#41

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 06:53
von manudave (gelöscht)
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Zitat von EK 82/2
Hei manudave,
ich weis nicht wo du aufgewachsen bist und wann,aber deine fünfen im unterricht(im osten gab es ja keine 6)könnten auch deswegen sein,das deine Lehrerin dich liebte.Sie wollte dich in ihrer Klasse behalten und nicht verlieren,grins.Desweiteren warst du damit ja ein Parteitreuer,du wußtest im Erdkundeunterricht nicht mal wolang es nach Westen geht.
Siehe es positiv.
Zu den Häusern,kein Land baute in so kurzer Zeit Häuser wie Berlin,heute nennt man es Platte,aber gäbe es diese nicht,hätten die Miethaie heute ein leichtes Kaltmieten bis 1000€ zu nehmen.Die Nachfrage bestimmt den preis und da blieb manche Renovierung auf der Strecke.
andy,ist kürzer als EK 82/2



Aufgewachsen in Weida, 12 Km neben einem der "rötlichsten" Orte der DDR - Gera. Ich bin nicht sitzen geblieben, das wiederum wusste meine Mutter zu verhindern. Denn eins war Fakt, theorethisch war ich der zweitbeste der Klasse.
Ganz besonders Heimatkunde war mein Lieblingsfach - wiederum zum Ärger meiner Familie.

Die Plattenhäuser, die es bei uns in der Stadt kaum gab davon abgesehen, sind aber nicht durch die DDR gebaut worden, damit später die Mieten nach 90 nicht so teuer sind - grins. Das hört sich fast so an - schon klar: So meintest du das sicher nicht.


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#42

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 08:12
von schlaudi | 46 Beiträge

Hi,

Zitat von manudave

Ich liebte die 1.Mai Paraden ---------------- ich bekam als einziger kein rotes Halstuch.



die liebte ich nicht, wir wurden aber vergattert hinzugehen, Klassenlehrerin: "Ihr sagt mir morgen bitte alle unauffällig hallo..." Ham wir dann auch gemacht und damit war das Thema abgehakt und wir wieder auf dem Spielplatz. Nur einmal war ich nicht, da hatte es über Nacht ca. 20cm geschneit. Ich dachte es fällt aus und bin garnicht erst aus dem Haus. Die Veranstaltung fand aber im örtlichen FDGB-Ferienheim statt. Mutti ging da nie hin, sie war selbstständige Handwerksmeisterin und Vati war mit seine Betriebskampfgruppe (die nannten wir 'Hobbykrieger') unterwegs *ggg*

Zitat von manudave
Ich war ein sehr guter Schüler -------------- meine Noten waren teilweise Fünfen.)



Mh, ich hatte mal vieren in Betragen und Ordnung, aber ansonsten war ich meist recht gut dabei. Wenn ich mal ne Fünf hatte, dann lag es definitiv am nicht lernen und an nichts anderem...

Zitat von manudave
Ich mochte keinen Sport -------------------- unser Sportlehrer war mal NVA-Ausbilder.



Ich auch nicht, wir hatten ne normale Sportlehrerin (heute noch meine Nachbarin) und entprechend meiner eher durchwachsenen Leistungnen hatte ich meist ne drei. Heute mache ich sehr gerne Sport.... Es gibt ja heute viel schickere Sachen und Geräte (z.B. Fahrräder). Ein Klassenkamerad hatte mal ne Addidas-Jogginghose. Der bekam die Aufforderung diese nicht mehr im Sportunterricht anzuziehen. Begründung: es gab in unserer Schule einheitliche Kleidung für den Sportunterricht. Das waren blaue Turnhose und lila Hemd für Jungen und Mädels sowie ein blauer Trainingsanzug. Besagte Addidas-Hose hatte weiße Streifen. Er hat die dann als Protest mit Pflaster zugeklebt und ist so zum Unterricht erschienen. Dann gabs ne Aussprache mit dem Direktor und die Hose war zugelassen...

Zitat von manudave
Wir gingen gern zum See ------------------- dort leitete die LPG Abwässer ein.



Bei uns gab es keine Bademöglichkeit, deswegen habe ich erst recht spät schwimmen gelernt, bin aber trotzdem nicht ertrunken.

