#61

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 08:18
von Danny_1000 | 166 Beiträge

Zitat von Feliks D.
.......
Warum da teilweise jemand eingesperrt wurde, ok das war oft falsch und da brauchen wir auch nich weiter reden.
.....



Genau Felix, und ich korrigiere: Es war sehr oft falsch, um bei deiner Wortwahl zu bleiben. In den Stasiknästen saßen Tausende von Menschen also zu Unrecht, nicht mehr und nicht weniger. Das ist der springende Punkt !

Und deshalb finde ich es gegenüber den Opfern einfach nur geschmacklos, auf welche Art der eine oder andere hier diese Menschen heute als Lügner hinstellt.

Gruß
Daniel


Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
(Voltaire frz. Philosoph 1694 - 1778)
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#62

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 08:37
von Mongibella (gelöscht)
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Zitat von Danny_1000

Zitat von Feliks D.
.......
Warum da teilweise jemand eingesperrt wurde, ok das war oft falsch und da brauchen wir auch nich weiter reden.
.....



Genau Felix, und ich korrigiere: Es war sehr oft falsch, um bei deiner Wortwahl zu bleiben. In den Stasiknästen saßen Tausende von Menschen also zu Unrecht, nicht mehr und nicht weniger. Das ist der springende Punkt !

Und deshalb finde ich es gegenüber den Opfern einfach nur geschmacklos, auf welche Art der eine oder andere hier diese Menschen heute als Lügner hinstellt.

Gruß
Daniel




Ja genau Daniel....wobei aber auch einzelne, zB Feliks, versuchen noch ziemlich sachlich zu sein....aber einige die ich hier gelesen habe, haben mich einfach nur ganzschön erschreckt....

....klar gibt es die verschiedenste Länder und ich will auch garnich behaupten, das es nich auch heute noch Länder gibt, in denen es Gefangene besser oder schlechter haben als damals in der DDR....aber ich glaube, da müssen wir garnich vergleichen....

....in der DDR sassen (sehr) oft Menschen zu unrecht im Stasiknast, Punkt!! Viele davon haben mit schlimmen Traumatas zu tun....völlige Isolation ist menschenunwürdig....die Umstände warum jemand in die Fänge der Stasi kam, waren fadenscheinig....usw...usf....die Stasiakten von Betroffenen sagen viel aus, Augenzeugenberichte sind alles andere dann aus den Fingern gesogen....

....das Berichte von Augenzeugen und deren Vernehmer und Schliesser meist unterschiedlich sind, kommt durch die verschiedenen Perspektiven....

An alle, lasst uns weiterhin sachlich bleiben und aufarbeiten....dazu sind wir wohl alle hier....

Mara


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#63

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 08:40
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Ja ok, da stimme ich dir zu und da sind wir auch einer Meinung.


Trotzdem muss man bei Tatsachen wie der Unterbringung, Behandlung und auch beim Ablauf der U-Haft bei der Wahrheit bleiben. Genau darum gehts doch aber hier, niemand bestreitet die Haft als solche und auch das viele (nicht alle) aus heutiger Sicht unschuldig gesessen haben wird nicht pauschal bestritten, aber wenn ich dann Schilderungen über die Haftbedingungen künstlich aufputsche, Details weglasse, andere Sachen übertreibe und teilweise auch echt Unwahrheiten (Aufschriften der Transporter, nicht wissen wo man ist, keine Belüftung, stundenlanges fahren usw.) in Umlauf bringe, dann ist bei allem Respekt vor den Opfern doch wohl auch eine Klarstellung erlaubt.

Eine UHA des MfS war kein FDGB-Ferienheim und das sollte sie auch nie sein, jedoch war sie (meistens) besser als die des MdI. Größter Nachteil für den Insassen war die Isolation, aber dann hören die Schauermärchen auch schon auf.

In der Anfangszeit bis so ca. 1965 waren die Verhältnisse sicher auch noch ganz andere, aber gerade ab 1980 waren die Verhältnisse wesentlich besser und es gab einheitliche Vorschriften die auch eingehalten wurden.

