#1

Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 10.10.2009 13:39
von Sauerländer (gelöscht)
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Doku mit Interviews von Kommandeuren der Grenztruppen
http://www.youtube.com/watch?v=BPBd_WsTo...03E7C2D&index=4


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#2

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 10.10.2009 13:52
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von Sauerländer
Doku mit Interviews von Kommandeuren der Grenztruppen
http://www.youtube.com/watch?v=BPBd_WsTo...03E7C2D&index=4



Und wo ist da der "Schießbefehl"?
Oder hab ich das übersehen/überhört!


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#3

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 10.10.2009 13:54
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Hi Sauerländer,
mir ist persönlich kein Grenzer bekannt der gerne schießen wollte.Am besten nur heil ohne geschoßen haben nach hause kommen.Aber eine Grenze ist ebend eine Grenze und jeder der sie bezwingen möchte weis dieses,also muß der Grenzer auch damit rechnen das ein Grenzverletzer nicht mit Sonnenblumen kommt,sondern evtl.mit einer MPi wie Weinhold.
Stell dir vor du gehst mal eben so von Mexico in richtung USA durch Minenfelder!Das ist legitim?Nein,Grenze bleibt Grenze.

Der vielberüchtigte Schießbefehl wie in Rambowfilmen berichtet nannte sich Schußwaffengebrauchsanweisung und die war klar Definiert.Es gab konkrete Ziele auf die gar nicht geschoßen werden durfte und wenn dann nur in Notwehr.Wir wurden 6 Monate gedrillt um Körperlich in der Lage zu sein jemanden Festzusetzen auch Fesseln ohne Seil am Baum lernten wir usw.es waren schon Spezialeinheiten.
Aber überall gibt es schwarze Schafe,auch heute.

andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#4

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 10.10.2009 13:58
von Sauerländer (gelöscht)
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Zitat von EK 82/2

Stell dir vor du gehst mal eben so von Mexico in richtung USA durch Minenfelder!andy



Meines Wissens gibt es an der Grenze Mexiko/USA keine Minenfelder.
Die Personen, die von Mexiko aus einwandern sind meist Leute, die in USA arbeiten wollen.

Gefährlich sind höchstens die Schleuser (die die Geschleusten auch schon mal ausrauben) und Drogenschmuggler, wie letztlich wieder berichtet wurde.


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#5

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 10.10.2009 14:08
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

sauerländer,
meine infos beruhen auf Daten von früher.Aber egal ob Minen oder nicht,es bleibt eine Grenze.Genauso wie ein Bankräuber auch ohne Waffe ein Bankräuber bleibt,die Polizei muß eine Waffe im Einsatz einbeziehen.So auch Grenzer,es ruft keiner der den Granzbereich betritt,hallo ich komme in friedlicher Absicht.Versetze dich mal in die Lage eines einfachen Grenzers der nur Ruhe haben will und Notfalls überleben,denn im ernstfall hatte er ja die Lage nicht verursacht,muste aber mit aller Gegenwehr rechnen.

Es durfte außerdem nur auf die Beine geschoßen werden nachdem ein ergreifen nicht möglich war.Vorher hatte Anrufen "Halt Grenzposten,Parole" danach Warnschuß in die Luft zu erfolgen.Dann erst gezieltes Feuer auf die Beine.

Wer etwas überlegt weis das(meine jetzt Grenze BRD/DDR unbeleuchtet Nachts und teilweise Wald,nicht Berlin)nach solch einer Aktion sich der Grenzgänger sofort duckt.Wo sind dann die Beine?Mann trifft also unschuldig den Bauchbereich.Aus heutiger Sicht denke ich immer noch,jeder Flüchtling hatte seine Chance zu überleben indem er stehen bleibt.

andy


andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
zuletzt bearbeitet 10.10.2009 14:24 | nach oben springen

#6

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 10.10.2009 14:36
von Sauerländer (gelöscht)
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Andy - mir steht es nicht zu zu werten.

Ich kann aber meine Meinung zu Dingen haben.

Deswegen versuche ich auch hier immer Informationen einzustellen, da ich und andere sicher mehr wissen wollen.
Ich versuche dabei immer nicht einseitig Partei zu ergreifen.
Jede Seite hatte ihren Standpunkt und von ihrer Sicht aus recht.

