#241

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.05.2010 07:28
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Guten Morgen Feliks, also Hass hatten wir doch nicht im Herzen, eher Wärme, weil wir, wie Buscho schon richtig schrieb...das Leben lieben und achten und schützen wollten/wollen.
Aber Buscho ist fern, er hat sich aus dem Staub gemacht, der alte Bundesgrenzschützer, meinen Bruder Rainman hab ich auch schon ewig nicht mehr gesehen und Pitti schaut sich gerade den Sandmann von gestern an.
Einen guten Tag allen im Forum.

R-M-R


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#242

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.05.2010 07:31
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Möglich Rainer möglich dann nennen wir es halt nur Bild und nicht Feindbild. Trotzdem hoffe ich einer der 2 wird mal einen Moment der Ruhe finden um eine Antwort zu diesem Thema zu verfassen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#243

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.05.2010 09:20
von LEGO | 487 Beiträge

ja, mich würde es auch interessieren!


Gruß LEGO


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#244

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.05.2010 09:40
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von LEGO
ja, mich würde es auch interessieren!


Gruß LEGO



Berichte doch auch mal aus deiner Erfahrung @Lego.

Ein direktes Feindbild wurde euch ja sicher so nicht vermittelt, aber wie auch immer geartete Schulungen in Staatskunde wird es doch bei euch auch gegeben haben? Mindestens die Feststellung das ihr die guten seid, bzw. eure Sache die richtige ist und nicht unsere. Diese Staatskundeunterrichte gibt es ja heute noch für die neuen Rekruten bei der BW.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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zuletzt bearbeitet 25.05.2010 14:14 | nach oben springen

#245

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.05.2010 15:34
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Danke an Feliks,

dass er mich auf diesen Thread aufmerksam gemacht hat. Mir entgehen leider im Moment ein paar Diskussionen. Ist kein böser Wille und keine Kritik, ist nur einfach eine Frage der Ausnutzung von Lebenszeit. Aber ich schweife ab.

Ja, die Sache mit dem Feindbild - das ist aus der Rückschau garnicht so einfach wiederzugeben, da sich inzwischen andere Gedanken über die damaligen geschoben haben. Man erschließt sich das, was wir unseren Soldaten erzählt haben, leichter, wenn man sich zunächst vorstellt, dass wir uns für die Guten gehalten haben. Grundlage war immer, dass es im Sozialismus objektiv niemanden geben konnte, der am Krieg und der Kriegsproduktion profitieren konnte. Das kann es nur dort geben, wo die Produktion von Waren immer auch mit der Erzielung eines Profits einhergeht, der privat angeeignet wird. Auf dieser einfachen Wahrheit fußten die weiteren Ableitung zur friedenserhaltenden Rolle des Sozialismus und zur aggressiven Rolle des Kapitalismus/Imperialismus. Historische Beispiele gab es genug, dass die Klasse der Ausbeuter im Zweifel immer zuerst den Profit und danach erst Volk und Vaterland gesehen hatte. Jegliche kapitalistische Regierung stand also für uns am Pranger, da sie das ausschließlich nach Maximalprofit strebende und letztlich menschenverachtende Regime der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen unterstützte. Und damit standen auch ihre Organe staatlicher Gewaltausübung, an erster Stelle natürlich die Waffenträger, die uns als erste gegenüberstehen konnten, mit am Pranger. Von da bis zu einer Vermittlung eines Feindbildes war es nicht weit. Wichtig wäre, dass sich der Begriff des Feindbildes nicht an ein Volk band, sondern an die Klasse der Ausbeuter und die Staaten sowie ihre Organe, die die Ausbeutung, das Profitstreben und die damit verbundenen Erscheinungen von Aggressivität und Kriegsgefahr zuließen. Es ging uns dabei nicht um eine differenzierte Sicht. Die sich vom Begriff Ausbeutung ableitenden Begriffe reichten uns: Menschenverachtend, aggressiv, kriegtreiberisch und ähnliches mehr. Da es bei uns keine Ausbeutung im Sinne des Grundwiderspruchs zwischen gesellschaftlichem Charakter der Produktion und privatkapitalistischer Aneignung gab, mussten wir die Guten sein. Das war der Kern, um den das ideologische Kleinholz aufgestapelt wurde.