In der BV Neubrandenburg war die UHA bis zur Indienstnahme der neuen UHA am Sitz der BV NB(1985) in Neustrelitz (wie früher auch die BV bis 1980/81). Die UHA in Neustrelitz war ein ziemlich altes Bauwerk aus der Jahrhundertwende und dort waren die Haftbedingungen (Unterbringung --> nicht Behandlung) wirklich nicht sehr gut. Dies lag aber auch daran, das der Neubau in NB bereits geplannt war und daher keine größeren Mittel mehr für die Modernisierung der UHA in NZ aufgewendet wurden. Diese wurde dann auch geschlossen.

Als dann in NB die neue UHA fertig war, stand ein neues modernes Gebäude zur Verfügung, dass sogar mit einer kompletten moderner medizinischer Station ausgestattet war.
Hier wurden die "Kunden" weder gefoltert noch Menschenunwürdig untergebracht, ganz das Gegenteil war der Fall.

Als Gegensatz dazu die "normale" Haftanstalt des MdI in Neutrelitz. Diese stammte noch aus Kaisers Zeiten und dementsprechend waren auch die Anlagen, Zellen usw., also absolut nicht dem Vergleich mit der UHA des MfS in NB gewachsen.

Sicher gab es Unterschiede zwischen den UHA's der einzelnen BV's, die in HRO war auch sehr gut aber es gab sicher auch noch ältere.

Die pauschale Verteufelung und die bewußt falsche Darstellung von Haftbedingen in der Abt. XIV kann und werde ich jedoch nicht gelten lassen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 14.10.2009 09:20 | nach oben springen

#64

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 09:27
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von manudave
Und genau das ist es:

"...wie in jedem anderen Knast der Welt"

Das waren sie nunmal nicht - kauf dir mal ein paar Bücher, wo Opfer (und das waren zehntausende) über die "Erlebnisse" berichten:

LÜGEN DIE ALLE ???? HABEN DIE SICH ALLE ABGESPROCHEN ??? ÜBERTREIBEN DIE ALLE ???

Mensch, les doch mal selbst, was du hier los lässt

Mann o Mann...


@manudave, du darfst ruhig wieder runter kommen und zur sachlichkeit zurückfinden...

bundesdeutsche diplomaten, auch diplomaten der usa, gb und anderer länder besuchten ihre mandanten in der u-haftanstalt des mfs in der magdalenenstrasse. was glaubst du wäre los gewesen vor der uno, wenn es dort berechtigte beschwerden über die u- haftbedingungen gegeben hätte?
interessant ist für mich in diesem zusammenhang, dass bundesdeutsche diplomaten ihre mandanten anschliessend in bautzen nicht vergaßen und auch "versorgten". während amerikanische diplomaten (und dienste) scheinbar sich nicht kümmerten...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#65

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 09:32
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Zitat von turtle
Ich kann das alles nicht mehr lesen, wie ehemalige Stasileute verharmlosen. Man merkt Ihnen die geschulte Agitation an! Die Stasi wird schön geredet und es wird versucht ehemalige Opfer des Systems weil die Erinnerungen schwinden als unglaubwürdig hinzustellen! Mit sehr guten Hintergrundwissen über ihre Ex-Organisation sammeln sie Pluspunkte. Gelernt ist gelernt sie sind gute Schreiber! Argumentatorisch ist es nicht einfach ihnen beizukommen .Zu Unterlagen, oder Archiven können sie wahrscheinlich schnell zugreifen um Ihren Beitrag in Ihrem Sinn zu untermauern. Nun frage ich mich ernsthaft ob ich mir das noch lange antun werde in diesem Forum zu bleiben. Ich kann natürlich ihre Beiträge ignorieren ,da ich nicht den Eindruck habe sie dienen der Aufarbeit sondern der Rehabilitierung
des MfS. Wer nie etwas mit der Stasi zu tun hatte mag ja wirklich denken die Ex Mitarbeiter des MfS sind liebe Jungs die hier aufklären wollen .Wer mit Ihnen zu tun hatte ist nicht so blauäugig. Schon einmal vom Wolf im Schafspelz gehört ? Ich habe nichts gegen Ex-Mitarbeiter des MfS hier im Forum welche sachlich bleiben! Aber Negatives über die Stasi mit lächerlichen wie ach die bööööse schtasie zu kontern oder sogar den Stasiknast schönzureden ist doch das Letzte!




