#1

DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 20.09.2009 18:36
von Luchs (gelöscht)
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Während meiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim Roten Kreuz in Helmstedt kam es vor dem Mauerfall ab und zu vor, dass ich zum Krankentransport in die DDR fahren musste. Dabei handelte es sich in der Regel um die Rückholung eines Bundesbürgers, der bei seinem Aufenhtalt in der DDR erkrankt war oder um das überbringen eines DDR Bürgers, der ib der BRD erkrankte.

Das war immer eine spannende Sache. Wir fuhren am Übergang Marienborn in die Diplomatenspur, gaben dort unsere Reisepässe ab, wurden mit unserem Fahrzeug in einen etwa 1 m hohen Verschlag mit Maschendraht geschlossen und mussten dann bis zu 2 Stunden warten, bis das Rote Kreuz der DDR zur Übergabe des Erkrankten dazu stieß.

Kontakt hatten wir jedesmal nur zu einem Hauptmann. Wenn der DDR Krankenwagen angemeldet wurde, mussten wir dann hinter dem Hauptmann hinterher in eine Garage fahren, die auf beiden Seiten Tore hatte und somit durchfahren werden konnte. Wir fuhren dort von der Einreisespur ein, der Krankenwagen der DDR hielt quer vor dem gleichen Tor und der Kranke wurde umgeladen. Meistens handelte es sich um Sitzendtransporte, so dass der Kranke selbst aus- und einsteigen konnte.

Bei dieser Prozedur waren 4 Sanitäter der DDR und BRD anwesend, der Kranke, der Hauptmann und eine Krankenschwester, wie ich annehme von der GüSt. Wenn wir noch Zeit hatten, und wir hatte immer Zeit, dann standen wir alle noch ein wenig zusammen unterhielten uns und rauchten noch eine oder zwei Zigarette zusammen.

Wenn wir dann aufbrachen, öffnete der Hauptmann das andere Tor und geleitete uns über die Ausreisespuren zu einem freien Abfertigungsweg und wir fuhren wieder nach Helmstedt.

Mit der Zeit waren wir dort schon so bekannt, dass wir frei von dem Verschlag bis in die Garage fahren konnten. Der Hauptmann sagte dann nur:“Ihr wisst ja, wo es lang geht.“ und kam dann nach.

Jetzt werdet ihr euch sicherlich fragen, was das mit der Überschrift dieses Threads zu tun hat? Dazu möchte ich folgende Begebenheit eines Krankenrücktransportes aufschreiben:

Eine geistig leicht verwirrte Frau aus der Nähe des Grenzüberganges Marienborn arbeitete in Magdeburg. Mit Ihrer Monatskarte fuhr sie täglich von Marienborn nach Magdeburg mit der Reichsbahn. Eines Tages fiel sie dem Zugbegleiter zwischen Helmstedt und Braunschweig auf, weil sie für diese Fahrtstrecke keinen Fahrausweis besaß. Ihm fiel wohl auch auf, dass die Frau ein wenig verwirrt war, denn er ließ über Zugbahnfunk einen braunschweiger Bahnarzt und die Bahnpolizei zum Zug kommen, denen er die Frau übergab.
Da der Bahnarzt ein Amtsarzt ist, ließ er die Frau in eine geschlossene Abteilung der Landeskrankenhauses Königslutter einweisen, von wo wir die Frau zum Rücktransport am nächsten Tage abholten.

Nach einer Tasse Kaffee im Rotkreuzheim in Helmstedt, wo wir der Frau versicherten, dass wir sie nicht zurückbringen würden, wenn sie es nicht wolle, fuhren wir sie dann zurück. Ich hielt auch noch einmal an der weißen Linie (Grenzmarkierung) auf der Autobahn an und fragte sie, aber sie wollte nur wieder nach Hause. So fuhren wir sie zur Übergabe auf bereits beschriebenen Weg.

Ich würde wirklich gern wissen, was danach mit der Frau passierte. Kann sich vielleicht jemand von euch an diesen Vorfall erinnern? Ist vielleicht der Hauptmann hier mit „an Bord“? Auch den würde ich gern wieder mal sprechen.