Soviel erstmal als Vorlage.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#246

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.05.2010 15:46
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Den Dank gebe ich gerne zurück und stelle fest, dass sich unsere Aussagen zum Feindbild doch sehr gleichen. Du hast jedoch außer dem System als Ursache jedoch noch erklärt warum das System der Grundgedanke war an dem sich alles aufhing. Na da erkennt man doch den Profi.

Zitat von Feliks D.
Junge Junge Rainer, also mit Vietnam hast du scheinbar echt eine Fixierung.

Warum willst du dem BGS das Verhalten der USA ankreiden?

Es tut mir leid dies so sagen zu müssen aber wenn dies die Begründung für dein Feindbild war, dann war es damit nicht weit her und es hätte doch noch die eine oder andere Schulung gebraucht. Diese Begründung würde ja heißen ohne diese Taten hätten die USA glatt deine Freunde sein können und dies hätte dich in meinen Augen ziemlich fragwürdig gemacht. Ein gefestigter Klassenstandpunkt sieht anders aus! Die BRD war schon allein aufgrund ihres kapitalistisch-imperialistischen Systems ein Feindstaat, zu diesen Feindstaaten gehörten auch alle anderen Länder die sich diesem System unterwarfen. Also auch Frankreich, England oder eben die USA. Diese Taten, die du als Grund für dein Feindbild aufzählst, waren lediglich der gesetzmäßige Ausfluss dieses Systems und die gleichen Taten sieht man heute immer noch im Irak oder in Afghanistan.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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zuletzt bearbeitet 25.05.2010 15:52 | nach oben springen

#247

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.05.2010 19:52
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Hallo Klaus Peter,

das erinnert mich wieder an die Aussage,einfach ausgedrückt zum Feindbild-

Die guten Waffen,ja die haben wir,die sind nur und ausschliesslich für den Frieden.
Die bösen Waffen haben die Westdeutschen Kapitalisten,die sind für den Krieg und bedrohen uns.



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#248

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.05.2010 19:55
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

ja zermatt du hast recht.so einfach war damals die welterklärung für uns


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#249

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.05.2010 19:56
von S51 | 3.733 Beiträge

Wenn du statt der "Westdeutschen Kapitalisten" einfach das Wort "Anderen" einsetzt, ist dieser Grundsatz sogar universell anwendbar.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#250

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.05.2010 21:21
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Zermatt
Hallo Klaus Peter,

das erinnert mich wieder an die Aussage,einfach ausgedrückt zum Feindbild-

Die guten Waffen,ja die haben wir,die sind nur und ausschliesslich für den Frieden.
Die bösen Waffen haben die Westdeutschen Kapitalisten,die sind für den Krieg und bedrohen uns.



Da liegst du leider falsch mit gute Waffen und böse Waffen machst du es dir zu einfach!


Die Waffen des kapitalistischen Imperialismus wurden durch Firmen hergestellt und verkauft die in privater Hand waren. Folglich ist es das Ziel der Hersteller möglichst viel Waffen zu verkaufen um möglichst viel Profit zu machen. Die meisten Waffen verkauft man im Krieg! Deshalb kann der Krieg dem Kapital nur gelegen kommen, denn seine höchsten Gewinne erzielt es immer mit Kriegen und Konflikten. Mithin existieren in kapitalistischen Gesellschaften also Kräfte denen an Konflikten und Kriegen gelegen ist. Glaubst du etwa Frieden in der Welt wäre für die Rüstungsindustrie erstrebenswert? Nein, sie brauchen Konflikte oder zumindest die Angst vor diesen für ihr Geschäft.

In sozialistischen Staats- und Gesellschaftsformen gibt es kein privates Eigentum an Produktionsmitteln, somit gibt es auch keine Klasse von Kapitalisten die an der Produktion von Waffen verdient. Ganz im Gegenteil, die dafür aufgewandten Ressourcen und Mittel belasten die Volkswirtschaft insgesamt und fehlen bei anderen sinnvollen und sozialen Aufgaben. Folglich haben weder gesellschaftliche Kräfte noch der Staat ein Interesse an der Produktion von Rüstungsgütern, da ihm diese Mittel dann fehlen um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen.

