#1

Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 08:47
von Tine (gelöscht)
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Hallo!

ihr merkt schon am Titel, dass ich mich intensiv mit ehemaligen Soldasten / Gefreiten unterhalten haben muss um solche Insiderkenntnisse zu erhalten und außerdem beschäftigt mich wie immer, also auch hier, was in der Richtung "nachspioniert" wurde.

Das die Vorgesetzten oder die Leute vom MfS von der Existenz diese handgeschriebenen Zettel wußte, die überall in Türmen und im Gelände versteckt waren, nehme ich mal als sicher an, und vermute, dass die Eintragungen stichprobenartig oder systematisch? "ausgelesen" wurden.

Was sagen die ehemaligen Offiziere dazu?

Meine zweite Frage zu diesem Thema: Habt ihr, die ihr euch als Spurensucher an alten grenzgeschichtlichen Orten betätigt, noch solche alten "Dokumente" gefunden?

Mit neugierigen Grüßen
Tine


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#2

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 10:02
von sentry | 1.077 Beiträge

...bisschen kryptisch.
Was sind denn "Heimigräber", von was für Zetteln reden wir und was hat da drauf gestanden?
Das scheint nicht grenzweit Standard gewesen zu sein. Ich kenne das jedenfalls nicht.


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#3

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 10:04
von Rainman2 | 5.757 Beiträge

Hallo Tine,

dass es Heimigräber gab, wusste jeder Vorgesetzte. Die Briefe darin wurden von uns, hiermit meine ich die Kompanieführung, eigentlich nicht ausgewertet oder aufgehoben. Wenn Heimigräber gefunden wurden, zerstörten wir sie in der Regel, um da keinen Kult zuzulassen, keine "Pilgerstätten" entstehen zu lassen. Es war immer so eine Art von Prinzipien geführten Kampf mit dem obersten Prinzip, den EK's die noch da waren klar zu machen: "Wir haben ein Auge auf Euch." Ansonsten wäre gegen diese Art der Tradition eigentlich nichts einzuwenden gewesen. Aber Prinzipien sind Prinzipien.

Aber die EK's haben sich an mir gerächt. Auf Wache, zu meiner Zeit in der Stabkompanie, habe ich mal ein heimigrab beseitigt, das unmittelbar neben dem Postenbereich stand. Das hätte ich nicht stehen lassen können - wenn der Stabschef da vorbeigekommen wäre und uns das Ding unter die Nase gerieben hätte - nee, da waren wir denn doch von zuviel subalternem Denken und vorauseilendem Gehorsam erfüllt. Leider war Bestandteil dieses Heimigrabes eine zerbrochene oder angebrochene Flasche (Bierflasche). An dieser schnitt ich mich ziemlich böse an der Hand. Natürlich darf in so einem Moment kein Laut über die Lippen kommen, standen doch der Posten und der Wachhabende neben mir.

ciao Rainman


PS: Doch sentry, es gab auch welche mit Zetteln oder Briefen. Das wurde aber gleich mit vernichtet. Ich habe allerdings selbst kein "Grab ausgehoben" in dem einer war. Aber in den Auswertungen wurden auch solche Heimi-Gräber erwähnt.


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 15.10.2009 10:06 | nach oben springen

#4

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 10:15
von Focking | 178 Beiträge

macht mich mal schlau,von was schreibt ihr hier.
Entschuldigung ich war kein Grenzer.

Gruß aus der Lausitz

Werner



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#5

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 10:18
von Pitti53 | 8.787 Beiträge

hhm.ich kenn so was auch nicht


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#6

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 10:20
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Morgen zusammen,

staune immer noch über Tine's Wissen.
Hab aber immer noch nicht kapiert, was nun diese "Heimigräber" für einen Zweck (Sinn) hatten und woraus sie bestanden?
Irgendwie liegt da wieder so ne lange Leitung rum. Kann mir mal wer runterhelfen?


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#7

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 10:26
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Heimigräber

Heimi's waren die EK's oder Abgänger

in den Gräbern wurden Hinterlassenschaften verbuddelt, mehr aus Spaß, das eine oder andere mal auch ein mehr oder weniger kritischer Brief, oder auch einfach nur Grüße und Gedanken an die Wehrpflichtzeit.