Zitat von manudave

Ich habe Polizisten bewundert --------------- Polizisten nahmen mehrfach meine Mutter fest.



Die hab ich weder bewundert noch haben sie meine Mutter festgenommen. Scheint also kein Massenphänomen gewesen zu sein. Bei uns gabs nur nen ABV, der heißt Jonny und ist heute noch Bürgerkontaktpolizist und hat i.d.R. für Ruhe und Ordnung gesorgt und u.a. aufgepaßt, dass wir nicht heimlich im Wald rauchen.

Zitat von manudave

Es gab in der Schule Milch für wöchentlich 1.- Mark ------------- sie war oft verdorben.



Kam die nicht sogar 75 Pfennig? Verdorben war die bei uns nicht, nur im Winter geforen. Da wurde dann ein Ofen gebaut, wo die Milch erwärmt wurde. Ne Zeit gabs dei in dreieckigen Tüten (so wie Tetrapacks). Die knallten wunderbar, wenn man die leere Tüte auf den Boden legte und genau auf die Öffnung sprang.

Zitat von manudave

Ich holte gern morgens Brötchen ---------------- 0,5 Stunden Wegstrecke - 1 Stunde anstehen.



Bei mir 2 Minuten Wegstrecke und 5-30 Minuten anstehen, je nachdem wie lange der Bäcker am Abend vorher in der Kneipe Skat gespielt hat. War vor allem Sonnabends öfter ein Problem.

Zitat von manudave
Es war nicht alles Mist ----------- aber es war auch wirklich nicht alles gut.



Stimmt, aber als Kind hat man vom Schlechten eher wenig mitbekommen oder man war der Meinung, dass ist einfach so. Man kannte ja nichts anderes.

Viele Grüße

Sascha




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#43

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 08:53
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von turtle
Kind in der DDR? Ja wie war das? Nun ich bin 7.5 Monate nach Kriegsende geboren. Bei der Gründung der DDR war ich somit 3,5 Jahre.

Und als ich mich oder meine Schwester darauf sah war meine Freude groß! So bekomme ich doch noch Kindheitsfotos !
Gruß Peter(turtle)




Bewegendes Schicksal! Hat mich echt gerührt!

Freut mich für Dich ganz besonders, der letzte Satz! Geteilte Freude ist doppelte Freude!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#44

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 12:06
von werraglück | 679 Beiträge

Hi,

es war wunderschön!

Ich bin in den 70ern im Leipziger Stadtteil Eutritzsch im Norden der Stadt aufgewachsen, hatte die Schule gegenüber. Wir wohnten in einem Hinterhaus, davor ein goßer Hof zum Spielen...Fussball, "Meister gib uns Arbeit auf" usw.

Jeden 2. Samstag zogen die Fans der Blau-Gelben in Richtung Probstheida zum Punktspiel. Wir Kinder waren permanent an der Luft und zogen durch die Straßen im Wohngebiet.
Meine Eltern arbeiteten beide beim Agrarflug in Mockau, mein Vater hat sich öfter mal über den Dächern blicken lassen.

Vor allem die Vorweihnachszeit ist mir noch gut in Erinnerung geblieben...Weihnachsfeier im Betrieb der Eltern für die Knirpse. Der Weihnachsmann wurde quasi mit dem Agrarflugzeug eingeflogen, das waren super Erlebnisse!

Dann kann ich mich noch an meinen Banknachbarn Peter in der Schule erinnern, der 1979 am ersten Schultag nach den Sommerferien nicht mehr da war...er hatte hier Pflegeeltern und sein leibliche Mutter wohnte in der damaligen BRD. Er hatte mir davon erzählt, dass er zu seiner Mutter zieht, dort wo es die schönen Matchboxautos gibt.