Die Vorgänge sind jetzt 20 Jahre her. Wichtig ist nicht zu werten, sondern sich zu erinnern und Informationen und Details zu bewahren, damit Geschichte nicht verfälscht wird und Vorgänge sich nicht wiederholen.

Zum Werten:
Ich war als 13jähriger in USA. Bei einem Besuch des Nachbarn war dort ein Mann, der mich fragte, ob ich aus Deutschland sei.
Als ich dem zustimmte, meinte er, daß er Jude sei.
Kannst Du mir nachfühlen wie ich mich nach 1 min. bewertet fühlte ?



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#7

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 10.10.2009 14:47
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Hi Sauerländer,
kann ich nachvollziehen.Auch ich versuche relativ legal gerecht zu bleiben in meiner Erinnerung,aber 1982 ist auch lange her.Selbst meine Kinder wissen wenig über früher weil sie in der Schule wenig ernsthaftes lernten und mit 16 das Haus verließen richtung BRD denn in Berlin ist Lehrstellennot.

Genauso versuchte ich mich damals immer in einen Flüchtenden zu versetzen in Gedanken,was wird er tun,wie wird er handeln,was würde ich an seiner stelle machen?Auch oft kam mir der Gedanke,50 Meter und alles ist vorbei,ich hatte mehrfach die möglichkeit ohne meinen Kameraden zu verletzen,aber man dachte dann an die Familie,was wird die Stasi mit denen machen und ausserdem gab es ja noch für die Stasi die Möglichkeit das man im Westen mal einen Autounfall hat oder so.

Auf jedenfall finde ich es super das wir heute offen unsere Meinung dazu sagen können,nicht jeder muß sie akzeptieren aber anhören sollte man sie sich.Undenkbar in der DDR.

andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#8

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 10.10.2009 21:44
von manudave (gelöscht)
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Zitat von EK 82/2
sauerländer,
meine infos beruhen auf Daten von früher.Aber egal ob Minen oder nicht,es bleibt eine Grenze.Genauso wie ein Bankräuber auch ohne Waffe ein Bankräuber bleibt,die Polizei muß eine Waffe im Einsatz einbeziehen.So auch Grenzer,es ruft keiner der den Granzbereich betritt,hallo ich komme in friedlicher Absicht.Versetze dich mal in die Lage eines einfachen Grenzers der nur Ruhe haben will und Notfalls überleben,denn im ernstfall hatte er ja die Lage nicht verursacht,muste aber mit aller Gegenwehr rechnen.

Es durfte außerdem nur auf die Beine geschoßen werden nachdem ein ergreifen nicht möglich war.Vorher hatte Anrufen "Halt Grenzposten,Parole" danach Warnschuß in die Luft zu erfolgen.Dann erst gezieltes Feuer auf die Beine.

Wer etwas überlegt weis das(meine jetzt Grenze BRD/DDR unbeleuchtet Nachts und teilweise Wald,nicht Berlin)nach solch einer Aktion sich der Grenzgänger sofort duckt.Wo sind dann die Beine?Mann trifft also unschuldig den Bauchbereich.Aus heutiger Sicht denke ich immer noch,jeder Flüchtling hatte seine Chance zu überleben indem er stehen bleibt.

andy


andy



Der Rote Passus wurde von einigen Grenzoffizieren bereits hier im Forum widerlegt. Vielmehr waren Schussübungen, um die Beine zu treffen, von höchster Stelle abgelehnt worden.

Hier wird der Flüchtling zum Täter gemacht. Der Täter ist der Staat, nicht der Flüchtling.




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#9

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 10.10.2009 21:50
von manudave (gelöscht)
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Zitat von EK 82/2
sauerländer,
meine infos beruhen auf Daten von früher.Aber egal ob Minen oder nicht,es bleibt eine Grenze.Genauso wie ein Bankräuber auch ohne Waffe ein Bankräuber bleibt,die Polizei muß eine Waffe im Einsatz einbeziehen.So auch Grenzer,es ruft keiner der den Granzbereich betritt,hallo ich komme in friedlicher Absicht.Versetze dich mal in die Lage eines einfachen Grenzers der nur Ruhe haben will und Notfalls überleben,denn im ernstfall hatte er ja die Lage nicht verursacht,muste aber mit aller Gegenwehr rechnen.