Viele Grüße
Micha


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#2

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 20.09.2009 18:44
von Pitti53 | 8.788 Beiträge

wann ungefähr war das?


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#3

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 20.09.2009 18:48
von Luchs (gelöscht)
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Das war mal im Frühjahr. Müsste 1988 oder 1989 gewesen sein.

Viele Grüße
Micha


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#4

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 20.09.2009 18:50
von Pitti53 | 8.788 Beiträge

Zitat von Luchs
Das war mal im Frühjahr. Müsste 1988 oder 1989 gewesen sein.

Viele Grüße
Micha


neee.da war ich nicht mehr in marienborn.mußte mal den mechaniker fragen.war wohl seine zeit


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#5

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 20.09.2009 18:57
von Luchs (gelöscht)
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Ja, danke, Pitti.

Viele Grüße
Micha


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#6

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.09.2009 07:59
von sentry | 1.091 Beiträge

In Antwort auf:
Wir fuhren am Übergang Marienborn in die Diplomatenspur, gaben dort unsere Reisepässe ab, wurden mit unserem Fahrzeug in einen etwa 1 m hohen Verschlag mit Maschendraht geschlossen und mussten dann bis zu 2 Stunden warten



Steht das "m" für Meter??
Die Rückholgeschichte ist interessant. Es gab auch einen ähnlichen "Rückholservice" für verunfallte bzw. Pannen-Pkw. Das erledigte der Helmstedter Abschleppservice "Ulrichs". Der hatte ähnliche privilegierte Ein- und Ausreisebedingungen. Die Fahrzeuge mussten allerdings bei Ein- und Ausreise von den Grenzern besonders beobachtet und auch gemeldet werden.

Der erwähnte Hauptmann wird dann wohl von der PKE gewesen sein, da sich außer dem DHO/A, der aber in der Regel Oberstleutnant, mindestens jedoch Major war, keine Grenztruppenoffiziere im Kontrollterritorium aufhielten.

Die Geschichte mit der verwirrten Frau klingt zumindest in Teilen unglaubwürdig.
In Marienborn war zu der Zeit der regionale Bahnverkehr baulich und räumlich getrennt vom Interzonenverkehr.
Man konnte nicht (ausversehen oder absichtlich) in einem Zug sitzen bleiben und über die Grenze geraten, jedenfalls nicht auf dem beschriebenen Weg.
Wenn ich mich recht erinnere, war der einzige Interzonenzug Ost-West zu damaliger Zeit der D444 Görlitz-Köln. Alle anderen Personenzüge waren entweder Transitzüge aus /nach Westberlin, die aber in Magedeburg nicht hielten und der kleine Grenzverkehr, der aber nur bis Eilsleben fuhr und nicht nach Magdeburg kam, sowie die regionale Verbindung zwischen Magdeburg und Marienborn.

Die Interzonenzüge hatten in Marienborn 45 mins Standzeit und wurden gründlichst kontrolliert. Ich glaube kaum, dass da jemand durchrutschen konnte, und dann auch noch unabsichtlich.
Der kleine Grenzverkehr E2046/E2041 hatte wohl 14 mins Standzeit. Das war aber nur so eine Taigatrommel, die sehr übersichtlich ist, so dass ich auch nicht glaube, dass man da durchrutschen könnte. Außerdem hätte die verwirrte Frau von Magdeburg kommend irgendwo zwischen Eilsleben und Marienborn aussteigen müssen und in die Taigatrommel wieder einsteigen...

Wenn man von Magdeburg nach Marienborn wollte, musste man mit so einem typischen doppelstöckigen Regionalzug fahren, der auf jedem Dorf anhielt.

