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Meine Blitzflucht aus der DDR

in Presse Artikel Grenze 23.09.2008 07:28
von Angelo | 12.397 Beiträge

Sie hatte eine behütete Kindheit, eine schöne Jugend und eine tolle Karriere als Schauspielerin vor sich. Trotzdem wollte Anja Kling (heute 38) weg vom Sozialismus. Fünf Tage vor dem Mauerfall 1989 wagte sie mit ihrer Schwester Gerit eine Blitzflucht aus der DDR in den Westen.

"Meine Schwester stand plötzlich vor der Tür und sagte: Ich gehe", erinnert sich der TV-Star. Blitzschnell ging es der Potsdamerin durch den Kopf: "Meine Schwester geht. Meine Eltern werden ganz sicherlich bleiben." Um 17 Uhr entschieden die Klings, die DDR zu verlassen, und um 19 Uhr saßen sie in ihrem Trabi Richtung tschechische Grenze.

Anja und Gerit landeten heil im Westen – zunächst in einem Auffanglager im bayerischen Schwanendorf. Was beiden gelang, klappt im neuen Sat.1-Zweiteiler "Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen" (6./7. Oktober, 20.15 Uhr) nicht. Katja Schnell (Anja Kling) und ihr sechsjähriger Sohn werden an der ungarischen Grenze geschnappt.

Getrennt von ihrem Kind erlebt sie im Stasi-Knast Berlin-Hohenschönhausen die Hölle. Repressalien und Demütigungen sollen sie zermürben. Die Brutalität der DDR-Volkspolizei erlebte die Schauspielerin ("Die Affäre Semmeling") im Wende-Herbst hautnah mit. "Ich war mit Leuten von der Staatsoper auf einer Demo. Plötzlich wurden Wasserwerfer von allen Seiten eingesetzt – grausam!"

Von den Foltermethoden in Stasi-Gefängnissen erfuhr Kling erst beim Dreh zum Sat.1-Film. Sie hatte Matthias Meister als Berater. Er saß fünf Monate in Hohenschönhausen. Seine Erzählungen von damals erschütterten sie sehr: "Die Szenen, die wir teilweise in einer echten Gummizelle drehten, waren schrecklich für mich. Darin hält man es nicht länger als drei Minuten aus."

Vom Mauerfall hörte sie dann in Bayern: "Die erste Reaktion war pure Sprachlosigkeit." Heute gehören die 19 Jahre DDR genauso zu ihrem Leben wie die 19 Jahre Bundesrepublik: "Natürlich ist die zweite Hälfte meines Lebens freier."


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