MfG


"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Ge­genwart nicht verstehen und die Zukunft nicht ge­stalten"

ROMAN HERZOG
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#45

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 13:09
von sentry | 1.077 Beiträge

Sieht so aus, als wäre "Kind sein in der DDR" kaum umfassend zu beschreiben, genauso wenig wie Kind sein in der BRD. Es kommt wohl stark auf die Zeit an, vn der man spricht und auf das Umfeld.
Kinder sind irgendwie (fast) immer glücklich. Sie arrangieren sich meist schnell, mit dem 'was sie haben.
Die Westfernsehen-Nachrichten-Uhr-Geschichte kommt mir als Berliner Kind der 70/80er höchst lächerlich vor. Westfernsehen gehörte zum Alltag, auch wenn mit Lehrern nicht explizit der Vorabendfilm ausgewertet wurde...der aus dem Ostfernsehen übrigens auch nicht. Das heisst natürlich noch lange nicht, dass sie nicht anderswo doch regelmäßig passiert sein könnte.
Der ganze Jungpionier-Fahnenappell-FDJ-Quatsch lässt einen natürlich heute den Kopf schütteln und kommt einem auch ein bisschen hahjottig vor. Aber auch das fanden letztendlich nicht alle automatisch schlecht.

Irgendwo habe ich 'mal folgendes Zitat von einem Kind gelesen, dessen Eltern Republikflucht begehen wollten (natürlich ausgesprochen Jahre später als Erwachsener).

"Hätte ich gewusst, was meine Eltern vor hatten, ich hätte uns wahrscheinlich verraten. Ich war überzeugter Jungpionier. Heimatkunde Note eins."

Das macht zumindest nachdenklich.


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#46

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 14:30
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Na ja, wenigstens waren sie beschäftigt, bei den ganz kleinen nach der Schule Hort, dann Pioniere usw. da hatte keiner soviel Langeweile das er als Jugendlicher losläuft und Leute in bzw. an der S-Bahn totschlägt.

Aber heute kann ja jeder machen was er will, keine Organisation und keine Führung... da kann man ja noch eher der Politik Schuld geben als den sich selbst überlassenen Kindern.

Sowas brauchen wir heute wieder!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#47

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 16:03
von Mongibella (gelöscht)
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Mir hat es an nichts gefehlt in der DDR, wir hatten die nötige Westverwandschaft mit Matchbox und allem bis hin zu regelmässigen Paketen mit secondhand-Klamotten und mein Vater hatte ne Nutriazucht nebenbei, die gut subventioniert war und gute Erlöse einbrachte...auch sonst hatten wir jede Menge Nutztiere und die Tiefkühltruhe war immer berstent voll....bei den paar Mennekes aufm Dorf blieb auch die Rotlichtstrahlung ausserhalb der Schule aus....

....und Ostfernsehen war verpönt im Elternhaus....das weiss ich mich auch noch zu erinneren....


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#48

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 17:07
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Zitat von Mongibella
Mir hat es an nichts gefehlt in der DDR, wir hatten die nötige Westverwandschaft mit Matchbox und allem bis hin zu regelmässigen Paketen mit secondhand-Klamotten und mein Vater hatte ne Nutriazucht nebenbei, die gut subventioniert war und gute Erlöse einbrachte...auch sonst hatten wir jede Menge Nutztiere und die Tiefkühltruhe war immer berstent voll....bei den paar Mennekes aufm Dorf blieb auch die Rotlichtstrahlung ausserhalb der Schule aus....

....und Ostfernsehen war verpönt im Elternhaus....das weiss ich mich auch noch zu erinneren....



Hallo Mongibella,
das ist die zusammengefasste Version.
So stimmt das.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#49

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 17:20
von Mongibella (gelöscht)
avatar

Zitat von Oss`n
das ist die zusammengefasste Version.
So stimmt das.



Hahahaha, du Witzbold....

Ja, materiell ging es uns echt gut...im Gegensatz zu manch anderen in den Städten....und wem der Rotlichtstrahler nich zusagte, blieb davon auch verschont, wenn er auf seine Weise im Staat intergriert war....

....klar war Vattern nich echt zufrieden, er durfte damals nich studieren und ich glaub weil seine Schwester rübbagemacht ist....aber sonst ham wa uns prima arrangiert innnerhalb vom Zaun, der uns vor der bösen Welt dadraussen geschützt hat....was blieb einem auch anners übba....ne....

....nee joh, manch einer hat et heute schlechter im blühenden, bunt funkelnden Westen...

Mara


zuletzt bearbeitet 06.10.2009 17:21 | nach oben springen

#50

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 17:30
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Zitat von Mongibella

Zitat von Oss`n
das ist die zusammengefasste Version.
So stimmt das.



Hahahaha, du Witzbold....