Es durfte außerdem nur auf die Beine geschoßen werden nachdem ein ergreifen nicht möglich war.Vorher hatte Anrufen "Halt Grenzposten,Parole" danach Warnschuß in die Luft zu erfolgen.Dann erst gezieltes Feuer auf die Beine.

Wer etwas überlegt weis das(meine jetzt Grenze BRD/DDR unbeleuchtet Nachts und teilweise Wald,nicht Berlin)nach solch einer Aktion sich der Grenzgänger sofort duckt.Wo sind dann die Beine?Mann trifft also unschuldig den Bauchbereich.Aus heutiger Sicht denke ich immer noch,jeder Flüchtling hatte seine Chance zu überleben indem er stehen bleibt.

andy


andy



Was?
Der Flüchtling war im Normalfall friedlich und wollte mit Sicherheit alles andere, als einem Grenzer an die Wäsche. Nur wurden die Soldaten durch irgendwelche Schauergeschichten oder Einzelfälle aufgeheizt.
Auch das findet man hier Dutzendfach im Forum.


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#10

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 10.10.2009 22:09
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

Zitat von manudave

Zitat von EK 82/2
sauerländer,
meine infos beruhen auf Daten von früher.Aber egal ob Minen oder nicht,es bleibt eine Grenze.Genauso wie ein Bankräuber auch ohne Waffe ein Bankräuber bleibt,die Polizei muß eine Waffe im Einsatz einbeziehen.So auch Grenzer,es ruft keiner der den Granzbereich betritt,hallo ich komme in friedlicher Absicht.Versetze dich mal in die Lage eines einfachen Grenzers der nur Ruhe haben will und Notfalls überleben,denn im ernstfall hatte er ja die Lage nicht verursacht,muste aber mit aller Gegenwehr rechnen.

Es durfte außerdem nur auf die Beine geschoßen werden nachdem ein ergreifen nicht möglich war.Vorher hatte Anrufen "Halt Grenzposten,Parole" danach Warnschuß in die Luft zu erfolgen.Dann erst gezieltes Feuer auf die Beine.

Wer etwas überlegt weis das(meine jetzt Grenze BRD/DDR unbeleuchtet Nachts und teilweise Wald,nicht Berlin)nach solch einer Aktion sich der Grenzgänger sofort duckt.Wo sind dann die Beine?Mann trifft also unschuldig den Bauchbereich.Aus heutiger Sicht denke ich immer noch,jeder Flüchtling hatte seine Chance zu überleben indem er stehen bleibt.

andy


andy



Was?
Der Flüchtling war im Normalfall friedlich und wollte mit Sicherheit alles andere, als einem Grenzer an die Wäsche. Nur wurden die Soldaten durch irgendwelche Schauergeschichten oder Einzelfälle aufgeheizt.
Auch das findet man hier Dutzendfach im Forum.





na so friedlich waren die nicht immer...da gibts genug beispiele.eben weil sie wußten was sie erwartet waren viele auf alles vorbereitet.das waren keine schauergeschichten manu.siehe weinhold.mein bester freun hieß übrigens auch so.hat sich hinter gegrämt den namen zu haben


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#11

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 11.10.2009 09:39
von manudave (gelöscht)
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Ab 1962 kamen im Durschnitt ungefähr 1.000 - 1.500 Flüchtlinge an die Grenze - und immer wieder taucht der Name Weinhold auf.
Das ist doch wohl ein verschwindend geringer Prozentsatz an gewaltbereiten Verbrechern (also auch nach dem BRD-Gesetz gesehen), meinst du nicht?

Ich denke diese Einzelfälle waren aber Wasser auf die Mühlen der Propaganda.


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#12

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 11.10.2009 10:01
von Zermatt | 5.293 Beiträge

In den Augen der DDR Führung war halt jeder Flüchtling oder Grenzverletzter ein
Dieb ,Gauner,Verbrecher,Krimineller...-so wurde es jedenfalls nach aussen dargestellt.