Gut gebrüllt Löwe.
Auch ich denke über einen Rückzug aus dem Forum nach. Na ja, wird wahrscheinlich noch weniger interessieren, als wenn in China ein Fahrad umfällt. Aber egal, ich habe eine "Einstellung" die es mir schwer macht diese ständige technisch bürokratische "Haarspalterei" zu ertragen.
Ich streite mich gerne mit x oder y, auch über Detailfragen aber sicher nicht wenn ich das Gefühl im Hinterkopf habe x oder y geht es nicht um das Gespräch von Mensch zu Mensch, sondern um pure Agitation. Hierfür letztlich noch den Handlanger zu machen, nee so nich!


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#66

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 09:33
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Oss`n
Warum - ja warum denn.
Ich habe nicht alle Beiträge zu Hohenschönhausen gelesen - ich war dieses Jahr selber dort und habe eh meine eigene Meinung.
Wobei das nicht heisen soll, das ich mich nicht eines besseren belehren lasse.
Warum denn - warum stellen sich nicht Wärter oder ehem. Vernehmer den Fragen der Besucher ?
Wenn doch das wenigste stimmt, was ehem. Häftlinge erzählen - wenn doch so vieles ganz anders war.
Kein ehem. Vernehmer stellt sich der Sache.
Theoretisch könnte immer ein Vernehmer und ein ehem. "Insasse" eine Führung leiten.
Alles Theorie.
Entweder man glaubt den ehem. Gefangenen oder ihren Wärtern.
Oder man bildet sich seine eigene Meinung aus beiden Aussagen.
So halte ich das.



@oss´n, weil man dort vort ort nicht an einer sachlichen geschichtsaufarbeitung interessiert ist. diese leute, auch der ehem. leiter der u-haftanstalten, haben dort hausverbot. auch bei normalen hinterfragen mancher aussagen droht dieses. das beispiel wurde hier im forum schon erzählt...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#67

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 09:47
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

@ Turtle, Wolfgang

Was wollt ihr eigentlich????

NIEMAND hier bestreitet das es grobes Unrecht gab
NIEMAND hier sagt das war alles richtig was wir gemacht haben
NIEMAND hier sagt es war angenehm gar erholsam in einer UHA
NIEMAND hier verhöhnt die Opfer
NIEMAND will genau die gleichen Verhältnisse wieder


Aber genauso denke ich doch NIEMAND will hier Übertreibungen, Unwahrheiten und ähnliches. Wenn es ehrliches Interesse an den UHA's des MfS gibt dann bitte sachlich und auch entsprechend den Tatsachen. HSH war nicht die einzige UHA des MfS und das in einer "Gedenkstätte" immer die schlimmsten und publikumswirkungsamsten Tatsachen dargestellt werden um abzuschrecken sollte aber auch euch klar sein, genauso wird auch in Berichten über das Thema verfahren. Berichte das schlimmste und alle sind abgeschreckt. Dabei wird übertrieben und auch gelogen, ob es euch paßt oder nicht.

Sollte das Interesse aber gar nicht in diese Richtung gehen sondern lediglich dahin das MfS pauschal zu verurteilen und als schlecht hinzustellen, ok dann aktzeptiere ich dieses. Aber dann können wir das Thema hier schließen, eure Meinung ist dann vorgebildet und Fakten zu dem Thema von uns sind eh nur Revanchismus und gelten nichts.


Also was wollt ihr???




Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 14.10.2009 09:51 | nach oben springen

#68

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 09:56
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Mal mein Resümee zu dieser Frage auf Grundlage meiner Kenntnislage:

-Mir sind (wenige) Angaben ehem. MfS-U-Haft-Gefangener bekannt, die nicht der Wirklichkeit entsprachen.
-Mir ist bekannt, daß die Verhörer des MfS in Potsdam gelernte Methoden zur Anwendung brachten, von denen bekannt war, daß diese Methoden bei den U!!!-Häftlingen traumatische Spätfolgen haben werden, die sie zukünftig nie wieder los werden.
-Mir ist bekannt, daß die allermeißten dieser U-Häfftlinge auf Grundlage der Uno-Konventionen, der allgem. Erklärung der Menschenrechte und der Schlußakte von Helsinki zu Unrecht eingesperrt wurden. Ihre Behandlung ist daher Unrecht in einem Unrechtsstaat.