Also im großen und ganzen ein mehr oder weniger harmloser EK Brauch.


So wenn ich jetzt nen Fehler reingebracht hab dann einfach berichtigen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#8

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 10:29
von Focking | 178 Beiträge

jetzt hats gefunkt,warum nicht gleich so???

Gruß aus der Lausitz

Werner



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#9

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 10:59
von sentry | 1.077 Beiträge

Hatte ich bisher noch nicht von gehört. Ist auch bei uns nicht praktiziert worden. Ist aber definitiv 'ne coole Idee, hätte ich auch gemacht...zumal man sich die beigelegten Reliquien heute wiederholen könnte...als Tomb Raider sozusagen.


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#10

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 12:16
von TOMMI | 1.985 Beiträge

Von so Gräbern bei uns im Abschnitt weiß ich nicht. Allerdings gab es Bäume,
wo so einiges dran genagelt wurde. Ich habe solch ein Exemplar bei einer
meiner Exkursionen entdeckt. Könnt ihr euch ansehen unter "Spurensuche GR4
(Heiligenstadt) 5.GK (Teistungen).

TOMMI


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#11

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 13:21
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Kenne aus meiner Zeit auch keine Heimigräber.Hab nur in Erinnerung,in der letzten Schicht wurde mit Schirmmütze zum Dienst aufgezogen.Und kurz vor der Ablösung wurde noch der Eßlöffel am Baum genagelt oder über GMN-Leitung geworfen so das er oben hängen blieb.
Naja so eine Art Gräber hatten wir auch,wo wir den Schnaps einlagerten wenn wir aus dem Ausgang kamen.


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#12

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 13:31
von mig29 (gelöscht)
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Also, bei uns im Busch gab es eine überschaubare Anzahl von sog. "Heimi-Bäumen", da waren alte Kragenbinden, Löffel, die designerpreis-verdächtigen braunen (!) Trinkbecher aus der Rekrutenzeit (Sofern sie bis zum Heimgang überlebt hatten) und ähnliches an irgendeinen Baum im Busch genagelt, natürlich von Leuten, die kurz vorm Heimgang waren, um ein letztes Zeichen im Busch, in dem man 1 Jahr seiner besten Lebenszeit vergammelt hatte, zurückzulassen.


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#13

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 14:06
von Rainman2 | 5.757 Beiträge

Ja, die Sachen wurden von sehr Diskret bis "Wir bauen dann mal ein Mausoleum" gehandhabt. Der Begriff des "Heimigrabes" geisterte immer herum und manchmal war da auch wirklich nur der angenagelte Löffel gemeint. Aber da es keine feste Definition dafür gab, schuf die gelangweilte Soldatenseele bisweilen die kühnsten Gebilde. Aber es wurde auch immer so angelegt, dass wir, die "Buckels" (Tagesäcke etc.), diese Gräber nicht oder nicht allzuschnell finden. Also, falls Ihr auf die Jagd danach geht: Viel Erfolg nach 20 Jahre lang wuchernder Natur!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#14

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 14:17
von sentry | 1.077 Beiträge

Zitat von Rainman2
Also, falls Ihr auf die Jagd danach geht: Viel Erfolg nach 20 Jahre lang wuchernder Natur!



Neee...ich hätte ja nur mein eigenes gesucht, wenn ich denn eines angelegt hätte. Und das hätte ich natürlich ingenieurmäßig über eine Kreuzpeilung im Gelände vermarkt, damit ich es im Falle des Mauerfalles hätte wiederfinden können.

Wenn einer mehr Konjunktiv in so wenig Text unterbringt, gebe ich 'n Bier aus

Aber nur für den ersten


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#15

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 18:08
von Luchs (gelöscht)
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Zitat von sentry

Zitat von Rainman2
Also, falls Ihr auf die Jagd danach geht: Viel Erfolg nach 20 Jahre lang wuchernder Natur!