Ja, materiell ging es uns echt gut...im Gegensatz zu manch anderen in den Städten....und wem der Rotlichtstrahler nich zusagte, blieb davon auch verschont, wenn er auf seine Weise im Staat intergriert war....

....klar war Vattern nich echt zufrieden, er durfte damals nich studieren und ich glaub weil seine Schwester rübbagemacht ist....aber sonst ham wa uns prima arrangiert innnerhalb vom Zaun, der uns vor der bösen Welt dadraussen geschützt hat....was blieb einem auch anners übba....ne....

....nee joh, manch einer hat et heute schlechter im blühenden, bunt funkelnden Westen...
Mara




Jo du - beides stimmt, aber auch beides stimmt nicht.
Da kann wohl jeder nur für sich reden.
Manchen geht es besser - manchen nicht .
Manche haben es verdient - manche nicht.

Ce la vie - so ist das Leben !

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#51

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 17:43
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Auch ich hatte eine wunderschöne Kindheit mit allem was halt dazu gehört-weinen,lachen
trösten,frech sein,prügeln,vertragen,nerven,albern sein und so weiter-ob die Kinder in
der Ex DDR soviel anders waren ? Pänz bleiben doch Pänz,da sind sie doch alle gleich.



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#52

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 17:43
von Mongibella (gelöscht)
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Zitat von Oss`n
Ce la vie - so ist das Leben !



Don't tell me about life....hahahaha, sagte Mario, der in Secondigliano bei Napoli aufgewachsen ist....

Sogesehen, ging es uns doch allen gut....

Mara


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#53

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 17:52
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Zitat von Mongibella

Zitat von Oss`n
Ce la vie - so ist das Leben !



Don't tell me about life....hahahaha, sagte Mario, der in Secondigliano bei Napoli aufgewachsen ist....

Sogesehen, ging es uns doch allen gut....[/b]Mara


Blödsinn !
Stimmt nicht

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#54

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 18:18
von Mongibella (gelöscht)
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Zitat von Oss`n
Blödsinn !
Stimmt nicht



Stimmt woooohl....

Frach ma Mario aus Secondigliano...oder Angelina aus Scampia....

Mara


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#55

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 20:06
von muts | 89 Beiträge

Zitat von Feliks D.

Aber heute kann ja jeder machen was er will, keine Organisation und keine Führung... da kann man ja noch eher der Politik Schuld geben als den sich selbst überlassenen Kindern.

Sowas brauchen wir heute wieder!



Nee!
Das brauchen wir nicht!
Eher Eltern die gewillt und in der Lage sind ihrem Nachwuchs menschliche Werte ,fern von Markenklamottenwahn und Konsum zu vermitteln.


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#56

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 20:19
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Wolfgang B.
Nur mal so ne Frage zwischendurch, Wessi eben

Die Geschichte mit der Uhr - bedeutet die Uhren bei den Nachrichten in der BRD / DDR waren unterschiedlich (Punkt, Punkt, Komma, Srich oder so), so dass man die Kids reinlegen (West-TV) konnte (hätte können)?

Böse Welt!

Was passierte eigentlich beim West glotzen? Wahrscheinlich von gar nix bis einbuchten (falls schon uff'm Kieker), oder?




