#1

Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 26.09.2009 10:35
von Angelo | 12.396 Beiträge

Wie war das eigentlich mit den Ausbildungsplätzen in der DDR? Konnte man sich für jeden Beruf bewerben? Oder gab es Einschränkungen? Konnte ich mein Abitur machen? Oder war das nur bestimmten Personen erlaubt? Was konnte ich Studieren? Und vor allem konnte ich mir meine Uni selber aussuchen? Welche Studienfächer waren erlaubt?


zuletzt bearbeitet 26.09.2009 10:37 | nach oben springen

#2

RE: Ausbildungsplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 26.09.2009 10:57
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Angelo
Wie war das eigentlich mit den Ausbildungsplätzen in der DDR? Konnte man sich für jeden Beruf bewerben? Oder gab es Einschränkungen? Konnte ich mein Abitur machen? Oder war das nur bestimmten Personen erlaubt? Was konnte ich Studieren? Und vor allem konnte ich mir meine Uni selber aussuchen? Welche Studienfächer waren erlaubt?


Ziemlich viele Fragen auf einmal. Da koennste ganze Uni-Jahrgaenge damit beschaeftigen...

Zitat von Angelo
Wie war das eigentlich mit den Ausbildungsplätzen in der DDR? Konnte man sich für jeden Beruf bewerben?

Ja, bewerben schon... Allerdings hat man den normalerweise nicht gekriegt wenn man (1) den entsprechenden Notendurchschnitt nicht gehabt hat, (2) bei entsprechend begehrten Lehrplaetzen (z.B. Kfz-Mechaniker) war's schon oft so das man 3+ Jahre Armee-Verpflichtung eingehen musste, oder (3) nicht einer linientreuen Familie angehoert.

Zitat von Angelo
Oder gab es Einschränkungen?

Siehe oben...

Zitat von Angelo
Konnte ich mein Abitur machen?

Du schon, ich nicht

Zitat von Angelo
Oder war das nur bestimmten Personen erlaubt?

Wie schon von Gilbert erwaehnt, Abitur war im direkten Gang nur 'linientreuen' oder 'verpflichteten' moeglich (es gab da auch immer mal wieder verrueckte Aussnahmen). Im zweiten oder dritten Weg war es dann einfacher, allerdings - aufgrund des DDR-typischen Werdegangs mit frueher Heirat und fruehen Kindern (um eine eigene Wohnung zu bekommen) - materiell nicht einfach. Ausser man stellte seine eigene Meinung ins hintere Eck, leckte froehlich den ... des Parteisekretaers im Betrieb, dann wurde man delegiert und bekam sein normales Einkommen waehrend der Schulzeit

Zitat von Angelo
Was konnte ich Studieren? Und vor allem konnte ich mir meine Uni selber aussuchen? Welche Studienfächer waren erlaubt?

Das wurde, ausser man fiel da von selbst in die richtige Linie, mit total freiwilliger Gewalt vorbestimmt. Die einzig wirkliche Ausnahme von dieser Regel, IMHO, war eine Religionsstudium.

-Th


zuletzt bearbeitet 26.09.2009 10:58 | nach oben springen

#3

RE: Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 26.09.2009 11:56
von rhoenadler (gelöscht)
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Zitat von Angelo
Wie war das eigentlich mit den Ausbildungsplätzen in der DDR? Konnte man sich für jeden Beruf bewerben? Oder gab es Einschränkungen? Konnte ich mein Abitur machen? Oder war das nur bestimmten Personen erlaubt? Was konnte ich Studieren? Und vor allem konnte ich mir meine Uni selber aussuchen? Welche Studienfächer waren erlaubt?




- also zu

1. bewerben konntest du dich für jeden beruf, aber ob du angenommen wurdest?
(ich wurde z.b. wegen note 3 !!! im fach staatsbürgerkunde !!! nicht als azubi für den beruf baumaschinist eingestellt, durfte ''nur'' den beruf eines instandhaltungsmechanikers (betriebsschlosser)erlernen
selbige lehre konnte ich net vorzeitig erfolgreich beenden, weil ich meine verpflichtung,
dem staat 3 jahre zu dienen, zurückgezogen hatte. andere durften es trotz schlechterem notendurchschnitt, weil sie eben 3 jahre zur armee gingen.