Neee...ich hätte ja nur mein eigenes gesucht, wenn ich denn eines angelegt hätte. Und das hätte ich natürlich ingenieurmäßig über eine Kreuzpeilung im Gelände vermarkt, damit ich es im Falle des Mauerfalles hätte wiederfinden können.

Wenn einer mehr Konjunktiv in so wenig Text unterbringt, gebe ich 'n Bier aus

Aber nur für den ersten




In Antwort auf:
Hätte, hätte, hätte, könnten'se sich nich anständig ausdrücken!


Krieg ich jetz 'n Bier?

Viele Grüße
Micha


zuletzt bearbeitet 15.10.2009 18:10 | nach oben springen

#16

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 18:12
von Pitti53 | 8.787 Beiträge

haste dir verdient


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#17

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 18:58
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Hallo,
Heimi sagt mir auch nix.
Bei uns geb es die "Gängerzigarre" und die "Postenverwöhnung"
In der letzten Schicht gab es für den Posten die "Postenverwöhnung".

Schokolade, Pralinen etc.
Der PF und EK schleppte nat. auch die Verpflegungstasche - keine Frage.
Der Posten wurde von Anfang bis Ende verwöhnt.
Ich hatte als letzte Schicht eine EK-EK Schicht und mir war danach einfach nur schlecht.

Dann gab es noch die "Gängerzigarre".
Die mußte nicht schmecken, aber sie mußte teuer und in einem Glasrörchen sein.
Hatte man die letzte Schicht in einem LO - hatte man die A.- karte.

Die Zigarre wurde nat. bei geschlossenen Fenster geraucht.
3 Gefreite - 3 Zigarren - wenn die die Scheibe geöffnet hätten, wäre warscheinlich ein Löschzug des BGS angerückt.

Zurück zum Fußvolk.
Die leeren Glasrörchen wurden dann mit einem kleinen Spruch vergraben.

Rainman - wenn ihr die gesucht und vernichtet habt, dann wart ihr ja richtig böse

Egal - die meisten liegen noch.

So war das beim Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
zuletzt bearbeitet 15.10.2009 19:00 | nach oben springen

#18

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 21:06
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Auf meinen Erkundungen entlangs der alten Grenze habe ich leider in diese Art nichts gefunden,bzw
auch nicht besonders darauf geachtet,so das mir vieleicht hier was durch die Lappen gegangen ist.



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#19

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 21:19
von Rainman2 | 5.757 Beiträge

Zitat von Oss`n
...Rainman - wenn ihr die gesucht und vernichtet habt, dann wart ihr ja richtig böse


Hallo Oss'n,

was macht man nicht alles, wenn man einer Sache im Prinzip hilflos gegenüber steht. Interessant für uns als Vorgesetzte war immer, wie sich unsere Vorgesetzten zu bestimmten Reaktionen unsererseits verhalten würden. Da hat man immer ein wenig gerätselt. Da ging man gegen etwas vor und schon konnte das falsch sein. Also ließ man es laufen und schon war auch das falsch. Ich nehme mal an, dass sich das in den Führungsebenen über uns auch nicht anders gestaltete. Also machte man Dinge, die man notfalls als Aktion gegen z.B. die EK-Bewegung melden konnte. War das gerade nicht in Mode, war es halt nur das Signal nach unten: Jungs - alles lassen wir auch nicht durchgehen.

Kann man das auch kürzer sagen? Ja: Eigentlich standen wir der Sache ziemlich konzeptionslos gegenüber.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#20

RE: Heimigräber

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 15.10.2009 22:53
von werraglück | 679 Beiträge

Hi,

ich war dieser Tage wieder auf Spuren-und Pilzsuche und mußte wieder mal jenen Baum fotografieren...passt gerade gut zum Thema, auch diverse Überbleibsel der Gourmetgrenzer fand ich zwischen Vitzeroda und Oberzella....übrigens, vor noch wenigen Jahren war diese Uniform fast noch vollständig am Baum.

Ich finde nur das Foto nicht, leider!


"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Ge­genwart nicht verstehen und die Zukunft nicht ge­stalten"

ROMAN HERZOG
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