Aus diesem Verständnis resultierte dann die engagierte Friedenspolitik der DDR und auch die bereits in den 50er Jahren, durch die UdSSR, initiierten Vorschläge zur KSZE. Diese wurden jedoch durch die westlichen Staaten und besonders durch die (Rüstungs)Exportnation Deutschland entschieden abgelehnt. Wessen Lobby daran entscheidenen Anteil hatte sollte sich nun auch dir erschließen! Aufgrund der beschriebenen friedensfeindlichen Kräfte und des Hegemoniestrebens des kapitalistischen Imperialismus im westlichen Lager konnten aber auch die soz. Staaten auf eine eigene Hochrüstung, um den Schutz ihrer selbst willen und dem ihrer Werktätigen, nicht verzichten.


Dein billiger und polemischer "gute Waffen - böse Waffen Vergleich" wurde von bestimmten feindlich-negativen Kräften gebraucht, die die Realitäten nicht erkennen wollten und unter dem Dach der Friedensbewegung versuchten möglichst viele Bürger zu blenden und für ihre wahren konterrevolutionären Ziele zu missbrauchen. Dieselbe Friedensbewegung, die damals die aktive Friedenspolitik der DDR verächtlich machte und im Zusammenwirken mit staatsfeindlichen Kirchenkreisen im Rahmen öffentlichkeitswirksamer Demonstrativhandlungen lauthals "Schwerter zu Pflugscharen" forderte, hat heute kein Problem damit, dass deutsche Soldaten im Auftrag des Kapitals wieder in aller Welt eingesetzt werden und Deutschland der drittgrößte Rüstungsexporteur der Welt ist.

Durch das Ausbleiben von massiven Aktionen dieser vorgeblichen Kirchen- und Friedenskreise heute, wo sie im Gegensatz zu DDR-Zeiten dringend notwendig wären, offenbaren diese im Nachhinein auch dem letzten Zweifler ihre damaligen rein staatsfeindlichen Ziele.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 26.05.2010 06:59 | nach oben springen

#251

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.05.2010 21:43
von Altermaulwurf (gelöscht)
avatar

Zitat von Feliks D.

............................
Durch das Ausbleiben von massiven Aktionen dieser vorgeblichen Kirchen- und Friedenskreise heute, wo sie im Gegensatz zu DDR-Zeiten dringend notwendig wären, offenbaren diese im Nachhinein auch dem letzten Zweifler ihre damaligen rein staatsfeindlichen Ziele.



Wenn dann mal, jemand wie die EKD Bischöfin Käßmann gegen Kriegstreiberei und für Truppenrückzug eintritt,gibt es gleich einen konzertierten Sturm der Empörung .
Da sind humanistisch scheinende Kirchenführer im Gegensatz zur DDR plötzlich staatstragend orientiert und scheuen sich in diesen Fällen einer ihrer Religion entstsprechenden Statement, gegen Hochrüstung und Bundeswehrkreuzzüge.


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#252

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 26.05.2010 18:19
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Feliks,

brauchst meinen Text nicht auseinander nehmen,der Kern der Aussage geht schon in die richtige Richtung.
Sicherlich kann man das so einfach ausdrücken,warum nicht.
Und in der Praxis bleibt eine Waffe eine Waffe-das gibts kein gut und böse,ist klar.



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#253

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.05.2010 13:22
von LEGO | 487 Beiträge

Zitat von Feliks D.

Berichte doch auch mal aus deiner Erfahrung @Lego.





Nachdem Feliks mich in diesem Thread gebeten hatte, doch mal etwas zum Thema Feindbild zu schreiben, will ich dem hier mal nachkommen.

In der Schule bei uns gab es keine politischen Unterrichte, es gab das Fach Geschichte, in dem man sich vom Neandertaler vorwärts bis in die Gegenwart hangelte.

Natürlich wusste man als Jugendlicher von der Existenz der DDR und natürlich auch davon, dass es deren Bürger so gut wie unmöglich ist, in den freien Westen zu gelangen.

Aber wenn man keine Verwandtschaft im Osten hat, dann noch 100km von der innerdeutschen Grenze entfernt wohnt, ist das ganze eher eine Nebensächlichkeit; Fußball und Mädels waren allemal interessanter.