Ich habe 'mal zwei Bilder angehängt, damit man sich die Situation auf der GÜSt Marienborn Ende der 80er vorstellen kann.
Das erste Bild zeigt die GÜSt von der Beschauerbrücke am Westende aus gesehen. Alle Interzonengleise führten unter dieser Brücke durch.
Der kleine Flachbau rechts ist die PKE-Bude, die man auf dem zweiten Bild links sieht.
Man sieht also den gesamten gesperrten Bereich der GÜSt vor sich. Der Bahnsteig für die Regionalzüge befindet sich jedoch links hinter der Kameraposition. Die Züge passierten die Beschauerbrücke links und fuhren zu dem völlig separaten Bahnsteig westlich der GÜSt. Der war wohl nicht einmal Sperrgebiet, jedenfalls gab es dort keine weiteren Kontrollinstanzen. Wenn die verwirrte Frau nun also in einen grenzüberschreitenden Zug gelangen wollte, hätte sie vom Bahnsteig über den Bahnübergang hinter der Kameraposition laufen müssen, dann den Weg entlang des gelben Zaunes rechts im Bild und wäre unweigerlich auf Bild 2 bei diesem freundlichen PKE-Mann angekommen...der einzige Weg für einen Fußgänger, ohne Gefahr für das eigenen Leben den GÜSt-Bahnsteig zu betreten (ca. 500 m Fußweg).
Im Bild 2 (Blickrichtung Westen) sieht man die Beschauerbrücke B1 und rechts dahinter die Gebäude des freien Regionalbahnsteiges Marienborn. Der Regionalzug fuhr noch rechts von dem beschrifteten Gebäude. Alle Einrichtungen für den Interzonenverkehr befinden sich hinter der Kameraposition...unmöglich diesen Wechsel ausversehen und ungesehen hinzukriegen.

Ich vermute mal, die Frau war Rentnerin oder hatte sonstwie die reguläre Berechtigung, im kleinen Grenzverkehr nach Helmstedt oder Braunschweig zu reisen, hatte bloß einfach an diesem Tag nicht die Absicht gehabt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie einfach so "durchgerutscht" ist. Dazu war das Kontrollnetz zu dicht. Die Frage: "Sind Sie sicher, dass Sie da 'rüber wollen?", wird wohl keinem Kontrolleur in den Sinn gekommen sein...

Beide Bilder sind (c) Günter Mach, Helmstedt.

Angefügte Bilder:
zuletzt bearbeitet 21.09.2009 08:00 | nach oben springen

#7

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.09.2009 08:48
von Mechaniker (gelöscht)
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kann zu dem Vorfall nix sagen, war 80/81 in Mbn.

Gruß Klaus


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#8

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.09.2009 10:10
von Bergmensch (gelöscht)
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Ich kann mir auch nicht vorstellen das da jemand so rüber gekommen wäre.


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#9

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.09.2009 15:02
von Luchs (gelöscht)
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Zitat von sentry
...
Steht das "m" für Meter??
...

Der erwähnte Hauptmann wird dann wohl von der PKE gewesen sein, da sich außer dem DHO/A, der aber in der Regel Oberstleutnant, mindestens jedoch Major war, keine Grenztruppenoffiziere im Kontrollterritorium aufhielten.

Die Geschichte mit der verwirrten Frau klingt zumindest in Teilen unglaubwürdig.
In Marienborn war zu der Zeit der regionale Bahnverkehr baulich und räumlich getrennt vom Interzonenverkehr.
Man konnte nicht (ausversehen oder absichtlich) in einem Zug sitzen bleiben und über die Grenze geraten, jedenfalls nicht auf dem beschriebenen Weg.
Wenn ich mich recht erinnere, war der einzige Interzonenzug Ost-West zu damaliger Zeit der D444 Görlitz-Köln. Alle anderen Personenzüge waren entweder Transitzüge aus /nach Westberlin, die aber in Magedeburg nicht hielten und der kleine Grenzverkehr, der aber nur bis Eilsleben fuhr und nicht nach Magdeburg kam, sowie die regionale Verbindung zwischen Magdeburg und Marienborn.

Die Interzonenzüge hatten in Marienborn 45 mins Standzeit und wurden gründlichst kontrolliert. Ich glaube kaum, dass da jemand durchrutschen konnte, und dann auch noch unabsichtlich.
Der kleine Grenzverkehr E2046/E2041 hatte wohl 14 mins Standzeit. Das war aber nur so eine Taigatrommel, die sehr übersichtlich ist, so dass ich auch nicht glaube, dass man da durchrutschen könnte. Außerdem hätte die verwirrte Frau von Magdeburg kommend irgendwo zwischen Eilsleben und Marienborn aussteigen müssen und in die Taigatrommel wieder einsteigen...