Hallo Wolfgang!!!
In den 50 er Jahren konnte man es sich nicht erlauben, die Fernseh-Antenne öfentlich in West-Stellung auf dem Dach zu haben. Deswegen ging man dazu über, das Standrohr so zu manipulieren, daß es man nach Einbruch der Dunkelheit einfach in Richtung West-Empfang drehen konnte und danach wieder in "Tagesstellung "Ost-Empfang". Auch wurden viele Antennen auf dem Dachboden angebracht, wo man sie von Außen nicht sehen konnte. Wer trotzdem seine Antenne in Richtung Westen ausgelegt hatte, bekam damals mit Sicherheit Ärger. Das harmloseste war in etwa so, daß sich eine Gruppe von gesteuerten FDJlern in Blauhemden vor dem Haus mit West-Antenne versammelte und solange in Spechchören Parolen gegen das West-Fernsehen-Gucken skandierten, bis der eingeschüchterte Betreiber der Anlage auf´s Dach kletterte und die "richtige" Stellung der Antenne wieder herstellte. Es konnte auch vorkommen, daß besagte FDJler das selbst übernahmen und dabei auch mal die ganze Anlage zerstörten. Als Angestellter in bestimmten Berufen war es sowieso unmöglich und hätte den Verlust des Arbeitsplatzes zur Folge gehabt, wenn es öffentlich geworden wäre, daß West-Fernsehen angeschaut würde. Wie zum Beispiel bei Lehrern. In der Regel sah es so aus, Alle schauten , aber es wurde nicht drüber geredet. So ging es und so wurde es auch gehalten. Westfernsehen wurde von allen Schichten angestellt, selbst von den "Bonzen", die sich auch die Geräte eher leisten konnten, als die normalen Werktätigen. Wir Kinder schauten seinerzeit immer bei fremden Leute, von draußen durch die Schlitze von zugezogenen Gardinen, weil sich meine Eltern ein Fernsehgerät selbst nicht leisten konnten. In der Regel hatten die ersten Fernsehgeräte selbstständige Handwerksmeister, wie Bäcker, Schlachter, Elektriker und Andere, weil sie sich die hohen Anschaffungskosten eher leisten konnten, als der Rest der Bevölkerung. Es war ja seinerzeit nicht nur das Westfernsehen mit Repressalien bedroht, sondern auch das Abhören von westlichen Radio-Sendern und der Besitz und das Lesen von westlichen Presse-Erzeugnissen. Daß Kinder in meinem damaligen Alter in vielen Fällen dafür mißbraucht wurden, ihre Eltern zu verraten ist eine Tatsache und sollte über die Moral der hierfür Verantwortlichen Anlaß zum Nachdenken geben. Bei den damaligen Aktionen "Ugeziefer", "Kornblume" und Ähnlichen, standest du als Höhrer, Seher und Leser von West-Medien sowieso an erster Stelle der Liste. Aber wie gesagt, ich rede hier von den 50er Jahren und es ist jedes Wort wahr!!
Schönen Gruß aus Kassel


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#57

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 06.10.2009 23:43
von turtle | 6.961 Beiträge

Ja wosch! Noch Anfang der 60er war die Parole" Der ist vom Krieg noch nicht geheilt der Ochsenkopf und Rias peilt" Da kamen noch FDJ ler zu den Menschen und forderten sie auf die Antenne zu entfernen.
Ärger gab es genauso wenn jemand Parterre wohnte und bei offenen Fenster der Westsender zu hören war.
Ein weiterer Spruch Anfand der 60er war wegen der Mangelwirtschaft" Tante Emma hat ne Meise,
kauft Lebensmittel zentnerweise" Damit ich wieder zum Thema komme. Es stimmt genauso das Kinder damals manchmal gefragt wurden na hast Du gestern das oder das im Fersehen gesehen? Ich war davon nicht betroffen wir hatten keinen Fernseher. Das Geld dafür war nicht da! Doch beschäftigt haben wir uns als Kinder meist sinnvoller als heute.Im Timur Trupp halfen wir alten Menschen,bastelten viel,oder waren im Wald und Natur!
Gruß Peter(turtle)


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#58

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 07.10.2009 00:40
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Von den Aktionen, die Antennen vom Dach zu holen, habe ich gehört. Meine Mutter hätte durchaus eine solch "ferngesteuerte" FDJ-lerin damals sein können. Allerdings war sie aus verschiedenen Gründen nicht mit dabei. Aber wenn man aus einer armen Proletarierfamilie kommt, wo nach dem Tod des Vaters kaum genug ist, um über die Runden zu kommen, und man erhält dann von einem Staat die Möglichkeit, an die Arbeiter-und-Bauern-Fakultät zu gehen und danach zu studieren, guckt man wohl anders auf den Staat, als andere in anderen Situationen.