Anmerkung:
Das Häftlinge (nach meinen Erfahrungen) vereinzelt unrichtige, überzogene Angaben zum Verlauf ihrer U-Haft machten, erkläre ich mir mit der systematischen Zersetzung ihrer Psyche durch geschulte MfS-Verhörer. Unrichtige Behauptungen wurden inzwischen korregiert. Die Betroffenen, die ihre Opfer-Vergangenheit aufarbeiten und nicht "vergessen können", haben dabei (trotz vereinzelt erfolgter Falschdarstellungen von Vorgängen) mein vollstes Verständnis....


zuletzt bearbeitet 14.10.2009 10:01 | nach oben springen

#69

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 10:09
von Alfred | 6.841 Beiträge

FSK,

nur mal zum Verständnis.

Kannst Du bitte mal "allermeißten" genauer definieren ?!

Wer, was , fiel denn unter diesen Begriff.

Übrigens, wir sprechen hier von U - Haft....

Danke.


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#70

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 10:33
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Hallo Alfred,
die entsprechenden Passagen aus UNO-Konvetionen etc. habe ich in diesem Forum bereits bei einer früheren Diskussion hinterlegt. Vergleicht man diverse "Delikte", die den U-Häftlingen vorgeworfen wurden, so waren sie nach den von der DDR unterzeichneten internationalen Verträgen und Erklärungen nicht strafbar.

In der Würdigung der Inhaftierungsgründe in der DDR z.B. wegen einer freien Meinungsäußerung auf dem Alex (...die auf einem Bett-Tuch lediglich aus einem bloßen Zitat eines Paragrafen der UNO-Menschenrechtserklärung besteht....), handelte die DDR in etwa so, als wenn ein Mensch inhaftiert wird, weil er sagt: "..das Wasser ist klar...".

Zu den defizielen Methoden der MfS-Peiniger hier eine genauere Betrachtung, was denn die kleinen MfS-"Schützlinge" in Potsdam-Eiche eigentlich so wißbegierig und eifrig gelernt haben...

In Antwort auf:
...einem eigens geschaffenen Studienfach, der so genannten „Operativen Psychologie“.
An der Juristischen Hochschule Potsdam-Eiche wurden wissenschaftliche
Erkenntnisse aus Allgemeiner, Sozial- und Klinischer Psychologie
gezielt zweckentfremdet. Hier lernten die Studenten die destruktive Wirkung
bestimmter Haftbedingungen; hier verfassten sie detaillierte Doktorarbeiten
über die Effektivität psychologischer Verhörtechniken. Ziel der geheimen
Forschung und Lehre war es, die Persönlichkeit des Häftlings durch psychische
„Zersetzung“ grundlegend zu destabilisieren, um in den Vernehmungen
Aussagen und nach der Entlassung Gehorsam zu erzwingen.

Destabilisierungs-
bzw. „Zersetzungs“-Maßnahmen bezogen sich auf das berufliche Umfeld
(Zufügung beruflicher Nachteile und Misserfolgserlebnisse), das persönliche
und familiäre Umfeld (Einwirkung auf Partnerschaft, Ehe, Freundeskreis)
und führten nicht selten zur Zerstörung grundlegender Beziehungserfahrungen.
(Siehe dazu auch den mehrfach ausgezeichneten Film „Das Leben
der Anderen“ von F. Henckel von Donnersmarck.) Auf betroffene Personen
wurde, je nach ermitteltem Persönlichkeitsprofil, gezielt irritierend eingewirkt,
wobei zunächst der Eindruck der beabsichtigten totalen Kontrolle und
Überwachung im Vordergrund stand.