Am 17.Juni wurde man dann mal wieder daran erinnert, natürlich auch über die Tagesschau und andere Medien, wenn es etwas Aktuelles aus der DDR oder dem Verhältnis BRD/DDR zu berichten gab.

Ja, irgendwann war dann die Realschule geschafft, ich suchte nach einem Job mit etwas Action und bewarb mich bei Landespolizeien und beim Bundesgrenzschutz. Der BGS war am schnellsten und so unterschrieb ich dort für (erst einmal) 8 Jahre. Warum ich mich für den Dienst gerade beim BGS interessiert hatte, kann ich heute nicht einmal mehr sagen. Ganz sicher war es nicht die Absicht, mich den anrückenden russischen Horden tapfer entgegen zu werfen.

Als ich dann mit 16 Jahren in meinem Einberufungsstandort Ratzeburg ankam, war ich noch immer nicht volljährig und die einzigen Wahlen, an denen ich je hatte teilnehmen dürfen waren die zum Mannschaftskapitän und die zum Klassensprecher.

Beim BGS erklärte man uns natürlich die Aufgaben des BGS, karrte uns an die Grenze zum Gewinnen von Eindrücken und zeigte uns hübsche Schwarz-Weiß-Filme, wie sie ja auch hier im Forum kursieren.

Ein Politoffizier oder jemanden, der auch nur im entferntesten an eine politische Schulung oder ähnlichem arbeitete, gab es nicht. Im Fachschulunterricht gab`s politische Bildung. Da wurden dann unter anderem schon Unterschiede zwischen den beiden Blöcken dargestellt, aber meines Wissens in einer Art, die es erlaubte, sich selbst seine Gedanken zu machen.

Während der Übungen in der Grundi gab es immer zwei Gruppen, die gelben und die roten. Komischer Weise haben die roten immer angegriffen und haben auch immer verloren.

Dann nach der Ausbildung ging`s vermehrt auf Grenzstreife und dann sah man sie auch fast täglich: Die bösen, bösen GreSo, die es mit Waffengewalt und Zäunen und Minen usw. verhinderten, daß sich Bürger der DDR frei außerhalb der DDR bewegen dürfen. Und die auch bereit waren oder bereit sein müssten jederzeit auf einen Republikflüchtling zu schießen.

Dass es sich bei den bösen GreSo in die Regel um junge Wehrpflichtige handelte, wusste man nicht, oder hatte es verdrängt. Man hatte auch keine Gesichter, an denen man sich richtig fest sehen konnte; meistens trennten uns doch runde 100m. Na ja und da waren dann ja ganz Linientreuen, die immer bewaffnet unmittelbar am Grenzverlauf rumgeschlichen sind und Fotos machten oder aus 3 m mit dem Fernglas schauten, die GAK.

Genügt das jetzt schon, um von einem Feind und einem Feindbild zu sprechen? Eigentlich waren diese Männer für mich Soldaten eines „anderen“ Staates, die ihre Arbeit machten, wie wir halt auch. Natürlich mit dem Hintergrund, dass wir die Guten waren und die GreSo aus oben genannten Gründen eben die Bösen!

Bewaffnet waren sie; na gut, wir ja auch. Obwohl wir eine sehr gute Schießausbildung an allen Waffen erhalten hatten, gab es überhaupt keinen Grund, die Waffe einzusetzen oder auch den Einsatz nur anzudeuten. Hätte mir wirklich ein Feind gegenüber gestanden, wäre dies sicher ganz anders gewesen.

Der einzige Waffeneinsatz, der aus meiner Sicht für mich denkbar gewesen wäre, war der in vielen Lageübungen angenommene Fluchtversuch eines Bürgers der DDR. Da wäre mich ganz sicher ein Schußwaffeneinsatz im Rahmen der Selbstverteidigung drin gewesen; vielleicht tun es ja da schon ein paar Warnschüsse oder ähnliches.


Ich habe mir meine ganz persönlichen Gedanken dargstellt, kann mir aber gut denken dass mindestens 90% meiner gleichaltrigen Mitstreiter eine ähnliche oder sogar gleiche Einstellung zu der Sache hatte.



