern sah es auch nicht gut aus. Zählertafeln ohne Zähler, das ging ja noch. Schlimmer aber: Keine Möglichkeit zum Einführen einer Leitung. Also haben wir die nagelneuen Fußböden erstmal mit Hammer und Meißel bearbeitet.

Dann ging es weiter: Versuch mal die 35 Quadratmillimeter Kupfer unserer Notleitungen an eine mickrige Unterverteilung zu klemmen. Unmöglich! Wesentlich kleinere Querschnitte hatten wir nicht. Zum Glück standen in der Nähe zwei Kabeltrommeln von der Straßenbeleuchtung. Auch das war uns nicht neu. Materialklau, damit man arbeiten konnte.

Mittendrin, der Fußgänger-Grenzverkehr lief ja schon, ein Notfall. Herzinfarkt oder was weiß ich. Die PKE-Typen haben rumgebrüllt, nur ein Telefon hatten sie nicht. Auf dem Turm hat keiner gehört. Die Westberliner Polizei, auf der anderen Seite der Mauer präsent, hat reagiert und einen Notarzt gerufen. Letztlich war aber die SMH (Notarzt), die wir über unseren Funk angefordert hatten, schneller.

Am nächsten Tag, Sonnabend, nochmal dasselbe Spiel. Eberswalder/Bernauer Strasse. Zum Glück hatten die GT-Pioniere (?) beim Bau der provisorischen GüSt eine alten 63A-Hausanschlußkasten gefunden und stehen lassen. Der sah aus, wie 30 Jahre nicht geöffnet. Aber es waren alle 3 Leiter da. Damit war das Ding innerhalb einer Stunde erledigt.

Massantebrücke, Johannisthaler Chaussee, Potsdamer Platz, Schillingbrücke, Bandenburger Tor...planmäßig-außerplanmäßig. Meist durch die zuständigen Betriebsabteilungen realisiert.

Die erstmalige Veröffentlichung dieses Beitrages war im NVA-Forum.


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#4

RE: Die Berliner Mauer im Bezirk Kreuzberg

in Leben an der Berliner Mauer 07.03.2009 20:48
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Hallo Achim511!

Willkommen im Forum und Danke für Deine Geschichte. Es sei mir aber eine kleine Korrektur gestattet, die ich als Friedrichshainer einfach machen muss: Die Thearstraße liegt im Friedrichshain (heute Friedrichshain-Kreuzberg), nicht im Prenzelauer Berg. Da ich erst 1995 hierher gezogen bin, kann ich leider zum Thema Kreuzberg vor der Wende nichts beisteuern.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#5

RE: Die Berliner Mauer im Bezirk Kreuzberg

in Leben an der Berliner Mauer 10.03.2009 18:21
von Achim511 (gelöscht)
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@Rainman

Leider falsch! Die Thaerstr. 26-28, und die meine ich, liegt/lag in Prenzelberg.
Ein Grenzproblem, nicht mal die VP war richtig informiert...;-)
Heute ist dort ein Park.

http://www.alt-berlin.info/cgi/stp/lana....9&ost=13.435000


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#6

RE: Die Berliner Mauer im Bezirk Kreuzberg

in Leben an der Berliner Mauer 10.03.2009 23:48
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Hallo Achim511,

ich versinke vor Scham im Boden. Du hast recht. Das Gelände des Schlachthofes gehört, aus welchen Gründen auch immer, zum Bezirk Prenzlauer Berg, also heute offiziell zu Pankow. Diese Schneise liegt genau zwischen Friedrichshain und Lichtenberg. Witzigerweise haben die Adressen in der Tharstraße meine Friedrichshainer Postleitzahl. Das kann schon verwirren.

Man lernt jeden Tag dazu - Danke!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#7

RE: Die Berliner Mauer im Bezirk Kreuzberg

in Leben an der Berliner Mauer 11.03.2009 18:17
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Am Samstag bin ich in Berlin,erst Stadrundfahrt,dann Fussballspiel Hertha BSC-Bayer 04.
Bei meinem letzten Besuch stand noch die Mauer....



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#8

RE: Die Berliner Mauer im Bezirk Kreuzberg

in Leben an der Berliner Mauer 13.03.2009 07:41
von manudave (gelöscht)
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Ich hab da mal so ca. 1995 direkt auf einer Anhöhe, auf welcher die Mauer stand, eine Kinderrutsche montiert. Mitten in die Pampa. Am nächsten Tag, als wir Restarbeiten erledigen wollten, war sie voller Grafittis - danke Kreuzberg


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