Andere Charaktere, die dieser Behandlung
widerstanden, wurden mit so genannten „Schockverhaftungen“ destabilisiert;
hier wurde mehr auf das Überraschungsmoment gesetzt.
Innerhalb der berüchtigten Untersuchungshaftanstalten der Staatsicherheit
stand dann die Isolationshaft mit bestimmten Verhörmethoden im Zentrum
(Morawe 2000). In der Isolationshaft wurden Gefangene in eine kahle
Zelle, zwei mal drei Meter, schallisoliert und ohne Fenster gesperrt. Tag und
Nacht brannte grelles Neonlicht. Außer einer Pritsche mit einer Wolldecke
und einem stinkenden Kübel gab es in der Zelle nichts, auch keinerlei Beschäftigungsmöglichkeit.
Die Regeln waren: absolute Kontaktsperre nach
draußen, Liegen auf der Pritsche nur nachts, keine Selbstgespräche, keine
sportliche Betätigung, maximal fünf Schritte gehen in jede Richtung. Durch
einen „Spion“ in der Tür konnten Wärter das Verhalten jederzeit kontrollieren.
Die Gefangenen waren der völligen Reizdeprivation preisgegeben. Je
nach persönlicher Disposition können bereits nach 48 Stunden Isolation deutliche
Symptome auftreten: Verlust des Raum- und Zeitgefühls, Unvermögen,
logisch zusammenhängend zu denken, Apathie, Depression, plötzliche Panikattacken
bis hin zu schweren Halluzinationen. Ohne Sinnesstimulation aus der
Umwelt droht für das Individuum die Gefahr, dass die Grenzen des Ichs verschwimmen.
Auf diese Erfahrung reagierten viele Gefangene mit Angstzuständen
oder völliger Resignation.

Außerdem sind medikamentöse
Manipulationen in der Haft bekannt. Manchmal mussten Gefangene so
wochenlang auf ihr Verhör warten. Der einzige menschliche Kontakt war eine
bedrohlich starrende, anonyme Pupille durch das Überwachungsloch.
176 Zeitschrift für Politische Psychologie, Jg. 14, 2006
Dieser gezielte Entzug von menschlichem Kontakt hatte System. Auch auf
den Wegen zum Verhör wurde durch ein strenges Kontrollsystem darauf geachtet,
dass die Gefangenen keinen anderen Gefangenen zu Gesicht bekamen.
Viele Gefangene berichteten, sie hätten nach einiger Zeit in quälender Weise
begonnen, sich nach Verhören zu sehnen. Bei manchen sei es auch zu einer
gewissen inneren Annäherung an die Peiniger gekommen. In Situationen wie
diesen prägt sich durch die völlige Undurchschaubarkeit und den hohen Bedrohungsdruck
das Bild des Subjekts in einer hilflosen, ungeschützten Verfassung
ein. Das gesunde Assimilationsvermögen kann angesichts solcher extremen
Bedrohung zusammenbrechen.


In der Folge ist bei vielen Verfolgten ein Vorgang zu beobachten, der in
der psychoanalytischen Auseinandersetzung mit dem Verfolgtentrauma
„Reinfantilisierung“ genannt wird (Ehlert, Lorke 1988, Ehlert-Balzer 1996).
Danach wird der Betroffene durch die massive Hilflosigkeitserfahrung in eine
Situation versetzt, die Ähnlichkeit mit der totalen Abhängigkeit von den Primärobjekten
der frühen Kindheit hat. In dieser traumatischen Regression
kommt es zur Delegation lebenswichtiger Ich-Funktionen an die Täter und zu
einer unbewussten Bindung an sie. Allerdings ist an diesem Modell und seinen
praxeologischen Konsequenzen auch deutliche Kritik geübt worden
(Reddemann, Sachsse 1998). So hebt auch Regner (2000) hervor, dass es zu
partiellen traumatischen Regressionen kommen kann, aber nicht muss, und
dass auch reife, resiliente, protektive Persönlichkeitsanteile existieren, die von
diesem Prozess nicht oder nur wenig angegriffen werden.
Inzwischen ist bekannt, dass zu den Risikofaktoren für eine chronifizierte
Ausformung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) die Verursachung
durch Menschen zählt (Siol et al. 2001, S. 43).