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#13

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 11.10.2009 10:10
von Danny_1000 | 166 Beiträge

Lothar Loewe – Journalist und einer der schärfsten Kritiker der DDR – hat es 1976 als ARD- Korrespondent in der DDR mal sehr zugespitzt formuliert.: „Hier in der DDR weiß jedes Kind, dass die Grenztruppen den strikten Befehl haben, auf Menschen wie auf Hasen zu schießen“
Daraufhin wurde er aus der DDR ausgewiesen..

Solch einen Befehl kannte ich zu meiner Zeit nicht. Und ich kann mich noch erinnern, dass ich damals als Grenzer in Berlin recht erbost über diese Zuspitzung war.

Allerdings habe ich auch den Vergatterungstext (Vor jedem Einsatz an der Grenze wurde man vergattert !) noch in den Ohren:

Auszug Dienstvorschrift 018/0/008 "Einsatz der Grenztruppen zur Sicherung der Staatsgrenze - Grenzkompanie“ Ausgabe von 1974:

Passage zur Vergatterung:
"Der Zug ..... sichert die Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Republik im Abschnitt der ....... Grenzkompanie mit der Aufgabe, Grenzdurchbrüche nicht zuzulassen, Grenzverletzer vorläufig festzunehmen oder zu vernichten und den Schutz der Staatsgrenze unter allen Bedingungen zu gewährleisten - Vergatterung!"

Und wenn ich nun heute das folgende Dokument lese, kann ich für mich feststellen: Irgendwie hatte der alte „Loewe“ damals – also 1976 – doch nicht ganz Unrecht mit seiner sehr zugespitzten Formulierung….

Auszug aus Protokoll der 45. Sitzung des Nationalen Verteidigungsrates der DDR, vom 3.5.1974
Zitat Honecker:

"Überall muß ein einwandfreies Schussfeld gewährleistet werden …; nach wie vor muss bei Grenzdurchbruchsversuchen von der Schusswaffe rücksichtslos Gebrauch gemacht werden, und es sind die Genossen, die die Schusswaffe erfolgreich angewandt haben, zu belobigen." Ende Zitat

Das klingt doch irgendwie nach „unserem Honni“ und dessen „Deutsch“.

Gruß
Daniel


Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
(Voltaire frz. Philosoph 1694 - 1778)
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#14

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 11.10.2009 10:27
von Alfred | 6.853 Beiträge

Danny,

zur 45. Sitzung des Nationalen Verteidigungsrates der DDR vom 3.Mai 1974 und zum entsprechendes Protokoll und entsprechende Äußerungen von Honecker.

Dies war u.a. auch der zentrale Punkt, der im so genannten „Honecker Prozess“ zur Sprache kam.

Einige Bemerkungen.

Was es gibt, ist eine Niederschrift über die am 3. Mai 1974 durchgeführte Sitzung des NVR. Das Dokument trägt die Nummer GKDOS Nr. 19/ 74, 2 Ausführungen mit jeweils 15 Blatt. Die Äußerungen über die Staatsgrenze umfassen gerade 1 ½ Seiten.

Was hatte es nun mit der immer wieder aufgeführten „Niederschrift“ auf sich ?

Von 1971 bis 1985 wurde keine Sitzung des NVR durchgeführt, wenn der Minister für Nationale Verteidigung nicht anwesend war.

1974 erkranke der Minister jedoch für längere Zeit, eine Sitzung des NVR war jedoch notwendig. In Vorbereitung der Sitzung wurden dem Minister alle Unterlagen vorgelegt und Hoffmann war einverstanden eine Sitzung ohne ihn durchzuführen.

Hoffmann – der Minister – befahl aber dem Sekretär des NVR für ihn – Hoffmann – eine Aktennotiz mit den wichtigsten Inhalt der Diskussion zu den Tagesordungspunkten anzufertigen. Diese Aktennotiz / Niederschrift sollte nach der Sitzung vom Sekretär des NVR Hoffmann wieder vorgelegt werden und der Sekretär sollte in einen persönlichen Gespräch die einzelnen Punkte erläutern und offene Punkte hätten geklärt werden können.

Am 3.Mai begann die Sitzung des NVR um 10.00 Uhr. Acht Personen waren anwesend, 6 Mitglieder fehlten entschuldigt, weitere Personen wurden zur Sitzung hinzugezogen.

Der Tagesordungspunkt vier – von insgesamt 6- beschäftigte sich mit dem „Bericht über die Lage an der Staatsgrenze der DDR zur BRD, zu Westberlin und an der Seegrenze“.