2. abitur konntest du machen, wenn die leistungen dafür vorhanden waren

3. studieren ging nur oder kenne ich nur leute, die von der firma aus ''delegiert'' wurden,
sie hatten hinterher ihre stelle im betrieb sicher, nur auf gehobenerem niveau (hatte den vorteil, daß diese leute dann ihren job von der pike, also auch praktisch auf kannten)

-dementsprechend waren halt auch die studienfächer
-so viele unis gab in der ddr net, glaube auch, daß das vorgegeben wurde


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#4

RE: Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 26.09.2009 12:26
von Angelo | 12.396 Beiträge

Einheitliches sozialistisches Bildungssystem
Die Macht des staatlichen Bildungsmonopols setzte früh ein. Schon die Kleinsten unter den Heranwachsenden nahmen am "einheitlichen sozialistischen Bildungssystem" Teil. So verwundert es heute nicht, wenn sich viele Lebensläufe ähneln. Erziehungsprogramme gab es bereits in den Kinderkrippen für die Kleinen bis drei Jahre. Nahtlos setzte sich das im Kindergarten fort und wurde durch Polytechnische Oberschule (POS), Erweiterte Oberschule (EOS) oder Berufsschule aufgenommen. Über den eigenen Bildungsweg zu entscheiden, war dabei nur eingeschränkt möglich. Wer zu Abitur oder Studium zugelassen wurde, entschied die "Arbeiter-und-Bauern-Macht". Dabei spielten häufig eher politische Aspekte denn Leistungskriterien eine Rolle.


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#5

RE: Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 26.09.2009 12:50
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@angelo, ist das eine aussage bzw. meinung von dir oder gibt es dafür eine andere quelle ?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#6

RE: Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 26.09.2009 13:00
von Augenzeuge (gelöscht)
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Ich sehe dies nicht als Meinung, sondern als korrekte Festellung für den Lebensweg eines großen Teils der DDR-Bürger. Ist das nicht korrekt, Gilbert?


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#7

RE: Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 26.09.2009 13:27
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

doch, korrekt ist es schon, aber auch wieder nicht so einfach. man hatte schon z.b. die möglichkeit den facharbeiter mit abitur zu absolvieren (in berlin hat das damals veb tiefbau angeboten) war bei vielen aber nicht so beliebt. auch in der abendschule konnte man sein abitur machen, fand aber auch wenig begeisterte, weil es einfach anstrengend war, nach der arbeit noch zu "büffeln". das alles sollte man aber nicht unter den tisch fallen lassen oder gänzlich ignorieren.

das man nicht noch leute hoch qualifiziert, die sowieso dieser republik den rücken kehren wollten, war mir damals allzu verständlich. obwohl es auch andere beispiele gab, ist mir noch das "arsch aufreissen" bekannt damit pastorenkinder ihr abitur machen können.auch wenn sie dann mal an der eos "kleine hakenkreuzchen" an die rote wandzeitung malten, wurde ja im sinne des inneren friedens (sozialismus- kirche) grosszügig hinweggesehen. als gegenbeispiel könnten wir jetzt aber die relegierung der schüler der eos "carl von ossietzky" bringen. wie gesagt, alles nicht so einfach...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#8

RE: Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 26.09.2009 13:37
von Alfred | 6.841 Beiträge

Augenzeuge,

solche Formulierungen "wie großen Teils der DDR Bevölkerung" finde ich immer gewaltig.

Solche Aussagen mal mit Zahlen unterlegen, dass wäre was...

Man sollte aber auch gewisse Zusammenhänge nicht ausblenden.

Augenzeuge,

ich kenne einige, die machen heute auf Wiederstandskämpfer und teilen heute mit, dass sie dies schon in der DDR waren und dadurch keinen Studienplatz bekamen. Fakt ist aber, andere waren besser !

Fakt ist auch, dass es in der DDR begrenzte Studienplätze gab, dafür kostenfrei und es gab noch Geld. Die Ausbildung eines Arztes kostete den Staat rund 500.000 Mark, da ist es wohl verständlich, dass ich diese Plätze an Personen gebe, die dann den Beruf in der DDR ausüben, oder ?