Entsprechend wurden
in der Stasi-Haft bewusst Situationen der Ausweglosigkeit kreiert und das Gefühl
extremer Hilflosigkeit erzeugt. Dieses Vorgehen wurde mit staatsideologischen
und pseudo-moralischen Abwertungen der verfolgten Person kombiniert.
Damit sollten persönliche Beziehungsmuster dauerhaft verändert und
der Glaube an die eigene Wahrnehmung verstört werden. So wurden gezielt
Falschinformationen über nahe Personen aus dem persönlichen Umfeld gestreut,
Verunsicherungen über bisher als sicher vermutete Inhalte sozialer Bezüge
in Frage gestellt: „Glauben Sie wirklich, dass Ihre Freundin treu ist? Ihre
Mutter ist aufgrund der Vorkommnisse um Sie suizidgefährdet!“ u.a.



Quelle:
http://www.ai-aktionsnetz-heilberufe.de/...es/trobisch.pdf


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.10.2009 10:38 | nach oben springen

#71

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 10:38
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Feliks D.
Von Feliks D.
Trotzdem muss man bei Tatsachen wie der Unterbringung, Behandlung und auch beim Ablauf der U-Haft bei der Wahrheit bleiben. Genau darum gehts doch aber hier, niemand bestreitet die Haft als solche und auch das viele (nicht alle) aus heutiger Sicht unschuldig gesessen haben auch nicht, aber wenn ich dann Schilderungen über die Haftbedingungen künstlich aufputsche, Details weglasse, andere Sachen übertreibe und teilweise auch echt Unwahrheiten (Aufschriften der Transporter, nicht wissen wo man ist usw.) in Umlauf bringe, dann ist bei allem Respekt vor den Opfern doch wohl auch eine Klarstellung erlaubt.

Natürlich hast Du das Recht Stellungsname zu Unwahrheiten zu nehmen, genau wie jeder andere User im Forum. Wenn ich allerdings lese das Haftopfer lieber im Stasiknast bleiben wollten ,und nicht in den normalen Strafvollzug wechseln wollten klingt das für mich nicht gerade glaubwürdig. Das ist es was ich meine mit schönreden! Viele tausende ehemalige Häftlinge erzählen eine andere Geschichte von den Haftbedingungen ! Auch nach 1980!
Ich denke was ich über meine Haftzeit geschrieben habe dürfte sachlich gewesen sein ,zumindest habe ich das versucht ! Eine Unwahrheit kann ich bisher in meinen Schilderungen nicht feststellen! Da meine Haftzeit 1964/1965 war kann ich auch nur diese Zeit wiedergeben!
Und wie Du selber eingestehst war damals eine schlimmere Situation in den Haftanstalten. Zeitungen zu bekommen oder sogar welche bestellen habe ich nie erlebt! Dafür total veraltete Anstalten wie Untermaßfeld da musste man noch kübeln ! ( d.h. in den Eimer schei….)
Die Behandlungen durch das Gefängnis Personal oder bei meinen Vernehmungen war oft menschenunwürdig!
Ich habe in meinem Beitrag nicht Gibert Wolzow im speziellen angegriffen ,und Bunkerkommandant schon gar nicht! Ich habe jedoch manchmal den Verdacht ich habe das hier mit einer Zusammenarbeit einiger ehemaligen MfS Mitarbeiter zu tun. Natürlich kenne ich die Antwort!
Ich möchte nur noch in Erinnerung rufen tausende ausgewertete Unterlagen aus den Archiven sprechen eine andere Sprache . Wahrheit ja was ist denn die Wahrheit? Will man die überhaupt sehen? Bequem ist die Wahrheit oft nicht!
Gruß Peter(turtle)



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#72

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 10:50
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@turtle, ich würde gerne auf deinen o.g. beitrag antworten, glaube aber, dass wir das ganze thema weiter hochkochen...
daher meine frage an, antworten oder nicht antworten und damit das thema zum abschluss bringen?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#73

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 11:04
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
@turtle, ich würde gerne auf deinen o.g. beitrag antworten, glaube aber, dass wir das ganze thema weiter hochkochen...
daher meine frage an, antworten oder nicht antworten und damit das thema zum abschluss bringen?