Wenn man von Magdeburg nach Marienborn wollte, musste man mit so einem typischen doppelstöckigen Regionalzug fahren, der auf jedem Dorf anhielt.

Ich habe 'mal zwei Bilder angehängt, damit man sich die Situation auf der GÜSt Marienborn Ende der 80er vorstellen kann.
Das erste Bild zeigt die GÜSt von der Beschauerbrücke am Westende aus gesehen. Alle Interzonengleise führten unter dieser Brücke durch.
Der kleine Flachbau rechts ist die PKE-Bude, die man auf dem zweiten Bild links sieht.
Man sieht also den gesamten gesperrten Bereich der GÜSt vor sich. Der Bahnsteig für die Regionalzüge befindet sich jedoch links hinter der Kameraposition. Die Züge passierten die Beschauerbrücke links und fuhren zu dem völlig separaten Bahnsteig westlich der GÜSt. Der war wohl nicht einmal Sperrgebiet, jedenfalls gab es dort keine weiteren Kontrollinstanzen. Wenn die verwirrte Frau nun also in einen grenzüberschreitenden Zug gelangen wollte, hätte sie vom Bahnsteig über den Bahnübergang hinter der Kameraposition laufen müssen, dann den Weg entlang des gelben Zaunes rechts im Bild und wäre unweigerlich auf Bild 2 bei diesem freundlichen PKE-Mann angekommen...der einzige Weg für einen Fußgänger, ohne Gefahr für das eigenen Leben den GÜSt-Bahnsteig zu betreten (ca. 500 m Fußweg).
Im Bild 2 (Blickrichtung Westen) sieht man die Beschauerbrücke B1 und rechts dahinter die Gebäude des freien Regionalbahnsteiges Marienborn. Der Regionalzug fuhr noch rechts von dem beschrifteten Gebäude. Alle Einrichtungen für den Interzonenverkehr befinden sich hinter der Kameraposition...unmöglich diesen Wechsel ausversehen und ungesehen hinzukriegen.

Ich vermute mal, die Frau war Rentnerin oder hatte sonstwie die reguläre Berechtigung, im kleinen Grenzverkehr nach Helmstedt oder Braunschweig zu reisen, hatte bloß einfach an diesem Tag nicht die Absicht gehabt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie einfach so "durchgerutscht" ist. Dazu war das Kontrollnetz zu dicht. Die Frage: "Sind Sie sicher, dass Sie da 'rüber wollen?", wird wohl keinem Kontrolleur in den Sinn gekommen sein...

Beide Bilder sind (c) Günter Mach, Helmstedt.



Hallo sentry,

sehr interessante Informationen. Ja, das "m" steht für Meter, mach dich ruhig lustig. Ich weiß, dass solch ein Zaun niemenden am drüberwegsteigen hindert, habe gestern auch überlegt, wie ich es formulieren sollte:
...wurden mit unserem Fahrzeug in einen etwa 1 m hohen Verschlag mit Maschendraht gesperrt...
hätte sich sicherlich viel blöder angehört.
...wurden mit unserem Fahrzeug in einen etwa 1 m hohen Verschlag mit Maschendraht eingeschlossen...
eingeschlossen wurden wir ja nicht. Man hinderte uns damit lediglich an der Weiterfahrt, wenn wir keinen Schaden am Fahrzeug nehmen wollten.

Nun zu deinen Ausführungen bezüglich der Reise der verwirrten Frau: Wie sie, mit welchem Zug "rüber" kam, kann ich nicht sagen. Nur, dass sie für die Strecke ab Marienborn keine Fahrkarte hatte und es er Kontrolleur der DB bei seiner Kontrolle feststellte.

Die Frau selbst sagte uns, dass sie jeden Tag zwischen Marienborn und Magdeburg pendle.

Übrigens: Der erwähnte Hauptmann kann auch ein Oberleutnant gewesen sein, so genau weiß ich das nicht mehr.

Viele Grüße
Micha


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#10

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.09.2009 15:52
von Jameson | 759 Beiträge

Hallo Luchs,
ich kann die Geschichte nicht so richtig glauben. Stell Dir mal vor diese Geschichte wäre vor zwanzig Jahren in der Tagesschau gekommen, was denkste wieviele "verwirrte Pendler" das zwischen Magdeburg und Marienborn gegeben hätte.