Zu Beginn gab Generaloberst Keßler einen Bericht. In der anschließenden Aussprache legte Honecker nach den Aufzeichnungen u.a. dar „ nach wie vor muss bei Grenzdurchbruchsversuchen von der Schusswaffe rücksichtslos Gebrauch gemacht werden“.

Hier fehlt im schriftlichen Text die Voraussetzung unter der diese Aussage stand und zweitens kann keiner mehr genau sagen, ob Honecker diese Äußerung wörtlich gemacht hat.

Die Niederschrift obwohl oft anders behauptet- war eben kein Wortprotokoll der über 2 Stunden dauernden Sitzung, sondern eine 15 seitige Zusammenfassung der einzelnen Diskussionsbeiträge. Ein Protokoll hätte mindestens 30- bis 40 Seiten umfasst.

Rücksichtslos sollte von der Waffe nur Gebrauch gemacht werden, im Falle eines bewaffneten Angriffes auf den Grenzposten bzw. eines Angriffes auf die Staatsgrenze mit schwerer, speziell vorbereiteter Technik, wie z.B. LKW

Aus den Ausführungen von Honecker ist klar ersichtlich, dass sich an den bestehenden gesetzlichen Vorschriften nichts ändern sollte.

In der Niederschrift ist auch zu lesen “an den jetzigen Bestimmungen wird sich diesbezüglich weder heute noch in Zukunft etwas ändern“.

Von der Justiz und den Medien wurde immer diese Sitzung für eine neue Aufgabenstellung für den Schusswaffengebrauch genannt.

Wenn dies wirklich der Fall gewesen sein sollte, dann wäre es zwingend gewesen, einen neuen Beschluss des NVR vorzubereiten und diesen dem Vorsitzenden des NVR nach Rücksprache mit dem MfNV zur Unterzeichnung vorzulegen. Nichts ist erfolgt !!!

Die Niederschrift war kein Beschluss des NVR, keine Anordnung und kein Befehl !
Die Ausführung von Honecker in der Niederschrift waren sein persönlicher Diskussionsbeitrag, kein Befehl, keine Weisung.

Aus dem bestätigten PROTOKOLL über die 45. Sitzung des NVR ist ersichtlich, dass kein Befehl o.ä. über einen verstärkten Schusswaffeneinsatz an der Staatsgrenze gefasst wurde.

Die Niederschrift war nie Bestandteil des Protokolls und hatte aus diesen Grund eine eigene GKdos Nr. und wurde auch gesondert gelagert.


Noch einige Anmerkungen zu den „Schießwütigen“ Grenzern.

Von 1979 bis 1990 nahmen die Grenztruppen 2.905 Personen fest. In all diesen Fällen wurde 148 mal die Schusswaffe eingesetzt, davon 107 mal Warnschüsse, 24 Personen wurden verletzt, weitere 17 getötet. Allein diese Zahlen belegen, dass die Anwendung der Waffe die Ausnahme darstellte.









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#15

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 11.10.2009 10:40
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von Alfred
[...]
Rücksichtslos sollte von der Waffe nur Gebrauch gemacht werden, im Falle eines bewaffneten Angriffes auf den Grenzposten bzw. eines Angriffes auf die Staatsgrenze mit schwerer, speziell vorbereiteter Technik, wie z.B. LKW

Aus den Ausführungen von Honecker ist klar ersichtlich, dass sich an den bestehenden gesetzlichen Vorschriften nichts ändern sollte.


Hallo Alfred,

wo kann dieser Passus nachgelesen werden bzw. in welchem Dokument (Zeitraum 1974) ist dies so dokumentiert?

Danke und Gruß
Stefan


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#16

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 11.10.2009 11:05
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von Alfred
Danny,

Noch einige Anmerkungen zu den „Schießwütigen“ Grenzern.
Von 1979 bis 1990 nahmen die Grenztruppen 2.905 Personen fest. In all diesen Fällen wurde 148 mal die Schusswaffe eingesetzt, davon 107 mal Warnschüsse, 24 Personen wurden verletzt, weitere 17 getötet. Allein diese Zahlen belegen, dass die Anwendung der Waffe die Ausnahme darstellte.