Hallo Gilbert,
Ich denke Du hast recht ich möchte auch nichts weiter hochkochen! Im Moment möchte ich erst einmal meine Emotionen runterfahren ! Trozdem an einer Antwort von Dir wäre ich interessiert. Das geht auch durch pers.Nachricht!
Damit verabschiede ich mich von diesem Thema!Was ich sagen wollte ist gesagt.
Gruß Peter(turtle)


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#74

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 11:11
von CaptnDelta (gelöscht)
avatar

Zitat von FSK-Veteran
http://www.ai-aktionsnetz-heilberufe.de/aktuelles/trobisch.pdf

Aehnlicher Bericht wie der von FSK-Veteran: http://www.berlin.de/imperia/md/content/...5_web.pdf?start

"Wo ich 7 Monate gewesen bin und wie man diese Einrichtung nannte, habe ich erst Jahre später in der Strafhaft erfahren, als ich mit anderen Gefangenen zusammenkommen durfte."

-Th


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#75

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 11:48
von Mongibella (gelöscht)
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Hmmm, Arbeit sollte ja Spass machen, ich mag zB meinen Job....wie war es eigendlich bei euch, die ihre Arbeit im MfS hatten.....seid ihr gerne zur Arbeit gegangen, war man zufrieden wenn man abends nach getaner Arbeit ins Bett ging....???

Ihr ward doch geschult, Menschen zu zersetzen, hatte man dort schonmal Gewissenskonflikte weil man ja weiss, was man dort Menschen zufügt....???? Oder betrachtete man diese Menschen als Unwesen mit den man machen konnte was man wollte....

....wie sah eure emotionale Situation aus....hatte man es schwer, das Erlebte einen Platz zu geben oder dachte man da nich weiter drübber nach....????

Es interessiert mich, will darüber aber keine Wertung loslassen....auch muss sich niemand von euch gezwungen sehen, darüber etwas zu schreiben aber ich denke, das jeder Mensch nachdenkt über das was ihn als Tätigkeit aufgetragen wird....darum....

groetjes

Mara


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#76

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 11:51
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Sehr interessant!! Habe bis eben drin gelesen. Die konkreten Aussagen der einzelnen Beschuldigten halte ich für sachlich und glaubwürdig.

Danke Capt´n, kannte ich noch nicht!


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#77

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 11:54
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Mongibella

Ihr ward doch geschult, Menschen zu zersetzen, hatte man dort schonmal Gewissenskonflikte weil man ja weiss, was man dort Menschen zufügt....???? Oder betrachtete man diese Menschen als Unwesen mit den man machen konnte was man wollte....


@mara, glaubst du wirklich, das ich nach so einer behauptung deinerseits, bereit bin dir zu antworten?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#78

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 13:04
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Ich möchte gerne an dieser Stelle noch einmal Position beziehen für die ehem. Beschäftigten der staatlichen Organe der DDR.

Ich bin ja ein Freund deutlicher Worte. Es macht mir in der Diskussion regelrecht Spaß, eine Diktatur (egal welcher Farbe) durch Argumente, Erlebnisse oder Beispiele zu entlarven. Dabei sollte man kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es darum geht, das Wesen einer Diktatur kompromißlos zu beschreiben.

Auf der anderen Seite bin ich nicht Der, der den Stab bricht über die ehemaligen Beschäftigten. Ich gehe davon aus, daß die absolute Mehrzahl aus Überzeugungsgründen (oft auch im Verbund mit einem Karrierestreben) gehandelt hat. Welchen Vorwurf habe ich einem jungen Mann zu machen, der in Stendal oder Schwerin (vielleicht geformt durch sein komunistisches Elternhaus) der Ansicht ist, aus innigester Überzeugung einer guten, humanen Sache zu dienen?

Monigbella´s Frage ist für mich daher eine Frage, die man nur mit dem Hinweis auf eine "individuelle Schuld" (bzw. die individuelle Biographie) beantworten kann. Jemand, der in Potsdam Eiche begeistert gelernt hat, wie man Ausreisewillige zersetzt (und psychisch so deformiert, daß sie nie wieder eine Lebenszufriedenheit erfahren werden), ist bei der Hinterfragung der eigenen Persönlichkeit anders gefordert, als der MfS-Angestellte, der für die Überwachung für die Planerfüllung in der DDR zuständig war. Ganz abgesehen von irgendwelchen Eletrikern und Angestellten in den MfS-Objekten.....