Nix für unjuut

Ahoi Jameson



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#11

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.09.2009 16:27
von sentry | 1.091 Beiträge

Zitat von Luchs
Ja, das "m" steht für Meter, mach dich ruhig lustig.



Keine Panik, klassisches Missverständnis. Ich dachte mehr, Ihr seid mit dem Ferrari gekommen, weil ich einen 1-m-hohen oben geschlossenen Käfig vor Augen hatte.
Lediglich ein Zaun macht Sinn. Es ging sicher nicht ums Wegrennen, sondern um die Zuweisung einer nicht zu verlassenden Aufenthaltsfläche, da gebe ich Dir recht.

Ansonsten zweifle ich Deine Geschichte gar nicht an, lediglich eben den Teil, den ihr nicht wirklich wissen konntet.
Oberleutant und Hauptmann macht keinen Unterschied - alles mit ziemlicher Sicherheit PKE.
Der DHO (GT) war, wie gesagt Oberstleutnant (zwei über Hauptmann).


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#12

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.09.2009 16:59
von Luchs (gelöscht)
avatar

@sentry und @jameson, ich hatte extra noch ein Smiley hinter "lustig" gesetzt. Das ist genau die Form von Spaß (über mich), die ich mag.

Wie es passierte, dass die Frau durchfuhr, weiß ich ja nun nicht. Wenn ich sentrys Schilderungen lese, würde ich das wahrscheinlich auch anzweifeln.

Vielleicht ist es tatsächlich so, dass sie die Genehmigung hatte in den Westen zu reisen, vielleicht ist sie unbemerkt in den falschen Zug gestiegen um nach Magdeburg zu fahren, vielleicht ist sie versehentlich auf dem Klo eingeschlafen und die Kontrolle hatte auch gepennt, vielleicht ist sie aber auch nach "drüben" geschleust worden, weil sie so gut bekloppt spielen konnte, ... Auf alle Fälle hatten wir sie wieder nach Marienborn gebracht.

Hier übrigens unser kleinster Krankentransporter

Viele Grüße
Micha

Angefügte Bilder:
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#13

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.09.2009 17:03
von Pitti53 | 8.788 Beiträge

Zitat von Luchs
@sentry und @jameson, ich hatte extra noch ein Smiley hinter "lustig" gesetzt. Das ist genau die Form von Spaß (über mich), die ich mag.

Wie es passierte, dass die Frau durchfuhr, weiß ich ja nun nicht. Wenn ich sentrys Schilderungen lese, würde ich das wahrscheinlich auch anzweifeln.

Vielleicht ist es tatsächlich so, dass sie die Genehmigung hatte in den Westen zu reisen, vielleicht ist sie unbemerkt in den falschen Zug gestiegen um nach Magdeburg zu fahren, vielleicht ist sie versehentlich auf dem Klo eingeschlafen und die Kontrolle hatte auch gepennt, vielleicht ist sie aber auch nach "drüben" geschleust worden, weil sie so gut bekloppt spielen konnte, ... Auf alle Fälle hatten wir sie wieder nach Marienborn gebracht.

Hier übrigens unser kleinster Krankentransporter

Viele Grüße
Micha


da fang ich doch glatt bei euch an.als fahrer


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#14

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.09.2009 21:32
von Thunderhorse | 4.008 Beiträge