Interessanter wären die Zahlen (aufgeschlüsselt wie o.a. angeführt) für den Gesamtzeitraum:
1946 - 1989 (30.11.1989)


"Mobility, Vigilance, Justice"
zuletzt bearbeitet 11.10.2009 11:06 | nach oben springen

#17

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 11.10.2009 11:48
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Ob gerade in den Anfangsjahren,also nach 1945 alles dokumentarisch festgehalten wurde,kann
ich mir nicht vorstellen,eine Dunkelziffer bleibt,eine Zahl für den Zeitraum 46-89 wäre
ungenau.



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#18

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 11.10.2009 12:08
von Danny_1000 | 166 Beiträge

Zitat von Alfred
Danny,

zur 45. Sitzung des Nationalen Verteidigungsrates der DDR vom 3.Mai 1974 und zum entsprechendes Protokoll und entsprechende Äußerungen von Honecker.

Dies war u.a. auch der zentrale Punkt, der im so genannten „Honecker Prozess“ zur Sprache kam.

Einige Bemerkungen.

Was es gibt, ist eine Niederschrift über die am 3. Mai 1974 durchgeführte Sitzung des NVR. Das Dokument trägt die Nummer GKDOS Nr. 19/ 74, 2 Ausführungen mit jeweils 15 Blatt. Die Äußerungen über die Staatsgrenze umfassen gerade 1 ½ Seiten.

Was hatte es nun mit der immer wieder aufgeführten „Niederschrift“ auf sich ?

Von 1971 bis 1985 wurde keine Sitzung des NVR durchgeführt, wenn der Minister für Nationale Verteidigung nicht anwesend war.

1974 erkranke der Minister jedoch für längere Zeit, eine Sitzung des NVR war jedoch notwendig. In Vorbereitung der Sitzung wurden dem Minister alle Unterlagen vorgelegt und Hoffmann war einverstanden eine Sitzung ohne ihn durchzuführen.

Hoffmann – der Minister – befahl aber dem Sekretär des NVR für ihn – Hoffmann – eine Aktennotiz mit den wichtigsten Inhalt der Diskussion zu den Tagesordungspunkten anzufertigen. Diese Aktennotiz / Niederschrift sollte nach der Sitzung vom Sekretär des NVR Hoffmann wieder vorgelegt werden und der Sekretär sollte in einen persönlichen Gespräch die einzelnen Punkte erläutern und offene Punkte hätten geklärt werden können.

Am 3.Mai begann die Sitzung des NVR um 10.00 Uhr. Acht Personen waren anwesend, 6 Mitglieder fehlten entschuldigt, weitere Personen wurden zur Sitzung hinzugezogen.

Der Tagesordungspunkt vier – von insgesamt 6- beschäftigte sich mit dem „Bericht über die Lage an der Staatsgrenze der DDR zur BRD, zu Westberlin und an der Seegrenze“.

Zu Beginn gab Generaloberst Keßler einen Bericht. In der anschließenden Aussprache legte Honecker nach den Aufzeichnungen u.a. dar „ nach wie vor muss bei Grenzdurchbruchsversuchen von der Schusswaffe rücksichtslos Gebrauch gemacht werden“.

Hier fehlt im schriftlichen Text die Voraussetzung unter der diese Aussage stand und zweitens kann keiner mehr genau sagen, ob Honecker diese Äußerung wörtlich gemacht hat.

Die Niederschrift obwohl oft anders behauptet- war eben kein Wortprotokoll der über 2 Stunden dauernden Sitzung, sondern eine 15 seitige Zusammenfassung der einzelnen Diskussionsbeiträge. Ein Protokoll hätte mindestens 30- bis 40 Seiten umfasst.

Rücksichtslos sollte von der Waffe nur Gebrauch gemacht werden, im Falle eines bewaffneten Angriffes auf den Grenzposten bzw. eines Angriffes auf die Staatsgrenze mit schwerer, speziell vorbereiteter Technik, wie z.B. LKW

Aus den Ausführungen von Honecker ist klar ersichtlich, dass sich an den bestehenden gesetzlichen Vorschriften nichts ändern sollte.

In der Niederschrift ist auch zu lesen “an den jetzigen Bestimmungen wird sich diesbezüglich weder heute noch in Zukunft etwas ändern“.