Die Sache mit den Uhren (Punkte vs. Striche) kenne ich weder aus dem Ende der 60-er noch aus den 70-er und schon garnicht aus den 80-er Jahren. In den 80-ern hatten wir ja sogar das Phänomem, dass sich Zeitungen in der DDR mit Westbeiträgen und deren Inhalten auseinandersetzten und derjenige, der es nicht gesehen und gehört hatte, stand dumm in der Gegend rum. Ja, so einer wie ich zum Beispiel, der den Quatsch mit Feindsenderverbot ernst nahm. Da half auch kein kleines Zeitungsleserlexikon. Jaja, ich weiß schon: Hätte ich mir einen ordentlichen Beruf gesucht, wäre es mir nicht passiert. Ist ja auch nur so 'ne Geschichte.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#59

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 07.10.2009 01:14
von Rostocker | 7.717 Beiträge

Ist schon OK Rainman Deine Äußerungen
Aber wer kennt das noch als Kind--Morgens Milch holen,von Milchmann und auf den Rückweg die Milchkanne schleudern das war auch immer so ein Kraftakt.Ich sag einfach mal als Kind hat man die Welt anders gesehen und wenn man zurückt denkt.Fühlte man sich freier.Das intensive Denken kam in jugendlichen Alter,nun kann man sagen--der Mensch lernt nie aus.Und das isses Gerade--dieses Nachdenken in die Zukunft was uns weiter bringt.


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#60

RE: Kind sein in der DDR, wie war das?

in Leben in der DDR 07.10.2009 07:40
von schlaudi | 46 Beiträge

Hi,

Zitat von Rainman2
Die Sache mit den Uhren (Punkte vs. Striche) kenne ich weder aus dem Ende der 60-er noch aus den 70-er und schon garnicht aus den 80-er Jahren. In den 80-ern hatten wir ja sogar das Phänomem, dass sich Zeitungen in der DDR mit Westbeiträgen und deren Inhalten auseinandersetzten und derjenige, der es nicht gesehen und gehört hatte, stand dumm in der Gegend rum. Ja, so einer wie ich zum Beispiel, der den Quatsch mit Feindsenderverbot ernst nahm.




also hier in der Gegend war Westfernsehverbot in den 80ern eher nicht zu spüren. Durch die Topographie gab es aber solche und solche: Die im Tal wohnten mußten sich mit Radio DDR und DDRI über einen Umsetzer zufrieden geben. Bei uns (mittlere Höhenlage) ging Westfernsehen nur bei guten Empfangsbedingungen. Dafür hatten wir eine riesige Westantenne auf dem Dach, die man nicht verstecken konnte. Ich hatte aber zumindestens den Vorteil, das mit ein bischen Antenne basteln sowohl RIAS aus Berlin als auch Bayern 3 in stereo zu hören waren. Die weiter oben wohnten hatten recht stabilen Westempfang. Diese sehr unterschiedliche Versorgung führte in der Schule schon manchmal zu seltsamen Dsikussionen. Es ging sogar so weit, dass die aus dem Tal sich im Sommer mit Batterien + Stern-Rekorder bewaffneten und auf den Berg stiegen um die Hitparade auf Bayern 3 aufzunehmen.

1986 wurde dann in unserem Dorf von den Einwohnern und im Nachbardorf eine Gemeinschaftsantennenanlage gebaut. Da gab es dann ARD, ZDF, N3 und Sat1/RiasTV von Berlin. 1987 oder 1988 wurde das ganze dann sogar um eine Satellitenschüssel ergänzt (muß ca. 10.000 DDR-Mark gekostet haben) und wir haben dann RTL und Sat1 in nie gekannter Qualität geguckt. Selbst der Schuldirektor/Staatsbürgerkundelehrer hat sich dann geoutet, dass er Westen guckt: "Aber nur um zu lernen was dort alles schiefläuft...". Er meinte wir könnten das schon sehen sollten es nur richtig bewerten. Das nach dem Kabelfernsehbau eh fast alle nur noch Westen guckten war sowieso allen klar. Offizielle Begründung für den Kabelfernsehbau war die stabile Versorgung mit DDRII, was über unseren Fernsehumsetzer nicht ausgestrahlt wurde. Das es bei der ganzen Baumaßnahme um den Empfang von Westfernsehen geht, war aber glaube jedem klar, spätestens bei der Betrachtung der Empfangsstation. Dort gab es je eine kleine Antenne für DDR I + II (Dresden lag quasi in Sichtweite). Eine UKW-Antenne Richtung Berlin, eine Gruppe aus zwei UKW-Antennen Richtung Bayern und jeweils Gruppen aus vier Antennen für ARD, ZDF + N3 und dann später besagter Parabolspiegel mit 1,5m Durchmesser.


Gruß

Sascha


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