Man sollte sich ansonsten stets hüten vor Schuldzuweisungen oder Vereinfachungen. Ich kann nur sagen, daß ich froh bin, nicht als Sohn eines überzeugten Nationalsozialisten in Gumbinnen (Ostpr.) oder als Sohn eines überzeugten Kommunisten in Görlitz (Niederschles.) aufgewachsen zu sein.

Dumm ist Derjenige, der ernsthaft glaubt, daß für diese Fälle sein Leben zwangsläufig als
-Widerstandskämpfer in die Geschichte des 20.Juli oder
-als Kämpfer in Geschichte der Bürgerbewegung der DDR
eingegangen wäre....

Jeder muß sich IMMER (auch heute) individuell fragen, ob er bisher in seinem Leben einigermaßen anständig geblieben ist.
Egal, wann und wo man lebte....


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.10.2009 13:15 | nach oben springen

#79

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 13:15
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von FSK-Veteran
Ich möchte gerne an dieser Stelle noch einmal Position beziehen für die ehem. Beschäftigten der staatlichen Organe der DDR.

Jeder muß sich IMMER (auch heute) individuell fragen, ob er bisher in seinem Leben einigermaßen anständig geblieben ist.
Egal, wann und wo man lebte....




Hallo mein lieber FSK- Veteran,

zum letzten Satz Deines Zitates:

In einem kurzen, knappen aber eindrucksvollen Satz alles gesagt!

Man muß Dir danken, danken im Namen aller, aller Opfer und auch einem gewissen Teil der "Täter", die dazu gemacht wurden...und daraus gelernt haben...!

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josy95


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#80

RE: Ehemaliger Häftling der Stasi-Gefängnis Berlin erzählt

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.10.2009 13:35
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

Zitat von FSK-Veteran
Ich möchte gerne an dieser Stelle noch einmal Position beziehen für die ehem. Beschäftigten der staatlichen Organe der DDR.

Ich bin ja ein Freund deutlicher Worte. Es macht mir in der Diskussion regelrecht Spaß, eine Diktatur (egal welcher Farbe) durch Argumente, Erlebnisse oder Beispiele zu entlarven. Dabei sollte man kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es darum geht, das Wesen einer Diktatur kompromißlos zu beschreiben.

Auf der anderen Seite bin ich nicht Der, der den Stab bricht über die ehemaligen Beschäftigten. Ich gehe davon aus, daß die absolute Mehrzahl aus Überzeugungsgründen (oft auch im Verbund mit einem Karrierestreben) gehandelt hat. Welchen Vorwurf habe ich einem jungen Mann zu machen, der in Stendal oder Schwerin (vielleicht geformt durch sein komunistisches Elternhaus) der Ansicht ist, aus innigester Überzeugung einer guten, humanen Sache zu dienen?

Monigbella´s Frage ist für mich daher eine Frage, die man nur mit dem Hinweis auf eine "individuelle Schuld" (bzw. die individuelle Biographie) beantworten kann. Jemand, der in Potsdam Eiche begeistert gelernt hat, wie man Ausreisewillige zersetzt (und psychisch so deformiert, daß sie nie wieder eine Lebenszufriedenheit erfahren werden), ist bei der Hinterfragung der eigenen Persönlichkeit anders gefordert, als der MfS-Angestellte, der für die Überwachung für die Planerfüllung in der DDR zuständig war. Ganz abgesehen von irgendwelchen Eletrikern und Angestellten in den MfS-Objekten.....

Man sollte sich ansonsten stets hüten vor Schuldzuweisungen oder Vereinfachungen. Ich kann nur sagen, daß ich froh bin, nicht als Sohn eines überzeugten Nationalsozialisten in Gumbinnen (Ostpr.) oder als Sohn eines überzeugten Kommunisten in Görlitz (Niederschles.) aufgewachsen zu sein.

Dumm ist Derjenige, der ernsthaft glaubt, daß für diese Fälle sein Leben zwangsläufig als
-Widerstandskämpfer in die Geschichte des 20.Juli oder
-als Kämpfer in Geschichte der Bürgerbewegung der DDR
eingegangen wäre....

Jeder muß sich IMMER (auch heute) individuell fragen, ob er bisher in seinem Leben einigermaßen anständig geblieben ist.
Egal, wann und wo man lebte....




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