Von der Justiz und den Medien wurde immer diese Sitzung für eine neue Aufgabenstellung für den Schusswaffengebrauch genannt.

Wenn dies wirklich der Fall gewesen sein sollte, dann wäre es zwingend gewesen, einen neuen Beschluss des NVR vorzubereiten und diesen dem Vorsitzenden des NVR nach Rücksprache mit dem MfNV zur Unterzeichnung vorzulegen. Nichts ist erfolgt !!!

Die Niederschrift war kein Beschluss des NVR, keine Anordnung und kein Befehl !
Die Ausführung von Honecker in der Niederschrift waren sein persönlicher Diskussionsbeitrag, kein Befehl, keine Weisung.

Aus dem bestätigten PROTOKOLL über die 45. Sitzung des NVR ist ersichtlich, dass kein Befehl o.ä. über einen verstärkten Schusswaffeneinsatz an der Staatsgrenze gefasst wurde.

Die Niederschrift war nie Bestandteil des Protokolls und hatte aus diesen Grund eine eigene GKdos Nr. und wurde auch gesondert gelagert.


Noch einige Anmerkungen zu den „Schießwütigen“ Grenzern.

Von 1979 bis 1990 nahmen die Grenztruppen 2.905 Personen fest. In all diesen Fällen wurde 148 mal die Schusswaffe eingesetzt, davon 107 mal Warnschüsse, 24 Personen wurden verletzt, weitere 17 getötet. Allein diese Zahlen belegen, dass die Anwendung der Waffe die Ausnahme darstellte.


Hallo Alfred,

danke für deine ausführliche Antwort. Ich lasse das dann auch mal ohne Kommentar so stehen, obwohl sicher das eine oder andere anzumerken wäre….

Den Fragen von von Ari@D187 und Thunderhorse schließe ich mich an...

Neben den Veröffentlichungen der „Arbeitsgemeinschaft 13.August“ kenne ich die Zahlen des „Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam e.V.“, welche ich für glaubwürdig halte. Als Anlage hierzu die folgende Datei:

Gruß
Daniel


Dateianlage:
Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
(Voltaire frz. Philosoph 1694 - 1778)
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#19

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 11.10.2009 12:21
von Sauerländer (gelöscht)
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Für die Zahl der Opfer der innerdeutschen Grenze gibt es unterschiedliche Angaben. Die Zentrale Erfassungsstelle Salzgitter zählte insgesamt 872 Todesopfer, vorwiegend Flüchtlinge, aber auch Angehörige der DDR-Grenztruppen oder Fahnenflüchtige der sowjetischen Armee.

Opfer-Bilanz

Berliner Grenze/Mauer 255
Innerdeutsche Landgrenze 371
Ostsee: 189
Sonstige Fluchtwege (Flugzeugentführung, Warenexport,Transitwege) 7
Angehörige des DDR-Grenzdienstes im Einsatz 27
Sowjetische Fahnenflüchtige 6
Flugzeugabschüsse im Grenzgebiet 17
Total: 872

Quelle: Zentrale Erfassungsstelle Salzgitter


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#20

RE: Der Schießbefehl an der Mauer

in Videos und Filme der ehemaligen Innerdeutschen Grenze 11.10.2009 12:46
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Zitat von Thunderhorse

Zitat von Alfred
Danny,

Noch einige Anmerkungen zu den „Schießwütigen“ Grenzern.
Von 1979 bis 1990 nahmen die Grenztruppen 2.905 Personen fest. In all diesen Fällen wurde 148 mal die Schusswaffe eingesetzt, davon 107 mal Warnschüsse, 24 Personen wurden verletzt, weitere 17 getötet. Allein diese Zahlen belegen, dass die Anwendung der Waffe die Ausnahme darstellte.



Interessanter wären die Zahlen (aufgeschlüsselt wie o.a. angeführt) für den Gesamtzeitraum:
1946 - 1989 (30.11.1989)




Im Zeitraum 1979 - 1989 spricht die Arbeitsgemeinschaft 13. August e.V. von 81 Tötungsfällen in Berlin/DDR.

Interessanter wären tatsächlich die Zahlen für den Gesamtzeitraum, zuzüglich der geglückten Fluchten.


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