Die Männer gegenüber waren keine Feinde und wir hatten keinen Krieg!


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#254

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.05.2010 13:29
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Hallo LEGO,

danke für deine ehrliche und sehr umfangreiche Antwort.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 27.05.2010 13:29 | nach oben springen

#255

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.06.2010 08:57
von student | 89 Beiträge

Ich kann hier auch nur meine ganz persönliche Meinung dazu sagen, und die ist: Ich habe es eigentlich immer mehr als eine Art Achtungssignal angesehen, wenn wir vorne gewesen sind. Man kommt sich dann ja vor allem in jungen Jahren immer sehr edel und ausgezeichnet vor, daß man seinen Staat in vorderster Linie etc. etc. ... Seltsamerweise hat man den Angehörigen der NATO-Armeen immer ein wenig mehr von dem professionellen Respekt entgegengebracht, den man als Angehöriger der Streitkräfte zu seinem Gegenüber haben sollte, aber das war wohl politisch so gewollt. Der BRD-Imperialismus war eben besonders aggressiv ... Was die immer wieder diskutierte Frage angeht, ob man ... : Wir – nein, ich habe tatsächlich in jedem Angehörigen westlicher Armeen und auch im BGS einen Feind gesehen und hätte auch ohne zu zögern jede Art von Waffe eingesetzt, wenn – und das ist der springende Punkt: Bis zu dem Augenblick, wo der andere seine Waffe hebt, ist er eigentlich (noch) kein Feind, sondern erst einmal „einer von den anderen“. Wir haben uns ja im Frieden gegenübergestanden, und „der Feind“ war ebenso ein Schlagwort aus der Politschulung wie „staatsmonopolistischer Kapitalismus“ und „Provokateure“ usw. Als junger Zugführer bin ich unangenehm aufgefallen, weil ich meinen Soldaten zum Thema „Haß auf den Feind“ (Erziehung zum Haß war die vornehmste Aufgabe des Vorgesetzten) gesagt hatte: „Ihr sollt niemanden hassen. Haß macht blind – und wie wollt ihr denn dann zielen ...?“ Anders wäre die Sachlage gewesen, wenn ein bewaffneter Konflikt tatsächlich ausgebrochen wäre. Dann bin ich davon überzeugt, daß wir uns gegenseitig an den Hals gegangen wären und die „Feindbildlosen“ ebenso geballert hätten wie wir. Es ist eine eigenartige menschliche Eigenschaft, daß man solche widersprüchlichen Verhaltensweisen an den Tag legen kann, z.B. im Ersten Weltkrieg. Da wurde im Niemandsland gemeinsam Weihnachten gefeiert und anschließend ging jeder zurück in seinen Graben und hat munter weitergeschossen. Irgendwann, wenn Abstand zwischen die Dinge gekommen ist, wird man alles sehr viel unaufgeregter sehen. Wer empört sich denn heute noch mit vergleichbarer Emphase darüber, daß die Römer zwanzigtausend Sklaven an der Straße von Ostia nach Rom gekreuzigt haben, oder daß Karl der Große in Verden an der Aller an einem Tag viertausend Sachsen hat hinrichten lassen. Die Kinder werden in der Schule von unserer Grenze hören und werden es in den Klassenarbeiten mit dem römischen Limes durcheinanderbringen und sich fragen, wozu man das wissen muß. Ich für meinen Teil habe kein Problem damit, zu sagen: „Ja, ich hätte.“ Und ich sage sehr gerne: „Ich bin froh, daß ich es nie beweisen mußte.“


utkieker hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#256

RE: Grenzaufklärer vs. Bundesgrenzschutz

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.06.2010 11:14
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Guter Text Student, kann ich mich dahinterstellen, so isses, so war es, so wird es immer sein, weil eben der Mensch nichts dazugelernt hatte, er hat noch nicht mal gesehen, das da auf einmal ein System war, das sich doch den Frieden auf die Fahne geschrieben hatte und logisch, selbst nicht fehlerfrei war, in vielen Dingen verbesserungsbedürftig war.Aber wer ist schon fehlerfrei, zumal es seit Menschengedenken das erste System war, was eben Anders war, mal was Neues wollte und nicht aller fünf Jahre den selben Krampf wie heute?

R-M-R


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