Zitat von Luchs
Während meiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim Roten Kreuz in Helmstedt kam es vor dem Mauerfall ab und zu vor, dass ich zum Krankentransport in die DDR fahren musste. Dabei handelte es sich in der Regel um die Rückholung eines Bundesbürgers, der bei seinem Aufenhtalt in der DDR erkrankt war oder um das überbringen eines DDR Bürgers, der ib der BRD erkrankte.
Das war immer eine spannende Sache. Wir fuhren am Übergang Marienborn in die Diplomatenspur, gaben dort unsere Reisepässe ab, wurden mit unserem Fahrzeug in einen etwa 1 m hohen Verschlag mit Maschendraht geschlossen und mussten dann bis zu 2 Stunden warten, bis das Rote Kreuz der DDR zur Übergabe des Erkrankten dazu stieß.
Kontakt hatten wir jedesmal nur zu einem Hauptmann. Wenn der DDR Krankenwagen angemeldet wurde, mussten wir dann hinter dem Hauptmann hinterher in eine Garage fahren, die auf beiden Seiten Tore hatte und somit durchfahren werden konnte. Wir fuhren dort von der Einreisespur ein, der Krankenwagen der DDR hielt quer vor dem gleichen Tor und der Kranke wurde umgeladen. Meistens handelte es sich um Sitzendtransporte, so dass der Kranke selbst aus- und einsteigen konnte.
Bei dieser Prozedur waren 4 Sanitäter der DDR und BRD anwesend, der Kranke, der Hauptmann und eine Krankenschwester, wie ich annehme von der GüSt. Wenn wir noch Zeit hatten, und wir hatte immer Zeit, dann standen wir alle noch ein wenig zusammen unterhielten uns und rauchten noch eine oder zwei Zigarette zusammen.
Wenn wir dann aufbrachen, öffnete der Hauptmann das andere Tor und geleitete uns über die Ausreisespuren zu einem freien Abfertigungsweg und wir fuhren wieder nach Helmstedt.
Mit der Zeit waren wir dort schon so bekannt, dass wir frei von dem Verschlag bis in die Garage fahren konnten. Der Hauptmann sagte dann nur:“Ihr wisst ja, wo es lang geht.“ und kam dann nach.
Jetzt werdet ihr euch sicherlich fragen, was das mit der Überschrift dieses Threads zu tun hat? Dazu möchte ich folgende Begebenheit eines Krankenrücktransportes aufschreiben:
Eine geistig leicht verwirrte Frau aus der Nähe des Grenzüberganges Marienborn arbeitete in Magdeburg. Mit Ihrer Monatskarte fuhr sie täglich von Marienborn nach Magdeburg mit der Reichsbahn. Eines Tages fiel sie dem Zugbegleiter zwischen Helmstedt und Braunschweig auf, weil sie für diese Fahrtstrecke keinen Fahrausweis besaß. Ihm fiel wohl auch auf, dass die Frau ein wenig verwirrt war, denn er ließ über Zugbahnfunk einen braunschweiger Bahnarzt und die Bahnpolizei zum Zug kommen, denen er die Frau übergab.
Da der Bahnarzt ein Amtsarzt ist, ließ er die Frau in eine geschlossene Abteilung der Landeskrankenhauses Königslutter einweisen, von wo wir die Frau zum Rücktransport am nächsten Tage abholten.
Nach einer Tasse Kaffee im Rotkreuzheim in Helmstedt, wo wir der Frau versicherten, dass wir sie nicht zurückbringen würden, wenn sie es nicht wolle, fuhren wir sie dann zurück. Ich hielt auch noch einmal an der weißen Linie (Grenzmarkierung) auf der Autobahn an und fragte sie, aber sie wollte nur wieder nach Hause. So fuhren wir sie zur Übergabe auf bereits beschriebenen Weg.
Ich würde wirklich gern wissen, was danach mit der Frau passierte. Kann sich vielleicht jemand von euch an diesen Vorfall erinnern? Ist vielleicht der Hauptmann hier mit „an Bord“? Auch den würde ich gern wieder mal sprechen.
Viele Grüße
Micha



War Euer Transport, hier die ältere Dame, vorher über GIP angemeldet oder seit Ihr einfach durchgefahren?

TH


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#15

RE: DDR-Flucht konnte auch einfach sein!

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.10.2009 15:36
von Luchs (gelöscht)
avatar

Zitat von Thunderhorse
...
War Euer Transport, hier die ältere Dame, vorher über GIP angemeldet oder seit Ihr einfach durchgefahren?
...
TH


Hallo Thunderhorse,

entschuldige, dass ich erst jetzt antworte, aber ich hatte diesen Therad gar nicht mehr beachtet.

Natürlich waren wir in irgendeiner Form angemeldet. Wie das vonstatten ging, weiß ich nicht. Aber es muss ja einen Kontakt mit dem Roten Kreuz der DDR gegeben haben, zwecks Terminabsprache.

Viele Grüße
Micha


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