Ich kannte eine Person die beschäftigte sich u.a. mit Studienplätzen. Den Job wollte keiner haben. Da kam es eben vor, dass die mehr ablehnen als zulassen mussten und das unabhängig ob Bürger X das Parteibuch der SED hatte.


zuletzt bearbeitet 26.09.2009 13:38 | nach oben springen

#9

RE: Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 26.09.2009 13:57
von westsachse | 464 Beiträge

So lange ich in der DDR in der Ausbildung war, war dieser Staat für mich in Ordnung. Gerade durch den Dienst bei der GT und hinterher als Facharbeiter hat man den Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit mit der entsprechenden Lügenideologie wargenommen. Das war bei einem Arzt mit Sicherheit extremer als für einen Facharbeiter - will sagen es verhielt sich direkt proportional mit der Höhe der Qualifikation. Dort kamen dann die Gedanken - beim Umgang mit Monteuren aus dem NSW z. B. - warum haben die so schöne Werkzeuge und alles Material, das sie brauchen und wir nicht und warum darf ich dort nicht hin um mir das anzuschauen. Da wurden die Zweifel immer grösser und mancher trug sich deswegen mit dem Gedanken auszureisen. Es war nicht jeder Manfred von Ardenne.

Gruß

westsachse


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#10

RE: Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 26.09.2009 14:55
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Alfred
Augenzeuge,
solche Formulierungen "wie großen Teils der DDR Bevölkerung" finde ich immer gewaltig.
Solche Aussagen mal mit Zahlen unterlegen, dass wäre was...

Aufgrund der allgemeingültigen Aussage brauchen wir keine Zahlen.


Man sollte aber auch gewisse Zusammenhänge nicht ausblenden.
Augenzeuge,
ich kenne einige, die machen heute auf Wiederstandskämpfer und teilen heute mit, dass sie dies schon in der DDR waren und dadurch keinen Studienplatz bekamen. Fakt ist aber, andere waren besser !

Je nachdem wer das zu beurteilen hatte. Andere hatten gute Beziehungen zu "hohen Tieren", die hatten die besten Karten, besser waren die nicht, auch ein Fakt.


Fakt ist auch, dass es in der DDR begrenzte Studienplätze gab, dafür kostenfrei und es gab noch Geld. Die Ausbildung eines Arztes kostete den Staat rund 500.000 Mark, da ist es wohl verständlich, dass ich diese Plätze an Personen gebe, die dann den Beruf in der DDR ausüben, oder ?

Auch mein Studium in Westberlin war für mich völlig kostenfrei, auch ich bekam Geld ohne es zurückzahlen zu müssen...Wohngeld auch und ich konnte davon sogar noch den Mindestumtausch der DDR bezahlen. Nach meinem Studium hätte ich nach Russland gehen können, niemand hätte mich daran gehindert!

Ich kannte eine Person die beschäftigte sich u.a. mit Studienplätzen. Den Job wollte keiner haben. Da kam es eben vor, dass die mehr ablehnen als zulassen mussten und das unabhängig ob Bürger X das Parteibuch der SED hatte.



Richtig, zum Studium war das Parteibuch nicht notwendig. Auch ich hatte ohne Parteizugehörigkeit einen Studienplatz bekommen (nachdem ich einen Facharbeiter mit Abitur erfolgreich abgeschlossen hatte), der aber wegen absichtlich verzögerten Einziehens zum Wehrdienst verlorenging......


zuletzt bearbeitet 26.09.2009 14:56 | nach oben springen

#11

RE: Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 26.09.2009 15:13
von Alfred | 6.841 Beiträge

Augenzeuge,

so hat eben jeder SEINE Erfahrungen gesammelt.

Du DEINE und ICH MEINE !!

Aber zum Glück sind heute Beziehungen schädlich ....


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#12

RE: Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 26.09.2009 19:12
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Alfred
Augenzeuge,
so hat eben jeder SEINE Erfahrungen gesammelt.
Du DEINE und ICH MEINE !!
Aber zum Glück sind heute Beziehungen schädlich ....




Klar Alfred, Erfahrungen sind die Basis des Forums. Ist es nicht toll, das wir andere an unseren Erfahrungen teilhaben lassen können? In dem Sinne lernt der ein oder andere etwas dazu, ob es einen gefällt oder nicht. Und die dritten, die unseren kleinen Dialog lesen, können sich ihre eigenen Gedanken dazu machen und selbst entscheiden, was sie davon (geistig) mitnehmen möchten. Stell dir mal vor, diese Möglichkeiten wie hier, hätte es schon früher gegeben. Wäre das gut oder schlecht gewesen für die DDR?


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#13

RE: Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 28.09.2009 22:01
von muts | 89 Beiträge

Zitat von Angelo
Wie war das eigentlich mit den Ausbildungsplätzen in der DDR? Konnte man sich für jeden Beruf bewerben? Oder gab es Einschränkungen?

