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Letzter erhaltener DDR-Grenzübergang wird abgerissen

in Presse Artikel Grenze 26.09.2008 15:42
von Angelo | 12.469 Beiträge | 194 Punkte
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Die ehemalige Grenzübergangsstelle im thüringischen Probstzella hat ihren Schrecken längst verloren. Einst für Reisende ein einschüchternder Ort staatlicher Willkür, zeigt der vierstöckige Betonklotz im typischen DDR-Zweckbauten-Stil der 70er Jahre heute deutliche Spuren des Verfalls. Von 1978 bis 1990 passierten zahllose Ein- und Ausreisende den 20 Meter langen «Kontrollgang» des Gebäudes. Seit der Wende rottet es vor sich hin. Nun soll das Gebäude abgerissen werden. Am Donnerstagabend entschied sich der Gemeinderat mit großer Mehrheit gegen ein Museum und für den Abriss.

Siebzehn Jahre lang nahm niemand Notiz von der ehemaligen Kontroll- und Abfertigungseinrichtung, bis Probstzella im vergangenen Jahr das Gebäude für 3500 Euro kaufte, um es abzureißen. Im Gemeinderat herrschte einhellig die Meinung, dass der Kasten aus dem Stadtbild getilgt werden müsse. 144 000 Euro soll der Abriss kosten - ein großer Betrag für die kleine Gemeinde, die einige Monate und Hilfe unter anderem vom Land benötigte, um das Geld schließlich aufzubringen. Doch dann regte sich erster Widerstand gegen das Vorhaben.

«Im Juli hatten wir Experten aus Aschaffenburg damit beauftragt, ein Gutachten zur touristischen Positionierung zu erstellen. Die Frage war, womit wir Leute nach Probstzella locken können», sagt Bürgermeister Marko Wolfram (SPD). Die Expertise wies jedoch eben diese Grenzübergangsstelle als Highlight der kleinen Gemeinde aus: Als Museum hergerichtet, könne der ehemalige deutsch-deutsche Grenzbahnhof ein Besuchermagnet werden.

«Die Grenzübergangsstelle hatte bis dahin von keiner Seite Beachtung gefunden - weder vom Bund, der hatte sie als Voreigentümer ja kaputt gehen lassen, noch von der Gemeinde», schildert Wolfram das Erstaunen im Ort. Die Idee, den Grenzbahnhof in seiner alten Form zu erhalten, fand mit dem Publizisten Roman Grafe jedoch schnell einen engagierten und fachkundigen Unterstützer.

Nach gemeinsamen Überlegungen kam man zum Schluss, dass nur ein Teil der Anlage - ein Wartesaal und der lange Kontrollgang mit den Kabinen der Pass-Kontrolleure - erhalten werden müsste. Der große, die Häuser im Ort überragende Verwaltungsklotz könnte trotzdem beseitigt werden. Aber allein die Kosten der Restaurierung würden sich auf 300 000 Euro belaufen - eine Summe, die «jenseits der finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde liegt», wie Wolfram sagt.

Im August besuchte schließlich auch die Thüringer Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Hildigund Neubert, den maroden Bau und appellierte an den Bürgermeister, den Bahnhof zu erhalten. «Sie haben das Originalgebäude in all seiner Schrecklichkeit jetzt in Ihrem Besitz, ich bin überzeugt, dass Sie sich durch den Totalabriss eines Schatzes berauben würden», schrieb die Landesbeauftragte in einem Brief an den Bürgermeister.

Wolfram war den Plänen gegenüber auch durchaus aufgeschlossen. «Ich kann der Idee ja eine ganze Reihe von Vorteilen und positiven Aspekten abgewinnen, aber von Beginn an stand die Gemeinde vor dem Problem: Wie ist so etwas überhaupt finanzierbar?» So verschob die Gemeinde die endgültige Entscheidung über den Abriss, um eventuelle Möglichkeiten einer Finanzierung auszuloten. «Wir haben auf ein deutliches Zeichen vonseiten der Landesregierung oder des Bundes gehofft, aber die kamen eben nicht», sagt der Bürgermeister enttäuscht.

Zwei Tage vor der Gemeinderat-Entscheidung telefonierte Wolfram mit dem thüringischen Kultusministerium, jedoch ergebnislos. Dort zeigt man sich im Hinblick auf den Grenzbahnhof durchaus offen. «Wir würden gern weitere Gespräche führen, aber der Bürgermeister hat abgelehnt», sagte der Sprecher des Kultusministeriums, Detlef Baer, vor der Gemeinderatsentscheidung. Die geforderte Zusage oder ein Signal über einen Zuschuss in Höhe von 300 000 Euro könne man innerhalb eines Tages jedoch nicht geben.

Länger wollte man in Probstzella aber nicht warten. Er habe seine Anfrage zur Unterstützung bereits vor zwei Wochen an die Staatskanzlei gerichtet, sagt Wolfram. «Irgendwann muss mal eine Entscheidung her.» Man habe den Beginn der Abrissarbeiten bereits einmal verschoben und die Gespräche mit Bund und Land hätten keinen weiteren Aufschubgrund geliefert.

Bereits zwei Wochen zuvor hatte über die Beschlussvorlage «Teilerhalt des Kontrollgebäudes als Grenzbahnhofmuseum» im Gemeinderat abgestimmt werden sollen, doch der Bürgermeister nahm diesen Punkt damals kurzerhand von der Tagesordnung. Er hatte in Vorgesprächen erfahren, dass er überstimmt worden wäre und die Entscheidung in der Hoffnung vertagt, dass die Landesregierung sich für das Projekt stark machen und so die Gemeinderäte umstimmen würde. Vergebens.

Am 1. Oktober soll nun mit dem Abriss begonnen werden - wenn ein kurzfristig für die kommende Woche anberaumtes Gespräch des Bürgermeisters im Kultusministerium nicht doch noch die Wende bringt


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#2

RE: Letzter erhaltener DDR-Grenzübergang wird abgerissen

in Presse Artikel Grenze 27.09.2008 14:07
von Zermatt | 5.296 Beiträge | 7 Punkte
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Schade das hier ein Abriß stattfinden soll,solche Gebäude stellen doch wirkliche deutsche
Geschichte dar.Sicher kostet eine Unterhaltung immer Geld,aber wenn erst mal alles verschwunden ist,ja
dann ist es natürlich zu spät.



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#3

RE: Letzter erhaltener DDR-Grenzübergang wird abgerissen

in Presse Artikel Grenze 27.09.2008 14:59
von Angelo | 12.469 Beiträge | 194 Punkte
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Die wollen es halt nicht lernen
Auch die letzten Spuren der DDR werden bald verschwunden sein und in 30 Jahren schreien alle nach Deutsche Geschichte.


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