Aus meiner Erfahrung, ja man konnte. Ob man genommen wurde hing mitunter von Beziehungen ab, von schulischen Leistungen und der Beurteilung (heute würde man Arbeitszeugnis sagen). Ich wollte immer Kfz. Schlosser werden. Bei der Berufsberatung wurden mir schlechte Chancen dafür eingeräumt. Meine schulischen Leistungen waren zu gut.

Konnte ich mein Abitur machen? Oder war das nur bestimmten Personen erlaubt?

Man konnte. Allerdings waren die zu vergebenden Plätze limitiert. Es handelte sich ja um eine Planwirtschaft, also wurde der Bedarf an Hochschulabsolventen geplant. Daraus ergibt sich die Zahl derer die die Hochschulreife erhalten müssen. Nicht jeder der wollte ,durfte mal probieren Abitur zu machen. Die schulischen Leistungen desjenigen mußten schon erwarten lassen, daß er den vorbestimmten Weg (Abitur, dann Hochschulstudium) auch bewältigt.

Was konnte ich Studieren? Und vor allem konnte ich mir meine Uni selber aussuchen? Welche Studienfächer waren erlaubt?

Bewerben konnte man sich für alles ,auch wo man wollte. Nur ob man da auch ankam stand auf einem anderen Blatt. Hier wieder die Planwirtschaft. Wenn für das Jahr X geplant war, daß 500 Ärzte benötigt werden, so wurden auch nur 500 Ärzte ausgebildet.



Einfügungen in blau


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#14

RE: Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 28.09.2009 22:13
von Mongibella (gelöscht)
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Also, ich habe meinen Ausbildungsberuf über Beziehungen bekommen....zwar hab ich ne ganz normale Bewerbung geschrieben, aber mein Vater kannte jemanden bei der Firma und der kannte wiederum jemanden, der über die Auszubildenden zu entscheiden hatte....

....ich kann mich noch erinnern, wie wir 4 in einen Raum sassen in der Ausbildungsbaracke beim Kaffee, sozusagen nen inoffizielles mündliches Bewerbungsgespräch noch vor der schriftlichen....

....der Job war kuhl und das Geld später für DDR-Verhältnisse richtig gut.

Mara


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#15

RE: Ausbildungsplatz und Studienplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 29.09.2009 07:02
von sentry | 1.087 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
(in berlin hat das damals veb tiefbau angeboten)




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#16

RE: Ausbildungsplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 29.09.2009 08:21
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von CaptnDelta
Wie schon von Gilbert erwaehnt, Abitur war im direkten Gang nur \'linientreuen\' oder \'verpflichteten\' moeglich (es gab da auch immer mal wieder verrueckte Aussnahmen). Im zweiten oder dritten Weg war es dann einfacher, allerdings - aufgrund des DDR-typischen Werdegangs mit frueher Heirat und fruehen Kindern (um eine eigene Wohnung zu bekommen) - materiell nicht einfach. Ausser man stellte seine eigene Meinung ins hintere Eck, leckte froehlich den ... des Parteisekretaers im Betrieb, dann wurde man delegiert und bekam sein normales Einkommen waehrend der Schulzeit



@capt´n, das soll ich so gesagt haben ?
im direkten abitur waren tatsächlich nur die leistungsstärksten schüler der oberschule. es gab jedoch ca. 2 - 3 plätze als sog. staatsquote, d.h. diese plätze waren offiziersbewerbern der nva vorbehalten.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#17

RE: Ausbildungsplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 29.09.2009 08:37
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow

Zitat von CaptnDelta
Wie schon von Gilbert erwaehnt, Abitur war im direkten Gang nur \\'linientreuen\\' oder \\'verpflichteten\\' moeglich (es gab da auch immer mal wieder verrueckte Aussnahmen). Im zweiten oder dritten Weg war es dann einfacher, allerdings - aufgrund des DDR-typischen Werdegangs mit frueher Heirat und fruehen Kindern (um eine eigene Wohnung zu bekommen) - materiell nicht einfach. Ausser man stellte seine eigene Meinung ins hintere Eck, leckte froehlich den ... des Parteisekretaers im Betrieb, dann wurde man delegiert und bekam sein normales Einkommen waehrend der Schulzeit


@capt´n, das soll ich so gesagt haben ?
im direkten abitur waren tatsächlich nur die leistungsstärksten schüler der oberschule. es gab jedoch ca. 2 - 3 plätze als sog. staatsquote, d.h. diese plätze waren offiziersbewerbern der nva vorbehalten.



Naja, ausser die leistungsstaerksten waren eben nich so auf Parteilinie, da war's mit Abi Essig. Ich war in unserem Jahrgang immer #2 oder sogar 1, allerdings das mit Abi direkt machen kam fuer mich nicht in Frage.
-Th

PS: war ein anderer Thread wo Du zugegeben hattest das das mit direkt Abi machen fuer 'nonkonforme' eher abgelehnt wurde, allerdings das Abi auf zweit oder drittweg (manchmal) moeglich gemacht war.
PPS: Uebrigens, mit 2-oder 3 als Abi-Staatsquote, das war in unserer Klasse schon das ganze Kontingent an Abiplaetzen.


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#18

RE: Ausbildungsplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 29.09.2009 08:37
von sentry | 1.087 Beiträge

In der Praxis gab es eine ganze Reihe "nicht leistungsabhängiger" Kriterien für die Auswahl der späteren Abiturienten. Offiziersbewerber vor den anderen, Arbeiterkinder vor Intelligenzler-Sprösslingen, Männchen vor Weibchen...

Allerdings muss man (bis auf die Offiziere) sagen, dass das alles nur sekundär war. Kein dummes Arbeiterkind hat einen Abiturplatz gekriegt, wenn ausreichend leistungsstärkere andere da waren.
"Arbeiter"kind war sowieso eine Definitionsfrage. Daddy musste nicht unbedingt bis zu den Ellenbogen in Schmieröl stecken, um als Arbeiter zu gelten.
Alle oben genannte Kriterien wurden eigentlich erst zur Auswahl herangezogen, wenn bei "Gleichwertigkeit" ein Entscheidung gefällt werden musste.

Dennoch - aus meiner Sicht ist dieses Auswahlverfahren für mich das absolute Totschlagargument gegen das ach so tolle hochgelobte Bildungssystem in der DDR.
In aller Regel gab es kaum mehr als 3 Abiturplätze pro 10. Klasse. Das heißt wenn in einer Klasse 4 oder 5 Einsteins waren und dazu noch 2 durchschnittliche Offiziersbewerber, fielen einige Gute ganz definitiv hinten runter.

Ich kann da auch nicht die gelegentlich erwähnten zweiten oder dritten Bildungswege gelten lassen. Es gibt für mich keinen vernünftigen Grund, einen wirklich guten Schüler nicht auf direktem Wege den für ihn besten Weg machen zu lassen. Alle verordneten Verzögerungen sind kontraproduktiv.
Dazu zähle ich im übrigen auch den Wehrdienst, der in der DDR zwangsläufig vor dem Studium zu absolvieren. 18 oder 36 Monate nach dem Abitur wieder einzusteigen, ist vielen nicht besonders leicht gefallen. Ein Großteil der ersten Semester ging dafür drauf, Abiturgrundlagen zu wiederholen.
Ok...ich schweife ab...

War alles möglich? Theoretisch ja, praktisch sehr sehr häufig nein. Es gab zu viele Stolpersteine, die einem völlig unabhängig vom eigenen Leistungsvermögen und den eigenen Neigungen bestimmte Ausbildungswege und -richtungen verschließen konnten.


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#19

RE: Ausbildungsplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 29.09.2009 09:00
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von CaptnDelta

war ein anderer Thread wo Du zugegeben hattest das das mit direkt Abi machen fuer 'nonkonforme' eher abgelehnt wurde, allerdings das Abi auf zweit oder drittweg (manchmal) moeglich gemacht war.


zugegeben... hört sich ein wenig nach verhör oder in die ecke drängen an...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#20

RE: Ausbildungsplatz in der DDR war alles möglich?

in Leben in der DDR 29.09.2009 09:03
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von sentry

War alles möglich? Theoretisch ja, praktisch sehr sehr häufig nein. Es gab zu viele Stolpersteine, die einem völlig unabhängig vom eigenen Leistungsvermögen und den eigenen Neigungen bestimmte Ausbildungswege und -richtungen verschließen konnten.


ja, dem war so und daher kann ich mich dieser aussage sofort anschliessen...

p.s. @captn, habe ich jetzt wieder was zugegeben...?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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